Wilhelm Meisters Lehrjahre

Wilhelm Meisters Lehrjahre

Softcover
2.88
GoeLiteraturklassikerKlassische BelletristikStreber

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Description

Der Kaufmannssohn Wilhelm Meister verlässt das Elternhaus, um seine Bestimmung zunächst in der Theaterwelt, später im »tätigen Leben« zu suchen. Goethes 1795/96 erschienener Roman ist reich an Reflexionen und sprachlichen Formen. Einzelne Passagen, etwa Mignons Lied vom »Land, wo die Zitronen blühn«, haben eigenen literarischen Ruhm erlangt. Die »Lehrjahre« gelten als Prototyp des Bildungsromans und handeln zugleich vom tiefgreifenden ökonomischen Transformationsprozess hin zur bürgerlichen Gesellschaft. Mit einem neuen Nachwort.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Classics
Format
Softcover
Pages
787
Price
12.40 €

Posts

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All
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Es ist wirklich schade, einen Goethe abzubrechen - aber nur weil es Goethe ist, heisst das noch lange nicht, dass ich ein Buch, das mir nicht zusagt, auch beenden muss. Schliesslich lese ich es nicht für die Schule, sondern wenn, dann für mich. Oder für eine Challenge... In Wilhelms Geschichte fand ich leider absolut nicht rein, obwohl ich es über längere Zeit versucht habe. Wir passen scheinbar einfach nicht zusammen. Also lasse ich ihn ziehen. Vielleicht treffen wir uns ja später wieder und dann könnte es ja klappen zwischen uns? Wer weiss, was die Zukunft bringen mag. Aber momentan lese ich lieber etwas Anderes...

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Nur etwas für Theaterbegeisterte oder eingelesene Fans! "Wilhelm Meisters Lehrjahre" hätte sich auch gut "Goethes Lobhymnen auf Shakespeare" nennen können, denn das Buch handelt die meiste Zeit von einer ausführlichen Analyse und Interpretation des Stückes Hamlet. Dabei trifft man auf Wilhelm, ein gefühlstrotteliges, verwöhntes Sensibelchen, nach dem der Roman benannt ist, das bald dem Elternhaus entflieht und sich einer Schauspieltruppe anschließt. Es folgen endlose, gestelzte Dialoge, Seiten über Seiten von Geschwafel, die lustigstes und grotesken Charaktere werden vorgestellt. Das Buch endet auch umso lustiger und grotesker, obwohl es nie versucht lustig zu sein, sondern stets tragisch und ernst daher kommt, wie sich anhand einigen Szenen leicht erkennen lässt: "Glauben Sie nicht, fuhr sie fort, dass ich so weich, so leicht zu rühren bin! Es ist nur das Auge, das weint. Ich hatte eine kleine Warze am untern Augenlid, man hat sie mir abgebunden, aber das Auge ist seit der Zeit immer schwach geblieben, der geringste Anlass drängt mir eine Träne hervor." Auch der Tod Mignons, Wilhelms Ziehtochter, kommt eher komisch als tragisch daher: "Mignon fuhr auf einmal mit der linken Hand nach dem Herzen, und indem sie den rechten Arm heftig ausstreckte, fiel sie mit einem Schrei zu Nataliens Füßen tot nieder." Die Dramatik ist vollkommen überzogen, lässt das Buch oft lächerlich erscheinen und wirkt auf den modernen Leser weitaus häufiger als eine Form der Satire. Das Buch ist kitschig und melodramatisch, zeitweilen geschrieben wie eine Art Seifenoper. Mutmaßlich soll es einen Bildungsroman darstellen, weshalb ständig Meinungen und Phrasen über alles und jenes von unwichtigen, komischen Figuren eingebaut werden und sich Dialoge oft über Seiten hinweg halten, die zu keinem wirklichen Schluss führen: "Einen Abend stritt die Gesellschaft, ob der Roman oder das Drama den Vorzug verdiene?" Positionen und Meinungen werden lange erläutert und langweilen den Leser eher, interessieren vielleicht nur ein beschränktes Publikum. Auch Hamlet von Shakespeare wird ständig aufgegriffen und erläutert, der Autor selbst in den Himmel gelobt und verehrt, obwohl die Aufführung des Stückes letztendlich zu nichts führt. Dieser Teil der Handlung wirkt überzogen und unnötig dramatisch. Dem ganzen wird etwas Philosophisches angehängt, aber es verliert seine Bedeutung hinter all der Dramatik Wilhelm bildet sich im Laufe des Romanes weder weiter noch wird er in irgendeiner Weise gelehrt, stets verliebt er sich in Frauen, obwohl sein Herz Mariane gehören soll, wie ständig in höchst seltsamer Weise betont wird. Statt es mit Enthaltsamkeit enden zu lassen, entscheidet Goethe sich, alles in einem nichtssagenden, kitschigen Ende aufzulösen, indem Wilhelm doch noch eine hübsche Frau findet und Mariane vergessen zu haben scheint. Am Ende wirkt Wilhelm noch genauso wie das verwöhnte, reiche Bürschchen, das er vorher war, nur darum belehrt, dass er ein schlechter Schauspieler ist und einen kleinen Sohn hat, der zu doof ist, um aus dem Glas zu trinken und sich die Flasche nimmt. (Beiseite genommen, dass er sich damit das Leben rettet.) Grotesk wirkte außerdem die Geschichte Mignons, deren Eltern Geschwister waren. Der Inzest in ihrer Herkunft wurde so wenig beachtet, sie schien ein äußerst talentiertes Kind zu sein, dass man sich wirklich ernsthafte Sorgen um die deutsche Gesellschaft des 18. Jahrhunderts machen musste. Goethe verdankt den Erfolg dieses Romanes wohl nur seinem eigenen Ruhm. Ich schließe mit einem Zitat Novalis, der die Lehrjahre als „ein fatales und albernes Buch." bezeichnete. "Die Freude, daß es nun aus ist, empfindet man am Schlusse im vollen Maße."

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