Blick ins Buch

Romane

Herzklappen von Johnson & Johnson

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Über das Buch

Wie wird ein Kind zu einem mitfühlenden sozialen Wesen, wenn es die Verwundbarkeit nicht kennt? Wenn es nicht versteht, wie sehr etwas wehtun kann? In eindringlichen Bildern erzählt Valerie Fritsch von einem Trauma, das über die Generationen weiterwirkt.

Alma und Friedrich bekommen ein Kind, das keinen Schmerz empfinden kann. In ständiger Sorge um ihren Jungen kontrolliert Alma unaufhörlich seine körperliche Unversehrtheit. Halt findet Alma bei ihrer hochbetagten Großmutter, die nach lebenslangem Schweigen zu erzählen beginnt: vom Krieg, von Flucht, Hunger und Entbehrungen. Mit dem Kind auf dem Schoß, das keinen Schmerz kennt, sitzt Alma am Bett der alten Frau, die sich nichts mehr wünscht, als ihren Schmerz zu überwinden. Und in den Geschichten der Großmutter findet sie eine Erklärung für jene Gefühle der Schuld, der Ohnmacht und der Verlorenheit, die sie ihr Leben lang begleiten.

Editionen (2)

ISBN9783518471326
VerlagSuhrkamp
Erscheinungsdatum20.04.21
Seitenzahl174

Rezensionen & Bewertungen

55 Bewertungen

10 Rezensionen

3,3

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  • jtk_0701
    jtk_0701

    344 Follower

    3,5

    Schmerzen und Schweigen über Generationen Hier hat mich nicht die Geschichte begeistert, sondern die unglaubliche Sprache. Wenn ich Satz für Satz lese und das Gefühl habe, es kommen immer neue Bilder und Gedanken auf. Wenn jeder Satz neue Überraschungen mit sich bringt, fein zwischen den Worten irgendein Zusammenhang erkennbar wird. Auch wenn der Text nüchtern wirkt, er ganz viele Empfindungen hervorbringt. Für mich ist die Geschichte von Alma aufgeteilt in zwei Teile. Einmal wird die Geschichte von Alma, die in einer Familie des Schweigens aufwächst, erzählt. Sie ist anders als ihre Eltern. S.20 „Wie alle Mitglieder ihrer Familie waren auch Almas Eltern anfällig für die elementarsten aller Kränkungen, die durch Andersartigkeit. Sie waren genau, bieder, nett, legten Wert auf moralische Überlegenheit und waren auf unangenehme leise Art enttäuscht, wie unähnlich ihnen das eigene Kind erschien“ Alma besucht immer wieder ihre Großeltern. Während ihre Großmutter ihr im Alter Geschichten aus der Vergangenheit erzählt, bleibt ihr Großvater eher still. S. 58 „In die Hirnschale der Großmutter hineinzuschauen war wie ein Blick in den Nachthimmel: Man sah immer nur in die Vergangenheit des Universums. Während sich der Großvater bei ihren Besuchen in der Küche versteckte, saßen sie beide im Wohnzimmer.“ Sie spürt, dass es unausgesprochene Erinnerungen gibt, die ihren Großvater betreffen. Doch sie kommt ihrer Großmutter näher. S. 65 „Manche Kinderfrage und manche Erwachsenenfrage fand eine Antwort. Es reichte für eine späte Liebe.“ Der Schmerz ist in der Familie immer präsent. Dann lernt sie Friedrich kennen und sie bekommt ein Kind mit ihm. Alma leidet nach der Geburt ihres Sohnes unter postnatale Depressionen. Irgendwann bemerken die Eltern, dass ihr Sohn Emil aufgrund eines Gendefekts keine physischen Schmerzen empfindet. Gemeinsam denken sie sich Sicherheitsregeln und Vorsichtsmaßnahmen aus und bemerken, dass überall Gefahren lauern. S.112 „Wie brachte man jemandem Schmerz bei, wie erklärt man ein Gefühl, das nicht erfahrbar war, wie beschrieb man ein Weh, das immer ausblieb“ Bis hierhin habe ich jeden Satz aufgesogen, jeden Zusammenhang begeistert erfasst und bemerkt, wie schwer es ist, psychische Schmerzen ohne physisches Empfinden zu erklären. Aber dann kommt für mich der zweite Teil der Geschichte. Alma, Friedrich und Emil gehen auf Reise in die Länder des Ostens. Von der Ukraine bis nach Aserbaidschan soll Friedrich eine Bildstrecke photographieren. Hier hat die Begeisterung meinerseits etwas nachgelassen. Es hat sich anders vom Lesen angefühlt. Zwar hab ich erkannt, dass die Kriegserfahrung von Almas Großvater hier auch eine Rolle spielen, aber es war eher ein Dahingleiten der Geschichte. Ich würde das Buch allen empfehlen, die sich gerne von schöner Sprache leiten lassen.

    23. Juli 2024

  • 3,0

    Hab eine andere Story bekommen als erwartet, letztlich ging es mehr um das Drumherum der Familie als um den Jungen ohne Schmerzen.. leider eher nicht mein Geschmack und wäre es länger gewesen, hätte ich abgebrochen..

    5. Okt. 2023

  • rebeccacolmn
    rebeccacolmn

    1 Follower

    3,0

    Leider hat mich das Buch etwas enttäuscht. Der Klappentext hat mir mehr versprochen, als ich tatsächlich gelesen habe. Dabei finde ich die Idee der Geschichte sehr gut, nur leider für mich etwas zu lieblos umgesetzt. Ich hatte auf eine Vernetzung der Generationen gehofft, wie man das Unvermögen Schmerzen zu spüren mit einander vergleichen kann. Aber während der erste Teil die Beziehung zu den Großeltern behandelt und sich in der Bildsprache zu verlieren droht, gibt es in der Mitte einen Bruch und ab dann wird die Beziehung zum Sohn und deren Geschichte deutlich faktenbasierter behandelt. Der zweite Teil war für mich als Leser deutlich flüssiger zu lesen und hat vielleicht ein Fünftel der Lesezeit beansprucht. Die erste vier Fünftel habe ich gebraucht in den Lesefluß reinzukommen und ein Interesse für die Geschichte zu entwickeln. Für den zweiten Teil des Buches hätte ich 4 Sterne vergeben, aber ohne ich durch den Anfang zu kämpfen, wäre ich dort nie angekommen. Daher leider ein eher enttäuschendes Leseerlebnis.

    20. Okt. 2023

3 von 10 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Valerie Fritsch

Valerie Fritsch, geboren 1989, arbeitet als freie Autorin und bereist die Welt. Beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2015 wurde sie mit dem Kelag-Preis und dem Publikumspreis ausgezeichnet. 2020 erhielt sie den Brüder-Grimm-Preis für Literatur. Sie lebt in Graz und Wien.

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