Blick ins Buch

Romane

Haus zur Sonne

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Über das Buch

Nach seinem weltweit beachteten Buch »Die Welt im Rücken«, in dem er sein Leben mit bipolarer Störung literarisch brillant verarbeitet hat, legt Thomas Melle nun einen Roman vor, der die Grenzbereiche zwischen Autobiografie und Fiktion, zwischen Sehnsucht und Depression und letztlich zwischen Leben und Tod weiter auslotet.

Wie viel Selbstbestimmung ist möglich, wenn das Leben von einer psychischen Krankheit fremdgesteuert ist? Wonach sehnt sich einer, der nichts mehr zu verlieren hat? Und wie könnte es aussehen, das letzte Glück? Willkommen im »Haus zur Sonne«, einer Institution, die zugleich Wunscherfüllungsmaschine wie Abschaffungsapparat ist. Lebensmüde und todkranke Menschen liefern sich in diese vom Staat finanzierte Klinik ein, um jeden nur erdenklichen Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen und dann – ohne großes Aufsehen – aus dem Leben zu scheiden. Aber will, wer nicht mehr leben will, wirklich sterben?

Thomas Melle geht unseren Sehnsüchten und Todestrieben auf den Grund und liefert so eine radikale Skizze der Conditio humana.

Editionen (2)

ISBN9783462004656
VerlagKiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum14.08.25
Seitenzahl320

Merkmale

7 Bewertungen

NachdenklichLangsamMittelAnschaulichGlaubwürdigTraurig

Rezensionen & Bewertungen

335 Bewertungen

71 Rezensionen

3,8

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  • annalovesbooks23
    annalovesbooks23

    728 Follower

    5,0

    Tief, hart und erschreckend ehrlich. Kein leichtes Buch, aber eines, das bleibt.

    Ich habe dieses Buch vor ein paar Monaten angefangen, ungefähr bis zur Hälfte gelesen und dann erstmal weggelegt. Nicht, weil es schlecht war, sondern weil es mich einfach überfordert hat. Es war mir zu nah, zu intensiv, zu viel auf einmal. Jetzt habe ich es beendet und war sofort wieder komplett drin. Und genau das beschreibt es eigentlich am besten. Dieses Buch lässt einen nicht los, selbst wenn man es zwischendurch aus der Hand legt. In Haus zur Sonne geht es um einen Mann mit bipolarer Störung, der auf eine staatliche Einrichtung stößt, in der Menschen ihre letzten Wünsche erfüllt bekommen, bevor sie sich dazu entscheiden, ihr Leben zu beenden. Allein diese Idee ist schon krass, aber das, was dieses Buch daraus macht, ist nochmal eine ganz andere Ebene. Was für mich einen riesigen Unterschied gemacht hat, ist der Hintergrund des Autors. Thomas Melle ist selbst manisch depressiv. Man liest dieses Buch ganz anders, wenn man das weiß. Es fühlt sich nicht an wie eine Geschichte von außen, sondern wie etwas, das von innen kommt. Und genau das spiegelt sich auch im Schreibstil wider. Ich fand den so besonders und gleichzeitig so schwer zu beschreiben. Er ist direkt, klar, teilweise richtig hart und im nächsten Moment wieder unglaublich emotional. Und trotzdem wirkt nichts überzogen. Es ist eher so, als würde man direkt in den Kopf schauen. Als würde man Gedanken lesen. Ich hatte wirklich das Gefühl, ich lese aus dem Kopf eines manisch depressiven Menschen. Und genau das hat mich so gepackt. Es gibt so viele Stellen, die leise sind und genau deshalb so weh tun. Keine große Dramatik, kein künstliches Aufbauschen, sondern einfach Ehrlichkeit. Gerade diese Gespräche über das Sterben haben mich richtig getroffen. Diese ruhige, fast sachliche Art, wie darüber gesprochen wird, hat etwas unglaublich Beklemmendes. Und gleichzeitig wirft das Buch ständig Fragen auf. Was macht ein Leben lebenswert? Und wer entscheidet das eigentlich? Da war diese eine Stelle mit der blinden Frau, die mich nicht losgelassen hat. Weil ich da gemerkt habe, wie unterschiedlich Wahrnehmung sein kann. Für den einen ist das Leben noch lebenswert, für den anderen vielleicht nicht mehr. Und genau solche Gedanken bleiben hängen. Und über allem steht für mich diese eine Frage Will man wirklich sterben oder will man einfach nur, dass es aufhört? Was ich aber auch ganz wichtig finde, obwohl dieses Buch so schwer und teilweise echt hart ist, gibt es trotzdem Momente, die sich fast leicht anfühlen. Kleine Hoffnungsschimmer, ruhige, schöne Gedanken oder Erinnerungen. Und genau diese Mischung macht es für mich so besonders. Es ist nicht nur dunkel. Es ist beides. Das Ende hat mich dann nochmal komplett abgeholt. Ich hatte ein Gefühl, in welche Richtung es gehen könnte, aber es hat mich trotzdem erwischt. Es war ruhig, konsequent und genau deshalb so stark. Für mich ist das kein Buch, das man einfach liest und wieder vergisst. Es fordert einen. Es bleibt im Kopf. Und es macht etwas mit einem. Ich mochte es wirklich sehr, auch wenn es anstrengend war. Vielleicht gerade deswegen.

    Tief, hart und erschreckend ehrlich. Kein leichtes Buch, aber eines, das bleibt.

    18. Apr. 2026

  • waldelb
    waldelb

    75 Follower

    2,5

    "Die Welt, die ich war, musste untergehen"

    Ein Mensch leidet unter einer bipolaren affektive Störung (F31 ICD10) und verliert mehr und mehr die Hoffnung, die Krankheit überwinden zu können. Er gelangt über ein Prospekt zum „Haus zur Sonne“, einem Ort, der ihm nach dem Entschluss, sein Leben zu beenden, bis zum Todeszeitpunkt es ermöglicht, alle Wünsche zu erfüllen. Klingt nach einer guten Geschichte, welche viel Bewegung und zudem Tiefe verspricht. Thomas Melle ist selbst betroffen und hat in seinen bisherigen Werken wie auch hier versucht, seine Krankheit zu verarbeiten und zugleich zu informieren. Aus der ersten Person wird hier der fiktive Aufenthalt im Haus zur Sonne beschrieben. Es ist ein recht utopischer Ort, der in der Zukunft durchaus möglich wäre. Der Ich-Erzähler wird stets mit der Frage konfrontiert, was er als nächstes erleben möchte, was ihm dann in geschickt kreierten Simulationen ermöglicht wird. Nur weiss der Protagonist eigentlich schon zu Beginn nicht,was er überhaupt will. Diese Frage zieht sich durch das gesamte Buch. Er zwingt sich, sich festzulegen, um bald wieder etwas anderes zu wollen... dann wieder doch nicht. Wir befinden uns fast ausschliesslich in seinen sehr unterschiedlichen Gedankenwelten, die aber mentale Aktivitäten und so sehr abstrakt bleiben. Die Wechselhaftigkeit schafft eine sehr greifbare Unruhe und zugleich verdeutlicht die Sinnentleerung, die ein Mensch mit einer schweren Depression erleben mag. Dem Verlauf der Geschichte tut sie aber nicht gut und machte mir das Lesen zu einer eher unangenehmen Erfahrung. Die oft sehr kurzen Kapitel lassen Zusammenhänge vermissen, wirken gestückelt und nicht einmal ansatzweise in einem Guss. Die Idee der bedingungslosen Akzeptanz, sein Leben jederzeit beenden zu dürfen und die Zeit bis dahin möglichst frei zu verbringen fand ich genial und hat mein Interesse geweckt. In der Umsetzung hat mir die Geschichte im besten Fall verdeutlicht, wie zerrissen ein Mensch mit einer bipolaren affektiven Störung werden kann und wie schwer diese Krankheit wiegt. In der Umsetzung als Buch hat mir die Geschichte jedoch nicht gefallen.

    2. Juli 2026

  • fruggielicious
    fruggielicious

    2596 Follower

    4,0

    4,25⭐️ Bitte beachtet die schweren Themen

    ✨Shortlist Deutscher Buchpreis 2025✨ Zitat des Schriftstellers aus einem früheren Interview: „Schriftsteller wollte ich eh immer sein, nur dass genau dieses Thema nun zum meinem bisherigen Lebensthema geworden ist, das hatte ich eigentlich anders eingeplant. Ich hätte gern darauf verzichtet, andererseits ist es eine Aufgabe, eine existentielle Aufgabe, mich dem zu widmen und das in eine Form zu bringen – eine Aufgabe hat auch nicht jeder.“ Thomas Melle bezieht sich hierbei darauf, dass ihn wohl erst seine Erkrankung (er wurde mit der bipolaren Störung diagnostiziert) zu einem Schriftsteller gemacht habe. Davon handelt sein Vorgängerroman „Die Welt im Rücken“. Aus dieser Erkrankung heraus entwickelte der Autor eine schwere Depression und verlor den Lebenswillen. Das verarbeitete er nun literarisch in „Haus zur Sonne“: Dabei handelt es sich um eine Klinik. Dort kann man sich noch letzte Wünsche erfüllen und dann auf eigenen Wunsch würdevoll aus dem Leben scheiden. Der Protagonist des autofiktionalen Romans teilt seine Erfahrungen und beschäftigt sich mit der Frage, was zu tun ist, wenn man nicht mehr kann. Ich denke, Ihr seht bereits, dass es sich um ein sehr sehr schweres Thema handelt. Überlegt Euch bitte vorab, ob Ihr Euch gerade gedanklich mit dem Thema Selbst☠️ beschäftigen mögt. Leider haben viele Menschen nicht diese Wahl. Trotzdem ist man verpflichtet, auf sein eigenes Wohlbefinden zu achten, denn nur so kann man evtl. helfen / versuchen zu helfen. Grundsätzlich sollte aber jedeR dieses Buch gelesen haben, denn der Autor schafft es, in die Gedanken von betroffenen Personen einzudringen und diese einfühlsam mit der Leserschaft zu teilen. Ich habe es abschnittweise gelesen, damit ich das Gelesene auch verarbeiten kann. Zitat: „Sie sind ein wertvoller Mensch, so wird es ihnen jeweils von tausend Seiten zugesichert. Der Einzige, der das nicht glaubt, sind Sie.“ Völlig verdient auf der shortlist für den Deutschen Buchpreis und hätte auch gewinnen können. Allein der „Plottwist“, die Entwicklung am Ende… keine Spoiler, aber wie heftig ist das bitte. Meine Bewertung beinhaltet den Umstand, dass das Buch thematisch sehr spitz ist und ich den Sprüngen in der Handlung nicht immer folgen konnte. Das Buch war für mich „besser“ als „Die Holländerinnen“, aber „Die Ausweichschule“ hatte mich als Gesamtkunstwerk noch mehr abgeholt. (Alle Bücher waren nominiert, „Die Holländerinnen“ hatte dann gewonnen.) Macht Euch gern ein eigenes Bild! 4,25/5 ⭐️⭐️⭐️⭐️

    4,25⭐️ Bitte beachtet die schweren Themen

    14. Jan. 2026

3 von 71 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

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eszetty
eszetty11. Jan. 2026

Da waren schon ein paar Sätze, die mitten ins Herz gingen. Sehr scharfsinnig geschrieben, erster Eindruck: top

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Autorin / Autor

Über Thomas Melle

Thomas Melle, 1975 geboren, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie in Tübingen, Austin (Texas) und Berlin. Er ist Autor vielgespielter Theaterstücke und übersetzte u. a. William T. Vollmann und Quentin Tarantino ins Deutsche. Sein Debütroman »Sickster« (2011) war für den Deutschen Buchpreis nominiert und wurde mit dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet. 2014 folgte der Roman »3000 Euro«, 2016 »Die Welt im Rücken«, die beide auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis standen. »Die Welt im Rücken« wurde zudem in 22 Sprachen übersetzt. Thomas Melle lebt in Berlin.

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