Blick ins Buch

Alles, was wir nicht erinnern

4,3(68)
Sofort lieferbarKostenloser Versand
Jetzt kaufen

Über das Buch

«Zu Fuß?» «Zu Fuß.» «Allein?» «Allein.» Christiane Hoffmanns Vater floh Anfang 1945 aus Schlesien. 75 Jahre später geht die Tochter denselben Weg, 550 Kilometer nach Westen. Sie kämpft sich durch Hagelstürme und sumpfige Wälder. Sie sitzt in Kirchen, Küchen und guten Stuben. Sie führt Gespräche – mit anderen Menschen und mit sich selbst. Sie sucht nach der Geschichte und ihren Narben. Ein sehr persönliches, literarisches Buch über Flucht und Heimat, über die Schrecken des Krieges und über das, was wir verdrängen, um zu überleben. Deutschland in den 1970er Jahren. Unter dem Tisch sitzen die Kinder. Oben seufzen die Erwachsenen, essen Schnittchen und reden über die verlorene Heimat. Sie geben ihre Verletzungen und Alpträume weiter an die nächste Generation. Nach dem Tod des Vaters kehrt die Tochter in das schlesische Dorf mit dem malerischen Namen zurück, nach Rosenthal, das jetzt Rózyna heißt. Am 22. Januar 2020 bricht sie auf und geht noch einmal den Weg seiner Flucht. Was bleibt heute vom Fluchtschicksal? Wie gehen Familien, wie gehen Gesellschaften, Deutsche, Polen und Tschechen mit der Vergangenheit um? Christiane Hoffmanns Buch holt die Erinnerung an Flucht und Vertreibung ins 21. Jahrhundert, es verschränkt ihre Familiengeschichte mit der Historie, Zeitzeugenberichte mit Begegnungen auf ihrem Weg. Doch es ist vor allem ein sehr persönliches Buch, geschrieben in einer literarischen Sprache, die Suche einer Tochter nach ihrem Vater und seiner Geschichte.

Editionen (5)

ISBN9783406784941
VerlagC.H.Beck
Erscheinungsdatum17.02.22
Seitenzahl279

Rezensionen & Bewertungen

68 Bewertungen

13 Rezensionen

4,3

Tippen zum Filtern

  • philippeg
    philippeg

    384 Follower

    4,0

    Rosenthal ist keine Heimat, eher ein Ursprung

    Ein wunderbares Buch über Herkunft, Wurzeln und kulturelle Identität. Hoffmanns Vater ist Ende des zweiten Weltkriegs als kleines Kind vor der sowjetischen Armee geflohen und konnte lange nicht nach Rosenthal zurückkehren, wo früher Deutschland war und heute Polen ist. Sie wandert den Fluchtweg nach und erzählt über ihre Erkenntnisse zu dieser Flucht und ihre Folgen. Ein Satz fasst alles zusammen: Rosenthal ist keine Heimat, eher ein Ursprung. Die lange Trennung von der Heimat des Vaters verhindert eine emotionale Bindung der Tochter. Für sie ist Rosenthal als Ursprung von Interesse, aber als Heimat würde sie den Ort nicht bezeichnen. Seit der Invasion der Ukraine sind wieder Millionen Europäer auf der Flucht. Je länger der Krieg dauert, umso wahrscheinlicher wird es, dass ihnen das gleiche Schicksal wie Hoffmanns Vater ereilt: der Verlust der Heimat. Hoffmanns Buch gefällt, weil sie nicht jammert, vergangenen Zeiten nicht nachtrauert, die nicht zurückkommen werden. Das Leben geht weiter, nimmt einen anderen Weg, prägt die Menschen. Die Generationen ihres Vaters und ihrer Grosseltern haben gelitten, ihre Generation fühlt eine Leere und für die Generation ihrer Kinder wird Rosenthal der Geburtsort des Grossvaters sein.

    24. Juli 2024

  • 5,0

    Ein ganz, ganz tolles Buch wie ich finde! Sensibel, sprachlich wundervoll, vom Thema überfällig. Vieles in der eigenen Familie erklärt sich, ja, es fällt einem regelrecht wie Schuppen von den Augen. Die Autorin hat damit ihre, aber ein Stück weit auch unsere Familiengeschichte aufgearbeitet.

    11. Sept. 2024

  • soleyrabi
    soleyrabi

    51 Follower

    4,0

    Lesenswert, auch wenn ich teilweise Schwierigkeiten mit der Zuordnung hatte, von wem gerade die Rede ist.

    19. Mai 2024

3 von 13 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 00%
nina64
nina6416. März 2025

Eine Tochter läuft den Fluchtweg ihres Vaters aus Schlesien nach, und erzählt sehr spannend und berührend die damalige Fluchtsituation . Unterwegs trifft sie viele Menschen die ihr einiges über diese Zeit erzählen. Ein sehr emotionales Buch über Vertreibung, Flucht,Heimat und Familie dass mich sehr beeindruckt und nachdenklich gemacht hat. Gerade in der jetzigen Zeit finde ich es sehr lesenswert.

Lesen ist schöner mit der READO App.

Bücher entdecken, tracken, gemeinsam lesen.

Bibliothek

Behalte den Überblick