Maman

Maman

Hardback
4.084

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Description

Sylvie Schenks neuer Roman - "Ein tief berührendes Lesevergnügen." Franziska Hirsbrunner, SRF2 Kultur Eine Annäherung an die eigene Mutter und eine schmerzhafte Abrechnung: 1916 wird Sylvie Schenks Mutter geboren, die Großmutter stirbt bei der Geburt. Angeblich war diese eine Seidenarbeiterin, wie schon die Urgroßmutter. Aber stimmt das? Und welche Geschichte wird den Nachkommenden mit auf den Weg gegeben? Als Kind leidet Sylvie Schenk unter dieser Unklarheit, als Schriftstellerin ist sie deshalb noch immer von großer Unruhe geprägt. Mit poetischer Präzision spürt sie den Fragen nach, die die eigene Familiengeschichte offenlässt. „Maman“ ist waghalsiges Unterfangen und explosive Literatur zugleich. Nach „Schnell, dein Leben“ hat die Autorin erneut einen Text voll Schönheit und Temperament geschrieben.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
176
Price
22.70 €

Author Description

Sylvie Schenk wurde 1944 in Chambéry, Frankreich, geboren, studierte in Lyon und lebt seit 1966 in Deutschland. Sylvie Schenk veröffentlichte Lyrik auf Französisch und schreibt seit 1992 auf Deutsch. Sie lebt bei Aachen und in La Roche-de-Rame, Hautes-Alpes. Bei Hanser erschienen ihre Romane »Schnell, dein Leben« (2016), »Eine gewöhnliche Familie« (2018), »Roman d'amour« (2021) und »Maman« (2023).

Posts

24
All
4.5

S.119 „Meine Mutter darf mir nicht ins Nichts oder ausschließlich in ihren Frust und Hass abdriften, mein Text darf auch kein „luftiger Sarg aus Worten“ werden, er ist meine erste und letzte Umarmung. Schreiben. Streicheln. Festhalten.“ Einen ganz besonderen Weg hat Sylvie Schenk hier gefunden, um sich der verstorbenen Mutter anzunähern. Auf zarter, sensibler und einfühlsame Art versucht sie herauszufinden, wer ihre Mutter war. Ganz dicht und sehr poetisch erzählt, erinnert sie sich - mal alleine, mal mit ihren Geschwistern oder ihrer Cousine. Dabei versucht sie die Vergangenheit ihrer Mutter zu rekonstruieren, wechselt die Perspektive, reicht ihrer Mutter Gegenstände, erinnert sich auf persönliche Art. Auch wenn ich merke, dass „Maman“ keine Zärtlichkeiten mit ihren Kindern ausgetauscht hat und lieber „mit der Wäsche“ gesprochen hat, spüre ich doch sehr viel Verständnis und Liebe, beobachte, wie traumatisch die Kindheit der Mutter war und spüre, dass ihr Verhalten als Mutter, die wohl ihr einzig mögliche war. Wirklich bezaubernd und feinfühlig. Schmales Buch voller schöner Worte. S.9 „Der Text wird gespickt sein mit den mir unbeliebten Adverbien „wahrscheinlich“ und „vielleicht“, es wird ein approximativer Text sein, ein sich annähernder Text. Ich habe früh gespürt, dass das Rätsel um ihre Herkunft das Leben meiner Mutter ausgehöhlt hat, eine mittelalterliche Tropfenfolter.“ S.102 „Die steife, gleichgültige Mutter war also beim jüngsten Kind weicher geworden, hatte mit Ende vierzig wieder Freude gespürt, es gab warme Gefühle zwischen ihr und dem Kind.“ S.106 „Jeder ist Opfer und Täter - hinter dem Täter versteckt sich ein Opfer - wer Mutter oder Vater als Opfer sieht, glaubt sein Leben lang, Opfer bringen zu müssen.“

5

Eine interessante Familiengeschichte

Sylvie Schenk versucht, das Leben ihrer Mutter und Großmutter zu finden. Dabei wird ihr eigenes Leben gut mit eingewoben. Gut gefallen haben mir die kurzen Geschichten. Dadurch konnte ich das Buch gut lesen. Es war interessant, wie immer mehr über die Mutter und ihr Verhalten-auch die Ursachen, die das Verhalten herbeigeführt haben, bekannt wurde. Bis zum Ende ein gut zu lesendes und interessantes Buch.

4.5

"Wir haben nie mit Maman zusammen gespielt, nie gelacht, nie gesungen,nie Geburtstag gefeiert, sie hat uns nie vorgelesen oder Geschichten erzählt, nichts von dem getan, was man nun mal mit Kindern macht." "Ihr Leben war ein Mosaik aus kleinen Handgriffen. Aber uns wird sie immer durch die Finger gleiten, eine sich entziehende Mutter. Ihre Welt war unmittelbar und klein und fand drinnen statt." Woher komme ich, wer bin ich und wer werde ich sein. Was macht eine Mutter zu einer guten Mutter? Wie beeinflusst unsere eigene Kindheit das Verhalten unseren eigenen Kindern gegenüber? Auf der Suche nach der Vergangenheit der eigenen Mutter. Fragen, die nie gestellt und beantwortet wurden. Ein schweres und unbequemes Thema geistreich und poetisch in Worte gefasst. Ich bin gespannt, ob es "Maman" auf die Shortlist schafft

5

Beeindruckend und berührend geschrieben, schonungslos und klar in der Erzählung... mir hat das Buch sehr gefallen! Es war zu Recht auf der Shortlist des Buchpreises 2023!

3.5

Eine interessante Art sich über seine Herkunft bewusst zu werden. Mutige Arbeit und lesenswerte Geschichte . Sehr kurze Kapitel und teilweise Sprünge in der Erzählung. Es lässt sich dennoch gut folgen.

3

„Den Ring meiner Mutter habe ich natürlich nicht vergessen, ich habe ihn nicht einfach zwischen den Zeilen meines Textes liegen lassen.“ Ich mag nicht komplett verzückt sein, doch mir gefielen fantasievolle Sätze wie obiger bei der Auseinandersetzung mit der Geschichte der Mutter.

3

Unglückliche Kinder, unglückliche Mütter

Sylvie Schenk lässt kein gutes Haar an ihrer Mutter. Dies ist einerseits nachvollziehbar, denn die Schilderungen von Sylvie und ihren Geschwistern lassen auf eine kühle, distanzierte und lieblose Beziehung zwischen ihnen und der Mutter Cécile schließen. Ich konnte die allgegenwärtige Enttäuschung gut nachvollziehen, denn die Erfahrungen der fünf Geschwister zeugen von viel Ungesagtem, vielen Versuchen aber auch Resignation. Nicht leicht war es trotzdem, das fast ausschließlich negative Bild von Cécile nachzuzeichnen, welches ebenfalls aus Kindersicht projektiert wird. Dass sich Sylvie Schenk aufgrund der einseitigen Sicht für eine Erzählperspektive entscheidet, die zwar mit „eventuell“, „vielleicht“ oder „ich glaube“ arbeitet und diese Wissens-Lücke selbst von der Autorin angesprochen wird, täuscht nicht über Folgendes hinweg: Die Erzählstimme inszeniert sich stets als Begleiterin der Mutter, Beobachterin der (autofiktionalen) Situation und bekommt dadurch einen übergriffigen Charakter und einen nicht vorhandenen Wahrheitsanspruch. Kann man wissen, was die Mutter im Ehebett gefühlt hat? Ist es möglich, dass sie fast nie echte Freude fühlen konnte, sondern stets eine Maske aufsetzte? Hat sie wirklich so viele Dinge nicht gesehen oder nicht sehen wollen oder hatte diese Mauer andere, menschlichere Gründe? In so einem persönlichen Text ist es natürlich absolut legitim, solch selektive Erinnerungen auszuwählen. Diese Entscheidung ist auch ein Zeichen des schlechten Verhältnisses von Mutter und Kind(ern). Für mich als Leserin und somit ebenfalls Beobachterin war es jedoch sehr hilfreich, etwas über Céciles schweren Start ins Leben, die einsame Jugend und das Erwachsenenleben im Zwang der Gesellschaftsordnung zu erfahren. Ich konnte durch diese Außensicht die Härte der Mutter gut nachvollziehen und sie als Person somit auch etwas weicher wahrnehmen. Am Ende zeigt der Text von Sylvie Schenk, dass unglückliche Kinder auch oft unglückliche Mütter werden und dass diese Art von Tragik sich oft wie ein Schleier über kommende Generationen legt.

3.5

Eine familiäre Spurensuche, die ich gerne verfolgt habe. Mir hat jedoch das gewisse Etwas gefehlt. Nett zu lesen, aber kein Highlight.

5

Ein wundervolles Buch!

„Maman hat uns in die Welt gesetzt und wild wachsen lassen wie Unkraut.“ (S. 11) Eine Liebeserklärung der besonderen Art an eine Mutter, die außergewöhnlich ist. Sylvie Schenk hat sich auf eine Reise begeben und wir dürfen ihr folgen Dank des „Textes“, den sie geschrieben hat. Mit einer unglaublichen Sensibilität taucht sie in das Leben ihrer Mutter ein, in das Sterben der Großmutter, auch in die Pflegemutter. Ein wunderschönes Buch! Zurecht auf der Shortlist des deutschen Buchpreises.

4.5

Sehr bewegender Roman über Mütter und ihr oft hartes Los in Zeiten um 19 Hundert bis in die, schätze ich, 70iger Jahre. In der Hauptsache geht es um die Mutter der Autorin und darum, ob man einen Menschen lieben muss, nur weil man verwandt ist. Was wissen wir eigentlich wirklich von unseren Müttern? Und was lassen wir unsere Kinder von uns, ihren Müttern, wissen? Sehr eindringlich, und wie ich finde, sehr zu recht auf der Longlist des Buchpreises und hoffentlich auch auf der Shortlist.

4.5

Auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Eine vorsichtige Annäherung an die längst verstorbene Mutter und damit an die eigene verborgene Geschichte. Sehr berührend.

4

Tolle Sprache, intensiv. Aber kurz

4

Die Autorin Sylvie Schenk setzt sich in dem Buch mit ihrer Mutter auseinander. Dieser Text soll eine “letzte Umarmung“ sein. Sie erinnert sich manchmal allein, manchmal mit ihren Geschwistern. Sie stellt Vermutungen an und spekuliert. Sie versucht, ihrer Mutter und auch ihrer Urgroßmutter näher zu kommen, indem sie sich einfühlt in das Leben der Frauen, die sie durch ihre Lebensgeschichte geprägt haben. Mir hat der Text sehr gut gefallen. Obwohl die Mutter der Erzählerin schweigt und für die eigenen Kinder oftmals unnahbar ist, empfindet man Verständnis und Liebe, die von den Kindern ausgeht. Verständnis für Traumata, die unweigerlich weitergegeben wurden, da die Zeit und die Gesellschaft eine Aufarbeitung bzw. Reflexionen über das eigene Leben, die eigene Geschichte gar nicht zuließen. Für mich ein ruhiger, unaufgeregter und sehr emphatischer Text, der sich wahrhaftig wie eine letzte Umarmung der Autorin für ihre eigene Mutter anfühlte. Zurecht schaffte es Sylvie Schenk damit auf die Short List❤️.

5

Silvie Schenk erzählt die Geschichte ihrer Mutter oder versucht sich zumindest der Geschichte der Mutter anzunähern. Eine Mutter, die sie und ihre 4 Geschwister zwar gut versorgte, aber nicht liebevoll zu ihnen sein konnte. Sehr behutsam und zärtlich nähert sich die Autorin dem Trauma der Mutter, die erst im Alter von 6 Jahren Adoptiveltern bekam, die sie liebten und sich mit ihr beschäftigten. Ein sehr berührendes, liebevolles Buch

3.5

Eine schonungslose Abrechnung mit der eigenen Mutter. Sprachlich gefiel mir der Roman sehr gut und ich war doch erleichtert, dass nicht alle Kinder der Geschwisterreihe so hart urteilten.

3

Kann man Herkunft ändern

Viel weiß Sylvie Schenk nicht über die Vergangenheit ihrer teilnahmslosen Maman und deren Mutter. Viel zu groß ist das Schweigen über Unaussprechliches und Diffuses. Es soll vergessen werden, woher die Frauen ihrer Familie stammen. Und so tastet Sie sich heran von allen Seiten, verarbeitet die wenigen Informationen, die sie hat, zu einer Auseinandersetzung mit ihrer Mutter. Diese wurde 1916 als Kind einer Seidenarbeiterin geboren, oder war es doch eine Prostituierte? Oder vielleicht eine Seidenarbeiterin deren Lohn nicht zum Überleben reichtev? Kennengelernt hat sie ihre Großmutter nicht, denn sie starb kurz nach der Geburt. Renée, die Mutter der Autorin, kam erst in ein Heim, dann in eine Pflegefamilie, die auch von Sozialarbeitern als „Verdächtige Unterkunft“ tituliert wurde. Welche Erfahrungen das kleine Mädchen dort gemacht hat, kann man nur mutmaßen, sie hatten aber maßgebliche Auswirkungen auf ihre Persönlichkeit. Als sie dann mit sechs Jahren adoptiert wurde und in die Arme der liebevollen Marguerite landete, war es schon zu spät und das Misstrauen des Kindes zu groß. Still und eingeschüchtert geht Renée von da an durchs Leben. Als Erwachsene bekommt sie selber fünf Kinder, davon vier Töchter. Eine davon ist die Autorin, und sie versucht nun eine Annäherung, an die Mutter, die nicht wirklich lieben konnte. Wir haben es hier nicht mit einem erzählerischen Text zu tun, der chronologisch vorgeht. Vielmehr pickt Schenk einzelne Szenen raus, die prägend für ihre Mutter waren. Dabei stellt sie sich oft unsichtbar hinter sie, schaut ihr über die Schulter, reicht der Großmutter Gegenstände, ist der unsichtbare Geist zwischen Realität und Fiktion. Die Pronomen wechseln, mal spricht ein Ich, mal ein Wir! Sie erteilt auch ihren Geschwistern oder ungeliebten Verwandten das Wort. Diese tragen maßgeblich dazu bei, dass sich Traumata auf die nächsten Generationen übertragen. Auch das Schreiben an sich wird zum Thema gemacht und die Kritik der Anderen an den Bildern, die sie mutmaßlich produziert. Dabei sind sie für jeden anders. Sylvie Schenk schreibt mit leichtem Federhalter über Herkunft und Scham, über Kinder, die keine sein dürfen, oder Frauen die funktionieren müssen, obwohl man sie schon lange zerstört hat.

4

Ein Buch mit vielen unbeantworteten Fragen an die eigene Mutter, an das eigene Leben, an die eigene Herkunft…

4

Autobiographischer Roman über die Lebensgeschichte und Lebenserfahrungen von Sylvie Schenks Mutter, die eine verstoßenene Tochter einer Prostituierten Anfang des vergangen Jahrtausends war. Sie wird zur Adoption freigegeben und kommt in eine besser gestellte Familie. Sie ist teilnahmslos und sehr einfach. Als sie an Krebs erkrankt, beginnt eine ihrer Töchter ihre Lebensgeschichte zu erforschen und sie aufzuschreiben. Viele sehr kurze Kapitel, es geht fast komplett chronologisch durch das Leben der Mutter und die Beziehungen zum Vater, den Schwiegereltern und den Kindern. Alles sehr kompliziert, aber auch sehr gut geschrieben. Für die Kriegs- und Nachkriegsgeneration, die alle durch die Erfahrungen geprägt und leider sehr oft auch fehlgeprägt wurden. Auch wenn ich für das kurze Buch sehr lange gebraucht habe aufgrund von Urlaub, war ich sehr begeistert. Bisher mein Favorit von den Listen für den deutschen Buchpreis.

5

Eine besondere Geschichte von Müttern und Töchtern. Eine Annäherung, ein Suchen. Von Verstehen und nicht verstehen und doch verstehen. Schonungslos zart.

5

Berührend und sprachgewaltig

Rezension folgt.

Berührend und sprachgewaltig
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