Medulla
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Description
Book Information
Author Description
VERENA GÜNTNER, 1978 in Ulm geboren, spielte nach ihrem Schauspielstudium viele Jahre am Theater. Ihr Debüt ›Es bringen‹ erschien 2014. Ihr zweiter Roman ›Power‹ wurde 2020 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und 2021 mit dem Schubart-Literaturförderpreis bedacht. Als Teil des feministischen Literaturkollektivs LIQUID CENTER gab Verena Güntner gemeinsam mit Elisabeth R. Hager und Julia Wolf 2024 den Kollektivroman ›Wir kommen‹ heraus. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Drei Paare, sechs Menschen, unterschiedliche Lebenswege und Wertvorstellungen. Die drei Paare sind lose befreundet, teilweise arbeiten sie zusammen. Siv ist Anfang 40 und will keine Kinder. Dann wird sie schwanger. Ihr Mann Jan hätte gern das Kind. Wer darf hier eigentlich entscheiden ob sie das Kind bekommt oder nicht? Leyla wollte immer Kinder haben, dann ist sie schwanger und alles wird anders. Will sie überhaupt den Weg gehen, den sie mit David zusammen eingeschlagen hat? Dann gibt es noch Esther und Jacob. Esther ist ebenfalls schwanger, permanent genervt von Jacob. Sie kann sich nicht auf das Kind freuen, stößt Jacob immer weiter von sich weg. Ein eindrucksvoller, sehr fordernder Roman, der bestimmt sehr polarisieren wird. Er lässt sich ganz wunderbar lesen, ich war sofort mitten drin. Die Sprache ist teilweise wunderbar poetisch, manchmal ist man so nah an den Personen dran, dass es fast weh tut. Moralisch außerordentlich komplex sind die Themen hier. Wer darf über das heranwachsende Kind entscheiden? Drei Frauen, die über sich und ihre Körper selbst bestimmen wollen. Doch in welcher Intensität ist das noch in Ordnung? Ist es okay zu betrügen, doch dann auf Kosten des eigenen Mannes zu leben? Wie weit kann man gehen? Verena Güntner bricht mit Konventionen, fordert die Leserschaft auf sich auch Gedanken abseits der „normalen“ Lebensweise zu machen. Und ja, am Ende geht es darum das Beste aus dem eigenen Leben zu machen. Wir alle haben unterschiedliche Werte und Grenzen. Das sollte toleriert werden. Ein sehr wichtiges, aufwühlendes Buch, das ich euch sehr gern empfehle. Es bleibt definitiv im Kopf!
Weibliche Selbstbestimmung ist ein absolutes Muss, da stimme ich voll und ganz zu, aber nicht so.
Die zugrundeliegende Thematik des Romans finde ich wichtig, gerade heutzutage, und ich fide auch, die Entscheidung darüber, was mit dem Körper einer Frau passiert, sollte ausschließlich bei der Frau selbst liegen. Nichtsdestotrotz gehören zu einer Beziehung zwei Leute und die sollten miteinander reden. Aber sinnvolle, erwachsene Kommunikation, ein Einander zuhören und versuchen zu verstehen, hab ich in dem Roman vergeblich gesucht. Dazu war mir der Schreibstil an vielen Stellen zu vulgär und der Schluss war einfach nur absurd. Tut mir Leid, aber das war wirklich nicht meins.
Selbstbestimmt über den eigenen Körper
3 Paare in Berlin. Im Zentrum sind die schwangeren Körper von Siv, Leyla und Esther. Siv will nicht Mutter werden, auch als sie schwanger ist. Sie liebt ihre Freiheit, auch sexuell. Ihr Partner Jan merkt mit ihrer Schwangerschaft, dass er Papa sein möchte. Leyla und David möchten unbedingt Eltern werden, bis Leyla schwanger ist und merkt, dass sie einfach ihren Körper zurück haben will. Leylas Kollegin, Esther, ist auch schwanger. Ihr Partner Jacob lebt jetzt schon die Elternschaft, die Partnerschaft driftet auseinander. Drei Frauen, die um ihre Selbstbestimmtheit und ihren eigenen Körper kämpfen. „Und war es nicht das, was alle machten? Kinder kriegen?“ Ganz großes Thema in diesem Buch sind die Beziehungsnormen, die man heutzutage leben sollte. Die drei Frauen zeigen auf, dass diese Normen aber nicht die Realität sind. Die Autorin schreibt offen über das Thema Schwangerschaftsabbruch, Kontrollverlust über den eigenen Körper und Fremdbestimmtheit durch das Umfeld. Auch wenn es hier hauptsächlich um die Frauen geht, gibt sie auch einen Einblick in die Gefühlswelt der Männer. Alle drei Beziehungen waren vorher schon nicht wirklich stabil, mit der jeweiligen Schwangerschaft brechen sie dann stückchenweise auseinander. Teilweise mit Humor, aber vorallem mit einer lauten Stimme schreibt Verena Güntner über die Rolle einer schwangeren Frau in der Gesellschaft, über das sexuelle Begehren und die Entscheidungen über den eigenen weiblichen Körper.
AUSBRECHEN? ABBRECHEN? ABTAUCHEN?
🧡MEDULLA von Verena Güntner🧡, erschienen bei DuMont, ET 16.09.2025, 260 Seiten ✨ Leseempfehlung ✨ AUSBRECHEN? ABBRECHEN? ABTAUCHEN? Worum geht‘s? Selbstbestimmung, Mutterschaft, Weiblichkeit, Kontrolle Mein Leseeindruck: Wer mir schon länger folgt, weiß, dass ich die Bücher von Daniela Krien sehr gerne lese und„Medulla“ hat mich sofort an die Bücher der Autorin erinnert. In ihrem Roman „Medulla“ verhandelt Verena Güntner gekonnt mit drei Paaren, die sich untereinander kennen, aufgeteilt in drei Kapiteln, die Themen Mutter- und Vaterschaft, Selbstfindung, Eheliche Gemeinschaften, Offene Beziehungen, Work-Life-Balance. Rau, hinterfragend, störrisch, teilweise rücksichtslos, ahnungslos, schonungslos, schweigsam. Die Frauen sind grob mit sich und anderen, die Männer taten mir mitunter wirklich leid, ehrlich gesagt. Jeder der einzelnen hegte einen Kinderwunsch, doch die Damen waren entweder zu offen, zu verschlossen, zu kontrollierend hinsichtlich ihrer Weiblichkeit. Drei Frauen, die sich den Annäherungen der Männer kompromisslos widersetzen und sich kontrolliert fühlen. Alle Beteiligten hatten so ihre Themen, verzerrte Wahrnehmungen und inneren Kämpfe…. Der Schreibstil ist literarisch präzise, mitreißend, gibt den Blick frei auf das Abstruse und Komische. Trotz schwerer Kost liest sich das Buch flüssig, hat die richtige Kraft und hallt nach, beschwert nicht, regt zum Nachdenken an. Die Handlungen empfand ich persönlich mitunter etwas wild, die Sprache derb, aber passend zum Buch. Cover und Titel finde ich gelungen und modern, Kapitellänge angenehm. Ich empfehle das Buch gerne weiter an Leser*innen dieses Genres. „Medulla“ ist eine Granate! Eure, Claudia Folge mir für mehr gute Buchempfehlungen! Like und speichere das Buch für dein nächstes Leseerlebnis!

Weibliche Perspektiven zum Nicht-Kimderwunsch.- Vertauschte Rollen
Dieses Buch ist ein Trip. Ein Trip in eine andere Gedankenwelt. Eine Welt, die ich in Teilen verstehen und nachvollziehen kann, die ich aber nicht lebe. Als Mutter mehrerer Kinder, als Frau, die sechs Mal schwanger war, kann ich dennoch oder vielleicht auch gerade deshalb verstehen, dass Frauen sich gegen Kinder entscheiden. Verena Güntner schafft ein Gesellschaftsportrait, dass gleichermaßen so real sein wie es dystopisch sein kann. Drei Paare in oberflächlich funktionierenden Beziehungen. Alle sehen sich mit dem Thema Kinder haben oder nicht konfrontiert. Ohne zu sehr zu Spoilern fand ich es vor allem spannend, wie hier mit Klischees gebrochen und das klassische Rollenbild umgekehrt wird. Als ich das Buch beendet habe, war ich erst fest der Meinung, dass mir das Buch nicht gefallen hat. Die negative Grundstimmung zog mich herunter, die Charaktere widerten mich an, blieben mir fremd. Je länger ich jedoch über das Buch nachdenke, ob nicht genau darin das Geniale steckt. Eine Geschichte, die keine Erwartungen erfüllt, die Tiefe in dei Wunde sticht, die Frauen seit Jahrhunderten fühlen. Daher spreche ich eine Empfehlung auf und kann nur raten, Lest das Buch in einem Buch-Club. In einer Leserunde. Diskutiert. Und wenn ihr es bereits gelesen habt, lasst mich an euren Gedanken teilhaben.
Berlin, Sommerhitze und drei Protagonistinnen, die sich durch ihre Wünschen und Lebenssituationen deutlich voneinander unterscheiden. Und doch haben Siv, Leyla und Esther eins gemeinsam: sie sind schwanger. Siv genießt ihre (sexuelle) Freiheit in vollen Zügen und hat noch nie einen Gedanken daran verschwendet, dass Mutterschaft erstrebenswert sein könnte. Leyla versucht hingegen schon seit Jahren schwanger zu werden und hat sich in diesem Zustand irgendwie eingerichtet. Esther merkt, dass ihr Partner sich deutlich stärker auf das Kind freut als sie und sie sich selbst alles andere als sicher ist, ob sie das alles will. Alle drei Frauen treffen Entscheidungen - für sich, für ihren Körper, für ihre Selbstbestimmung - und damit gegen Schwangerschaft, soziale Erwartungen und ihre Partner. Verena Güntner verbindet Fragen nach Körperlichkeit, Selbstbestimmung, Identität, Rollenbildern und Beziehungmodellen. Und gibt darauf keine einfachen Antworten. Vielmehr fordert sie die Lesenden heraus, indem sie vielschichtige, ambivalente Protagonistinnen zeichnet, die radikale Entscheidungen treffen, die nicht gefallen wollen und die keine Rücksicht auf ihre Partner nehmen. Damit stellt sich indirekt die Frage, ob dieses Verhalten „richtig“ ist? Wer darf im Falle einer Schwangerschaft bzw. beim Abbruch dieser entscheiden? Wer erwartet was von wem? Mich haben Siv, Leyla und Esther und ihre Entscheidungen lange intensiv beschäftigt. Eigentlich war ich mir sicher, uneingeschränkt für weibliche Selbstbestimmung zu sein. Denn wenn ein Kind im Körper einer Frau wächst, sollte es auch allein ihre Entscheidung sein, was mit dem Kind und ihrem Körper passiert. Oder ist es doch nicht so einfach? Oder handelt sie damit ebenso egoistisch und übergriffig wie vielfach Männer? „Medulla“ fordert genau diese Gedanken heraus und lässt Raum für Reflexion und Diskussion. Beschäftigt euch auch? Dann lest unbedingt dieses Buch!
Wer entscheidet?
Ich bin 100 % der Meinung, dass nur eine Frau darüber entscheiden darf, was mit ihrem Körper passiert. Dazu gehört auch die Entscheidung für oder gegen eine Schwangerschaft. Väter haben sich da nicht einzumischen – oder doch? Drei Frauen, drei Schwangerschaften. Svea um die 40, will kein Kind. Als sie schwanger wird entscheidet sie sich für eine Abtreibung mit der Pille , obwohl Jan, der Kindsvater, mit dem Siv in einer offenen Beziehung lebt, sich mit dem Gedanken auf Nachwuchs anfreundet. Obwohl er am Anfang gleichgültig tut, versucht er später zu intervenieren und das auf eine Art und Weise, die mehr als fragwürdig ist. Leyla und David wünschen sich ein Kind, aber es soll nicht klappen. Als sie schon fast aufgegeben haben wird Leyla schwanger und ihr Verlangen nach einem Baby wandelt sich. David, dessen Eltern im Hospiz liegen, versteht die Welt nicht mehr. Esther ist ebenfalls schwanger, von Jacob. Dieser beschäftigt sich mehr mit der Schwangerschaft als sie, motiviert sie zum Essen, sorgt dafür, dass nur Lebensmittel im Kühlschrank sind, die sie essen darf und besucht sogar ein Forum passend zum Thema. Esther weiß nicht ob sie ihr Kind lieben kann und stellt die Schwangerschaft infrage. Alle drei Frauen möchten die Macht über ihren Körper behalten und fühlen sich von dem Kind, das in ihnen wächst, bedroht und eingeengt. Auch die Gefühle gegenüber ihren Partnern, wandeln sich mit der Schwangerschaft sofort. Die Frage danach, wer über eine Fortführung oder einen Abbruch entscheidet. stellen Sie sich nicht , sondern Sie nehmen selbstverständlich für sich heraus Beratungsgespräche, Arzttermine und den Schwangerschaftsabbruch ohne Zustimmung oder Beteiligung durchzuführen. Ist das richtig? Die Frage habe ich mir während des Lesens oft gestellt. Meine Gefühle waren dabei durchaus ambivalent. Einerseits kann ich die Entscheidung der Selbstermächtigung total nachvollziehen. Das konsequente Handeln der Frauen hat mir imponiert, wenn ich mit ihnen auch nicht immer einer Meinung war. Sie waren raumgreifend, sehr egoistisch und ohne Rücksicht auf ihr Umfeld, also genau so wie man es sonst Männern zuschreibt. Diese wiederum waren emotionaler, die, die sich gekümmert haben, mit denen die Gefühle durchgingen, oder die sich in die Vaterrolle hinein gesehnt haben. Es war krass zu spüren, wie außen vor sie sind. Mir ist in in meinem hohen Alter zum ersten Mal bewusst geworden, wie isoliert sie sich während einer Schwangerschaft fühlen, wenn man sie nicht einbezieht, gleichzeitig aber auch wie übergriffig Männer agieren, wenn sie so tun, als wär das auch IHR Körper, weil auch IHR Kind in ihm wächst. Mir lieẞ das keine Ruhe, ich hab mich mit einem Freund darüber unterhalten und war erstaunt, dass für ihn sofort klar war, dass das die Frau zu entscheiden hat, hoch in einer festen Beziehung, ohne wenn und aber – der Mann aber jederzeit das Recht hat die Beziehung dann zu beenden. Wenn Lebenspläne in unterschiedliche Richtungen gehen, ist das die einzig logische Folge. Das klang in meinen Ohren richtig und sogar ein wenig versöhnlich. Auf den ersten 20 Seiten habe ich mich schwergetan mit dem Buch, weil ich in der Erwartung eines sehr ICH- zentrierten Werks war, à la Sally Rooney zB, mit der ich überhaupt nicht klarkomme. Doch Verena Güntner hatte mich schnell am Haken. Die unterschiedlichen Perspektiven auf Schwangerschaft, die Umkehrung, der Geschlechterrollen und die von der Norm abweichenden Lebensentwürfe hatten es mir dann doch irgendwie angetan. Richtig gut fand ich, dass die Frauen nicht erklären mussten, warum sie das Kind nicht wollten. Keine Rechtfertigung, keine verständnisheischende Moralwende! Auch die Enden der jeweiligen Teile fand ich sehr gut gelungen. Was mich allerdings meine Augen hat rollen lassen, ist, die Übersexualisierung dieses Textes. Ob Promiskuität zur Lösung der Probleme beiträgt – ich weiß es nicht… und man wird ja wohl auch mal ohne klarkommen, wenn es gerade an der anderen Seite brennt. Klar, verstehe ich auch, dass es darum ging, über seinen eigenen Körper zu bestimmen. Aber eine neue Frisur oder ein Tattoo hätte vielleicht einfach gereicht. Ich bin sehr froh, an das Thema Kinder, Schwangerschaft und Partnerschaft anders herangegangen zu sein, es war nicht immer einfach, und die Rolle als Mutter nimmt schon einen großen Raum ein. Aber ich hab mir nie meine Autonomie rauben lassen. Ich glaube, mir ist es schon gelungen, eine gute Mutter zu sein und trotzdem ich selbst zu bleiben! Glücklich wirkten die Frauen in diesem Roman auf mich nicht. Und auch Jan, David, und Jacob waren nicht gerade Sympathieträger. Ein bisschen bleibt dann doch das Gefühl, dass sie ihre eigentlichen Probleme nicht angegangen sind. Aber durch die Entscheidung gegen ein Kind haben sie sie hoffentlich nicht größer gemacht und zusätzlich einen Menschen in die Welt gesetzt der diese mitschultern muss. Der Roman hat mich auf jeden Fall sehr beschäftigt und die Fragen, die sich im Spannungsfeld Kinderwunsch beziehungsweise Schwangerschaftsabbruch aufgetan haben, haben mir zu ein paar interessanten Gespräche verholfen. Ich empfehle das Buch Allen die den Perspektivwechsel lieben und die Moralkeule im Schrank lassen können.
Nicht mein Fall…
Ein leichter und angenehmer Schreibstil. Eine Geschichte über drei Pärchen, die alle dasselbe Schicksal verbindet: eine Schwangerschaft, das bevorstehende Elternsein, oder auch nicht. Das Motiv Selbstbestimmung zieht sich durch das ganze Buch. Leider haben mir ALLE Protagonisten nicht zugesagt. Ich fand alle unsympathisch und auch die Handlungen und Entscheidungen sehr fragwürdig. Somit konnte mich das Buch leider nicht überzeugen.
Verena Güntners Roman „Medulla“ ist ein kraftvolles, unbequemes und zugleich befreiendes Buch über Selbstbestimmung, gesellschaftliche Erwartungen und den Preis, den Frauen zahlen, wenn sie sich diesen Erwartungen widersetzen. Im Zentrum stehen drei Paare in Berlin, drei Frauen – Siv, Leyla und Esther – und die Frage, was eine Schwangerschaft mit ihrem Leben, ihren Beziehungen und ihrem Selbstbild macht. Siv, Anfang vierzig, hat für sich entschieden, keine Kinder zu wollen. Selbst eine überraschende Schwangerschaft ändert daran nichts – sehr zum Unverständnis ihres Partners Jan, der sich ausgeschlossen und ohnmächtig fühlt. Leyla wiederum, die lange vergeblich versucht hat, schwanger zu werden, spürt plötzlich, dass sie ihre Entscheidung bereut: Sie will ihren Körper zurück, nicht das Kind. Esther, hochschwanger und umgeben von der Fürsorge ihres Partners Jacob, fühlt nur Abwesenheit und Leere – und die Sehnsucht, das Kind möge verschwinden. Güntner zeichnet diese Figuren mit literarischer Präzision, vielschichtig und voller Widersprüche. Ihre Frauen sind stark und verletzlich, kompromisslos und manchmal ungerecht – aber vor allem sind sie frei in ihren Entscheidungen, egal wie unbequem diese für ihr Umfeld sind. Der Roman lotet damit die Bruchstellen zwischen individuellen Lebensentwürfen und gesellschaftlichen Normen aus: dem Mythos der glücklichen Mutterschaft, der Vorstellung vom „natürlichen“ Kinderwunsch und dem Anspruch der Männer, ein Mitspracherecht über den weiblichen Körper zu haben. Stilistisch überzeugt Güntner durch eine direkte, dialogreiche Sprache, die einen mitten ins Geschehen zieht. Oft möchte man in die Gespräche eingreifen, widersprechen, Partei ergreifen. Dabei wechseln sich Momente von bitterem Ernst mit Szenen voller abgründigem Humor ab. Die Realität verrutscht immer wieder ins Surreale, ins Schräge, was den Roman nicht nur gesellschaftspolitisch relevant, sondern auch literarisch reizvoll macht. „Medulla“ ist keine leichte Lektüre, aber eine notwendige. Es ist ein Roman, der Tabus wie Schwangerschaftsabbruch, Regretting Motherhood und bewusste Kinderlosigkeit ins Zentrum rückt – Themen, über die noch immer zu selten offen gesprochen wird. Dass Güntner dies so kompromisslos und gleichzeitig voller Empathie tut, macht das Buch zu einem der wichtigsten feministischen Texte der Gegenwartsliteratur. Ein Roman, der aufwühlt, nachhallt und Diskussionen provoziert. Verena Güntner zeigt mit „Medulla“, dass Selbstbestimmung kein Schönwetterthema ist, sondern eine existenzielle Frage. Ein mutiges, kluges und eindringliches Buch – unbedingt lesenswert.

Vielschichtig und eindringlich – ein Roman, der Raum zum Nachdenken gibt
Medula hat mir sehr gut gefallen. Besonders eindrucksvoll fand ich die unterschiedlichen Blickwinkel auf eine gemeinsame und doch so ungleiche Situation. Die Autorin zeigt verschiedene Lebensrealitäten auf eine eindringliche Weise und schafft dabei Raum, um zwischen den Szenen selbst nachzudenken – über die Figuren, ihre Gefühle und die Atmosphäre, die zwischen den Zeilen entsteht. Genau dieser Freiraum macht das Buch für mich so besonders und nachhaltig.
Medulla von Verena Güntner Dieses Buch hat mich beschäftigt und zwar nicht nur während des Lesens. Medulla ist intensiv und manchmal richtig unangenehm, aber genau das macht es so stark. Es geht um Schwangerschaft, um Kontrolle und darum, wie sich der eigene Körper anfühlt, wenn er plötzlich nicht mehr ganz einem selbst gehört. Ich fand es beeindruckend, wie Verena Güntner über Themen schreibt, über die sonst kaum jemand so ehrlich spricht. Sie zeigt Schwangerschaft nicht als reine Glückserfahrung, sondern als Zustand voller Zweifel, Angst, Schmerz und körperlicher Entfremdung. Gleichzeitig steckt darin so viel Wucht, Selbstbehauptung und Klarheit, dass man gar nicht anders kann, als weiterzulesen. Es gibt Stellen, die schwer auszuhalten sind, aber auch Momente, in denen man das Gefühl hat: Genau so ist es. Medulla ist kein Wohlfühlbuch, sondern eines, das etwas in Bewegung setzt. Es zeigt, was passiert, wenn der Körper zum Mittelpunkt einer Erfahrung wird, über die alle reden, aber kaum jemand wirklich ehrlich schreibt. ★★★★☆ (4 von 5 Sternen)
Ein sehr gelungener Umgang mit einem wichtigen Thema, über das ich mir vorher kaum Gedanken gemacht habe, das mir aber immer wieder im Hinterkopf begegnet ist. Die drei Geschichten verschiedener Paare fand ich interessant aufgebaut. Mit dem Schreibstil bin ich allerdings nicht richtig warm geworden und teilweise wurden mir zu viele eher belanglose Details erzählt. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass genau diese Alltäglichkeit bewusst so gewählt war.
Hitze, Körper, Neuanfang
Ein heißer Berliner Sommer legt sich wie eine klebrige Haut über die Stadt, und plötzlich ist alles in Bewegung. Die Wege von Siv, Leyla und Esther beginnen zu flirren, jede von ihnen tastet sich durch eine Mischung aus Sehnsucht, Trotz und leiser Erschöpfung. Die Autorin führt nah an die Körper heran, an ihre atmenden Zweifel und an das Verlangen nach etwas, das größer wirkt als der Alltag. Dabei entfaltet sich eine Sprache, die weich und sinnlich bleibt, ohne sich jemals aufzudrängen. Mit jeder Szene entstehen Bilder, die fast schmerzhaft klar sind: das offene Fenster über der erhitzten Straße, Schweiß, der nach Sommer riecht, und ein Herzschlag, der sich wie ein pochender Gegenrhythmus gegen ein vertrautes Leben stemmt. Diese Momente tragen eine Zartheit in sich, die sich unauffällig in die eigenen Gedanken einschreibt. Zugleich wohnt ihnen eine stille Wut inne, die den Mut zum Aufbruch nährt. Besonders berührt hat mich die Art, wie Güntner die drei Frauen weder idealisiert noch bricht. Alles wirkt verletzlich und dennoch entschlossen, voller Widersprüche, aber niemals unverständlich. An wenigen Stellen verlieren die Perspektivwechsel etwas an Präzision, und die Erzählung hätte punktuell mehr Strenge vertragen. Doch das schmälert kaum die Kraft des Romans. Am Ende bleibt das Gefühl, Zeugin eines inneren Erwachens geworden zu sein. Medulla erzählt nicht nur vom Verlassen alter Pfade, sondern vom Finden einer Stimme, die lange verschüttet war. Ein warmes, forderndes Buch, das nachglüht und den Mut zum eigenen Neubeginn spürbar macht.

Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
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Book Information
Author Description
VERENA GÜNTNER, 1978 in Ulm geboren, spielte nach ihrem Schauspielstudium viele Jahre am Theater. Ihr Debüt ›Es bringen‹ erschien 2014. Ihr zweiter Roman ›Power‹ wurde 2020 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und 2021 mit dem Schubart-Literaturförderpreis bedacht. Als Teil des feministischen Literaturkollektivs LIQUID CENTER gab Verena Güntner gemeinsam mit Elisabeth R. Hager und Julia Wolf 2024 den Kollektivroman ›Wir kommen‹ heraus. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.
Posts
Drei Paare, sechs Menschen, unterschiedliche Lebenswege und Wertvorstellungen. Die drei Paare sind lose befreundet, teilweise arbeiten sie zusammen. Siv ist Anfang 40 und will keine Kinder. Dann wird sie schwanger. Ihr Mann Jan hätte gern das Kind. Wer darf hier eigentlich entscheiden ob sie das Kind bekommt oder nicht? Leyla wollte immer Kinder haben, dann ist sie schwanger und alles wird anders. Will sie überhaupt den Weg gehen, den sie mit David zusammen eingeschlagen hat? Dann gibt es noch Esther und Jacob. Esther ist ebenfalls schwanger, permanent genervt von Jacob. Sie kann sich nicht auf das Kind freuen, stößt Jacob immer weiter von sich weg. Ein eindrucksvoller, sehr fordernder Roman, der bestimmt sehr polarisieren wird. Er lässt sich ganz wunderbar lesen, ich war sofort mitten drin. Die Sprache ist teilweise wunderbar poetisch, manchmal ist man so nah an den Personen dran, dass es fast weh tut. Moralisch außerordentlich komplex sind die Themen hier. Wer darf über das heranwachsende Kind entscheiden? Drei Frauen, die über sich und ihre Körper selbst bestimmen wollen. Doch in welcher Intensität ist das noch in Ordnung? Ist es okay zu betrügen, doch dann auf Kosten des eigenen Mannes zu leben? Wie weit kann man gehen? Verena Güntner bricht mit Konventionen, fordert die Leserschaft auf sich auch Gedanken abseits der „normalen“ Lebensweise zu machen. Und ja, am Ende geht es darum das Beste aus dem eigenen Leben zu machen. Wir alle haben unterschiedliche Werte und Grenzen. Das sollte toleriert werden. Ein sehr wichtiges, aufwühlendes Buch, das ich euch sehr gern empfehle. Es bleibt definitiv im Kopf!
Weibliche Selbstbestimmung ist ein absolutes Muss, da stimme ich voll und ganz zu, aber nicht so.
Die zugrundeliegende Thematik des Romans finde ich wichtig, gerade heutzutage, und ich fide auch, die Entscheidung darüber, was mit dem Körper einer Frau passiert, sollte ausschließlich bei der Frau selbst liegen. Nichtsdestotrotz gehören zu einer Beziehung zwei Leute und die sollten miteinander reden. Aber sinnvolle, erwachsene Kommunikation, ein Einander zuhören und versuchen zu verstehen, hab ich in dem Roman vergeblich gesucht. Dazu war mir der Schreibstil an vielen Stellen zu vulgär und der Schluss war einfach nur absurd. Tut mir Leid, aber das war wirklich nicht meins.
Selbstbestimmt über den eigenen Körper
3 Paare in Berlin. Im Zentrum sind die schwangeren Körper von Siv, Leyla und Esther. Siv will nicht Mutter werden, auch als sie schwanger ist. Sie liebt ihre Freiheit, auch sexuell. Ihr Partner Jan merkt mit ihrer Schwangerschaft, dass er Papa sein möchte. Leyla und David möchten unbedingt Eltern werden, bis Leyla schwanger ist und merkt, dass sie einfach ihren Körper zurück haben will. Leylas Kollegin, Esther, ist auch schwanger. Ihr Partner Jacob lebt jetzt schon die Elternschaft, die Partnerschaft driftet auseinander. Drei Frauen, die um ihre Selbstbestimmtheit und ihren eigenen Körper kämpfen. „Und war es nicht das, was alle machten? Kinder kriegen?“ Ganz großes Thema in diesem Buch sind die Beziehungsnormen, die man heutzutage leben sollte. Die drei Frauen zeigen auf, dass diese Normen aber nicht die Realität sind. Die Autorin schreibt offen über das Thema Schwangerschaftsabbruch, Kontrollverlust über den eigenen Körper und Fremdbestimmtheit durch das Umfeld. Auch wenn es hier hauptsächlich um die Frauen geht, gibt sie auch einen Einblick in die Gefühlswelt der Männer. Alle drei Beziehungen waren vorher schon nicht wirklich stabil, mit der jeweiligen Schwangerschaft brechen sie dann stückchenweise auseinander. Teilweise mit Humor, aber vorallem mit einer lauten Stimme schreibt Verena Güntner über die Rolle einer schwangeren Frau in der Gesellschaft, über das sexuelle Begehren und die Entscheidungen über den eigenen weiblichen Körper.
AUSBRECHEN? ABBRECHEN? ABTAUCHEN?
🧡MEDULLA von Verena Güntner🧡, erschienen bei DuMont, ET 16.09.2025, 260 Seiten ✨ Leseempfehlung ✨ AUSBRECHEN? ABBRECHEN? ABTAUCHEN? Worum geht‘s? Selbstbestimmung, Mutterschaft, Weiblichkeit, Kontrolle Mein Leseeindruck: Wer mir schon länger folgt, weiß, dass ich die Bücher von Daniela Krien sehr gerne lese und„Medulla“ hat mich sofort an die Bücher der Autorin erinnert. In ihrem Roman „Medulla“ verhandelt Verena Güntner gekonnt mit drei Paaren, die sich untereinander kennen, aufgeteilt in drei Kapiteln, die Themen Mutter- und Vaterschaft, Selbstfindung, Eheliche Gemeinschaften, Offene Beziehungen, Work-Life-Balance. Rau, hinterfragend, störrisch, teilweise rücksichtslos, ahnungslos, schonungslos, schweigsam. Die Frauen sind grob mit sich und anderen, die Männer taten mir mitunter wirklich leid, ehrlich gesagt. Jeder der einzelnen hegte einen Kinderwunsch, doch die Damen waren entweder zu offen, zu verschlossen, zu kontrollierend hinsichtlich ihrer Weiblichkeit. Drei Frauen, die sich den Annäherungen der Männer kompromisslos widersetzen und sich kontrolliert fühlen. Alle Beteiligten hatten so ihre Themen, verzerrte Wahrnehmungen und inneren Kämpfe…. Der Schreibstil ist literarisch präzise, mitreißend, gibt den Blick frei auf das Abstruse und Komische. Trotz schwerer Kost liest sich das Buch flüssig, hat die richtige Kraft und hallt nach, beschwert nicht, regt zum Nachdenken an. Die Handlungen empfand ich persönlich mitunter etwas wild, die Sprache derb, aber passend zum Buch. Cover und Titel finde ich gelungen und modern, Kapitellänge angenehm. Ich empfehle das Buch gerne weiter an Leser*innen dieses Genres. „Medulla“ ist eine Granate! Eure, Claudia Folge mir für mehr gute Buchempfehlungen! Like und speichere das Buch für dein nächstes Leseerlebnis!

Weibliche Perspektiven zum Nicht-Kimderwunsch.- Vertauschte Rollen
Dieses Buch ist ein Trip. Ein Trip in eine andere Gedankenwelt. Eine Welt, die ich in Teilen verstehen und nachvollziehen kann, die ich aber nicht lebe. Als Mutter mehrerer Kinder, als Frau, die sechs Mal schwanger war, kann ich dennoch oder vielleicht auch gerade deshalb verstehen, dass Frauen sich gegen Kinder entscheiden. Verena Güntner schafft ein Gesellschaftsportrait, dass gleichermaßen so real sein wie es dystopisch sein kann. Drei Paare in oberflächlich funktionierenden Beziehungen. Alle sehen sich mit dem Thema Kinder haben oder nicht konfrontiert. Ohne zu sehr zu Spoilern fand ich es vor allem spannend, wie hier mit Klischees gebrochen und das klassische Rollenbild umgekehrt wird. Als ich das Buch beendet habe, war ich erst fest der Meinung, dass mir das Buch nicht gefallen hat. Die negative Grundstimmung zog mich herunter, die Charaktere widerten mich an, blieben mir fremd. Je länger ich jedoch über das Buch nachdenke, ob nicht genau darin das Geniale steckt. Eine Geschichte, die keine Erwartungen erfüllt, die Tiefe in dei Wunde sticht, die Frauen seit Jahrhunderten fühlen. Daher spreche ich eine Empfehlung auf und kann nur raten, Lest das Buch in einem Buch-Club. In einer Leserunde. Diskutiert. Und wenn ihr es bereits gelesen habt, lasst mich an euren Gedanken teilhaben.
Berlin, Sommerhitze und drei Protagonistinnen, die sich durch ihre Wünschen und Lebenssituationen deutlich voneinander unterscheiden. Und doch haben Siv, Leyla und Esther eins gemeinsam: sie sind schwanger. Siv genießt ihre (sexuelle) Freiheit in vollen Zügen und hat noch nie einen Gedanken daran verschwendet, dass Mutterschaft erstrebenswert sein könnte. Leyla versucht hingegen schon seit Jahren schwanger zu werden und hat sich in diesem Zustand irgendwie eingerichtet. Esther merkt, dass ihr Partner sich deutlich stärker auf das Kind freut als sie und sie sich selbst alles andere als sicher ist, ob sie das alles will. Alle drei Frauen treffen Entscheidungen - für sich, für ihren Körper, für ihre Selbstbestimmung - und damit gegen Schwangerschaft, soziale Erwartungen und ihre Partner. Verena Güntner verbindet Fragen nach Körperlichkeit, Selbstbestimmung, Identität, Rollenbildern und Beziehungmodellen. Und gibt darauf keine einfachen Antworten. Vielmehr fordert sie die Lesenden heraus, indem sie vielschichtige, ambivalente Protagonistinnen zeichnet, die radikale Entscheidungen treffen, die nicht gefallen wollen und die keine Rücksicht auf ihre Partner nehmen. Damit stellt sich indirekt die Frage, ob dieses Verhalten „richtig“ ist? Wer darf im Falle einer Schwangerschaft bzw. beim Abbruch dieser entscheiden? Wer erwartet was von wem? Mich haben Siv, Leyla und Esther und ihre Entscheidungen lange intensiv beschäftigt. Eigentlich war ich mir sicher, uneingeschränkt für weibliche Selbstbestimmung zu sein. Denn wenn ein Kind im Körper einer Frau wächst, sollte es auch allein ihre Entscheidung sein, was mit dem Kind und ihrem Körper passiert. Oder ist es doch nicht so einfach? Oder handelt sie damit ebenso egoistisch und übergriffig wie vielfach Männer? „Medulla“ fordert genau diese Gedanken heraus und lässt Raum für Reflexion und Diskussion. Beschäftigt euch auch? Dann lest unbedingt dieses Buch!
Wer entscheidet?
Ich bin 100 % der Meinung, dass nur eine Frau darüber entscheiden darf, was mit ihrem Körper passiert. Dazu gehört auch die Entscheidung für oder gegen eine Schwangerschaft. Väter haben sich da nicht einzumischen – oder doch? Drei Frauen, drei Schwangerschaften. Svea um die 40, will kein Kind. Als sie schwanger wird entscheidet sie sich für eine Abtreibung mit der Pille , obwohl Jan, der Kindsvater, mit dem Siv in einer offenen Beziehung lebt, sich mit dem Gedanken auf Nachwuchs anfreundet. Obwohl er am Anfang gleichgültig tut, versucht er später zu intervenieren und das auf eine Art und Weise, die mehr als fragwürdig ist. Leyla und David wünschen sich ein Kind, aber es soll nicht klappen. Als sie schon fast aufgegeben haben wird Leyla schwanger und ihr Verlangen nach einem Baby wandelt sich. David, dessen Eltern im Hospiz liegen, versteht die Welt nicht mehr. Esther ist ebenfalls schwanger, von Jacob. Dieser beschäftigt sich mehr mit der Schwangerschaft als sie, motiviert sie zum Essen, sorgt dafür, dass nur Lebensmittel im Kühlschrank sind, die sie essen darf und besucht sogar ein Forum passend zum Thema. Esther weiß nicht ob sie ihr Kind lieben kann und stellt die Schwangerschaft infrage. Alle drei Frauen möchten die Macht über ihren Körper behalten und fühlen sich von dem Kind, das in ihnen wächst, bedroht und eingeengt. Auch die Gefühle gegenüber ihren Partnern, wandeln sich mit der Schwangerschaft sofort. Die Frage danach, wer über eine Fortführung oder einen Abbruch entscheidet. stellen Sie sich nicht , sondern Sie nehmen selbstverständlich für sich heraus Beratungsgespräche, Arzttermine und den Schwangerschaftsabbruch ohne Zustimmung oder Beteiligung durchzuführen. Ist das richtig? Die Frage habe ich mir während des Lesens oft gestellt. Meine Gefühle waren dabei durchaus ambivalent. Einerseits kann ich die Entscheidung der Selbstermächtigung total nachvollziehen. Das konsequente Handeln der Frauen hat mir imponiert, wenn ich mit ihnen auch nicht immer einer Meinung war. Sie waren raumgreifend, sehr egoistisch und ohne Rücksicht auf ihr Umfeld, also genau so wie man es sonst Männern zuschreibt. Diese wiederum waren emotionaler, die, die sich gekümmert haben, mit denen die Gefühle durchgingen, oder die sich in die Vaterrolle hinein gesehnt haben. Es war krass zu spüren, wie außen vor sie sind. Mir ist in in meinem hohen Alter zum ersten Mal bewusst geworden, wie isoliert sie sich während einer Schwangerschaft fühlen, wenn man sie nicht einbezieht, gleichzeitig aber auch wie übergriffig Männer agieren, wenn sie so tun, als wär das auch IHR Körper, weil auch IHR Kind in ihm wächst. Mir lieẞ das keine Ruhe, ich hab mich mit einem Freund darüber unterhalten und war erstaunt, dass für ihn sofort klar war, dass das die Frau zu entscheiden hat, hoch in einer festen Beziehung, ohne wenn und aber – der Mann aber jederzeit das Recht hat die Beziehung dann zu beenden. Wenn Lebenspläne in unterschiedliche Richtungen gehen, ist das die einzig logische Folge. Das klang in meinen Ohren richtig und sogar ein wenig versöhnlich. Auf den ersten 20 Seiten habe ich mich schwergetan mit dem Buch, weil ich in der Erwartung eines sehr ICH- zentrierten Werks war, à la Sally Rooney zB, mit der ich überhaupt nicht klarkomme. Doch Verena Güntner hatte mich schnell am Haken. Die unterschiedlichen Perspektiven auf Schwangerschaft, die Umkehrung, der Geschlechterrollen und die von der Norm abweichenden Lebensentwürfe hatten es mir dann doch irgendwie angetan. Richtig gut fand ich, dass die Frauen nicht erklären mussten, warum sie das Kind nicht wollten. Keine Rechtfertigung, keine verständnisheischende Moralwende! Auch die Enden der jeweiligen Teile fand ich sehr gut gelungen. Was mich allerdings meine Augen hat rollen lassen, ist, die Übersexualisierung dieses Textes. Ob Promiskuität zur Lösung der Probleme beiträgt – ich weiß es nicht… und man wird ja wohl auch mal ohne klarkommen, wenn es gerade an der anderen Seite brennt. Klar, verstehe ich auch, dass es darum ging, über seinen eigenen Körper zu bestimmen. Aber eine neue Frisur oder ein Tattoo hätte vielleicht einfach gereicht. Ich bin sehr froh, an das Thema Kinder, Schwangerschaft und Partnerschaft anders herangegangen zu sein, es war nicht immer einfach, und die Rolle als Mutter nimmt schon einen großen Raum ein. Aber ich hab mir nie meine Autonomie rauben lassen. Ich glaube, mir ist es schon gelungen, eine gute Mutter zu sein und trotzdem ich selbst zu bleiben! Glücklich wirkten die Frauen in diesem Roman auf mich nicht. Und auch Jan, David, und Jacob waren nicht gerade Sympathieträger. Ein bisschen bleibt dann doch das Gefühl, dass sie ihre eigentlichen Probleme nicht angegangen sind. Aber durch die Entscheidung gegen ein Kind haben sie sie hoffentlich nicht größer gemacht und zusätzlich einen Menschen in die Welt gesetzt der diese mitschultern muss. Der Roman hat mich auf jeden Fall sehr beschäftigt und die Fragen, die sich im Spannungsfeld Kinderwunsch beziehungsweise Schwangerschaftsabbruch aufgetan haben, haben mir zu ein paar interessanten Gespräche verholfen. Ich empfehle das Buch Allen die den Perspektivwechsel lieben und die Moralkeule im Schrank lassen können.
Nicht mein Fall…
Ein leichter und angenehmer Schreibstil. Eine Geschichte über drei Pärchen, die alle dasselbe Schicksal verbindet: eine Schwangerschaft, das bevorstehende Elternsein, oder auch nicht. Das Motiv Selbstbestimmung zieht sich durch das ganze Buch. Leider haben mir ALLE Protagonisten nicht zugesagt. Ich fand alle unsympathisch und auch die Handlungen und Entscheidungen sehr fragwürdig. Somit konnte mich das Buch leider nicht überzeugen.
Verena Güntners Roman „Medulla“ ist ein kraftvolles, unbequemes und zugleich befreiendes Buch über Selbstbestimmung, gesellschaftliche Erwartungen und den Preis, den Frauen zahlen, wenn sie sich diesen Erwartungen widersetzen. Im Zentrum stehen drei Paare in Berlin, drei Frauen – Siv, Leyla und Esther – und die Frage, was eine Schwangerschaft mit ihrem Leben, ihren Beziehungen und ihrem Selbstbild macht. Siv, Anfang vierzig, hat für sich entschieden, keine Kinder zu wollen. Selbst eine überraschende Schwangerschaft ändert daran nichts – sehr zum Unverständnis ihres Partners Jan, der sich ausgeschlossen und ohnmächtig fühlt. Leyla wiederum, die lange vergeblich versucht hat, schwanger zu werden, spürt plötzlich, dass sie ihre Entscheidung bereut: Sie will ihren Körper zurück, nicht das Kind. Esther, hochschwanger und umgeben von der Fürsorge ihres Partners Jacob, fühlt nur Abwesenheit und Leere – und die Sehnsucht, das Kind möge verschwinden. Güntner zeichnet diese Figuren mit literarischer Präzision, vielschichtig und voller Widersprüche. Ihre Frauen sind stark und verletzlich, kompromisslos und manchmal ungerecht – aber vor allem sind sie frei in ihren Entscheidungen, egal wie unbequem diese für ihr Umfeld sind. Der Roman lotet damit die Bruchstellen zwischen individuellen Lebensentwürfen und gesellschaftlichen Normen aus: dem Mythos der glücklichen Mutterschaft, der Vorstellung vom „natürlichen“ Kinderwunsch und dem Anspruch der Männer, ein Mitspracherecht über den weiblichen Körper zu haben. Stilistisch überzeugt Güntner durch eine direkte, dialogreiche Sprache, die einen mitten ins Geschehen zieht. Oft möchte man in die Gespräche eingreifen, widersprechen, Partei ergreifen. Dabei wechseln sich Momente von bitterem Ernst mit Szenen voller abgründigem Humor ab. Die Realität verrutscht immer wieder ins Surreale, ins Schräge, was den Roman nicht nur gesellschaftspolitisch relevant, sondern auch literarisch reizvoll macht. „Medulla“ ist keine leichte Lektüre, aber eine notwendige. Es ist ein Roman, der Tabus wie Schwangerschaftsabbruch, Regretting Motherhood und bewusste Kinderlosigkeit ins Zentrum rückt – Themen, über die noch immer zu selten offen gesprochen wird. Dass Güntner dies so kompromisslos und gleichzeitig voller Empathie tut, macht das Buch zu einem der wichtigsten feministischen Texte der Gegenwartsliteratur. Ein Roman, der aufwühlt, nachhallt und Diskussionen provoziert. Verena Güntner zeigt mit „Medulla“, dass Selbstbestimmung kein Schönwetterthema ist, sondern eine existenzielle Frage. Ein mutiges, kluges und eindringliches Buch – unbedingt lesenswert.

Vielschichtig und eindringlich – ein Roman, der Raum zum Nachdenken gibt
Medula hat mir sehr gut gefallen. Besonders eindrucksvoll fand ich die unterschiedlichen Blickwinkel auf eine gemeinsame und doch so ungleiche Situation. Die Autorin zeigt verschiedene Lebensrealitäten auf eine eindringliche Weise und schafft dabei Raum, um zwischen den Szenen selbst nachzudenken – über die Figuren, ihre Gefühle und die Atmosphäre, die zwischen den Zeilen entsteht. Genau dieser Freiraum macht das Buch für mich so besonders und nachhaltig.
Medulla von Verena Güntner Dieses Buch hat mich beschäftigt und zwar nicht nur während des Lesens. Medulla ist intensiv und manchmal richtig unangenehm, aber genau das macht es so stark. Es geht um Schwangerschaft, um Kontrolle und darum, wie sich der eigene Körper anfühlt, wenn er plötzlich nicht mehr ganz einem selbst gehört. Ich fand es beeindruckend, wie Verena Güntner über Themen schreibt, über die sonst kaum jemand so ehrlich spricht. Sie zeigt Schwangerschaft nicht als reine Glückserfahrung, sondern als Zustand voller Zweifel, Angst, Schmerz und körperlicher Entfremdung. Gleichzeitig steckt darin so viel Wucht, Selbstbehauptung und Klarheit, dass man gar nicht anders kann, als weiterzulesen. Es gibt Stellen, die schwer auszuhalten sind, aber auch Momente, in denen man das Gefühl hat: Genau so ist es. Medulla ist kein Wohlfühlbuch, sondern eines, das etwas in Bewegung setzt. Es zeigt, was passiert, wenn der Körper zum Mittelpunkt einer Erfahrung wird, über die alle reden, aber kaum jemand wirklich ehrlich schreibt. ★★★★☆ (4 von 5 Sternen)
Ein sehr gelungener Umgang mit einem wichtigen Thema, über das ich mir vorher kaum Gedanken gemacht habe, das mir aber immer wieder im Hinterkopf begegnet ist. Die drei Geschichten verschiedener Paare fand ich interessant aufgebaut. Mit dem Schreibstil bin ich allerdings nicht richtig warm geworden und teilweise wurden mir zu viele eher belanglose Details erzählt. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass genau diese Alltäglichkeit bewusst so gewählt war.
Hitze, Körper, Neuanfang
Ein heißer Berliner Sommer legt sich wie eine klebrige Haut über die Stadt, und plötzlich ist alles in Bewegung. Die Wege von Siv, Leyla und Esther beginnen zu flirren, jede von ihnen tastet sich durch eine Mischung aus Sehnsucht, Trotz und leiser Erschöpfung. Die Autorin führt nah an die Körper heran, an ihre atmenden Zweifel und an das Verlangen nach etwas, das größer wirkt als der Alltag. Dabei entfaltet sich eine Sprache, die weich und sinnlich bleibt, ohne sich jemals aufzudrängen. Mit jeder Szene entstehen Bilder, die fast schmerzhaft klar sind: das offene Fenster über der erhitzten Straße, Schweiß, der nach Sommer riecht, und ein Herzschlag, der sich wie ein pochender Gegenrhythmus gegen ein vertrautes Leben stemmt. Diese Momente tragen eine Zartheit in sich, die sich unauffällig in die eigenen Gedanken einschreibt. Zugleich wohnt ihnen eine stille Wut inne, die den Mut zum Aufbruch nährt. Besonders berührt hat mich die Art, wie Güntner die drei Frauen weder idealisiert noch bricht. Alles wirkt verletzlich und dennoch entschlossen, voller Widersprüche, aber niemals unverständlich. An wenigen Stellen verlieren die Perspektivwechsel etwas an Präzision, und die Erzählung hätte punktuell mehr Strenge vertragen. Doch das schmälert kaum die Kraft des Romans. Am Ende bleibt das Gefühl, Zeugin eines inneren Erwachens geworden zu sein. Medulla erzählt nicht nur vom Verlassen alter Pfade, sondern vom Finden einer Stimme, die lange verschüttet war. Ein warmes, forderndes Buch, das nachglüht und den Mut zum eigenen Neubeginn spürbar macht.






















