Panikherz
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Description
Er wollte genau da rein: zu den Helden, in die rauschhaften Nächte – dahin, wo die Musik spielt. Erst hinter und dann auf die Bühne. Unglaublich schnell kam er an, stürzte sich hinein und ging darin fast verloren. Udo Lindenbergs rebellische Märchenlieder prägten und verführten ihn, doch Udo selbst wird Freund und später Retter.
Benjamin von Stuckrad-Barre erzählt eine Geschichte, wie man sie sich nicht ausdenken kann: Er wollte den Rockstar-Taumel und das Rockstar-Leben, bekam beides und folgerichtig auch den Rockstar-Absturz. Früher Ruhm, Realitätsverlust, Drogenabhängigkeit. Und nun eine Selbstfindung am dafür unwahrscheinlichsten Ort – im mythenumrankten »Chateau Marmont« in Hollywood, in das ihn Udo führte. Was als Rückzug und Klausur geplant war, erweist sich als Rückkehr ins Schreiben und in ein Leben als Roman. Drumherum tobt der Rausch, der Erzähler bleibt diesmal nüchtern. Schreibend erinnert er sich an seine Träume und Helden – und trifft viele von ihnen wieder. Mit Bret Easton Ellis inspiziert er einen Duschvorhang, er begegnet Westernhagen beim Arzt und Courtney Love in der Raucherecke und geht mit Thomas Gottschalk zum Konzert von Brian Wilson. Andere sind tot und werden doch gegenwärtig, Kurt Cobain, Helmut Dietl.
Stuckrad-Barre erzählt mit seiner eigenen Geschichte zugleich die Geschichte der Popkultur der letzten 20 Jahre. »Panikherz« ist eine Reise in die Nacht, eine Suche nach Wahrheit, eine Rückkehr aus dem Nebel.
Book Information
Author Description
Benjamin von Stuckrad-Barre, 1975 in Bremen geboren, ist Autor von »Soloalbum«, 1998, »Livealbum«, 1999, »Remix«, 1999, »Blackbox«, 2000, »Transkript«, 2001, »Deutsches Theater«, 2001, »Festwertspeicher der Kontrollgesellschaft – Remix 2«, 2004, »Was.Wir.Wissen.«, 2005, »Auch Deutsche unter den Opfern«, 2010, »Panikherz«, 2016, Udo Fröhliche, 2016/2026, »Nüchtern am Weltnichtrauchertag«, 2016, »Ich glaub, mir geht’s nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen – Remix 3«, 2018, »Noch wach?«, 2023, und gemeinsam mit Martin Suter: »Alle sind so ernst geworden«, 2020, und »Kein Grund, gleich so rumzuschreien«, 2024.www.stuckradbarre.de
Posts
Das Hörbuch Panikherz von Benjamin von Stuckrad-Barre, das vom Autor selbst gelesen wird, hat mir wirklich sehr gut gefallen. Schon nach kurzer Zeit hatte ich das Gefühl, ihm direkt zuzuhören – fast so, als würde er mir seine Lebensgeschichte persönlich erzählen. Gerade diese Authentizität macht das Hörbuch für mich so besonders. Während des Hörens musste ich oft an die frühen 2000er-Jahre denken. Damals hat man immer wieder Schlagzeilen und Klatschgeschichten über Stuckrad-Barre mitbekommen. Viele dieser Bilder hatte ich noch im Kopf. Umso spannender war es, die Geschichten jetzt aus seiner eigenen Perspektive zu hören. Plötzlich wirkt vieles ganz anders, persönlicher und nachvollziehbarer. Besonders interessant fand ich den autobiografischen Aufbau. Er erzählt von seiner Kindheit, seinem Weg in den Journalismus und davon, wie er schließlich Autor wurde. Auch seine Begegnungen und Freundschaften mit prominenten Persönlichkeiten geben spannende Einblicke in die Medien- und Popkultur dieser Zeit. Was mich aber am meisten beeindruckt hat, ist seine Offenheit. Stuckrad-Barre spricht sehr ehrlich über seine Drogenabhängigkeit, seine Bulimie und die schwierigen Phasen seines Lebens. Diese Ehrlichkeit hat mich wirklich berührt. Dadurch wirkt er auf mich viel sympathischer und menschlicher, als ich ihn früher aus der Öffentlichkeit wahrgenommen habe. Für mich ist Panikherz deshalb nicht nur eine spannende autobiografische Geschichte, sondern auch ein sehr persönlicher Blick hinter die Fassade eines bekannten Autors. Dass er das Hörbuch selbst liest, macht das Ganze noch intensiver. Ich habe es sehr gern gehört und kann es wirklich empfehlen – besonders für alle, die sich für die Medienwelt der 90er- und 2000er-Jahre interessieren oder autobiografische Geschichten mögen.
Rasant...
... Ist dasSchlagwort was mir zu diesem Buch einfällt. Ich musste diesmal wirklich nach recherchieren, denn manches was Benjamin von Stuckrad Barre in seinem autobiografischen Roman so schreibt ist teilweise so absurd um wahr zu sein. Es ist teilweise sehr beklemmend von dem körperlichen Verfall zu lesen, was Alkohol- & Drogenkonsum gepaart mit einer Essstörung so alles anrichten können. »Stuckrad-Barre hat den Kampfhund Erinnerung gereizt, und herausgekommen ist ein großes Buch, ein Buch, das bleiben wird, weil er sein Leben in die Waagschale geworfen hat, um Ruhm und Erfolg zu erlangen.« ("taz") (Und auch hier gilt wieder: keine ⭐ Bewertung, nicht weil das Buch schlecht ist, sondern ich keine ⭐ für die Lebenserfahrung eines anderen abgeben möchte)
amüsant, lebensbejahend, sozialkritisch
Benjamin von Stuckrad-Barre erzählt von seiner Vergangenheit, ein Wandel in seinem Leben der ihn nachhaltig geprägt hat. Er sinniert in seinem autobiografischen Roman darüber und schreibt über die Flucht in das Leben eines Rockers, welches alle Facetten eines solchen Lebensstils beinhaltet – Höhen, Tiefen und der Absturz. Dabei begleiten die Leser*innen ihn von seiner Jugend an bis hin zu seinem Schriftstellerdasein. Dabei steht nicht nur der seine Drogenexzesse im Vordergrund, sondern auch ganz viele anderen Thematiken werden behandelt, mit denen er in seinem Leben konfrontiert wurde. Zum Beispiel ADHS und Alkoholismus. ♡♥︎♡ In einem phänomenalen anmutenden Stil, nimmt Benjamin von Stuckrad-Barre die Leser*innen in eine seiner wohl prägendsten Zeiten mit. Präzession und Detail lassen sein Leben in den Ohren zur Wirklichkeit werden. Die Szenen springen förmlich im Kopf hin und her und blühen mit jedem Wort weiter auf – gewinnt an Farbe und Form. Er beschreibt diese in einer Klarheit, die trotzdem facetten- und detailreich bleibt und nicht an seiner Eleganz verliert. Seine Worte, sein Leben mit der ihm gehörigen Stimme zu hören, gab dem Erlebnis noch das eine I-Tüpfelchen. Er schreibt, wie er spricht. Und so geht die Kombination fließend über und pflanzt sich in das Gedächtnis ein. Es verleiht dem Hörbuch diese gewisse Authentizität und Charme, die der Autor wegen seiner eigenen Vertonung mitbrachte. Ich habe dem Geschehen gebannt zugehört, war an seine Lippen gefesselt und ließ mich in die Achterbahn seiner Exzesse mitreißen. ☆★☆ Dadurch, dass auch Udo Lindenberg eine durchaus essenzielle Rolle in dem biografischen Roman mitspielte und Benjamin von Stuckrad-Barre eine geradezu verblüffende Parodie von ihm performen kann (ich dachte wirklich, dass Udo Lindenberg selbst im Studio steht und seine Lines einsagt!), gibt dem Hörbuch eine kreativ künstlerische Qualität und ein Augenmerk, das wirklich ein Alleinmerkmal von „Panikherz“ ist. ☆★☆ Oft hingen noch nach dem Hören Situationen im Gedächtnis, die ich hinterfragte oder auch einfach nochmal in meinen Kopf Revue passieren ließ. Das Buch hatte mich noch lange beschäftigt – es war besonders eindrücklich und ist mit seinen Besonderheiten aus der Masse herausgestochen. ♡♥︎♡ Auf den Mann bin ich durch den Podcast „Kurt Krömer – Feelings“ gestoßen und habe mir daraufhin seine veröffentlichten Werke angeschaut. „Panikherz“ ist eines seiner berühmtesten Werke. ☆★☆ Es ist ein schonungsloser Roman, der sich in seinem Erfahrungsbericht nicht zurückhält. Trotz dessen verliert es nicht an Eleganz und literarischer Gewandtheit. Im Gegenteil – beide Aspekte stärken sich gegenseitig in ihrem Dasein. Es ist ein wunderschönes Zusammenspiel zwischen der Ehrlichkeit und einer poetischen Moderne. Ich hatte solch eine Sprachbewandtnis noch nicht erleben dürfen. Es war für mich eine komplett neue Art des Erzählens. Sie hat mich direkt abgeholt und in den Bann gezogen. Die Art, wie dieser Mann mit den Worten umgehen kann, hat mich absolut überzeugt. Nicht nur hat die Story mich mit ihrer Abstrusität mitnehmen können, sondern konnte mich vor allem auch durch die sprachlich stilistische Eben überzeugen. ☆★☆ Es hat mir wirklich Spaß gemacht es anzuhören. ☆★☆ Ich kann nur sagen, dass Personen, die Menschen rund um Benjamin von Stuckrad-Barre gut finden,mit hoher Wahrscheinlichkeit auch mit diesem Buch glücklich werden. Also wenn du Jan Böhmermann, Matze Hielscher, Ronja von Rönne, Martin Suter, Joko Winterscheidt (etc. pp.) kennst und du noch nicht über das Buch gestolpert bist, dann setz dich vielleicht mal mit diesem Werk auseinander. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dir gefallen wird, ist relativ groß. ♡♥︎♡ Eine Zusammenarbeit mit @denben gewesen.
Nachdem ich vor einiger Zeit ,,Noch wach“ gelesen habe und davon nicht allzu begeistert war, hab ich mich jetzt an ,,Panikherz“ gewagt. Das Buch fand ich tatsächlich besser, auch wenn mich die indirekte Rede wieder unglaublich irritiert hat, wie auch beim letzten Buch und leider finde ich nichts schlimmer, wenn ein Buch in verschiedenen Zeiten spielt und nicht klar erkennbar ist, ob ich gerade in der Vergangenheit oder Gegenwart bin… . Aber ansonsten unglaublich interessant, aber heftig zu lesen, da es um Stuckrad-Barres Drogenvergangenheit geht und um andere Suchterkrankungen…

Auch wenn Göttingen im Vergleich zu Rotenburg/Wümme riesig erscheinen mag, war Stuckrad-Barres damals neuer Wohnort doch klein genug, dass immerhin zwei meiner Freunde mit „Benni“ befreundet waren oder ihn zumindest so gut kannten, dass sie mir immer mal wieder voller Zuneigung von ihm, von Benni, erzählten. (Beide, Meike und Christoph, das wurde mir bei der Lektüre von „Panikherz“ immer wieder schmerzlich bewusst, sind viel zu früh gestorben.) In Göttingen war mir Benjamin von Stuckrad-Barre allerdings nur zwei Mal „in echt“ über den Weg gelaufen und hatte leider jeweils vor allem wie ein „anstrengendes Kind“ auf mich gewirkt: einmal, um 1996, auf einer Fete Meikes, die er innerhalb kürzester Zeit sprengte, und einmal auf Christophs Literaturherbst 2003, bei dem Joe Jackson, der in meinem Verlag die deutsche Fassung seiner Autobiographie veröffentlicht hatte, im Wechsel mit Heinz Rudolf Kunze Passagen aus „A Cure for Gravity“ und „Ein Mittel gegen die Schwerkraft“ las und dem Benni unbeholfen beim Händedruck die Klavierspielerfinger quetschte. Ab „Soloalbum“ hatte ich sein Frühwerk mit großem Vergnügen und dem Gefühl, dass er ein „ganz Großer“ werden könne, gelesen. Nach seinem „Remix 2“ hatte ich ihn allerdings ein wenig (15Jahre) aus den Augen verloren, bis mich neulich ein lieber Freund auf „Panikherz“ und das darin enthaltene literarische Denkmal für Christoph Reisner aufmerksam machte. Ob Stuckrad-Barre mit „Panikherz“ schon der ganz große Autor ist, den ich in ihm vermutet hatte? Ich glaube, ja. Ihm ist eine schonungslose Beichte gelungen, eine rücksichtslose Ehrlichkeit sich selbst und den Menschen aus dem Benni- und Stuckiman-Kosmos gegenüber, die Max Frisch beim Schreiben von „Montauk“ im Sinn hatte. Diese Beichte ist gnadenlos im Blick auf seine eigenen aber auch auf die Schwächen derer, die ihm selbst in seinen Abgründen gewogen waren. Sie ist aber auch immer wieder voller Liebe. Er ist ein Wortmetz ersten Ranges. Geistreich und witzig und zuweilen unangenehm ätzend. Und ein scharfsinniger Beobachter. Stuckrad-Barre schildert den härtesten Weg, erwachsen zu werden. Und am Ende war ich mit ihm froh, „den Jungen verschwinden“ zu sehen. Bravo! (Gelesen im April/Mai 2019)
💛💛💛💛💛 In "Panikherz" erzählt Benjamin von Stuckrad-Barre autobiografisch von seinem Leben zwischen Ruhm, Drogenexzessen und der verzweifelten Suche nach Identität. Der Roman schildert seine frühe Karriere als gefeierter Journalist und Popliterat sowie seinen tiefen Absturz in die Abhängigkeit von Kokain und Alkohol. Immer wieder durchbricht er die Fassade des Erfolgs, um von innerer Leere, Selbsthass und dem Druck der Öffentlichkeit zu berichten. Eine zentrale Rolle spielt seine intensive Beziehung zur Musik, insbesondere zu Udo Lindenberg, der als Mentor und Vaterfigur fungiert. Die Erzählung führt durch zahlreiche Entzüge und Rückfälle, bis schließlich ein langer Klinikaufenthalt in den USA zur Wendung führt. Mit einem schonungslos offenen Ton beschreibt Stuckrad-Barre seinen Weg aus der Sucht zurück ins Leben. Panikherz ist dabei nicht nur ein Suchtbericht, sondern auch ein literarisches Zeugnis über Selbstzerstörung, Popkultur und das Überleben. Ich mochte Panikherz sehr – es hat mich gleichzeitig berührt, mitgerissen und manchmal sogar zum Lachen gebracht. Den Schreibstil von Stuckrad-Barre muss man entweder lieben oder hassen, ich kenne zumindest niemanden, der da neutral ist. Für mich funktioniert er wunderbar, weil er zwischen Ironie, Ernst und Emotionalität pendelt, ohne jemals unglaubwürdig zu wirken. Die schonungslose Ehrlichkeit hat mich beeindruckt, sie wirkt nie übertrieben oder selbstmitleidig. Besonders positiv finde ich, dass er nie über seine Partnerinnen schreibt – weder negativ noch positiv – was ich als respektvoll und angenehm empfinde. Auch die Einblicke in seine Kindheit und Jugend waren spannend und haben geholfen, sein späteres Verhalten besser zu verstehen. Das Buch hat mich lange beschäftigt – im besten Sinne.
Promis und andere Drogen
Wenn man den Cover-Text von „Panikherz“ liest, befürchtet man, dass da jemand mit Promi-Voyeurismus den schnellen Euro machen will. Aber ist nicht schon der Erwerb des Buches ein untrügliches Indiz dafür, dass man für diese Marketingstrategie empfänglich ist? Ok, erwischt. Wer ist dieser Benjamin von Stuckrad Barre mit seiner Abstammung aus einer althessischen, adeligen Beamtenfamilie, dessen Name schon per se nach Aufmerksamkeit schreit? Wie hat er es geschafft, in dieses Glamour-Leben hineinzudiffundieren, das nun ein ganzes autobiografisches Buch zu füllen vermag? Mit Thomas Gottschalk in Los Angeles zum Beach-Boys-Konzert (oder was von der Band noch übrig ist), mit Marius Müller-Westernhagen im Wartezimmer des HNO-Arztes (um die vom Kokain zerstörte Nasenscheidewand begutachten zu lassen), gemeinsam mit Helmut Dietl am Drehbuch von „Zettl“ arbeiten (einem Nachfolgewerk zur legendären TV-Serie „Monaco Franze“), mit Bret Easton Ellis im Garten des Chateau Marmont diskutieren, Smalltalk mit Courtney Love (über den neuen Film über ihren verstorbenen Ehemann und Nirvana-Frontmann Kurt Cobain). Um nur eine Minimalauswahl dessen aufzulisten, was Stuckrad Barre mal en passant, mal sehr detailliert in seine Lebensgeschichte einfließen lässt. Und natürlich immer wieder backstage bei diversen Bands inklusive der Unlimited- After-Show-Partys in allen angesagten Clubs von Hamburg und Berlin. Aber über all dem Promi-Exzess, ganz weit oben im Olymp, schwebt einer, den Stuckrad Barre seit frühester Jugend anbetet – Udo Lindenberg. Seine Liedtexte begleiten den Autor durch sein Leben und schließlich wird – irgendwann wundert einen gar nichts mehr – der theophane Udo sein Freund, sein Beschützer, sein Ratgeber, sein Lebensanker. Stuckrad wird Teil der Panik-Familie, die Udo wie Don Corleone dirigiert. In weiten Zügen wird das Werk, das man allenthalben der Popliteratur zuordnet, zu einer Hommage an diese Deutsch-Rock-Legende. Ja, wie hat der gute Benny das hingekriegt? Bei der Lektüre wird man fast unweigerlich in die Rolle des Psychoanalytikers gedrängt. Offensichtlich ein hohes Maß an Extrovertiertheit, vielleicht ein Relikt aus dem Überlebenskampf gegen drei ältere Geschwister. Dann ab der Pubertät eine starke Affinität zur medialen Selbstdarstellung, möglicherweise Ausdruck eines tief in ihm wohnenden Minderwertigkeitskomplexes. Und weil es half, gerade Letzteren in Gesellschaft schnell zu überwinden, schon der frühe und später überbordende Kontakt zu Alkohol und in erster Linie (!) Kokain, somit der Droge, die ihm Flügel verlieh, mit aufgehobener Kontaktscheu, nie endendem Redefluss und mit ungebremster Ideen-Explosion. Im gleichen Kontext kann seine extreme Bulimie, seine Magersucht, gesehen werden, die Sucht mit dem Ziel, seinen Körper, sein Bild von sich, permanent zu korrigieren. Hier hat das Buch seine stärksten Passagen. Wenn es nicht darum geht, Name- Dropping zu betreiben, mit den prominenten Freunden und Bekannten zu kokettieren, sondern wenn Stuckrad Barre ungefiltert seinen jahrelangen Alltag zwischen Erbrechen, Kokain-Exzessen und Entzugskliniken beschreibt. Diesen schonungslosen Exhibitionismus hat er 2004 in der Dokumentation „Rausch und Ruhm“ bereits einmal praktiziert, als er sich dabei filmen ließ, wie er in seiner völlig heruntergekommenen Wohnung versuchte, mit Depressionen, Sucht und den körperlichen Folgen fertigzuwerden. Aber da Stuckrad Barre nicht immer nur auf einem Ego-Trip unterwegs ist, sondern ein durchaus feinsinniger Beobachter und manchmal sogar hochkarätiger Literat sein kann, gibt es im Buch auch andere Highlights, wie zum Beispiel seine Beschreibung eines Klassentreffens („ein Biographie-Showdown“ in „Spießer-Trance“). Auch wenn sich das auf Anhieb vielleicht nicht so anhören mag, machen all diese Mosaiksteine das Buch durchaus kurzweilig und unterhaltsam, manchmal sogar bewegend. Wenn man dazu bereit ist, mit dem Autor ein Stück weit durch die Hölle der mannigfaltigen Süchte zu gehen, Co-Abhängiger im Promi-Stalking zu werden und wenn man eine Überdosis Udo Lindenberg verkraftet. Noch ein Tipp. Die beste Publikationsform von „Panikherz“ ist ohne Zweifel das Hörbuch. Benjamin von Stuckrad Barre liest sein Buch selbst vor. Er hat hörbar Übung, da er – so gab er in einem Interview zu – sich auch selbst alle Texte während des Schreibens laut vorliest. Er macht das sehr elegant, charmant und pointiert. Was er in der Print-Version einzelne Worte zur Betonung in Versalien schreiben musste, kann er hier selbst akzentuieren. Seine Imitationen der Stimmen von Udo Lindenberg, Helmut Dietl und Harald Schmidt sind eine Ohrenweide und würden ihm mit Sicherheit ein abendfüllendes Programm als Stand-up-Comedian vor ausverkauftem Haus garantieren. Mit wieder ganz viel Aufmerksamkeit für seine Person
Wenn man das Buch mitten im Satz zuklappen und tief durchatmen muss, dann zeigt das , welche Intensität sich dort verbirgt. Schonungslos ehrlich berichtet Benjamin von Stuckrad-Barre von seiner Zeit vor, während und mit Udo. Aber vor allem, wie ein normaler Junge in den Kreis der Popstars gerät und somit geradewegs hinein in ein unglaublich schnelles Leben. Ein Leben, dass sich nur noch mithilfe von Drogen aushalten lässt. Dadurch, dass er keine Details verschweigt, zeigt er einem, wie parallel die eigenen Gedanken, denen eines Drogensüchtigen sein können. Toller Roman, der einen nicht kaltlässt
Habe das vom Stuckiman persönlich eingelesene Audiobuch via Spotify beim Pendeln zwischen Arbeit und Zuhause gehört. War natürlich ob des gelungenen Quereinstiegs in die Musikbranche hellauf begeistert und ich liebe die Literaturverweise und Musiksozialisation. Obwohl mir die Udoliebe fehlt, bin ich durch dieses Buch Fan geworden. Auch die Suchtgeschichte ist mir nicht fremd und so konnte ich mich zu jeder Zeit gut indentifizieren und war stets sehr gut unterhalten
Auf der Suche nach einer Lektüre für eine lange Zugfahrt habe ich "Panikherz" vor einiger Zeit zufällig in der Buchhandlung entdeck. Das Ferdinand von Schirach-Zitat auf der Rückseite und vor allem das Cover führten letztlich zum Kauf des Buchs. Später dann im Zug aufgeschlagen erstmal die Ernüchterung: Oh es geht um Udo Lindenberg und so, irgendwie gar nicht mein Thema, hm. Trotzdem weitergelesen und völlig begeistert. Das Buch hat mich eine lange Zeit begleitet und ich habe es sehr gerne gelesen, wenn auch gegen Ende mit immer größeren Lesepausen dazwischen, da es sich dann doch ein wenig zieht. Benjamin von Stuckrad-Barre erzählt seine Geschichte von Aufstieg, Ruhm, Absturz und Selbstfindung. Ein fantastisch geschriebenes und berührendes Buch. Während zu Beginn alles Schlag auf Schlag passiert und sich der Text beinahe überschlägt, wird im zweiten Teil das Tempo zurückgeschraubt, was ja aber auch gut zur Geschichte passt und ausgeglichen wird durch den einnehmenden und tollen Schreibstil. Allein sprachlich ist "Panikherz" also schon ein wunderbares Buch und nur zu empfehlen!
Einfach ultragalaktisch Udo ✨
Ich habe mir das Buch auf Empfehlung geholt und war sofort begeistert von der Erzählweise. Von unten nach oben, die Achterbahn des Lebens von Udo und von Stuckrad Barre. Das Leben an und mit der Grenze, der große Traum vom Musikerleben, einfach Alles. Top geschrieben, mitreißend und -fühlend!
Niedersachsen in den Achtzigern. Benjamin von Stuckrad-Barre ist Gymnasiast, Pfarrerssohn, das jüngste von vier Kindern. Seine Brüder bringen in früh mit der Musikkultur in Kontakt, vor allem mit den textgetriebenen Alben des jungen Udo Lindenberg. Benjamin ist fasziniert, da will er hin, da will er dabei sein, Back-Stage, im Umkreis der Musiker und irgenwie schafft er das auch schon in sehr jungen Jahren, schreibt, wird Kritiker. Doch das Leben vieler der Musiker ist nicht nur von Musik, sondern auch von Alkohol und Drogen bestimmt – klar, dass Benjamin auch diesen Teil des Rockmusiklebens abbekommt… 20 Jahre später reist Struckrad-Barre mit dem früheren Idol Udo Lindenberg nach L.A., genauer gesagt in das berühmte Hotel Chateau Marmont in Hollywood – und bleibt. Lindenberg hat gespürt, dass sein Freund Zeit zur Selbstfindung braucht. Es ist nicht ganz einfach für mich, dieses Buch neutral zu bewerten. Benjamin von Stuckrad-Barre und ich sind beide Jahrgang 1975, vieles, was er schildert, habe ich ähnlich in Erinnerung, etwa den Mauerfall. Und wenn er von Billy Joel erzählt, der mein großer Held war, als ich so um die 14 war, bekomme ich auch in der heißen Badewanne eine Gänsehaut. Ich habe während und nach dem Anhören des Hörbuchs alte CDs rausgekramt, Lindenberg-CDs gekauft, Billy Joel-CDs, die ich bisher nur als MC (!) hatte, auf CD gekauft. (Für die Jüngeren: MC = Musikkassette ;-)). Den größten Teil des Buchs nimmt jedoch Stuckrad-Barres dramatische Drogenkarriere ein, er berichtet ehrlich und schonungslos, mit einer angemessenen Portion Selbstkritik und -sarkasmus, er schildert, wie so ein Junkie tickt, der zudem noch magersüchtig und/oder bulimisch ist, die Reihe von Entzugskliniken, all dies erlebt der Leser bzw. Hörer hautnah mit. Zwischen den Passagen, die seinen Werdegang beschreiben, springt der Autor immer wieder zurück ins Jahr 2015, ins Chateau Marmont, auch dort trifft er seine Jugendhelden, etwa den Autor Bret Easton-Ellis, macht neue Bekanntschaften, James Franco, Thomas Gottschalk, sieht sich Konzerte früherer Idole an, die leider meistens enttäuschen, da schwingt viel Nostalgie mit. Diese Passagen sind mitunter regelrecht philosophisch, Stuckrad-Barre beweist, dass er mit Sprache umgehen kann, es ist ein Genuss, ihm zuzuhören. Benjamin von Stuckrad-Barre hat viel erlebt und viel zu erzählen – und er hat das nötige Talent dafür. Er gibt niemandem die Schuld für seine Drogenabhängigkeit, schon gar nicht seiner Familie, die ihn letztendlich rettet. Ich glaube, dass die Familie ihn keineswegs – wie es Maxim Biller im Literarischen Quartett so arrogant in den Raum warf – in die Sucht getrieben hat. Darüber hinaus ist das Buch, wie schon der Titel erkennen lässt, auch eine Hommage an Udo Lindenberg – auch in mir hat Stuckrad-Barre die Udo-Liebe geweckt. Ein wunderbares, berührendes und spannendes Buch! Die Hörbuchausgabe ist sehr zu empfehlen, Benjamin von Stuckrad-Barre liest selbst, was bei dieser Autobiografie auch das einzig Richtige ist.
4,5 * Ich hab mir während des Lesens übrigens mal wieder ein paar Lindenberg-CDs aufs Handy gezogen. Auch wenn ich zur 90er Jahre Musikhör-Generation gehöre, die Udo Lindenberg bis vor ein paar Jahren immer lächerlich fanden. Das hat sich geändert seit ich die Songs (ja, durch Hinterm Horizont) besser kennen und lieben gelernt habe. Ich höre vieles sehr gerne und das Buch hat wieder Lust drauf gemacht... und mir gezeigt - mal wieder - dass ich von Kokain und Co. die Hände lasse...
Ich fand das Buch sehr gut. Hat ein bisschen gedauert, sich durch die knapp 600 Seiten zu lesen. Manche Lebensabschnitte (wie der Teil über die Drogen, Magersucht..) haben sich gut gezogen, aber allen in allem war das Buch sehr lustig und interessant geschrieben. Bei manchen Beschreibungen und Sätze musste ich echt sehr lachen. Schon bissl crazy und beeindruckend, wie Stuckimann sich vom Öko-Pfarrerssohn in ein ganz anderes Leben (Musik, Journalismus) hochgekämpft hat, so von ganz allein, mit viel Glück, überall irgendwie reingerutscht ist. Vor allem fand ich es sehr spannend, wie man die viele Prominente, zb Lindenberg, Dietl etc noch mal auf eine ganz andere Art und Weise kennengelernt hat. Kann das Buch daher sehr empfehlen.
An der überschaubaren Aufgabe, einen kleinen Begleittext für meine »Autodiscographie« zu verfassen, war ich grandios gescheitert, hatte etwa 600 Dokumente in dieser Angelegenheit gespeichert, eine wissenschaftliche Abhandlung im Grunde, nur eben leider nicht fertig geworden. Wann immer es mir zu unübersichtlich wurde in einem Dokument, öffnete ich ein neues, angenehm leeres – und weiter ging's. Musik, Erinnerung, Lieblingsplatten, Biographie als Discographie, Musikprägung und Fanausbildung, endlich konnte ich das mal alles, alles ergründen und beschreiben, was war das doch für ein ergiebiges Thema. Kokaintypisch uferte die Sache aus, nicht einen einzigen Satz konnte ich sauber mit Subjekt, Prädikat, Objekt nach Hause fahren, immer noch ein Einschub; auch Semikola und Klammer auf liebt der Kokainist (kein Satz wird je beendet; gleichsam mit den Wahrnehmungspforten immer noch eine Klammer auf (und nie wieder zu)).
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Er wollte genau da rein: zu den Helden, in die rauschhaften Nächte – dahin, wo die Musik spielt. Erst hinter und dann auf die Bühne. Unglaublich schnell kam er an, stürzte sich hinein und ging darin fast verloren. Udo Lindenbergs rebellische Märchenlieder prägten und verführten ihn, doch Udo selbst wird Freund und später Retter.
Benjamin von Stuckrad-Barre erzählt eine Geschichte, wie man sie sich nicht ausdenken kann: Er wollte den Rockstar-Taumel und das Rockstar-Leben, bekam beides und folgerichtig auch den Rockstar-Absturz. Früher Ruhm, Realitätsverlust, Drogenabhängigkeit. Und nun eine Selbstfindung am dafür unwahrscheinlichsten Ort – im mythenumrankten »Chateau Marmont« in Hollywood, in das ihn Udo führte. Was als Rückzug und Klausur geplant war, erweist sich als Rückkehr ins Schreiben und in ein Leben als Roman. Drumherum tobt der Rausch, der Erzähler bleibt diesmal nüchtern. Schreibend erinnert er sich an seine Träume und Helden – und trifft viele von ihnen wieder. Mit Bret Easton Ellis inspiziert er einen Duschvorhang, er begegnet Westernhagen beim Arzt und Courtney Love in der Raucherecke und geht mit Thomas Gottschalk zum Konzert von Brian Wilson. Andere sind tot und werden doch gegenwärtig, Kurt Cobain, Helmut Dietl.
Stuckrad-Barre erzählt mit seiner eigenen Geschichte zugleich die Geschichte der Popkultur der letzten 20 Jahre. »Panikherz« ist eine Reise in die Nacht, eine Suche nach Wahrheit, eine Rückkehr aus dem Nebel.
Book Information
Author Description
Benjamin von Stuckrad-Barre, 1975 in Bremen geboren, ist Autor von »Soloalbum«, 1998, »Livealbum«, 1999, »Remix«, 1999, »Blackbox«, 2000, »Transkript«, 2001, »Deutsches Theater«, 2001, »Festwertspeicher der Kontrollgesellschaft – Remix 2«, 2004, »Was.Wir.Wissen.«, 2005, »Auch Deutsche unter den Opfern«, 2010, »Panikherz«, 2016, Udo Fröhliche, 2016/2026, »Nüchtern am Weltnichtrauchertag«, 2016, »Ich glaub, mir geht’s nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen – Remix 3«, 2018, »Noch wach?«, 2023, und gemeinsam mit Martin Suter: »Alle sind so ernst geworden«, 2020, und »Kein Grund, gleich so rumzuschreien«, 2024.www.stuckradbarre.de
Posts
Das Hörbuch Panikherz von Benjamin von Stuckrad-Barre, das vom Autor selbst gelesen wird, hat mir wirklich sehr gut gefallen. Schon nach kurzer Zeit hatte ich das Gefühl, ihm direkt zuzuhören – fast so, als würde er mir seine Lebensgeschichte persönlich erzählen. Gerade diese Authentizität macht das Hörbuch für mich so besonders. Während des Hörens musste ich oft an die frühen 2000er-Jahre denken. Damals hat man immer wieder Schlagzeilen und Klatschgeschichten über Stuckrad-Barre mitbekommen. Viele dieser Bilder hatte ich noch im Kopf. Umso spannender war es, die Geschichten jetzt aus seiner eigenen Perspektive zu hören. Plötzlich wirkt vieles ganz anders, persönlicher und nachvollziehbarer. Besonders interessant fand ich den autobiografischen Aufbau. Er erzählt von seiner Kindheit, seinem Weg in den Journalismus und davon, wie er schließlich Autor wurde. Auch seine Begegnungen und Freundschaften mit prominenten Persönlichkeiten geben spannende Einblicke in die Medien- und Popkultur dieser Zeit. Was mich aber am meisten beeindruckt hat, ist seine Offenheit. Stuckrad-Barre spricht sehr ehrlich über seine Drogenabhängigkeit, seine Bulimie und die schwierigen Phasen seines Lebens. Diese Ehrlichkeit hat mich wirklich berührt. Dadurch wirkt er auf mich viel sympathischer und menschlicher, als ich ihn früher aus der Öffentlichkeit wahrgenommen habe. Für mich ist Panikherz deshalb nicht nur eine spannende autobiografische Geschichte, sondern auch ein sehr persönlicher Blick hinter die Fassade eines bekannten Autors. Dass er das Hörbuch selbst liest, macht das Ganze noch intensiver. Ich habe es sehr gern gehört und kann es wirklich empfehlen – besonders für alle, die sich für die Medienwelt der 90er- und 2000er-Jahre interessieren oder autobiografische Geschichten mögen.
Rasant...
... Ist dasSchlagwort was mir zu diesem Buch einfällt. Ich musste diesmal wirklich nach recherchieren, denn manches was Benjamin von Stuckrad Barre in seinem autobiografischen Roman so schreibt ist teilweise so absurd um wahr zu sein. Es ist teilweise sehr beklemmend von dem körperlichen Verfall zu lesen, was Alkohol- & Drogenkonsum gepaart mit einer Essstörung so alles anrichten können. »Stuckrad-Barre hat den Kampfhund Erinnerung gereizt, und herausgekommen ist ein großes Buch, ein Buch, das bleiben wird, weil er sein Leben in die Waagschale geworfen hat, um Ruhm und Erfolg zu erlangen.« ("taz") (Und auch hier gilt wieder: keine ⭐ Bewertung, nicht weil das Buch schlecht ist, sondern ich keine ⭐ für die Lebenserfahrung eines anderen abgeben möchte)
amüsant, lebensbejahend, sozialkritisch
Benjamin von Stuckrad-Barre erzählt von seiner Vergangenheit, ein Wandel in seinem Leben der ihn nachhaltig geprägt hat. Er sinniert in seinem autobiografischen Roman darüber und schreibt über die Flucht in das Leben eines Rockers, welches alle Facetten eines solchen Lebensstils beinhaltet – Höhen, Tiefen und der Absturz. Dabei begleiten die Leser*innen ihn von seiner Jugend an bis hin zu seinem Schriftstellerdasein. Dabei steht nicht nur der seine Drogenexzesse im Vordergrund, sondern auch ganz viele anderen Thematiken werden behandelt, mit denen er in seinem Leben konfrontiert wurde. Zum Beispiel ADHS und Alkoholismus. ♡♥︎♡ In einem phänomenalen anmutenden Stil, nimmt Benjamin von Stuckrad-Barre die Leser*innen in eine seiner wohl prägendsten Zeiten mit. Präzession und Detail lassen sein Leben in den Ohren zur Wirklichkeit werden. Die Szenen springen förmlich im Kopf hin und her und blühen mit jedem Wort weiter auf – gewinnt an Farbe und Form. Er beschreibt diese in einer Klarheit, die trotzdem facetten- und detailreich bleibt und nicht an seiner Eleganz verliert. Seine Worte, sein Leben mit der ihm gehörigen Stimme zu hören, gab dem Erlebnis noch das eine I-Tüpfelchen. Er schreibt, wie er spricht. Und so geht die Kombination fließend über und pflanzt sich in das Gedächtnis ein. Es verleiht dem Hörbuch diese gewisse Authentizität und Charme, die der Autor wegen seiner eigenen Vertonung mitbrachte. Ich habe dem Geschehen gebannt zugehört, war an seine Lippen gefesselt und ließ mich in die Achterbahn seiner Exzesse mitreißen. ☆★☆ Dadurch, dass auch Udo Lindenberg eine durchaus essenzielle Rolle in dem biografischen Roman mitspielte und Benjamin von Stuckrad-Barre eine geradezu verblüffende Parodie von ihm performen kann (ich dachte wirklich, dass Udo Lindenberg selbst im Studio steht und seine Lines einsagt!), gibt dem Hörbuch eine kreativ künstlerische Qualität und ein Augenmerk, das wirklich ein Alleinmerkmal von „Panikherz“ ist. ☆★☆ Oft hingen noch nach dem Hören Situationen im Gedächtnis, die ich hinterfragte oder auch einfach nochmal in meinen Kopf Revue passieren ließ. Das Buch hatte mich noch lange beschäftigt – es war besonders eindrücklich und ist mit seinen Besonderheiten aus der Masse herausgestochen. ♡♥︎♡ Auf den Mann bin ich durch den Podcast „Kurt Krömer – Feelings“ gestoßen und habe mir daraufhin seine veröffentlichten Werke angeschaut. „Panikherz“ ist eines seiner berühmtesten Werke. ☆★☆ Es ist ein schonungsloser Roman, der sich in seinem Erfahrungsbericht nicht zurückhält. Trotz dessen verliert es nicht an Eleganz und literarischer Gewandtheit. Im Gegenteil – beide Aspekte stärken sich gegenseitig in ihrem Dasein. Es ist ein wunderschönes Zusammenspiel zwischen der Ehrlichkeit und einer poetischen Moderne. Ich hatte solch eine Sprachbewandtnis noch nicht erleben dürfen. Es war für mich eine komplett neue Art des Erzählens. Sie hat mich direkt abgeholt und in den Bann gezogen. Die Art, wie dieser Mann mit den Worten umgehen kann, hat mich absolut überzeugt. Nicht nur hat die Story mich mit ihrer Abstrusität mitnehmen können, sondern konnte mich vor allem auch durch die sprachlich stilistische Eben überzeugen. ☆★☆ Es hat mir wirklich Spaß gemacht es anzuhören. ☆★☆ Ich kann nur sagen, dass Personen, die Menschen rund um Benjamin von Stuckrad-Barre gut finden,mit hoher Wahrscheinlichkeit auch mit diesem Buch glücklich werden. Also wenn du Jan Böhmermann, Matze Hielscher, Ronja von Rönne, Martin Suter, Joko Winterscheidt (etc. pp.) kennst und du noch nicht über das Buch gestolpert bist, dann setz dich vielleicht mal mit diesem Werk auseinander. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dir gefallen wird, ist relativ groß. ♡♥︎♡ Eine Zusammenarbeit mit @denben gewesen.
Nachdem ich vor einiger Zeit ,,Noch wach“ gelesen habe und davon nicht allzu begeistert war, hab ich mich jetzt an ,,Panikherz“ gewagt. Das Buch fand ich tatsächlich besser, auch wenn mich die indirekte Rede wieder unglaublich irritiert hat, wie auch beim letzten Buch und leider finde ich nichts schlimmer, wenn ein Buch in verschiedenen Zeiten spielt und nicht klar erkennbar ist, ob ich gerade in der Vergangenheit oder Gegenwart bin… . Aber ansonsten unglaublich interessant, aber heftig zu lesen, da es um Stuckrad-Barres Drogenvergangenheit geht und um andere Suchterkrankungen…

Auch wenn Göttingen im Vergleich zu Rotenburg/Wümme riesig erscheinen mag, war Stuckrad-Barres damals neuer Wohnort doch klein genug, dass immerhin zwei meiner Freunde mit „Benni“ befreundet waren oder ihn zumindest so gut kannten, dass sie mir immer mal wieder voller Zuneigung von ihm, von Benni, erzählten. (Beide, Meike und Christoph, das wurde mir bei der Lektüre von „Panikherz“ immer wieder schmerzlich bewusst, sind viel zu früh gestorben.) In Göttingen war mir Benjamin von Stuckrad-Barre allerdings nur zwei Mal „in echt“ über den Weg gelaufen und hatte leider jeweils vor allem wie ein „anstrengendes Kind“ auf mich gewirkt: einmal, um 1996, auf einer Fete Meikes, die er innerhalb kürzester Zeit sprengte, und einmal auf Christophs Literaturherbst 2003, bei dem Joe Jackson, der in meinem Verlag die deutsche Fassung seiner Autobiographie veröffentlicht hatte, im Wechsel mit Heinz Rudolf Kunze Passagen aus „A Cure for Gravity“ und „Ein Mittel gegen die Schwerkraft“ las und dem Benni unbeholfen beim Händedruck die Klavierspielerfinger quetschte. Ab „Soloalbum“ hatte ich sein Frühwerk mit großem Vergnügen und dem Gefühl, dass er ein „ganz Großer“ werden könne, gelesen. Nach seinem „Remix 2“ hatte ich ihn allerdings ein wenig (15Jahre) aus den Augen verloren, bis mich neulich ein lieber Freund auf „Panikherz“ und das darin enthaltene literarische Denkmal für Christoph Reisner aufmerksam machte. Ob Stuckrad-Barre mit „Panikherz“ schon der ganz große Autor ist, den ich in ihm vermutet hatte? Ich glaube, ja. Ihm ist eine schonungslose Beichte gelungen, eine rücksichtslose Ehrlichkeit sich selbst und den Menschen aus dem Benni- und Stuckiman-Kosmos gegenüber, die Max Frisch beim Schreiben von „Montauk“ im Sinn hatte. Diese Beichte ist gnadenlos im Blick auf seine eigenen aber auch auf die Schwächen derer, die ihm selbst in seinen Abgründen gewogen waren. Sie ist aber auch immer wieder voller Liebe. Er ist ein Wortmetz ersten Ranges. Geistreich und witzig und zuweilen unangenehm ätzend. Und ein scharfsinniger Beobachter. Stuckrad-Barre schildert den härtesten Weg, erwachsen zu werden. Und am Ende war ich mit ihm froh, „den Jungen verschwinden“ zu sehen. Bravo! (Gelesen im April/Mai 2019)
💛💛💛💛💛 In "Panikherz" erzählt Benjamin von Stuckrad-Barre autobiografisch von seinem Leben zwischen Ruhm, Drogenexzessen und der verzweifelten Suche nach Identität. Der Roman schildert seine frühe Karriere als gefeierter Journalist und Popliterat sowie seinen tiefen Absturz in die Abhängigkeit von Kokain und Alkohol. Immer wieder durchbricht er die Fassade des Erfolgs, um von innerer Leere, Selbsthass und dem Druck der Öffentlichkeit zu berichten. Eine zentrale Rolle spielt seine intensive Beziehung zur Musik, insbesondere zu Udo Lindenberg, der als Mentor und Vaterfigur fungiert. Die Erzählung führt durch zahlreiche Entzüge und Rückfälle, bis schließlich ein langer Klinikaufenthalt in den USA zur Wendung führt. Mit einem schonungslos offenen Ton beschreibt Stuckrad-Barre seinen Weg aus der Sucht zurück ins Leben. Panikherz ist dabei nicht nur ein Suchtbericht, sondern auch ein literarisches Zeugnis über Selbstzerstörung, Popkultur und das Überleben. Ich mochte Panikherz sehr – es hat mich gleichzeitig berührt, mitgerissen und manchmal sogar zum Lachen gebracht. Den Schreibstil von Stuckrad-Barre muss man entweder lieben oder hassen, ich kenne zumindest niemanden, der da neutral ist. Für mich funktioniert er wunderbar, weil er zwischen Ironie, Ernst und Emotionalität pendelt, ohne jemals unglaubwürdig zu wirken. Die schonungslose Ehrlichkeit hat mich beeindruckt, sie wirkt nie übertrieben oder selbstmitleidig. Besonders positiv finde ich, dass er nie über seine Partnerinnen schreibt – weder negativ noch positiv – was ich als respektvoll und angenehm empfinde. Auch die Einblicke in seine Kindheit und Jugend waren spannend und haben geholfen, sein späteres Verhalten besser zu verstehen. Das Buch hat mich lange beschäftigt – im besten Sinne.
Promis und andere Drogen
Wenn man den Cover-Text von „Panikherz“ liest, befürchtet man, dass da jemand mit Promi-Voyeurismus den schnellen Euro machen will. Aber ist nicht schon der Erwerb des Buches ein untrügliches Indiz dafür, dass man für diese Marketingstrategie empfänglich ist? Ok, erwischt. Wer ist dieser Benjamin von Stuckrad Barre mit seiner Abstammung aus einer althessischen, adeligen Beamtenfamilie, dessen Name schon per se nach Aufmerksamkeit schreit? Wie hat er es geschafft, in dieses Glamour-Leben hineinzudiffundieren, das nun ein ganzes autobiografisches Buch zu füllen vermag? Mit Thomas Gottschalk in Los Angeles zum Beach-Boys-Konzert (oder was von der Band noch übrig ist), mit Marius Müller-Westernhagen im Wartezimmer des HNO-Arztes (um die vom Kokain zerstörte Nasenscheidewand begutachten zu lassen), gemeinsam mit Helmut Dietl am Drehbuch von „Zettl“ arbeiten (einem Nachfolgewerk zur legendären TV-Serie „Monaco Franze“), mit Bret Easton Ellis im Garten des Chateau Marmont diskutieren, Smalltalk mit Courtney Love (über den neuen Film über ihren verstorbenen Ehemann und Nirvana-Frontmann Kurt Cobain). Um nur eine Minimalauswahl dessen aufzulisten, was Stuckrad Barre mal en passant, mal sehr detailliert in seine Lebensgeschichte einfließen lässt. Und natürlich immer wieder backstage bei diversen Bands inklusive der Unlimited- After-Show-Partys in allen angesagten Clubs von Hamburg und Berlin. Aber über all dem Promi-Exzess, ganz weit oben im Olymp, schwebt einer, den Stuckrad Barre seit frühester Jugend anbetet – Udo Lindenberg. Seine Liedtexte begleiten den Autor durch sein Leben und schließlich wird – irgendwann wundert einen gar nichts mehr – der theophane Udo sein Freund, sein Beschützer, sein Ratgeber, sein Lebensanker. Stuckrad wird Teil der Panik-Familie, die Udo wie Don Corleone dirigiert. In weiten Zügen wird das Werk, das man allenthalben der Popliteratur zuordnet, zu einer Hommage an diese Deutsch-Rock-Legende. Ja, wie hat der gute Benny das hingekriegt? Bei der Lektüre wird man fast unweigerlich in die Rolle des Psychoanalytikers gedrängt. Offensichtlich ein hohes Maß an Extrovertiertheit, vielleicht ein Relikt aus dem Überlebenskampf gegen drei ältere Geschwister. Dann ab der Pubertät eine starke Affinität zur medialen Selbstdarstellung, möglicherweise Ausdruck eines tief in ihm wohnenden Minderwertigkeitskomplexes. Und weil es half, gerade Letzteren in Gesellschaft schnell zu überwinden, schon der frühe und später überbordende Kontakt zu Alkohol und in erster Linie (!) Kokain, somit der Droge, die ihm Flügel verlieh, mit aufgehobener Kontaktscheu, nie endendem Redefluss und mit ungebremster Ideen-Explosion. Im gleichen Kontext kann seine extreme Bulimie, seine Magersucht, gesehen werden, die Sucht mit dem Ziel, seinen Körper, sein Bild von sich, permanent zu korrigieren. Hier hat das Buch seine stärksten Passagen. Wenn es nicht darum geht, Name- Dropping zu betreiben, mit den prominenten Freunden und Bekannten zu kokettieren, sondern wenn Stuckrad Barre ungefiltert seinen jahrelangen Alltag zwischen Erbrechen, Kokain-Exzessen und Entzugskliniken beschreibt. Diesen schonungslosen Exhibitionismus hat er 2004 in der Dokumentation „Rausch und Ruhm“ bereits einmal praktiziert, als er sich dabei filmen ließ, wie er in seiner völlig heruntergekommenen Wohnung versuchte, mit Depressionen, Sucht und den körperlichen Folgen fertigzuwerden. Aber da Stuckrad Barre nicht immer nur auf einem Ego-Trip unterwegs ist, sondern ein durchaus feinsinniger Beobachter und manchmal sogar hochkarätiger Literat sein kann, gibt es im Buch auch andere Highlights, wie zum Beispiel seine Beschreibung eines Klassentreffens („ein Biographie-Showdown“ in „Spießer-Trance“). Auch wenn sich das auf Anhieb vielleicht nicht so anhören mag, machen all diese Mosaiksteine das Buch durchaus kurzweilig und unterhaltsam, manchmal sogar bewegend. Wenn man dazu bereit ist, mit dem Autor ein Stück weit durch die Hölle der mannigfaltigen Süchte zu gehen, Co-Abhängiger im Promi-Stalking zu werden und wenn man eine Überdosis Udo Lindenberg verkraftet. Noch ein Tipp. Die beste Publikationsform von „Panikherz“ ist ohne Zweifel das Hörbuch. Benjamin von Stuckrad Barre liest sein Buch selbst vor. Er hat hörbar Übung, da er – so gab er in einem Interview zu – sich auch selbst alle Texte während des Schreibens laut vorliest. Er macht das sehr elegant, charmant und pointiert. Was er in der Print-Version einzelne Worte zur Betonung in Versalien schreiben musste, kann er hier selbst akzentuieren. Seine Imitationen der Stimmen von Udo Lindenberg, Helmut Dietl und Harald Schmidt sind eine Ohrenweide und würden ihm mit Sicherheit ein abendfüllendes Programm als Stand-up-Comedian vor ausverkauftem Haus garantieren. Mit wieder ganz viel Aufmerksamkeit für seine Person
Wenn man das Buch mitten im Satz zuklappen und tief durchatmen muss, dann zeigt das , welche Intensität sich dort verbirgt. Schonungslos ehrlich berichtet Benjamin von Stuckrad-Barre von seiner Zeit vor, während und mit Udo. Aber vor allem, wie ein normaler Junge in den Kreis der Popstars gerät und somit geradewegs hinein in ein unglaublich schnelles Leben. Ein Leben, dass sich nur noch mithilfe von Drogen aushalten lässt. Dadurch, dass er keine Details verschweigt, zeigt er einem, wie parallel die eigenen Gedanken, denen eines Drogensüchtigen sein können. Toller Roman, der einen nicht kaltlässt
Habe das vom Stuckiman persönlich eingelesene Audiobuch via Spotify beim Pendeln zwischen Arbeit und Zuhause gehört. War natürlich ob des gelungenen Quereinstiegs in die Musikbranche hellauf begeistert und ich liebe die Literaturverweise und Musiksozialisation. Obwohl mir die Udoliebe fehlt, bin ich durch dieses Buch Fan geworden. Auch die Suchtgeschichte ist mir nicht fremd und so konnte ich mich zu jeder Zeit gut indentifizieren und war stets sehr gut unterhalten
Auf der Suche nach einer Lektüre für eine lange Zugfahrt habe ich "Panikherz" vor einiger Zeit zufällig in der Buchhandlung entdeck. Das Ferdinand von Schirach-Zitat auf der Rückseite und vor allem das Cover führten letztlich zum Kauf des Buchs. Später dann im Zug aufgeschlagen erstmal die Ernüchterung: Oh es geht um Udo Lindenberg und so, irgendwie gar nicht mein Thema, hm. Trotzdem weitergelesen und völlig begeistert. Das Buch hat mich eine lange Zeit begleitet und ich habe es sehr gerne gelesen, wenn auch gegen Ende mit immer größeren Lesepausen dazwischen, da es sich dann doch ein wenig zieht. Benjamin von Stuckrad-Barre erzählt seine Geschichte von Aufstieg, Ruhm, Absturz und Selbstfindung. Ein fantastisch geschriebenes und berührendes Buch. Während zu Beginn alles Schlag auf Schlag passiert und sich der Text beinahe überschlägt, wird im zweiten Teil das Tempo zurückgeschraubt, was ja aber auch gut zur Geschichte passt und ausgeglichen wird durch den einnehmenden und tollen Schreibstil. Allein sprachlich ist "Panikherz" also schon ein wunderbares Buch und nur zu empfehlen!
Einfach ultragalaktisch Udo ✨
Ich habe mir das Buch auf Empfehlung geholt und war sofort begeistert von der Erzählweise. Von unten nach oben, die Achterbahn des Lebens von Udo und von Stuckrad Barre. Das Leben an und mit der Grenze, der große Traum vom Musikerleben, einfach Alles. Top geschrieben, mitreißend und -fühlend!
Niedersachsen in den Achtzigern. Benjamin von Stuckrad-Barre ist Gymnasiast, Pfarrerssohn, das jüngste von vier Kindern. Seine Brüder bringen in früh mit der Musikkultur in Kontakt, vor allem mit den textgetriebenen Alben des jungen Udo Lindenberg. Benjamin ist fasziniert, da will er hin, da will er dabei sein, Back-Stage, im Umkreis der Musiker und irgenwie schafft er das auch schon in sehr jungen Jahren, schreibt, wird Kritiker. Doch das Leben vieler der Musiker ist nicht nur von Musik, sondern auch von Alkohol und Drogen bestimmt – klar, dass Benjamin auch diesen Teil des Rockmusiklebens abbekommt… 20 Jahre später reist Struckrad-Barre mit dem früheren Idol Udo Lindenberg nach L.A., genauer gesagt in das berühmte Hotel Chateau Marmont in Hollywood – und bleibt. Lindenberg hat gespürt, dass sein Freund Zeit zur Selbstfindung braucht. Es ist nicht ganz einfach für mich, dieses Buch neutral zu bewerten. Benjamin von Stuckrad-Barre und ich sind beide Jahrgang 1975, vieles, was er schildert, habe ich ähnlich in Erinnerung, etwa den Mauerfall. Und wenn er von Billy Joel erzählt, der mein großer Held war, als ich so um die 14 war, bekomme ich auch in der heißen Badewanne eine Gänsehaut. Ich habe während und nach dem Anhören des Hörbuchs alte CDs rausgekramt, Lindenberg-CDs gekauft, Billy Joel-CDs, die ich bisher nur als MC (!) hatte, auf CD gekauft. (Für die Jüngeren: MC = Musikkassette ;-)). Den größten Teil des Buchs nimmt jedoch Stuckrad-Barres dramatische Drogenkarriere ein, er berichtet ehrlich und schonungslos, mit einer angemessenen Portion Selbstkritik und -sarkasmus, er schildert, wie so ein Junkie tickt, der zudem noch magersüchtig und/oder bulimisch ist, die Reihe von Entzugskliniken, all dies erlebt der Leser bzw. Hörer hautnah mit. Zwischen den Passagen, die seinen Werdegang beschreiben, springt der Autor immer wieder zurück ins Jahr 2015, ins Chateau Marmont, auch dort trifft er seine Jugendhelden, etwa den Autor Bret Easton-Ellis, macht neue Bekanntschaften, James Franco, Thomas Gottschalk, sieht sich Konzerte früherer Idole an, die leider meistens enttäuschen, da schwingt viel Nostalgie mit. Diese Passagen sind mitunter regelrecht philosophisch, Stuckrad-Barre beweist, dass er mit Sprache umgehen kann, es ist ein Genuss, ihm zuzuhören. Benjamin von Stuckrad-Barre hat viel erlebt und viel zu erzählen – und er hat das nötige Talent dafür. Er gibt niemandem die Schuld für seine Drogenabhängigkeit, schon gar nicht seiner Familie, die ihn letztendlich rettet. Ich glaube, dass die Familie ihn keineswegs – wie es Maxim Biller im Literarischen Quartett so arrogant in den Raum warf – in die Sucht getrieben hat. Darüber hinaus ist das Buch, wie schon der Titel erkennen lässt, auch eine Hommage an Udo Lindenberg – auch in mir hat Stuckrad-Barre die Udo-Liebe geweckt. Ein wunderbares, berührendes und spannendes Buch! Die Hörbuchausgabe ist sehr zu empfehlen, Benjamin von Stuckrad-Barre liest selbst, was bei dieser Autobiografie auch das einzig Richtige ist.
4,5 * Ich hab mir während des Lesens übrigens mal wieder ein paar Lindenberg-CDs aufs Handy gezogen. Auch wenn ich zur 90er Jahre Musikhör-Generation gehöre, die Udo Lindenberg bis vor ein paar Jahren immer lächerlich fanden. Das hat sich geändert seit ich die Songs (ja, durch Hinterm Horizont) besser kennen und lieben gelernt habe. Ich höre vieles sehr gerne und das Buch hat wieder Lust drauf gemacht... und mir gezeigt - mal wieder - dass ich von Kokain und Co. die Hände lasse...
Ich fand das Buch sehr gut. Hat ein bisschen gedauert, sich durch die knapp 600 Seiten zu lesen. Manche Lebensabschnitte (wie der Teil über die Drogen, Magersucht..) haben sich gut gezogen, aber allen in allem war das Buch sehr lustig und interessant geschrieben. Bei manchen Beschreibungen und Sätze musste ich echt sehr lachen. Schon bissl crazy und beeindruckend, wie Stuckimann sich vom Öko-Pfarrerssohn in ein ganz anderes Leben (Musik, Journalismus) hochgekämpft hat, so von ganz allein, mit viel Glück, überall irgendwie reingerutscht ist. Vor allem fand ich es sehr spannend, wie man die viele Prominente, zb Lindenberg, Dietl etc noch mal auf eine ganz andere Art und Weise kennengelernt hat. Kann das Buch daher sehr empfehlen.
An der überschaubaren Aufgabe, einen kleinen Begleittext für meine »Autodiscographie« zu verfassen, war ich grandios gescheitert, hatte etwa 600 Dokumente in dieser Angelegenheit gespeichert, eine wissenschaftliche Abhandlung im Grunde, nur eben leider nicht fertig geworden. Wann immer es mir zu unübersichtlich wurde in einem Dokument, öffnete ich ein neues, angenehm leeres – und weiter ging's. Musik, Erinnerung, Lieblingsplatten, Biographie als Discographie, Musikprägung und Fanausbildung, endlich konnte ich das mal alles, alles ergründen und beschreiben, was war das doch für ein ergiebiges Thema. Kokaintypisch uferte die Sache aus, nicht einen einzigen Satz konnte ich sauber mit Subjekt, Prädikat, Objekt nach Hause fahren, immer noch ein Einschub; auch Semikola und Klammer auf liebt der Kokainist (kein Satz wird je beendet; gleichsam mit den Wahrnehmungspforten immer noch eine Klammer auf (und nie wieder zu)).






























