Ein Roman über eine allzu enge Mutter-Tochter-Beziehung, über Abhängigkeit und Emanzipation und über die Suche nach Identität, ein Buch, das wie ein Quallenbiss brennt und noch lange nachwirkt. Deborah Levy, die Autorin von »Heim schwimmen«, wurde für diesen Roman mehrfach ausgezeichnet und für den Man Booker Prize nominiert.
Eine junge Frau begleitet ihre Mutter nach Spanien, wo diese in einer Spezialklinik behandelt werden soll, da die Beine ihr den Dienst versagen. Doch ist das Leiden der Mutter wirklich physischer Natur, oder versucht sie, ihre Tochter an sich zu binden?
Dr. Gomez gilt als Koryphäe, deshalb reisen die beiden Engländerinnen nach Andalusien, wo sich Rose in Behandlung begibt. Sofia, deren griechischer Vater die Familie vor Jahren verließ, versucht zu ergründen, woran ihre Mutter erkrankt ist und wo sie selbst steht. Beim Schwimmen im Meer, das voller Medusen ist, in Gesprächen mit Dr. Gomez oder dessen Tochter wird ihr immer klarer, dass sie sich von ihrer Mutter befreien muss. Als sie die Deutsche Ingrid kennenlernt, die selbstbewusst und unkonventionell ihr Leben lebt, trifft Sofia Entscheidungen.
»Ein Roman, der in seiner Klarheit an Virginia Woolf erinnert« The Guardian
Hab vom Buchrücken her was ganz anderes erwartet. Dass ich das Buch auf englisch gelesen habe, hat nur dazu beigetragen, dass es sich wie ein Fiebertraum angefühlt hat. Mag sein, dass das große Literatur ist, vielleicht bin ich einfach zu blöd, aber der Schreibstil hat mir leider gar nicht gefallen.
31. Mai 2026
1,5
Fiebertraum
Hab vom Buchrücken her was ganz anderes erwartet. Dass ich das Buch auf englisch gelesen habe, hat nur dazu beigetragen, dass es sich wie ein Fiebertraum angefühlt hat. Mag sein, dass das große Literatur ist, vielleicht bin ich einfach zu blöd, aber der Schreibstil hat mir leider gar nicht gefallen.
Die Protagonistin Sofia ist Ethnografin, Mitte 20 und begleitet ihre chronisch kranke Mutter nach Andalusien in eine Spezialklinik, quasi als letzte Hoffnung, um ihren Leiden auf den Grund zu gehen. Während des Aufenthalts in Almería begleitet Sofia ihre Mutter häufig zur Klinik, wo sie den sehr eigensinnigen Arzt Dr. Gómez und seine Tochter Julieta kennenlernt. Es wird den Lesenden sehr schnell klar, dass die Leiden der Mutter Rose psychosomatischer Natur sind, und auch die Mediziner*innen und Sofia selbst scheinen das so zu sehen. Zeitweilen scheint es ein reines Machtspiel der Mutter zu sein, das sie an verschiedenen Personen ausprobiert, allen voran ihrer Tochter. Das führt zu sehr merkwürdigen Gesprächen zwischen allen Beteiligten, die auf mich irritierend und surreal wirkten, alle wirkten irgendwie verdächtig.
Sofia versucht unterdessen, sich mehr von ihrer Mutter zu emanzipieren. Sie lernt die deutsche Designerin Ingrid Bauer kennen, in die sie sich verliebt. Auch diese Beziehung ist mehr als nur merkwürdig. In den Fließtext des Romans, geschrieben aus Sofias Perspektive, sind ab und zu kurze Passagen eingeschoben, die (vermutlich) Ingrids Blick auf Sofia darstellen - und dabei sehr Stalker-haft und bedrohlich wirken.
Immer wieder kommen Situationen vor, die gefährlich wirken und dann doch ins Nichts führen und belanglos bleiben.
Der beste Teil für mich war, als Sofia nach Thessaloniki geflogen ist, um ihren Vater kennenzulernen. Diesen hat sie zuletzt mit 14 gesehen - inzwischen hat er eine Frau in Sofias Alter und eine kleine Tochter. Auch hier fand ich die Kommunikation untereinander sehr angespannt und merkwürdig, doch es war greifbarer als alles vorherige.
Insgesamt bleiben die Charaktere für mich allesamt undurchsichtig und verschlossen, inklusive der Protagonistin. Die Beziehungskonstrukte und die damit einhergehenden Probleme sind verständlich, doch ich hatte zu keiner Person Zugang und wusste oft nicht, ob etwas humoristisch gemeint sein sollte oder nicht. Der Roman wirkt wie ein zäher, träger Sommertag, an dem die Hitze sich statisch auflädt und man die Spannung in der Luft spürt, aber letztlich nichts passiert, auch kein erlösendes Gewitter.
Übersetzt von Barbara Schaden
CN: Krankheit, Bodyshaming
6. Jan. 2024
2,0
Die Protagonistin Sofia ist Ethnografin, Mitte 20 und begleitet ihre chronisch kranke Mutter nach Andalusien in eine Spezialklinik, quasi als letzte Hoffnung, um ihren Leiden auf den Grund zu gehen. Während des Aufenthalts in Almería begleitet Sofia ihre Mutter häufig zur Klinik, wo sie den sehr eigensinnigen Arzt Dr. Gómez und seine Tochter Julieta kennenlernt. Es wird den Lesenden sehr schnell klar, dass die Leiden der Mutter Rose psychosomatischer Natur sind, und auch die Mediziner*innen und Sofia selbst scheinen das so zu sehen. Zeitweilen scheint es ein reines Machtspiel der Mutter zu sein, das sie an verschiedenen Personen ausprobiert, allen voran ihrer Tochter. Das führt zu sehr merkwürdigen Gesprächen zwischen allen Beteiligten, die auf mich irritierend und surreal wirkten, alle wirkten irgendwie verdächtig.
Sofia versucht unterdessen, sich mehr von ihrer Mutter zu emanzipieren. Sie lernt die deutsche Designerin Ingrid Bauer kennen, in die sie sich verliebt. Auch diese Beziehung ist mehr als nur merkwürdig. In den Fließtext des Romans, geschrieben aus Sofias Perspektive, sind ab und zu kurze Passagen eingeschoben, die (vermutlich) Ingrids Blick auf Sofia darstellen - und dabei sehr Stalker-haft und bedrohlich wirken.
Immer wieder kommen Situationen vor, die gefährlich wirken und dann doch ins Nichts führen und belanglos bleiben.
Der beste Teil für mich war, als Sofia nach Thessaloniki geflogen ist, um ihren Vater kennenzulernen. Diesen hat sie zuletzt mit 14 gesehen - inzwischen hat er eine Frau in Sofias Alter und eine kleine Tochter. Auch hier fand ich die Kommunikation untereinander sehr angespannt und merkwürdig, doch es war greifbarer als alles vorherige.
Insgesamt bleiben die Charaktere für mich allesamt undurchsichtig und verschlossen, inklusive der Protagonistin. Die Beziehungskonstrukte und die damit einhergehenden Probleme sind verständlich, doch ich hatte zu keiner Person Zugang und wusste oft nicht, ob etwas humoristisch gemeint sein sollte oder nicht. Der Roman wirkt wie ein zäher, träger Sommertag, an dem die Hitze sich statisch auflädt und man die Spannung in der Luft spürt, aber letztlich nichts passiert, auch kein erlösendes Gewitter.
Übersetzt von Barbara Schaden
CN: Krankheit, Bodyshaming
6. Jan. 2024
3 von 14 Rezensionen
Autorin / Autor
Über Deborah Levy
Deborah Levy wurde 1959 in Südafrika geboren. 1968 emigrierte die Familie nach Großbritannien. Levy besuchte bis 1981 das Dartington College of Arts und begann, Theaterstücke zu schreiben. In Cardiff leitete sie die Manact Theatre Company. Sie verfasste neben einer großen Anzahl von Theaterstücken und Beiträgen für Radio und Fernsehen Erzählungen und Romane. Die Romane »Heim schwimmen« und »Heiße Milch« kamen auf die Shortlist des Man Booker Prize.