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Romane

Griechischstunden

3,5(278)
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Über das Buch

Nobelpreis für Literatur 2024

»Griechischstunden« erzählt die Geschichte zweier gewöhnlicher Menschen, die sich in einem Moment privater Angst begegnen. Han Kang hat einen schillernden Roman über die rettende Gnade der Sprache geschrieben.

In einem Klassenzimmer in Seoul beobachtet eine junge Frau ihren Griechischlehrer. Sie versucht, zu sprechen, aber sie hat ihre Stimme verloren. Ihr Lehrer fühlt sich zu der stummen Frau hingezogen, denn er verliert von Tag zu Tag mehr von seinem Augenlicht. Bald entdecken die beiden, dass ein tiefer Schmerz sie verbindet. Sie hat in nur wenigen Monaten sowohl ihre Mutter als auch den Kampf um das Sorgerecht für ihren neunjährigen Sohn verloren. Für ihn ist es der Schmerz, zwischen Korea und Deutschland aufzuwachsen, zwischen zwei Kulturen und Sprachen hin- und hergerissen zu sein.
Langsam entdecken die beiden ein tiefes Gefühl der Einheit, und ihre Stimmen überschneiden sich mit verblüffender Schönheit.

»Die vielleicht leiseste Liebesgeschichte der Welt.« Die Zeit

»Han Kangs Stimme kann man sich nicht entziehen.« The Independent

»Dieser Roman ist ein Fest des unaussprechlichen Vertrauens, das im Austausch von Sprache zu finden ist... Han Kang ist eine scharfsinnige Chronistin der ungewöhnlichen, rebellischen Frauen. « New York Times

»Han Kang erzählt zugleich mit großer Brutalität und großer Poesie – eine Mischung, die nur wenigen Schriftstellern gelingt.« stern

»Han Kang erzählt so intensiv, dass man manchmal die Augen schließen möchte.« HR2 Kultur

»Han Kang ist eine der eigenwilligsten, kraftvollsten, innovativsten Autorinnen unserer Zeit.« Die Zeit

Editionen (2)

ISBN9783351037925
VerlagAufbau
Erscheinungsdatum14.02.24
Seitenzahl204

Merkmale

1 Bewertungen

MittelMittelPoetischVielschichtigNachdenklichSympathisch

Rezensionen & Bewertungen

278 Bewertungen

51 Rezensionen

3,5

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  • tante_tanja
    tante_tanja

    542 Follower

    3,0

    Etwas erstrahlt Etwas glänzt im Zwielicht Dann ein Schatten

    Wie das Zitat von Seite 128 zeigt, ist die koreanische Literaturnobelpreisträgerin Han Kang in diesem Werk zu ihren lyrischen Wurzeln zurück gekehrt. Obwohl auf dem Cover von "Griechisch Stunden" der Hinweis "Roman" zu lesen ist, enthält dieser Text wesentlich mehr lyrische Elemente als Prosa. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass dieses Werk von Anfang an beim Lesenden Irritationen weckt, die vielleicht auch in der Absicht der Autorin lagen. Denn sie testet hier ganz unverhohlen die Grenzen des Sagbaren aus und philosophiert auf ihre eigene Art über Sprache, Bewusstsein und zwischenmenschliche Interaktionen. Das Buch muss polarisieren, das ist klar. Aber die Frage an den Text lautet: wurde hier die bestmögliche Form der Darlegung gewählt? - Diese Frage muss jeder Lesende für sich selbst beantworten. Manche halten Lyrik für unübersetzbar, da sich allein durch die Kombination einzelner Wörter - in manchen Sprachen auch durch Silben - ein ganz eigener Rhythmus entsteht, der dem Lesenden über den eigentlichen Wortsinn hinaus Botschaften vermittelt. Bestimmt kann man die wertvolle Arbeit der Übersetzerin Ki-Hyang Lee nicht hoch genug einschätzen, dennoch bleibt die Frage offen, ob der Text eine ganz andere Bedeutung beim Lesen hätte, könnte man ihn im Original lesen. Nicht nur der Text entzieht sich der Prosaform, auch die Figuren wirken seltsam reduziert. Dabei sind nur zwei Figuren im Text wesentlich: Die schwarzgekleidete Studentin, die nicht (mehr) spricht und der Lehrer, der zunehmend sein Augenlicht verliert und völlig auf seine Brille angewiesen ist. Die Sprache, die im Unterricht vermittelt wird, ist Altgriechisch - eine Tote Sprache. "Kurz vor dem Notausgang, der ins Treppenhaus führt, taucht hinter ihr jemand auf und berührt sie am Arm. Erschrocken dreht sie sich um. Es ist das erste Mal, dass der Griechischlehrer so dicht vor ihr steht. Er ist nicht so groß, wie er auf dem Podest wirkt, und sein Gesicht scheint auf einmal um Jahre gealtert. "Ich wollte Sie wirklich nicht in Verlegenheit bringen," stößt er außer Atem hervor. Dann kommt er noch näher: "Vielleicht hören Sie mich auch nicht?" Er hebt die Hände und fährt in Gebärdensprache fort. Dann wiederholt er die Gesten noch einmal und spricht langsam dazu, damit sie ihn versteht." Wer nach diesem Zitat von Seite 73 die verzweifelte Mühe des Lehrers fühlt, kann vielleicht erahnen, welche Emotionen bei der Lektüre dieses Romans aufkommen, wenn man versucht, den Text in seiner vollen Bedeutung zu entschlüsseln. Doch das Schreiben von Han Kang bleibt hier bewusst distanziert, wirkt in emotionalen Momenten zu konstruiert und bleibt insgesamt fast so geschlossen, wie die Lippen der Protagonistin. Und vielleicht ist dieser Leseeindruck von der Autorin beabsichtigt, die auf Seite 198 von "Herzen, die sich berühren, ... Lippen, die einander ertasten, und sich dennoch für immer verfehlen," schreibt. FAZIT Wäre dieses Buch ein Gemälde oder ein Kunstwerk, wüsste ich seinen Wert wohl zu schätzen, aber ich würde nicht extra in das Museum gehen oder die Ausstellung besuchen, wo es zu betrachten ist. Dies war mein zweiter Versuch, mich dem Schreiben von Han Kang zu widmen und muss leider feststellen, dass mein persönlicher Eindruck weiterhin gemischt ist. Vor allem auch die Art und Weise wie sie optische Merkmale einer Figur mit Charaktereigenschaften verbindet, finde ich nicht ganz unproblematisch. Natürlich dürften hier auch kulturelle Prägungen eine Rolle spielen, trotzdem trägt dieses Detail zu den negativen Aspekten des persönlichen Leseeindrucks bei. Die poetische Stimmung im Text habe ich durchaus genossen und habe die Momente zarter Melancholie aufgesogen. Aber für einen Prosatext fehlte mir eindeutig die Substanz. Mehr Handlung, meinetwegen auch mehr vom Inneren Dialog, wäre wünschenswert gewesen - finde ich. Was macht für Dich ein Roman aus?

    27. Mai 2026

  • missyliest
    missyliest

    312 Follower

    4,0

    25 Frauen 2025 - Buch 13: Die Nobelpreisträgerin Han Kang überzeugt mich auch mit dem zweiten Roman, den ich lese. Anders als in "Die Vegetarierin" mit einer teilweise wirklich brutalen Stimmung schlägt Han Kang hier leise und zarte Töne an. Nach einer Auseinandersetzung mit der Grabinschrift von Borges beginnt die eigentliche Handlung: eine Frau soll etwas vorlesen, aber vermag es nicht, obwohl der Mann, der vor der Tafel steht, sie dazu ermuntert. Wir sind mittendrin in der Handlung, ohne die Namen der Figuren zu kennen. Da die Hintergrundgeschichte beider Hauptfiguren erst nach und nach entfaltez wird, möchte ich nicht mehr verraten. Nir so viel: Beide haben in der Vergangenheit gelitten und sind nun verletzliche Personen. Wie auch in "Die Vegetarierin" wird die Geschichte hier aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Aber hier gibt es viel mehr Perspektivwechsel, so dass man viel aufmerksamer liest. Dadurch wird für mich der Blick noch stärker auf das vorherrschende Thema Sprache gelenkt. Ein zarter und berührender Roman, dessen Stil am Schluss passenderweise in Richtung Lyrik geht und uns in unserer Vorstellungskraft fordert.

    16. Apr. 2025

  • karandi
    karandi

    244 Follower

    4,0

    Verlangt genauso viel wie es am Ende gibt

    Ich habe diesen Roman unterschätzt. Ich dachte zunächst, es gehe um zwei Menschen, die sich durch ihre Handicaps ergänzen: Die eine verliert ihre Stimme, der andere sein Augenlicht. Ich ging davon aus, dass der Roman darauf hinauslaufen würde, dass sie für ihn sieht und er für sie spricht. Doch die Geschichte war eine ganz andere — deutlich tiefgründiger und nicht leicht zu verstehen. Dieses Buch muss man mit großer Aufmerksamkeit lesen, wodurch sich 200 Seiten schnell wie 500 anfühlen können. Nichtsdestotrotz finde ich Han Kangs Schreibstil brillant, auch wenn ich glaube, dass dieses Buch seinen literarischen Wert wahrscheinlich noch stärker in der Originalsprache entfaltet. Teilweise war mir der Stil fast zu melancholisch und zu poetisch; kaum ein Satz wirkt wie gewöhnlicher Sprachgebrauch. Dennoch habe ich von Han Kang nichts anderes erwartet. Insgesamt ist das Gesamtbild absolut beeindruckend, vor allem das Storytelling. Die Frau verliert ihre Stimme wahrscheinlich eher aus psychologischen Gründen infolge schwerer Schicksalsschläge. Sie hat bereits früher einmal ihre Stimme verloren und steht nun erneut davor, sie zu verlieren, weil sie wieder von tragischen Ereignissen getroffen wird. Besonders der Verlust des Sorgerechts für ihren Sohn setzt ihr stark zu. Man erkennt hier deutlich, wie stark Han Kang sich mit der Psychologie des Menschen auseinandersetzt. Der Mann fungiert weniger als Liebesfigur, sondern vielmehr als Spiegel und stiller Begleiter der Protagonistin. Durch seinen eigenen Verlust versteht er ihre Sprachlosigkeit auf eine Weise, die anderen Figuren verwehrt bleibt. Als kleines Manko würde ich eventuell die Unübersichtlichkeit nennen. Es ist nicht immer leicht, den Szenen zu folgen, und nicht jede Passage erschließt sich sofort. Es ist ein stiller Roman, der auch Stille benötigt, um verstanden zu werden. Trotzdem würde ich dieses Buch eher erfahrenen Leserinnen und Lesern empfehlen, da es einem schon einiges abverlangt. Definitiv würde ich es nicht als erstes Werk von Han Kang empfehlen. Es ist inzwischen das vierte Buch, das ich von ihr gelesen habe, und bislang auch das anspruchsvollste. Dennoch schätze ich sie als Autorin sehr und vergebe gerne vier Sterne.

    18. Mai 2026

3 von 51 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 11456%
aliner
aliner30. Apr. 2026

Ich checke irgendwie gar nichts 🫠

Seite 204100%

1 Kommentar verdeckt

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Autorin / Autor

Über Han Kang

Han Kang wurde 1970 in Gwangju, Südkorea, geboren und ist die wichtigste literarische Stimme Koreas. 1993 debütierte sie als Dichterin, ihr erster Roman erschien 1994. Für »Die Vegetarierin« wurde sie dafür gemeinsam mit ihrer Übersetzerin 2016 mit dem Man Booker International Prize ausgezeichnet, für »Menschenwerk« mit dem renommierten italienischen Malaparte-Preis. »Weiß« war ebenfalls für den Booker Prize nominiert. 2024 erhielt Han Kang den Nobelpreis für Literatur. Sie lebt in Seoul. Zuletzt erschienen im Aufbau Verlag ihr Roman »Unmöglicher Abschied« und in Die Andere Bibliothek ihr Kinderbuch »Donnerfee und Blitzfee«.Alle lieferbaren Titel der Autorin sehen Sie unter aufbau-verlage.de.Mehr zur Autorin unter han-kang.net.

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