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Die Sommer

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Über das Buch

Über eine zerrissene Welt, voller Zärtlichkeit und Wut

Das Dorf liegt in Nordsyrien, nahe zur Türkei. Jeden Sommer verbringt Leyla dort. Sie riecht und schmeckt es. Sie kennt seine Geschichten. Sie weiß, wo die Koffer versteckt sind, wenn die Bewohner wieder fliehen müssen. Leyla ist Tochter einer Deutschen und eines jesidischen Kurden. Sie sitzt in ihrem Gymnasium bei München und in allen Sommerferien auf dem Erdboden im jesidischen Dorf ihrer Großeltern. Im Internet sieht sie das von Assad vernichtete Aleppo, die Ermordung der Jesiden durch den IS und gleich daneben die unbekümmerten Fotos ihrer deutschen Freunde. Leyla wird eine Entscheidung treffen müssen.

Editionen (2)

ISBN9783423148221
Verlagdtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum20.07.22
Seitenzahl288

Rezensionen & Bewertungen

174 Bewertungen

27 Rezensionen

4,3

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  • hergen
    hergen

    148 Follower

    4,5

    Auf dieses Buch bin ich ganz durch Zufall gestoßen. Der Roman über die Familiengeschichte der Protagonistin Leyla hat mich emotional total erreicht und nachhaltig berührt. Man taucht mit dem Roman in die syrische und kurdische Geschichte der Gegenwart ein. Zu spüren ist sowohl eine enge familiäre Zugehörigkeit, aber auch ein verloren und entfernt sein von Familie. Leyla, die nur in den Sommerferien Zeit in der Heimat des Vaters verbringen kann, lebt in einer Zwischenwelt und muss diese beiden Gefühle vermitteln. Es werden Sehnsucht, aber außerdem auch Machtlosigkeit und Angst um zurückgebliebene Angehörige verhandelt. Für mich war die collagenartige Erzählung aus hier und jetzt sowie dort und damals unfassbar nahbar und ich habe sehr mitfühlen können. Wenn man sich vorstellt, dass ein ähnliches Schicksal tausende und abertausende andere Familien so und ähnlich erlebt haben, macht mich das fassungslos und überwältigt. Formal ist der Roman in zwei Teile geteilt. Ich habe mich zuerst sehr über die ungleiche Größe gewundert. Die Teilung ist aber im Nachhinein total logisch und nachvollziehbar für mich. Die Länge der einzelnen Teile spielt für die Intensität keine große Rolle.

    8. Apr. 2026

  • 4,0

    📌 "Hätte ich damals schon gewusst, was noch kommt, dachte Leyla, ich hätte eine Kamera mitgenommen. Alle meine Sommer bei den Großeltern über hätte ich alles fotografiert. ... Ich hätte das getan, dachte Leyla, damit nichts jemals verloren gehen kann." - S. 74 Das ist die Geschichte von Leyla, die ihre Sommer bei ihrer Großmutter in Syrien verbringt.  Nur die Sommer, denn Leylas Vater, ein ezidischer Kurde, hat eine deutsche Frau geheiratet, so dass Leyla in Almanya aufwächst und die politische Aufruhr im Land ihrer Familie immer nur am Rande mitbekommt.  Bis in Syrien der Bürgerkrieg ausbricht und Leyla ihre Familie nicht mehr besuchen kann. Im Kopf bleiben die zahlreichen Erinnerungen und die wachsende Sorge um ihre Familienangehörigen in der Fremde, die irgendwie auch Heimat (geworden) ist.

    7. Mai 2024

  • 4,5

    Irgendwo zwischen Nostalgie, Unterdrückung, Flucht, Trauma und Selbstfindung

    "Die Sommer" war für mich außergewöhnlich. Ganz nüchtern vom Stil her, mit eigenartigem Flow und dabei ganz ohne Aufteilung in Kapitel. So fließt alles ineinander und unterstreicht die Gefühlswelt der Protagonistin, die zwischen zwei Kulturen lebt und nirgends so ganz ankommt. Zentrale Rolle spielt die Unterdrückung der (jesidisch) kurdischen Minderheit, einer Gruppe ohne anerkannten Staat, die in ihrer Geschichte besonders intensiv Ziel vom Gewalt und Vertreibung wurde. Authentisch und bedrückend real geschildert wird das Leben der Verwandtschaft in Syrien und später die Zeit der Ereignisse dort während des Arabischen Frühlings. Für mich ein neues Terrain, über das ich hier einiges lernen durfte und dabei bezüglich kurdischer Identität weiter sensibilisiert wurde. Ein Stückchen Distanz blieb mir zwar das ganze Buch über erhalten, dennoch habe ich eine wichtige Perspektive gewinnen können. Auch das Ende passte für mich gut zur Stimmung des Buches.

    19. Juli 2025

3 von 27 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 288100%
heyitslkf
heyitslkf18. März 2025

Das Buch ist wahnsinnig aufwühlend. Es folgt keiner klassischen Geschichte mit Anfang, Mitte und Schluss, sondern legt eher die Gefühle der Protagonistin dar - und das auf eine sehr besondere Art, die man stark nachempfinden kann. Das Buch hat mich etwas unbefriedigt zurückgelassen, aber manche geschichtlichen Ereignisse können leider nicht fertig erzählt werden…

Autorin / Autor

Über Ronya Othmann

Ronya Othmann, geboren 1993 in München, studiert am Literaturinstitut Leipzig. Sie erhielt unter anderem den Lyrik-Preis des open mike und den Publikumspreis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs. Gemeinsam mit Cemile Sahin schreibt sie für die ›taz‹ die Kolumne ›Orient Express‹ über Nahost-Politik.

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