Zugwind

Zugwind

Hardback
3.846

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Description

Iryna Fingerova erzählt so bewegend wie authentisch vom Leben einer jungen ukrainischen Hausärztin in Deutschland, während in ihrem Heimatland Krieg herrscht. Von ihrer Wut und Trauer und ihrem Versuch, Trost und Schönheit in alltäglichen Dingen zu finden.

Mira Zehmann ist Hausärztin, Mutter, Ehefrau. Sie stammt aus einer jüdischen Familie in Odesa, vor Jahren hat sie zusammen mit ihrem Mann die Ukraine verlassen, um in Deutschland ihr eigenes Leben zu leben – für sich und ihre kleine Tochter. Doch als in ihrer alten Heimat Bomben explodieren, gerät ihre Welt aus den Fugen, und ein erbarmungsloser Zugwind weht durch ihr Leben.

Die Hausarztpraxis wird zur Anlaufstelle, lang ist die Schlange der ukrainischen Patienten, die alle zu Mira wollen auf der Suche nach Trost, nach Heilung und Mitgefühl. Ob eine Affäre hilft, Miras Unmut über den unendlich langen Besuch der Schwiegermutter zu überwinden? Als Mira verfolgt, wie ihre Patienten zwischen den Welten reisen, steht für sie fest: Sie muss nach Odesa, muss ihre über neunzigjährige Oma besuchen, das Meer sehen, mit ihren Freunden tanzen gehen.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
304
Price
24.70 €

Author Description

Iryna Fingerova, geboren und aufgewachsen in Odesa, lebt heute in Deutschland und arbeitet als Ärztin, Journalistin und Schriftstellerin. Ihr Schreiben umfasst Erzählungen, Romane, Theaterstücke, Essays und Kinderbücher. Iryna Fingerova ist Gründerin und Kuratorin des in Odesa ansässigen Theaters der Ohren, das einen festen Platz in der Kulturszene der Stadt einnimmt. Zugwind ist ihr dritter Roman und der erste, den sie in Teilen auf Deutsch verfasst hat.

Posts

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All
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Die ukrainische Ärztin Mira, die in Deutschland lebt, während in ihrer Heimat Krieg herrscht. Ihr Alltag in der Hausarztpraxis wird zum Spiegel größerer Konflikte: Flucht, Verlust und Sehnsucht in den Geschichten ihrer Patient:innen – und in ihrem eigenen inneren Zwiespalt zwischen zwei Welten.

4

Mira Zehmann ist eine ukrainische Ärztin. Sie lebt in Deutschland und arbeitet in einer Hausarztpraxis. Als in der Ukraine der Krieg ausbricht ändert sich auch ihr Leben. Ihre Familie und Freunde, die in der Heimat leben, sind in Gefahr aber Mira versucht weiter zu funktionieren. Das gelingt ihr zunehmend schlechter. Sie hat Schuldgefühle. Darf sie ein gutes Leben führen und ihre Freunde und Familie erleben gerade einen Krieg? In ihrer Praxis begegnet sie immer mehr Menschen, die vor dem Krieg geflohen sind. Verunsicherte Menschen kommen nicht nur wegen körperlichen Beschwerden, sondern möchten manchmal einfach nur reden. Sie fühlen sich oft nicht wohl in Deutschland, wollen eigentlich lieber in die Heimat zurück. Ein hochaktueller Roman, der uns literarisch zeigt, was Krieg mit den Menschen macht. Hier werden politische Themen mit einer persönlichen Geschichte verknüpft. Die Protagonistin ist sehr komplex. Sie kämpft gegen ihre innerliche Zerrissenheit. Berufliche Verantwortung, familiäre Verpflichtungen und die Sorge um ihre Familie und Freunde muss sie irgendwie verarbeiten. Die Arztpraxis wird immer mehr zu einem Treffpunkt für traumatisierte Patienten, die durch den Krieg gezeichnet sind. Auch das macht ihr immer mehr zu schaffen. Die Sprache empfand ich als sehr kraftvoll und eindringlich. Die persönliche Entwicklung von Mira konnte ich nicht immer ganz nachvollziehen, aber das ist gar nicht schlimm. Die Stärke des Romans liegt für mich klar in den vielen kleinen Geschichten und Momenten der Patienten, die einem fast die Luft anhalten lassen. Ein kluger, sehr intensiver und vielschichtiger Roman, den ich euch gern weiterempfehle.

3

Nach der Flucht aus Odesa lebt Mira Zehmann in einer deutschen Stadt. Zusammen mit ihrem Mann Andreij und der kleinen Tochter Rosa versucht sie ein neues Leben aufzubauen. Sie arbeitet als Ärztin in einer Hausarztpraxis und hat viele ukrainische Patienten. Durch diese Patienten wird sie immer wieder an ihre alte Heimat erinnert und die Sehnsucht nach der Ukraine, die immer noch vom Krieg gebeutelt wird, ist gross. Mira zieht es nach Odesa, zu ihrer Grossmutter, zu ihrem Bruder und sie will in den vertrauten Strassen mit den Freunden, die sie zurücklassen musste, spazieren gehen. Die Autorin wurde in Odesa geboren und ist dort aufgewachsen. Wie ihre Protagonistin Mira lebt sie heute in Deutschland und arbeitet als Ärztin. Ich kann mir vorstellen, dass in diesem Roman sehr viele eigene Erlebnisse stecken und auch Gefühle und Sehnsüchte, die die Autorin gegenüber ihrer alten Heimat hegt, eingeflochten wurden. Das Resultat ist ein authentischer, offener und eindringlicher Roman. Mira Zehmann arbeitet in einer Arztpraxis und zu ihr kommen viele Geflüchtete. Menschen, die aus der Ukraine vor dem Krieg geflüchtet sind und alle ihre eigenen Schicksale mitbringen. Das ging mir schon sehr nah. Natürlich auch mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass genau solche Geschichten auch in der Realität an der Tagesordnung sind. Ebenfalls an der Tagesordnung ist wohl die Sehnsucht von Menschen, die wegen des Krieges ihre Heimat verlassen und sich in eine völlig fremde Kultur einfügen müssen. Und dabei immer wieder "Zugwind" verspüren, wie es auch die Protagonistin fühlt. Vieles wird dabei in dieser Geschichte ausgeklammert, gerade was das Einleben in Deutschland beinhaltet. Arbeitssuche wird angedeutet, die ganzen finanziellen und administrative Seite der Eingliederung sehr eingeschränkt erwähnt. Mira Zehmann hat zum Glück keinerlei finanzielle Probleme und die Integration in den Arbeitsmarkt scheint auch problemlos zu sein. Die Autorin schreibt in einem atemlosen, teilweise abgehakten und knappen Schreibstil. Immer wieder finden sich leise Botschaften, versteckte Emotionen und Beobachtungen. Ich benötigte etliche Kapitel, bis ich mich an den Schreibstil gewöhnt hatte. Insbesondere die vielen Aufzählungen von Schicksalen der Patienten, die völlig losgelöst von der eigentlichen Handlung eingefügt wurden, waren mir etwas zu stakkatoartig und auch in zu grosser Anzahl. Dadurch haben sich Längen ergeben, die der Grund sind, dass ich so ganz überzeugt wurde von diesem Buch.

Der Roman „Zugwind“ von Iryna Fingerova erzählt eindringlich und vielschichtig vom Leben einer jungen ukrainischen Ärztin in Deutschland – und davon, wie sich ein Krieg in jede noch so geordnete Biografie einschreibt. Der Roman ist zugleich Migrationsgeschichte, Kriegsroman aus der Ferne, Praxisprotokoll und poetische Reflexion über Identität, Sprache und Resilienz. Im Mittelpunkt steht Mira Zehmann, Hausärztin, Mutter, Ehefrau, Tochter einer jüdischen Familie aus Odesa. Vor Jahren hat sie die Ukraine verlassen, um in Deutschland ein neues Leben aufzubauen. Doch mit dem russischen Angriff auf ihr Heimatland gerät ihre scheinbar stabile Existenz ins Wanken. Während in Odesa Bomben fallen, steht in ihrer Praxis die Schlange ukrainischer Patient*innen, die nicht nur medizinische Hilfe, sondern Trost, Verständnis und Halt suchen. Mira wird zur Projektionsfläche für Schmerz, Heimweh und Traumata – und verliert dabei zunehmend den Kontakt zu sich selbst. Der Roman ist stark episodenhaft strukturiert, die Begegnungen mit Patient*innen bilden ein vielstimmiges Mosaik aus Verletzlichkeit und Überlebenswillen. Dass viele dieser Figuren auf realen Erfahrungen der Autorin beruhen, verleiht dem Text Authentizität und emotionale Wucht. Fingerova gelingt es, medizinischen Alltag und existenzielle Fragen miteinander zu verweben. Thematisch kreist „Zugwind“ um Schuldgefühle und Zerrissenheit: Darf man in Sicherheit leben, während die Heimat brennt? Gehört man noch dorthin, wenn man gegangen ist? Mira leidet unter einer Art Überlebensschuld, fühlt sich zugleich als Fremde in Deutschland und als Abwesende in der Ukraine. Besonders eindrucksvoll sind die Passagen, in denen sie Rassismus und subtile Ausgrenzung erlebt – etwa wenn sie in einer anderen Sprache um ihre fachliche Kompetenz kämpfen muss. Migration erscheint hier als radikaler Neuanfang unter erschwerten Bedingungen. Überraschend und zugleich stimmig bricht der Roman stellenweise in den magischen Realismus aus: Die „YouBank“, bei der Mira „Kraft auf Kredit“ aufnehmen kann, wirkt zunächst surreal, entpuppt sich jedoch als poetisches Bild für emotionale Erschöpfung in Zeiten permanenter Krise. Diese Momente verleihen dem Text Leichtigkeit und Humor, ohne das Leid zu relativieren. Vielmehr unterstreichen sie, dass Wirklichkeit oft so absurd ist, dass sie nur poetisch zu fassen ist. Auch der 7. Oktober 2023 und die Bedrohung in Israel finden Eingang in den Roman. Die doppelte Perspektive – als Ukrainerin und Jüdin – verstärkt Miras innere Zerrissenheit. Doch statt konkurrierender Krisen entsteht ein Panorama globaler Verunsicherung, das sich im Individuellen spiegelt. Sprachlich ist „Zugwind“ klar, direkt und zugleich von poetischer Kraft. Besonders berührend ist das Motiv der geretteten Vase mit Hochzeitswünschen aus Odesa: ein Symbol dafür, dass Vergangenheit nicht bloß Erinnerung ist, sondern Ressource. Das abschließende Bild vom „Haus“, das man in sich trägt, und die Anspielung auf Kintsugi – die Kunst, Zerbrochenes mit Gold zu kitten – verdichten die zentrale Botschaft des Romans. Fingerova verschweigt weder Wut noch Ohnmacht, weder Erschöpfung noch moralische Ambivalenz. Und doch überwiegt am Ende die leise Hoffnung: dass Identität nicht verloren geht, sondern sich wandelt; dass man lernen kann, sich selbst ein Zuhause zu sein. Ein kluger, zeitdiagnostischer und zugleich sehr persönlicher Roman, der Mut macht – nicht durch einfache Antworten, sondern durch Ehrlichkeit und poetische Widerständigkeit. Aus dem Ukrainischen von Jakob Walosczyk.

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5

Zugwind ist ein Buch, das sehr gut zeigt wie sehr der Krieg in der Ukraine den Menschen zusetzt. Neben denen die flüchten mussten, belastet er auch jene die in Deutschland sind und noch Familie und Freunde in der Heimat haben. Für alle die sich für das Thema interessieren eine klare Empfehlung. Inhaltsangabe (Quelle Amazon) Iryna Fingerova erzählt so bewegend wie authentisch vom Leben einer jungen ukrainischen Hausärztin in Deutschland, während in ihrem Heimatland Krieg herrscht. Von ihrer Trauer, ihren Schuldgefühlen, ihrer Wut und Resignation, bis hin zu dem Versuch, das eigene Leben weiterzuleben, die Ereignisse zu akzeptieren und vielleicht persönlichen Frieden zu finden. Mira Zehmann ist Hausärztin, Mutter, Ehefrau. Sie stammt aus einer jüdischen Familie in Odesa, vor Jahren hat sie zusammen mit ihrem Mann die Ukraine verlassen, um in Deutschland ihr eigenes Leben zu leben – für sich und ihre kleine Tochter. Doch als in ihrer alten Heimat Bomben explodieren, gerät ihre Welt aus den Fugen, und ein erbarmungsloser Zugwind weht durch ihr Leben. Die Hausarztpraxis wird zur Anlaufstelle, lang ist die Schlange der ukrainischen Patienten, die alle zu Mira wollen auf der Suche nach Trost, nach Heilung und Mitgefühl. Ob eine Affäre hilft, Miras Unmut über den unendlich langen Besuch der Schwiegermutter zu überwinden? Als Mira verfolgt, wie ihre Patienten zwischen den Welten reisen, steht für sie fest: Sie muss nach Odesa, muss ihre über neunzigjährige Oma besuchen, das Meer sehen, mit ihren Freunden tanzen gehen.

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»Wenn die Zukunft Dunkelheit bringt, muss man leben, solange es noch hell ist. Und wenn die dunkle Stunde kommt, ist es an der Zeit, Kerzen anzuzünden, denn Licht braucht jeder. Und jeder hat seine eigenen Kerzen.« (38) Mit ihrem Roman »ZUGWIND« hat sich die ukrainische Schriftstellerin, Autorin & Ärztin Iryna Fingerova direkt in mein Herz geschrieben 💘 Sie hat diesen (ihren dritten) Roman zu Teilen auf Deutsch und zu Teilen auf Ukrainisch geschrieben, übersetzt von Jakob Walosczyk. Aber zunächst: Worum geht es? Die Protagonistin und ICH-Erzählerin Mira ist Hausärztin, Mama einer kleinen Tochter & (Ehe-)Frau und lebt seit einigen Jahren mit ihrer Familie in Deutschland. Als in ihrer Heimat der Ukraine der Krieg beginnt, verliert auch Mira in Deutschland ihren Halt und stellt sich zwischen Ärztin-, Mama- & Familienalltag zunehmend existenzielle Fragen: Darf es mir in der Sicherheit gut gehen, während andere Menschen im Krieg leben? Wie geht dieses Mensch-Sein in Mitten all dieser Krisen, Kriege und unmenschlichen Zeiten? Ein ZUGWIND weht durch ihre Seele und lässt sie frieren — eine - von ganz vielen weiteren - wunderbaren Metaphern und Poetik, die die Autorin geschaffen hat. Die Autorin beschreibt sehr einfühlsam, wie sich innere Zerrissenheit, Sehnsucht, Empathie, Lebenshunger, Schuldgefühlen, Verantwortung, Vermissen und das Entwurzelt-Sein anfühlen können. »Ich möchte mit offenen Augen durch die Welt gehen, dies ist das Mindeste, was ich tun kann. Ja, manchmal zwickt das, aber besser so, als im Vakuum zu leben.« (247) »ZUGWIND« 🌼 ist ein sehr modernes, kluges, mutmachendes, lebensbejahendes & wichtiges Buch, das zwischen Erzählarten wechselt: von sehr poetischen Absätzen bis hin zu prägnanten Beobachtungen und psychologischen Feinheiten. Mit ihrem so witzigen wie bissigen Sarkasmus und gleichzeitig einer Leichtigkeit trotz dieser Themenschwere schafft Iryna Fingerova einen ganz besonderen Roman, der sehr ins Herz geht. Ich kann es sehr empfehlen 💛

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3

Was macht Flucht mit Menschen- Suche nach Heimat

Das Buch ist keine geradlinige Geschichte sondern fordert den Leser doch heraus, indem es Ortssprünge und eine Aneinanderreihung von Anekdoten gibt, die die Protagonistin Mira als Ärztin erlebt. Mira ist schon länger aus der Ukraine nach Deutschland gekommen und ist eine Suchende im Leben, Lieben und Arbeiten. Sie findet eine Anstellung als Hausärztin und schnell spricht sich unter ukrainischen Menschen herum, dass da eine von „ihnen“ ist. Jeder Patient hat unter der Oberfläche Sorgen, Ängste um Heimat, Angehörige und das Ankommen in einem Land, was sie nicht immer willkommen heißt. Das beschreibt die Autorin so real und auf den Punkt, dass es mich schwindelte. „Flucht ist keine Urlaubsreise. Flucht ist der Versuch, sein ganzes Leben in zwei Koffer zu zwängen und dabei um der Kinder Willen so zu tun, als wäre alles okay.“ Der titelgebende Zugwind als Symbol für die anhaltende Suche nach Heimat, Zugehörigkeit und auch einer Wut, warum es möglich ist, dass ein Land militärisch überfallen werden kann. Keine einfache und „schöne“ Geschichte, dafür mit Tiefgang und nachhallendem Effekt.

2.5

”Zugwind” von Iryna Fingerova (ins Deutsche übersetzt von Jakob Walosczyk) handelt von der ukrainischen, in Deutschland lebenden Ärztin Mira Zehmann, die, aufgehängt an Episoden ihrer oft ukrainischen Patient*innen über Krieg, Flucht, Verlust und Heimatlosigkeit nachgrübelt. Der autofiktionale Text hat nicht nur anekdotischen Charakter, sondern auch Anteile magischen Realismus’, der sich in den Alltag der Protagonistin webt. Die Hörbuchfassung, gelesen von Lisa Hrdina, trägt atmosphärisch wesentlich zum Flair des Buches bei; leider hat es mich, nach dem fesselnden Einstieg, irgendwann verloren, da ich nicht wusste, wo der Text mit mir hin will. Nach den ersten Kapitel, die als Einstieg in das Lebend er Protagonistin dienen und vom Beginn des Ukraine-Krieges und den Flüchtenden und Dagebliebenen handelt, folgen lange Abschnitte, in denen aus verschiedenen Krankenhäusern und Arztpraxen über Begegnungen mit einzelnen Patient*innen erzählt wird, aber ohne Bezug zur Rahmenhandlung. Das hat mich mit der Zeit leider ermüdet und ich fand es immer schwieriger, mit Interesse zu folgen. *Das Hörbuch wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.

3

Mira ist Hausärztin, Mutter und stammt ursprünglich aus Odesa. Als der Krieg in der Ukraine ausbricht, gerät ihr Leben in Deutschland ins Wanken: Ihre Praxis wird zur Anlaufstelle für Geflüchtete, während sie selbst zwischen zwei Welten steht – bis in ihr der Wunsch wächst, in ihre alte Heimat zurückzukehren. Ich war bei der Programmvorstellung vom @rowohltverlag direkt neugierig auf dieses Buch, vor allem weil die Autorin selbst daraus gelesen hat und mich das Thema sehr angesprochen hat. Der Einstieg ist mir auch gut gelungen, auch wenn der Erzählstil auf mich eher distanziert und stellenweise etwas unnahbar gewirkt hat. Im Verlauf der Geschichte hatte ich jedoch zunehmend das Gefühl, dass sich der rote Faden etwas verliert. Die vielen Sprünge zwischen Deutschland und der Ukraine sowie zwischen Gegenwart und Erinnerungen haben es mir teilweise schwer gemacht, wirklich in der Geschichte zu bleiben. Inhaltlich steht klar der Krieg und das Leben als Geflüchtete im Fokus, was auch immer wieder eindrücklich dargestellt wird. Besonders interessant fand ich die Passagen, in denen beschrieben wird, wie es sich anfühlt, die eigene Heimat verlassen zu müssen und in einem anderen Land neu anzukommen – inklusive dieses unterschwelligen Drucks der Dankbarkeit. Gleichzeitig gab es aber auch Stellen, die mir persönlich eher negativ aufgestoßen sind, gerade was den Umgang mit Leistungen in Deutschland oder die Darstellung des Spracherwerbs angeht, die ich als schwierig empfunden habe. Insgesamt erzählt das Buch die Geschichte einer Frau, die durch den Krieg mit tiefgreifenden Veränderungen konfrontiert wird und versucht, ihren eigenen Weg zu finden. Trotz spannender Ansätze und wichtiger Themen konnte mich die Geschichte emotional leider nicht ganz erreichen.

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4

Tragisch aktuell, berührend & aufwühlend ✨

4

Zwischen zwei Welten und keinem sicheren Zuhause

Ein kalter Luftzug, der sich langsam durch jede Ritze schiebt und irgendwann das ganze Leben erfasst. Genau dieses Gefühl hat mich beim Lesen von Zugwind begleitet. Die Geschichte von Mira hat sich leise und doch mit großer Wucht in mein Herz geschlichen. Mira lebt ein scheinbar geordnetes Leben in Deutschland. Hausärztin, Mutter, Ehefrau. Doch während sie versucht, ihren Alltag zwischen Praxis, Familie und Verpflichtungen zu meistern, brennt in ihrer Heimat Ukraine der Krieg. Die Nachrichten, die Sorgen um Familie und Freunde und die Schuldgefühle darüber, selbst in Sicherheit zu sein, ziehen sich durch jede Seite wie ein unsichtbarer Faden. Besonders berührend fand ich, wie nah die Autorin an Miras innerer Zerrissenheit bleibt. Die Praxis wird zu einem Ort voller Geschichten, Ängste und Hoffnung, wenn ukrainische Patienten Hilfe suchen. Gleichzeitig kämpft Mira mit ihren eigenen Gefühlen zwischen Trauer, Wut und der Sehnsucht nach dem Leben, das sie zurücklassen musste. Die Sprache wirkt dabei ruhig, fast zurückhaltend, und gerade dadurch unglaublich intensiv. Viele Szenen fühlen sich so authentisch an, als würde man Mira still durch ihren Alltag begleiten. Man spürt ihre Müdigkeit, ihre Überforderung und auch ihre kleinen Momente von Wärme und Menschlichkeit. Zugwind ist kein lauter Roman. Es ist eine leise, nachdenkliche Geschichte über Heimat, Verlust und die schwierige Frage, wo man eigentlich hingehört, wenn das eigene Herz zwischen zwei Welten schlägt.

Zwischen zwei Welten und keinem sicheren Zuhause
5

Ein wunderbares Buch! Wer die Gefühlswelt von Menschen verstehen möchte, die ihre Heimat verlassen mussten: lesen!

3.5

*Rezensionsexemplar Iryna Fingerovas Zugwind erzählt die Geschichte von Mira Zehmann, einer ukrainischen Hausärztin, die mit ihrer Familie in Deutschland lebt – und deren Leben aus den Fugen gerät, als in ihrer alten Heimat der Krieg ausbricht. Zwischen Praxisalltag, Familienleben und innerer Zerrissenheit versucht Mira, mit Wut, Trauer und einem tiefen Gefühl von Verantwortung umzugehen. Die Hausarztpraxis wird dabei zu einem zentralen Ort: Hier begegnet sie zahlreichen ukrainischen Patient*innen, die nicht nur medizinische Hilfe suchen, sondern vor allem Trost, Verständnis und ein Stück Heimat. Diese Begegnungen verweben sich mosaikartig mit Miras eigener Geschichte und schaffen ein vielschichtiges Bild von Flucht, Migration und dem Leben zwischen zwei Welten. Auffällig ist, dass der Roman keinen klassischen Spannungsbogen verfolgt. Stattdessen setzt er sich aus vielen einzelnen Fragmenten zusammen – darunter zahlreiche Patientengeschichten, die verschiedene Themen beleuchten und immer wieder zur Selbstreflexion anregen. Gerade diese Aneinanderreihung entwickelt eine gewisse Sogwirkung, die sich schwer erklären lässt. Man bleibt dran, auch wenn die Handlung nicht im klassischen Sinne „voranschreitet“. Gleichzeitig sorgt genau diese Struktur aber auch dafür, dass der Roman stellenweise unstrukturiert wirkt. Die vielen kurzen Episoden, die oft losgelöst von der eigentlichen Handlung erscheinen, haben für mich zwischendurch Längen erzeugt – so interessant sie für sich genommen auch waren, irgendwann wurde es einfach sehr viel. Ein zentraler Wendepunkt ist Miras erste Reise zurück nach Odesa, die erst nach etwa einem Drittel des Buches erfolgt. Dieser Teil hat mich besonders berührt. Die Rückkehr in die alte Heimat, die Konfrontation mit Erinnerungen und der schmerzhafte Vergleich zwischen dem „früher“ und den aktuellen Nachrichten über Angriffe – all das geht unter die Haut. Gerade diese Gegenüberstellung macht die Zerrissenheit der Protagonistin greifbar. Man spürt, wie sehr sie zwischen den Welten steht und wie schwer es ist, einen festen Bezug zu sich selbst aufrechtzuerhalten. Überhaupt wirkt Mira wie eine Figur, die sich zunehmend verliert. Dieses Gefühl wird durch das wiederkehrende Motiv des „Zugwinds“ verstärkt – mal stärker, mal schwächer, aber immer präsent. Es ist fast so, als würde etwas Unsichtbares ständig an ihr zerren. Diese innere Bewegung spiegelt sich auch in der Erzählweise wider: Zeit- und Ortswechsel, Anekdoten und Einschübe machen den Roman abwechslungsreich, aber auch herausfordernd. Man weiß nie genau, was als Nächstes kommt – was einerseits spannend ist, andererseits aber auch Orientierung kostet. Besonders eindrücklich ist die doppelte Perspektive der Protagonistin als jüdische Ukrainerin. Dadurch erhält die Geschichte eine zusätzliche Tragik, vor allem im Hinblick auf die Ereignisse rund um den 7. Oktober 2023. Diese Ebene erweitert den Roman thematisch und verleiht ihm eine politische und historische Tiefe, die über die individuelle Geschichte hinausgeht. Sprachlich ist Zugwind etwas ganz Eigenes. Iryna Fingerova, die auch Gedichte veröffentlicht hat, schreibt stellenweise sehr lyrisch, mit ungewöhnlichen Metaphern und Bildern, die zum Nachdenken anregen. Gleichzeitig gibt es Passagen, die sehr klar und direkt sind. Diese Mischung macht den Stil spannend, aber auch gewöhnungsbedürftig. Manche Bilder wirken fast surreal oder wie aus dem magischen Realismus – etwa die Szene, in der Mira bei einer „Bank“ Kraft auf Kredit nimmt. Solche Momente stechen heraus und bleiben im Kopf. Ich habe während des Lesens gemerkt, dass ich mich erst an diesen Stil gewöhnen musste. Es gab Phasen, in denen ich den Roman sehr packend fand, und andere, in denen mein Interesse etwas abgeflacht ist – vor allem, weil mir ein klarer Spannungsbogen gefehlt hat. Dennoch hat das Buch eine besondere Nähe erzeugt. Ich konnte nicht sagen, wie viel von der Autorin selbst in Mira steckt, aber es fühlte sich oft fast wie eine biografische Erzählung an – nur eben nicht chronologisch, sondern in fragmentarischer, literarischer Form. Insgesamt ist Zugwind ein vielschichtiger Roman über Migration, Krieg aus der Ferne, Schuldgefühle und die Suche nach Halt. Er fordert beim Lesen Aufmerksamkeit und Geduld, belohnt aber mit intensiven Momenten und einer sehr eigenen Stimme. Für mich waren es 3,5 von 5 Sternen – ein Buch, das mich nicht durchgehend gepackt hat, aber immer wieder auf eine Weise berührt und zum Nachdenken gebracht hat, die hängen bleibt.

4

Wer etwas über die innere Welt Geflüchteter erfahren möchte, dem sei dieses Buch sehr ans Herz gelegt. Aber auch, wer Odesa liebt, wird auf seine Kosten kommen. Iryna Fingerova erzählt in ihrem Debüt „Zugwind“ von der ukrainischen Ärztin Mira, die seit Jahren in der anonym bleibenden deutschen Stadt N. praktiziert und von ihren ukrainischen Patient*innen berichtet. Diese kommen mit diversen Beschwerden - bei denen sich oft herausstellt, dass sie psychosomatischer Ausdruck der Flucht sind. „«Warum geht es mir so schlecht?», fragte sie […]. «In der Ukraine habe ich Immobilien verkauft, hatte die ganze Zeit Stress, es ging um viel Geld, und trotzdem ging es mir nicht so mies.» «Hier müssen Sie die ganze Zeit auf der Hut sein», sagte ich ihr. «Denn Sie wollen nicht auffallen.» Sie dachte nach. «Ich bin es leid, dankbar zu sein. Als wär ich irgendwem was schuldig, weil ich seine Luft atme.“ Und die junge Ärztin diagnostiziert auch bei sich selbst ein Leiden - den besagten „Zugwind“. Das Wort fungiert als Chiffre für Unbehaustsein, Sehnsucht, Heimweh, Fremdheit. Es zieht sie immer wieder nach Odesa, trotz aller Ängste, zurück in die Heimat. Dort erfährt sie die Realität des Krieges und hält fest: „Den Leuten bleibt keine Zeit für Angst. Sie müssen sich mit Alltagsfragen beschäftigen, die niemand außer ihnen klären kann. […] Die Leute haben sich an die neue Realität gewöhnt und leben nach ihren Regeln; gehen in den Luftschutzkeller, wenn es brenzlig wird, spenden für die Streitkräfte, gehen mit Angst ins Bett. Aber im Unterschied zu uns hier können es sich die Menschen dort nicht erlauben, ständig an den Krieg zu denken. Sie müssen zusehen, dass der Alltag funktioniert.“ Auch diese Seite kommt also immer wieder zu Wort - die Situation der Daheimgebliebenen. Beide Perspektiven zusammen machen das Buch zu einer runden Sache. Oft ist es allerdings spröde erzählt und teils wie ein sachlicher Bericht verfasst (in einer Lesung verriet die Autorin, dass sie ursprünglich ein Sachbuch schreiben wollte), teils mit magischen Funken in der Erzählung. Eine wichtige Lektüre, die mir viele neue Einsichten geschenkt hat. Große Empfehlung! #wasreneliest #zugwind

5

Tief bewegen, tiefsinnig aber mit der nötigen Portion Humor

Ich versuche mich meist vor traurigen Büchern zu drücken. Es fällt mir schwer meine Emotionen beim Lesen nicht zu sehr zuzulassen. Außerdem beschäftigen mich Bücher oft noch ziemlich lange und die Themen nehme ich mit in mein Alltag. Trotz alledem kann man aus jedem Buch so viel lernen. Geschichten sind bewusstseinserweitern, emotional und aufregend. Gerade brennt aktuelle Themen wie Krankheiten, Krieg oder die Klimakrise nehme ich immer sehr mit. Mira lebt mit ihrer Familie in Deutschland. Doch ihr Herz lebt in Odesa in der Ukraine. Als Ärztin hat sie in ihrer neuen Heimat jede Menge Patienten, die aus ihrem Heimatland der Ukraine stammen. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Tochter Rosa kämpft Mira für ein neues Leben in Deutschland und Verein, nicht vergessen, ihre Heimat wurzeln. Diese Rezension zur Verfassung macht mich sehr emotional. In der Zeit, in der ich das Buch begonnen habe, gibt es nun schon einen weiteren Krieg in der Welt. Die Geschichte vom Zug Wind hat mich tief berührt und mich extrem beschäftigt. Die Autorin schreibt mitreisen, einfühlsam und trotz des schweren Themas mit dem nötigen Humor, um die Geschichte ertragen zu können. Für mich hat die Geschichte so viel Inhalt. Mira kommt nach Deutschland schon bevor der Krieg in der Ukraine ausgebrochen ist. Doch die Geschehen ist in ihrer Heimat, brechen ihr das Herz. Es ist unglaublich, wie toll die Autorin beschreibt, wie sich die Hauptdarstellerin im Buch zerrissen fühlt. Dies wird mit dem Zug dargestellt. Doch nicht nur Mira ist zerrissen, sondern auch die vielen Menschen, die die Ukraine verlassen mussten und nun in Deutschland untergekommen sind. Die Autorin beschreibt in ihrer Geschichte die Schicksal der Menschen und wie sie versuchen, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Das Buch ist eine Geschichte von einem Neuanfang, der so nie gewollt war, eine Geschichte von kämpfen in eigenen Beziehungen und was mir am besten gefallen hat, vom nicht aufgeben und immer daran glauben, dass es am Ende alles gut sein wird.

4

Ein aktuelles Thema

Mira lebt schon länger mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in Deutschland,  als der Krieg in der Ukraine ausbricht.  Sie und Ihr Mann helfen Flüchtlingen eine Wohnung in Deutschland zu finden und sich zurecht zu finden. Auch in der Hausarztpraxis ist sie Ansprechpartnerin für die Geflüchteten mit all ihren Krankheiten,  Ängsten und Nöten. Doch wer fragt wie es ihr geht? Sie fühlt sich schuldig, weil sie in Deutschland ein sicheres Leben führt. Sie fühlt sich schuldig,  wenn sie mal glücklich ist,  wenn sie in Urlaub fliegt und überhaupt fühlt sie sich ständig schuldig. In ihrer inneren Zerrissenheit sucht sie nach Wegen für sich. Sie fährt nach Odessa,  um ihre Großmutter zu besuchen,  beginnt eine Affäre und nimmt sich eine Auszeit mit Freundinnen. Man bekommt ein Gespür, was es heisst alles aufzugeben und in einem anderen Land neu anzufangen. Das passiert unaufgeregt in einer klaren und offenen Erzählweise, die einen sehr berührt.

4

Ein wenig sprunghaft und doch bewegend begleitet man eine vielfältige Person: Poetin, Ärztin, Ukrainerin, Jüdin, Mutter, Frau.

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