Wer wir waren

Wer wir waren

Hardback
4.160
MoralStaatEntschleunigungKino

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Description

Roger Willemsen hatte vor seinem Tod an einem neuen Buch gearbeitet. Es sollte ›Wer wir waren‹ heißen und unsere Gegenwart betrachten – aus der Zukunft. Als Roger Willemsen im Sommer 2015 krank wurde, stellte er die Arbeit an diesem Buch ein. Zentrale Gedanken davon aber stecken in einer mitreißenden »Zukunftsrede«, die zu seinem letzten öffentlichen Auftritt wurde. Sie ist nicht nur das melancholische Resümee und die brillante Analyse eines außergewöhnlichen Zeitgenossen, sondern zugleich das leidenschaftliche Plädoyer für eine »Abspaltung aus der Rasanz der Zeit«. Sie ist ein Aufruf an die nächste Generation, sich nicht einverstanden zu erklären.

»Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten.«
Roger Willemsen

Book Information

Main Genre
Biographies
Sub Genre
Miscellaneous
Format
Hardback
Pages
64
Price
14.40 €

Author Description

Roger Willemsen, geboren 1955 in Bonn, gestorben 2016 in Wentorf bei Hamburg, arbeitete zunächst als Dozent, Übersetzer und Korrespondent aus London, ab 1991 auch als Moderator, Regisseur und Produzent fürs Fernsehen. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Bayerischen Fernsehpreis und den Adolf-Grimme-Preis in Gold, den Rinke- und den Julius-Campe-Preis, den Prix Pantheon-Sonderpreis, den Deutschen Hörbuchpreis und die Ehrengabe der Heinrich-Heine-Gesellschaft. Willemsen war Honorarprofessor für Literaturwissenschaft an der Humboldt-Universität in Berlin, Schirmherr des Afghanischen Frauenvereins und stand mit zahlreichen Soloprogrammen auf der Bühne. Zuletzt erschienen im S. Fischer Verlag seine Bestseller »Der Knacks«, »Die Enden der Welt«, »Momentum«, »Das Hohe Haus« und »Wer wir waren«.Über Roger Willemsens umfangreiches Werk informiert der Band »Der leidenschaftliche Zeitgenosse«, herausgegeben von Insa Wilke. Willemsens künstlerischer Nachlass befindet sich im Archiv der Akademie der Künste, Berlin. Literaturpreise:Rinke-Preis 2009Julius-Campe-Preis 2011Prix Pantheon-Sonderpreis 2012

Posts

9
All
5

Nachzeitig werde ich schauen, aus der Perspektive dessen, der sich seiner Zukunft berauben will, weil sie ihn schauert, im Vorauslaufen zurückblickend, um sich so besser erkennen zu können, und zwar in den Blicken derer, die man enttäuscht haben wird. Geradezu grenzenlos haben wir ja in allen Medien der historischen Rekonstruktion durch die Augen jener blicken gelernt, die waren und gingen. Vergleichsweise selten aber versuchen wir, uns im Blick jener zu identifizieren, die kommen und an uns verzweifeln werden. - Zitat, Seiten 24,25 Eine editorische Notiz hat die literarische Nachlassverwalterin von Roger Willemsen (1955 - 2016), Insa Wilke, dem kurzen Text des Buches beigefügt. Darin bezeichnet sie die in diesem Buch abgedruckte "Zukunftsrede" als Vermächtnis des Autoren. "Wer wir waren" sollte ein komplexes Werk werden, in welchem der Autor unsere Gegenwart aus der Perspektive der noch ungesehenen Zukunft betrachten wollte. Als er jedoch von seiner Krebserkrankung erfuhr, legte er seine schriftstellerische Arbeit nieder und schlich sich aus dem öffentlichen Leben davon. Geblieben ist die hier abgedruckte Rede von Roger Willemsen, die er am 24. Juli 2015 gehalten hat. Es war sein letzter öffentlicher Auftritt. Dieser nachdenklich stimmende Text ist die ideale Lektüre für das ausgehende Jahr. FAZIT Dies war mein persönlich erster Kontakt mit dem Werk von Roger Willemsen - und mir war bei der Wahl der Lektüre nicht klar, dass es sich um "das (literarische) Vermächtnis" desselben handelt. Aber dieser gedankenschwere, aber doch leichtfüßig geschriebene Text macht mir Lust auf mehr und so liegt schon ein weiteres Buch des Autoren zur Lektüre bereit! Eine unbedingte Leseempfehlung.

5

Schlaue Gedanken. Top.

5

Allein die Idee, unsere Gegenwart aus der Zukunft zu betrachten, ist brillant. Diese Brillanz ist auch sprachlich  in jede Zeile von Roger Willemsens Rede aus dem Jahr 2016 eingeschrieben. Ich bin mir sicher, es wäre ein wahnsinnig gutes Buch geworden. So viele wichtige Gedanken und Anreize finden sich allein in diesen 64 Seiten von „Wer wir waren“.  Roger Willemsen ist im Alter von 60 Jahren an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben. Für das geplante Werk hatte er eine Materialsammlung angelegt und für die vorliegende Rede gab es bereits drei verschiedene Entwürfe. Nehmt euch die ein bis zwei Stunden und lest diese Rede am Stück. Ihr werdet es nicht bereuen und versteht uns, die wir uns hier aus der Zukunft betrachten, vielleicht etwas besser. Bei jedem größeren politischen oder gesellschaftlichen Ereignis, das sich hier in Deutschland oder auch in der Welt vollzieht, muss ich unweigerlich daran denken, was Roger wohl dazu schreiben würde. Er hatte die Gabe, uns Menschen so zu beobachten wie kaum ein anderer. Kurzum: Roger, du fehlst.

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5

Roger Willemsens posthum erschienenes Werk „Wer wir waren“ ist weniger ein abgeschlossenes Buch als ein Fragment, ein Denkansatz, ein Vermächtnis…

Ursprünglich als große Zukunftsrede geplant, konnte Willemsen das Werk vor seinem Tod im Februar 2016 nicht mehr fertig stellen. Zurück bleibt ein intensiver, poetischer, fragmentarischer Text, der mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt – und gerade das macht es zu etwas ganz Besonderem. „Wer wir waren“ ist keine Anklage, es scheint wie ein Weckruf. Willemsens Perspektive ist nicht pessimistisch, sondern melancholisch und klarsichtig – mit einer Liebe zur Welt und zu den Menschen, gepaart mit einer spürbar tiefsitzenden Enttäuschung über deren Gleichgültigkeit. Es wirkt wie ein letzter Aufruf, das eigene Denken, Fühlen und Handeln radikal zu hinterfragen – gerade in einer Zeit multipler Krisen: Klimawandel, soziale Ungleichheit, digitale Entfremdung… die knapp 60 Seiten haben mich ähnlich aufgerüttelt wie Hartmut Rosa‘s Unverfügbarkeit und ich will dieses kleine Werk jedem ans Herz legen, der sich philosophisch unserem allgegenwärtigen Weltschmerz nähern möchte.

4

was für ein schlauer Mensch, der viel zu früh gehen musste und deshalb fehlt.

4.5

Ein großartiger Text, sprachlich wunderbar anspruchsvoll (natürlich!) und auf den Punkt geblickt. Wer gespiegelt bekommen will, wie schnell sich Oberflächlichkeit im Schlepptau immerwährender Verfügbarkeit in der Gesellschaft Bahn bricht, sollte dieses Buch unbedingt lesen.

3

Es geht darum wie die Menschen die Welt zerstören. Es ist sehr lehrreich obwohl es grade mal 64 Seiten hat.

5

Der Autor verschafft uns einen fantastischen Blick aus der Zukunft auf den Werdegang der Menschen. Allein diese Perspektive regt zum Nachdenken an. Den Inhalt empfinde ich als beängstigend, er möchte aber auch Hoffnung machen. Es ist sehr bedauerlich, dass W. das geplante Buch, dass er auf der Grundlage dieses Vortrags schreiben wollte, nicht mehr fertigstellen konnte. Ich werde mehr von diesem klugen Zeitgenossen lesen.

5

Es gibt kaum einen Menschen des öffentlichen Lebens, den ich so sehr vermisse, wie Roger Willemsen. Sein früher Tod ist einfach ein großer Verlust für die Menschheit. Für mich ist er der Inbegriff des Intellektuellen, ein Mensch, der scheinbar in allen Bereichen bewandert war, von Musik bis zur Philosophie. Der aber nicht nur Wissen anhäufte, um sie billig der Öffentlichkeit in Büchern oder Talkshows wiederzugeben, sondern der seine Erkenntnisse aus dem Wissen zog, vernetzt dachte, eloquent formulierte, immer an den Menschen dachte, ein Freund des Menschen war (auch wenn er sehr bissig austeilen konnte) und dabei immer fröhlich schien, das Leben offensichtlich liebte. Und das hier sind seine letzten Worte, eine Rede, in der man sich jeden Satz auf der Zunge zergehen lassen kann. Eine Rede, die mich sehr bewegte und mich selbst hinterfragen ließ, wer ich war und sein sein will und am Ende meiner Tage gewesen sein wollte. “Unsere Existenzform ist die Rasanz. Das ist das Therapeutische am Leben im Medium des Smartphones. Wir erwachen im Goldenen Zeitalter der Ruhelosen und werden sagen können: Wenn wir in den Städten auf die Straße traten, hatte der Kampf um unsere Aufmerksamkeit schon eingesetzt. Die Fassaden schrien uns an, die Nackten umgarnten uns in den Auslagen, immer gab es etwas Hingeräkeltes, Schmeichlerisches, das uns besser gefallen wollte als alles sonst auf der Welt. Alles Großaufnahme, alles äußerste Steigerungsform, und wir dazwischen, die umkämpften Abgekämpften. Dass wir nicht mehr können, erliegen, dass wir unrettbar sind, in der Kapitulation leben, das sagten wir nicht, wir fühlten es bloß, und es gab Waren dagegen, käufliche Stimmungen und Versprechen. Der Mensch für sich, er hat sein Recht verwirkt, es auch draußen zu sein. Die Außenwelt betritt er nur unter Verzicht auf dieses aufgeriebene, kaum mehr souveräne Ich.”

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