Zeitzuflucht

Zeitzuflucht

Softcover
3.576

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Description

Wenn Sie durch die Zeit reisen könnten, in welches Jahrzehnt Ihres Lebens würden Sie zurückkehren?

In Georgi Gospodinovs Roman, ausgezeichnet mit dem International Booker Prize, entsteht eine Klinik für die Vergangenheit, die eine inspirierende Behandlung anbietet: Menschen können dort Trost finden in ihrer verblassenden Erinnerung. Aber auf einmal interessieren sich auch ganze Länder dafür, in frühere Zeiten zurückzukehren ...

»Sein beseeltestes und umwerfendstes Buch.« Dave Eggers

»Das Buch der Stunde.« NZZ

»Witzig und bissig, weise und zärtlich.« The New Yorker

»›Zeitzuflucht‹ ist ein atemberaubender Roman aus alten Zeiten über das Heute.« Die Zeit

»Große, große Literatur.« Sandra Kegel, 3sat, Buchzeit

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Miscellaneous
Format
Softcover
Pages
342
Price
15.50 €

Author Description

Georgi Gospodinov wurde 1968 in Jambol, Bulgarien, geboren. Einem großen internationalen Publikum wurde er mit seinem Debüt, dem »Natürlichen Roman«, bekannt sowie mit »Physik der Schwermut«, das in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wurde. Gospodinov erhielt zahlreiche Preise, u. a. zweimal den bulgarischen Buchpreis, den Jan Michalski-Preis und 2023 den International Booker Prize für seinen Roman »Zeitzuflucht«. Er lebt und arbeitet in Sofia.Zuletzt erschien von ihm bei Aufbau der Roman »Der Gärtner und der Tod«, der von der Jury der SWR Bestenliste zum Buch des Jahres 2025 gekürt wurde.

Characteristics

1 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
72%
N/A
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N/A
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28%
68%
N/A
N/A

Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
12%
13%
18%
6%

Pace

Fast0%
Slow0%
Moderate100%
Variable0%

Writing Style

Simple100%
Complex0%
Moderate0%
Außergewöhnlich (100%)

Posts

20
All
4

Bewegend

Eine sehr sehr interessante und zeitgenössige Utopie. Wobei ich am Anfang es schwer empfand über das Thema zu lesen. Im ersten Drittel befasste ich mich neben her auch, wie das Leben in der Kindheit war, mit der Hoffnung zu verstehen warum manche nun so sind, wie sie sind (mit Demenz). Das Menschen in Räumen, ausgestattet mit Möbeln und Schriften/Spielen aus der Zeit, der sie sich erinnern, wohnen - oder sich aufhalten können- ging mir nicht aus dem Kopf. Wobei ja beim altern die Personen möglicherweise nicht in einem und dem selben Jahrzehnt bleiben und auch nicht jede Person in dem Jahrzehnt in dem sie junge Erwachsene sind. Die Menschen "gehen" eher zurück zu einer Zeit, die sie sehr geprägt hat, die einem widerfahren ist - oft auch schmerzvoll-. Alles andere erscheint mir eine Wunschvorstellung/Utopie, jedoch mit interessanten Ausführungen und interessanten Ergebnissen und intessantem Ende. Ich hatte anfangs so meine Schwierigkeiten mit diesem Buch, später als es mehr und mehr als Utopie herauskristallisierte ......fand ich es sehr interessant.

3.5

Buchclub-Pick März Schreibstil: 5 von 5 Inhalt: 3 von 5… weiß nicht so richtig ob ich das Buch in seiner Gänze verstanden habe…

Wow also in diesem Buch findet man so viele schöne Zitate die einen auch zum Nachdenken einladen. Ich liebe sowas ja!😍🫶🏼 Die Thematik in diesem Buch ist eine sehr besondere, es geht um die Vergangenheit und Zeit generell, aber auch das Vergessen. Jedoch ist mir nicht ganz klar was die große ganze Geschichte war… Ich bin irgendwie mit so vielen Fragen zurück gelassen worden und habe das Gefühl es fehlt ein Erzählstrang der einzelnen Teile im Buch, der alles miteinander verbindet. Vielleicht ist dieses Buch auch gar nicht dazu gedacht, DIE EINE Geschichte zu erzählen, sondern großzügigen Spielraum für Interpretationen zu lassen. Es ist auf jeden Fall ein besonderes Buch!

Buchclub-Pick März
Schreibstil: 5 von 5
Inhalt: 3 von 5… weiß nicht so richtig ob ich das Buch in seiner Gänze verstanden habe…
4

Gaustín wandelt wie ein zeitloser Flaneur durch die Straßen, ein Relikt vergangener Epochen. Sein Kleidungsstil ist altmodisch, seine Ohren lauschen den Klängen längst vergangener Jahrzehnte, und sein Büro strahlt den Charme der 1960er Jahre aus. Doch als er feststellt, dass die vertraute Umgebung vergangener Zeiten einen positiven Einfluss auf Alzheimer-Patienten hat, fasst er einen außergewöhnlichen Entschluss. Er gründet in Zürich* eine Klinik für die Vergangenheit - ein Ort, an dem jedes Stockwerk einer anderen Dekade gewidmet ist, um den Menschen Trost zu spenden. Die Patienten finden in den liebevoll rekonstruierten Räumen nicht nur Erinnerungen, sondern auch Frieden und Geborgenheit. Doch bald schon interessieren sich nicht nur die von Krankheit Gezeichneten für Gaustíns Konzept. Gesunde Menschen suchen ebenfalls Zuflucht in dieser Oase der Nostalgie, wo sie dem hektischen Treiben der Gegenwart entfliehen können. Das Modell der Klinik greift über die Grenzen der Gesundheit hinweg und erobert andere Lebensbereiche. Menschen jeden Alters und Gesundheitszustands finden hier einen Ort der Ruhe und des Rückzugs, um in vergangenen Zeiten zu schwelgen und sich den Herausforderungen des modernen Lebens zu entziehen. Gaustíns Klinik für die Vergangenheit wird so zu einem Ort der Heilung und des Trostes für die Seelen der Menschen, die in der Gegenwart verloren zu sein scheinen. (*eine Anspielung auf die seltsame Zeitlosigkeit der Schweiz aufgrund ihrer Neutralität und der Anwesenheit von Dignitas) Gaustín ist sozusagen der unsichtbare Doppelgänger, den wir alle haben, und er kann alles sein, was wir nicht sind, weil er nicht durch die Zeit begrenzt ist: Er ist das Ergebnis der Entscheidungen, die wir nicht getroffen haben. Nun gründet Gaustín zunächst eine Klinik für Alzheimer-Patienten, die aus Räumen besteht, die in den verschiedenen Jahrzehnten des 20. Immer mehr Kliniken wie diese entstehen, und gesunde Menschen wollen sich in den Zeitschutz dieser Kliniken zurückziehen, um der Gegenwart und einer Zukunft zu entfliehen, an die sie nicht mehr glauben, bis der ganze Kontinent darüber abstimmt, in welchem Jahrzehnt der Vergangenheit das Land in Zukunft leben will. Die Geschichte ist somit eine Allegorie darauf, dass wir als Individuen die Vergangenheit idealisieren, und jedes Land in Europa sieht aufgrund historischer Umstände einen anderen Zeitrahmen als sein goldenes Jahrzehnt an: Der Kontinent fällt in Zeitkapseln. Aber die Vergangenheit kann nicht wirklich nachgespielt werden, weil die Zukunft nicht in eine Version der Vergangenheit verwandelt werden kann - was uns zur politischen Dimension der neuen faschistischen Politiker bringt, die versprechen, Land XY wieder groß zu machen. Findet die Ich-Figur in diesem simulierten Kinderzimmer also auch die "Zuflucht vor anderen Zeiten", von der Gaustin spricht? Eine Art simulierte Vergangenheit, die auch dann Schutz bietet, wenn die Welt jetzt oder in naher Zukunft unterzugehen droht? Und damit Schutz bietet vor dem Vergessen des Alters, aber auch vor allerlei anderen Bedrohungen, die die Gegenwart bietet? Die Ich-Figur hat jedenfalls ein großes und wachsendes Bedürfnis nach einem solchen Zufluchtsort Gospodinov spielt mit der Vergangenheit durch Reisen und Erinnerungen, in einer labilen und flüssigen Grenze, in der sich die Definitionen von Traum und Erinnerung gegenseitig beeinflussen, bis sie nicht mehr miteinander identifizierbar sind. Sehr schön fand ich die intimeren Seiten, in denen die persönliche Erinnerung des Autors zum Vorschein kommt. Die Zeit wird zu einem Raum, in dem man Zuflucht findet, zu einem erzählerischen Mittel, um in eine neue Dimension vorzudringen und zu zeigen, wie das Geschehene zurückkehren kann und, dass der Mensch selbst unbewusst ein Tier ohne Gedächtnis ist, das sich nicht an seine Fehler erinnern kann. "Ist dieses Buch über die Vergangenheit nicht letztlich ein Versuch, an jenen heilsamen Ort zu gelangen, wie weit zurück auch immer die Zeit liegen mag, an dem die Dinge noch intakt sind [...] Ich sage Ort, aber es geht um die Zeit, einen Ort in der Zeit. Ein Rat von mir: Besuchen Sie niemals nach langer Abwesenheit den Ort, den Sie als Kind verlassen haben. Er ist verändert, von der Zeit gezeichnet, verlassen, geisterhaft. Dort. Er ist nicht da. Nichts. " Die ersten Teile - die Klinik über die Vergangenheit und das Referendum über die Vergangenheit - scheinen zwei alternative Ansätze für die Geschichte zu sein, zwischen denen sich Gospodinov nicht entscheiden konnte, so dass er sie beide belässt. Die beiden Teile sind für sich genommen interessant, bleiben aber in der Luft hängen. Für mich fehlte der rote Faden, um das Persönliche mit dem Öffentlichen auf überzeugende Weise zu verbinden. Gaustín, der mögliche rote Faden, hat sich einfach in Luft aufgelöst. Der Glaube an eine "Zeitzuflucht" ist also nach diesem Roman eine Illusion, so verständlich und vielleicht sogar unverzichtbar dieser Glaube auch sein mag. Denn die Zeit entgleitet uns, und eine "Zuflucht" in der Vergangenheit ist nirgends zu finden. Und schon gar nicht eine Zuflucht, die uns vor dem Verlust des Alterns oder vor katastrophalen Zeiten der Weltgeschichte schützt. Das ist eine ziemlich melancholische Botschaft, und deshalb ist dieser Roman oft ziemlich trostlos. Aber das stört mich nicht: So ist das Leben nun mal, und man muss sich damit abfinden. Und ich denke, dieser Roman hilft dabei, indem er die Melancholie in einem so schönen Stil und einer so schönen Form einfängt. Außerdem bewundere ich den Erfindungsreichtum dieses Romans, den sprudelnden Reichtum an Nebenpfaden und Ideen, die Schönheit der Gedankenexperimente, den spielerischen und phantasievollen Aufbau und die oft so schönen Formulierungen. Deshalb habe ich ihn mit einem breiten Grinsen gelesen.

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3.5

abstrakt aber gut

Die Geschichte(n) der Vergangenheit spielen in dem Roman „Zeitzuflucht“ die große Rolle. Gaustin, ein Flaneur, welcher durch die Zeit reist, erzählt die Geschichten der Menschen in den jeweiligen Jahrzehnten. Man erkennt, wie sie immer wieder zu ihm kommen und bei ihm Zuflucht suchen. Die Erzählungen wirkten auf mich sehr abstrakt, doch die sprachlichen Bilder, welche aufgemacht wurden, sind ein besonderer Teil eines jeden Kapitels. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind ansprechend in Verbindung gebracht wurden. Abzüge gibt es, weil ich bei den Abschnitten an sich teilweise Schwierigkeiten hatte, einen Abschluss zu finden, sodass sie für mich in der Luft hingen. Dennoch ist ein wichtiges Thema aufgemacht wurden und eine Literatur, die gut gelesen werden kann.

2

Das Buch enthält sicher viele schlaue Gedanken, doch ich wusste bis zum Ende nie wirklich, was ich genau lese 😅

2

Erstmal unterbrochen/abgebrochen(?). I don't know. So richtig zieht es mich nicht mehr zu dem Buch, dessen Fäden sich überallhin zerfasert haben. Es ist wunderbar erzählt, aber ich verstehe nicht, wohin es will und ob ich mich noch irgendeine Art von Arbeit hineininvestieren möchte...

4

Interessantes Buch mit viel philosophischem Inhalt

Das Buch fand ich sehr interessant von der Idee und sie wurde auch gut umgesetzt nur leider hat mir zwischendurch der Spannungsbogen gefehlt und manchmal war ich ein bisschen verwirrt, wer gerade erzählt. Ansonsten waren viele tolle Zitate in dem Buch und es regt definitiv zum Nachdenken an

4.5

Wow

Gestern Abend habe ich noch Zeitzuflucht von Georgi Gospodinov beendet. Die Geschichte fängt wunderschön an: ein Zentrum hat verschiedene Bereiche aus unterschiedlichen anderen Zeiten für Menschen mit Demenz. Schnell ändert sich dies doch zum extremen und hat mich sprachlos und schockiert zurückgelassen. Wenn das Buch zwischenzeitlich nicht ein paar Längen gehabt hätte, wäre das Buch ein absolutes Highlight gewesen.

Wow
4.5

Ein sehr schwer zu bewertendes Buch

Ich habe noch nie ein Buch gelesen, dass mich sprachlich so beeindruckt hat, obwohl ich das Gefühl hatte, vieles nicht verstehen zu können. „Zeitzuflucht“ beeindruckt mit wundervollen Gedanken zu den Themen Vergangenheit, Altern und dem Zustand unserer Gesellschaft. Das Buch wird definitiv von der Sprache und nicht von dem Plot getragen. Viele geschichtliche Aspekte, vor allem bezogen auf Bulgarien, konnte ich nicht einordnen und deswegen auch schlechter nachvollziehen. Auch wenn ich glaube vieles nicht so begriffen zu haben, wie es von dem Autor gedacht war, kann ich dem trotzdem nicht weniger als 4,5 Sterne geben. Ein absolutes Leseerlebnis.

4.5

Ein absurdes, fesselndes Buch über die Idee der Erschaffung paralleler Wirklichkeiten für an Demenz oder Alzheimer Erkrankter.

4

So ein intelligentes, faszinierendes Buch über Erinnerungen, das Vergessen und kulturelle Gedächtnisse.

5

Wow, ein absolutes Jahreshighlight - das ist große Literatur! Und ich habe das Gefühl, ich müsste es noch ein paar mal lesen, um alle Ebenen entsprechend würdigen und verstehen zu können. Das Spiel mit der Zeit ist genial, einerseits aus psychologischer Perspektive - was passiert mit uns, wenn wir vergessen, wenn das Gedächtnis schwindet und Vergangenheit zur Gegenwart wird, was ist Zeit überhaupt? Und aus politischer/historischer Sicht - warum sich mit der ungewissen Zukunft beschäftigen, wenn man sich doch einfach eine "schöne" Vergangenheit aussuchen kann, in die man bitte zurückkehren möchte? Und in der natürlich wird auch kollektiv alles vergessen wird, was nicht in das propagierte Geschichtsbild passt. Eine wunderbar böse Parodie auf die Vergangenheitsverklärung, die wir leider im Moment von manchen Kräften wieder zu hören bekommen und die zu dem Schluss kommt: wünscht man die Vergangenheit zurück, wird sich die Geschichte auf brutale Art wiederholen. Faszinierend ausserdem das Spiel des Autors mit sich und der Figur Gaustìn - sind sie ein und die selbe Person? Eigentlich ja, aber irgendwie... auch nicht.

2.5

Ich fürchte leider, dass ich das Buch einfach nicht verstanden habe. Daher hat es mich leider überhaupt nicht abgeholt. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass man es absolut lieben kann, wenn man sich auf die Sprache und auf den Stil einlassen kann. Vielleicht war es einfach der falsche Zeitpunkt dafür.

4

Literatur. Gute Idee. Stellenweise wirr. Aber vielleicht passt das auch?

3

Das Buch behandelt die Themen Zeit, Erinnerung und Vergangenheit auf viele unterschiedliche Arten, einige Handlungselemente haben mir sehr gefallen, andere weniger. Verallgemeinert würde ich sagen, dass alles was entweder sehr persönlich oder nachdenklich war für mich funktioniert hat, während die eher politischen und zeitgeschichtlichen Aspekte mich nicht mitreißen konnten. Der Roman hat schon sehr unterschiedliche Teile und ich weiß nicht ob ich mir mehr Zusammenhang gewünscht hätte oder in der zweiten Hälfte einfach nur den Teilen des Buches nachgetrauert habe, die ich interessanter fand. Insgesamt sind hier viele gute Gedanken, eine faszinierende Figur im Zentrum, eine tolle Prämisse und wahrscheinlich für jeden was dabei.

3

Irgendwie ein außergewöhnliches und berührendes Buch, ohne herausgearbeitete Charaktere oder einen gut verfolgbaren Plot. Eher die Beschreibung einer Idee. Interessant und intelligent umgesetzt, aber nicht so ganz rund.

3

Es fällt mir sehr schwer, zu diesem komplexen Werk eine angemessene Rezension zu schreiben. Dieses Buch funktioniert auf verschiedenen Ebenen, hat unterschiedliche Themen und Bereiche. All dies zusammenzufassen ist gar nicht einfach. Auf jeden Fall bin ich tief beeindruckt von Gospodinov. Es war bestimmt nicht einfach, dieses Buch zu schreiben. Hier hängt so viel zusammen, eines geht ins andere über, und Dinge vom Anfang gewinnen plötzlich eine neue Bedeutung, alles ist im Fluss. Es ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt. Ein Buch, über welches gesprochen werden muss. Es ist klug, ohne altklug zu sein. Oftmals auch zwinkernd. Der Autor geht mit offenen Augen durch die Welt und verliert dabei auch sich selbst (bzw. die Erzählfigur) nicht aus dem Blick. Eindrücklich zeigt uns Gospodinov Möglichkeiten, Wahrscheinlichkeiten. Manche beängstigend aufgrund ihrer Akkuratheit, viele zum Nachdenken anregend. Wie wollen wir alt werden? Was ist die Zeit? Was ist Zukunft, Vergangenheit, Gegenwart? Wo fängt das eine an, wo hört das andere auf? Wahrlich ein grosses Werk.

4

Ein namenloser Ich-Erzähler, der durch die großen europäischen Städte wandelt und ein Flaneur namens Gaustin, der durch die Jahrzehnte des 20ten Jahrhunderts wandert Beide gründen eine Klinik der Vergangenheit, jedes Stockwerk repräsentiert ein Jahrzehnt. Alzheimer- oder Demenzkranke können dort verweilen, in dem Jahrzehnt (Stockwerk), an das sie sich noch am ehesten erinnern können. Doch was, wenn plötzlich auch gesunde Menschen dort hin wollen? Was, wenn sich die Klinik der Vergangenheit auf ganze Städte und Nationen der Vergangenheit ausbreiten? Sehnen sich die Menschen emotional und politisch wirklich so sehr nach der Vergangenheit? Nach einer Flucht in vergangene, vermeintlich bessere Zeiten? Und was ist überhaupt Zeit? Und was eine Zeitzuflucht? Georgi Gospodinov ist über zwei Drittel ein überragendes, faszinierendes und raffiniert verschachtelt angelegtes Buch mit großartigen Protagonisten gelungen. Spielerisch, poetisch, stellenweise von einem lakonischen Humor durchdringen, gelingt ihm eines der faszinierendsten literarischen Gedankenspiele - und gleichzeitig eine der berührendsten Auseinandersetzung mit grundsätzlich sensiblen Themen (Zeit, Endlichkeit, Erinnern, Vergessen) - die ich seit Langem gelesen habe. Einzig das letzte Drittel lässt etwas nach, wirkt etwas gewollt / konstruiert. Allerdings sind die ersten 250 Seiten aber auch auf so hohem Niveau, dass das absolut keine Schande ist. Für fünf Sterne reicht es nicht ganz. Das Buch ist aber nur ganz knapp dran vorbei geschlittert. In dem Sinne: unbedingt lesen! Es lohnt sich wirklich!

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