Montauk
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Description
In seinem berührendsten Werk erzählt Max Frisch von einem Wochenende am Meer, von Lynn und Max und von der Vergänglichkeit der Liebe.
»Ich möchte diesen Tag beschreiben, nichts als diesen Tag, unser Wochenende und wie's dazu gekommen ist, wie es weiter verläuft. Ich möchte erzählen können, ohne irgendetwas dabei zu erfinden.« Max Frisch
Book Information
Author Description
Max Frisch, geboren am 15. Mai 1911 in Zürich, arbeitete zunächst als Journalist, später als Architekt, bis ihm mit seinem Roman Stiller (1954) der Durchbruch als Schriftsteller gelang. Es folgten die Romane Homo faber (1957) und Mein Name sei Gantenbein (1964) sowie Erzählungen, Tagebücher, Theaterstücke, Hörspiele und Essays. Frisch starb am 4. April 1991 in Zürich.
Posts
Intensiv und emotional in Schrift und Form. Frisch über sein Liebesleben mit Fetzen aus Tagebuch und Erinnerungen …
… und das auf so wenig Seiten. Wie eine Extraktion aus einem so mannigfaltigen Leben. Der Schreibstil, bekannt gewöhnungsbedürftig, wirkt so (F)risch, so anders, so klug, denn der Autor reiht nahezu wahllos Anekdoten aus seinem Leben aneinander. Das geht schnell, hin und her wie kreuz und quer, bis man langsam dahinter kommt, dass es so garnicht wahllos ist. Eher vergleicht der Autor Geschehnisse und Beziehungen aus seinem Leben miteinander. Er versucht, mit seiner Bericht-ähnlichen Erzählung Parallelen zu finden. Auf ein Ergebnis zu kommen, eine Bilanz zu ziehen. Er zeigt auf kluge Weise, wie sein Charakter, sein Denken über Partnerschaft und seine Beziehung zur Liebe ist. Das kommt anfangs sehr klobig und wirr herüber, aber die Genialität und die Emotionen dahinter, erkennt man ganz allmählich im Leseverlauf. Man lernt hier einen sehr selbstkritischen und vom Leben überrumpelten Max Frisch kennen. Auch die kritische Haltung seinem literarischen Schaffen gegenüber ist überraschend ehrlich und menschlich. Leitthema ist eine Wochendend-Romanze. Eine kurze Romanze ganz ohne Verpflichtungen, Druck und Zukunft. Während dieser Zeit kommt er ins Sinnieren und Erinnern. Die erste Hälfte des Buches ist recht schwerfällig zu lesen, aber ab der zweiten hat man sich an Form und Sprache gewöhnt und es wird dann richtig gut. Vor allem gefielen mir seine Erzählungen aus der Beziehung mit der Dichterin Ingeborg Bachmann, welche tragisch unerfüllt und von Eifersucht überschattet war. Man merkt, dass ihr frühes Ableben, einen grossen Einfluss auf seine späteren Beziehungen hatte. Auf seine geschiedene Ehe mit Marianne Frisch zieht er selbstkritisch Bilanz, bereut und trauert dieser Zeit doch als wahre grosse Liebe nach. Ein wirklich gutes und ehrliches Werk in einem sonderbaren Schreibstil.

Ehrlichestes Max Frisch Buch
Die Erzählung kann einem, gerade durch ihr Bruchstückhafte erzähl Art einem nur nahe gehen. Selten fühlt man sich so sehr einem Autor verbunden, wie hier Frisch. Mit keiner silbe zu viel reiht er vermeintlich wahrlose szenen aneinander, die in der Gesamtschau jedoch ein einzigartiges Bild seiner Person malen.
Ein Wochenende in Montauk, eine Affäre zwischen einer Frau und einem alternden Schriftsteller. Max Frisch erzählt authentisch, prägnant und sinnierend von einer Begegnung, die bewegt und Erinnerungen heraufbeschwört. Erinnerungen, die zu Betrachtungen werden über andere Lieben, prägende Menschen im Leben, die Bedeutung von Arbeit und den Sinn des Schreibens. Ich folge sehr gern dieser intimen, aber auch sehr sprunghaften Erzählweise, die es zeitweise nicht ganz einfach macht festzustellen, von welcher Liebe gerade die Rede ist. Kenntnisse über Frischs Biographie von Vorteil, allerdings geht's auch ohne. Macht Lust etwas mehr über Max Frisch und sein Werk zu erfahren.
Ok bitte ehrliche Hände hoch, wer das Buch wirklich voll genossen hat?
Ich versteh schon, die Idee von Max Frisch war ein Buch zu schreiben, dass sich eben nicht am Leser und dessen Vergnügen orientiert, aber ich hab mich durch die ersten 120 Seiten schon durchqueren müssen. Wegen der Bruchstückhaften Schreibweise ist der Text recht anstrengend zu lesen und viele Absätze erschließen sich eigentlich gar nicht. Ich glaube man muss halt wirklich in der Stimmung sein dafür und der morgendliche Weg in die Arbeit mit der U-Bahn war hier vielleicht auch nicht der richtige Leseort für mich.

Muss ich mit Frisch’s Biografie vertraut sein um das Buch zu verstehen oder damit etwas anfangen zu können? NEIN Selbst die kurzen Einblendungen von Momentaufnahmen - etwas wird gesagt, gefragt, eine Situation wird angerissen, ein Gedanke ausgeführt - geben Auskunft über ein ganzes Universum. In den Instrospektiven, den Satzverknappungen, kurzen Blitzlichtern, erinnert er mich stark in Tonalität und Stimmung an Arno Schmidt. Die Zeit - ein verlängertes Wochenende mit Geliebter Lynn, Undine, wird durch Erinnerungen und Reflektionen gedehnt. Getreckte Trostlosigkeit, gestreckte “Melancholie der Ortlosigkeit“, gestrecktes Bedürfnis, „das der Hand nicht zusteht“. „Standhalten dem Licht, der Freude dem Wissen, dass ich erlösche im Licht….standhalten der Zeit. Beziehungsweise Ewigkeit im Augenblick. Ewig sein:gewesen sein.“ Wie gut habe ich Max Frisch nur durch das Buch kennengelernt? Vater Architekt (kein Studium), Bildung von Max Frisch wurde gefördert, Familie hatte lebenslange Geldsorgen. Max Frisch: Studium Germanistik – erstes Theaterstück, Schreibjobs, die wenig Geld abwerfen. Architekturstudium: Arbeit in diesem Beruf- die finanzielle Grundversorgung stimmt. Ehen, ja da blick ich nicht ganz durch, waren es 3?, mehrere Liebschaften. Hat ein distanziertes Verhältnis zu seinen Kindern, liebt Frauen mit langen Haaren und einem Freiheitsdrang (Ingeborg Bachmann)- ist trotz spätem Reichtum seiner sozialistischen Einstellung treu geblieben- Geld war nie Machtinstrument für ihn. Eine Freundschaft mit dem reichen, gebildeten W., die ihn, in seinem „ich bin Nichts“-Modus bestärkt. Warum wirkt dieser Mann auf andere unnahbar, kühl, arrogant, selbstbezogen? „Schriftsteller scheut sich vor Gefühlen, die zur Veröffentlichung nicht taugen und wartet dann auf seine Ironie. Er erlebt ungern, was er keinesfalls in Worte bringen kann.“ „..kein Schriftsteller mit großer Fantasie. Deswegen kann er sich gewisse Emotionen gar nicht leisten, weil sonst die Gefahr besteht, dass er sie abermals beschreibt als Emotionen einer Figur. Er muss gewisse Tatbestände, wenn sie sich sich in seinem Leben wiederholen anders verarbeiten – um Schriftsteller zu bleiben. “ Dieser Mensch ist zutiefst verunsichert, hat Angst vor Redundanzen auf Grund seiner Unzulänglichkeiten, Angst vor Gefühlen, da er glaubt keine Worte dafür zu finden. Er referenziert auf Kafkas der Prozess: ein Traum- er wird hingerichtet. Frisch richtet sich selbst. Er, zeitlebens sein größter Kritiker. Außerdem ist es auch ziemlich ätzend in der Sauna als öffentlicher Mensch erkannt zu werden. Warum hat er die Ehen und Beziehungen auf die lange Strecke immer verkackt? „Sie wird gebraucht unsere Schuld. Sie rechtfertigt viel im Leben anderer“ „Nur mein Verhalten von Anfang an und von Tag zu Tag hat eine kluge Frau verleiten können zu der Meinung ihre Selbstverwirklicheung sei Sache des Mannes, der Männer“ „...diese Blicke, wenn es für beide kein Geheimnis mehr ist, ihr tiefes Verbundensein ohne Wohlgefallen.“ „… mein Entwurf [hat er für jede Frau] hat etwas Zwingendes….es sind nicht die Frauen, die mich hinters Licht führen, das bin ich selber.“ „Noch hat er sie nicht verwöhnt durch seine Selbstbezichtigungen“ Es öffnet sich ein komplexes Konstrukt aus Rollenerwartungen, Selbstbild und der Dynamik von Macht und Verantwortung. Wir wissen: Frisch zog es zu intelligenten Frauen. Er selbst hat sich nie den sozialen Codes, den Rollenerwartungen gebeugt. Das Buch enthält zur Einordnung dessen, eine eindrucksvolle Restaurantszene, in der es ums Feuer geben geht. Ich liebe den Mann für diese Reaktion! Buch lesen, wer mehr wissen möchte. Er hat es ebenso an Frauen geliebt, wenn sie eigenwillig und frei waren. Dies drückt er sehr deutlich an den Beschreibungen zu Ingeborg Bachmann aus. Allerdings lebte Frisch in einer Zeit, in der das Männchen nur männlich ist, wenn es die edle Dame ausführt, den Diener der Dame spielt und über finanzielle Mittel verfügt. Man kann sagen, er war ein emanzipierter Mann, der seiner Zeit weit voraus war und keine Probleme damit hatte, wenn die Damen ihn aushalten. Hat ihn dann mal eben die erste Beziehung gekostet. Diese Emanzipation brachte ihm weiteren Ärger im öffentlichen Verhalten ein. Sein ambivalentes Verhalten, zwischen Selbstbezichtigungen und Selbstherrlichkeit, einer übersteigerten Empfindlichkeit, scheint langfristig einen drastischen Impact auf die Psyche der Damen gehabt zu haben. Auf ihn ebenso. Geht Frisch in die Rolle des Schuldigen, wird er es auch irgendwann für den gesamten Lebensentwurf der Dame. Dass seine Entwürfe nicht aufgehen, ist ebenfalls logisch. Er gibt sich der Illusion einer Person hin, die dieses Illusionsbild spiegelt und beide Parteien merken erst viel zu spät, dass sie sich selbst hinters Licht geführt haben. Im Kontext der Zeit und deren sozialem Code: der Mann hat Verantwortung für die Frau – die Machtstruktur ist damit gesetzt- wirkt Frisch’s Verhalten völlig revolutionär. Da ist ein Mann mit hochexlosivem, emotionalem Potential. Dass das mit Frau Bachmann nicht gut ging, ist auch klar, zumal die beiden sich ganz herzallerliebste manipulative, psychologische Spielchen geleistet haben. Bachmann hat ihm den Stecker der Macht jedenfalls gezogen. Er wurde bei vielem außen vor gehalten. „Ihr Verständnis füreinander, das wäre das Begräbnis unseres Selbstverständnisses. Ihre Freiheit ist ihr Glanz. Die Eifersucht ist der Preis von meiner Seite.“ Sie wäre eigentlich eine Frau gewesen, die ihn im Griff gehabt hätte, wären da nicht ihre eigenen Problemchen und die Tablettensucht.... Um das Beziehungsdilemma abzukürzen, können wir auch gerne die griechische Philosophie bemühen: MÄßIGUNG!! Nun komme ich zum Kernpunkt des Buches, der den Reflexionen den Überbau beschert: „Es ist allerlei was er nicht vergisst in dieser dünnen Gegenwart“ Eine dünne Gegenwart, ohne Fülle, fragil, ist positiv. In ihr reflektiere ich, kann in mich gehen. Nicht vergessen ist gut. Erinnern, Schmerz aushalten, verstehen, einsehen, heilen? Ja Max Frisch, ich weiß, du willst nicht erinnern. Aber sie ist leer. Der Strand, das Meer, Möwen, leben spendende Sonne, blendende Sonne, falsche Farben, falsches Licht, eine Frau, ein Leib, nah und fremd, nur da um die Einsamkeit in die Warteschlange zu schicken, Angst, Melancholie, Versagen. Standhalten der Zeit – nicht durch eine dünne Gegenwart- Fülle, Wie? Wo? Ein faltiger alter Arsch, die Angst das Gedächtnis zu verlieren, alt werden- Scheiße- keine Spiele mehr. Für mich ein Appell: Gestatte Dir die Fragilität der Gegenwart um Erkenntnis zu gewinnen und dann zeichne die Gegenwart mit einem dicken Pinsel!Mal über die Ränder hinaus! Vergib Dir! Ehrlichkeit! Kein Vorhang fällt – keine Show ist vorbei – Mensch besteht vor sich im Leben, im erlöschen des Lichtes, einzig und allein durch EHRLICHKEIT. Meine Verneigung Max Frisch. Dieses Buch hat mich sehr viel gelehrt, beeindruckt und dankbar gemacht.
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In seinem berührendsten Werk erzählt Max Frisch von einem Wochenende am Meer, von Lynn und Max und von der Vergänglichkeit der Liebe.
»Ich möchte diesen Tag beschreiben, nichts als diesen Tag, unser Wochenende und wie's dazu gekommen ist, wie es weiter verläuft. Ich möchte erzählen können, ohne irgendetwas dabei zu erfinden.« Max Frisch
Book Information
Author Description
Max Frisch, geboren am 15. Mai 1911 in Zürich, arbeitete zunächst als Journalist, später als Architekt, bis ihm mit seinem Roman Stiller (1954) der Durchbruch als Schriftsteller gelang. Es folgten die Romane Homo faber (1957) und Mein Name sei Gantenbein (1964) sowie Erzählungen, Tagebücher, Theaterstücke, Hörspiele und Essays. Frisch starb am 4. April 1991 in Zürich.
Posts
Intensiv und emotional in Schrift und Form. Frisch über sein Liebesleben mit Fetzen aus Tagebuch und Erinnerungen …
… und das auf so wenig Seiten. Wie eine Extraktion aus einem so mannigfaltigen Leben. Der Schreibstil, bekannt gewöhnungsbedürftig, wirkt so (F)risch, so anders, so klug, denn der Autor reiht nahezu wahllos Anekdoten aus seinem Leben aneinander. Das geht schnell, hin und her wie kreuz und quer, bis man langsam dahinter kommt, dass es so garnicht wahllos ist. Eher vergleicht der Autor Geschehnisse und Beziehungen aus seinem Leben miteinander. Er versucht, mit seiner Bericht-ähnlichen Erzählung Parallelen zu finden. Auf ein Ergebnis zu kommen, eine Bilanz zu ziehen. Er zeigt auf kluge Weise, wie sein Charakter, sein Denken über Partnerschaft und seine Beziehung zur Liebe ist. Das kommt anfangs sehr klobig und wirr herüber, aber die Genialität und die Emotionen dahinter, erkennt man ganz allmählich im Leseverlauf. Man lernt hier einen sehr selbstkritischen und vom Leben überrumpelten Max Frisch kennen. Auch die kritische Haltung seinem literarischen Schaffen gegenüber ist überraschend ehrlich und menschlich. Leitthema ist eine Wochendend-Romanze. Eine kurze Romanze ganz ohne Verpflichtungen, Druck und Zukunft. Während dieser Zeit kommt er ins Sinnieren und Erinnern. Die erste Hälfte des Buches ist recht schwerfällig zu lesen, aber ab der zweiten hat man sich an Form und Sprache gewöhnt und es wird dann richtig gut. Vor allem gefielen mir seine Erzählungen aus der Beziehung mit der Dichterin Ingeborg Bachmann, welche tragisch unerfüllt und von Eifersucht überschattet war. Man merkt, dass ihr frühes Ableben, einen grossen Einfluss auf seine späteren Beziehungen hatte. Auf seine geschiedene Ehe mit Marianne Frisch zieht er selbstkritisch Bilanz, bereut und trauert dieser Zeit doch als wahre grosse Liebe nach. Ein wirklich gutes und ehrliches Werk in einem sonderbaren Schreibstil.

Ehrlichestes Max Frisch Buch
Die Erzählung kann einem, gerade durch ihr Bruchstückhafte erzähl Art einem nur nahe gehen. Selten fühlt man sich so sehr einem Autor verbunden, wie hier Frisch. Mit keiner silbe zu viel reiht er vermeintlich wahrlose szenen aneinander, die in der Gesamtschau jedoch ein einzigartiges Bild seiner Person malen.
Ein Wochenende in Montauk, eine Affäre zwischen einer Frau und einem alternden Schriftsteller. Max Frisch erzählt authentisch, prägnant und sinnierend von einer Begegnung, die bewegt und Erinnerungen heraufbeschwört. Erinnerungen, die zu Betrachtungen werden über andere Lieben, prägende Menschen im Leben, die Bedeutung von Arbeit und den Sinn des Schreibens. Ich folge sehr gern dieser intimen, aber auch sehr sprunghaften Erzählweise, die es zeitweise nicht ganz einfach macht festzustellen, von welcher Liebe gerade die Rede ist. Kenntnisse über Frischs Biographie von Vorteil, allerdings geht's auch ohne. Macht Lust etwas mehr über Max Frisch und sein Werk zu erfahren.
Ok bitte ehrliche Hände hoch, wer das Buch wirklich voll genossen hat?
Ich versteh schon, die Idee von Max Frisch war ein Buch zu schreiben, dass sich eben nicht am Leser und dessen Vergnügen orientiert, aber ich hab mich durch die ersten 120 Seiten schon durchqueren müssen. Wegen der Bruchstückhaften Schreibweise ist der Text recht anstrengend zu lesen und viele Absätze erschließen sich eigentlich gar nicht. Ich glaube man muss halt wirklich in der Stimmung sein dafür und der morgendliche Weg in die Arbeit mit der U-Bahn war hier vielleicht auch nicht der richtige Leseort für mich.

Muss ich mit Frisch’s Biografie vertraut sein um das Buch zu verstehen oder damit etwas anfangen zu können? NEIN Selbst die kurzen Einblendungen von Momentaufnahmen - etwas wird gesagt, gefragt, eine Situation wird angerissen, ein Gedanke ausgeführt - geben Auskunft über ein ganzes Universum. In den Instrospektiven, den Satzverknappungen, kurzen Blitzlichtern, erinnert er mich stark in Tonalität und Stimmung an Arno Schmidt. Die Zeit - ein verlängertes Wochenende mit Geliebter Lynn, Undine, wird durch Erinnerungen und Reflektionen gedehnt. Getreckte Trostlosigkeit, gestreckte “Melancholie der Ortlosigkeit“, gestrecktes Bedürfnis, „das der Hand nicht zusteht“. „Standhalten dem Licht, der Freude dem Wissen, dass ich erlösche im Licht….standhalten der Zeit. Beziehungsweise Ewigkeit im Augenblick. Ewig sein:gewesen sein.“ Wie gut habe ich Max Frisch nur durch das Buch kennengelernt? Vater Architekt (kein Studium), Bildung von Max Frisch wurde gefördert, Familie hatte lebenslange Geldsorgen. Max Frisch: Studium Germanistik – erstes Theaterstück, Schreibjobs, die wenig Geld abwerfen. Architekturstudium: Arbeit in diesem Beruf- die finanzielle Grundversorgung stimmt. Ehen, ja da blick ich nicht ganz durch, waren es 3?, mehrere Liebschaften. Hat ein distanziertes Verhältnis zu seinen Kindern, liebt Frauen mit langen Haaren und einem Freiheitsdrang (Ingeborg Bachmann)- ist trotz spätem Reichtum seiner sozialistischen Einstellung treu geblieben- Geld war nie Machtinstrument für ihn. Eine Freundschaft mit dem reichen, gebildeten W., die ihn, in seinem „ich bin Nichts“-Modus bestärkt. Warum wirkt dieser Mann auf andere unnahbar, kühl, arrogant, selbstbezogen? „Schriftsteller scheut sich vor Gefühlen, die zur Veröffentlichung nicht taugen und wartet dann auf seine Ironie. Er erlebt ungern, was er keinesfalls in Worte bringen kann.“ „..kein Schriftsteller mit großer Fantasie. Deswegen kann er sich gewisse Emotionen gar nicht leisten, weil sonst die Gefahr besteht, dass er sie abermals beschreibt als Emotionen einer Figur. Er muss gewisse Tatbestände, wenn sie sich sich in seinem Leben wiederholen anders verarbeiten – um Schriftsteller zu bleiben. “ Dieser Mensch ist zutiefst verunsichert, hat Angst vor Redundanzen auf Grund seiner Unzulänglichkeiten, Angst vor Gefühlen, da er glaubt keine Worte dafür zu finden. Er referenziert auf Kafkas der Prozess: ein Traum- er wird hingerichtet. Frisch richtet sich selbst. Er, zeitlebens sein größter Kritiker. Außerdem ist es auch ziemlich ätzend in der Sauna als öffentlicher Mensch erkannt zu werden. Warum hat er die Ehen und Beziehungen auf die lange Strecke immer verkackt? „Sie wird gebraucht unsere Schuld. Sie rechtfertigt viel im Leben anderer“ „Nur mein Verhalten von Anfang an und von Tag zu Tag hat eine kluge Frau verleiten können zu der Meinung ihre Selbstverwirklicheung sei Sache des Mannes, der Männer“ „...diese Blicke, wenn es für beide kein Geheimnis mehr ist, ihr tiefes Verbundensein ohne Wohlgefallen.“ „… mein Entwurf [hat er für jede Frau] hat etwas Zwingendes….es sind nicht die Frauen, die mich hinters Licht führen, das bin ich selber.“ „Noch hat er sie nicht verwöhnt durch seine Selbstbezichtigungen“ Es öffnet sich ein komplexes Konstrukt aus Rollenerwartungen, Selbstbild und der Dynamik von Macht und Verantwortung. Wir wissen: Frisch zog es zu intelligenten Frauen. Er selbst hat sich nie den sozialen Codes, den Rollenerwartungen gebeugt. Das Buch enthält zur Einordnung dessen, eine eindrucksvolle Restaurantszene, in der es ums Feuer geben geht. Ich liebe den Mann für diese Reaktion! Buch lesen, wer mehr wissen möchte. Er hat es ebenso an Frauen geliebt, wenn sie eigenwillig und frei waren. Dies drückt er sehr deutlich an den Beschreibungen zu Ingeborg Bachmann aus. Allerdings lebte Frisch in einer Zeit, in der das Männchen nur männlich ist, wenn es die edle Dame ausführt, den Diener der Dame spielt und über finanzielle Mittel verfügt. Man kann sagen, er war ein emanzipierter Mann, der seiner Zeit weit voraus war und keine Probleme damit hatte, wenn die Damen ihn aushalten. Hat ihn dann mal eben die erste Beziehung gekostet. Diese Emanzipation brachte ihm weiteren Ärger im öffentlichen Verhalten ein. Sein ambivalentes Verhalten, zwischen Selbstbezichtigungen und Selbstherrlichkeit, einer übersteigerten Empfindlichkeit, scheint langfristig einen drastischen Impact auf die Psyche der Damen gehabt zu haben. Auf ihn ebenso. Geht Frisch in die Rolle des Schuldigen, wird er es auch irgendwann für den gesamten Lebensentwurf der Dame. Dass seine Entwürfe nicht aufgehen, ist ebenfalls logisch. Er gibt sich der Illusion einer Person hin, die dieses Illusionsbild spiegelt und beide Parteien merken erst viel zu spät, dass sie sich selbst hinters Licht geführt haben. Im Kontext der Zeit und deren sozialem Code: der Mann hat Verantwortung für die Frau – die Machtstruktur ist damit gesetzt- wirkt Frisch’s Verhalten völlig revolutionär. Da ist ein Mann mit hochexlosivem, emotionalem Potential. Dass das mit Frau Bachmann nicht gut ging, ist auch klar, zumal die beiden sich ganz herzallerliebste manipulative, psychologische Spielchen geleistet haben. Bachmann hat ihm den Stecker der Macht jedenfalls gezogen. Er wurde bei vielem außen vor gehalten. „Ihr Verständnis füreinander, das wäre das Begräbnis unseres Selbstverständnisses. Ihre Freiheit ist ihr Glanz. Die Eifersucht ist der Preis von meiner Seite.“ Sie wäre eigentlich eine Frau gewesen, die ihn im Griff gehabt hätte, wären da nicht ihre eigenen Problemchen und die Tablettensucht.... Um das Beziehungsdilemma abzukürzen, können wir auch gerne die griechische Philosophie bemühen: MÄßIGUNG!! Nun komme ich zum Kernpunkt des Buches, der den Reflexionen den Überbau beschert: „Es ist allerlei was er nicht vergisst in dieser dünnen Gegenwart“ Eine dünne Gegenwart, ohne Fülle, fragil, ist positiv. In ihr reflektiere ich, kann in mich gehen. Nicht vergessen ist gut. Erinnern, Schmerz aushalten, verstehen, einsehen, heilen? Ja Max Frisch, ich weiß, du willst nicht erinnern. Aber sie ist leer. Der Strand, das Meer, Möwen, leben spendende Sonne, blendende Sonne, falsche Farben, falsches Licht, eine Frau, ein Leib, nah und fremd, nur da um die Einsamkeit in die Warteschlange zu schicken, Angst, Melancholie, Versagen. Standhalten der Zeit – nicht durch eine dünne Gegenwart- Fülle, Wie? Wo? Ein faltiger alter Arsch, die Angst das Gedächtnis zu verlieren, alt werden- Scheiße- keine Spiele mehr. Für mich ein Appell: Gestatte Dir die Fragilität der Gegenwart um Erkenntnis zu gewinnen und dann zeichne die Gegenwart mit einem dicken Pinsel!Mal über die Ränder hinaus! Vergib Dir! Ehrlichkeit! Kein Vorhang fällt – keine Show ist vorbei – Mensch besteht vor sich im Leben, im erlöschen des Lichtes, einzig und allein durch EHRLICHKEIT. Meine Verneigung Max Frisch. Dieses Buch hat mich sehr viel gelehrt, beeindruckt und dankbar gemacht.












