Blick ins Buch

Historische Romane

Das Narrenschiff

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Über das Buch

In seinem fulminanten Gesellschaftsroman lässt Christoph Hein Frauen und Männer aufeinandertreffen, denen bei der Gründung der DDR unterschiedlichste Rollen zuteilwerden. Er begleitet sie durch die dramatischen Entwicklungen eines Staates, der als das bessere Deutschland gelten wollte und nach 40 Jahren nahezu spurlos verschwand.

Sind die Menschen, die dort einmal lebten, dem Vergessen anheimgefallen und ihre Träume nur ein kurzer Hauch im epochalen Wind der Zeitläufte? Christoph Hein lässt sie zu Wort kommen: überzeugte Kommunisten, ehemalige Nazis, verstrickte Funktionäre, kritische Intellektuelle, Schuhverkäufer, Kellner, Fabrikarbeiter, Hausmeister, auch einen hohen Stasi-Offizier. Doch zunehmend erleben sie die neue Gesellschaft als ein Narrenschiff, dessen Kurs auf immer bedrohlichere historische Klippen zusteuert. Mit scharfem Blick und literarischer Kraft zeichnet Hein ein facettenreiches Panorama zwischen Ideologie, Anpassung und stillem Widerstand.

Editionen (4)

ISBN9783518782095
VerlagSuhrkamp
Erscheinungsdatum18.03.25
Seitenzahl600

Rezensionen & Bewertungen

127 Bewertungen

29 Rezensionen

4,0

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  • weinphilosoph
    weinphilosoph

    578 Follower

    3,0

    Dieses Werk von Christoph Hein lässt mich alles in allem ein wenig ratlos zurück. Die versprochene Geschichte der DDR aus Sicht der Bewohner:innen lässt sich im weitesten auf eine Handvoll Menschen herunterbrechen, kombiniert mit einigen Familienmitgliedern, Arbeitskolleg:innen und Liebhabern. Allgemein ist die Vielfalt der Charaktere jedoch nicht gegeben, da alle auf einer ähnlichen sozialen Schicht stammen oder in diese gekommen sind. Für mich werden auch wesentliche Aspekte der Geschichte ausgespart, gerade die der Sicherheitsbehörden in der Zeit der DDR. Auch das bedeutende Ereignis des Mauerfalls wird nur in gefühlt einem Kapitel als Randnotiz eines Telefonats erwähnt. Die recht triste Erzählung der Sozialleben der Charaktere in verschiedenen Stadien ihrer Leben ist dennoch streckenweise unterhaltsam bis interessant. Jedoch gibt es einige Zeitsprünge, in denen komplett offen ist, was in teilweise 10 Jahren passiert. Selbstverständlich ist es nicht einfach, diese 40 Jahre eines so eindrucksvollen wie erschreckenden Staates in ein Buch zu pressen, ohne menschliche Schicksale auszusparen. Auch wenn dieses Buch 750 Seiten umfasst, hätte man sich zwischen einem Roman oder Sachbuch entscheiden können und die Lektüre um die Hälfte kürzen können. So ist es ein eher zeitfressendes Gesamtwerk, was beide Welten nicht richtig in sich vereinen kann. Nichtsdestotrotz kann man unterhaltsame Stunden mit diesem Buch haben und dieses Thema ist aufgrund der innerdeutschen Politik weiterhin wichtig, da die Wiedervereinigung noch immer nicht vollständig in den Köpfen der Bevölkerung angekommen ist. Jedes Buch, welches dieses Thema ansatzweise neutral behandelt, ist ungeheuer wichtig!

    13. Juli 2025

  • hansdampf
    hansdampf

    199 Follower

    5,0

    Auf 750 Seiten beschreibt der Autor das Schicksal dreier befreundeter Familien in der DDR, von der Gründung 1949 bis zu ihrem Ende 1990. Unterschiedlich involviert in den Machtapparat der von Moskau geführten Arbeiter- und Bauernrepublik, wurschteln sich die Protagonisten durch die Absurditäten und Zumutungen des realsozialistischen Alltags. Lesenswert

    Manche Leser beklagen den fehlenden Spannungsbogen, andererseits wird der Stil des Romans vermutlich dem DDR-Alltag am ehesten gerecht ohne ihn zu verkitschen. Der Sohn des Autors, Jakob Hein, schreibt auch schöne Bücher!

    9. Juni 2025

  • therealmike
    therealmike

    145 Follower

    3,5

    Fiktive DDR-Chronik

    „Das Narrenschiff“ hat sich für mich weniger wie ein klassischer Roman angefühlt, sondern eher wie eine fiktive Chronik – fast schon wie ein Sachbuch in Romanform, nur eben mit Figuren, an denen man sich entlanghangelt. Gerade das macht das Buch ziemlich spannend, wenn man geschichtlich interessiert ist, besonders an der Lebenswirklichkeit in der DDR: Alltag, Denkweisen, dieses ständige Mitlaufen oder Anecken, die kleinen Kompromisse – das wird sehr greifbar und ohne viel Kitsch erzählt. Man merkt allerdings auch die Kehrseite: Weil die Geschichte über Jahrzehnte (gefühlt 40 Jahre und mehr) läuft, bleibt für eine wirklich tiefe Ausbildung und Ausreifung der Charaktere nicht immer genug Raum. Man wünscht sich stellenweise, dass das Buch mal länger bei einzelnen Figuren stehen bleibt. Trotzdem hat es für mich genau damit gepunktet, was es am besten kann: ein Panorama der Zeit liefern. Wer eine dichte, psychologische Figurenstudie erwartet, könnte ein bisschen enttäuscht sein– wer aber Lust hat auf ein Buch, das DDR-Geschichte in erzählerischer Form erlebbar macht, bekommt hier richtig viel Stoff und insgesamt ein lohnendes Leseerlebnis.

    25. Dez. 2025

3 von 29 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 12016%
tintenhain
tintenhain6. Juni 2025

Ich finde das Buch bisher historisch sehr interessant. Ein bisschen nerven die Wiederholungen (z. B. wurde mehrmals betont, dass es eine Vernunfsehe ist) und die sehr hölzernen Dialoge. Der dreijährige Heinrich redet wie ein Alter, nur das Wort Lade (Schokolade) soll wohl darauf hinweisen, wie klein er ist. Ich war völlig irritiert. Da es aber inhaltlich interessant ist, werde ich erst einmal weiterlesen.

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1 Kommentar verdeckt

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Autorin / Autor

Über Christoph Hein

Christoph Hein wurde am 8. April 1944 in Heinzendorf/Schlesien geboren. Nach Kriegsende zog die Familie nach Bad Düben bei Leipzig, wo Hein aufwuchs. Ab 1967 studierte er an der Universität Leipzig Philosophie und Logik und schloss sein Studium 1971 an der Humboldt Universität Berlin ab. Von 1974 bis 1979 arbeitete Hein als Hausautor an der Volksbühne Berlin. Der Durchbruch gelang ihm 1982/83 mit seiner Novelle Der fremde Freund / Drachenblut. Hein wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Uwe-Johnson-Preis und Stefan-Heym-Preis. Sein jüngster Roman Das Narrenschiff stand monatelang auf der Spiegel-Bestsellerliste.

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