Revolverherz

Revolverherz

Softcover
4.031

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Description

Hamburg, ein nebliger März, an der Elbe liegen tote Stripperinnen. Wer hat die jungen Frauen auf dem Gewissen? Warum wurden sie skalpiert? Was sollen die Perücken? Staatsanwältin Chastity Riley ist zuständig für Verbrechen, die sich rund ums Rotlichtviertel abspielen, wobei ihr das Rotlicht mehr liegt als das Verbrechen. Obwohl: Ihre Stärke ist es, zu denken wie eine Kriminelle. Ihre Schwäche sind Kneipen, Zigaretten, junge Männer und schummriges Licht. Sie kommt in ihren Stiefeln und dem Trenchcoat cooler daher, als sie ist, außen hart, innen zart, manchmal fast eine kritische Masse an Empathie – hätte Philip Marlowe eine Enkelin, vielleicht wäre sie es. Jetzt muss sie durch einen langen, grauen Tunnel, der immer dunkler wird.

Ein etwas halbseidenes Team aus Polizisten, Staatsanwältin Riley und kleinen Gangstern taumelt durch den Kiez und das Hamburger Wetter. Ihre Suche nach Liebe und sich selbst endet meist in der Sackgasse. Da ist es vielleicht nicht schlecht, dass eine Reihe von Morden sie auf Spur bringt – wenn auch auf eine blutige.

Book Information

Main Genre
Crime
Sub Genre
N/A
Format
Softcover
Pages
244
Price
15.40 €

Author Description

Simone Buchholz, geboren 1972 in Hanau, zog 1996 nach Hamburg, wegen des Wetters. Sie wurde auf der Henri-Nannen-Schule zur Journalistin ausgebildet und schreibt seit 2008 Kriminalromane. Ihre Reihe um die Staatsanwältin Chastity Riley wurde vielfach ausgezeichnet. Simone Buchholz wohnt auf St. Pauli und schreibt regelmäßig die Kolumne »Getränkemarkt« im SZ-Magazin sowie Texte für Die Zeit.

Posts

4
All
3

Schöner Krimi, etwas pulpy und etwas vorhersehbar, aber wirklich nett zu lesen. Gerne wieder!

4

Super

Mein erstes Buch dieser Autorin, daher ich keine Erwartungen. Ich muss sagen, ich war wirklich begeistert. Charaktere sind sympathisch, mit dem typischen Hamburger Humor. Es spielt in meiner Stadt, daher konnte ich ordentlich mit fiebern. Wenn die Folgebände genau so gut sind, sind die ein absolutes Muss.

4

Sehr gelungenes Seriendebüt der Hamburger Staatsanwältin Chastity Riley, starke Schilderung des Hamburger Kiezes und starke, knappe Sprache.

Dies ist der erste Band der Serie um die Hamburger Staatsanwältin Chastity Riley. Die Roman spielt im Kiezmilieu, es geht um Serienmorde an Tänzerinnen. Es geht aber vor allem um Riley, ihre Vergangenheit, ihre angeschlagene Persönlichkeit, ihre Suche nach Heimat und Familie. Buchholz schildert sowohl Milieu wie Riley mit Blick auf das Detail, in einfachen, prägnanten Sätzen. Das wirkt authentisch und sprachlich stark und ansprechend. Grunddätzlich mag ich ja Ermittler nicht, die sich durch die Geschichte leiden und mehr mit sich als der Lösung zu kämpfen haben. Buchholz hält hier aber mit Riley die Balance, vererbt geschickt ihr Person mit Geschichte und Milieu. Riley ist auch kein Opfer, sondern kämpft mit Problemen die viele Menschen teilen. Sie reflektiert das nur vielleicht stärker - und das macht sie zu einer guten Ermittlerin, die sich in die dunkle Gedankenwelt von Verbrechern versetzen kann. Für Hamburg-Fans, Freunde authentischer Frauencharaktere, prickelnder Milieuschilderungen, Liebhaber starker prägnanter und knapper Sprache.

3

"Revolverherz" bietet Lokalkolorit fernab jeder Postkartenromantik – das Buch spielt in Hamburg, St. Pauli, und das Kiez ist nun mal nicht Rosenheim. Die Autorin porträtiert beinahe liebevoll eine Szene, die irgendwo zwischen Tourismus und Verbrechen, Party und Prostitution angesiedelt ist, eine moralische Grauzone, in der die Ermittler mit den zwielichtigeren Bewohnern per Du sind. So auch Staatsanwältin Chastity Riley (kurz "Chas"), die in meinen Augen eine der ungewöhnlichsten deutschen Krimi-Heldinnen abgibt: eine interessante Mischung aus abgebrüht und verletzlich, distanziert und mitfühlend. Sie verspürt eine innige Liebe zum Kiez und seiner Parallelwelt, ihr Herz schlägt für die Außenseiter. Sie teilt sich Kippen mit Prostituierten und das Bett mit "Klatsche", einem 15 Jahre jüngeren Ex-Einbrecher, der umgesattelt hat auf Schlüsseldienst. Sie trinkt zu viel und hält sich nicht immer an die Regeln, hat aber das "Profiler-Gen": sie kann sich einfühlen in die Psyche eines Täters, bis sie ihn versteht, vielleicht sogar Verständnis und Zuneigung für ihn empfindet. Psychisch hat sie mehr als einen Knacks weg, aber sie ist einfach menschlich und glaubhaft und war mir von Anfang an sehr sympathisch. Die anderen Charaktere sind ebenfalls so interessant wie zwiespältig, denn die meisten bewegen sich irgendwo in den Schatten zwischen Gut und Böse. Auch Gauner zeigen manchmal Herz und eine überraschende Menschlichkeit – was sie aber nicht davon abhält, nebenher ihren Gegnern ein paar Schläger auf den Hals zu hetzen. Leider muss ich sagen, dass die eigentliche Krimihandlung sehr zu wünschen übrig lässt, was in späteren Bänden der Reihe deutlich besser konstruiert wird. Der Fall ist nicht sehr komplex, der Täter ist schnell zu erraten... Auch die falsche Fährte kann daran nicht viel ändern. Ich fand das Buch dennoch unterhaltsam und auf seine Art auch spannend. Es lebt vor allem von den Charakteren, ihren Schrullen und ihren dubiosen Beziehungen, und vom Ambiente – gnadenlos echt, dreckig und widersprüchlich wie das Leben in St. Pauli an sich. Zitat: "Da liegt was im Sand. Ungefähr dreißig Meter von mir entfernt liegt was im Sand. Mir wird auf der Stelle so schwindelig, dass ich mich kaum auf den Beinen halten kann, ich torkele mehr vor mich hin, als dass ich laufe, mein Herz kracht gegen meine Brust, ich will rennen, aber der feuchte Sand hält mich fest, ich reiße an meinen Füßen, renne, reiße, renne, reiße, bis ich da bin, wo die Frauenleiche liegt, bis ich vor ihr knie." Der Schreibstil ist so eigenwillig wie Chas selber: manchmal knapp und nüchtern, oft melancholisch, gelegentlich fast poetisch, mit interessanten Metaphern und Formulierungen. Sprachlich fand ich das Buch immer sehr interessant und ungewöhnlich! Zitat: "Irgendwo hinter den Wolken ziehen die Sterne ihr Ding durch, und ich weiß: Das hier ist mein Ort in der Welt. Dieses schmutzige kleine Stadtviertel mit seinem kaputten Kopfsteinpflaster, seinen dunklen Häusern, seinen funzelnden Lichterketten, seinem Charme, seinem Kummer, seinen nicht wichtigen, aber liebenswerten Geschichten, seinem ewigen Nieselregen, und direkt neben mir ist einer von den Menschen, die ich immer bei mir haben will." Ohne Romantik kommt das Buch auch nicht aus, diese passt aber genauso wenig in ein Klischee wie der ganze Rest. Chas ist vielleicht nicht fähig zu einer 'normalen' Beziehung, aber ihre vorsichtige Nicht-Beziehung zum Herumtreiber Klatsche ist auf ihre ganz eigene Art berührend. Der trockene, oft böse Humor sprach mich sehr an, gerade weil Humor und Leid hier oft ganz nahe beieinander liegen... Wie das ganze Buch ohnehin immer wieder Gegensätzliches vereint. Fazit: Ein Serienmörder auf'm Kiez – Auftakt für eine Krimi-Reihe mit einer ungewöhnlichen Heldin und einer Vielzahl an bunten Nebencharakteren. Leider fand ich den Mörder recht offensichtlich und die Krimihandlung eher einfach gestrickt, das Buch aber dennoch unterhaltsam und erfrischend anders. Ich habe schon den fünften Band der Reihe gelesen ("Bullenpeitsche") und bei diesem fand ich den Kriminalfall schon deutlich besser konstruiert, obwohl auch da die Darstellung der Charaktere das große Highlight war.

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