Von allgemeiner Gültigkeit

Von allgemeiner Gültigkeit

Hardback
3.524

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Auf einer verlassenen Farm in Yorkshire wird ein Mann mit einem Goldbarren fast totgeschlagen. Für die junge Londoner Journalistin Hannah ist es nicht bloß eine Geschichte mit Potenzial, sondern ihre letzte Hoffnung, nicht abzurutschen: in berufliche Bedeutungslosigkeit, Armut, Provinz. Sie recherchiert – mit letzter Kraft – und bringt einen moralisch bankrotten Investmentbanker, eine antiwoke-Kolumnistin und eine radikale anarchistische Bewegung mit dem Goldbarren in Verbindung. Was sie dann schreibt, geht viral, big-time , und bringt Hannah zurück ins Gespräch, mit Freundinnen, Redakteuren, einer Netflix-Produktionsfirma. Doch ihre spektakuläre Reportage und der sich einstellende Erfolg werfen schnell eine grundsätzlichere Frage auf: Was ist von allgemeiner Gültigkeit in diesem zerbrochenen Land?

In ihrem neuen Roman stellt Natasha Brown ›Macht‹ und ›Wahrheit‹ als Rhetorik bloß. Mit voyeuristischer Lust und einmaliger Brillanz vermisst sie unsere Worte und das, was wir sagen. Von allgemeiner Gültigkeit wird so zu einem verdorbenen Freudenfest der Sprache und ihrer ungeheuren Gestaltungskraft. Und zur gnadenlosen Familienaufstellung einer Gesellschaft, die jeden Halt zu verlieren droht.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
158
Price
23.70 €

Author Description

Natasha Brown arbeitete nach ihrem Mathematikstudium an der Universität Cambridge zehn Jahrelang im Londoner Finanzsektor. Mit ihrem Roman Zusammenkunft gelang ihr eines der erfolgreichsten literarischen Debüts Englands der letzten Jahre. Er stand auf der Shortlist des Folio Prize, des Goldsmiths Prize und des Orwell Prize und wurde in 17 Sprachen übersetzt. Natasha Brown gehört zu den alle zehn Jahre ernannten Grantaʼs Best of Young British Novelists.

Characteristics

1 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
17%
50%
N/A
N/A
21%
N/A
50%
76%
N/A
N/A

Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
4%
63%
63%
100%

Pace

Fast100%
Slow0%
Moderate0%
Variable0%

Writing Style

Simple100%
Complex0%
Moderate0%
Bildhaft (100%)

Posts

4
All
5

Medien und Gesellschaft auf der Metaebene

Beginnend als fiktiver Magazinartikel geht dieses Buch immer weiter auf die Metaebene der Medien und auch teilweise der Gesellschaft in England. Viele Leute nutzen sich gegenseitig aus, manche werden zurecht oder zu Unrecht niedergemacht. Das Buch hat bei mir den Gedanken weiter vertieft, dass bei vielen eine Agenda verfolgt wird, die man nicht unbedingt immer direkt wahrnehmen kann. Insofern regt mich dieses Buch weiter zu bewussten medialen Konsum an und ist aus meiner Sicht absolut lesenswert.

3.5

Eine Satire über Aufmerksamkeitsindustrie, Kapitalismus und Echokammern – ein Roman, der gerne länger sein dürfte

💳 Ein Antikapitalist schlägt einen anderen Antikapitalisten im Haus eines Bankers mit einem Goldbarren fast zu Tode. Diese bizarre Handlung bietet den Auftakt in Natasha Browns Roman. In fünf Abschnitten wird diese Situation aus unterschiedlichen Perspektiven bewertet, wobei der Schreibstil jeweils fundamental anders ist. Es geht nicht um die Aufklärung, sondern jeder Charakter projiziert etwas anderes in den Kriminalfall: Worauf können wir uns als Gesellschaft noch einigen? Natasha Brown spielt hier einerseits mit der Rolle von Journalismus und sozialen Medien, aber auch stark mit der Erwartungshaltung der Leser:innen. [Ab hier Spoiler zu übergeordneten Themen, aber nicht zur Handlung} So ist das erste Kapitel provokant schlecht geschrieben – bewusst, denn es handelt sich um eine Reportage der Journalistin Hannah, die effekthascherisch über den Goldbarren-Fall berichten will. Im weiteren Verlauf wird die dort präsentierte Wahrheit immer mehr verwässert, und plötzlich driftet der Roman immer weiter von dieser Handlung weg - und auch von Hannah, die uns im Klappentext als scheinbarer Hauptcharakter präsentiert wird. Stattdessen folgen wir plötzlich einer anti-woke Autorin, die Diversität als Verrat an der Bevölkerung und Weiße in der Minderheit sieht. Eine bewusst irritierende Entscheidung von Natasha Brown, der man als POC eigentlich einen anderen Fokus unterstellen würde. Was ist also von allgemeiner Gültigkeit, wenn wir als Leser:innen noch nicht einmal auf unsere Vorerwartungen an den Roman vertrauen können? Brown zeichnet eine Gesellschaft, die von den Wirren des Kapitalismus und Klassismus aufgerieben ist. Das einzige Ziel aller Charaktere ist es, Aufmerksamkeit und Deutungshoheit gegenüber anderen zu erreichen. Alle handeln nur für sich, eine allgemeine Gültigkeit kann es nicht mehr geben. Trotz dieser spannenden Gedankenspiele der Autorin ist das Buch leider insgesamt zu kurz und man kommt aufgrund der häufigen Stilwechsel nicht wirklich in den Fluss. Somit reicht es für mich nur als Gedankenanstoß und abwechslungsreiche Satire. Für eine intensive Auseinandersetzung mit einer spannenden Thematik reicht es aber nicht.

Eine Satire über Aufmerksamkeitsindustrie, Kapitalismus und Echokammern – ein Roman, der gerne länger sein dürfte
3.5

Ziemlich technisch

Grundsätzlich ist der Text gut gemacht, hat eine halbwegs spannende Story und einen interessanten Aufbau. Mir persönlich fiel es jedoch schwer zu den Figuren eine Beziehung aufzubauen. Insgesamt beinhaltete der Text viele eher langatmige und theoretische Gespräche über Medien, Politik und Gesellschaft. Das hat mich persönlich nicht so abgeholt, vielleicht aber auch weil es auf Englisch als Nicht-Muttersprachlerin schwer verständlich war.

4

Ich habe dieses Buch aus den falschen Gründen zu lesen begonnen. Gekauft habe ich Natasha Browns Universality in der Annahme, einen Krimi zu bekommen – und erhielt stattdessen eine schwarzhumorige Gesellschaftskritik. Bereut habe ich das kein bisschen. Das erste Drittel präsentiert sich als fiktionale Artikelreihe über einen illegalen Rave, einen gestohlenen Goldbarren und eine idealistische Kommune. Ein träger Einstieg, der mir jedoch den Boden unter den Füßen wegriss, als Brown plötzlich den Erzählstil wechselt: Die Perspektive springt zur Reporterin, die diese Artikel geschrieben hat, und eröffnet eine völlig neue Sicht auf die Ereignisse. Was zuvor so klar schien, entpuppt sich als maximal halbe Wahrheit – und wir blicken plötzlich hinter die Kulissen einer Geschichte, die wir zu kennen glaubten. All das ist kein Selbstzweck, sondern eine Allegorie auf eine nach Aufmerksamkeit gierende Medienlandschaft, stets auf der Jagd nach der nächsten Schlagzeile. So wird aus einer vermeintlich banalen Kriminalgeschichte innerhalb weniger Seiten eine tiefschwarze Gesellschaftssatire mit ambivalenten, erschreckend realistischen Figuren. Browns Fähigkeit, die Gedankengänge ihrer Charaktere nachzuzeichnen, macht es schwer, klar Position oder Gegenposition zu beziehen. Am Ende hinterlässt mich Universality mit vielen Gedankenanstößen, dem Wunsch, es hätte noch länger gedauert – und vor allem: mit offener Kinnlade.

Create Post