Unter Dojczen
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Book Information
Author Description
Mia Raben, geboren 1977, arbeitete als freie Korrespondentin in Warschau, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und lebt heute als Journalistin und Autorin mit ihrer Familie in Hamburg. Sie hat eine polnische Mutter und einen deutschen Vater. »Unter Dojczen« ist ihr erster Roman.
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"Wenigstens Zigaretten waren in Polen noch billiger als in Deutschland. Und Menschen natürlich. Jola war zu alt für Illusionen. Das war der einzige Grund, warum sie hier erwünscht war: Sie war ein beliebtes, weil billiges Importprodukt." Die alleinerziehende Polin Jola pendelt zwischen Polen und Deutschland, um als 24h-Pflegekraft den Lebensunterhalt für sich und ihre Tochter Magda zu bestreiten. Dabei entfremdet sie sich immer mehr von ihrer Tochter, die sie zwangsläufig in der Obhut ihrer Nachbarin lassen muss. Jola muss in ihrem Beruf sehr viel ertragen und sich sehr viel gefallen lassen, wird ausgenutzt, ausgebeutet und teilweise menschenunwürdig behandelt. Mehr möchte ich zum Inhalt gar nicht sagen, lest selbst. Warum fällt es uns so schwer, Dankbarkeit und Anerkennung zu zeigen? Gerade in einem Beruf, der so wichtig ist, Aufopferung und ein großes Maß an Empathie fordert, sollte den Pflegenden Wertschätzung entgegen gebracht werden. Der Stil und die flüssige Schreibweise von Mia Raben hat mir sehr gut gefallen und von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung ⭐
"Wie lange hatte sie nicht mehr wild getanzt? Zwanzig Jahre? Sie genoss den Rausch, das Tanzen und das Singen, und es war ihr völlig egal, ob irgendjemand da oben sie hörte. Sollten sie doch aufwachen! Sollten sie sich doch schwarzärgern, die feinen Herrschaften!" Puh! Danke der Autorin für diesen teilweise bedrückenden Einblick in das stille, stumme, unauffällige Leben oder Leiden tausender osteuropäischer Frauen, die wie Leibeigene rund um die Uhr deutsche Senioren in privaten Haushalten pflegen. Oft gedemütigt und ausgebeutet, nie als gleichwertige Menschen behandelt, weit weg von ihren Familien, ihren Kindern. Zwischen den Welten, auf der einen Seite Polen und auf der anderen Deutschland, versucht die Protagonistin Jola ihren eigenen Weg zum Glück zu finden. Ein starker Roman, der mich sehr nachdenklich zurücklässt.
Menschlichkeit im Umgang miteinander
Jola fährt einmal mehr von ihrer polnischen Heimat nach Deutschland, um eine neue Stelle als Pflegekraft anzutreten. Nach ihren letzten Erfahrungen kann und will sie eigentlich nicht mehr weitermachen. Doch dieses Mal landet sie in einer Hamburger Arztfamilie bei der Matriarchin der Familie „Uschi“, Schon die Begrüßung durch deren Tochter fällt anders aus als sie es bislang erlebt hat. Sie wird als Person wahrgenommen und respektiert. Und ganz langsam beginnt sie, auch durch ihre Anpassungsfähigkeit, sich mit der mitunter nicht ganz einfachen Uschi anzufreunden. Es gibt Höhen und Tiefen im täglichen Miteinander und die beiden erleben einiges zusammen, doch letztlich steht auch Uschi hinter Jola. So gelingt es Jola, langsam wieder zu sich zu finden, Kraft zu tanken und vertraut Uschi sogar ihr großes Geheimnis und den Grund ihrer Arbeit als Pflegekraft fern der Heimat an. Ein Buch, das in sehr klarer und kraftvoller Sprache den Alltag von Pflegekräften und auch der Pflegebedürftigen beschreibt. Hier werden menschliche Schicksale beschrieben und es treten Abgründe hervor im Umgang mit Menschen, die in einem völlig fremden Land Arbeit verrichten, für die es in unserem Land einfach nicht genügend Kräfte gibt. Ein Buch, das Augen öffnet, das aber auch klar mit dem Finger auf Missstände zeigt und über all dem eine Zartheit und Hoffnung auf einen menschenwürdigen Umgang miteinander schwebt. Ein Buch, das zeigt, wie es für beide Seiten funkionieren kann! Natürlich ist es ein fiktiver Roman, in dem letztlich über der Handlung stets Empathie und Hoffnung liegen, der aber ohne Kitsch daherkommt und ihn somit für mich zu einer klaren Lesempfehlung macht. Für alle, die sich mit dem Thema der häuslichen Pflege beschäftigen wollen oder müssen oder die einfach einen richtig gut geschriebenen Roman in absolut hochwertiger Aufmachung lesen mögen.
Als Jola im Bus von Łódź nach Hamburg sitzt, weiß sie nicht, was sie erwartet. Sofort sind die Erinnerungen an frühere 'Einsätze' wieder da - wird sie wieder von Angehörigen angeschrien, von dementen Seniorki geschlagen? Muss sie auf dem Boden schlafen und 24/7 auf Abruf parat stehen? Die Gedanken an eine Famile in Süddeutschland lässt sie noch immer erschauern. Jola ist eine der vielen polnischen Pflegekräfte, die nach Deutschland vermittelt werden. Die aus der Not, die Familie versorgen zu können, genau diese vor Jahren zurücklassen mussten. Doch diesmal hat sie Glück, findet den Weg zur Seniorin Uschi und Ihrer Familie. Sie kann ihr Glück kaum fassen, als sie Wertschätzung und ihre eigene kleine Unterkunft bekommt. Zwischen Jola und Uschi entwickelt sich ein zartes Band der Freundschaft. Doch beide tragen ein Geheimnis mit sich. Mia Raben schreibt hier tiefgründig und doch leicht. Über Ausbeutung, Vergangenheitsbewätigung und Freundschaft. Sie zeigt uns die gravierenden Unterschiede zwischen den Welten von reich und arm, aber auch, wie daraus wertschätzende Freundschaft entstehen kann. Manchmal brechen ein bisschen Steretype durch, aber ich mochte beide Charaktere, Jola und Uschi, sehr. Hab ich richtig gern gelesen.
Ich hätte nicht gedacht, dass mich „Unter Dojczen“ so persönlich abholt – für mich ein absolutes Must Read.
Wir begleiten Jola, eine polnische 24h-Pflegekraft, die seit Jahren zwischen ihrer Heimat und Deutschland pendelt. Eine Frau, die funktioniert, durchhält, still bleibt – und dabei so viel mehr trägt, als man von außen sieht. Denn hinter dieser Arbeit steht immer auch ein Preis: Jola musste ihre eigene Tochter in Polen zurücklassen, um sie überhaupt versorgen zu können. Und genau darin liegt einer der schmerzhaftesten Gedanken dieses Buches: Was bedeutet Mutterschaft, wenn man nicht da sein kann? Wenn Fürsorge bedeutet, sich selbst zu entziehen? Der Roman zeigt auf eine erschreckend klare Weise, unter welchen Bedingungen viele osteuropäische Pflegekräfte arbeiten: in ständiger Abhängigkeit, oft ohne echte Absicherung, schlecht bezahlt, nicht selten ausgebeutet, rund um die Uhr verfügbar – und dabei viel zu häufig übersehen. Es ist dieses System, das mich beim Lesen nicht losgelassen hat. Ein System, das darauf basiert, dass andere ihre eigenen Grenzen immer wieder verschieben müssen. Und gleichzeitig schwingt etwas mit, das fast noch schwerer wiegt: der fehlende Respekt. Diese leisen Vorurteile. Dieses unausgesprochene „Sie ist ja nur die Pflegekraft“. Als wäre Bildung, Intelligenz oder ein eigenes Leben plötzlich weniger wert. Besonders eindrücklich fand ich diese kleinen Momente: Wenn es überrascht, dass eine polnische Pflegekraft Bridge spielt. Wenn sich hinter scheinbar harmlosen Bemerkungen genau diese Denkmuster zeigen. Was mich zusätzlich tief berührt hat: Ich bin selbst Polin, meine Eltern kommen aus Wrocław. Beim Lesen hatte ich immer wieder dieses Gefühl von Nähe – in der Sprache, in kleinen Begriffen, in diesen feinen Nuancen. Ich musste an vielen Stellen schmunzeln, weil so vieles so vertraut war. Der Akzent von Jola kommt unglaublich authentisch rüber, und viele dieser kleinen polnischen Eigenheiten haben sich für mich sofort richtig angefühlt. Genau dadurch ist eine ganz besondere Verbindung entstanden. Ein unglaublich feinfühliges Buch! Große Empfehlung!

Jolas Geschichte beginnt im Buch in einem Minibus, der sie von Polen nach Deutschland bringt. Es ist nicht ihre erste Reise dieser Art, seit vielen Jahren lässt sie sich von Agenturen als Pflegekraft in deutsche Familien vermitteln, um sich dort als Pflegekraft um vorwiegend ältere Menschen zu kümmern, meist unter schrecklichen Arbeitsbedingungen und einer Bezahlung weit unter dem Mindestlohn. Vor diesem Arbeitseinsatz brauchte sie eine Pause, zu traumatisierend war ihr Aufenthalt in der letzten Familie. Ihr Ziel ist dieses Mal Hamburg, sie soll Ursula »Uschi« von Klewen, Matriarchin einer Arztfamilie, pflegerisch betreuen. Trotz ihrer Angst hat sich Jola aus finanziellen Gründen auf die neue Pflegestelle eingelassen, doch ihre Ängste stellen sich bald als unbegründet heraus, als sie an ihrem Arbeitsplatz auf einen schönen Rückzugsort, geregelte Arbeitszeiten, einen annähernd gerechten Lohn und vor allem eine Pflegeperson trifft, die ihr mit Respekt und Wertschätzung begegnet. "Unter Dojczen" ist der herzerwärmende und zugleich ungeschönt auf die Realität ausländischer Pflegekräfte und unser unzureichendes Pflegesystem in Deutschland blickende Debütroman von Mia Raben. Mit Jolanda schafft die Autorin eine sympathische und humorvolle Protagonistin, die mir im Laufe des Buches sehr ans Herz gewachsen ist. Auch die sich entwickelnde ungleiche Freundschaft zwischen Jola und Uschi hat mir gefallen, Mia Raben zeichnet Charaktere, die authentisch und vielschichtig wirken. Allein gegen Ende macht das Buch einige Abzweigungen, die für mich wenig glaubwürdig und zu konstruiert waren, das hat mein Lesevergnügen und die Relevanz, die ich diesem Perspektivwechsel beimesse, jedoch kaum geschmälert. Ich habe "Unter Dojczen" gerne gelesen und kann dieses Debüt empfehlen!

📌 "All die Polinnen, Rumäninnen, Bosnierinnen, Ukrainerinnen und so weiter, sie alle kämpften gemeinsam in der Armee der Fürsorge. Gegen Krankheit, Ohnmacht, Verfall, Alter, Einsamkeit, gegen so vieles. Verstreut wie Konfetti über die Wohnungen, Häuser und Villen Tausender und Abertausender seniorki in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Italien." - S. 147 Polin Jola (52) arbeitet als 24h-Kraft in Deutschland. Seit 12 Jahren pendelt die alleinerziehende Mutter einer Tochter, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, indem sie fremde, alte und gebrechliche Menschen fern der Heimat als "betrojerinski" versorgt. Da Jola dringend auf das Geld angewiesen ist, hält sie oft mehr aus, als erträglich ist, besteht doch ein (ungleiches) Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihr und ihren Geldgebern. Die einen können es sich leisten Geld für "das Kümmern" zu zahlen und die anderen können es sich nicht leisten, darauf zu verzichten. Erschreckend, welche Einblicke Mia Raben in ihrem Roman gewährt. Hier werden quasi notleidende Frauen als moderne Sklavinnen für einen Hungerlohn angestellt bzw. ausgebeutet, um harte und niedere Tätigkeiten auszuführen (ebenso polnische Gastarbeiter, in diesem Fall Kuba, der in Deutschland eine Anstellung als Handwerker sucht) und sollen dann auch noch dankbar sein. Als sie einen neuen Job als "betrojerinski" bei Uschi antritt, ist endlich eine Verbesserung ihrer Lebensumstände in Sicht. Uschi und Jola gewöhnen sich aneinander und Uschi, ihr Sohn Peter und seine Frau interessieren sich für Jolas (Lebens-)Situation. Das Buch hat mir, selbst in einem Pflegeberuf tätig, sehr gut gefallen, verschafft es einem doch einen gewissen Einblick in die Notlage Pflegebedürftiger, ihrer Angehörigen und den Personen, mit deren Arbeitskraft Schindluder getrieben wird. Der Schluss war mir leider zu viel "Happy End". Auch wenn ich es der Protagonistin Jola (und Kuba) gegönnt habe, hat die Authentizität des Anfangs dadurch für mich gelitten, so dass es leider am Ende kein Highlight für mich geworden ist.

Es gibt ein namen- und gesichtsloses Heer von Betreuerinnen, die für Arbeitseinsätze ihr Heimatland und ihre Familien verlassen, um beispielsweise in Deutschland Seniorinnen zu pflegen. Natürlich weiß man, dass dieses Heer existiert, und man ahnt sicherlich auch, dass die Betreuerinnen den Agenturen und auch den Familien ausgeliefert sind und dass sie ausgebeutet werden - man verdrängt es aber doch ganz gerne (ich will mich da nicht ausnehmen). Hier kommt eine Betreuerin zu Wort: Jola. Eine alleinerziehende Polin, die schon seit Jahren nach Deutschland kommt, um in fremden Familien zu arbeiten. Was sie erlebt und was das mit ihr und auch mit der Beziehung zu ihrer Tochter macht, erfahren wir in diesem Buch. Nun ist sie bei ihrem nächsten Arbeitseinsatz. Was erwartet sie dieses Mal? Ein wichtiges Buch, ich habe mit Jola mit gelitten, als sie ihre Geschichte erzählt hat.
Jola ist mit ihren Kräften am Ende. Sie stammt aus Polen, ist aber nur selten in ihrer Heimat, da der Arbeitsmarkt ihr einfach keine Alternative bietet. Von einer Agentur wird sie seit Jahren als Betreuerin für deutsche Senioren vermittelt, ein Knochenjob der nicht selten einen 24/7 Einsatz fordert und schlecht bezahlt wird. Nachdem sie von ihrem letzten Einsatz geflohen ist, tritt sie mit sehr gemischten Gefühlen den Weg nach Hamburg an, um dort die rüstige Rentnerin Uschi zu unterstützen. Uschi ist anders als ihre bisherigen Klient*innen und es entspinnt sich eine feine Freundschaft zwischen den Frauen, deren Vertrauen jedoch auf eine harte Probe gestellt wird. - Mit „Unter Dojczen“ legt Mia Raben ein beeindruckendes Debüt hin. Sehr einfühlsam und unaufgeregt erzählt sie die Geschichte von Jola und Uschi in der Gegenwart und durch Rückblicke in die jeweiligen Leben. Jolas Figur steht hier stellvertretend für die schätzungsweise 600.000 Frauen aus Polen und anderen osteuropäischen Ländern, die in Deutschland mehr oder weniger unter dem Radar arbeiten und ein Schattendasein fristen. Die Autorin gibt diesen Frauen eine Stimme, holt Schicksale an die Oberfläche, bricht das Schweigen. Im Roman erfährt man viel über den Geschäftszweig der dahinter steht und die Ausbeutung der Frauen. Hart gesprochen handelt es sich um nichts anderes als modernen Sklavenhandel. Es ist erschreckend unter welchen Bedingungen die Frauen teilweise leben und das dies an den deutschen Gesetzen vorbei geschieht. Sowohl Jola, als auch Uschi bedienen einige Stereotype. Dies wurde laut Aussage der Autorin bewusst so gemacht um die nach wie vor vorherrschenden Vorurteile von Deutschen gegenüber Polen und andersherum zu verdeutlichen. Dies entbehrt nicht eines gewissen Humors und führt zu witzigen Dialogen, hat mich aber auch schlucken lassen. Gerade Uschi behandelt Jola teilweise sehr von oben herab und es fallen Aussagen, die mich mit dem Kopf schütteln lassen. So ist sie bspw. sehr davon überrascht, dass Jola sich für Mathematik interessiert und tut dies auch kund. Ob dies nun aus einer internalisierten Misogynie heraus passiert oder daraus resultutiert, das sie Polinnen für insgesamt weniger gebildet hält als deutsche Frauen, bleibt offen, wobei ich eher zu zweiterem tendiere, da sie im Verlauf des Romans immer mal wieder in ihren Vorurteilen feststeckt. Die sukzessive Annäherung der Frauen fand ich sehr schön dargestellt und auch die Charakterentwicklung im Verlauf ist klasse. Jola wächst über sich hinaus, getraut sich Missstände anzusprechen und ist sehr reflektiert (vor allem auch in ihrer Beziehung zu ihrer Tochter). Uschi lernt auch mal zurück zu stecken und begreift, dass sie Menschen nicht besitzen kann, dass zu Freundschaft immer 2 gehören. Nur das Ende lässt mich ein bisschen hadern… Es ist ein tolles Ende für Jola. Es ist ein Ende, welches man ihr wirklich gönnt, für das sie gearbeitet und das sie verdient hat. Es ist ein Ende das nicht nur Jola, sondern auch anderen Betreuerinnen Hoffnung macht und ein besseres Leben verspricht. Aber ist es realistisch? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, da ich dazu viel zu wenig von der Thematik weiß. Im Fazit ist es ein leiser, einfühlsamer Roman über die besondere Freundschaft einer polnischen Betreuerin und ihrer deutschen Klientin. Ein Roman, der die Ungerechtigkeit mit dem “Handel” von osteuropäischen Frauen aufzeigt und eine Lösung beschreibt, die mehr als wünschenswert wäre. Ein Roman der zeigt, wie wichtig Vertrauen und Augenhöhe für zwischenmenschliche Beziehungen ist Ein Roman den ich euch allen ans Herz legen kann.
Eine Geschichte über Ausbeutung und Freundschaft
Die Rekrutierung polnischer Altenpflegerinnen sind eine gute Möglichkeit, unsere lieben Eltern oder Großeltern pflegen zu lassen. Ausbeutung inklusive! Die Carearbeiterinnen aus dem Osten Europas bekommen meist nur einen Bruchteil dessen, was die Agenturen erhalten. Genauso geht es Jola, nicht Jooohla sondern Jolla ausgesprochen. Aber das können oder wollen sich die Deutschen nicht merken. Meist ignoriert Jola die falsche Aussprache ihres Namens, sie hat schon längst resigniert. Sie macht ihren Job aus der Not geboren, aber mit Überzeugung, und viel Liebe und lässt sich dafür teilweise erschreckend direkt ausnutzen, was sie bisweilen in den Burnout treibt. In diesem Roman gerät sie an Uschi, die im Hamburger Nobelviertel mit der Familie ihres Sohnes an der Alster wohnt. Hier, findet Jola zum ersten Mal Verständnis und ein angenehmes Arbeitsumfeld. Als sie Uschi erzählt was ihr schon alles wiederfahren ist, kommt es zu einem Vertrauensbruch. Mia Raben hat sich in diesem Roman den Personen hinter diesen, für uns oft unentbehrlichen Beruf, vorgenommen. Es wird sehr deutlich über die Nachteile gesprochen, doch brauchen die seniorki die Unterstützung dieser Frauen, ohne sie wäre ihr Dasein weniger lebenswert. Den Preis, den menschen, wie Jola dafür zahlen müssen, wollen wir häufig nicht sehen. Jola ist mir schon sehr ans Herz gewachsen. Besonders wie sie die alten Menschen sieht, die Beschreibungen, die die Schönheit des Alters und nicht die Schattenseiten betonen, haben mir gut gefallen. Raben hat eine Figur geschaffen, die vom Leben gebeutelt, doch stark und aufrecht ihren Job macht. Dabei weiß sie auch um ihre Unzulänglichkeiten und versucht alles, sie wieder gerade zu biegen. Hinter der Kulisse hat sie viel schlimmes erlebt, was nicht überzogen, sondern sehr real wirkt. Dass sie nun, wie im Märchen, in einer Familie angekommen ist die alles für Jola tut, mag vielleicht jenseits der Lebens Realität viele Ostarbeiter *innen sein, doch Rassismus und Klassismus holen uns dann wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, auch dort in dieser kleinen feinen Familie passiert es, wenn auch aus Unwissen heraus, oder Unachtsamkeit. Man meint es ja nur gut und merkt nicht wie man andere verletzt und demütigt. Allerdings habe ich mich schon ab und an gefragt, wie man es denn am besten machen soll? Besonders dann, wenn man die Hintergründe nicht genau kennt. Wirklich schwierig, wenn hinter guten Taten ein Fettnäpfchen steht. Die Sorge, alles mal richtig zu sagen und zu machen kann natürlich auch dazu führen es zu unterlassen und damit noch mehr Kälte in unsere Gesellschaft zu bringen. Dass die Geschichte mit Jolas Tochter Magda nicht auserzählt wird, finde ich nicht schlimm, aber die Episode in Spanien hätte es meinem Empfinden nach dann auch nicht gebraucht. Ein kleiner, feiner Roman, der dazu einlädt, genauer hinzuschauen und Menschen Chancen zu verschaffen, die es wirklich verdient haben.
Ein starkes Debüt über Jola, eine polnische Pflegerin in Deutschland
Bei ihrer Ankunft kann Jola kaum glauben, wo sie gelandet ist. Zwar wurde ihr schon vorab durch die Vermittlungsagentur erzählt, dass es sich bei der neuen Arbeitsstelle um eine wohlhabende Arztfamilie in einem gut situierten Viertel Hamburgs handelt, aber aus dem Kleinbus zu steigen und es selbst alles mit eigenen Augen und Ohren wahrzunehmen, fühlt sich für Jola unglaublich an. Aber nochmal von vorn: Die fünfzigjährige Jola kommt in einem Kleinbus mit anderen Personen aus Polen zum Arbeiten nach Deutschland. Jola kennt die Vorgänge, die Arbeit als günstige Pflegekraft, vermittelt über eine Agentur – schließlich macht sie diesen Job schon seit zwölf Jahren mit einer längeren Unterbrechung. Bei ihren Arbeitsstellen hat sie schon viel erlebt, meistens harte Arbeit, eine hohe Belastung oder notdürftige Unterbringung. Dementsprechend ist sie auch ausgebrannt und müde, dennoch voller Hoffnung, dass es bei dieser Arbeitsstelle anders verlaufen könnte. Und dann kommt sie zu Ursula von der Klewen, genannt Uschi, einer hanseatischen älteren Dame aus gut betuchtem Hause. Auch Uschi kennt bereits verschiedene Pflegekräfte, die es allesamt nicht lange bei ihr ausgehalten haben. Sohn und Schwiegertochter setzen da sehr auf Jola und legen all ihre Hoffnungen in sie. Sie ist quasi die letzte Hoffnung – zumal Uschi, ihre ersten Kindheitsjahre auf einem ostpreußischen Gutshof verbrachte und eine enge Bindung zu ihrem polnischen Kindermädchen hatte. Tatsächlich entwickelt sich zwischen den beiden Frauen eine freundschaftliche Beziehung. Jola fasst Vertrauen und wir erfahren anhand der Gespräche der beiden immer mehr über ihre Situation, ihre schlimmen Erfahrungen wie Ausbeutung, Demütigungen und schlechten Arbeitsbedingungen, die sie als Pflegekraft aus Osteuropa machen musste – bis hin zu ihrem kompletten Absturz. Ebenso bekommt Jolas Vorgeschichte in Polen, die Beziehung zu ihrer Tochter Raum sowie zu ihren Lebensbedingungen in Polen, die zu der Notwendigkeit, diesen Job zu machen, geführt haben. Aber schließlich ist auch bei Uschi nicht alles so wie es zu sein scheint, bis es letztendlich zu einem Vertrauensbruch kommt. Mehr möchte ich euch an dieser Stelle nicht verraten, um dem Buch nichts vorwegzunehmen. Insgesamt hat mir „Unter Dojczen“ sehr gut gefallen. Mia Raben nahm mich sprachlich gut mit, so dass ich mich sehr leicht in Jola hineinversetzen konnte. Zwar ging das Buch doch in eine andere Richtung, als ich anfangs erwartet hatte, die Geschichte zog mich aber dennoch sehr in ihren Bann. Insgesamt halte ich Mia Rabens Debütroman für einen wichtigen Beitrag, um auf die schlechten Arbeitsbedingungen, ja Ausbeute osteuropäischer Fachkräfte aufmerksam zu machen. Es ist ein großer Zwiespalt: der Wunsch seine älteren Angehörigen gut versorgt zu wissen, nicht aus ihrem gewohnten Umfeld herausreißen zu müssen, ist nachvollziehbar, allerdings geschieht dies auf Kosten von Menschen, die diesen Job unter unwürdigen Arbeitsbedingungen ausführen müssen. Hier zeichnet Mia Raben die Charaktere sehr detailliert, mit all ihren unterschiedlichen Facetten. Peter und Bea, Sohn und Schwiegertochter, kommen in ihren positiven Absichten als besorgte, wohlwollende Menschen rüber, aber eben auch als privilegierte Familie mit unterschwelliger Alltagsdiskriminierung Jola gegenüber. Was ich letztendlich als sehr positiv empfinde ist, wie Jola es schafft, sich aus ihrer Ohnmacht, die sie bzgl. ihrer Situation verspürt, zu lösen, für sich immer mehr ein Unrechtsbewusstsein bis hin zu Selbstbehauptung und -gestaltung ihrer Lebensumstände erlangt. „Siostry! Lasst uns ausruhen! Vergessen wir nicht zu leben! Kämpfen wir für einen besseren Lohn! Für faire Arbeitszeiten! Nehmen wir uns Zeit für uns selbst, für unsere Familie und Freunde!“ (S. 183)
Mia Raben beleuchtet in ihrem Roman „Unter Dojczen" das Schicksal von Jola, einer alleinerziehenden Mutter aus Polen, die seit zwölf Jahren als 24-Stunden-Pflegekraft in Deutschland arbeitet. Jola, die aus finanzieller Not heraus in die Rolle der Betreuerin gezwungen wurde, steht im Zentrum des Romans. Ihr täglicher Kampf, die Diskriminierungen und die körperliche und seelische Belastung, die mit ihrer Arbeit einhergehen, werden detailliert und realistisch dargestellt. Die Abhängigkeit von ihren Arbeitgebern und die mangelnde Wertschätzung ihrer Arbeit ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch und machen deutlich, wie ungleich die Machtverhältnisse sind. Ein Lichtblick in Jolas Leben ist die neue Stelle bei Uschi, die im Hamburger Nobelviertel an der Alster lebt. Hier erfährt Jola zum ersten Mal Anerkennung und menschliche Wärme, sowohl von Uschi als auch von deren Familie. Diese Entwicklung gibt dem Roman eine hoffnungsvolle Note, ohne die harten Realitäten vollständig zu verdrängen. Die feine Balance zwischen Optimismus und Realismus machen dieses Buch besonders lesenswert. Mia Rabens Erzählweise ist prägnant und eindringlich. Sie wechselt zwischen Gegenwart und Rückblenden in Jolas Vergangenheit, was der Geschichte Tiefe und Kontext verleiht. Durch diese Struktur wird Jolas Charakter facettenreich und greifbar, ihre inneren Konflikte und ihre Resilienz werden authentisch und nachvollziehbar dargestellt. Mia Raben thematisiert nicht nur die Ausbeutung von Pflegekräften, sondern auch die emotionalen und sozialen Aspekte des Alterns und der Pflegebedürftigkeit. Sie zeigt, dass hinter den professionellen Pflegerinnen Menschen mit eigenen Geschichten, Träumen und Schmerzen stehen. Besonders beeindruckend ist, wie die Schönheit und Würde des Alters beschrieben und dabei die Schattenseiten nicht ausgeblendet werden. Mia Raben gelingt es, ein bewegendes Porträt einer starken Frau zu zeichnen, die trotz aller Widrigkeiten ihre Menschlichkeit und Würde bewahrt. „Unter Dojczen" ist ein einfühlsamer Roman, der einen eindrucksvollen und erschütternden Einblick in die harten Lebensrealitäten vieler osteuropäischer Pflegekräfte bietet, die in deutschen Haushalten oft unter prekären Bedingungen arbeiten. Große Leseempfehlung!

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Mia Raben, geboren 1977, arbeitete als freie Korrespondentin in Warschau, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und lebt heute als Journalistin und Autorin mit ihrer Familie in Hamburg. Sie hat eine polnische Mutter und einen deutschen Vater. »Unter Dojczen« ist ihr erster Roman.
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"Wenigstens Zigaretten waren in Polen noch billiger als in Deutschland. Und Menschen natürlich. Jola war zu alt für Illusionen. Das war der einzige Grund, warum sie hier erwünscht war: Sie war ein beliebtes, weil billiges Importprodukt." Die alleinerziehende Polin Jola pendelt zwischen Polen und Deutschland, um als 24h-Pflegekraft den Lebensunterhalt für sich und ihre Tochter Magda zu bestreiten. Dabei entfremdet sie sich immer mehr von ihrer Tochter, die sie zwangsläufig in der Obhut ihrer Nachbarin lassen muss. Jola muss in ihrem Beruf sehr viel ertragen und sich sehr viel gefallen lassen, wird ausgenutzt, ausgebeutet und teilweise menschenunwürdig behandelt. Mehr möchte ich zum Inhalt gar nicht sagen, lest selbst. Warum fällt es uns so schwer, Dankbarkeit und Anerkennung zu zeigen? Gerade in einem Beruf, der so wichtig ist, Aufopferung und ein großes Maß an Empathie fordert, sollte den Pflegenden Wertschätzung entgegen gebracht werden. Der Stil und die flüssige Schreibweise von Mia Raben hat mir sehr gut gefallen und von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung ⭐
"Wie lange hatte sie nicht mehr wild getanzt? Zwanzig Jahre? Sie genoss den Rausch, das Tanzen und das Singen, und es war ihr völlig egal, ob irgendjemand da oben sie hörte. Sollten sie doch aufwachen! Sollten sie sich doch schwarzärgern, die feinen Herrschaften!" Puh! Danke der Autorin für diesen teilweise bedrückenden Einblick in das stille, stumme, unauffällige Leben oder Leiden tausender osteuropäischer Frauen, die wie Leibeigene rund um die Uhr deutsche Senioren in privaten Haushalten pflegen. Oft gedemütigt und ausgebeutet, nie als gleichwertige Menschen behandelt, weit weg von ihren Familien, ihren Kindern. Zwischen den Welten, auf der einen Seite Polen und auf der anderen Deutschland, versucht die Protagonistin Jola ihren eigenen Weg zum Glück zu finden. Ein starker Roman, der mich sehr nachdenklich zurücklässt.
Menschlichkeit im Umgang miteinander
Jola fährt einmal mehr von ihrer polnischen Heimat nach Deutschland, um eine neue Stelle als Pflegekraft anzutreten. Nach ihren letzten Erfahrungen kann und will sie eigentlich nicht mehr weitermachen. Doch dieses Mal landet sie in einer Hamburger Arztfamilie bei der Matriarchin der Familie „Uschi“, Schon die Begrüßung durch deren Tochter fällt anders aus als sie es bislang erlebt hat. Sie wird als Person wahrgenommen und respektiert. Und ganz langsam beginnt sie, auch durch ihre Anpassungsfähigkeit, sich mit der mitunter nicht ganz einfachen Uschi anzufreunden. Es gibt Höhen und Tiefen im täglichen Miteinander und die beiden erleben einiges zusammen, doch letztlich steht auch Uschi hinter Jola. So gelingt es Jola, langsam wieder zu sich zu finden, Kraft zu tanken und vertraut Uschi sogar ihr großes Geheimnis und den Grund ihrer Arbeit als Pflegekraft fern der Heimat an. Ein Buch, das in sehr klarer und kraftvoller Sprache den Alltag von Pflegekräften und auch der Pflegebedürftigen beschreibt. Hier werden menschliche Schicksale beschrieben und es treten Abgründe hervor im Umgang mit Menschen, die in einem völlig fremden Land Arbeit verrichten, für die es in unserem Land einfach nicht genügend Kräfte gibt. Ein Buch, das Augen öffnet, das aber auch klar mit dem Finger auf Missstände zeigt und über all dem eine Zartheit und Hoffnung auf einen menschenwürdigen Umgang miteinander schwebt. Ein Buch, das zeigt, wie es für beide Seiten funkionieren kann! Natürlich ist es ein fiktiver Roman, in dem letztlich über der Handlung stets Empathie und Hoffnung liegen, der aber ohne Kitsch daherkommt und ihn somit für mich zu einer klaren Lesempfehlung macht. Für alle, die sich mit dem Thema der häuslichen Pflege beschäftigen wollen oder müssen oder die einfach einen richtig gut geschriebenen Roman in absolut hochwertiger Aufmachung lesen mögen.
Als Jola im Bus von Łódź nach Hamburg sitzt, weiß sie nicht, was sie erwartet. Sofort sind die Erinnerungen an frühere 'Einsätze' wieder da - wird sie wieder von Angehörigen angeschrien, von dementen Seniorki geschlagen? Muss sie auf dem Boden schlafen und 24/7 auf Abruf parat stehen? Die Gedanken an eine Famile in Süddeutschland lässt sie noch immer erschauern. Jola ist eine der vielen polnischen Pflegekräfte, die nach Deutschland vermittelt werden. Die aus der Not, die Familie versorgen zu können, genau diese vor Jahren zurücklassen mussten. Doch diesmal hat sie Glück, findet den Weg zur Seniorin Uschi und Ihrer Familie. Sie kann ihr Glück kaum fassen, als sie Wertschätzung und ihre eigene kleine Unterkunft bekommt. Zwischen Jola und Uschi entwickelt sich ein zartes Band der Freundschaft. Doch beide tragen ein Geheimnis mit sich. Mia Raben schreibt hier tiefgründig und doch leicht. Über Ausbeutung, Vergangenheitsbewätigung und Freundschaft. Sie zeigt uns die gravierenden Unterschiede zwischen den Welten von reich und arm, aber auch, wie daraus wertschätzende Freundschaft entstehen kann. Manchmal brechen ein bisschen Steretype durch, aber ich mochte beide Charaktere, Jola und Uschi, sehr. Hab ich richtig gern gelesen.
Ich hätte nicht gedacht, dass mich „Unter Dojczen“ so persönlich abholt – für mich ein absolutes Must Read.
Wir begleiten Jola, eine polnische 24h-Pflegekraft, die seit Jahren zwischen ihrer Heimat und Deutschland pendelt. Eine Frau, die funktioniert, durchhält, still bleibt – und dabei so viel mehr trägt, als man von außen sieht. Denn hinter dieser Arbeit steht immer auch ein Preis: Jola musste ihre eigene Tochter in Polen zurücklassen, um sie überhaupt versorgen zu können. Und genau darin liegt einer der schmerzhaftesten Gedanken dieses Buches: Was bedeutet Mutterschaft, wenn man nicht da sein kann? Wenn Fürsorge bedeutet, sich selbst zu entziehen? Der Roman zeigt auf eine erschreckend klare Weise, unter welchen Bedingungen viele osteuropäische Pflegekräfte arbeiten: in ständiger Abhängigkeit, oft ohne echte Absicherung, schlecht bezahlt, nicht selten ausgebeutet, rund um die Uhr verfügbar – und dabei viel zu häufig übersehen. Es ist dieses System, das mich beim Lesen nicht losgelassen hat. Ein System, das darauf basiert, dass andere ihre eigenen Grenzen immer wieder verschieben müssen. Und gleichzeitig schwingt etwas mit, das fast noch schwerer wiegt: der fehlende Respekt. Diese leisen Vorurteile. Dieses unausgesprochene „Sie ist ja nur die Pflegekraft“. Als wäre Bildung, Intelligenz oder ein eigenes Leben plötzlich weniger wert. Besonders eindrücklich fand ich diese kleinen Momente: Wenn es überrascht, dass eine polnische Pflegekraft Bridge spielt. Wenn sich hinter scheinbar harmlosen Bemerkungen genau diese Denkmuster zeigen. Was mich zusätzlich tief berührt hat: Ich bin selbst Polin, meine Eltern kommen aus Wrocław. Beim Lesen hatte ich immer wieder dieses Gefühl von Nähe – in der Sprache, in kleinen Begriffen, in diesen feinen Nuancen. Ich musste an vielen Stellen schmunzeln, weil so vieles so vertraut war. Der Akzent von Jola kommt unglaublich authentisch rüber, und viele dieser kleinen polnischen Eigenheiten haben sich für mich sofort richtig angefühlt. Genau dadurch ist eine ganz besondere Verbindung entstanden. Ein unglaublich feinfühliges Buch! Große Empfehlung!

Jolas Geschichte beginnt im Buch in einem Minibus, der sie von Polen nach Deutschland bringt. Es ist nicht ihre erste Reise dieser Art, seit vielen Jahren lässt sie sich von Agenturen als Pflegekraft in deutsche Familien vermitteln, um sich dort als Pflegekraft um vorwiegend ältere Menschen zu kümmern, meist unter schrecklichen Arbeitsbedingungen und einer Bezahlung weit unter dem Mindestlohn. Vor diesem Arbeitseinsatz brauchte sie eine Pause, zu traumatisierend war ihr Aufenthalt in der letzten Familie. Ihr Ziel ist dieses Mal Hamburg, sie soll Ursula »Uschi« von Klewen, Matriarchin einer Arztfamilie, pflegerisch betreuen. Trotz ihrer Angst hat sich Jola aus finanziellen Gründen auf die neue Pflegestelle eingelassen, doch ihre Ängste stellen sich bald als unbegründet heraus, als sie an ihrem Arbeitsplatz auf einen schönen Rückzugsort, geregelte Arbeitszeiten, einen annähernd gerechten Lohn und vor allem eine Pflegeperson trifft, die ihr mit Respekt und Wertschätzung begegnet. "Unter Dojczen" ist der herzerwärmende und zugleich ungeschönt auf die Realität ausländischer Pflegekräfte und unser unzureichendes Pflegesystem in Deutschland blickende Debütroman von Mia Raben. Mit Jolanda schafft die Autorin eine sympathische und humorvolle Protagonistin, die mir im Laufe des Buches sehr ans Herz gewachsen ist. Auch die sich entwickelnde ungleiche Freundschaft zwischen Jola und Uschi hat mir gefallen, Mia Raben zeichnet Charaktere, die authentisch und vielschichtig wirken. Allein gegen Ende macht das Buch einige Abzweigungen, die für mich wenig glaubwürdig und zu konstruiert waren, das hat mein Lesevergnügen und die Relevanz, die ich diesem Perspektivwechsel beimesse, jedoch kaum geschmälert. Ich habe "Unter Dojczen" gerne gelesen und kann dieses Debüt empfehlen!

📌 "All die Polinnen, Rumäninnen, Bosnierinnen, Ukrainerinnen und so weiter, sie alle kämpften gemeinsam in der Armee der Fürsorge. Gegen Krankheit, Ohnmacht, Verfall, Alter, Einsamkeit, gegen so vieles. Verstreut wie Konfetti über die Wohnungen, Häuser und Villen Tausender und Abertausender seniorki in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Italien." - S. 147 Polin Jola (52) arbeitet als 24h-Kraft in Deutschland. Seit 12 Jahren pendelt die alleinerziehende Mutter einer Tochter, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, indem sie fremde, alte und gebrechliche Menschen fern der Heimat als "betrojerinski" versorgt. Da Jola dringend auf das Geld angewiesen ist, hält sie oft mehr aus, als erträglich ist, besteht doch ein (ungleiches) Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihr und ihren Geldgebern. Die einen können es sich leisten Geld für "das Kümmern" zu zahlen und die anderen können es sich nicht leisten, darauf zu verzichten. Erschreckend, welche Einblicke Mia Raben in ihrem Roman gewährt. Hier werden quasi notleidende Frauen als moderne Sklavinnen für einen Hungerlohn angestellt bzw. ausgebeutet, um harte und niedere Tätigkeiten auszuführen (ebenso polnische Gastarbeiter, in diesem Fall Kuba, der in Deutschland eine Anstellung als Handwerker sucht) und sollen dann auch noch dankbar sein. Als sie einen neuen Job als "betrojerinski" bei Uschi antritt, ist endlich eine Verbesserung ihrer Lebensumstände in Sicht. Uschi und Jola gewöhnen sich aneinander und Uschi, ihr Sohn Peter und seine Frau interessieren sich für Jolas (Lebens-)Situation. Das Buch hat mir, selbst in einem Pflegeberuf tätig, sehr gut gefallen, verschafft es einem doch einen gewissen Einblick in die Notlage Pflegebedürftiger, ihrer Angehörigen und den Personen, mit deren Arbeitskraft Schindluder getrieben wird. Der Schluss war mir leider zu viel "Happy End". Auch wenn ich es der Protagonistin Jola (und Kuba) gegönnt habe, hat die Authentizität des Anfangs dadurch für mich gelitten, so dass es leider am Ende kein Highlight für mich geworden ist.

Es gibt ein namen- und gesichtsloses Heer von Betreuerinnen, die für Arbeitseinsätze ihr Heimatland und ihre Familien verlassen, um beispielsweise in Deutschland Seniorinnen zu pflegen. Natürlich weiß man, dass dieses Heer existiert, und man ahnt sicherlich auch, dass die Betreuerinnen den Agenturen und auch den Familien ausgeliefert sind und dass sie ausgebeutet werden - man verdrängt es aber doch ganz gerne (ich will mich da nicht ausnehmen). Hier kommt eine Betreuerin zu Wort: Jola. Eine alleinerziehende Polin, die schon seit Jahren nach Deutschland kommt, um in fremden Familien zu arbeiten. Was sie erlebt und was das mit ihr und auch mit der Beziehung zu ihrer Tochter macht, erfahren wir in diesem Buch. Nun ist sie bei ihrem nächsten Arbeitseinsatz. Was erwartet sie dieses Mal? Ein wichtiges Buch, ich habe mit Jola mit gelitten, als sie ihre Geschichte erzählt hat.
Jola ist mit ihren Kräften am Ende. Sie stammt aus Polen, ist aber nur selten in ihrer Heimat, da der Arbeitsmarkt ihr einfach keine Alternative bietet. Von einer Agentur wird sie seit Jahren als Betreuerin für deutsche Senioren vermittelt, ein Knochenjob der nicht selten einen 24/7 Einsatz fordert und schlecht bezahlt wird. Nachdem sie von ihrem letzten Einsatz geflohen ist, tritt sie mit sehr gemischten Gefühlen den Weg nach Hamburg an, um dort die rüstige Rentnerin Uschi zu unterstützen. Uschi ist anders als ihre bisherigen Klient*innen und es entspinnt sich eine feine Freundschaft zwischen den Frauen, deren Vertrauen jedoch auf eine harte Probe gestellt wird. - Mit „Unter Dojczen“ legt Mia Raben ein beeindruckendes Debüt hin. Sehr einfühlsam und unaufgeregt erzählt sie die Geschichte von Jola und Uschi in der Gegenwart und durch Rückblicke in die jeweiligen Leben. Jolas Figur steht hier stellvertretend für die schätzungsweise 600.000 Frauen aus Polen und anderen osteuropäischen Ländern, die in Deutschland mehr oder weniger unter dem Radar arbeiten und ein Schattendasein fristen. Die Autorin gibt diesen Frauen eine Stimme, holt Schicksale an die Oberfläche, bricht das Schweigen. Im Roman erfährt man viel über den Geschäftszweig der dahinter steht und die Ausbeutung der Frauen. Hart gesprochen handelt es sich um nichts anderes als modernen Sklavenhandel. Es ist erschreckend unter welchen Bedingungen die Frauen teilweise leben und das dies an den deutschen Gesetzen vorbei geschieht. Sowohl Jola, als auch Uschi bedienen einige Stereotype. Dies wurde laut Aussage der Autorin bewusst so gemacht um die nach wie vor vorherrschenden Vorurteile von Deutschen gegenüber Polen und andersherum zu verdeutlichen. Dies entbehrt nicht eines gewissen Humors und führt zu witzigen Dialogen, hat mich aber auch schlucken lassen. Gerade Uschi behandelt Jola teilweise sehr von oben herab und es fallen Aussagen, die mich mit dem Kopf schütteln lassen. So ist sie bspw. sehr davon überrascht, dass Jola sich für Mathematik interessiert und tut dies auch kund. Ob dies nun aus einer internalisierten Misogynie heraus passiert oder daraus resultutiert, das sie Polinnen für insgesamt weniger gebildet hält als deutsche Frauen, bleibt offen, wobei ich eher zu zweiterem tendiere, da sie im Verlauf des Romans immer mal wieder in ihren Vorurteilen feststeckt. Die sukzessive Annäherung der Frauen fand ich sehr schön dargestellt und auch die Charakterentwicklung im Verlauf ist klasse. Jola wächst über sich hinaus, getraut sich Missstände anzusprechen und ist sehr reflektiert (vor allem auch in ihrer Beziehung zu ihrer Tochter). Uschi lernt auch mal zurück zu stecken und begreift, dass sie Menschen nicht besitzen kann, dass zu Freundschaft immer 2 gehören. Nur das Ende lässt mich ein bisschen hadern… Es ist ein tolles Ende für Jola. Es ist ein Ende, welches man ihr wirklich gönnt, für das sie gearbeitet und das sie verdient hat. Es ist ein Ende das nicht nur Jola, sondern auch anderen Betreuerinnen Hoffnung macht und ein besseres Leben verspricht. Aber ist es realistisch? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, da ich dazu viel zu wenig von der Thematik weiß. Im Fazit ist es ein leiser, einfühlsamer Roman über die besondere Freundschaft einer polnischen Betreuerin und ihrer deutschen Klientin. Ein Roman, der die Ungerechtigkeit mit dem “Handel” von osteuropäischen Frauen aufzeigt und eine Lösung beschreibt, die mehr als wünschenswert wäre. Ein Roman der zeigt, wie wichtig Vertrauen und Augenhöhe für zwischenmenschliche Beziehungen ist Ein Roman den ich euch allen ans Herz legen kann.
Eine Geschichte über Ausbeutung und Freundschaft
Die Rekrutierung polnischer Altenpflegerinnen sind eine gute Möglichkeit, unsere lieben Eltern oder Großeltern pflegen zu lassen. Ausbeutung inklusive! Die Carearbeiterinnen aus dem Osten Europas bekommen meist nur einen Bruchteil dessen, was die Agenturen erhalten. Genauso geht es Jola, nicht Jooohla sondern Jolla ausgesprochen. Aber das können oder wollen sich die Deutschen nicht merken. Meist ignoriert Jola die falsche Aussprache ihres Namens, sie hat schon längst resigniert. Sie macht ihren Job aus der Not geboren, aber mit Überzeugung, und viel Liebe und lässt sich dafür teilweise erschreckend direkt ausnutzen, was sie bisweilen in den Burnout treibt. In diesem Roman gerät sie an Uschi, die im Hamburger Nobelviertel mit der Familie ihres Sohnes an der Alster wohnt. Hier, findet Jola zum ersten Mal Verständnis und ein angenehmes Arbeitsumfeld. Als sie Uschi erzählt was ihr schon alles wiederfahren ist, kommt es zu einem Vertrauensbruch. Mia Raben hat sich in diesem Roman den Personen hinter diesen, für uns oft unentbehrlichen Beruf, vorgenommen. Es wird sehr deutlich über die Nachteile gesprochen, doch brauchen die seniorki die Unterstützung dieser Frauen, ohne sie wäre ihr Dasein weniger lebenswert. Den Preis, den menschen, wie Jola dafür zahlen müssen, wollen wir häufig nicht sehen. Jola ist mir schon sehr ans Herz gewachsen. Besonders wie sie die alten Menschen sieht, die Beschreibungen, die die Schönheit des Alters und nicht die Schattenseiten betonen, haben mir gut gefallen. Raben hat eine Figur geschaffen, die vom Leben gebeutelt, doch stark und aufrecht ihren Job macht. Dabei weiß sie auch um ihre Unzulänglichkeiten und versucht alles, sie wieder gerade zu biegen. Hinter der Kulisse hat sie viel schlimmes erlebt, was nicht überzogen, sondern sehr real wirkt. Dass sie nun, wie im Märchen, in einer Familie angekommen ist die alles für Jola tut, mag vielleicht jenseits der Lebens Realität viele Ostarbeiter *innen sein, doch Rassismus und Klassismus holen uns dann wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, auch dort in dieser kleinen feinen Familie passiert es, wenn auch aus Unwissen heraus, oder Unachtsamkeit. Man meint es ja nur gut und merkt nicht wie man andere verletzt und demütigt. Allerdings habe ich mich schon ab und an gefragt, wie man es denn am besten machen soll? Besonders dann, wenn man die Hintergründe nicht genau kennt. Wirklich schwierig, wenn hinter guten Taten ein Fettnäpfchen steht. Die Sorge, alles mal richtig zu sagen und zu machen kann natürlich auch dazu führen es zu unterlassen und damit noch mehr Kälte in unsere Gesellschaft zu bringen. Dass die Geschichte mit Jolas Tochter Magda nicht auserzählt wird, finde ich nicht schlimm, aber die Episode in Spanien hätte es meinem Empfinden nach dann auch nicht gebraucht. Ein kleiner, feiner Roman, der dazu einlädt, genauer hinzuschauen und Menschen Chancen zu verschaffen, die es wirklich verdient haben.
Ein starkes Debüt über Jola, eine polnische Pflegerin in Deutschland
Bei ihrer Ankunft kann Jola kaum glauben, wo sie gelandet ist. Zwar wurde ihr schon vorab durch die Vermittlungsagentur erzählt, dass es sich bei der neuen Arbeitsstelle um eine wohlhabende Arztfamilie in einem gut situierten Viertel Hamburgs handelt, aber aus dem Kleinbus zu steigen und es selbst alles mit eigenen Augen und Ohren wahrzunehmen, fühlt sich für Jola unglaublich an. Aber nochmal von vorn: Die fünfzigjährige Jola kommt in einem Kleinbus mit anderen Personen aus Polen zum Arbeiten nach Deutschland. Jola kennt die Vorgänge, die Arbeit als günstige Pflegekraft, vermittelt über eine Agentur – schließlich macht sie diesen Job schon seit zwölf Jahren mit einer längeren Unterbrechung. Bei ihren Arbeitsstellen hat sie schon viel erlebt, meistens harte Arbeit, eine hohe Belastung oder notdürftige Unterbringung. Dementsprechend ist sie auch ausgebrannt und müde, dennoch voller Hoffnung, dass es bei dieser Arbeitsstelle anders verlaufen könnte. Und dann kommt sie zu Ursula von der Klewen, genannt Uschi, einer hanseatischen älteren Dame aus gut betuchtem Hause. Auch Uschi kennt bereits verschiedene Pflegekräfte, die es allesamt nicht lange bei ihr ausgehalten haben. Sohn und Schwiegertochter setzen da sehr auf Jola und legen all ihre Hoffnungen in sie. Sie ist quasi die letzte Hoffnung – zumal Uschi, ihre ersten Kindheitsjahre auf einem ostpreußischen Gutshof verbrachte und eine enge Bindung zu ihrem polnischen Kindermädchen hatte. Tatsächlich entwickelt sich zwischen den beiden Frauen eine freundschaftliche Beziehung. Jola fasst Vertrauen und wir erfahren anhand der Gespräche der beiden immer mehr über ihre Situation, ihre schlimmen Erfahrungen wie Ausbeutung, Demütigungen und schlechten Arbeitsbedingungen, die sie als Pflegekraft aus Osteuropa machen musste – bis hin zu ihrem kompletten Absturz. Ebenso bekommt Jolas Vorgeschichte in Polen, die Beziehung zu ihrer Tochter Raum sowie zu ihren Lebensbedingungen in Polen, die zu der Notwendigkeit, diesen Job zu machen, geführt haben. Aber schließlich ist auch bei Uschi nicht alles so wie es zu sein scheint, bis es letztendlich zu einem Vertrauensbruch kommt. Mehr möchte ich euch an dieser Stelle nicht verraten, um dem Buch nichts vorwegzunehmen. Insgesamt hat mir „Unter Dojczen“ sehr gut gefallen. Mia Raben nahm mich sprachlich gut mit, so dass ich mich sehr leicht in Jola hineinversetzen konnte. Zwar ging das Buch doch in eine andere Richtung, als ich anfangs erwartet hatte, die Geschichte zog mich aber dennoch sehr in ihren Bann. Insgesamt halte ich Mia Rabens Debütroman für einen wichtigen Beitrag, um auf die schlechten Arbeitsbedingungen, ja Ausbeute osteuropäischer Fachkräfte aufmerksam zu machen. Es ist ein großer Zwiespalt: der Wunsch seine älteren Angehörigen gut versorgt zu wissen, nicht aus ihrem gewohnten Umfeld herausreißen zu müssen, ist nachvollziehbar, allerdings geschieht dies auf Kosten von Menschen, die diesen Job unter unwürdigen Arbeitsbedingungen ausführen müssen. Hier zeichnet Mia Raben die Charaktere sehr detailliert, mit all ihren unterschiedlichen Facetten. Peter und Bea, Sohn und Schwiegertochter, kommen in ihren positiven Absichten als besorgte, wohlwollende Menschen rüber, aber eben auch als privilegierte Familie mit unterschwelliger Alltagsdiskriminierung Jola gegenüber. Was ich letztendlich als sehr positiv empfinde ist, wie Jola es schafft, sich aus ihrer Ohnmacht, die sie bzgl. ihrer Situation verspürt, zu lösen, für sich immer mehr ein Unrechtsbewusstsein bis hin zu Selbstbehauptung und -gestaltung ihrer Lebensumstände erlangt. „Siostry! Lasst uns ausruhen! Vergessen wir nicht zu leben! Kämpfen wir für einen besseren Lohn! Für faire Arbeitszeiten! Nehmen wir uns Zeit für uns selbst, für unsere Familie und Freunde!“ (S. 183)
Mia Raben beleuchtet in ihrem Roman „Unter Dojczen" das Schicksal von Jola, einer alleinerziehenden Mutter aus Polen, die seit zwölf Jahren als 24-Stunden-Pflegekraft in Deutschland arbeitet. Jola, die aus finanzieller Not heraus in die Rolle der Betreuerin gezwungen wurde, steht im Zentrum des Romans. Ihr täglicher Kampf, die Diskriminierungen und die körperliche und seelische Belastung, die mit ihrer Arbeit einhergehen, werden detailliert und realistisch dargestellt. Die Abhängigkeit von ihren Arbeitgebern und die mangelnde Wertschätzung ihrer Arbeit ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch und machen deutlich, wie ungleich die Machtverhältnisse sind. Ein Lichtblick in Jolas Leben ist die neue Stelle bei Uschi, die im Hamburger Nobelviertel an der Alster lebt. Hier erfährt Jola zum ersten Mal Anerkennung und menschliche Wärme, sowohl von Uschi als auch von deren Familie. Diese Entwicklung gibt dem Roman eine hoffnungsvolle Note, ohne die harten Realitäten vollständig zu verdrängen. Die feine Balance zwischen Optimismus und Realismus machen dieses Buch besonders lesenswert. Mia Rabens Erzählweise ist prägnant und eindringlich. Sie wechselt zwischen Gegenwart und Rückblenden in Jolas Vergangenheit, was der Geschichte Tiefe und Kontext verleiht. Durch diese Struktur wird Jolas Charakter facettenreich und greifbar, ihre inneren Konflikte und ihre Resilienz werden authentisch und nachvollziehbar dargestellt. Mia Raben thematisiert nicht nur die Ausbeutung von Pflegekräften, sondern auch die emotionalen und sozialen Aspekte des Alterns und der Pflegebedürftigkeit. Sie zeigt, dass hinter den professionellen Pflegerinnen Menschen mit eigenen Geschichten, Träumen und Schmerzen stehen. Besonders beeindruckend ist, wie die Schönheit und Würde des Alters beschrieben und dabei die Schattenseiten nicht ausgeblendet werden. Mia Raben gelingt es, ein bewegendes Porträt einer starken Frau zu zeichnen, die trotz aller Widrigkeiten ihre Menschlichkeit und Würde bewahrt. „Unter Dojczen" ist ein einfühlsamer Roman, der einen eindrucksvollen und erschütternden Einblick in die harten Lebensrealitäten vieler osteuropäischer Pflegekräfte bietet, die in deutschen Haushalten oft unter prekären Bedingungen arbeiten. Große Leseempfehlung!




















