Urlaub vom Patriarchat

Urlaub vom Patriarchat

Paperback
4.448

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Description

Ein mitreißender Reisebericht aus einem der letzten Matriarchate der Welt

Ermüdet und genervt vom Alltag im Patriarchat bricht Friederike Oertel zu einer Reise nach Mexiko auf – in eines der letzten Matriarchate der Welt. Sie möchte Abstand gewinnen, von den Frauen vor Ort lernen, mit neuen Perspektiven nach Hause zurückkehren. Doch auch im Matriarchat ist Frausein komplizierter als erwartet.

In Juchitán läuft vieles anders: Frauen sind die Oberhäupter ihrer Familie, Besitz wird von Müttern an die Töchter vererbt und Muxe , Menschen eines dritten Geschlechts, sind gesellschaftlich normalisiert. Auf dem dicht gedrängten Markt, den Friederike Oertel mit ihrer Gastschwester besucht, betreiben Frauen den Handel, auf Festen geben sie den Ton an. Diese »Stadt der Frauen« gilt in Dokumentarfilmen und Büchern als Matriarchat und damit als gelebter Gegenentwurf zum Patriarchat.

In einer Sprache, die die flirrenden Farben des Ortes lebendig werden lässt, und mit einem einfühlsamen Blick auf eine Stadtgesellschaft, die nach eigenen Regeln funktioniert, erkundet die Autorin ihr eigenes Frausein, geht Selbstzweifeln und Widersprüchen nach, hinterfragt Rollenerwartungen und lässt sich von Gefühlen überrollen und durchspülen. Die jahrhundertealte Idee des Matriarchats ist gleichzeitig Mythos und Realität, sie stellt Friederike Oertels Leben auf den Kopf und hilft ihr, das Frausein im Patriarchat neu zu betrachten.

Book Information

Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
Society & Social Sciences
Format
Paperback
Pages
336
Price
20.60 €

Author Description

Friederike Oertel, 1991 in Dresden geboren, ist Journalistin und lebt in Berlin. Sie hat Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Spanisch studiert und die Reportageschule in Reutlingen besucht. Nach mehreren Auslandsaufenthalten in Lateinamerika arbeitet sie heute als Redakteurin bei der ZEIT, dort schreibt sie am liebsten Reportagen, Porträts und Langstrecken. Für ihre Texte wurde sie mehrfach ausgezeichnet. »Urlaub vom Patriarchat« ist ihr erstes Buch.

Posts

22
All
5

Meisterliches Werk

“Vielleicht ist das eine der größten Ambivalenzen, die es auszuhalten gilt: Zu verstehen und anzuerkennen, dass ich Teil dieser Welt bin, dass mich das Patriarchat prägt, beeinflusst und kleinhält, ob ich will oder nicht - und dabei nicht den Mut zu verlieren, es infrage zu stellen und verändern zu wollen.” Puh diese Reise war wild, ich war dabei auf jeder Seite so mächtig voller Neugierde. Friederike Oertel erzählt von einer wahren Begebenheiten, - sie hat genug von ihrem Alltag und stellt sich viele Fragen, sie recherchiert und stößt dabei auf Juchitán eine Stadt in Mexiko. Hier soll nach dem Matriarchat gelebt werden, die Frauen haben also die Oberhand in einer Familie, als Händlerinnen bestimmen sie die lokale Wirtschaft, verwalten das Geld und ernähren die Familie. Friederike muss herausfinden, ob etwas dran ist und was es bedeutet, - wie leben die Frauen dort? Während ich dieses Buch gelesen habe, ist mein Kopf explodiert mit bunten Farben, ständig habe ich die knalligsten und leuchtendsten Farben vor mir gesehen, passend zu diesem tollen Cover. So konnte ich mir die Frauen in Tracht und das tanzen richtig bildlich vorstellen. So auch die Friedhöfe, die voller bunter Blumen durch die Frauen erblühen, nicht nur ein Ort der Trauer, ebenfalls der Gemeinschaft. Es ist ein Buch, welches viel auf die Geschichte eingeht, von Frauen aus dem traditionellen Mexico, so zb. Frieda Kahlo die Königin, die sich zwei Zöpfe zur Krone erwähnt hat. Um Frauengeschichten, derer Frauen die durch Wut soviel bewirkt haben. Eine Wut ohne die wir noch heute nicht als Frau wählen gehen oder ein Konto eröffnen könnten. Mit unter gibt es auch grausame Erzählungen von Frauen und abermals ganz besonders mit Männern inbegriffen. Stellt sich also die Frage, - wo liegt der Unterschied zu unserem vermehrten patriarchalen Maßlinien, - zu dem Leben in Juchitán und gibt es diesen wirklich? Es durchleuchtet in vielerlei Hinsicht mehrere Perspektiven und Ansichten. Es lässt einen vielleicht manchmal wehmütig, geschockt und traurig zurück. “Juchitán ist indigen und kolonialisiert, widerständig, anpassungsfähig, offen und verschlossen, voller Härte und Gewalt, aber auch voller Liebe und Zärtlichkeit, voller harter Arbeit und ausgelassener Feiern. Juchitán ist Matriarchat und Patriarchat in einem, alles gleichzeitig und nichts von alldem allein.” Es geht um die Lebensweise in Mexiko, das Leben der Autorin in der ich soviel Wut und Stärke mitfühlen durfte, mich zu oft wiedergefunden habe. Über das was es heißt Frau in dieser Welt zu sein, aber auch über die allgemeine Zeitentwicklung, Erzählungen von Heute und Früher. Es gibt einen unglaublich viel Input und hat mich zutiefst beeindruckt, ich könnte ewig darüber erzählen. Lest dieses Buch, von mir gibt es eine absolute Empfehlung. “Hu.., Hexe, Heilige, all das kann ich sein - muss es es aber nicht. Es ist so einfach und gleichzeitig so kompliziert. Das Matriarchat das bin ich.” 👊🏻❤️‍🔥

Meisterliches Werk
5

Für mich persönlich ein Meisterwerk der feministischen Literatur

Friederike Oertel hat mit diesem Buch ein ganz besonderes Werk geschaffen: Eine Mischung aus Reisebericht und Sachbuch. Persönliche Erfahrungen und eine wissenschaftlich-historische Auseinandersetzung mit dem Thema Frauenrechte und die Stellung der Frau in der Gesellschaft in verschiedenen Ländern und Epochen werden hier ideal vereint in einem sehr lebhaften Schreibstil. Man lernt zum Einen sehr viel über den Mythos der Matriarchate, die - vermeintlich - nur in wenigen Orten der Welt existieren. Ob das Matriarchat in Friederikes Reisedestination Juchitán, Mexiko, jedoch wirklich ein richtiges Pendant zum Patriarchat darstellt, analysiert sie im Buch anhand ihrer eigenen Erfahrungen und der früherer Forscher/-innen und Beobachter/-innen. Darüber hinaus erörtert Friederike Oertel in umfangreichen Unterkapiteln verschiedene gesellschaftspolitische Aspekte zu dem eingangs erwähnten Thema. Hierbei wurden ihre Erlebnisse, die in Gedankengängen münden, ideal in die jeweiligen Recherchen und wissenschaftliche Auseinandersetzungen eingefädelt. Ich konnte hierbei mein Wissen zu vielen Dingen sehr gut auffrischen und auch vieles dazulernen. Ich durfte Friederike Oertel außerdem vor einigen Monaten auf einer Lesung in Heidelberg persönlich treffen und mir das Buch signieren lassen, was dem Buch für mich persönlich natürlich noch eine ganz besondere Note schenkt. 5/5 ⭐️

Für mich persönlich ein Meisterwerk der feministischen Literatur
4

Friederike Oertels Buch ist mehr als nur ein Reisebericht, persönliche Erfahrungen und wissenschaftliche Aufarbeitung von Frauenrechten und deren Akzeptanz in der Gesellschaft. Die Reise nach Juchitán in Mexiko ist trotz oder wegen einer vorherigen Euphorie begleitet von unterschwelliger Ernüchterung. Der Ausbruch aus dem Patriarchat in eine vermeintlich bessere Welt hat der Autorin fortwährend vor Augen geführt, wie gering Unterschiede in täglichem Wirken sein können. Nichtsdestotrotz ist das Buch voller Lebensfreude und Einblicke in eine Gesellschaft, die der westeuropäischen in einigen Bereichen der Akzeptanz einiges voraus hat. Auch wenn einige Gesellschaftsfelder mithin rückschrittlicher zu sein scheinen, ist die Akzeptanz anderer sozialer Geschlechter augenscheinlich höher. Die Bilder sind so eindrücklich beschrieben, dass man sich den Menschen in Juchitán so nah fühlen kann, wie es Friederike Oertel gewesen zu sein scheint. Die Beschreibungen des Lebens vor Ort in Verbindung mit den Ausbrüchen und Vergleichen zum Patriarchat sind ein feministischer Weckruf, den viele Männer gelesen haben sollten. Auch aufgrund einer weitestgehend fehlenden persönlichen Einordnung durch Friederike Oertel bleibt es den Lesenden offen, wie man die Eindrücke - gepaart mit nüchternen Fakten - einordnet und bewertet. Der einzige Kritikpunkt ist für mich lediglich die handwerklich getroffene Entscheidung von langen Kapiteln ohne teilweise klare Abtrennungen, die den Lesefluss an einigen Stellen etwas unsauber haben fließen lassen.

5

Ein feministischer rundum-Schlag, Pflichtlektüre

Einfach mal dem Patriarchat den Rücken kehren und tief verwurzeltes abstreifen bzw. neu denken. So oder so ähnlich hat Friederike Oertel vielleicht gedacht, als sie für drei Monate ihr Leben in Deutschland gegen das in Juchítan, einer Stadt nahe der Pazifikküste Mexikos eintauschte. Juchítan, dass schon vorher als Matriarchat in der Presse vorkam. Ich bin aber erst durch dieses Buch darauf gestoßen. Mir gefällt wie ehrlich Oertel ihre Zeit dort beschreibt. Sie beobachtet und fragt nach, sie beachönigt nichts und kritisiert auch nicht. Mir als Leserin bleibt es überlassen, wie ich das Gelesene beurteile. 'Urlaub vom Patriarchat' ist aber nicht einfach ein Reisebericht oder eine Anekdotensammlung von Erlebnissen, sondern es ist gleichzeitig ein Sachbuch. Oertel hat viel zu den Matriarchaten dieser Welt geforscht. Sie erklärt, wie Patriachalische Strukturen entstanden sein könnten und geht tief in die Geschichte der Menschheit hinein. Sie greift Themen wie Diversität, Wut, sexuelle Gewalt und einige weitere auf, alle eng verbunden mit dem System in dem wir, aber auch die Menschen Juchitans leben. Und immer wieder lässt uns Oertel an ihren eigenen Erfahrungen teilhaben, die die sachlichen Fakten Nachbar untermauern. Wieder einmal denke ich mir, dass wir so viel mehr von indigenen Völkern (in Juchítan leben u.a. die Zapotek:innen) als wir ihnen genommen haben. Das Matriarchat dort ist keine Umkehr des Patriarchats wie wir es kennen, es ist auch nicht perfekt (was immer auch perfekt bedeuten mag). Es ist ein anderes Verständnis, dass dennoch durchzogen ist von männlichen Denkweisen. Die Politik ist dort immer noch größtenteils männlich und vor der Hochzeit findet ein Brautraub mit dem Nachweis der Jungfräulichkeit statt. Letztes ist kein Muss, aber die Tradition lässt viele noch daran festhalten. Ich habe wieder vieles gelernt, z.B. das sich das Wort Matriarchat nicht nur von Mutter, sondern auch von Anfang herleiten lässt. Oder dass Zapotek:innen Ageism nicht kennen. Und ja, ich kannte das Wort Ageism nicht. Das ist die Diskriminierung des Alters. In Juchítan gibt ein drittes Geschlecht, sie Muxe. Ich könnte noch so viel mehr schreiben und erklären. Aber lest es selbst. Ich werde jedenfalls die Werbetrommel schüren und bei meiner großen Tochter und meinem Mann beginnen.

Ein feministischer rundum-Schlag, Pflichtlektüre
4

Zwischen Sehnsucht und Selbstfindung.

Urlaub vom Patriarchat von Friederike Oertel ist ein kluges, persönliches Sachbuch über Weiblichkeit, Machtverhältnisse und die Suche nach alternativen Lebensmodellen. Oertel verwebt eigene Reiseerfahrungen mit gesellschaftlicher Analyse, geschichtlichem Wissen und feministischer Reflexion. Inhaltlich stark, stellenweise fordernd – vor allem durch die langen Kapitel ohne klare Unterteilung. Trotzdem: Wer dranbleibt, wird mit vielen Denkanstößen belohnt. Leseempfehlung: Für alle, die Lust auf neue Perspektiven, ehrliche Selbstbefragung und ein anderes Verständnis von Zusammenleben haben.

3.5

Der 'Urlaub vom Patriarchat' ist nun beendet und Friederike Oertel hat mich mit einer Menge wissenswerter Informationen rund ums Matriarchat und Patriarchat versorgt. Die Autorin erzählt von ihrer Reise nach Mexiko in die Stadt Juchitán. Sie hat die Nase voll vom Patriarchat und dort, in Juchitán, soll das Matriarchat die Vorherrschaft haben. Die Autorin lernt Land, Leute, Sitten und Gebräuche kennen. Interessant ist, dass das Matriarchat nicht das Gegenteil vom Patriarchat ist, wie ich eigentlich dachte. Es ist eher eine sozialere gesellschaftliche Form des Zusammenlebens, ohne Hierarchie, ohne Unterdrückung und ohne systematische Gewalt. Vererbt wird von Mutter zu Tochter und die Frauen haben was die Familienfinanzen etc. angeht, den Hut auf. Es hat mir gut gefallen, wie Friederike Oertel mit ihrer Recherche umgegangen ist. Sie hat viel bei den Menschen nachgefragt und sich einiges erklären lassen. Allerdings ohne zu bewerten oder zu verurteilen. Das fand ich schön und sehr respektvoll. Tatsächlich hätte ich gerne viel mehr über ihre Reise und die damit verbundenen Erlebnisse gelesen. Die vielen und gut recherchierten Fakten waren hin und wieder etwas langatmig und haben meinen Lesefluss unterbrochen. Allerdings ist das Buch auch nicht als Roman deklariert und deshalb ist mein Empfinden bitte nicht negativ zu bewerten. Von meinerseits geht eine Leseempfehlung für dieses informative Buch mit schönem knalligem Cover raus.

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5

Bestseller-Potential

Als ich den Titel „Urlaub vom Patriarchat“ las, dachte ich spontan: Oh ja, nimm mich mit! Und genau das tut Friederike Oertel. Sie nimmt uns mit auf eine faszinierende Reise nach Juchitán, eine Stadt im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca, wo Frauen öffentlich sichtbar, wirtschaftlich selbstständig und kulturell bestimmend sind – ein Ort, der oft als matriarchal bezeichnet wird. Oertels Buch ist weit mehr als ein Reisebericht und auch mehr als die Untersuchung eines vermeintlichen Matriarchats. Was dieses Buch so besonders macht, ist die kluge Verbindung aus persönlicher Erfahrung, journalistischer Recherche und wissenschaftlicher Fundierung. Oertel schafft es, ihre Erlebnisse vor Ort auf packende Weise mit soziologischen, historischen und politischen Kontexten zu verweben, ohne langatmig zu werden. Diese Balance sorgt nicht nur für Lesefreude, sondern auch für Tiefe. Oertel reflektiert erlernte Glaubenssätze und stellt kluge Fragen – auch an sich selbst. Die Alltags-Beispiele sind nahbar und nachvollziehbar; viele davon kenne ich aus dem eigenen Umfeld nur zu gut. Das Buch liefert aber nicht nur Einblicke in das Leben in einer vermeintlich matriarchalen Gesellschaft, sondern gibt auch eine historische und globale Einordnung: Wie ist das Patriarchat entstanden? War es schon immer so? Und welche Alternativen gibt – oder gab – es weltweit? Oertel erzählt ohne zu belehren. Sie bewertet nicht pauschal, sondern zeigt auf – und genau das macht ihre Analyse so stark. Ganz nebenbei habe ich das Gefühl, neben ihr durch die staubigen Straßen Juchitáns zu laufen, die Quesadias zu schmecken und auf einer Vela zu tanzen. „Urlaub vom Patriarchat“ ist ein wunderbar geschriebenes, fundiertes und inspirierendes Buch mit Bestseller-Potenzial. Für alle, die sich für Gesellschaftsentwicklungen, Geschlechterrollen und globale Perspektiven interessieren, ist es eine absolute Leseempfehlung. Für Feminist:innen sowieso Pflichtlektüre.

5

Die Autorin setzt sich intensiv mit den Herausforderungen ihres gesellschaftlichen Alltags auseinander und begibt sich auf eine Reise nach Mexiko, um alternative Gesellschaftssysteme zu erkunden. In Juchitán wird ein Matriarchat als prägende soziale Struktur beschrieben, das auch queeren Menschen mehr Freiheit bieten soll. Das Buch vereint persönliche Reiseerfahrungen mit fundierter Gesellschaftsanalyse. Die Autorin schildert ihre Begegnungen mit den Menschen vor Ort und reflektiert dabei immer wieder die Mechanismen des Patriarchats, von historischen Entwicklungen bis hin zu aktuellen Strukturen. Dabei stützt sie sich auf (Fach-)Literatur, um die Auswirkungen auf sich und ihr Umfeld kritisch zu hinterfragen. Ihr Versuch, das vermeintliche Matriarchat von Juchitán mit dem westlichen Patriarchat zu vergleichen, offenbart zahlreiche Widersprüche. Durch die gelungene Kombination aus Sachbuch und persönlichem Reisebericht bleibt die Lektüre zugänglich, während der neutrale und vorwurfsfreie Ton eine reflektierte Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglicht. Das Buch bietet viele neue Einblicke und ist eine bereichernde Lektüre für all jene, die sich mit gesellschaftlichen Strukturen und alternativen Gesellschaftsformen beschäftigen möchten.

5

Super informativ und trotzdem seht emotional.

5

Bestseller Potenzial

Ich danke Vorablesen.de und dem KiWi Verlag vom ganzen Gerzen, dass ich dieses wundervolle Buch bereits vor Release (8. Mai 25) lesen durfte. Wenn dieses Buch kein Bestseller wird, geh‘ ich ernsthaft auf die Barrikaden! Nein, wirklich! „Urlaub vom Patriarchat“ von Friederike Oertel MUSS einfach gelesen werden. In diesem großartigen Werk berichtet die Autorin von Ihrer Reise nach Juchitán, einer Stadt im Süden Mexikos, der nachgesagt wird, dass dort eines der letzten Matriarchate der Welt zu finden sei. Müde von den patriarchalen Strukturen unserer Gesellschaft begibt sie sich auf die Reise dorthin und lernt dabei nicht nur einiges über die Menschen und Kultur vor Ort, sondern auch über sich selbst. Mich hat das Buch direkt von Anfang an begeistert. Zu gut konnte ich die Lebenssituation nachvollziehen, in der sich die Autorin zu Beginn des Buches befand. Der Wunsch und die Hoffnung einem Ort zu finden, an dem alles besser zu sein scheint, ein Utopia, schlummert auch in mir. Mit mitreißenden Worten gelang es Friederike Oertel bereits ab der ersten Seite, dass ich ihren Erzählungen und wissenschaftlichen Aufarbeitungen verfallen war. Während des Lesens sind mir zwei Packungen Post-Its und ein Text-Marker leer gegangen. Wie in Uni-Zeiten habe ich die Informationen auf den Seiten aufgesogen und verinnerlicht. Ich habe mitgefühlt, gelitten und mich gefreut. Vor meinem inneren Auge wurden die Straßen und die Landschaft von Juchitán bunt und lebendig. Der fließende Übergang aus dem Bericht einer lebensverändernden Reise und den Lehren, die sich aus den Erfahrungen vor Ort auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen übertragen lassen gelingt in diesem Buch einfach einwandfrei. Die Autorin setzt sich auf ihrer Reise mit Geschlechterrollen, der Geschichte und Entwicklung des Patriarchats und wie sich dieses in unser aller Leben einschreiben konnte und auch bis heute weiterhin einschreibt, tiefgreifend auseinander. Es werden queer-feministische sowie intersektionale Sichtweise berücksichtigt sowie auch eigene Glaubenssätze reflektiert, kritisch betrachtet und eingeordnet oder auch neusortiert. Dabei findet sie Worte, die mir eine Gänsehaut verliehen und mich das ein oder andere Mal auch zum Jubel, Weinen und Wut-Empfinden brachten. Letzteres ist so großartig und wertvoll, denn „[w]eibliche Wut wird zum Hebel für Veränderungen“ (286). Ich habe mich durch das Lesen mit diesem Buch der Autorin sehr verbunden gefühlt. Viele großartige Frauen unserer Zeit oder auch aus unserer Geschichte finden in diesem Werk einen ehrenvollen Platz und ich danke Ihnen für all die Kämpfe, die sie ausgefochten haben, sodass ich dieses Buch in den Händen halten darf.

Bestseller Potenzial

Große Bereicherung

Selten habe ich ein Sachbuch mit so vielen aha-Momenten gelesen, trotzdem wirkte es nie langweilig auf mich. Die Autorin, 1991 geboren, steckt in einer kleinen Lebenskrise. Das Thema alternative Lebensformen, wie es in verschiedenen Kulturen noch gelebt wird, nämlich matriarchale Strukturen, hat sie schon immer fasziniert. Sie reist allein nach Juchitan, einer Stadt in Méxiko, ein Ort mit diesen Strukturen. Eingebettet in persönliche Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort berichtet sie dazwischen von Forschungsergebnissen und zitiert andere Autoren. Darauf musste ich mich einlassen, es ist aber ein großer Gewinn. Wie der Mythos entstanden ist, Frauen seien das schwache Geschlecht qua Geburt und sich dieses Narrativ (und viele andere!) noch immer halten macht wütend. Die Passagen, in denen die Autorin von eigener Erfahrung im Zweifeln an sich selbst, sich für weniger kompetent zu halten, dem gestörten Essverhalten um den Normen zu entsprechen und vielem mehr, berichtet, fand ich stark. Weil es so viel aufzeigt, was falsch ist. Spannend war auch, dass es in Juchitan drei Geschlechter gibt( Männer, Frauen und Muxe, die recht gleichberechtigt nebeneinander leben. Insgesamt eine große Bereicherung des Lesens.

5

Sehr zu empfehlen! Anhand von Erfahrungen, Begegnungen und Gesprächen ihres Aufenthalts in einer scheinbar matriarchal organisierten Stadt in Mexico bearbeitet die Autorin verschiedene Aspekte rund um das Thema Patriarchat/Matriarchat und ordnet diese historisch und gesellschaftspolitisch ein. Es geht um Geschlechterrollen, alternative Gesellschaftsmodelle, Nonbinärität, alte Traditionen und progressive Entwicklungen. Es wird deutlich wie komplex und ambivalent der Umgang der Gesellschaft mit diesen Aspekten schon immer war und weiterhin ist. Für mich ein sehr augenöffnendes Buch!

4.5

Weil Frausein oft schwierig ist

Friederike Oertel hat eigentlich alles, was es für ein glückliches Leben braucht, einen guten Job, einen festen Partner, Freunde, Familie, Wohnung. Es könnte alles perfekt sein. Ist es aber nicht. Immer wieder findet sie sich in Situationen wieder, welche sie ausbremsen, in denen sie sich als Frau zurück nimmt und in denen sie das Leben überfordert. Sexistische Kommentare von Kollegen, ständige Fragen nach Nachwuchs sind nur ein paar der Themen, welchen sie sich tagtäglich stellen muss. Sie zieht die Reißleine und beschließt Urlaub vom Patriarchat zu machen. Dazu reist sie ganz allein in die Stadt Juchitán in Mexiko, eines der wenigen bekannten Matriarchate der Welt, also in eine Stadt, in der die Frauen das Sagen haben. Wird sie hier ihren Frieden finden und ist Juchitán die Antwort auf die Probleme der weiblichen und unterdrückten Bevölkerung? Das Buch ist für mich eine Pflichtlektüre für alle Feminist:innen dieser Welt. Wunderbar bildhaft beschreibt die Autorin, Friederike Oertel, die Stadt Juchitán und ihre Einwohner. Ich hatte das Gefühl selber auf der staubigen Straße zu stehen und den Duft der Blumen atmen zu können. Sie nimmt außerdem Stellung zu den Problemen, welche das Patriarchat für Frauen und sexuell „nicht der Norm entsprechend“ lebenden Menschen mit sich bringen. Alles ist super recherchiert und sie trifft mit ihren Schlussfolgerungen den Nagel auf den Kopf. Das Cover finde ich persönlich wunderschön und der einzige Kritikpunkt, den ich äußern kann, ist der, dass ich mir gewünscht hätte noch mehr über Juchitán zu lesen und zu erfahren. Alles in Allem ein wirklich tolles, informatives und für mich, als Frau der heutigen Zeit, bedeutendes Buch, welches ich wirklich jedem ans Herz legen kann.

Weil Frausein oft schwierig ist
4

“Irgendwann habe ich die Ambivalenz inhaliert wie Smog in einer Großstadt, in der die Luft zwar dreckig ist, aber das pralle Leben für alles entschädigt.”

Friederike Oertel reist nach Mexiko in die Stadt Juchitán. Hier haben die Frauen das Sagen. Sie verwalten das Geld der Familie und handeln auf dem Marktplatz, der nur ihnen vorbehalten ist. Hier gibt es ein allgemein akzeptiertes, gesellschaftlich integriertes drittes Geschlecht: Die Muxe. Zeitungsartikel, Bücher und Fernsehreportagen berichten schon seit Jahrzehnten vom sagenumwobenen “Matriarchat” im Bundesstaat Oaxaca. Die Autorin interessiert vor allem eins: geht es den Frauen hier besser? Um das herauszufinden, taucht sie ein in die zapotekischen Traditionen und wird für drei Monate Teil der Gesellschaft Juchitáns. Sie liest in Büchern, trinkt in Bars, tanzt auf sogenannten Velas und setzt sich auf den Frisierstuhl der Muxe Paloma, die auch als Politikerin im Wahlkampf antritt. Sie knüpft Freund*innenschaften. Sie reicht uns aber auch noch die andere Hand, die wissenschaftliche, führt uns quer durch Kulturgeschichte, geht archäologischer Forschung auf den Grund und prüft sie auf patriarchale Verwaschungen. Gab es das Patriarchat schon immer? Gab es vielleicht auch schon mal mehr Matriarchat, bevor größtenteils Männer Geschichte AUFgeschrieben haben? Schmuck im jahrhundertealten Grab einer Frau bleibt Schmuck. Schmuck im Grab eines Mannes, macht ihn in der archäologischen Forschung zum König. Freut euch auf einen ganz besonderen Reisebericht. Es gelingt ihm zwar nicht, den ganzen internalisierten Scheiß auf einmal abzuschütteln, aber er legt definitiv den Beat dafür, er lädt zum Tanz. Das Selbstbewusstsein und der Zusammenhalt der Frauen in Juchitán ist ansteckend. Und es hilft, die Ambivalenzen zu sehen und trotzdem - oder gerade deswegen - in Bewegung zu bleiben.

4

Lesenswert

Danke an vorablesen.de für die Möglichkeit dieses Buch zu lesen und zu rezensieren Ein kluger Mix aus Roman und Sachbuch: Eine junge Frau reist nach Mexiko auf der Suche nach einem Matriarchat – und entdeckt dabei viel über Geschlechterrollen, Care-Arbeit und patriarchale Strukturen. Informativ, ehrlich und augenöffnend. Absolute Empfehlung für alle, die sich mit Feminismus auseinandersetzen (wollen)!

3.5

Mutige Frauen

Das Buch „Urlaub vom Patriarchat“ von Friederike Oertel von einer Frau, die sich auf den Weg nach Mexiko macht. Dort möchte sie die Stadt Juchitán besuchen, sich im Süden von Mexiko befindet. Dort gelten Frauen als Oberhäupter der Familien, sie treiben den Handel sind auf den Märkten unterwegs, und das Erbe einer Mutter fällt immer an die Töchter. Friederike lebt in einem klassischen Patriarchat und macht sich daher auf die Reise nach Mexiko, um mehr über das Matriarchat herauszufinden. Das Buch ist immer abwechselnd geschrieben, mal liest man seitenlang über die Geschichte des Patriarchat, wo dieses herkommt und welche Merkmale dieses hat. Dann geht es in den folgenden Seiten über die Geschichte von Friederike, ihre Reise nach Juchitán und ihre Erfahrungen, die sie macht. Das Buch hat mir ganz gut gefallen, besonders das Cover hat mich sehr angesprochen. Jedoch muss ich sagen, dass die Anteile, welche über das Patricia hat und das Matriarchat in der Theorie sprechen, zu lange sind und mir teilweise der Inhalt in der Geschichte gefehlt hat.

4

🗨️ MEINE REZENSION: Das Buch ist quasi eine Mischung aus Friederikes eigenen Erlebnissen während einer Selbstfindungsreise, vielen Fakten und Geschichtliches. Dieser Wechsel macht das Buch nicht trocken, sondern lockert schön den Lesefluss auf. Auch der Schreibstil ist sehr angenehm. Allerdings waren die Kapitel teilweisen doch schon sehr lange, was es mir ein wenig erschwert hat, gedanklich am Ball zu bleiben, gerade wenn Abschnitte mit vielen Fakten und Wissen am Stück kamen. Da hätte ich mir persönlich eine feinere Unterteilung gewünscht, schon alleine um im eBook besser hin und her springen zu können, falls man doch nochmal was nachlesen möchte. Dennoch war es sehr interessant und informativ, gerade die vielen historischen Fakten und Erläuterungen haben mir häufiger "aha-Momente" beschert. Es wird aufgeklärt über unter anderem dem Mythos des Jungfernhäutchens, der nach wie vor noch in Schulen beigebracht wird, wie Ehe und veraltete Rollenbilder mit Traditionen in die heutige Zeit passen, viel Spannendes zum Thema Queerness (Muxe) und was das "heimliche Matriarchat" ist. Ohne jetzt viel inhaltlich vorweg nehmen zu wollen, aber auch zum Beispiel der Fakt, dass Femizide in Deutschland nach wie vor nicht offiziell als eigener Strafbestand zählen, obwohl die Gewalt an Frauen auch laut Bundeskriminalamt 2024 immer weiter zu nimmt, ist erschreckend. Es ist ein Buch, das zum Denken anregt und einen andere Sichtweisen über das Thema kennenlernen lässt. Im Patriarchat kann es nur Verlierer geben und wie sagt die Autorin am Ende selbst? "Das Matriarchat bin ich.".

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5

Mischung aus Sachbuch & Biografie mit den aktuellen Fragen der Zeit

Der Ausbruch aus den bisherigen Strukturen des von männlichen Personen geprägten Alltags zieht Frederike Oertel in die mexikanische Stadt Juchitàn, um das aus der Literatur bezeichnete Matriachat zu erleben. Das indigene Volk der Zapotik‘innen gewährt ihr einen tiefen Einblick in die vorherrschenden Strukturen, Riten und Familienbräuche mit der Frage: Ist das das Matriachat? Die Geschehnisse und Anekdoten in Mexiko bieten Anlass für ausführliche Diskussionen anhand vieler Literatur zu diversen, teils aktuell politischen Themen des menschlichen Zusammenlebens. Das hinterlässt einen Sachbuchcharakter, was durch die Erlebnisse in Juchitàn greifbarer gestaltet und so angenehm zu Lesen ist. Die Ambivalenz der Ehe, des Mutter-Seins, sexualisierte Gewalt, die Last des Patriarchat auf Männer und den übergeordneten Sinn des Lebens bieten Anlass für die eigene Reflexion, sofern man dafür bereit ist. Patriarchische Strukturen werden kritisch hinterfragt und historisch verortet, ohne eine Zeigefingermentalität, aber mit einem „Ah stimmt - noch nie darüber nachgedacht“ Charakter. Einen Einblick in die persönlichen Fragen des Lebens und den Ängsten der Autorin fesselt beim Lesen und trägt zur Identifizierung ähnlicher Gedanken bei. Ein insgesamt kritisches Buch, was nachdem Lesen nachhallt, dafür sollte man bereit sein.

4

Ein kluges, ehrliches und absolut empfehlenswertes Buch für alle, die sich für Geschlechtergerechtigkeit, alternative Gesellschaftsmodelle und persönliche Transformation interessieren.

Dieses Buch hat mich tief bewegt, überrascht und in vielen Momenten auch erschüttert. Mit „Urlaub vom Patriarchat“ hat Friederike Oertel nicht nur einen eindrucksvollen Reisebericht geschrieben, sondern auch ein sehr persönliches, politisches und feministisches Buch über das Frausein in einer patriarchalen Welt – und darüber, wie es auch anders gehen kann. Besonders eindringlich fand ich die Passagen, in denen sie beschreibt, wie früh Mädchen sich selbst als schwächer, weniger mutig oder weniger fähig empfinden als Jungen – oft, weil sie genau das vermittelt bekommen. Ich musste unweigerlich an eigene Erfahrungen denken: Wie oft hat man als Mädchen gehört, man sei „lieb und ordentlich“ – ein Lob, das gleichzeitig ein Rahmen war, in dem Mut, Lautstärke oder Widerspruch keinen Platz hatten. Oertel fragt ganz direkt: Wie früh hat dir jemand gesagt, du kannst etwas nicht – weil du ein Mädchen bist? Diese Fragen treffen ins Herz. Die Reise nach Juchitán – einem der letzten bekannten Matriarchate der Welt – bietet dabei einen spannenden Kontrast zur eigenen westlichen Sozialisation. Frauen bestimmen dort das gesellschaftliche Leben, besitzen das Land, organisieren den Handel und geben in Familien den Ton an. Doch auch hier ist Frausein komplex, nicht idealisiert. Oertel schildert ihre Beobachtungen mit Sensibilität und Selbstreflexion. Sie romantisiert nicht, sondern versucht zu verstehen – und ihre Perspektive auf sich selbst und unsere Gesellschaft wird dadurch immer wieder infrage gestellt. Die Sprache ist atmosphärisch, lebendig, farbig – sie transportiert nicht nur das Erlebte, sondern auch das emotionale Auf und Ab, das eine solche Reise mit sich bringt. Das Buch ist sowohl informativ als auch persönlich, voller feministischer Aha-Momente, die lange nachhallen. Für mich ist „Urlaub vom Patriarchat“ eine Einladung zum Perspektivwechsel – und eine Erinnerung daran, wie sehr strukturelle Ungleichheit bereits in Kinderschuhen beginnt. Ein kluges, ehrliches und absolut empfehlenswertes Buch für alle, die sich für Geschlechtergerechtigkeit, alternative Gesellschaftsmodelle und persönliche Transformation interessieren.

Ein kluges, ehrliches und absolut empfehlenswertes Buch für alle, die sich für Geschlechtergerechtigkeit, alternative Gesellschaftsmodelle und persönliche Transformation interessieren.
3.5

Ich habe mich auf dieses Buch doll gefreut. Das Thema interessiert mich sehr und als Person, die sich viel mit Sexismus und Feminismus beschäftigt, ist der Traum vom Matriarchat bzw. die Befreiung von patriarchalen Strukturen natürlich für mich sehr präsent. Die Prämisse, in die Welt eines Matriarchats eintauchen zu können, aus der Sicht einer Autorin, die eine Lebenswelt ähnlich zu meiner zu scheinen hat, war dementsprechend verlockend. Das sind auch die Teile, die mich tatsächlich doll interessiert haben. Wie ist deren Kultur, wie leben sie, was beschäftigt die Menschen und was denken sie über viele Entwicklungen in der Welt und in ihrem Land. Leider war das genau der Teil, der mir zu kurz kam. Die vielen Einordnungen und wissenschaftlichen Erklärungen sowie Gegenüberstellungen zu anderen matriarchalen Strukturen und zu Deutschland erachte ich als sehr wichtig, jedoch fehlte mir an vielen Stellen ein roter Faden und ich hatte das Gefühl, dass wir zu einem Thema zum nächsten springen. Auch fand ich es in einigen Kapitel repetitiv als wäre es in einem anderen Kapiteln bereits erwähnt worden. Das hat mir das Lesen durchaus erschwert. Alles in allem dient das Buch jedoch als gute Einführung in das Thema und ist insbesondere interessant für Personen, die sich noch nicht so gut in dem Themenbereich auskennen. Allein aufgrund der Wichtigkeit der Themen kann ich es nur weiterempfehlen. Es ist gut verständlich geschrieben und beschreibt viele wichtige Aspekte und illustriert Problemlagen von Flinta*-Personen, die auch in Deutschland ein Problem bleiben.

5

Was passiert, wenn man dem Patriarchat eine Pause gönnt? Diese Frage stellt sich Friederike Oertel – ermüdet vom westlichen Alltag, geprägt von strukturellem Sexismus und gesellschaftlichen Rollenerwartungen – und reist in ein noch existierendes Matriarchat: nach Juchitán in Mexiko. Was zunächst wie Fiktion klingt, entpuppt sich als realer, faszinierender Schauplatz, der oft als „Stadt der Frauen“ bezeichnet wird. Frauen bestimmen dort wirtschaftlich und familiär, Besitz wird von Mutter zu Tochter vererbt, und Muxe – Menschen eines dritten Geschlechts – sind fester Bestandteil der Gesellschaft. Oertel nimmt uns mit in diese für viele von uns fremde Welt – mit wachem Blick, sprachlich lebendig und immer wieder auch selbstkritisch. Ihr Buch ist keine leichte Lektüre, sondern eher eine tiefgründige Reportage, die sich zwischen Beobachtung und persönlicher Reflexion bewegt. Besonders beeindruckend ist der respektvolle Umgang mit kulturellen Unterschieden. Statt einfache Antworten zu liefern, zeigt sie die Vielschichtigkeit des Frauseins – auch dort, wo scheinbar andere Regeln gelten. Thematisch ist das Buch ein echter Gewinn: Es geht um Emanzipation, Gleichstellung, Identität, Sichtbarkeit – und das nicht nur theoretisch. Oertel verbindet ihre persönlichen Erfahrungen vor Ort mit struktureller Analyse und gut recherchiertem Hintergrundwissen. Zahlreiche Quellen, die im Anhang gelistet sind, machen das Buch auch zu einer spannenden Grundlage für alle, die tiefer in das Thema eintauchen wollen. Ich selbst habe unglaublich viel Neues gelernt – besonders die Perspektive auf das dritte Geschlecht hat mich nachhaltig beschäftigt. Was mir weniger gut gefallen hat, war der mitunter sehr dichte Stil. Manche Passagen wirken überladen, fast intellektuell verkopft – was sicherlich auch mit dem Anspruch des Buches zusammenhängt, gleichzeitig persönlich, politisch und analytisch zu sein. An einigen Stellen hätte ich mir mehr Raum für Emotion gewünscht, mehr Einblick in die Innenwelt der Autorin. Nicht unerwähnt bleiben darf das wunderschöne Cover, das mich sofort angesprochen hat. Es erinnert an Frida Kahlo – nicht nur optisch, sondern auch thematisch: stark, komplex, bunt, widersprüchlich. Kahlo selbst findet übrigens auch ihren Platz im Buch – und das völlig zu Recht. Fazit: 
Urlaub vom Patriarchat ist kein Wohlfühlbuch, sondern eine kluge, aufrüttelnde und eindrucksvolle Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen, kultureller Vielfalt und dem Wunsch, das Frausein neu zu denken. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, wird mit einer neuen Perspektive auf die eigene Realität belohnt.

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In „Urlaub vom Patriarchat“ reist die Journalistin Friederike Oertel in eine der letzten matriarchalen Gesellschaften der Welt – nach Juchitán in Mexiko – auf der Suche nach einer Alternative zum patriarchalen Alltag. Oertel, 1991 in Dresden geboren, ist ausgebildete Reporterin, studierte Literatur- und Kunstwissenschaftlerin und arbeitet heute bei der ZEIT. Für ihre feinsinnigen, tief recherchierten Reportagen wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Dies ist ihr erstes Buch – und es ist alles andere als gewöhnlich. Worum geht’s genau? Erschöpft vom ständigen Funktionieren in einem patriarchal strukturierten Alltag, entscheidet sich Oertel für einen radikalen Perspektivwechsel: Sie reist nach Juchitán, einer mexikanischen Stadt, die als Matriarchat gilt. Hier bestimmen Frauen die Wirtschaft, erben Eigentum, verwalten das Geld und prägen das soziale Gefüge. Die sogenannten Muxe, ein drittes soziales Geschlecht, sind selbstverständlich in die Gesellschaft integriert. Es ist eine Welt, die zunächst utopisch anmutet – und sich bei näherem Hinsehen als vielschichtig und nicht frei von Widersprüchen entpuppt. Oertel beobachtet nicht nur die Gesellschaft vor Ort, sie reflektiert auch ihre eigene Prägung, ihre Zweifel, Ängste und die tief verwurzelten Geschlechterbilder, mit denen sie aufgewachsen ist. Sie erzählt von der diffusen, oft unbewussten Angst, als Frau im öffentlichen Raum Gewalt zu erfahren. Vom internalisierten Zweifel an der eigenen Intelligenz, der schon mit sechs Jahren beginnt. Von einer Kindheit zwischen Bravo Girl, Scham über Körperbehaarung und widersprüchlichen Erwartungen an Weiblichkeit. Und vom weiblichen Mut, der gesellschaftlich oft nicht belohnt, sondern als unbequem wahrgenommen wird. Meine Meinung Ich habe selten ein Sachbuch gelesen, das so persönlich und analytisch zugleich ist. Oertel schafft es, ihre Reise nicht als exotisierenden Erlebnisbericht zu inszenieren, sondern als vielschichtigen Spiegel: für eigene Rollenmuster, strukturelle Ungleichheiten und die Grenzen feministischer Utopien. Besonders stark empfand ich die Passagen, in denen sie weibliche Sozialisation beschreibt – wie früh Mädchen lernen, sich selbst zu unterschätzen, wie die Ideale von Weiblichkeit durch Medien internalisiert werden und wie Mut bei Frauen noch immer als Provokation statt als Tugend gilt. Ihr Blick auf Mut – als Handlung, nicht Gefühl – und die kritische Einordnung der eigenen Perspektive als weiße Europäerin, zeigen Reflexionsniveau und Sensibilität. Dass sie die Idee des Matriarchats nicht verklärt, sondern differenziert betrachtet, ist ein großer Pluspunkt. Auch das Thema Mutterschaft, das sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, fand ich äußerst klug bearbeitet: Wie sehr wird Frausein noch immer mit Muttersein verknüpft? Und wie sehr werden Frauen, die sich bewusst dagegen entscheiden, pathologisiert? Ein Gewinn war für mich auch die ehrliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper – mit Scham, Leistungsdruck, Unsicherheit. Ich habe mich an vielen Stellen wiedererkannt. Ebenso beeindruckend war der Abschnitt über neurobiologische Erkenntnisse zur Fürsorge – die zeigen: Elternschaft ist keine Frage des Geschlechts, sondern der Beziehung. Dass Oertel diese wissenschaftlichen Erkenntnisse mit persönlichen Erfahrungen verbindet, ohne belehrend zu wirken, macht den besonderen Stil des Buches aus. Trotz allem bleibt ein leichtes Unbehagen: Manchmal wirkte Oertels Selbstreflexion fast zu kontrolliert, zu literarisiert. Die Emotionalität, die sie beschreibt – etwa die Angst oder das Weinen aus Wut – kommt sprachlich oft gebändigt daher. Auch hätte ich mir an manchen Stellen etwas mehr Tiefe gewünscht, gerade wenn es um die Perspektiven der Menschen vor Ort ging. Die Einbindung ihrer Sichtweisen bleibt punktuell – vielleicht, weil Oertel sich der Gefahr des kolonialen Blicks bewusst ist. Dennoch: Hier hätte ich mir noch mehr Stimmen, noch mehr Kontraste gewünscht. Fazit "Urlaub vom Patriarchat" ist ein wichtiges, mutiges und kluges Buch, das viele Fragen stellt, ohne vorschnelle Antworten zu geben. Es regt zum Nachdenken an – über Geschlechterrollen, gesellschaftliche Machtverhältnisse und die Konstruktion von Normalität. Für eine Höchstwertung fehlt mir stellenweise die Tiefe – deshalb: 3,5 von 5 Sternen.

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