We Need To Talk About Kevin
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ONE MILLION COPIES SOLD
Eva never really wanted to be a mother; certainly not the mother of a boy named Kevin who murdered seven of his fellow high school students, a cafeteria worker and a teacher who had tried to befriend him. Now, two years after her son's horrific rampage, Eva comes to terms with her role as Kevin's mother in a series of startlingly direct correspondences with her absent husband Franklyn about their son's upbringing. Fearing that her own shortcomings may have shaped what her son has become, she confesses to a deep, long-standing ambivalence about motherhood. How much is her fault? In Lionel Shriver's hands this sensational, chilling and memorable story of a woman who raised a monster becomes a metaphor for the larger tragedy - the tragedy of a country where everything works, nobody starves, and anything can be bought but a sense of purpose.
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Langsam erzählte Tragödie; die Gewalttat steht nicht im Fokus. Die Mutter bleibt mit ihrer Schuld und dem "Warum" zurück
Ist man für die Taten seine Kindes verantwortlich? „ ,Die Katastrophe' klingt wie aus der Zeitung; ,das Ereignis' spielt das Geschehene bis an den Rand der Obszönität herunter; und ,der Tag, an dem unser Sohn einen Massenmord beging' ist zu lang, stimmt’s?“ (S. 25) Nachdem mich der Film „ We need to talk about Kevin“ nachhaltig faszinieren konnte, holte ich mir die deutsche Ausgabe des Buches „Wir müssen über Kevin reden“ von Lionel Shriver, welches bereits 2003 erschien. Bei meiner Ausgabe handelt es sich um die Filmausgabe von 2012 im Ullstein Taschenbuch Verlag, die 560 Seiten umfasst. Mein Anspruch war es, mehr über die Gefühlswelt der Mutter zu erfahren und ich wurde auch nicht enttäuscht. Eva Khatchadourian ist eine erfolgreiche Herausgeberin des Reiseführers „A Wing and a Prayer“ als sie sich mit 37 dazu entschließt, ein Kind zu bekommen. Doch anstatt eines Familienidylls beginnt ein ständiger Kampf und am Ende begeht Kevin eine schreckliche Gewalttat. Für Eva bleibt die Zeit stehen und sie fragt sich, wie viel Schuld sie selbst an dieser Entwicklung hatte… Der Roman ist aus der Ich-Perspektive von Eva geschrieben, weshalb man sich unweigerlich in ihrem Kopf befindet und damit auch mit ihrer Version der Geschichte vorliebnehmen muss. Eine weitere Besonderheit ist, dass Kevins Tat zwar von Anfang an bekannt ist, die Details aber erst nach und nach in Form von Briefen an ihren Ehemann Franklin ans Licht kommen. Diese Erzählart führt dazu, dass die Geschichte nur sehr langsam voran geht. Die eigentliche Tat wird erst auf den letzten 60 von 560 Seiten abgehandelt. Eva ist ein Reisefan und hat Angst vor Verbindlichkeit. Einmal zieht sie eine dreimonatige Reise ihrer Zeit mit dem kleinen Kevin vor. Oft wird sie außerdem als gefühllos und narzisstisch beschrieben, wobei sie mit den anderen Menschen ebenfalls hart ins Gericht geht (vgl. S. 384). Von Kevin wird sie als selbstgerecht, herablassend und überheblich betitelt (S. 393). Die Entscheidung zu einem Kind fällt ihr zunächst schwer, die Mutterschaft wird als „fremdes Land“ (S. 33) bezeichnet. Mit 37 ist sie endlich bereit, diesen Schritt zu wagen und freut sich auf das neue Abenteuer. Allerdings kommen ihr schnell Zweifel an dieser Entscheidung und sie bereut Kevin, bevor er überhaupt geboren ist (S. 107). Auch später hat sie das Gefühl, sich als Mutter nicht genug angestrengt zu haben (S. 113). Eine postnatale Depression lässt sie aus der Wut auf sich selbst, versagt zu haben, gar nicht erst feststellen und Eva stirbt fast, als sie mit einem Milchstau nicht zum Arzt geht. Sie bestraft sich immer wieder selbst. Zudem hat Eva ab der ersten Sekunde das Gefühl, dass Kevin sie hasst. Er verweigert ihre Milch, schreit in einer Tour und weigert sich zu sprechen. Irgendwann gibt sie sogar zu, Kevins Nähe unerträglich zu finden (S. 204). Kevin nehme ihr alles, was sie je ausgemacht habe (S. 238). Trotz dieser ambivalenten Beziehung liebt Eva ihren Sohn. Als Kevin krank ist und sie gemeinsam Robin Hood lesen (S. 333), erlebt sie zum ersten Mal eine friedliche Zeit mit ihm. Außerdem besucht sie ihn regelmäßig im Gefängnis (S. 61) und hadert mit dem Ruf als schlechte Mutter, den sie ihrer Meinung nach aber absolut verdient (S. 104). Sie findet etwas Trost, als sie erkennt, dass es schwer ist, eine Mutter zu sein (S. 237) und sie ihr Bestes gegeben hat und immer noch gibt. Weiterhin bewundert sie Kevin für seine Außergewöhnlichkeit (S. 460), als er über PC-Viren redet oder wie er im Fernsehen auftritt (S. 494). Die Frage nach dem „Warum“ wird immer wieder gestellt, aber nie beantwortet. Sie beschäftigt Eva sehr, auch wenn sie weiß, dass es keine befriedigende Antwort auf diese Frage gibt. Vielleicht will Eva auch eine lange Zeit gar keine Antwort finden (S. 238). Sie gibt sich selbst die Schuld zu kalt, egoistisch oder kritisch gewesen zu sein (S. 236). Gut gefallen hat mir an dem Roman die radikal ehrliche Erzählweise. Eva geht zwar mit sich selbst hart ins Gericht, rechnet aber auch mit den veralteten Vorstellungen der Gesellschaft an die „perfekte“ Mutter ab. Dabei ist der Schreibstil intelligent und humorvoll. Es ergeben sich aber immer wieder interessante Blickwinkel durch Evas Ehemann, der das absolute Gegenteil darstellt. In dem Zuge stellte sich mir neben dem Gedanken der Verantwortlichkeit auch die Frage nach der Unterstützung für Eva. Zu guter Letzt hat mir auch die Aufarbeitung der Gewalttat gefallen. Es ergibt sich ein allumfassendes Bild über Opfer, Schaulustige, Familie, Justiz, Gefängnis und historische Fakten. Am Anfang fand ich den Schreibstil allerdings ungewohnt und die Briefform ermüdend. Die Geschichte kam mir an einigen Stellen ein wenig zu lang vor. Ich würde den Roman denjenigen empfehlen, die vor einem langsamen, aber belohnenden Schreibstil (Briefform!) nicht zurückschrecken und sich für die Gefühlswelt einer Mutter, die ihr Kind nicht so lieben kann, wie es erwartet wird, interessieren. Das Buch bricht mit Konventionen und stellt die Frage nach dem „Warum“ bei Gewalttaten. Das Ende ist allerdings nichts für schwache Nerven und es hat mich einige Zeit gekostet, es gedanklich aufzuarbeiten. Ich gebe 4/5 Sterne.
Das Ende hat mir noch mal einen Schock verpasst. Hochintelligenter und anspruchsvoller Roman über einen Highschool-Killer und Mutterschaft. Vielleicht schon mein Jahreshighlight.
Eva ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die mit Reiseführern ein Vermögen verdient. Sie ist glücklich mit dem Location Scout Franklin Plaskett verheiratet. Irgendwann stellt sich die Frage, ob die beiden Kinder wollen. Eva ist sich da alles andere als sicher, trotzdem wird sie geplant schwanger. Von Geburt an scheint Kevin seine Mutter abzulehnen. Zuerst ist er ein Schreikind, jedenfalls bei ihr, bei seinem Vater ist er ruhig. Auch im Verlauf seiner Kindheit scheint er alles zu tun, um seiner Mutter das Leben schwer zu machen, ist schlicht bösartig. Dass er zum Mörder werden würde, sieht sie im Nachhinein als erwartbar. "Had I catalogued the downsides of parenthood, "son might turn out killer" would never have turned up on the list." (Seite 25). Ich bin kein großer Fan von Gegenwartsliteratur, aber dieser Roman hat mich so richtig gepackt. Mit Grauen und einer unerklärlichen Faszination habe ich Kevins Entwicklung zu einem Teenager verfolgt, der das absolut Böse zu repräsentieren scheint. Man fragt sich, ob das Kind instinktiv weiß, dass seine Mutter es nicht wirklich wollte. Den Vater möchte man schütteln - er weigert sich komplett, Kevins Charakter zu erkennen und sein Sohn nutzt das gnadenlos aus. Wir erfahren gleich zu Beginn des Romans, dass Kevin mit 15 Jahren zum Highschool-Killer wurde und in einer Jugendhaftanstalt einsitzt. In Rückblicken erzählt Eva in Briefen an ihren Ehemann, von dem sie inzwischen offenbar getrennt ist, die ganze Geschichte von Kevins Geburt bis zur Gegenwart im Gefängnis. Das Buch ist sprachlich äußerst anspruchsvoll, ich behaupte, ein wirklich gutes englisches Vokabular zu haben, aber hier musste ich viel öfter Wörter nachschlagen, als das bei anderen Büchern der Fall ist. Die psychologischen Hintergründe werden von Eva detailliert analysiert, das ist ungemein spannend. Obwohl man weiß, was passieren wird, ist der Roman richtig fesselnd, lässt sich kaum weglegen. Das absolute Highlight für mich ist das Fernsehinterview mit dem bereits verurteilten Kevin, das tiefe Einblicke in die Seele des Jungen gewährt und überrascht. Das Ende wartet dann doch noch mit einem Twist auf, mit dem ich nicht gerechnet hatte, und hinterließ mich in Schockstarre. Ein ungeheuer intelligentes und anspruchsvolles Buch, das bereits mein Jahreshighlight sein könnte.
Auf eine fast perfide Art bin ich mit einer Leichtigkeit durch diesen Roman geflogen und weiß selbst nicht genau, warum. Am Thema jedenfalls lag es nicht (quel surprise). Ich starte mal einen Erklärungsversuch: Vielleicht liegt es daran, dass es wirklich so fantastisch geschrieben ist, weil man nur so durch die Zeilen fliegt, fast so, als säße Eva in ihrer Genialität und Erzählweise mit mir und einem abendlichen Glas Wein am Tisch. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich Eva ab Seite Eins sehr mochte und ihr jedes Wort ausnahmslos glaubte. Vielleicht liegt‘s daran, dass diese Geschichte in ihrer Konsequenz Fragen aufwirft, mit denen ich mich zum ersten Mal konfrontiert sah. Vielleicht auch, weil bis zur letzten Zeile die Schuldfrage folgerichtig jene Frage ist, die offen bleibt und die mich letztlich an meine Grenzen bringt, egal, von welchen Standpunkt ich sie beleuchte. Vielleicht liegt es auch an Franklin, für den ich zum Ende des Buchs nur noch Verachtung empfunden habe. Der mir mit seiner Naivität wirklich dermaßen auf den Zeiger gegangen ist, dass ich mich fast über das Ende der Ehe gefreut habe - und ich bin mir sehr sicher, das war genau so gewollt. An Kevin jedenfalls lag es mit Sicherheit nicht. Er war sogar fast egal. Und genau deshalb finde ich dieses Buch so brillant.
Fesselnde Darstellung einer Mutter, die nach der Tat ihres Sohnes weiter leben muss Ist Kevin von Geburt an böse?
Wenn ich mit einem Begriff den Roman "Wir müssen über Kevin reden" beschreiben müsste so wäre es einfach „fesselnd“! Die Handlung ist brisant: Evas Sohn Kevin hat mit sechzehn ein Massaker in der Schule angerichtet. Er ist also Amok gelaufen. Sie schreibt Briefe an ihren Mann Franklin um das Geschehene zu verarbeiten. Immer wieder stellen sich Fragen wie "Wie konnte es soweit kommen?", sowie die Frage der Schuld. "Wir müssen über Kevin reden" Gibt Einblicke in das Seelenleben der Mutter eines Amokläufers. Den Aspekt, dass die Mutter die tragende Rolle trägt und somit auch die Eltern von Amokläufern ins Blickfeld rücken, finde ich sehr interessant. Gibt man die Schuld an den Taten nicht irgendwie den Eltern? Wie leben sie damit, dass ihr Kind getötet hat? Eva ist eine resolute Frau vor der Tat gewesen. Sie wirkte oft egoistisch, snobistisch und distanziert, aber sie war auch reiselustig, kämpferisch und pflichtbewusst. Vor Kevins Geburt. Danach hat sie sich in eine an sich selbst zweifelnde Mutter verwandelt, die nicht versteht warum ihr Sohn ihr so seltsam fremd und fern erscheint. Ein Kind hatte Eva nie gewollt und doch kommt Kevin und sie muss sich mit ihm irgendwie arrangieren. Sie gibt sich alle Mühe, wenn auch nicht immer mit ganzem Herzen. Doch gegen die Ablehnung ihres Sohnes kommt sie einfach nicht an. Später wird sie sich selbst Fragen, ob seine Ablehnung zu ihr nicht ein Resultat ihrer ist. Sie wäscht sich keineswegs frei von Schuld. Meiner Meinung nach ist Eva einfach Eva. Sie trägt keine Schuld an der Entwicklung ihres Sohnes. Kevin wird dargestellt als ein fast schon seelenloses Wesen. Alles was er tut, tut er weil er es tun muss. Er schwimmt mit der Masse um nicht aufzufallen, doch verurteilt er seine Umgebung aufs Schärfste. In der Schule bleibt er unauffällig. Die größte Freude für ihn scheint es zu sein seine Mutter von klein auf zu ärgern. Offenbar ist es nicht nur Verabscheung, sondern auch sein Kampf um Liebe, die er sehr wohl seiner Mutter entgegen bringt. Deutlich wird dies nach der Geburt der Schwester. Zu der Eva ein ganz liebevolles Verhältnis hegt. Kevin ist auf diese innige Beziehung spürbar eifersüchtig. Die Tragödie nimmt ihren Lauf. Kevins ganze Entwicklung führt nur dazu, dass er ein Amokläufer wird und das aus tiefstem Hass. Oder doch nur weil ihm alles gleich ist? Nach seiner schrecklichen Tat muss Eva damit leben alles verloren zu haben. Letztlich merkt sie das sie ihren Sohn doch liebt, wie er auch sie irgendwie auf seine Art zu lieben scheint. Zumindest habe ich sein Verhalten am Ende so interpretiert. Es bleibt fraglich, ob er überhaupt irgendein echtes Gefühl empfinden kann. Oder ob er sich einfach nur manipulativ verhält, was typisch für einen Psychopathen wäre . Fakt ist, dass er von seiner Mutter nicht los kommt und eine geradezu krankhafte Fixierung auf sie hat. Ein sehr spannender Roman, bedrückend und authentisch. Mich hat "Wir müssen über Kevin reden" gefesselt. Ich habe tagelang über das Buch nachgedacht und mich mit dem Thema "Amoklauf" auseinandergesetzt. Dabei war für mich auch die Frage wichtig, die auch in diesem Roman nachgegangen wird: "Wie wird ein Mensch zum Amokläufer? Ich denke, dass Kevin eine Art Sonderfall bildet, da er sich durch einen Mangel an Empathie kennzeichnet und die Täter meiner Meinung nach vorrangig keine Psychopathen sind. Amokläufe wie Columbine sind Lionel Shriver ein klares Vorbild. Es ist erschreckend wie häufig solche Geschehen Kettenreaktionen auslösen. Auch das wird zum Teil im Roman thematisiert.
Ich hatte mir vor langer Zeit den Film angeschaut aber war tatsächlich nicht so berührt. Es hatte keine Szenen an die ich mich noch erinnerte. Als ich anfing das Buch zu lesen hatte ich Schwierigkeiten in der Geschichte anzukommen und dachte es wäre wie der Film. Die Anfänge der Beziehung und ihr Leben fand ich schon ein bisschen zu detaillreich erzählt und überflüssig. Ab der Geburt von Kevin würde es interessanter und mit jedem Brief auch fesselnder. Nicht nur die Entwicklung der Geschichte war spannend; ich war neugierig auf das WIE, sondern die Art ihrer Beziehungen, ihre Dynamik, die Rollen innerhalb der Familie. Ich verstand warum die Charaktere so waren wie sie sind, weil sie so wunderbar tief und echt beschrieben wurden. Manche Zitate haben mich selbst auch getroffen Am Ende war es nur eine Qual es durchzulesen, man wusste was jetzt kommen wird und weil es so traurig war und so schlicht erzählt wurde. Ich sitze hier mit bedrückendem Herz und kann mit Eva, Franklin, Celia aber auch Kevin fühlen. Falls jemand nicht detaillierte Beschreibungen und Charakterentwicklungen mag, dann lieber nicht lesen.
Tiefer Einblick in die amerikanische Seele
Die Geschichte ist aus der Sicht einer Mutter geschrieben, die in Briefen an ihren Mann den Amoklauf ihres fast 16jährigen Sohnes Kevin an seiner High School in einer amerikanischen Kleinstadt "verarbeitet". Der Roman, der in Rückblicken das gesamte Leben der Familie von Kevins Geburt bis zur Tat beschreibt, gibt einen tiefen Einblick in die amerikanische Seele. Die Mutter, die als armenische Einwanderin die Amerikaner per se verachtet, findet ein Leben lang keinen Zugang zu ihrem Sohn und kann ihn nicht lieben, noch nicht Mal mögen. Die Wahrnehmung des Vaters seines Sohnes ist komplett anders; er ignoriert zudem lieber alle Probleme; die unterschiedlichen Sicht- und Herangehensweisen der beiden Eltern, das permanente Unwohlsein aller spitzen die Probleme im Laufe der Zeit weiter zu. Als Leserin ist man mitten drin in dem "Zug", der sich unheilvoll und immer schneller auf den Abgrund zubewegt, während die Eltern ihre Familie noch für durchschnittlich halten mit den üblichen Teenie-Problemen. Obwohl man den Ausgang der Geschichte ja prinzipiell kennt, ist das Ende dann noch Mal sehr überraschend. Die ersten 250 Seiten gingen eher langsam, die zweite Hälfte des Buches habe ich nur so durchflogen. Absolute Leseempfehlung!
Naja….
Das Buch haben wir im Buchclub gelesen. Es ist ein ernstes und Interessantes Thema, leider kam ich mit dem Schreibstil und Aufbau des Buches nicht zurecht. Es hat mich so sehr gestört das ich mich nicht richtig auf die Geschichte konzentrieren konnte und mich teilweise durch die Kapitel quälen musste. Auch die Mutter ist ein purer Albtraum, wo ich teilweise nichts anders konnte als den Kopf zu schütteln. Das letzte Drittel lies sich angenehmer lesen, sodass mich das Ende trotzdem gefesselt hat.
Dieses Buch behandelt ein sehr ernstes Thema, das vor allem in den USA seit Jahren (bzw schon seit fast 2 Jahrzehnten) eine immer wiederkehrende und große Rolle spielt: Amokläufe. Auch in Deutschland gab es bereits mehrere, jedes Mal ist der Aufschrei groß: wie konnte das passieren? Wie konnten die Waffen beschafft werden? Müssen Gesetze verschärft werden? Man muss leider sagen, dass, vor allem in den USA, Waffen sehr leicht erhältlich sind, wenn man es drauf anlegt. Aber in diesem Buch geht es gar nicht so sehr um das wie oder um Gesellschaft und Politik, diese Geschichte erzählt von dem Leben einer Mutter, deren Sohn zum Amokläufer wurde. In Briefen an ihren Mann rekapituliert sie ihr Leben, ihre Ehe und ihre Beziehung zu ihrem Sohn. Kevin sei in ihren Augen schon immer böse und soziopathisch gewesen. Seine kleine Schwester hingegen der reinste Engel, die Charaktere sind somit ein totales Klischee. Gut beschrieben finde ich die Mutter, sie ist egoistisch und hat viele Fehler, die sie sich teilweise auch selbst eingesteht. Sympathisch ist sie nicht gerade, doch gerade das passt gut zum Buch. Sie erzählt von ihrem Sohn Kevin und davon, wie ihr Leben jetzt ist, als Mutter eines Täters, der auch noch überlebt hat, während die Eltern seiner Mitschüler ihre Kinder nie wieder sehen werden. Etwas krass fand ich, wie mit ihr ins Gericht gegangen wird, obwohl sie selbst auch Opfer ist, deren Familie durch ihren Sohn zerstört wurde. Das Ende war von Beginn an zu erahnen, krass war es trotzdem irgendwie.
„Wir müssen reden“, den Satz hört niemand gern und doch schreibt Eva sich alles in Briefen an ihren Mann von der Seele. Denn sie müssen über ihren Sohn Kevin reden. Wie konnte es geschehen, dass er mit einer Armbrust eines Morgens zur Schule geht und sich einreiht in die Amokläufer an Schulen. Hat Eva als späte Mutter versagt, die sich lediglich ein Kind zu wünschen schien, um der Langeweile ihres Alltags zu entfliehen? Wurde Kevin schon von vornherein als Monster geboren oder wurde er in der Schule gehänselt, dass er die Quälereien nicht mehr ertrug? Oder lag es vielleicht daran, dass seine Mutter noch ein Kind bekam und dieses vergötterte? Nun zwei Jahre nach dem Amoklauf und regelmäßigen Besuchen ihres Sohnes im Gefängnis, beginnt sie Briefe an ihren Mann zu schreiben. Ein Erklärungsversuch und eine Nabelschau, an welchem Punkt Kevin aus dem Ruder lief. Dieses Buch war wirklich nicht leicht zu lesen. Ich wollte mir damit eine extremlange Zugfahrt verkürzen, dafür ist dieses Buch jedoch nicht ausgelegt. Insbesondere der Schachtelsatzschreibstil mit vielen Metaphern und Beschreibungen machte es wirklich anstrengend der Geschichte zu folgen. Ich habe über einen Monat gebraucht um es zu Ende zu lesen. Eva ist wirklich kein sympathischer Charakter. Sie kreist nur um sich, ihre Kindheit im Schatten einer phobischen Mutter und ihrem Unternehmen, dass sich auf Reiseführer spezialisiert hat und dann ihren geliebten Mann. Ich hatte das Gefühl, dass sie nur ein Kind wollte, um der Langeweile ihres Lebens zu entfliehen und um ihren Mann eine Freude zu machen, aber schon kurz nach der Geburt empfindet sie Kevin eher als Eindringling denn als Bereicherung. Da hilft es der Mutterliebe auch nicht auf die Sprünge das Kevin soziapathische Tendenzen zeigt. Eva unterstellt ihm sogar schon im Kleinkindalter es darauf abgesehen zu haben, ihr das Leben schwer zu machen. Zur emotionalen Trennung der Eheleute kommt es, als Eva zum zweiten Mal schwanger wird. Dieses Kind ist so völlig anders. Sehr anhänglich und eher ängstlich. Während ihr Ehemann Kevin auf ein Podest stellt, fühlt Eva sich eher zu ihrer Tochter hingezogen, weil die ihre Art von Liebe zu teilen scheint. Ich hatte irgendwie eine andere Erwartungshaltung an das Buch. Ich dachte auf einen armen gequälten Jungen zu treffen, der keinen anderen Ausweg sieht, als sich mit Waffengewalt zu befreien und dass dieser Leidensweg durch Anekdoten aus seiner Kindheit gezeichnet wird. Vielmehr ist er eine durch und durch gestörte Persönlichkeit und es scheint, als wäre Evas Verhalten ihm gegenüber nicht wirklich der Auslöser, sondern vielmehr der einzige Grund warum er nicht schon zuvor eskaliert. Kevin scheint seine Mutter zu respektieren, seit sie einmal den Impuls zur häuslicher Gewalt nachgegeben hat. Ich wollte dieses Buch mehr als einmal zur Seite legen und ich habe mit jeder Seite und jedem Kapitel gerungen und doch war da etwas was mich bis zum Ende durchhalten lies. Irgendwann hatte ich mich an den hochtrabenden Erzählstil der Autorin gewöhnt und dann hat mich dieses bizzare Geschichte nicht mehr losgelassen hat und am Ende war ich Fassungslos über die Wendung, die sie nahm. Dieses Buch ist erzähltechnisch und inhaltlich schwere Kost und es scheint, dass wenn einer eine Schraube locker hat, liegt es scheinbar nicht immer an der Mutter.
"We need to talk about Kevin" gets under your skin. This book has so much more to offer than "just" a school shooting, it shows the flaws, the nudity of human characters when they're at their worst. It reveals secrets about the relationship a mother can have towards her child, even to her unborn child and doesn't leave any details out. Shriver doesn't use euphemisms, she shows a decal of reality how it could be, how every mother fears, every parent fears it could be. Her language is rare, modern and unique. It critizises. It critizises everything about human nature, about mothers, about society about parents, and about school shootings. But it doesn't in an annoying way, we see life through the eyes of Eva and understand more than she herself could ever. I was fascinated by the power of the book. It goes beyond words, it goes beyond the actions because you ask yourself: "Could this ever happen to me?" You understand so much and find yourself in the lines, find your reaction towards school shootings and ask yourself: "Was I wrong all this time?" This book makes you think. In a good way. It doesn't need to shock or show gory details, it just shows the inner workings of a human soul and that is all that is needed to make you think. This book is everyone's worst fear realized.
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Eva never really wanted to be a mother; certainly not the mother of a boy named Kevin who murdered seven of his fellow high school students, a cafeteria worker and a teacher who had tried to befriend him. Now, two years after her son's horrific rampage, Eva comes to terms with her role as Kevin's mother in a series of startlingly direct correspondences with her absent husband Franklyn about their son's upbringing. Fearing that her own shortcomings may have shaped what her son has become, she confesses to a deep, long-standing ambivalence about motherhood. How much is her fault? In Lionel Shriver's hands this sensational, chilling and memorable story of a woman who raised a monster becomes a metaphor for the larger tragedy - the tragedy of a country where everything works, nobody starves, and anything can be bought but a sense of purpose.
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Langsam erzählte Tragödie; die Gewalttat steht nicht im Fokus. Die Mutter bleibt mit ihrer Schuld und dem "Warum" zurück
Ist man für die Taten seine Kindes verantwortlich? „ ,Die Katastrophe' klingt wie aus der Zeitung; ,das Ereignis' spielt das Geschehene bis an den Rand der Obszönität herunter; und ,der Tag, an dem unser Sohn einen Massenmord beging' ist zu lang, stimmt’s?“ (S. 25) Nachdem mich der Film „ We need to talk about Kevin“ nachhaltig faszinieren konnte, holte ich mir die deutsche Ausgabe des Buches „Wir müssen über Kevin reden“ von Lionel Shriver, welches bereits 2003 erschien. Bei meiner Ausgabe handelt es sich um die Filmausgabe von 2012 im Ullstein Taschenbuch Verlag, die 560 Seiten umfasst. Mein Anspruch war es, mehr über die Gefühlswelt der Mutter zu erfahren und ich wurde auch nicht enttäuscht. Eva Khatchadourian ist eine erfolgreiche Herausgeberin des Reiseführers „A Wing and a Prayer“ als sie sich mit 37 dazu entschließt, ein Kind zu bekommen. Doch anstatt eines Familienidylls beginnt ein ständiger Kampf und am Ende begeht Kevin eine schreckliche Gewalttat. Für Eva bleibt die Zeit stehen und sie fragt sich, wie viel Schuld sie selbst an dieser Entwicklung hatte… Der Roman ist aus der Ich-Perspektive von Eva geschrieben, weshalb man sich unweigerlich in ihrem Kopf befindet und damit auch mit ihrer Version der Geschichte vorliebnehmen muss. Eine weitere Besonderheit ist, dass Kevins Tat zwar von Anfang an bekannt ist, die Details aber erst nach und nach in Form von Briefen an ihren Ehemann Franklin ans Licht kommen. Diese Erzählart führt dazu, dass die Geschichte nur sehr langsam voran geht. Die eigentliche Tat wird erst auf den letzten 60 von 560 Seiten abgehandelt. Eva ist ein Reisefan und hat Angst vor Verbindlichkeit. Einmal zieht sie eine dreimonatige Reise ihrer Zeit mit dem kleinen Kevin vor. Oft wird sie außerdem als gefühllos und narzisstisch beschrieben, wobei sie mit den anderen Menschen ebenfalls hart ins Gericht geht (vgl. S. 384). Von Kevin wird sie als selbstgerecht, herablassend und überheblich betitelt (S. 393). Die Entscheidung zu einem Kind fällt ihr zunächst schwer, die Mutterschaft wird als „fremdes Land“ (S. 33) bezeichnet. Mit 37 ist sie endlich bereit, diesen Schritt zu wagen und freut sich auf das neue Abenteuer. Allerdings kommen ihr schnell Zweifel an dieser Entscheidung und sie bereut Kevin, bevor er überhaupt geboren ist (S. 107). Auch später hat sie das Gefühl, sich als Mutter nicht genug angestrengt zu haben (S. 113). Eine postnatale Depression lässt sie aus der Wut auf sich selbst, versagt zu haben, gar nicht erst feststellen und Eva stirbt fast, als sie mit einem Milchstau nicht zum Arzt geht. Sie bestraft sich immer wieder selbst. Zudem hat Eva ab der ersten Sekunde das Gefühl, dass Kevin sie hasst. Er verweigert ihre Milch, schreit in einer Tour und weigert sich zu sprechen. Irgendwann gibt sie sogar zu, Kevins Nähe unerträglich zu finden (S. 204). Kevin nehme ihr alles, was sie je ausgemacht habe (S. 238). Trotz dieser ambivalenten Beziehung liebt Eva ihren Sohn. Als Kevin krank ist und sie gemeinsam Robin Hood lesen (S. 333), erlebt sie zum ersten Mal eine friedliche Zeit mit ihm. Außerdem besucht sie ihn regelmäßig im Gefängnis (S. 61) und hadert mit dem Ruf als schlechte Mutter, den sie ihrer Meinung nach aber absolut verdient (S. 104). Sie findet etwas Trost, als sie erkennt, dass es schwer ist, eine Mutter zu sein (S. 237) und sie ihr Bestes gegeben hat und immer noch gibt. Weiterhin bewundert sie Kevin für seine Außergewöhnlichkeit (S. 460), als er über PC-Viren redet oder wie er im Fernsehen auftritt (S. 494). Die Frage nach dem „Warum“ wird immer wieder gestellt, aber nie beantwortet. Sie beschäftigt Eva sehr, auch wenn sie weiß, dass es keine befriedigende Antwort auf diese Frage gibt. Vielleicht will Eva auch eine lange Zeit gar keine Antwort finden (S. 238). Sie gibt sich selbst die Schuld zu kalt, egoistisch oder kritisch gewesen zu sein (S. 236). Gut gefallen hat mir an dem Roman die radikal ehrliche Erzählweise. Eva geht zwar mit sich selbst hart ins Gericht, rechnet aber auch mit den veralteten Vorstellungen der Gesellschaft an die „perfekte“ Mutter ab. Dabei ist der Schreibstil intelligent und humorvoll. Es ergeben sich aber immer wieder interessante Blickwinkel durch Evas Ehemann, der das absolute Gegenteil darstellt. In dem Zuge stellte sich mir neben dem Gedanken der Verantwortlichkeit auch die Frage nach der Unterstützung für Eva. Zu guter Letzt hat mir auch die Aufarbeitung der Gewalttat gefallen. Es ergibt sich ein allumfassendes Bild über Opfer, Schaulustige, Familie, Justiz, Gefängnis und historische Fakten. Am Anfang fand ich den Schreibstil allerdings ungewohnt und die Briefform ermüdend. Die Geschichte kam mir an einigen Stellen ein wenig zu lang vor. Ich würde den Roman denjenigen empfehlen, die vor einem langsamen, aber belohnenden Schreibstil (Briefform!) nicht zurückschrecken und sich für die Gefühlswelt einer Mutter, die ihr Kind nicht so lieben kann, wie es erwartet wird, interessieren. Das Buch bricht mit Konventionen und stellt die Frage nach dem „Warum“ bei Gewalttaten. Das Ende ist allerdings nichts für schwache Nerven und es hat mich einige Zeit gekostet, es gedanklich aufzuarbeiten. Ich gebe 4/5 Sterne.
Das Ende hat mir noch mal einen Schock verpasst. Hochintelligenter und anspruchsvoller Roman über einen Highschool-Killer und Mutterschaft. Vielleicht schon mein Jahreshighlight.
Eva ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die mit Reiseführern ein Vermögen verdient. Sie ist glücklich mit dem Location Scout Franklin Plaskett verheiratet. Irgendwann stellt sich die Frage, ob die beiden Kinder wollen. Eva ist sich da alles andere als sicher, trotzdem wird sie geplant schwanger. Von Geburt an scheint Kevin seine Mutter abzulehnen. Zuerst ist er ein Schreikind, jedenfalls bei ihr, bei seinem Vater ist er ruhig. Auch im Verlauf seiner Kindheit scheint er alles zu tun, um seiner Mutter das Leben schwer zu machen, ist schlicht bösartig. Dass er zum Mörder werden würde, sieht sie im Nachhinein als erwartbar. "Had I catalogued the downsides of parenthood, "son might turn out killer" would never have turned up on the list." (Seite 25). Ich bin kein großer Fan von Gegenwartsliteratur, aber dieser Roman hat mich so richtig gepackt. Mit Grauen und einer unerklärlichen Faszination habe ich Kevins Entwicklung zu einem Teenager verfolgt, der das absolut Böse zu repräsentieren scheint. Man fragt sich, ob das Kind instinktiv weiß, dass seine Mutter es nicht wirklich wollte. Den Vater möchte man schütteln - er weigert sich komplett, Kevins Charakter zu erkennen und sein Sohn nutzt das gnadenlos aus. Wir erfahren gleich zu Beginn des Romans, dass Kevin mit 15 Jahren zum Highschool-Killer wurde und in einer Jugendhaftanstalt einsitzt. In Rückblicken erzählt Eva in Briefen an ihren Ehemann, von dem sie inzwischen offenbar getrennt ist, die ganze Geschichte von Kevins Geburt bis zur Gegenwart im Gefängnis. Das Buch ist sprachlich äußerst anspruchsvoll, ich behaupte, ein wirklich gutes englisches Vokabular zu haben, aber hier musste ich viel öfter Wörter nachschlagen, als das bei anderen Büchern der Fall ist. Die psychologischen Hintergründe werden von Eva detailliert analysiert, das ist ungemein spannend. Obwohl man weiß, was passieren wird, ist der Roman richtig fesselnd, lässt sich kaum weglegen. Das absolute Highlight für mich ist das Fernsehinterview mit dem bereits verurteilten Kevin, das tiefe Einblicke in die Seele des Jungen gewährt und überrascht. Das Ende wartet dann doch noch mit einem Twist auf, mit dem ich nicht gerechnet hatte, und hinterließ mich in Schockstarre. Ein ungeheuer intelligentes und anspruchsvolles Buch, das bereits mein Jahreshighlight sein könnte.
Auf eine fast perfide Art bin ich mit einer Leichtigkeit durch diesen Roman geflogen und weiß selbst nicht genau, warum. Am Thema jedenfalls lag es nicht (quel surprise). Ich starte mal einen Erklärungsversuch: Vielleicht liegt es daran, dass es wirklich so fantastisch geschrieben ist, weil man nur so durch die Zeilen fliegt, fast so, als säße Eva in ihrer Genialität und Erzählweise mit mir und einem abendlichen Glas Wein am Tisch. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich Eva ab Seite Eins sehr mochte und ihr jedes Wort ausnahmslos glaubte. Vielleicht liegt‘s daran, dass diese Geschichte in ihrer Konsequenz Fragen aufwirft, mit denen ich mich zum ersten Mal konfrontiert sah. Vielleicht auch, weil bis zur letzten Zeile die Schuldfrage folgerichtig jene Frage ist, die offen bleibt und die mich letztlich an meine Grenzen bringt, egal, von welchen Standpunkt ich sie beleuchte. Vielleicht liegt es auch an Franklin, für den ich zum Ende des Buchs nur noch Verachtung empfunden habe. Der mir mit seiner Naivität wirklich dermaßen auf den Zeiger gegangen ist, dass ich mich fast über das Ende der Ehe gefreut habe - und ich bin mir sehr sicher, das war genau so gewollt. An Kevin jedenfalls lag es mit Sicherheit nicht. Er war sogar fast egal. Und genau deshalb finde ich dieses Buch so brillant.
Fesselnde Darstellung einer Mutter, die nach der Tat ihres Sohnes weiter leben muss Ist Kevin von Geburt an böse?
Wenn ich mit einem Begriff den Roman "Wir müssen über Kevin reden" beschreiben müsste so wäre es einfach „fesselnd“! Die Handlung ist brisant: Evas Sohn Kevin hat mit sechzehn ein Massaker in der Schule angerichtet. Er ist also Amok gelaufen. Sie schreibt Briefe an ihren Mann Franklin um das Geschehene zu verarbeiten. Immer wieder stellen sich Fragen wie "Wie konnte es soweit kommen?", sowie die Frage der Schuld. "Wir müssen über Kevin reden" Gibt Einblicke in das Seelenleben der Mutter eines Amokläufers. Den Aspekt, dass die Mutter die tragende Rolle trägt und somit auch die Eltern von Amokläufern ins Blickfeld rücken, finde ich sehr interessant. Gibt man die Schuld an den Taten nicht irgendwie den Eltern? Wie leben sie damit, dass ihr Kind getötet hat? Eva ist eine resolute Frau vor der Tat gewesen. Sie wirkte oft egoistisch, snobistisch und distanziert, aber sie war auch reiselustig, kämpferisch und pflichtbewusst. Vor Kevins Geburt. Danach hat sie sich in eine an sich selbst zweifelnde Mutter verwandelt, die nicht versteht warum ihr Sohn ihr so seltsam fremd und fern erscheint. Ein Kind hatte Eva nie gewollt und doch kommt Kevin und sie muss sich mit ihm irgendwie arrangieren. Sie gibt sich alle Mühe, wenn auch nicht immer mit ganzem Herzen. Doch gegen die Ablehnung ihres Sohnes kommt sie einfach nicht an. Später wird sie sich selbst Fragen, ob seine Ablehnung zu ihr nicht ein Resultat ihrer ist. Sie wäscht sich keineswegs frei von Schuld. Meiner Meinung nach ist Eva einfach Eva. Sie trägt keine Schuld an der Entwicklung ihres Sohnes. Kevin wird dargestellt als ein fast schon seelenloses Wesen. Alles was er tut, tut er weil er es tun muss. Er schwimmt mit der Masse um nicht aufzufallen, doch verurteilt er seine Umgebung aufs Schärfste. In der Schule bleibt er unauffällig. Die größte Freude für ihn scheint es zu sein seine Mutter von klein auf zu ärgern. Offenbar ist es nicht nur Verabscheung, sondern auch sein Kampf um Liebe, die er sehr wohl seiner Mutter entgegen bringt. Deutlich wird dies nach der Geburt der Schwester. Zu der Eva ein ganz liebevolles Verhältnis hegt. Kevin ist auf diese innige Beziehung spürbar eifersüchtig. Die Tragödie nimmt ihren Lauf. Kevins ganze Entwicklung führt nur dazu, dass er ein Amokläufer wird und das aus tiefstem Hass. Oder doch nur weil ihm alles gleich ist? Nach seiner schrecklichen Tat muss Eva damit leben alles verloren zu haben. Letztlich merkt sie das sie ihren Sohn doch liebt, wie er auch sie irgendwie auf seine Art zu lieben scheint. Zumindest habe ich sein Verhalten am Ende so interpretiert. Es bleibt fraglich, ob er überhaupt irgendein echtes Gefühl empfinden kann. Oder ob er sich einfach nur manipulativ verhält, was typisch für einen Psychopathen wäre . Fakt ist, dass er von seiner Mutter nicht los kommt und eine geradezu krankhafte Fixierung auf sie hat. Ein sehr spannender Roman, bedrückend und authentisch. Mich hat "Wir müssen über Kevin reden" gefesselt. Ich habe tagelang über das Buch nachgedacht und mich mit dem Thema "Amoklauf" auseinandergesetzt. Dabei war für mich auch die Frage wichtig, die auch in diesem Roman nachgegangen wird: "Wie wird ein Mensch zum Amokläufer? Ich denke, dass Kevin eine Art Sonderfall bildet, da er sich durch einen Mangel an Empathie kennzeichnet und die Täter meiner Meinung nach vorrangig keine Psychopathen sind. Amokläufe wie Columbine sind Lionel Shriver ein klares Vorbild. Es ist erschreckend wie häufig solche Geschehen Kettenreaktionen auslösen. Auch das wird zum Teil im Roman thematisiert.
Ich hatte mir vor langer Zeit den Film angeschaut aber war tatsächlich nicht so berührt. Es hatte keine Szenen an die ich mich noch erinnerte. Als ich anfing das Buch zu lesen hatte ich Schwierigkeiten in der Geschichte anzukommen und dachte es wäre wie der Film. Die Anfänge der Beziehung und ihr Leben fand ich schon ein bisschen zu detaillreich erzählt und überflüssig. Ab der Geburt von Kevin würde es interessanter und mit jedem Brief auch fesselnder. Nicht nur die Entwicklung der Geschichte war spannend; ich war neugierig auf das WIE, sondern die Art ihrer Beziehungen, ihre Dynamik, die Rollen innerhalb der Familie. Ich verstand warum die Charaktere so waren wie sie sind, weil sie so wunderbar tief und echt beschrieben wurden. Manche Zitate haben mich selbst auch getroffen Am Ende war es nur eine Qual es durchzulesen, man wusste was jetzt kommen wird und weil es so traurig war und so schlicht erzählt wurde. Ich sitze hier mit bedrückendem Herz und kann mit Eva, Franklin, Celia aber auch Kevin fühlen. Falls jemand nicht detaillierte Beschreibungen und Charakterentwicklungen mag, dann lieber nicht lesen.
Tiefer Einblick in die amerikanische Seele
Die Geschichte ist aus der Sicht einer Mutter geschrieben, die in Briefen an ihren Mann den Amoklauf ihres fast 16jährigen Sohnes Kevin an seiner High School in einer amerikanischen Kleinstadt "verarbeitet". Der Roman, der in Rückblicken das gesamte Leben der Familie von Kevins Geburt bis zur Tat beschreibt, gibt einen tiefen Einblick in die amerikanische Seele. Die Mutter, die als armenische Einwanderin die Amerikaner per se verachtet, findet ein Leben lang keinen Zugang zu ihrem Sohn und kann ihn nicht lieben, noch nicht Mal mögen. Die Wahrnehmung des Vaters seines Sohnes ist komplett anders; er ignoriert zudem lieber alle Probleme; die unterschiedlichen Sicht- und Herangehensweisen der beiden Eltern, das permanente Unwohlsein aller spitzen die Probleme im Laufe der Zeit weiter zu. Als Leserin ist man mitten drin in dem "Zug", der sich unheilvoll und immer schneller auf den Abgrund zubewegt, während die Eltern ihre Familie noch für durchschnittlich halten mit den üblichen Teenie-Problemen. Obwohl man den Ausgang der Geschichte ja prinzipiell kennt, ist das Ende dann noch Mal sehr überraschend. Die ersten 250 Seiten gingen eher langsam, die zweite Hälfte des Buches habe ich nur so durchflogen. Absolute Leseempfehlung!
Naja….
Das Buch haben wir im Buchclub gelesen. Es ist ein ernstes und Interessantes Thema, leider kam ich mit dem Schreibstil und Aufbau des Buches nicht zurecht. Es hat mich so sehr gestört das ich mich nicht richtig auf die Geschichte konzentrieren konnte und mich teilweise durch die Kapitel quälen musste. Auch die Mutter ist ein purer Albtraum, wo ich teilweise nichts anders konnte als den Kopf zu schütteln. Das letzte Drittel lies sich angenehmer lesen, sodass mich das Ende trotzdem gefesselt hat.
Dieses Buch behandelt ein sehr ernstes Thema, das vor allem in den USA seit Jahren (bzw schon seit fast 2 Jahrzehnten) eine immer wiederkehrende und große Rolle spielt: Amokläufe. Auch in Deutschland gab es bereits mehrere, jedes Mal ist der Aufschrei groß: wie konnte das passieren? Wie konnten die Waffen beschafft werden? Müssen Gesetze verschärft werden? Man muss leider sagen, dass, vor allem in den USA, Waffen sehr leicht erhältlich sind, wenn man es drauf anlegt. Aber in diesem Buch geht es gar nicht so sehr um das wie oder um Gesellschaft und Politik, diese Geschichte erzählt von dem Leben einer Mutter, deren Sohn zum Amokläufer wurde. In Briefen an ihren Mann rekapituliert sie ihr Leben, ihre Ehe und ihre Beziehung zu ihrem Sohn. Kevin sei in ihren Augen schon immer böse und soziopathisch gewesen. Seine kleine Schwester hingegen der reinste Engel, die Charaktere sind somit ein totales Klischee. Gut beschrieben finde ich die Mutter, sie ist egoistisch und hat viele Fehler, die sie sich teilweise auch selbst eingesteht. Sympathisch ist sie nicht gerade, doch gerade das passt gut zum Buch. Sie erzählt von ihrem Sohn Kevin und davon, wie ihr Leben jetzt ist, als Mutter eines Täters, der auch noch überlebt hat, während die Eltern seiner Mitschüler ihre Kinder nie wieder sehen werden. Etwas krass fand ich, wie mit ihr ins Gericht gegangen wird, obwohl sie selbst auch Opfer ist, deren Familie durch ihren Sohn zerstört wurde. Das Ende war von Beginn an zu erahnen, krass war es trotzdem irgendwie.
„Wir müssen reden“, den Satz hört niemand gern und doch schreibt Eva sich alles in Briefen an ihren Mann von der Seele. Denn sie müssen über ihren Sohn Kevin reden. Wie konnte es geschehen, dass er mit einer Armbrust eines Morgens zur Schule geht und sich einreiht in die Amokläufer an Schulen. Hat Eva als späte Mutter versagt, die sich lediglich ein Kind zu wünschen schien, um der Langeweile ihres Alltags zu entfliehen? Wurde Kevin schon von vornherein als Monster geboren oder wurde er in der Schule gehänselt, dass er die Quälereien nicht mehr ertrug? Oder lag es vielleicht daran, dass seine Mutter noch ein Kind bekam und dieses vergötterte? Nun zwei Jahre nach dem Amoklauf und regelmäßigen Besuchen ihres Sohnes im Gefängnis, beginnt sie Briefe an ihren Mann zu schreiben. Ein Erklärungsversuch und eine Nabelschau, an welchem Punkt Kevin aus dem Ruder lief. Dieses Buch war wirklich nicht leicht zu lesen. Ich wollte mir damit eine extremlange Zugfahrt verkürzen, dafür ist dieses Buch jedoch nicht ausgelegt. Insbesondere der Schachtelsatzschreibstil mit vielen Metaphern und Beschreibungen machte es wirklich anstrengend der Geschichte zu folgen. Ich habe über einen Monat gebraucht um es zu Ende zu lesen. Eva ist wirklich kein sympathischer Charakter. Sie kreist nur um sich, ihre Kindheit im Schatten einer phobischen Mutter und ihrem Unternehmen, dass sich auf Reiseführer spezialisiert hat und dann ihren geliebten Mann. Ich hatte das Gefühl, dass sie nur ein Kind wollte, um der Langeweile ihres Lebens zu entfliehen und um ihren Mann eine Freude zu machen, aber schon kurz nach der Geburt empfindet sie Kevin eher als Eindringling denn als Bereicherung. Da hilft es der Mutterliebe auch nicht auf die Sprünge das Kevin soziapathische Tendenzen zeigt. Eva unterstellt ihm sogar schon im Kleinkindalter es darauf abgesehen zu haben, ihr das Leben schwer zu machen. Zur emotionalen Trennung der Eheleute kommt es, als Eva zum zweiten Mal schwanger wird. Dieses Kind ist so völlig anders. Sehr anhänglich und eher ängstlich. Während ihr Ehemann Kevin auf ein Podest stellt, fühlt Eva sich eher zu ihrer Tochter hingezogen, weil die ihre Art von Liebe zu teilen scheint. Ich hatte irgendwie eine andere Erwartungshaltung an das Buch. Ich dachte auf einen armen gequälten Jungen zu treffen, der keinen anderen Ausweg sieht, als sich mit Waffengewalt zu befreien und dass dieser Leidensweg durch Anekdoten aus seiner Kindheit gezeichnet wird. Vielmehr ist er eine durch und durch gestörte Persönlichkeit und es scheint, als wäre Evas Verhalten ihm gegenüber nicht wirklich der Auslöser, sondern vielmehr der einzige Grund warum er nicht schon zuvor eskaliert. Kevin scheint seine Mutter zu respektieren, seit sie einmal den Impuls zur häuslicher Gewalt nachgegeben hat. Ich wollte dieses Buch mehr als einmal zur Seite legen und ich habe mit jeder Seite und jedem Kapitel gerungen und doch war da etwas was mich bis zum Ende durchhalten lies. Irgendwann hatte ich mich an den hochtrabenden Erzählstil der Autorin gewöhnt und dann hat mich dieses bizzare Geschichte nicht mehr losgelassen hat und am Ende war ich Fassungslos über die Wendung, die sie nahm. Dieses Buch ist erzähltechnisch und inhaltlich schwere Kost und es scheint, dass wenn einer eine Schraube locker hat, liegt es scheinbar nicht immer an der Mutter.
"We need to talk about Kevin" gets under your skin. This book has so much more to offer than "just" a school shooting, it shows the flaws, the nudity of human characters when they're at their worst. It reveals secrets about the relationship a mother can have towards her child, even to her unborn child and doesn't leave any details out. Shriver doesn't use euphemisms, she shows a decal of reality how it could be, how every mother fears, every parent fears it could be. Her language is rare, modern and unique. It critizises. It critizises everything about human nature, about mothers, about society about parents, and about school shootings. But it doesn't in an annoying way, we see life through the eyes of Eva and understand more than she herself could ever. I was fascinated by the power of the book. It goes beyond words, it goes beyond the actions because you ask yourself: "Could this ever happen to me?" You understand so much and find yourself in the lines, find your reaction towards school shootings and ask yourself: "Was I wrong all this time?" This book makes you think. In a good way. It doesn't need to shock or show gory details, it just shows the inner workings of a human soul and that is all that is needed to make you think. This book is everyone's worst fear realized.



















