Trotzdem zuhause
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Description
»So beginnt meine Geschichte. Als Tochter einer weißen Frau und eines Schwarzen Mannes. Zwischen Sange, Südtansania, und Gera, Thüringen. Zwischen kolonialer Vergangenheit und DDR-Diktatur.«
Tupoka Ogette schreibt von der Suche nach Zugehörigkeit, vom Leben im Widerspruch, im Dazwischen. Sie erzählt vom Aufwachsen als Schwarzes Kind in der DDR, von Flucht, Verlust, Sexismus und Gewalt – aber auch von Liebe, Mutterschaft, Resilienz und Selbstermächtigung. Von Freundschaften, die sie schließt, und solchen, die sie verliert. Vom Neuanfang in der BRD. Und davon, die Ruhe im Sturm zu finden.
»Selten liest man Texte, die mit so offenem, ehrlichem Herzen geschrieben sind. Tupoka Ogette erzählt von Leben und Überleben in Deutschland. Von Kampf und Triumph. Von Verzweiflung und Hoffnung. Eine Masterclass darin, was Gleichzeitigkeit bedeutet.« Alice Hasters
»Dieses Buch ist die Erzählung, ohne die die Geschichte der deutschen Vereinigung nicht vollständig ist.« Daniel Schulz
Book Information
Author Description
Tupoka Ogette wurde 1980 in Leipzig als Tochter eines tansanischen Studenten der Landwirtschaft und einer deutschen Mathematikstudentin geboren. Kurz vor der Wende wanderte ihre Mutter mit ihr nach Westberlin aus, wo Ogette bis zu ihrem Abitur lebte. Sie hat einen Magister in Afrikanistik und Deutsch als Fremdsprache von der Universität Leipzig und einen Master in International Business von der Graduate School of Grenoble. Seit 2012 ist Tupoka Ogette bundesweit als Beraterin und Trainerin im Bereich Rassismuskritik tätig. In dieser Funktion leitet sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz Workshops und Fortbildungen, tritt als Speakerin auf, berät Teams und Organisationen. Ihr im März 2017 erschienenes Handbuch »exit RACISM. Rassismuskritisch denken lernen« ist ein SPIEGEL-Bestseller. Im Jahr 2019 wurde Ogette vom Magazin Edition F als eine der 25 einflussreichsten Frauen des Jahres ausgezeichnet. SPIEGEL Online nahm sie als eine von zehn Frauen in den Bildungskanon zum Thema Theorie und Politik auf. 2021 wurde sie von About You zum »Idol of The Year« gewählt. Sie lebt mit ihrem Mann, dem Künstler und Bildhauer Stephen Lawson, und ihren Kindern in Berlin. Bei Penguin erschienen ihre Bücher »Und jetzt du. Rassismuskritisch leben« und »Tag für Tag aktiv gegen Rassismus«.
Posts
Vom Leben zwischen zwei Welten
In ihrem Memoir schreibt Tupoka Ogette in einzelnen, oft nicht zusammenhängenden Episoden über ihr Leben. Die meisten Kapitel stehen also für sich und widmen sich jeweils einem bestimmten Thema. Sie schreibt über ihre Familie, Freund*innen, ihren Alltag und bestimmte Schlüsselmomente ihres Lebens. Die Sprache ist eher nüchtern und sachlich, was gut passt, denn die Themen sind auch so schon emotional und intensiv genug. Wir erleben mit Tupoka Ausgrenzung, Abwertung, Hass und Missbrauch. Aber auch schöne Momente wie ihre Liebe zur Musik und zu ihrer Familie. Wie sie ihre Sprache findet, Worte, um das Erlebte zu beschreiben, zu benennen und irgendwann die Erkenntnis: Nicht sie ist schuld an dem, was ihr widerfahren ist. Und wie sie sich selber und ihren Weg im Leben findet, sich annimmt und lieben lernt. Ein sehr ehrliches und mutiges Buch von einer starken und bewundernswerten Frau. Es enthält so viele wichtige Themen und Botschaften. Absolute Empfehlung!
Zwischen Schmerz und Stärke und ich? Ich sitze noch immer mitten drinnen!
Tupoka Ogettes „Trotzdem zuhause“ ist kein Buch, das man einfach liest und wieder weglegt. Es ist ein Buch, das etwas mit einem macht. Ich war beim Lesen fassungslos, wütend und traurig zugleich und hatte immer wieder das Bedürfnis, die kleine Tupoka zu beschützen. Was dieses Buch so besonders macht, ist nicht ein einzelnes großes Ereignis, sondern die Vielzahl an Momenten. Es sind die vielen kleinen, alltäglichen Erfahrungen von Rassismus, die sich Schicht für Schicht aufbauen und eine Wucht entfalten, die kaum auszuhalten ist. Gerade dadurch wird spürbar, wie tief diese Erlebnisse gehen. Eine Szene hat sich mir besonders eingebrannt: der Moment in der Bahn, als ihr Opa die Brille abnimmt, bereit, sie im Zweifel zu verteidigen. In dieser einen Geste liegt alles gleichzeitig, Fürsorge, Bedrohung und die erschütternde Realität, dass ein Kind überhaupt Schutz vor anderen Menschen braucht. Diese Gleichzeitigkeit zieht sich durch das gesamte Buch. Denn „Trotzdem zuhause“ erzählt nicht nur von Schmerz und Ausgrenzung, sondern immer auch von etwas anderem. Von Liebe, von Beziehungen, von Widerstandskraft. Es ist genau dieses Dazwischen, dieses Nebeneinander von Verletzung und Stärke, das das Buch so eindringlich macht. Tupoka Ogette schafft es, diese Widersprüche nicht aufzulösen, sondern auszuhalten und genau darin liegt eine große Stärke dieses Memoirs. Besonders eindrücklich ist auch die Perspektive des Aufwachsens in der DDR und später in der BRD. Dadurch wird deutlich, dass Rassismus kein Randphänomen einzelner Orte ist, sondern sich durch unterschiedliche gesellschaftliche Kontexte zieht, wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen. Gleichzeitig bleibt die Erzählung immer persönlich und verliert sich nie in abstrakten Analysen. Für mich hat das Buch meinen Blick nicht grundlegend verändert, weil ich mich bereits intensiv mit diesen Themen beschäftige. Aber es hat etwas anderes getan. Es hat mir sehr persönliche Einblicke gegeben, die über jedes theoretische Wissen hinausgehen. Es ist ein Unterschied, etwas zu verstehen und es so nah erzählt zu bekommen. Was am Ende bleibt, ist vor allem eines: tiefer Respekt. Respekt vor dem Weg dieser Frau, vor ihrer Stärke und vor dem Mut, diese Geschichte so offen zu erzählen.

Zuhause im Dazwischen
Zwischen zwei Welten aufzuwachsen klingt nach Abenteuer. In „Trotzdem zuhause“ von Tupoka Ogette aus dem Penguin Verlag fühlt es sich allerdings erst mal nach Dauerregen an – mit kurzen Sonnenstrahlen, die umso heller brennen. Hier steht kein glattgebügelter Lebenslauf, sondern ein echtes Leben. Tochter einer weißen Mutter und eines Schwarzen Vaters. Südtansania und Thüringen. Koloniale Geschichte und DDR. Schon beim Lesen saß ich da, Kaffee in der Hand, und dachte: Wie viel kann ein Mensch eigentlich gleichzeitig tragen? Und warum reden wir so wenig darüber? Ogette schreibt offen, klar, ohne Pathos und genau das trifft. Rassismus, Gewalt, Sexismus, Flucht, Verlust. Keine Schock-Show, sondern ehrliches Erinnern. Und trotzdem, oder gerade deshalb, steckt so viel Kraft zwischen den Zeilen. Mutterschaft, Freundschaften, Neuanfang, diese leise, trotzige Resilienz. Dieses „Ich bin noch hier“. Und zwar ganz. Besonders hängen geblieben ist dieses Dazwischen. Nie ganz hier, nie ganz dort und trotzdem zuhause. Dieser Widerspruch fühlt sich beim Lesen plötzlich erschreckend logisch an. Mehr als einmal habe ich das Buch kurz sinken lassen, tief durchgeatmet und gemerkt, wie viel eigene Bequemlichkeit da gerade wackelt. Kein leichtes Buch. Aber ein verdammt wichtiges. Für alle, die verstehen wollen, wie sich deutsche Geschichte nicht nur im Schulbuch, sondern im Körper anfühlt. Fünf Sterne, weil es weh tut, weil es wärmt und weil es bleibt.

Leicht zu lesen, schwer zu ertragen.
Die Kapitel sind kurz und leicht zu lesen, aber umso schwerer wird es einem ums Herz, je weiter man sich in diese Geschichte reingräbt. Die aber eben keine Fiktion ist, sondern Tupoka Ogettes Realität von klein auf. Das Buch macht unglaublich wütend wie Menschen immer wieder ihre Macht missbrauchen und sich über Recht und Ordnung stellen und jedes Fünkchen Menschlichkeit verlieren. Ich danke der Autorin diese Geschichte, die Ihrige, so ungeschönt aufgeschrieben zu haben, auch wenn niemand sich in dieser Art von Überlebensmodus befinden sollte.
In ihrem bewegenden Memoir lässt uns Tupoka Ogetta teilhaben an ihrem bisherigen Weg durchs Leben, das geprägt war von der Suche nach Zugehörigkeit, Zerissenheit, Rassismus, Sexismus und Gewalt. Immer wieder auch von Abschieden, Verlust und tiefer Enttäuschung. Das zu lesen hat mich tief berührt, hat mir an einigen Stellen die Kehle zugeschnürt, mich wütend gemacht. Gleichzeitig lässt es mich voller Bewunderung zur Autorin aufschauen, wenn ich sehe, wie sie zu der starken, kämpferischen und liebevollen Frau geworden ist, die sie heute ist. Trotz aller Widrigkeiten und Anfeindungen.
In "Trotzdem zuhause" erzählt Tupoka Ogette von ihrer Zerrissenheit als Tochter einer weißen Frau aus Gera (Thüringen) und eines schwarzen Mannes aus Sange (Südtansania). Vom Aufwachsen als schwarzes Kind in der DDR in einem systemkritischen Elternhaus, von Flucht, Verlust und Neuanfang. Von der Suche nach Zugehörigkeit, von Alltagsrassismus und Sexismus. Mit 11 Jahren hat Tupoka verstanden, dass sie nie weiß sein wird, die Andere bleiben wird. - Sie berichtet vom Leben in einer toxischer Beziehung, beschreibt, wie sich Traumata einschreiben in ihren Körper und ihren Geist. "Nicht gelebte oder unterdrückte Wut kann sich aber nicht einfach auflösen. Sie bleibt da. Die Psyche und der Körper suchen sich Wege mit der Spannung umzugehen." "Ich habe nicht gelernt meine Wut offen zu zeigen." - Aber sie schreibt auch von Mutterschaft, Liebe und Resilienz. Als nicht in der DDR Aufgewachsene war mir neu, dass in den DDR-Oberschulen in der 9. und 10. Klasse Wehrkundeunterricht Pflicht war. Ich wusste nicht, dass um die 10 000 afrikanische Vertragsarbeiter*innen als billige Arbeitskräfte in die DDR kamen - viele mit der Hoffnung auf gute Ausbildungs- und Arbeitsplätze. - Das Buch hat mich angeregt, das Massaker von Sharpeville oder den Schüleraufstand in Soweto zu googeln. Aber vor allem hat es mir deutlich gemacht, in welchem Ausmaß es in Deutschland Rassismus gibt und wie krass sich der auf Betroffene auswirkt. Danke für dieses Buch!
Absolutes Must Read und bereits jetzt ein Jahres-Highlight 2026
Liebe Tupoka, (darf ich dich duzen?) wir kennen uns nicht, aber nachdem ich dein Memoir gelesen habe, habe ich das Gefühl dich ein bisschen zu kennen. Denn du erzählst dein Leben! Du erzählst aus deinem Leben, über dein Leben und mitten in dein Leben hinein. Denn das Buch wird dich und dein Leben beeinflussen und nochmal mehr verändern. Indem beispielsweise wildfremde Menschen wie ich dich duzen, dich anschreiben, über dich schreiben und ungefragt eine Meinung abgeben. Sicherlich, du hast dich bewusst dafür entschieden und wusstest, was auf dich zukommt, aber ich finde es trotzdem krass mutig, stark und unglaublich wertvoll. Du machst der Welt, jedenfalls der deutschsprachigen Leser*innenschaft damit ein Geschenk und ein Angebot. Jetzt können alle die wollen lesen, wie es war als Schwarzes Kind in den 80er Jahren in der DDR aufzuwachsen. Wie es war, plötzlich von dort in das Westberlin der Vorwendezeit verpflanzt zu werden. Wie es war, nach sechs Jahren endlich den eigenen Vater wiedersehen zu können. Und in Tansania, als Mixed-Race-Kind, in der Masse Schwarzer Menschen aufzufallen, weil du zu hell warst. Wie es war, so jung Mutter zu werden und zu erleben, dass dein Kind denselben strukturellen und alltäglichen Rassimus erleben musst, wie du. Ich kann und möchte dein Buch nicht so rezensieren, wie ich es ansonsten tue. Dafür habe ich viel zu großen Respekt vor dir, deiner Arbeit und jetzt auch deinem Leben. Ich kann mich nur bei dir für dieses Buch bedanken! Nachdem ich EXIT RACISM 2020 als Hörbuch gehört habe, setze ich mich damit auseinander, dass ich, als überzeugte Antirassistin und Antifaschistin trotzdem im Happyland lebe, selbst rassistisch geprägt bin und immer noch ungewollt Rassismen reproduziere, ja, mich sogar rassistisch verhalte und denke. Seitdem mache ich mir meine Privilegien als weiße cis-Frau bewusst und versuche zu reflektieren, zu lernen, zu begreifen, Verantwortung zu übernehmen und hoffentlich sehr viel rassismuskristischer zu leben. Du machst dich so unfassbar verletzlich mit deinem Buch und deine Ehrlichkeit in diesem Buch. Und das in einer Welt, die medial so grausam und vernichtend sein kann. Du setzt dich einmal mehr dieser kalten Welt aus und stellst dich ihr entgegen, indem du menschlich bist. Du schaffst Verbundenheit in einer Welt, die Trennung möchte. Deine vielfältige Arbeit als Antirassimus-Trainerin, die Bemühungen Menschen zu erreichen und ihnen ein gutes Handwerkzeug mitzugeben, die Sensibilisierung, die Beratungen und Workshops und vieles mehr – ist alles so wichtig, besonders um auch systemisch und strukturell etwas zu verändern. Doch dieses Buch schafft noch so viel mehr - jedenfalls bei mir. Es schafft Nähe, Vertrauen, Verbundenheit – weit über alle berechtigten Argumente hinaus. Mir bleibt nur, dir zu danken.
Ein must-read!
Tupoka Ogette gewährt uns in „Trotzdem Zuhause“ einen realistischen, brutalen und absolut ehrlichen Einblick in ihr Leben vom Kleinkindalter bis heute. Ich glaube ich habe noch nie so viel annotiert wie in diesem Buch. In jedem Kapitel gab es einen Satz oder ein Wort, was mir Gänsehaut beschert hat und mich einfach nur sprachlos zurückgelassen hat. Ich bewundere ihren Mut uns in ihrem Alltag teilhaben zu lassen. Ich als deutsche Kartoffel habe Rassismus nie am eigenen Leib erfahren und das zu lesen, was diese starke Frau alles durchmachten musste (und wahrscheinlich leider auch immer noch muss) bricht mir einfach nur das Herz. Wie grausam können Menschen sein? Auf der anderen Seite aber auch: Wie unglaublich stark ist diese Frau?! Genau diese Bücher brauchen wir, um zu verstehen, die Perspektive zu wechseln und etwas verändern. Bitte lest es, aber lest euch auch die Triggerwarnings durch❤️🩹

Ich bin ganz ehrlich: mich hat dieses Buch nicht erreicht. Tupoka Ogette beschreibt darin ihr bisheriges Leben, welches von rassistischen Bemerkungen und Übergriffen von ihrer Kindheit in den 80er Jahren zunächst in der DDR, später dann in Westberlin handelt. Sexueller Missbrauch kommt später ebenso hinzu wie Eßstörung, Zwangsstörung, Gewalt in der Beziehung und und und. Es war mir etwas zuviel von allem, ich habe irgendwann nur noch so drüber gelesen und wollte es hinter mich bringen. Vielleicht liegt es daran, daß ich kurz davor die mich sehr aufwühlende Geschichte von Lilli Tollkien gelesen habe und unterschwellig Vergleiche gezogen habe. Tupoka Ogettes Wortbuilding ist sehr einfach, es wird Geschehnis um Geschehnis aneinandergereiht. Ich hoffe, es erreicht trotzdem viele Leser, weil das Thema natürlich ein sehr wichtiges ist. Das Buch war Arbeitslektüre für einen Vertreterbesuch. Es erscheint demnächst.
Ich habe das Buch bei der lit.cologne Veranstaltung gekauft, auf der Tupoka Ogette das Buch im Gespräch mit Daniel Schreiber vorgestellt und selbst daraus vorgelesen hat. Schon da hat es mich zu Tränen gerührt, aber auch zum Lachen gebracht. Es erzählt die teilweise schwere, unfassbar inspirierende und an vielen Stellen schöne Geschichte von einer großartigen, unendlich klugen Schwarzen Frau, Tupoka. Bitte lesen, es lohnt sich so sehr!
Eindrücklich geschrieben. Ein tolles Buch, indem Tupoka Ogette uns Einblicke in ihr Leben gibt und man als LeserIn ihren Weg, den sie gegangen ist um die Frau zu sein, die sie heute ist verfolgen darf. Bewegend, mit schönen und schockierenden Szenen und immer wieder mit dem Gedanken: „Wow, was sie erlebt hat und wie viel sie jetzt dazu beiträgt, um Rassismus entgegenzuwirken“. Beeindruckend
Ich Versuche mal meine Gefühle zu beschreiben. Habe alle Bücher von Tupoka gelesen und war auch schon auf einer Lesung. Ich bewundere sie und jetzt noch mehr. Es macht mich so wütend was ein Mensch aushalten muss. Es sind kurze Kapitel und leicht geschrieben und ja die Triggerwarnung ist sehr wichtig. Es gab Kapitel nach denen ich das Buch kurz zur Seite legen musste um meine Gefühle zu sortieren. Mich hat es so erwischt das meiner Tochter viele Dinge auch fast 25 Jahre später immer noch passiert sind ( besonders die Kapitel über Schule). Leseempfehlung!
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»So beginnt meine Geschichte. Als Tochter einer weißen Frau und eines Schwarzen Mannes. Zwischen Sange, Südtansania, und Gera, Thüringen. Zwischen kolonialer Vergangenheit und DDR-Diktatur.«
Tupoka Ogette schreibt von der Suche nach Zugehörigkeit, vom Leben im Widerspruch, im Dazwischen. Sie erzählt vom Aufwachsen als Schwarzes Kind in der DDR, von Flucht, Verlust, Sexismus und Gewalt – aber auch von Liebe, Mutterschaft, Resilienz und Selbstermächtigung. Von Freundschaften, die sie schließt, und solchen, die sie verliert. Vom Neuanfang in der BRD. Und davon, die Ruhe im Sturm zu finden.
»Selten liest man Texte, die mit so offenem, ehrlichem Herzen geschrieben sind. Tupoka Ogette erzählt von Leben und Überleben in Deutschland. Von Kampf und Triumph. Von Verzweiflung und Hoffnung. Eine Masterclass darin, was Gleichzeitigkeit bedeutet.« Alice Hasters
»Dieses Buch ist die Erzählung, ohne die die Geschichte der deutschen Vereinigung nicht vollständig ist.« Daniel Schulz
Book Information
Author Description
Tupoka Ogette wurde 1980 in Leipzig als Tochter eines tansanischen Studenten der Landwirtschaft und einer deutschen Mathematikstudentin geboren. Kurz vor der Wende wanderte ihre Mutter mit ihr nach Westberlin aus, wo Ogette bis zu ihrem Abitur lebte. Sie hat einen Magister in Afrikanistik und Deutsch als Fremdsprache von der Universität Leipzig und einen Master in International Business von der Graduate School of Grenoble. Seit 2012 ist Tupoka Ogette bundesweit als Beraterin und Trainerin im Bereich Rassismuskritik tätig. In dieser Funktion leitet sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz Workshops und Fortbildungen, tritt als Speakerin auf, berät Teams und Organisationen. Ihr im März 2017 erschienenes Handbuch »exit RACISM. Rassismuskritisch denken lernen« ist ein SPIEGEL-Bestseller. Im Jahr 2019 wurde Ogette vom Magazin Edition F als eine der 25 einflussreichsten Frauen des Jahres ausgezeichnet. SPIEGEL Online nahm sie als eine von zehn Frauen in den Bildungskanon zum Thema Theorie und Politik auf. 2021 wurde sie von About You zum »Idol of The Year« gewählt. Sie lebt mit ihrem Mann, dem Künstler und Bildhauer Stephen Lawson, und ihren Kindern in Berlin. Bei Penguin erschienen ihre Bücher »Und jetzt du. Rassismuskritisch leben« und »Tag für Tag aktiv gegen Rassismus«.
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Vom Leben zwischen zwei Welten
In ihrem Memoir schreibt Tupoka Ogette in einzelnen, oft nicht zusammenhängenden Episoden über ihr Leben. Die meisten Kapitel stehen also für sich und widmen sich jeweils einem bestimmten Thema. Sie schreibt über ihre Familie, Freund*innen, ihren Alltag und bestimmte Schlüsselmomente ihres Lebens. Die Sprache ist eher nüchtern und sachlich, was gut passt, denn die Themen sind auch so schon emotional und intensiv genug. Wir erleben mit Tupoka Ausgrenzung, Abwertung, Hass und Missbrauch. Aber auch schöne Momente wie ihre Liebe zur Musik und zu ihrer Familie. Wie sie ihre Sprache findet, Worte, um das Erlebte zu beschreiben, zu benennen und irgendwann die Erkenntnis: Nicht sie ist schuld an dem, was ihr widerfahren ist. Und wie sie sich selber und ihren Weg im Leben findet, sich annimmt und lieben lernt. Ein sehr ehrliches und mutiges Buch von einer starken und bewundernswerten Frau. Es enthält so viele wichtige Themen und Botschaften. Absolute Empfehlung!
Zwischen Schmerz und Stärke und ich? Ich sitze noch immer mitten drinnen!
Tupoka Ogettes „Trotzdem zuhause“ ist kein Buch, das man einfach liest und wieder weglegt. Es ist ein Buch, das etwas mit einem macht. Ich war beim Lesen fassungslos, wütend und traurig zugleich und hatte immer wieder das Bedürfnis, die kleine Tupoka zu beschützen. Was dieses Buch so besonders macht, ist nicht ein einzelnes großes Ereignis, sondern die Vielzahl an Momenten. Es sind die vielen kleinen, alltäglichen Erfahrungen von Rassismus, die sich Schicht für Schicht aufbauen und eine Wucht entfalten, die kaum auszuhalten ist. Gerade dadurch wird spürbar, wie tief diese Erlebnisse gehen. Eine Szene hat sich mir besonders eingebrannt: der Moment in der Bahn, als ihr Opa die Brille abnimmt, bereit, sie im Zweifel zu verteidigen. In dieser einen Geste liegt alles gleichzeitig, Fürsorge, Bedrohung und die erschütternde Realität, dass ein Kind überhaupt Schutz vor anderen Menschen braucht. Diese Gleichzeitigkeit zieht sich durch das gesamte Buch. Denn „Trotzdem zuhause“ erzählt nicht nur von Schmerz und Ausgrenzung, sondern immer auch von etwas anderem. Von Liebe, von Beziehungen, von Widerstandskraft. Es ist genau dieses Dazwischen, dieses Nebeneinander von Verletzung und Stärke, das das Buch so eindringlich macht. Tupoka Ogette schafft es, diese Widersprüche nicht aufzulösen, sondern auszuhalten und genau darin liegt eine große Stärke dieses Memoirs. Besonders eindrücklich ist auch die Perspektive des Aufwachsens in der DDR und später in der BRD. Dadurch wird deutlich, dass Rassismus kein Randphänomen einzelner Orte ist, sondern sich durch unterschiedliche gesellschaftliche Kontexte zieht, wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen. Gleichzeitig bleibt die Erzählung immer persönlich und verliert sich nie in abstrakten Analysen. Für mich hat das Buch meinen Blick nicht grundlegend verändert, weil ich mich bereits intensiv mit diesen Themen beschäftige. Aber es hat etwas anderes getan. Es hat mir sehr persönliche Einblicke gegeben, die über jedes theoretische Wissen hinausgehen. Es ist ein Unterschied, etwas zu verstehen und es so nah erzählt zu bekommen. Was am Ende bleibt, ist vor allem eines: tiefer Respekt. Respekt vor dem Weg dieser Frau, vor ihrer Stärke und vor dem Mut, diese Geschichte so offen zu erzählen.

Zuhause im Dazwischen
Zwischen zwei Welten aufzuwachsen klingt nach Abenteuer. In „Trotzdem zuhause“ von Tupoka Ogette aus dem Penguin Verlag fühlt es sich allerdings erst mal nach Dauerregen an – mit kurzen Sonnenstrahlen, die umso heller brennen. Hier steht kein glattgebügelter Lebenslauf, sondern ein echtes Leben. Tochter einer weißen Mutter und eines Schwarzen Vaters. Südtansania und Thüringen. Koloniale Geschichte und DDR. Schon beim Lesen saß ich da, Kaffee in der Hand, und dachte: Wie viel kann ein Mensch eigentlich gleichzeitig tragen? Und warum reden wir so wenig darüber? Ogette schreibt offen, klar, ohne Pathos und genau das trifft. Rassismus, Gewalt, Sexismus, Flucht, Verlust. Keine Schock-Show, sondern ehrliches Erinnern. Und trotzdem, oder gerade deshalb, steckt so viel Kraft zwischen den Zeilen. Mutterschaft, Freundschaften, Neuanfang, diese leise, trotzige Resilienz. Dieses „Ich bin noch hier“. Und zwar ganz. Besonders hängen geblieben ist dieses Dazwischen. Nie ganz hier, nie ganz dort und trotzdem zuhause. Dieser Widerspruch fühlt sich beim Lesen plötzlich erschreckend logisch an. Mehr als einmal habe ich das Buch kurz sinken lassen, tief durchgeatmet und gemerkt, wie viel eigene Bequemlichkeit da gerade wackelt. Kein leichtes Buch. Aber ein verdammt wichtiges. Für alle, die verstehen wollen, wie sich deutsche Geschichte nicht nur im Schulbuch, sondern im Körper anfühlt. Fünf Sterne, weil es weh tut, weil es wärmt und weil es bleibt.

Leicht zu lesen, schwer zu ertragen.
Die Kapitel sind kurz und leicht zu lesen, aber umso schwerer wird es einem ums Herz, je weiter man sich in diese Geschichte reingräbt. Die aber eben keine Fiktion ist, sondern Tupoka Ogettes Realität von klein auf. Das Buch macht unglaublich wütend wie Menschen immer wieder ihre Macht missbrauchen und sich über Recht und Ordnung stellen und jedes Fünkchen Menschlichkeit verlieren. Ich danke der Autorin diese Geschichte, die Ihrige, so ungeschönt aufgeschrieben zu haben, auch wenn niemand sich in dieser Art von Überlebensmodus befinden sollte.
In ihrem bewegenden Memoir lässt uns Tupoka Ogetta teilhaben an ihrem bisherigen Weg durchs Leben, das geprägt war von der Suche nach Zugehörigkeit, Zerissenheit, Rassismus, Sexismus und Gewalt. Immer wieder auch von Abschieden, Verlust und tiefer Enttäuschung. Das zu lesen hat mich tief berührt, hat mir an einigen Stellen die Kehle zugeschnürt, mich wütend gemacht. Gleichzeitig lässt es mich voller Bewunderung zur Autorin aufschauen, wenn ich sehe, wie sie zu der starken, kämpferischen und liebevollen Frau geworden ist, die sie heute ist. Trotz aller Widrigkeiten und Anfeindungen.
In "Trotzdem zuhause" erzählt Tupoka Ogette von ihrer Zerrissenheit als Tochter einer weißen Frau aus Gera (Thüringen) und eines schwarzen Mannes aus Sange (Südtansania). Vom Aufwachsen als schwarzes Kind in der DDR in einem systemkritischen Elternhaus, von Flucht, Verlust und Neuanfang. Von der Suche nach Zugehörigkeit, von Alltagsrassismus und Sexismus. Mit 11 Jahren hat Tupoka verstanden, dass sie nie weiß sein wird, die Andere bleiben wird. - Sie berichtet vom Leben in einer toxischer Beziehung, beschreibt, wie sich Traumata einschreiben in ihren Körper und ihren Geist. "Nicht gelebte oder unterdrückte Wut kann sich aber nicht einfach auflösen. Sie bleibt da. Die Psyche und der Körper suchen sich Wege mit der Spannung umzugehen." "Ich habe nicht gelernt meine Wut offen zu zeigen." - Aber sie schreibt auch von Mutterschaft, Liebe und Resilienz. Als nicht in der DDR Aufgewachsene war mir neu, dass in den DDR-Oberschulen in der 9. und 10. Klasse Wehrkundeunterricht Pflicht war. Ich wusste nicht, dass um die 10 000 afrikanische Vertragsarbeiter*innen als billige Arbeitskräfte in die DDR kamen - viele mit der Hoffnung auf gute Ausbildungs- und Arbeitsplätze. - Das Buch hat mich angeregt, das Massaker von Sharpeville oder den Schüleraufstand in Soweto zu googeln. Aber vor allem hat es mir deutlich gemacht, in welchem Ausmaß es in Deutschland Rassismus gibt und wie krass sich der auf Betroffene auswirkt. Danke für dieses Buch!
Absolutes Must Read und bereits jetzt ein Jahres-Highlight 2026
Liebe Tupoka, (darf ich dich duzen?) wir kennen uns nicht, aber nachdem ich dein Memoir gelesen habe, habe ich das Gefühl dich ein bisschen zu kennen. Denn du erzählst dein Leben! Du erzählst aus deinem Leben, über dein Leben und mitten in dein Leben hinein. Denn das Buch wird dich und dein Leben beeinflussen und nochmal mehr verändern. Indem beispielsweise wildfremde Menschen wie ich dich duzen, dich anschreiben, über dich schreiben und ungefragt eine Meinung abgeben. Sicherlich, du hast dich bewusst dafür entschieden und wusstest, was auf dich zukommt, aber ich finde es trotzdem krass mutig, stark und unglaublich wertvoll. Du machst der Welt, jedenfalls der deutschsprachigen Leser*innenschaft damit ein Geschenk und ein Angebot. Jetzt können alle die wollen lesen, wie es war als Schwarzes Kind in den 80er Jahren in der DDR aufzuwachsen. Wie es war, plötzlich von dort in das Westberlin der Vorwendezeit verpflanzt zu werden. Wie es war, nach sechs Jahren endlich den eigenen Vater wiedersehen zu können. Und in Tansania, als Mixed-Race-Kind, in der Masse Schwarzer Menschen aufzufallen, weil du zu hell warst. Wie es war, so jung Mutter zu werden und zu erleben, dass dein Kind denselben strukturellen und alltäglichen Rassimus erleben musst, wie du. Ich kann und möchte dein Buch nicht so rezensieren, wie ich es ansonsten tue. Dafür habe ich viel zu großen Respekt vor dir, deiner Arbeit und jetzt auch deinem Leben. Ich kann mich nur bei dir für dieses Buch bedanken! Nachdem ich EXIT RACISM 2020 als Hörbuch gehört habe, setze ich mich damit auseinander, dass ich, als überzeugte Antirassistin und Antifaschistin trotzdem im Happyland lebe, selbst rassistisch geprägt bin und immer noch ungewollt Rassismen reproduziere, ja, mich sogar rassistisch verhalte und denke. Seitdem mache ich mir meine Privilegien als weiße cis-Frau bewusst und versuche zu reflektieren, zu lernen, zu begreifen, Verantwortung zu übernehmen und hoffentlich sehr viel rassismuskristischer zu leben. Du machst dich so unfassbar verletzlich mit deinem Buch und deine Ehrlichkeit in diesem Buch. Und das in einer Welt, die medial so grausam und vernichtend sein kann. Du setzt dich einmal mehr dieser kalten Welt aus und stellst dich ihr entgegen, indem du menschlich bist. Du schaffst Verbundenheit in einer Welt, die Trennung möchte. Deine vielfältige Arbeit als Antirassimus-Trainerin, die Bemühungen Menschen zu erreichen und ihnen ein gutes Handwerkzeug mitzugeben, die Sensibilisierung, die Beratungen und Workshops und vieles mehr – ist alles so wichtig, besonders um auch systemisch und strukturell etwas zu verändern. Doch dieses Buch schafft noch so viel mehr - jedenfalls bei mir. Es schafft Nähe, Vertrauen, Verbundenheit – weit über alle berechtigten Argumente hinaus. Mir bleibt nur, dir zu danken.
Ein must-read!
Tupoka Ogette gewährt uns in „Trotzdem Zuhause“ einen realistischen, brutalen und absolut ehrlichen Einblick in ihr Leben vom Kleinkindalter bis heute. Ich glaube ich habe noch nie so viel annotiert wie in diesem Buch. In jedem Kapitel gab es einen Satz oder ein Wort, was mir Gänsehaut beschert hat und mich einfach nur sprachlos zurückgelassen hat. Ich bewundere ihren Mut uns in ihrem Alltag teilhaben zu lassen. Ich als deutsche Kartoffel habe Rassismus nie am eigenen Leib erfahren und das zu lesen, was diese starke Frau alles durchmachten musste (und wahrscheinlich leider auch immer noch muss) bricht mir einfach nur das Herz. Wie grausam können Menschen sein? Auf der anderen Seite aber auch: Wie unglaublich stark ist diese Frau?! Genau diese Bücher brauchen wir, um zu verstehen, die Perspektive zu wechseln und etwas verändern. Bitte lest es, aber lest euch auch die Triggerwarnings durch❤️🩹

Ich bin ganz ehrlich: mich hat dieses Buch nicht erreicht. Tupoka Ogette beschreibt darin ihr bisheriges Leben, welches von rassistischen Bemerkungen und Übergriffen von ihrer Kindheit in den 80er Jahren zunächst in der DDR, später dann in Westberlin handelt. Sexueller Missbrauch kommt später ebenso hinzu wie Eßstörung, Zwangsstörung, Gewalt in der Beziehung und und und. Es war mir etwas zuviel von allem, ich habe irgendwann nur noch so drüber gelesen und wollte es hinter mich bringen. Vielleicht liegt es daran, daß ich kurz davor die mich sehr aufwühlende Geschichte von Lilli Tollkien gelesen habe und unterschwellig Vergleiche gezogen habe. Tupoka Ogettes Wortbuilding ist sehr einfach, es wird Geschehnis um Geschehnis aneinandergereiht. Ich hoffe, es erreicht trotzdem viele Leser, weil das Thema natürlich ein sehr wichtiges ist. Das Buch war Arbeitslektüre für einen Vertreterbesuch. Es erscheint demnächst.





















