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Romane

Der Reisende

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Über das Buch

Deutschland im November 1938. Otto Silbermanns Verwandte und Freunde sind verhaftet oder verschwunden. Er selbst versucht, unsichtbar zu bleiben, nimmt Zug um Zug, reist quer durchs Land. Inmitten des Ausnahmezustands. Er beobachtet die Gleichgültigkeit der Masse, das Mitleid einiger Weniger. Und auch die eigene Angst. »Ein wirklich bewegender, aber auch instruktiver Text. Ein großer Gewinn! Für einen Dreiundzwanzigjährigen ein ganz erstaunliches Werk.« Brigitte Kronauer Der jüdische Kaufmann Otto Silbermann, ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft, wird in Folge der Novemberpogrome aus seiner Wohnung vertrieben und um sein Geschäft gebracht. Mit einer Aktentasche voll Geld, das er vor den Häschern des Naziregimes retten konnte, reist er ziellos umher. Zunächst glaubt er noch, ins Ausland fliehen zu können. Sein Versuch, illegal die Grenze zu überqueren, scheitert jedoch. Also nimmt er Zuflucht in der Reichsbahn, verbringt seine Tage in Zügen, auf Bahnsteigen, in Bahnhofsrestaurants. Er trifft auf Flüchtlinge und Nazis, auf gute wie auf schlechte Menschen. Noch nie hat man die Atmosphäre im Deutschland dieser Zeit auf so unmittelbare Weise nachempfinden können. Denn in den Gesprächen, die Silbermann führt und mithört, spiegelt sich eindrücklich die schreckenerregende Lebenswirklichkeit jener Tage.

Editionen (5)

ISBN9783608110111
VerlagKlett-Cotta
Erscheinungsdatum05.02.18
Seitenzahl304

Rezensionen & Bewertungen

52 Bewertungen

12 Rezensionen

4,2

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  • nadinebgnr
    nadinebgnr

    21 Follower

    3,5

    Wir begleiten Otto Silbermann, einen deutschen Juden, im Jahr 1938 zu Zeiten der Novemberprogrome. Otto entkommt nur so lange den Fängen der Nazis, weil er von Zug zu Zug und Bahnhof zu Bahnhof lebt. Oft erlebt er sehr spannende Bekanntschaften mit wirklich guten Gesprächen, oft konnte ich den Gedankengängen aber nicht mehr folgen, weil es immer wirrer wurde. Der Schreibstil ist wirklich gewöhnungsbedürftig und teilweiße zieht sich das Buch. Insgesamt aber wirklich interessant zu lesen - ein Buch über diese Zeit IN dieser Zeit geschrieben, das ist nicht leicht zu finden.

    27. Okt. 2025

  • bellabender
    bellabender

    22 Follower

    5,0

    Ideale Lektüre, um die Erinnerung wachzuhalten.

    Hätte ich nicht "Das Leben und das Schreiben" von Benedict Wells gelesen, wäre ich vermutlich nie über dieses Buch gestolpert. Das bin ich jetzt aber und ich bin sehr froh darüber! Seit vielen Jahren befasse ich mich als Autorin und Lektorin immer wieder mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte. Aber bei Geschichte geht es nicht nur um Jahreszahlen und Fakten. Wir müssen erfahrbar machen, warum die Menschen in den 30er und 40er Jahren so vom Faschismus angezogen waren und wie diese Idelogie nach und nach die freie Welt zerstörte. Ulrich Alexander Boschwitz liefert mit seiner Figur Otto Silbermann ein Psychogramm des Verfolgten. Nach dem Novemberpogromen ist Silbermann auf der Flucht durch Deutschland und verliert Stück für Stück seine letzten Privilegien, Kontakte zu Freunden und Familie und schließlich seinen Verstand. Als Leser*in begreift man, wie die ständige Angst und das Misstrauen seinen Willen nicht brechen, sondern Stück für Stück zerstören. Genau das macht den Roman so stark. Ich würde ihn tatsächlich auch als Lektüre für Schulklassen empfehlen. Ulrich Alexander Boschwitz emigrierte 1936 nach England. Obwohl er Jude und damit ein Verfolgter des Nazi-Regimes war, wurde er in England interniert. Er starb auf einem Gefangenenschiff, das durch einen deutschen Torpedo versenkt wurde. Mit ihm ging sein letztes Manuskript unter, das wir niemals lesen werden. Möge Ulrich Alexander Boschwitz in Frieden ruhen 🕯🕎

    14. Feb. 2025

  • biggieule
    biggieule

    39 Follower

    5,0

    Was für ein eindringlich geschriebenes Buch. Und leider heute aktueller denn je

    4. Aug. 2025

3 von 12 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Ulrich Alexander Boschwitz

Ulrich Alexander Boschwitz, geboren am 19. April 1915 in Berlin, emigrierte 1935 gemeinsam mit seiner Mutter zunächst nach Skandinavien, wo sein erster Roman, »Menschen neben dem Leben», erschien. Der Erfolg ermöglichte ihm ein Studium an der Pariser Sorbonne. Während längerer Aufenthalte in Belgien und Luxemburg entstand »Der Reisende«, der 1939 in England und wenig später in den USA und in Frankreich veröffentlicht wurde. Kurz vor Kriegsbeginn wurde Boschwitz in England trotz seines jüdischen Hintergrunds als »enemy alien« interniert und nach Australien gebracht, wo er bis 1942 in einem Camp lebte. Auf der Rückreise wurde sein Schiff von einem deutschen U-Boot torpediert und ging unter. Boschwitz starb im Alter von 27 Jahren, sein letztes Manuskript sank wohl mit ihm.

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