Wohin du auch gehst

Wohin du auch gehst

Hardback
4.449

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Description

Bijoux wird nach Unruhen in Kinshasa als Teenager zu ihrer Tante Mira nach London geschickt. Hier verliebt sie sich zum ersten Mal – in eine Frau. Vor ihrer religiösen Tante muss sie das verbergen, doch sie ahnt nicht, dass auch diese ein Geheimnis vor ihr hat: den wahren Grund dafür, dass sie vor vielen Jahren von Afrika nach Europa kam, in ein Land, in dem sie sich immer noch nicht zu Hause fühlt. Bijoux weiß: So wie Tante Mira will sie nicht enden. Und trifft eine Entscheidung.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
416
Price
25.70 €

Author Description

Christina Fonthes, geboren 1987 in Kinshasa, Kongo, lebt heute in London als Autorin und als Gründerin von Rewrite, einer Schreibakademie für PoC-Autorinnen. 2021 gewann sie den von Bernardine Evaristo ins Leben gerufenen Royal Society of Literature Sky Arts Writers Award. ›Wohin du auch gehst‹ ist Christina Fonthes’ erster Roman.

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5

Ein Highlight

Erzählt werden die Geschichten von Mira und Bijoux in zwei Jahrhunderten und auf zwei Kontinenten, die sich irgendwann miteinander verweben. Es wird immer wieder zwischen den beiden Geschichten und Zeiten gesprungen. Beide Frauen werden klar und lebensnah dargestellt, beide haben erzählerische Tiefe. Vordergründig geht es um das Schicksal der beiden Frauen, um ihren Lebensweg. Dieser beinhaltet aber auch noch so viel mehr… Unterdrückung, Diversität, Emanzipation und unerfüllte Erwartungen. Es geht auch um familiäre Geheimnisse, Schweigen und Schuld. Mira lebt in den 1990er Jahren mit ihren Eltern und ihrer großen Schwester in Zaire, der späteren Republik Kongo. Sie wächst behütet und sehr streng in patriarchalischen, traditionellen Strukturen auf. Ihre Eltern legen sehr viel Wert auf das Ansehen der Familie, auch weil der Vater ein politisches Amt anstrebt. Als Mira sich in einen mittellosen Musiker verliebt und nicht mehr der angestrebten Norm entspricht, wird sie von ihrem Vater verstoßen und flieht nach Europa. Die auch Zaire stammende Bijoux, lebt Anfang der 2000er bei ihrer konservativen Tante in London. Als die Tante herausfindet, dass Bijoux Frauen liebt, drängt sie sie in eine unglückliche Ehe. Bijoux muss ihre Neigung verstecken, muss ein Leben leben, das sich nicht wie ihr eigenes anfühlt. Sie kämpft mit den Erwartungen der afrikanischen Gemeinde in London und ihrem Wunsch nach einem glücklichen Leben. Miras Geschichte wird aus der Erzähl-Perspektive erzählt. Bijouxs Geschichte wird aus der Ich-Perspektive erzählt, daher fühlte ich mich mit ihr mehr verbunden. Der Erzählstil ist sehr flüssig und leicht. Ich bin durch die Seiten geflogen. Es werden immer wieder einzelne Wörter der afrikanischen Sprache Lingala eingebunden. Ich habe viel über die Kultur und Lebensgewohnheiten in Zaire/Rep. Kongo gelernt. Man taucht richtig in die Geschichte ein und wird zwischendurch immer wieder von unerwarteten Wendungen überrascht. Ein unterhaltsames, facettenreiches und dramatisches Buch, an das ich noch lange denken werde. Große Leseempfehlung! Für mich ein Highlight!

4

Zunächst wusste ich nicht so recht, wohin mich die Reise führen soll, doch dann wurde ich in die Geschichte rund um die beiden sehr unterschiedlichen hineingezogen und habe viel über Kultur, Religion, Vorurteile und starke Frauen gelernt.

4.5

Ein spannender Roman mit überraschenden Wendungen

Christina Fonthes ist mit „Wohin du auch gehst“ ein wirklich tolles Debüt gelungen. Auf unterschiedlichen Zeitebenen lässt sie die LeserInnen in die Leben von Bijoux und ihrer Tante Mira eintauchen. Sie schreibt lebendig und mitreisend, schafft es die Spannung immer mehr zu steigern und beendet ihren Roman mit einem packenden Twist. Klare Leseempfehlung!

Ein spannender Roman mit überraschenden Wendungen
5

Ein toller feministischer Debütroman

"Schweigen heißt nicht, dass nichts zu hören ist; Schweigen ist eine Sprache." (Seite 15) Wieder ein Buch, dass auf verschiedenen Zeitebenen spielt. Ich liebe das sehr. Vor allem, wenn nicht von Anfang an klar ist, wie der Zusammenhang ist. Hier fügen sich die Zusammenhänge zwar schnell, aber es bleiben dennoch Fragen, die erst am Ende beantwortet werden bzw. biegt die Geschichte am Ende noch Wendungen, die ich so nicht habe kommen sehen. 'Wohin du auch gehst' hat mich bewegt und erschüttert und in seinen Bann gezogen. Bijoux habe ich von Anfang an ins Herz geschlossen. Ich habe mit ihr mit gelitten, getrauert, habe mich mit ihr gemeinsam verliebt und gehofft. Mit Mira, der zweiten Protagonistin musste ich erst warm werden. Die Autorin hat unser Lesende lange schmoren lassen, was sie so hart hat werden lassen. Christina Fonthes verwebt Familiendrama mit politischen Realitäten und gesellschaftlichen Themen. Wenn ich während des Lesens immer Mal wieder Suchmaschinen nutze, um selbst zu recherchieren und die realen Fakten nachzulesen, zeigt dafür, dass ich vollkommen in die Geschichte eingetaucht bin und mein Interesse entfacht ist. Dieses Buch hat meinen Horizont wieder einmal erweitert. Über die Unruhen in Zaire (heute Demokratische Republik Kongo) wusste ich kaum etwas, ebensowenig, dass auch dort Homosexualität ein großes Tabuthema war. Gleichwohl ich mir letzteres natürlich denken konnte. Wenn man die Themenvielfalt lesen würde, die dieses Buch behandelt bzw. abschneidet (Entwurzelung, Trauma, Missbrauch, häusliche Gewalt, HIV, Homophobie) könnte man davon ausgehen, dass es zu überladen, zu konstruiert sein wird. Aber das ist es nicht. Jedes Thema erhält seinen Raum. Und auch die Liebe bekommt ihren Platz. Ein feministischer Debütroman, der mehr von der Autorin hoffen lässt.

5

Was für ein spannendes und bildgewaltiges Buch! Es überrascht immer wieder durch unerwartete Wendungen und Geheimnisse der Protagonist:innen, die in beiden Erzählsträngen vorkommen. Das Buch spielt auf verschiedenen Zeitebenen, was ich sehr mag. Die vielen schwierigen Themen wie Gewalt, Homophobie und religiöser Fanatismus, haben mich emotional stark beschäftigt. Dafür hätte ich mir eine Triggerwarnung gewünscht. Am Ende ist es mir dann etwas zu schnell gegangen. Gerne hätte ich die Protagonistinnen noch ein Stück weiter begleitet. Das Glossar ist sehr hilfreich, aber der Lesefluss wurde durch die vielen afrikanischen Begriffe etwas gestört.

4

Ungerechtigkeiten, die Wut hinterlassen. Authentisch und aufrüttelnd.

Bücher über die dunkelhäutige Gesellschaft lösen bei mir oft einen Kulturschock aus – im negativen Sinn. Für mich. Als weiße Frau. Es erschreckt mich, wie selbstverständlich wir andere Kulturen eingliedern wollen, obwohl sie ganz eigene Lebensweisen haben. Manches muss moralisch hinterfragt werden, dennoch eignen wir uns Zuviel an. Klar ist: Es braucht mehr Aufklärung. Bücher wie „Wohin du auch gehst“ bringen uns diese Welt – und hoffentlich auch das Verständnis – näher. Nun zur Geschichte: Bijoux lebt mit ihrer Tante in London, seit sie ein Teenager ist. Doch versucht sie, sich zu finden und kommt gleichzeitig dem Geheimnis ihrer Tante näher. Zu großen Teilen erfährt man dieses Geheimnis als Leser bereits, was in die Irre führen kann. Bis zum Schluss konnte ich Tante Mira zwar verstehen, aber meine Sympathien konnte sie nicht erlangen. Durch das Buch hinweg war eine Wut in mir, die sich nicht zügeln lies und die die Ungerechtigkeit auf vielen Ebenen widerspiegelte. Durch die beiden Perspektiven gibt es Zeitsprünge. Bijoux’ Part ist nah an unserer Zeit – umso erschreckender sind die Vorurteile, mit denen sie kämpft. Diese kommen aus Familie, Glauben und weißer Gesellschaft. Der Roman zeigt, dass gesetzliche Anerkennung von Homosexualität keine gelebte Freiheit bedeutet und dass sich Generationen zwar weiterentwickeln, aber immer mit einem Kampf verbunden sind. Ich brauchte einige Zeit, um in die Geschichte einzutauchen. Die Autorin nutzt Wörter und Bezeichnungen in Lingala. Eine Verkehrssprache im Kongo. Einmal eingelesen, lässt sich die Geschichte sehr flüssig lesen und hat einen angenehmen Schreibstil. Auch geschichtliches Wissen blieb nicht auf der Strecke. Leicht, aber nicht überwältigend, erlebt man im Hintergrund die Entwicklung des Kongo. Durch das Buch hinweg dachte ich, das große Geheimnis schon zu kennen, doch das Ende des Buches erfolgt nochmal durch einen Knall, der alles abrundet und final eine weitere Ungerechtigkeit der Sitten dort aufweist. Insgesamt ein sehr gelungenes Debüt. Es regt zum Nachdenken und selbst reflektieren ein und bietet authentische Charaktere.

5

Ich bin baff!

Ein unglaublich starkes Buch, das die Leben von zwei Frauen und ihre Geschichten beleuchtet, die unmittelbar miteinander verwoben sind. Das Buch hat mich emotional komplett abgeholt. Ich war sofort in der Geschichte gefangen und konnte mich in die Leben von Mira und Bijoux einfühlen. Gleichzeitig enthält das Buch auch enorm viele schwierige Themen (Generationstraumata, Rassismus, Aids-Krise, Homophobie, Religiöse Sekten/Fanatismus, Krieg, Mord, Femizid etc.), die meiner Meinung nach gut behandelt werden, aber natürlich keine leichte Kost sind. Dieser Roman ist unglaublich bewegend und die sapphic Momente von Bijoux und ihrer Love-interest sind einfach wunderschön beschrieben. Die Figuren in diesem Buch sind vielschichtig, machen Fehler, lernen und wachsen. Sie sind auch besser im Verzeihen als ich es vermutlich wäre, aber dennoch erscheinen Entscheidungen für mich sinnvoll und nicht erzwungen. Ein großartiger Debütroman, einer tollen Autorin.

4

Zwischen zwei Welten und keinem Zuhause

Ein stilles, aber intensives Buch, das leise unter die Haut geht. Fonthes erzählt mit poetischer Klarheit von Migration, Identität und dem zarten Aufbegehren gegen familiäre und kulturelle Zwänge. Bijoux ist eine Figur, die sich vorsichtig aus der Enge ihrer Herkunft löst – und doch nie wirklich ankommt. Zwischen London und Kinshasa, zwischen Vergangenheit und Zukunft, sucht sie nach einem Ort, an dem sie einfach sie selbst sein darf. Was mich besonders berührt hat, war die Zerrissenheit zwischen Schuld und Sehnsucht, Liebe und Verlust. Der Roman entfaltet seine Kraft nicht in lauten Momenten, sondern in den Zwischentönen – in Blicken, Erinnerungen und ungesagten Worten. Fonthes schreibt mit einer Sensibilität, die fast weh tut, und gleichzeitig mit der Dringlichkeit einer jungen Frau, die wissen will, wer sie wirklich ist. Manchmal blieb mir der Text etwas zu zurückhaltend, fast zu behutsam, wo ich mir mehr emotionale Wucht gewünscht hätte. Doch gerade diese Zurückhaltung macht ihn auch glaubwürdig und echt. „Wohin du auch gehst“ ist kein Roman, den man einfach weglegt. Er begleitet einen – wie das Gefühl einer Stadt, die nie ganz zur Heimat wurde, oder einer Liebe, die zu gefährlich war, um sie auszusprechen.

Zwischen zwei Welten und keinem Zuhause
5

Sehr lesenswert

Wohin du auch gehst ist das Debüt der kongolesischen Autorin Christina Fonthes. In ihrem Roman verwebt sie sehr geschickt zwei Handlungsstränge. Der erste beginnt Anfang der Achtzigerjahre in Kinshasa. Mira wächst dort behütet auf, ihr Vater hat es vom Flugzeugmechaniker in eine hohe politische Position gebracht. Sie verliebt sich in einen Musiker, der von der Familie als nicht standesgemäß betrachtet wird. Als sie Schwanger wird, nimmt ihre Schwester das Kind und Mira wird nach Europa geschickt. Der zweite Strang handelt von Bijoux, die in London bei ihrer Tante Mireille lebt. Diese ist sehr religiös und Bijoux soll ebenfalls so leben. Von ihr wird erwartet, dass sie bald heiratet und Kinder bekommt. Doch Bijoux ist lesbisch, etwas für die Gemeinde völlig inakzeptabeles, das ihr ausgetrieben werden muss. Der Zusammenhang zwischen beiden Handlungen wird bald klar. Auch gibt es in jedem Teil des Buches ein Geheimnis, das mir meist schon vorher klar war. Dennoch liest sich das Buch unglaublich gut und spannend. Christina Fonthes hat sehr interessante, vielschichtige Charaktere erschaffen. Sowohl Mira als auch Bijoux müssen sich immer wieder neu finden, das Leben legt ihnen ständig neue Steine in den Weg. Doch beide wissen zu kämpfen, finden auch nach einem Rückschlag immer einen neuen Weg. Besonders Mira macht enorme Entwicklungen durch, die beinahe ihre gesamte Persönlichkeit verändern. Für mich ist Wohin du auch gehst ein großes Highlight, das unglaublich viele Themen anspricht und unseren Blick mal wieder auf Orte lenkt, an die wir viel zu selten denken. Große Leseempfehlung!

5

Das Cover ist - wie von Diogenes gewohnt - elegant und sehr passend zum Inhalt, ohne zu viel zu verraten. Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen. Es werden häufig afrikanische Begriffe verwendet, die zu einer Störung des Lesefluss führen könnten. Ich konnte recht gut drüber hinweg lesen und habe auch ohne Übersetzung (die es natürlich im Glossar gegeben hätte) alles gut verstehen. Die Zeitsprünge mit den Kapiteln hat mir gut gefallen. Ich mag es, wenn Familiengeschichten so aufgebaut sind. Inhaltlich ist das Buch für mich ein klares Highlight. Die Themen sind natürlich alles andere als rosarot, doch die Umsetzung ist sehr gut gelungen. Rassismus, Homophobie und Religion/Sekten werden unglaublich gut aufgearbeitet, wie ich finde. Ich selbst habe auch einiges lernen können. Die Handlung folgt einem guten roten Faden und ist dabei auch noch spannend. Ich habe das Buch kaum aus den Händen legen wollen.

5

Ein wunderbares Buch!

An diesem Buch stimmt einfach alles! Die Autorin Christina Fonthes ist selbst in Kinshasa in der heutigen DR Kongo geboren. Kinshasa ist eine der größten Städte der Welt mit dem schnellsten Bevölkerungswachstum. Der Roman erzählt in zwei Zeitebenen von zwei Frauen, von Mireille (Mira) in den 80er Jahren und von Bijoux ab 2004. Mira wächst gut behütet in einer wohlhabenden Familie auf. Ihre Mutter legt sehr viel Wert auf Äußerlichkeiten und darauf was andere über sie und ihre Familie denken. Mira ist ein richtiger Teenager, sie entzieht sich, wo sie nur kann. Schließlich wird s ie von ihrer Schwester aufgenommen, sie ist schwanger und hat Schande über die Familie gebracht. Diese Schande gilt es zu verbergen denn Miras Vater kandidiert für ein hohes politisches Amt. Bijoux wird von ihrer Familie während der Unruhen in Kinshasa nach London gebracht, um dort bei ihrer Tante Mira zu leben. Als sie dort ankommt, weiß sie noch nicht, dass es ein langer Aufenthalt wird. Ihre Tante Mira ist äußerst religiös und hat als einziges Umfeld die streng evangelikale Gemeinde. Als Bijoux ihr eines Tages gesteht, dass sie lesbisch ist, wird sie einer Art Exorzismus unterzogen und anschließend mit einem Gemeindemitglied verheiratet. Mit diesem und den ebenfalls sehr religiösen Schwiegereltern lebt sie gemeinsam in einem Haus. Christina Fonthes schildert die Leben der beiden Frauen sehr feinfühlig und lebendig. Bereits im Prolog des Buches bin ich eine Art Sog geraten, der mich das Buch nur schwer weglegen ließ. Fonthes arbeitet in diesem Roman viele verschiedene Themen auf, Gewalt, Homosexualität, fanatische Religiosität . Das alles in einer wunderbaren Sprache, die Emotionen der unterschiedlichsten Art beim Lesenden weckt. Die Schicksale der beiden Frauen sind ergreifend, machen wütend und traurig zugleich. Fonthes wird dabei niemals kitschig. Fast nebenbei erfahren die Lesenden auch etwas über die Geschichte der Demokratischen Republik Kongo (früher Zaire) in Afrika. Die im Roman vorkommenden kongolesischen Begriffe werden am Ende des Romans in einem Glossar erklärt, was ich sehr hilfreich fand. Ich habe diesen Roman genossen und werde ihn mit Sicherheit noch ein weiteres Mal lesen. Für mich ein weiteres Jahreshighlight und 6 von 5 möglichen Sternen!

5

Wow

Bisher mein liebstes Buch! Es liest sich super schnell und einfach. Wollte das Buch kaum aus der Hand legen. Klare Empfehlung geht raus!

4.5

Dieses Buch fordert Aufmerksamkeit. Es belohnt sie mit Nuancen.

Dieser Roman entwickelt seine Kraft aus der Genauigkeit seiner Beobachtung. Christina Fonthe­s erzählt von innerer Veränderung, ohne sie auszuerzählen. Sie zeigt sie in Blicken, in kleinen Verschiebungen der Erinnerung, in Momenten, die zunächst beiläufig wirken und später Gewicht bekommen. Heilung erscheint hier als langsamer Prozess. Sie wächst aus Verletzung, aus Enttäuschung, aus dem tastenden Versuch, das eigene Leben neu zu betrachten. Träume zerbrechen nicht spektakulär, sondern leise und genau darin liegt ihre Wahrheit. Besonders beeindruckt hat mich, wie sehr kurze Situationen ganze Lebenslinien berühren. Ein Gespräch, eine Begegnung, ein innerer Entschluss – plötzlich ordnet sich Vergangenes neu. Fonthe­s vertraut darauf, dass Veränderung im Stillen geschieht.

Dieses Buch fordert Aufmerksamkeit. Es belohnt sie mit Nuancen.
3

Zwischen Hoffen und Bangen

*unbezahlte Werbung/Rezensionsexemplar von Vorablesen* Wir verfolgen das Leben zweier Frauen, die miteinander verwoben sind, durch verschiedene Zeiten und an unterschiedlichen Orten, zu großen Teilen im heutigen Kongo und in England. Die bestimmenden Themen des Buches sind Identität, Liebe und der Glaube. Letzterer war aus der Leseprobe zwar zu entnehmen, hat mich in den Ausmaß dann aber doch überrascht. Die meiste Zeit des Lesens habe ich zwischen wütend und fassungslos hin und her gewechselt. Ich habe viel über die kongolesische Kultur lernen können und das Glossar mit dem Begriffen auf Lingala am Ende des Buches war eine Bereicherung. Neben den bereits genannten Oberthemen kommen auch viele, teils stark traumatische Themen auf, trotzdem wirkt es nie gewollt konstruiert sondern sehr authentisch und nahbar. Trotz dieser vielen Schicksalsschläge und dem Begleiten der Frauen über Jahrzehnte konnte ich zu beiden nur bedingt eine Verbindung aufbauen, vielleicht auch, weil unsere Leben und Ansichten so grundverschieden sind. Denn auch wenn ich, wie eine der Protagonistinnen, ebenfalls eine queere Frau bin, sind unsere Lebensrealitäten und unser Aufwachsen so unterschiedlich, dass sie nur wenig Gemeinsamkeiten bieten und ich ihr Handeln deshalb oft nicht verstehen konnte. Das Tempo des Buches hat mir gut gefallen, weder fühlte ich mich gehetzt, noch wurde irgendwas unnötig in die Länge gezogen. Den Twist am Ende habe ich schon relativ bald, zumindest in Teilen, erahnt. Trotz allem habe ich zwei größere Kritikpunkte. Erstens fehlt mir eine Inhaltswarnung/Triggerwarnung/Content Notice, die in irgendeiner Form zu Beginn des Buches steht. Ich weiß, teils immer noch ein kontroverses Thema, aber bei der Fülle an traumatischen Ereignissen, die teilweise auch noch sehr explizit geschildert werden, halte ich das nur für angebracht und wichtig. Insbesondere, weil viele der Themen weder durch Klappentext noch Leseprobe ersichtlich waren. Zweitens ist mir persönlich das Ende des Buches zu gewollt und nach meinem Empfinden unrealistisch, wenn man bedenkt was im Laufe des Buches alles zwischen den Charakteren passiert ist. Zusammenfassend also ein durchaus interessantes Buch, welches aber mit Vorsicht zu genießen ist.

5

WOW. Ein unglaublich toller, starker und fesselnder Roman der wachrüttelt. Konnte es ehrlich nicht mehr aus der Hand legen und habs in 2 Tagen weggelesen. Man fühlt so stark mit mit diesen Frauen und ihren Erlebnissen. Thematisiert viel Wichtiges- Dekolonialisierung, Rassismus, Aids- Krise und natürlich queere Liebe als POC auf eine literarisch- eindringliche Art. Absolute Leseempfehlung!! HIGHLIGHT fr.

5

Ein emotionales Debüt über starke Frauen, die es trotz gesellschaftlichem und familiärem Gegenwind schaffen, ihren Weg zu gehen und das Schweigen zu durchbrechen.

„Schweigen heißt nicht, dass nichts zu hören ist; Schweigen ist eine Sprache. Und wie jede Sprache muss man sie erlernen.“ (S. 15) Bijoux hat Kinshasa als Teenager nach politischen Unruhen verlassen und lebt seitdem bei ihrer Tante Mireille in London, hat es jedoch nie geschafft, einen Beziehung zu ihr aufzubauen – zwischen ihnen herrscht Schweigen. Die beiden sind Teil der evangelikalen Freikirche The Mountain; die Tatsache, das sie lesbisch ist, hält Bijoux geheim. Doch als sie mit einem jungen Mann aus der Kirche verheiratet werden soll, gerät die Fassade ins bröckeln … Nach und nach erfahren wir als Leser:innen auch die Geschichte ihrer Tante Mireille und man kann eigentlich gar nicht anders, als mit dieser zunächst so unsympathisch wirkenden Frau mitzufühlen. Die Geschichte wird vor allem durch eine Frage vorangetrieben: Wie kann es Mira und Bijoux gelingen, das Schweigen, das sie voneinander trennt, zu durchbrechen? Ein unglaublich mitreißender Roman zwischen Kinshasa und London, das ich sehr gerne gelesen habe. Generationenübergreifende Romane, die aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden, gefallen mir ja fast immer gut, aber Christina Fonthes hat es auch geschafft einen tollen Spannungsbogen aufzubauen und interessante Charaktere zu entwerfen, die man trotz ihrer Fehler ins Herz schließt. Ins Deutsche übersetzt wurde der Roman von Michaela Grabinger – sie hat es dabei (wieder einmal) geschafft, kulturelle Elemente und fremdsprachige Ausdrücke (v. a. auf Lingala) zu übernehmen und die Besonderheiten des Originals beizubehalten, ohne dass dies den Lesefluss beeinträchtigen würde. Für mich hat sich das meiste aus dem Kontext erschlossen, aber für alle, die ein bisschen mehr Erklärungen brauchen, gibt es auch noch ein sehr übersichtliches Glossar am Ende.

5

Ergreifende Frauenschicksale

2004 in London: Bijoux lebt seit 12 Jahren in London und ist seit 2 Jahren mit Kay zusammen.  Als Kay die Möglichkeit bekommt nach New York zu gehen,  bittet sie Bijoux mitzukommen.  Zur selben Zeit plant die Tante von Bijoux sie zu verheiraten.  Bijoux steckt in der Klemme und als sie gar nicht mehr weiter weiß, sagt sie ihre Tante,  dass sie lesbisch ist. 1981 in Kinshasa: Mira verliebt sich in den falschen Jungen und wird schwanger. Ihre Eltern sind gegen die Beziehung und tun alles, um die beiden auseinander zu bringen.  Mira flüchtet nach der Geburt erst nach Brüssel,  dann nach Paris - ohne ihr Kind. Wegen den Unruhen und Krieg im Kongo wandern immer mehr Afrikaner aus und die afrikanische Gemeinde in London wächst.  Die Regeln innerhalb der Gemeinschaft sind streng. Die Religion spielt eine wichtige Rolle.  Da ist kein Platz für gleichgeschlechtige Liebe oder  sonstige Freiräume. Die Schicksale der Frauen haben mich sehr berührt,  sie wollten einfach ein bisschen Liebe und haben stattdessen viel Leid erfahren. Ein sehr gutes Buch,  das mit der Lüftung eines unglaublichen Geheimnisses endet.

4

ein intensives buch über familie und moral, über queerness und beziehungen. wirklich schön, eine figur in queerer poc-perspektive zu lesen <3

5

Wow - an dieses Buch hatte ich keine bestimmten Erwartungen, fand einfach, dass der Klappentext sehr spannend klang und außerdem das Cover ansprechend. Ich habe bisher noch wirklich wenig über Einwanderungsgeschichte gelesen, weshalb ich ziemlich nichtsahnend an "Wohin du auch gehst" herangegangen bin. Spoiler: wurde ziemlich umgehauen, auf die positive Weise, aber direkt vorab, schaut euch die content notes an, das hier ist keine leichte Kost. Wir verfolgen die Geschichte zweier Frauen in zwei Zeitebenen: Bijoux, die Anfang der 2000er in London nach ihrer Identität sucht, und Mira, ihre Tante, deren Weg wir von ihrer Heimat Zaïre (heute die Demokratische Republik Kongo) als junges Mädchen bis nach London zum Bijoux-Zeitstrang begleiten. Nach und nach kommt so ans Licht, was die beiden Frauen verbindet, es wird aber auch sehr deutlich, wodurch sie gespalten werden, und Themen wie Glaube, Sexualität und Familie sind hierbei zentral. Mich hat vor allem Mira sehr gefesselt und wie wir nach und nach verstehen lernen, wie ihre beiden alter Egos zu Beginn der Geschichte am Ende zusammenpassen. Aber auch Bijoux, die repräsentativ für junge Menschen mit Einwanderungsgeschichte stehen, die selbst noch hautnah Unruhen, Krieg, instabile politische Verhältnisse und Angst um zurückgebliebene Familie erleben, hat mir einige Gedankenanstöße gegeben und ist eine wichtige literarische Stimme. Trotz der insgesamt eher drohenden, düsteren Stimmung eröffnet die Geschichte durchaus auch sehr hoffnungsvolle, farbenfrohe und humorvolle Momente. Wen das jetzt überzeugt hat, der sollte "Wohin du auch gehst" unbedingt lesen - beachtet dabei aber bitte folgende content notes: Krieg, Queerfeindlichkeit, (religiöser) Fanatismus, sexuelle Gewalt, Krankheit, Tod

5

Was bedeutet es, zu sich selbst zu stehen, wenn Familie, Religion und Gesellschaft etwas anderes verlangen? Christina Fonthes' Roman "Wohin du auch gehst" stellt diese Frage mit Wucht, Tiefe und vielschichtiger Emotionalität. Ein Buch, das mich nicht losgelassen hat. Schon der Klappentext hat mich neugierig gemacht, die Leseprobe dann restlos überzeugt. Und ich kann sagen: Die 400 Seiten sind intensiv, literarisch durchdrungen von Schmerz, Hoffnung, Liebe und Wut. Ich bin durch sie hindurchgeflogen und wurde dabei immer wieder innegehalten. Denn Fonthes erzählt in poetischer, atmosphärisch dichter Sprache die Geschichte von Bijoux, die nach politischen Unruhen im Kongo zu ihrer Tante nach London geschickt wird. Dort verliebt sie sich in ein Mädchen, während sie in einem religiös geprägten Haushalt aufwächst, der von Regeln, Schuld und Schweigen geprägt ist. "Schweigen ist eine Sprache. Und wie jede Sprache muss man sie erlernen." (S. 15) – Dieser Satz beschreibt nicht nur das emotionale Klima, in dem Bijoux aufwächst, sondern auch den Sound des Romans. Fonthes beherrscht es meisterhaft, das Unsagbare zwischen die Zeilen zu schreiben: koloniale Traumata, sexualisierte Gewalt, religiöse Indoktrination, lesbische Liebe und der unbändige Wunsch nach Zugehörigkeit. Die Figuren, allen voran Bijoux und Tantine Mireille, sind vielschichtig und glaubhaft. Mira etwa wirkt lange wie eine Gegnerin, bis ihr eigener Schmerz deutlich wird. Die Art, wie Fonthes unterschiedliche Frauenschicksale verwebt, hat mich bewegt. Dabei spart sie Gewalt nicht aus. Doch auch diese Momente sind fein eingebettet: nie voyeuristisch, nie effekthascherisch. Der Roman verhandelt große Themen: Kolonialismus, postmigrantische Identität, queeres Begehren und queere Identität, religiöse Machtstrukturen und generationsübergreifende Traumata. Das Glossar mit Lingala-Begriffen ist hilfreich, wobei ich mir die Erklärungen/Übersetzungen lieber als Fußnoten gewünscht hätte. Besonders gelungen finde ich, wie Fonthes die inneren Konflikte von Bijoux mit ihrer Umgebung verschränkt: London, Kinshasa, Paris – all diese Orte sind nicht nur Kulisse, sondern emotionale Koordinaten. Fazit "Wohin du auch gehst" ist ein literarisch eindrucksvolles Debüt, das mit seiner sprachlichen Kraft und thematischen Dichte besticht. Es erzählt davon, wie schwer es ist, sich selbst zu finden, wenn die Welt einen in Rollen zwingt. Die emotionale Tiefe, die gesellschaftliche Relevanz und die eindrucksvoll gezeichneten Figuren machen das Buch für mich zu einem Lesehighlight. Es klingt lange nach und erinnert an Werke von Bernardine Evaristo, Chimamanda Ngozi Adichie, Mirrianne Mahn oder Amanda Peters. Vielen Dank an @lovelybooks.de, @diogenesverlag und @christinafonthes für das kostenlose Rezensionsexemplar.

3

Nach hinten raus hat es noch Fahrt aufgenommen. Durch die vielen Frendwörter musste ich mich schleppend durchziehen.

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