Power
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Description
Book Information
Author Description
VERENA GÜNTNER, 1978 in Ulm geboren, spielte nach ihrem Schauspielstudium viele Jahre am Theater. Ihr Debüt ›Es bringen‹ erschien 2014. Ihr zweiter Roman ›Power‹ wurde 2020 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und 2021 mit dem Schubart-Literaturförderpreis bedacht. Als Teil des feministischen Literaturkollektivs LIQUID CENTER gab Verena Güntner gemeinsam mit Elisabeth R. Hager und Julia Wolf 2024 den Kollektivroman ›Wir kommen‹ heraus. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.
Posts
Die gewählte Beschreibung "absurd, märchenhaft und radikal" trifft es gut.
Nach dem Lesen bin ich recht irritiert und unsicher, wie ich den Roman einordnen soll. Womöglich soll genau das ausgelöst werden. An einigen Stellen habe ich mich sowohl über die Beschreibung der Gegebenheiten als auch über die Beschreibung menschlicher Verhaltensweisen geekelt. Erschreckend und wahrscheinlich nicht von der Hand zu weisen, dass Menschen aus Angst und Verzweiflung zu genau dem fähig sind, was Verena Güntner in ihrem Roman beschreibt. Verdeutlicht wird auch, dass Kinder Orientierung benötigen, sofern sie diese nicht von ihren Eltern bekommen, suchen sie sie wo anders.
Außergewöhnlich!
Auch, wenn ich glaube, dass dieses Buch die Geister scheidet, hat es mir persönlich ganz gut gefallen. Ich mag außergewöhnliche Geschichten, die dich zum Nachdenken bringen und vor allem auch „anecken“, weil sie keine leichte Kost sind. Leider hat mir das Hörbuch, welches ich zwischendurch im Auto weitergelesen habe, gar nicht gefallen, auch wenn es von Verena Güntner selbst gelesen wurde. Hatte mich drauf gefreut, ihr eigenes Buch vorgelesen zu bekommen aber mir war es zu monoton gelesen… passte zur skurrilen Stimmung im Buch aber hat mich null abgeholt.

In "Power" von Verena Güntner geht es um die 11-jährige Kerze, die in einem kleinen von Wald und Feldern umgebenen Dorf bei ihrer Mutter wohnt. Eines Tages, geht der Hund Power von der Nachbarin Hitschke verloren. Kerze macht sich auf die Suche und verspricht Hitschke den Hund zu finden. Die Suche beginnt und es schließen sich Kerze immer mehr Kinder an. Kerze ist ein besonders, starrsinniges und rebellisches Kind, die zur Anführerin der Gruppe wird. Die Kinder verschwinden daraufhin im Wald und die Dorfgemeinschaft ist besorgt. Die Sprache des Buches war richtig angenehm und flüssig zu lesen. Die Geschichte an sich ist aber eher skurril, befremdlich, märchenhaft und absurd. Teilweise haben mich Handlungen wütend gemacht. Vom Ende war ich dann doch eher enttäuscht, da hätte ich mir doch mehr erwartet.
„Power“ von Verena Günter wurde im Bereich Belletristik für den Leipziger Buchpreis 2020 nominiert und ist sicherlich ein Buch, das die Gemüter scheidet. Das Setting Die Autorin hat als Umfeld für ihre Geschichte ein winziges Dorf mitten im Nichts gewählt. Eine Stadt scheint in erreichbarer Nähe zu sein, aber die Bewohner führen ein sehr ländliches Dasein. Eine echte Gemeinschaft scheint nicht zu existieren. Jeder kennt jeden, aber niemand kümmert sich um seine Nachbarn. Es ist ein Setting, wie wir es heutzutage häufiger in Deutschland vorfinden: Kleine Orte, nur die Alten und Kinder sind noch da, wer Arbeit sucht, zieht in die Stadt, wer die Einsamkeit nicht erträgt, schaut sich nach einem neuen Zuhause um. Zugezogene, die vielleicht wegen guter Grundstückspreise gekommen sind, bleiben ihr Leben lang Außenseiter. Das Dorf hat keine Seele mehr. Die Charaktere Im Zentrum des Geschehens steht ein 11-jähriges Mädchen, das sich selbst Kerze nennt. Sie lebt mit ihrer Mutter allein, tritt sehr selbstbewusst auf und lässt sich Aufträge von anderen erteilen, die sie stets erledigt. Sie ist zuverlässig und beobachtet ihre Umgebung sehr genau. All die anderen Figuren in diesem Buch sind Nebendarsteller: die alte Frau Hitschke, die ihren Hund vermisst, von ihrem Mann erst geschlagen und dann verlassen wurde, der Großbauer, der um seine Existenz kämpft, dessen Frau ihn verlassen hat und der seinen Sohn demütigt, der Jugendliche Henne, der mit seinem rechten Gedankengut dort allein dasteht, aber dennoch Teil aller ist, die Kinder, die wenig Beachtung von den Erwachsenen finden – der Antagonist dieser Geschichte ist die Situation als solche, das von archaischen Strukturen geprägte Dorf und die passive Frustration seiner Bewohner. Der Erzählstil Verena Günter wahrt Distanz zu ihrer Erzählung. Ihre Sätze sind knapp und emotionslos, sie schildert Tatsachen statt Erlebnisse. Umso bedrückender ist die Wandlung von Kerze, die vom aufgeweckten, ein wenig vernachlässigtem Kind zur strengen Anführerin mutiert. Es geschieht sehr langsam, anfangs belächelt man sie noch, doch nach und nach verdüstert und verdichtet sich das Geschehen. Plötzlich fehlen all die idyllischen Beschreibungen der Umgebung, plötzlich verschmelzen die Kinder mit dem Wald und leben wie Tiere in ihm. Was zu Beginn noch alles ein wenig harmlos klang, wurde schleichend zur Dystopie. Symbolik und Botschaft Diese düstere Geschichte, die so nah an der Realität ist, versteht man vielleicht eher, wenn man sie erlebt hat, wenn man wie ich aus einem 200-Seelen-Dorf kommt, das auf lange Sicht dem Untergang geweiht ist, weil es keine Perspektive für die junge Generation darin gibt. Mag der Ort irgendwann einmal voller Leben gewesen sein, Autos, Fernsehen, Internet, fallende Lebensmittelpreise und Existenznöte haben ihn zu einem trostlosen Ort gemacht. Die Eltern gehen ihren eigenen Problemen nach, sie vertrauen darauf, dass den Kindern „schon nichts passiert“, man ist ja auf dem Land. Sie lassen ihnen sämtliche Freiheiten, ohne sie zu lehren, was sie damit machen sollen. Mich verwundert es da gar nicht, dass ein Mädchen wie Kerze, das es im Prinzip nur gut meint und Dinge selbst in die Hand nehmen möchte, plötzlich mit einem irrsinnigen Experiment alle in seinen Bann zieht und ausprobiert, wie weit ihre Macht reicht. Ich weiß nicht, ob und was die Autorin ihren LeserInnen mit „Power“ vermitteln möchte. Ich erkenne darin aber sehr deutlich die gesellschaftlichen Probleme, wie wir sie momentan oft im ländlichen Bereich vorfinden. Was aus der Ferne so romantisch erscheinen vermag, ist im Kern alles andere als harmonisch und perfekt. Es gibt kaum noch funktionierende Gemeinschaften auf den Dörfern, doch jeder wiegt sich in Sicherheit. „Da kann doch nichts passieren, wir wissen ja, wo unsere Kinder sind.“ Es ist sehr trügerisch, sich darauf zu verlassen. Schneller als man denkt, kann sich eine Eigendynamik entwickeln, die geprägt ist von Unkenntnis und Langeweile. Man kann die eigene Verantwortung nicht an die Natur übergeben. Kinder mögen auf dem Land glücklicher und freier aufwachsen, dennoch benötigen sie eine Perspektive und Orientierung. Das sollte man bei all den „Landlebenbilderbuchszenarien“ niemals vergessen. Mein Fazit Mich hat „Power“ von Verena Günter sehr beeindruckt. Ich habe darin viel wiedergefunden, das ich aus meiner eigenen Dorfkindheit kenne. Es ist nicht immer alles Gold, was glänzt und genau das bringt diese Erzählung auf den Punkt.
Ungewöhnliche Romane, die ungewöhnliche Geschichten erzählen. Ungewöhnliche Geschichten, die dich komplett überraschen. Klappentexte, die zwar vieles bereits verraten, aber nur an der Oberfläche kratzen. Das uns vieles mehr bietet euch Power von Verena Güntner – wenn ihr euch darauf einlasst. Wenn Kerze ein Versprechen gibt, hält sie es. Das weiß ihre Mutter und das weiß auch das ganze Dorf, in dem Kerze lebt. Deswegen ist es auch von vorne herein klar, wer den verschwundenen Hund der Hitschke wieder zurückbringen muss, denn Kerze schafft alles. Weil sie Kerze ist. Ein Licht in dieser rabenschwarzen Welt. Also leuchtet sie sich fortan selbst den Weg durch ihr geisterbesetztes Kinderzimmer, durch den Wald und durch die wochenlange und scheinbar aussichtslose Suche nach dem verlorenen Hund Power. Doch bald schließen sich immer mehr Kinder des Dorfes der Suchaktion an, bis es alle sind. Bis Kerze auch hier die Führung übernimmt und sie zusammen bellend und auf allen Vieren durch den Wald ziehen, in dem sie fortan auch leben. Und während die Kinder fort sind, stürzen die Eltern in eine Krise: Sie finden einfach keine Lösung, um ihre Zöglinge wieder nach Hause zu holen, aber mit der Hitschke ist schnell ein Sündenbock gefunden und ebenfalls eine neue Eskalationsstufe erreicht. Mit Power hat Autorin Verena Güntner ein düster anmutendes Märchen erschaffen, das zwar nicht als realistischer Roman gelesen werden sollte, aber dennoch an vielen Stellen zum Nachdenken anregt. Viele Dinge und Gegebenheiten werden als überspitzt dargestellt, zeigen aber trotzdem ziemlich realitätsnah was passiert, wenn die Bindung zwischen Eltern und ihren Kindern fehlt. Dabei geht sie stets sensibel vor und beschreibt klug die Kindheit ihrer Hauptprotagonistin in einem Dorf, in dem statt Volksmusik Rechtsrock aus dem Traktor plärrt und Einsamkeit und Desinteresse das Leben beherrschen. Kerze ist kein einfach gestricktes Kind, das wird einem schon relativ früh bewusst. Aufmüpfig streckt sie der Welt nicht ihre Wange, sondern die ausgestreckte Faust entgegen und auch ihrer Mutter gegenüber tritt sie dabei so mutig wie angsteinflößend entgegen. Fast schon könnte man meinen die Rollen wären hier vertauscht, wenn sie ihr mit Ratschlägen wie Das Leben ist eine sehr ernste Sache, und ich hoffe, dass du das im Blick hast, Mama um die Ecke kommt, aber trotzdem nimmt man ihr das ab. Und das ist für mich auch der Grund, warum sich Kerze immer mehr Kinder anschließen. Es ist eine Mischung aus Spaß und Furcht, die sie antreibt ihr in den Wald zu folgen, in den Power vermutlich gelaufen ist, und es ist auch irgendwie selbstverständlich für sie, sich bald nur noch auf allen Vieren durch diesen zu bewegen – Zu bellen, vom Boden zu essen und sich nicht mehr zu waschen, während sie immer weiter im Dickicht verschwinden. Aber was tun die Eltern gegen die Entfremdung? Nicht viel, außer kurz am Waldrand stehen und weinen, denn hinein traut sich niemand. Weil die Erwachsenen sich entfernt haben von der Natur und ihren Kindern, die sie nicht mehr verstehen – und vielleicht auch nie verstanden haben. Und diese Passivität verwandelt sich schließlich in Wut, dessen Ventil in Form eines Prellbocks, die alter Hitschke dient und wie schnell sich Menschen radikalisieren können, sieht man spätesten dann, wenn die ersten Fensterscheiben der einsamen Frau zertrümmert in ihrem Garten liegen. Ein bisschen erinnert einen Power an William Goldings Herr der Fliegen, denn Kerzes Kommando ist nichts für zartbesaitete Gemüter. Wer nicht folgt, muss auch mal Tannenzapfen hinunterwürgen oder Freunden zu identifikationszwecken am blanken Hinterteil riechen. Wer sich aber auf diese Geschichte einlassen kann, der wird belohnt mit einer atmosphärisch außergewöhnlichen Geschichte, die unter die Haut geht.
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VERENA GÜNTNER, 1978 in Ulm geboren, spielte nach ihrem Schauspielstudium viele Jahre am Theater. Ihr Debüt ›Es bringen‹ erschien 2014. Ihr zweiter Roman ›Power‹ wurde 2020 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und 2021 mit dem Schubart-Literaturförderpreis bedacht. Als Teil des feministischen Literaturkollektivs LIQUID CENTER gab Verena Güntner gemeinsam mit Elisabeth R. Hager und Julia Wolf 2024 den Kollektivroman ›Wir kommen‹ heraus. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.
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Die gewählte Beschreibung "absurd, märchenhaft und radikal" trifft es gut.
Nach dem Lesen bin ich recht irritiert und unsicher, wie ich den Roman einordnen soll. Womöglich soll genau das ausgelöst werden. An einigen Stellen habe ich mich sowohl über die Beschreibung der Gegebenheiten als auch über die Beschreibung menschlicher Verhaltensweisen geekelt. Erschreckend und wahrscheinlich nicht von der Hand zu weisen, dass Menschen aus Angst und Verzweiflung zu genau dem fähig sind, was Verena Güntner in ihrem Roman beschreibt. Verdeutlicht wird auch, dass Kinder Orientierung benötigen, sofern sie diese nicht von ihren Eltern bekommen, suchen sie sie wo anders.
Außergewöhnlich!
Auch, wenn ich glaube, dass dieses Buch die Geister scheidet, hat es mir persönlich ganz gut gefallen. Ich mag außergewöhnliche Geschichten, die dich zum Nachdenken bringen und vor allem auch „anecken“, weil sie keine leichte Kost sind. Leider hat mir das Hörbuch, welches ich zwischendurch im Auto weitergelesen habe, gar nicht gefallen, auch wenn es von Verena Güntner selbst gelesen wurde. Hatte mich drauf gefreut, ihr eigenes Buch vorgelesen zu bekommen aber mir war es zu monoton gelesen… passte zur skurrilen Stimmung im Buch aber hat mich null abgeholt.

In "Power" von Verena Güntner geht es um die 11-jährige Kerze, die in einem kleinen von Wald und Feldern umgebenen Dorf bei ihrer Mutter wohnt. Eines Tages, geht der Hund Power von der Nachbarin Hitschke verloren. Kerze macht sich auf die Suche und verspricht Hitschke den Hund zu finden. Die Suche beginnt und es schließen sich Kerze immer mehr Kinder an. Kerze ist ein besonders, starrsinniges und rebellisches Kind, die zur Anführerin der Gruppe wird. Die Kinder verschwinden daraufhin im Wald und die Dorfgemeinschaft ist besorgt. Die Sprache des Buches war richtig angenehm und flüssig zu lesen. Die Geschichte an sich ist aber eher skurril, befremdlich, märchenhaft und absurd. Teilweise haben mich Handlungen wütend gemacht. Vom Ende war ich dann doch eher enttäuscht, da hätte ich mir doch mehr erwartet.
„Power“ von Verena Günter wurde im Bereich Belletristik für den Leipziger Buchpreis 2020 nominiert und ist sicherlich ein Buch, das die Gemüter scheidet. Das Setting Die Autorin hat als Umfeld für ihre Geschichte ein winziges Dorf mitten im Nichts gewählt. Eine Stadt scheint in erreichbarer Nähe zu sein, aber die Bewohner führen ein sehr ländliches Dasein. Eine echte Gemeinschaft scheint nicht zu existieren. Jeder kennt jeden, aber niemand kümmert sich um seine Nachbarn. Es ist ein Setting, wie wir es heutzutage häufiger in Deutschland vorfinden: Kleine Orte, nur die Alten und Kinder sind noch da, wer Arbeit sucht, zieht in die Stadt, wer die Einsamkeit nicht erträgt, schaut sich nach einem neuen Zuhause um. Zugezogene, die vielleicht wegen guter Grundstückspreise gekommen sind, bleiben ihr Leben lang Außenseiter. Das Dorf hat keine Seele mehr. Die Charaktere Im Zentrum des Geschehens steht ein 11-jähriges Mädchen, das sich selbst Kerze nennt. Sie lebt mit ihrer Mutter allein, tritt sehr selbstbewusst auf und lässt sich Aufträge von anderen erteilen, die sie stets erledigt. Sie ist zuverlässig und beobachtet ihre Umgebung sehr genau. All die anderen Figuren in diesem Buch sind Nebendarsteller: die alte Frau Hitschke, die ihren Hund vermisst, von ihrem Mann erst geschlagen und dann verlassen wurde, der Großbauer, der um seine Existenz kämpft, dessen Frau ihn verlassen hat und der seinen Sohn demütigt, der Jugendliche Henne, der mit seinem rechten Gedankengut dort allein dasteht, aber dennoch Teil aller ist, die Kinder, die wenig Beachtung von den Erwachsenen finden – der Antagonist dieser Geschichte ist die Situation als solche, das von archaischen Strukturen geprägte Dorf und die passive Frustration seiner Bewohner. Der Erzählstil Verena Günter wahrt Distanz zu ihrer Erzählung. Ihre Sätze sind knapp und emotionslos, sie schildert Tatsachen statt Erlebnisse. Umso bedrückender ist die Wandlung von Kerze, die vom aufgeweckten, ein wenig vernachlässigtem Kind zur strengen Anführerin mutiert. Es geschieht sehr langsam, anfangs belächelt man sie noch, doch nach und nach verdüstert und verdichtet sich das Geschehen. Plötzlich fehlen all die idyllischen Beschreibungen der Umgebung, plötzlich verschmelzen die Kinder mit dem Wald und leben wie Tiere in ihm. Was zu Beginn noch alles ein wenig harmlos klang, wurde schleichend zur Dystopie. Symbolik und Botschaft Diese düstere Geschichte, die so nah an der Realität ist, versteht man vielleicht eher, wenn man sie erlebt hat, wenn man wie ich aus einem 200-Seelen-Dorf kommt, das auf lange Sicht dem Untergang geweiht ist, weil es keine Perspektive für die junge Generation darin gibt. Mag der Ort irgendwann einmal voller Leben gewesen sein, Autos, Fernsehen, Internet, fallende Lebensmittelpreise und Existenznöte haben ihn zu einem trostlosen Ort gemacht. Die Eltern gehen ihren eigenen Problemen nach, sie vertrauen darauf, dass den Kindern „schon nichts passiert“, man ist ja auf dem Land. Sie lassen ihnen sämtliche Freiheiten, ohne sie zu lehren, was sie damit machen sollen. Mich verwundert es da gar nicht, dass ein Mädchen wie Kerze, das es im Prinzip nur gut meint und Dinge selbst in die Hand nehmen möchte, plötzlich mit einem irrsinnigen Experiment alle in seinen Bann zieht und ausprobiert, wie weit ihre Macht reicht. Ich weiß nicht, ob und was die Autorin ihren LeserInnen mit „Power“ vermitteln möchte. Ich erkenne darin aber sehr deutlich die gesellschaftlichen Probleme, wie wir sie momentan oft im ländlichen Bereich vorfinden. Was aus der Ferne so romantisch erscheinen vermag, ist im Kern alles andere als harmonisch und perfekt. Es gibt kaum noch funktionierende Gemeinschaften auf den Dörfern, doch jeder wiegt sich in Sicherheit. „Da kann doch nichts passieren, wir wissen ja, wo unsere Kinder sind.“ Es ist sehr trügerisch, sich darauf zu verlassen. Schneller als man denkt, kann sich eine Eigendynamik entwickeln, die geprägt ist von Unkenntnis und Langeweile. Man kann die eigene Verantwortung nicht an die Natur übergeben. Kinder mögen auf dem Land glücklicher und freier aufwachsen, dennoch benötigen sie eine Perspektive und Orientierung. Das sollte man bei all den „Landlebenbilderbuchszenarien“ niemals vergessen. Mein Fazit Mich hat „Power“ von Verena Günter sehr beeindruckt. Ich habe darin viel wiedergefunden, das ich aus meiner eigenen Dorfkindheit kenne. Es ist nicht immer alles Gold, was glänzt und genau das bringt diese Erzählung auf den Punkt.
Ungewöhnliche Romane, die ungewöhnliche Geschichten erzählen. Ungewöhnliche Geschichten, die dich komplett überraschen. Klappentexte, die zwar vieles bereits verraten, aber nur an der Oberfläche kratzen. Das uns vieles mehr bietet euch Power von Verena Güntner – wenn ihr euch darauf einlasst. Wenn Kerze ein Versprechen gibt, hält sie es. Das weiß ihre Mutter und das weiß auch das ganze Dorf, in dem Kerze lebt. Deswegen ist es auch von vorne herein klar, wer den verschwundenen Hund der Hitschke wieder zurückbringen muss, denn Kerze schafft alles. Weil sie Kerze ist. Ein Licht in dieser rabenschwarzen Welt. Also leuchtet sie sich fortan selbst den Weg durch ihr geisterbesetztes Kinderzimmer, durch den Wald und durch die wochenlange und scheinbar aussichtslose Suche nach dem verlorenen Hund Power. Doch bald schließen sich immer mehr Kinder des Dorfes der Suchaktion an, bis es alle sind. Bis Kerze auch hier die Führung übernimmt und sie zusammen bellend und auf allen Vieren durch den Wald ziehen, in dem sie fortan auch leben. Und während die Kinder fort sind, stürzen die Eltern in eine Krise: Sie finden einfach keine Lösung, um ihre Zöglinge wieder nach Hause zu holen, aber mit der Hitschke ist schnell ein Sündenbock gefunden und ebenfalls eine neue Eskalationsstufe erreicht. Mit Power hat Autorin Verena Güntner ein düster anmutendes Märchen erschaffen, das zwar nicht als realistischer Roman gelesen werden sollte, aber dennoch an vielen Stellen zum Nachdenken anregt. Viele Dinge und Gegebenheiten werden als überspitzt dargestellt, zeigen aber trotzdem ziemlich realitätsnah was passiert, wenn die Bindung zwischen Eltern und ihren Kindern fehlt. Dabei geht sie stets sensibel vor und beschreibt klug die Kindheit ihrer Hauptprotagonistin in einem Dorf, in dem statt Volksmusik Rechtsrock aus dem Traktor plärrt und Einsamkeit und Desinteresse das Leben beherrschen. Kerze ist kein einfach gestricktes Kind, das wird einem schon relativ früh bewusst. Aufmüpfig streckt sie der Welt nicht ihre Wange, sondern die ausgestreckte Faust entgegen und auch ihrer Mutter gegenüber tritt sie dabei so mutig wie angsteinflößend entgegen. Fast schon könnte man meinen die Rollen wären hier vertauscht, wenn sie ihr mit Ratschlägen wie Das Leben ist eine sehr ernste Sache, und ich hoffe, dass du das im Blick hast, Mama um die Ecke kommt, aber trotzdem nimmt man ihr das ab. Und das ist für mich auch der Grund, warum sich Kerze immer mehr Kinder anschließen. Es ist eine Mischung aus Spaß und Furcht, die sie antreibt ihr in den Wald zu folgen, in den Power vermutlich gelaufen ist, und es ist auch irgendwie selbstverständlich für sie, sich bald nur noch auf allen Vieren durch diesen zu bewegen – Zu bellen, vom Boden zu essen und sich nicht mehr zu waschen, während sie immer weiter im Dickicht verschwinden. Aber was tun die Eltern gegen die Entfremdung? Nicht viel, außer kurz am Waldrand stehen und weinen, denn hinein traut sich niemand. Weil die Erwachsenen sich entfernt haben von der Natur und ihren Kindern, die sie nicht mehr verstehen – und vielleicht auch nie verstanden haben. Und diese Passivität verwandelt sich schließlich in Wut, dessen Ventil in Form eines Prellbocks, die alter Hitschke dient und wie schnell sich Menschen radikalisieren können, sieht man spätesten dann, wenn die ersten Fensterscheiben der einsamen Frau zertrümmert in ihrem Garten liegen. Ein bisschen erinnert einen Power an William Goldings Herr der Fliegen, denn Kerzes Kommando ist nichts für zartbesaitete Gemüter. Wer nicht folgt, muss auch mal Tannenzapfen hinunterwürgen oder Freunden zu identifikationszwecken am blanken Hinterteil riechen. Wer sich aber auf diese Geschichte einlassen kann, der wird belohnt mit einer atmosphärisch außergewöhnlichen Geschichte, die unter die Haut geht.











