Palastplatte

Palastplatte

Ebook
4.148

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Ein Sommer zwischen Plattenbau und Freibad. Während andere verreisen, teilen die zwölfjährige Henri und ihre beste Freundin Mo eine Tube Sonnenmilch und tauschen heimlich Blicke. Mit einer Erlaubnis für die Erwachsenenabteilung der Bücherei tragen sie stapelweise Bücher nach Hause, Mo liest Kafka, Henri liest Stephen King. Aus Nachmittagen in stiller Vertrautheit auf der Liegewiese oder dem Hochhausdach wird in den kommenden Sommern eine Liebe, die sie beide trägt, während anderes wankt und bricht. Denn Henris Vater macht ihnen Sorgen. Eigentlich ist er lustig und fürsorglich – er, der Swing tanzende Polizist, der morgens seine Depeche-Mode-Kassette hört und Henri durch die Haare wuschelt. Nun verhält er sich rätselhaft, verwüstet den eigenen Schrebergarten, irgendetwas hat ihn im Griff. Henri flieht in die Euphorie der ersten großen Liebe – und sie schreibt. Geschichten voller Geister, um Worte dafür zu finden, was mit der Familie passiert. Und um den Vater zu retten. Palastplatte ist ein intensiver, kluger und zutiefst berührender Roman über die Liebe und die Geister, die niemand ruft und die einen trotzdem begleiten.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Ebook
Pages
224
Price
17.99 €

Author Description

Mara Floren wuchs in den 1980ern am Rand einer westdeutschen Kleinstadt auf. Sie arbeitet seit über zehn Jahren an deutschen Theatern in verschiedenen Rollen hinter der Bühne und widmet sich dem Schreiben.

Posts

16
All
4

Coming of Age trifft auf Plattenbau…🌊🩵

Ein toller Roman über zwei Freundinnen die sich lieben lernten. Ein Vater der sich im Leben verloren hat und es nicht herausschaffte. Die Geister die dich immer begleiten. Die Geschichte hat mich echt berührt auch wenn ich zum Schluss fand des es ein wenig den Faden verloren hat. Ein Schreibstil der sich leicht lesen lässt und die Hauptfiguren waren sehr authentisch dargestellt.🩵

Coming of Age trifft auf Plattenbau…🌊🩵
5

Bewegendes Highlight

Bereits nach den ersten Seiten war klar: das wird gut! Ich liebe den Schreibstil, der immer authentisch ist und sich ganz locker lesen lässt. Ein so berührender Inhalt und ich hätte auf jeder Seite Sätze anstreichen können. Ich mag gar nicht so viel schreiben, zum Inhalt schon gar nicht. Aber wenn ihr „Bademeister ohne Himmel“ mochtet, dann könnte es euch mit „Palastplatte“ auch so gehen. Coming-of-Age Elemente und große Gefühle (nicht nur Auf die Liebe bezogen), traurig und schön zugleich. Ein ganz großer Roman für mich, der aus meinem Herzen so schnell nicht mehr ausziehen wird!

4

Hat mir gut gefallen, manche Sätze sitzen direkt. Am Ende rutscht mir die Perspektive etwas weg, dennoch sehr lesenswert

4

Die zwölfjährige Henri lebt mit ihrer Familie in einer Plattenbausiedlung. Ihre beste Freundin Mo ist fast immer bei ihr. Sie verbringen ihre Zeit zusammen in der Bücherei, im Schwimmbad und auf dem Dach des Hochhauses. Irgendwann ist es für Henri nicht nur Freundschaft. Sie verliebt sich in Mo und ihr Gefühlsleben wird jetzt so richtig chaotisch. Noch dazu wird ihr Vater immer wunderlicher. Er war doch immer der ruhende Pol der Familie, entspannt und witzig. Jetzt zieht er sich immer mehr zurück, hat Stimmungsschwankungen und Henri weiß nicht was mit ihm los ist. Um ihre Gefühle zu verarbeiten, beginnt sie Geschichten zu schreiben. Dort kann sie ihre Ängste verarbeiten und ihre Hoffnung zum Ausdruck bringen. Dieser Roman katapultiert uns direkt ins Leben von Henri. Sie lebt in einer Hochhaussiedlung und lebt ein recht typisches Teenagerleben. Als es ihrem Vater schlechter geht, ändert sich einiges. Früher hat er zu Depeche Mode in der Küche getanzt, jetzt zieht er sich immer mehr zurück. Ihre Freundin Mo ist ihr fester Halt. Die beiden sind unzertrennlich. Langsam entwickelt sich zwischen ihnen ihre erste große Liebe. Das ist einfach ganz wunderbar und feinfühlig eingefangen. Die Ängste, Sorgen, so viele neue Gefühle, die Henri hier kennenlernt. Erzählt wird ganz ruhig, wir bekommen ganz tiefe Einblicke in die Gefühlswelt von Henri. Auch die Atmosphäre ist ganz wunderbar. Freibadpommes, Sonnencreme und Bücher für Erwachsene. Ich hab es so gefühlt und lag im Kopf daneben. Der Roman hört da aber noch nicht auf, es gibt einen Zeitsprung und wir erfahren wie es Henri später geht, was aus der Familie geworden ist und was aus Henri und Mo geworden ist. Coming-of-Age vom Feinsten und dazu durch, die Krankheit des Vaters, auch ernste Themen. Hat mir richtig gut gefallen. Empfehle ich euch deshalb gern weiter.

5

Henri und Mo, zwei Teenager, sind beste Freundinnen. Sie verbringen den Sommer gemeinsam zwischen Bibliothek, Freibad und der Hochhaussiedlung, in der sie wohnen. Als Henris Vater seltsame Verhaltensweisen an den Tag legt, bekommt Henris Welt, die gerade so schön ist, Risse. Richtig kompliziert wird es dann, als sie erkennt, dass sie nicht nur freundschaftliche Gefühle für Mo hat. Henri ist eine tolle gezeichnete Protagonistin, mit der ich sehr gerne Zeit verbracht habe. Die Thematiken des Buches werden von der Autorin mit Feingefühl und Empathie eingebracht. Wie Henri die Krankheit ihres Vaters mit Geistergeschichten versucht zu verarbeiten hat mir ganz besonders gut gefallen. Der Roman ist sicherlich nicht das innovativste, was ich je gelesen habe, aber was die Autorin hier macht, macht sie wirklich großartig, meiner Meinung nach. Große Leseempfehlung!

5

Gute Coming-of-age-Geschichte

Mochte ich! Gut erzählt, mit der Leichtigkeit und Schwere eines jugendlichen Sommers im Freibad. Jedoch einer Schwere, nämlich der psychischen Krankheit des Vaters.

4

Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an abgeholt – es liest sich unglaublich flüssig und ich war direkt mitten in der Geschichte. Besonders die Hauptprotagonistin hat es mir total angetan. Sie wirkt so nahbar, offen und echt, dass ich mich sofort mit ihr verbunden gefühlt habe. Die Geschichte wird unverblümt, sehr ehrlich und emotional erzählt, ohne dabei schwer zu wirken. Trotz der teilweise schwierigen Themen hatte das Buch für mich eine gewisse Leichtigkeit, die das Lesen richtig angenehm gemacht hat. Auch die Einbindung der chinesischen Kultur und der Geister fand ich unglaublich gelungen, denn das hat der Geschichte für mich etwas ganz Besonderes gegeben. Für mich ist es eine wunderschöne Geschichte über Freundschaft, Liebe und Zusammenhalt. 💛 Am Ende hätte ich mir einfach noch ein paar mehr Seiten gewünscht, nur um noch länger in der Geschichte zu bleiben – aber das ist wirklich mein einziger Kritikpunkt 🤍📚✨ Absolute Leseempfehlung!

Post image
4.5

Ein ganz besonderer Coming-of-Age Roman, der mit der Protagonistin gemeinsam erwachsener und tiefgründiger wird.

𝗪𝗼𝗿𝘂𝗺 𝗴𝗲𝗵𝘁'𝘀? Henri wächst in den 80ern auf zwischen Plattenbau-Romantik, Freibadsommern und der ersten vorsichtigen Liebe zu Mo. Doch mit ihrem Vater scheint etwas nicht zu stimmen und das bringt das Familiengefüge immer wieder ins Wanken. Während Henri versucht hierbei ihren Platz in der Welt zu finden, flüchtet sie sich in Gruselgeschichten. ​𝗪𝗶𝗲 𝘄𝗮𝗿'𝘀? Dieses Buch hat sich ganz anders entwickelt, als ich es anfangs erwartet hätte. Es ist tragisch, emotional, schaurig und wunderschön zugleich. Faszinierend fand ich vor allem die Entwicklung: Das Buch startet als klassischer Coming-of-Age-Roman mit vielen nostalgischen Vibes. In der zweiten Hälfte wird es aber gemeinsam mit Henri deutlich erwachsener, ernster und tiefgründiger. Es gibt viele besondere Nebenaspekte, die sich wie ein roter Faden durch das Buch ziehen und der Geschichte Charakter verleihen. Im Grunde ziehen sich zwei wesentliche Themen durch das Buch, die mitteinander verwoben sind. Zum einen ist das die Beziehung zwischen Hernri und Mo mit allem, was an Gefühlschaos dazu gehört. Die Beziehung fand ich sehr tiefgründig und echt dargestellt und bringt auch viel Leichtigkeit mit sich. Zum anderen ist es die familiäre Ebene, in der schwere Themen, wie die psychische Erkrankung des Vaters und die daraus resultierenden familiären Probleme aufgegriffen werden. Diese werden von Mara Floren sehr feinfühlig beschrieben. Auch die melancholische Stimmung, die sich von Anfang an durch das Buch zieht, wurde von der Autorin wirklich gut getroffen. Gerade die Geistergeschichten passen perfekt zur Stimmung. Und dann ist da noch die Beziehung zwischen Henri und ihren Eltern, die sich sehr auf Henri und ihre Entwicklung auswirkt und erst nach und nach von ihr durchdrungen wird. Dadurch wird das Buch auf emotionaler Ebene sehr tief, aber auch schwer. Ich musste das Gelesene zwischendurch immer mal wieder sacken lassen. Das Ende lässt mich mit einem wehmütigen Lächeln zurück.

Ein ganz besonderer Coming-of-Age Roman, der mit der Protagonistin gemeinsam erwachsener und tiefgründiger wird.
4.5

So zart ist die sanfte Vertrautheit zwischen Mo und Henri, die sich in ihrer Jugend in den 90er Jahren haufenweise Bücher ausleihen und sie im Freibad in den Sommerferien weglesen. Während alle anderen in den Urlaub fahren, verbringen sie ewig gleiche, wohlige Tage dort und in ihrer Palastplatte, wie sie ihr Wohnhaus liebevoll nennen. In der Schule hat es Henri schwer und Mo leicht, was die beiden jedoch nicht entzweit, im Gegenteil. Nur zu Hause gibt es etwas, das Henri verheimlichen muss. Weil sie es selbst kaum begreift. Da geht etwas mit ihrem Vater vor, das ihr Unbehagen bereitet, sie gruselt. Zusammen mit Mos Geistergeschichten, die sie aus der chinesischen Kultur kennt, baut sich Henri eine Parallelwelt auf, von der sie am besten nur auf eine Art berichten kann: schreibend. Als es mit ihrem Vater eskaliert und er endlich eine Diagnose erhält, öffnet sie sich auch Mo und gleichzeitig entfesselt sich ihre Liebe.. Die Palastplatte war ein wirklich schön zu lesender Roman aus dem @schoefflingverlag . Er besitzt eine reine Zartheit, aus der Perspektive Henris geschrieben, die in den 90er Jahren selbst noch ein Kind war. Dadurch war ich immer srhr dicht dran an ihrer Welt, ihrem Erleben und das war besonders gut für den Roman. Es ist nämlich alles andere als klar, was mit Papa passiert, der sich verändert und aus kindlicher Perspektive wirkt das bedrohlich. Diese Stimmung hat die Autorin sehr schön eingefangen. Ich war zunächst zwar sehr überrascht über die Diagnose, weil ich das nicht so ganz passend fand, aber wenn man das in den Kontext der Erzählperspektive einordnet, ist es in sich stimmig und eine Entwicklung ist dann auch sichtbar: die erwachsene Henri, das Fortschreiten der Krankheit des Vaters werden ebenso thematisiert, wie die Liebe der beiden Mädchen, deren Entfremdung und Wiedersehen. Hier ist nichts kitschig, es wird klar erzählt, manchmal etwas mystisch durch die Geister, die natürlich eine schöne metaphorische Ebene hinzufügen. Eine zarte Coming -of -Age Geschichte, berührend und wundervoll, dramatisch und echt.

Post image
4

Für mich ein guter Roman mit Tiefgang.

4

Das Buch hat mich sehr berührt. Es ist eine queere Coming-of-Age Geschichte - aber es geht auch um Zusammenhalt in der Familie, Aufwachsen im Plattenbau, Leben mit einem kranken Elternteil und darum wie schwer es sein kann, Unterstützung anzunehmen und sich auf andere einzulassen. Die Sprache kam mir super einfach vor, hat aber in ihrer Einfachheit extrem viel bei mir ausgelöst und mal wieder gezeigt, dass es nicht viele Worte braucht, um Gefühle zu übermitteln.

Das Buch hat mich sehr berührt. Es ist eine queere Coming-of-Age Geschichte - aber es geht auch um Zusammenhalt in der Familie, Aufwachsen im Plattenbau, Leben mit einem kranken Elternteil und darum wie schwer es sein kann, Unterstützung anzunehmen und sich auf andere einzulassen. Die Sprache kam mir super einfach vor, hat aber in ihrer Einfachheit extrem viel bei mir ausgelöst und mal wieder gezeigt, dass es nicht viele Worte braucht, um Gefühle zu übermitteln.
4.5

Vom Leid der Kinder psychisch erkrankte Eltern 

Psychische Erkrankungen eines nahestehenden Menschen sind schwer auszuhalten. Sind es die eigenen Eltern, so trifft es die Kinder besonders hart. Wie auf Eiern balanciert man, kann nicht einordnen, warum Mama oder Papa jetzt so sind. Und man beginnt sehr früh Verantwortung zu übernehmen. Der Vater von Henri zeigt erste Symptome, als sie gerade zwölf ist. Er tut plötzlich Dinge, die sie nicht einordnen kann und die ihr den liebenswerten Papa, den Polizisten, der sie so fest in den Arm nehmen kann, entfremden. Sie und ihre Mutter bewegen sich zwischen Angst, Ratlosigkeit und Vertuschung. Doch die Episoden, die immer öfter passieren, lassen sich irgendwann nicht mehr mit anderen Gründen erklären. Nach der Diagnose versuchen Mutter und Tochter, die Balance zu halten, geraten aber immer wieder ins straucheln. Einen Ankerpunkt findet das Mädchen in Mo, ihre beste Freundin. Doch dann empfindet Henri auf einmal mehr als nur pure Freundschaft. Ganz schön viel hat dieses junge Mädchen auf ihren Schultern zu tragen. Die Emotionen, mit denen sie ihrer neuen Lebenssituation begegnet sind nicht von Kontinuität geprägt. Manchmal begegnet sie ihren Mitmenschen mit Aggressivität, die sie eigentlich gegen sich selbst richtet. Dann ist sie wieder unglaublich fürsorglich, auch ihrem Vater gegenüber. Doch die Nerven liegen blank und manchmal kann der Familie nur der Swing helfen. Die Autorin hat diese unglaublich intensive und sehr aufwühlende Geschichte mit ungewöhnlichen Bildern gefüllt. Die Tanzszenen mit Vater und Mutter, die getrieben und doch belebend wirken sind Ventile und man liest das mit Begeisterung und Sorge.. Ich konnte mir gut vorstellen, wie schön es wäre, Teil dieser Gemeinschaft zu sein, wenn die Krankheit des Vaters nicht alles zerstören würde. Dass Floren Henri in die Geisterwelt führt, ist ein weiterer Clou der uns zeigt, wie individuell Bewältigungsstrategien sein können. Die Besuche in der Klinik und die endgültige Diagnose waren so plastisch dargestellt, dass ich das Gefühl hatte, ich wär dabei gewesen. Henris Methoden zur Selbstregulation greifen nicht immer im Wasser, findet sie Entlastung. Die Beziehung zu Mo steht nicht im Vordergrund ist aber ein wesentlicher Bestandteil, damit nicht alles aus dem Bild kippt. Nebenschauplätze und Personen die keine große Rolle bekommen, sind essenziell für die Stimmung im Buch. Der Kronsaal, Herbert, Lucy und das Ballett vermitteln wo wir hier sind, nämlich in einer Hochhaussiedlung mit Menschen, jenseits von jeglicher Extravaganz, die trotzdem sehr besonders sind. Die Kapitel sind kurz, aber sehr intensiv. Die Komplexität der Gefühlslage von Henri ist beeindruckend dargestellt. Die Sichtweise auf die Mutter hat mich in all ihrer Nachvollziehbarkeit betrübt. Sprachlich muss man mit voller Aufmerksamkeit bei der Lektüre sein. Die literarische Kraft, die von diesem Text ausgeht lässt einen nicht los, obwohl man Henri manchmal an die Hand nehmen möchte, um mit ihr aufs Dach zu flüchten und ein paar tiefe Atemzüge frische Luft zu tanken oder ins Nächstbeste Schwimmbecken zu springen. Ein bildgewaltiger Roman, den ich mir gut als Film vorstellen könnte und ein literarischer Kraftakt, der die Rolle von Kindern psychisch erkrankter Eltern ganz stark in den Mittelpunkt rückt. Ich empfehle Euch dieses Buch mit großer Begeisterung.

3.5

Ein interessantes Thema

Henri und Mo wachsen in der Palastplatte, wie sie ihre Hochhaussiedlung liebevoll nennen, auf. Sie sind beste Freundinnen, besuchen die selbe Schule, lesen gerne und verbringen den Sommer im Schwimmbad. Doch Henris Leben ist überschattet von einer Krankheit ihres Vaters, die sein Wesen verändert und die Familie schwer belastet. In dieser Zeit wird Mo für Henri immer wichtiger. Es gibt in diesem Buch zwei wichtige Themen. Die Liebe zwischen den Freundinnen und die psychische Erkrankung des Vaters. Diese Erkrankung und was es mit der Familie macht, wird sehr einfühlsam und glaubwürdig erzählt und war der Teil des Buches, der mir am besten gefallen hat. Ich habe mich in der ersten Hälfte vom Buch Henri sehr nahe gefühlt und konnte ihre Gefühle gut nachvollziehen. Die erwachsene Henri war mir dagegen fremd, ich konnte ihr Verhalten manches Mal nicht verstehen.

3.5

coming of age zwischen freibadpommes, depeche mode und platten bau. während die 12 jährige henri versucht, sich durch ihr eigenes leben zu navigieren, begleiten wir sie auf 200 seiten nicht nur beim älter und erwachsen werden (müssen), sondern auch beim erwachsen sein. „palastplatte“ von mara floren spricht von queerness, vom schreiben und lesen, von stephen king und kafka, von krankheit, zusammenhalt, tiefster und erster liebe und dem verlieren dieser. aber nur ein bisschen - und doch auch ein bisschen für immer. ein neuer begriff von familie und freundschaft, ein suchen nach worten und dem finden der hand, die einen hält. leben im plattenbau, ehrlich und derb und doch warm und zärtlich. ein miteinander aneinander vorbei reden, den vater suchen, obwohl er so nah ist und manchmal nicht ferner sein könnte. ein geist, eine krankheit, eine erinnerung an bessere zeiten. vielleicht auch nur leichtere. „palastplatte“ ist das wissen, nicht so „tun alsob“ zu müssen und einfach sein zu können, ohne zu verstehen. eine stillschweigende umarmung an die geistergeschichten in uns. auch wenn das ende gefühlt aus dem nichts kam und ich noch so gerne so viel mehr erfahren hätte - hey henri, bist du… ich? früher, gewesen, mit unterschriebener erlaubnis, stephen king in der bücherei ausleihen zu dürfen. ich lachte, schickte die passage an meine mutter - „ja, das bist du! wahnsinn!“ lachte auch sie. und so traf „palastplatte“ von mara floren mitten in mein herz, sowie meine vergangenheit und manövrierte sich auf meine „hey, ließ das!!“-liste. dieses buch erfindet coming-of-age nicht neu, aber es ist schön und besonders und vor allem: besonders schön, auch in all seiner traurigkeit. vows are spoken to be broken. feelings are intense, words are trivial. pleasures remain, so does the pain. - enjoy the silence, depeche mode

Post image
3.5

Coming of age unaufgeregt

Henri und Mo, zwei Mädchen auf dem Weg zum Erwachsen werden, leben in einem Plattenbau im damaligen Westberlin. Beide geprägt durch ihr Familien, wie man als Leser nach und nach erfährt. Beide verlieben sich ineinander und leben dann ihre Leben mal zusammen und mal getrennt. Henri verarbeitet dabei, die psychotische Erkrankung ihres Vaters, durch das Schreiben von Geistergeschichten. Ein gutes Buch um sich daran zu erinnern, dass kein Leben perfekt ist. Das Liebe queer sein darf und Freundschaft durch gemeinsame Erlebnisse erhalten bleibt.

4

Die Sommer in der Palastplatte - zwischen Seiten, Liebe und Abschieden

Während die Benetton- und Adidas-Mädchen ihrer Klasse in den Sommerferien verreisen, verbringen die Schülerinnen Henri (Henriette) und Mo ihre Zeit im Schwimmbad – lesend. Von Stephen King bis Sylvia Plath reicht ihre literarische Spannweite. Wichtig ist vor allem: Die Bücher stammen aus der Erwachsenenabteilung der lokalen Bibliothek. Während Mo in der Klasse beliebt ist, kämpft Henri um ihren Platz – in der Klasse, in der Freundschaft zu Mo und letztlich auch in ihrem eigenen Leben. Und zwischen den beiden Mädchen? Da schwingt ein bisschen mehr mit als nur eine Schulfreundschaft … Das Zuhause der beiden ist die Palastplatte, das Café Kronsaal und die Gemeinschaft der Bewohner des Plattenbaus. Henri fühlt sich dort eigentlich wohl, zufrieden in den vier Wänden des 11. Stocks. Was sie beschäftigt, sind nicht die neuesten Modetrends, sondern die Veränderungen in ihrer Familie – insbesondere im Verhalten ihres Vaters. Das gemeinsame Leben, die Nähe, sogar das Tanzen mit den Eltern beginnen zu bröckeln und weichen der Realität einer unheilbaren Krankheit, die das Familienleben grundlegend verändert. Gleichzeitig entfernen sich auch Mo und Henri immer wieder voneinander. Im ersten, längeren Teil des Buches erleben wir vor allem Henris intensive Gefühlswelt in Bezug auf ihren Vater, während die Dynamik zwischen ihr und Mo zunächst in den Hintergrund tritt. In den späteren Teilen verschiebt sich dieser Fokus: Die Beziehung zwischen den beiden jungen Frauen rückt stärker in den Mittelpunkt, während die Wahrnehmung des Vaters – ebenso wie seine geistige Präsenz – zunehmend verblasst. Er verliert, wie ein Geist, an Kontur. Dramaturgisch ist dies wundervoll umgesetzt. Die Bilder der Protagonisten entstehen für mich weniger durch detaillierte Beschreibungen als durch ihre Handlungen, Erlebnisse und Entwicklungen. Dadurch bleibt viel Raum für eigene Vorstellungen und Interpretationen, dies hat mir im Verlauf des Buches zunehmend gefallen. Einen Weg, mit ihrer Situation umzugehen, findet Henri im Tanzen und auch im Schreiben: zunächst kindlich, später zunehmend literarisch. Sie hält an ihren Träumen fest, versucht, ihren eigenen Weg zu finden und sich einzugestehen, was sie wirklich will – auch über die Grenzen der Palastplatte hinaus. Der Autorin Mara Floren ist mit diesem Roman eine schöne aber auch zugleich ernste Geschichte über das Erwachsenwerden unter erschwerten familiären Bedingungen gelungen. Sprachlich überzeugt das Buch mit vielen poetischen Formulierungen, Phrasen und literarisch schön beschriebenen Bildern, die man am liebsten alle markieren möchte. Einmal begonnen, fiel es mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Ich konnte tief in Henris Gefühlswelt eintauchen und habe sie auf ihrem Weg begleitet – einem Weg, auf dem sie lernt, ihre Wut über die Ungerechtigkeiten des Lebens in Kreativität und Liebe zu verwandeln. „[…] und ich ahnte, dass Schreiben ein Weg sein könnte, die Dinge zu erzählen, die ich anders nicht sagen könnte. Keine Zauberformel, kein Fluch. Aber eine Sprache, die ein Rätsel beschreiben und, ohne es zu lösen, zu so etwas wie einer Erlösung führen konnte.“

Die Sommer in der Palastplatte - zwischen Seiten, Liebe und Abschieden
Create Post