Lieber Sohn oder So rettest du die Welt
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Description
Book Information
Author Description
Emilia Roig, 1983 geboren, ist promovierte Politikwissenschaftlerin und Autorin der Bestseller »Why We Matter« und »Das Ende der Ehe«. 2020 war sie Mitglied der Jury zum Sachbuch des Jahres. Für ihre Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet.
Posts
Inspirierend, aber auch komplex/hochschwellig
Das Buch war sehr inspirierend und ich nehme mir auch viel mit, aber (für mich) war es zu komplex geschrieben. Ich habe Sätze und Absätze teilweise mehrmals lesen müssen, um den Inhalt zu verstehen. Es ist schade, dass gerade solche Bücher oft nicht niederschwellig geschrieben sind, um mehr Leute zu erreichen.
Dieses Buch regt zum Nachdenken an 🌍
Die Autorin hat in diesem kurzen Buch viele philosophische Denkanstöße untergebracht, am Anfang waren meiner Meinung nach sehr viele Fachbegriffe aneinander gereiht, in der zweiten Hälfte aber konnte man dem Text besser folgen. Eine sehr schöne Denkweise in der heutigen Zeit!

Wünschenswerte Sichtweise
Ich mag die Reihe „Briefe an die kommenden Generationen“ sehr. Es ist immer wieder spannend zu lesen , wie sich die Autorinnen mit den Herausforderungen der Zukunft auseinandersetzen. Emilia Roig-und hier zitiere ich Wikipedia - „ist eine französische Politologin, Autorin, Aktivistin und Expertin für soziale Gerechtigkeit, insbesondere mit Fokus auf Intersektionalität, Rassismus, Diskriminierung, Feminismus und strukturelle Ungleichheiten. Sie lebt seit 2005 in Berlin und gehört zu den einflussreichsten Stimmen in diesen Debatten im deutschsprachigen Raum. Sie schreibt diesen Brief an ihren Sohn und plädiert für ein System der Anarchie, dass sich auf radikale Fürsorge aufbaut. Roig stellt unser kapitalistisches System nicht nur infrage, sondern ist davon überzeugt, dass wir andere gesellschaftliche Wege gehen sollten und überhaupt nicht wissen können, was noch alles möglich ist. Besonders in Deutschland lähmt uns die Angst, Sicherheit zu verlieren. Sie macht unser kollektives Gedächtnis dafür verantwortlich, dass wir Regeln über alles stellen und zieht den direkten Vergleich zu ihrer Heimat Frankreich. Diese absolute Konformität zu Regeln mache uns anfällig für autoritäre Strömungen wie zum Beispiel den Faschismus. Um den in diesem Land wieder zu etablieren, braucht es ihrer Meinung nach keine starke Masse hinter rechtsradikalen Parteien, sondern ein Volk, das schweigt. Regeln zu brechen und sich dagegen aufzulehnen kann positive Umwälzungen bringen, so lautet ein Gedanke aus diesem klugen Buch. Jedes Kapitel bezieht sich immer auf das System einer radikalen Fürsorge, die uns Menschen von Natur aus mitgegeben ist und die neue Wege für eine gerechte Gesellschaft öffnen könnte. Selbst das große Feld der KI bezieht sie in ihre Gedanken mit ein. Mir ist direkt aufgefallen, wie tief sie in der Materie drin steckt. Den philosophischen Gedanken konnte ich im Großen und Ganzen folgen. Aber das Thema ist so komplex, dass ich nicht behaupten kann, dass ich alles bis zur Gänze nachvollziehe. In meinem Kopf kreist immer der Rückblick und das Wissen um Menschen, die ein System der Anarchie niemals mittragen würden. Ich glaube schon, dass Egoismus überwiegt. Doch ist es ein interessantes Gedankenspiel, dass sie uns auftischt und dessen reale Umsetzung mir sehr gefallen würde, allein ich hab keine Hoffnung, dass das jemals funktionieren würde. Der feministische Gedanke, den sie immer wieder einbringt, wirkt manchmal etwas weit hergeholt. Doch wenn wir genau drüber nachdenken und ihre Thesen auf ein Minimum runterbrechen, kommt man immer zu dem Schluss, dass unsere Systeme patriarchal gesteuert sind und radikale Fürsorge abwertend wirkt, weil sie weiblich konnotiert ist. Realisten werden an diesem Buch scheitern, es braucht schon utopischen Geist und einen kleinen Revoluzzer in einem drin, um Roigs Vision von einer Gesellschaft leben zu können. Emilia Roig hat mich nachdenklich gemacht und in meinem Umkreis zu Diskussionen geführt. Das war gut und anregend. Aber mir fällt es aktuell sehr schwer, ihre Aufforderung zur radikalen Fürsorge als ein Zukunftsmodell in unserer Gesellschaft zu sehen. Dazu ist das Gegenteil viel zu etabliert. Ich empfehle das Buch allen Träumern und den Menschen, die merken, dass sie nach neuen Lebensentwürfe suchen.
Große Liebe für ein kleines Buch! 💜
„Bevor du geboren wurdest, glaubte ich, die Welt ließe sich mit Argumenten retten.“ Wenn man mich nach berühmten ersten Sätzen fragen würde, dann wäre dieser auf jeden Fall dabei. Es sind diese Sätze, die Wucht dieser Sätze, die Bücher von Emilia Roig für mich so unglaublich beeindruckend und inspirierend machen. Gefühlt möchte ich fast jeden Satz in dem kleinen, aber feinen Büchlein „Lieber Sohn oder so rettest du die Welt“ aus dem Kjona Verlag, unterstreichen. Denn die dort an ihren Sohn gerichteten Worte sind nicht nur sehr, sehr klug, sondern auch unfassbar schön gewählt. Einfach aus Genuss lese ich die Sätze zwei bis dreimal, auch um ihren Sinn wirklich zu erfassen. Denn mit philosophischer Tiefe beschreibt Emilia Roig, was ihrer Meinung nach diese Welt, wir Menschen, ihr Sohn braucht, um zu überleben. Ihre Antwort ist so einfach wie herausfordernd: „Und so rettest du die Welt: Nicht durch Macht und Kontrolle, sondern durch Beziehung und Fürsorge.“ (S.21) Kollektive Fürsorge und die Verbundenheit mit dem Leben – so einfach soll es sein? Mir ist bewusst, dass die einfachsten Dinge manchmal die Schwersten sind, und deshalb ist dies auch kein Ratgeber zur Weltrettung. Emilia Roig nimmt uns mit auf ihre eigene Spurensuche nach Antworten und Lösungen und dabei streifen ihre Gedanken u.a. das Konzept der Anarchie, Wissenschaft und Magie, Widerstand und Aktivismus, Fürsorge und KI. Am liebsten würde ich jetzt meine ganzen unterstrichenen Sätze als Zitate wiedergeben. Am liebsten würde ich dieses Buch all den Menschen schenken, die an dem Zustand der Welt und an Hoffnungslosigkeit verzweifeln. Denn die eigentliche Krise ist unsere Entfremdung, die Erfahrung von Einsamkeit und Verlust. „Die Rettung beginnt in der Art, wie wir leben. Wie wir zuhören. Wie wir uns kümmern. Wie wir lieben.“ Das mindeste, was dieses Buch schafft, ist „das Gefühl, nicht allein zu sein mit deinen Fragen“ – so drückt Emilia Roig es als Wunsch für ihre Sohn aus. Im besten Fall bietet es eine Idee, Hoffnung und Trost, das, und auch wie es gelingen könnte. Auch wenn Emilia Roig sich wahrscheinlich dagegen verwehren würde: Vieles erinnert mich tatsächlich an die spirituelle Tradition, in der ich beheimatet bin. An das Vorbild und die Lehren Jesu. Weil Wahrheit universell ist und er als Christus auch in allen Wahrheiten zu finden ist. Eine Wahrheit, die sich nicht aufdrängt, sondern anbietet. Für einen Weg, den es zu suchen und zu entdecken gilt. In Verbundenheit und Fürsorge mit und für allem Lebendigen. Zum Schluss noch die abschließenden Sätze von Emilia Roig, welche zu schön sind, um sie nicht zu zitieren und welche auch meinen Wunsch für meine Kinder ausdrücken: „Was ich mir wünsche? Dass du deine innere Stimme nie verlierst. Dass du nicht vergisst, wie sehr du verbunden bist mit allem, was lebt. Dass du liebst, zweifelst, hoffst, traust, kämpfst, vergibst – und immer wieder aufstehst. Für das Leben selbst.“ (S. 89)
"Zusammenarbeit, Fürsorge und gegenseitige Unterstützung sind nicht nur menschliche Instinkte, sondern das Fundament des Lebens. Wir sind nicht dafür gemacht, allein zu sein." (S. 50) Auf knapp 90 Seiten fast ebensoviele Post-its verklebt – das will bei mir was heißen. Schon lange nicht mehr habe ich ein Buch so langsam und aufmerksam gelesen, Passagen mehrmals wiederholt und auf mich wirken lassen. In "Lieber Sohn oder So rettest du die Welt" aus der Reihe "Briefe an die kommenden Generationen" spielt Emilia Roig Möglichkeiten durch, wie wir in einer kollidierenden Welt weiterleben können und zeigt ihrem Sohn – stellvertretend für uns alle – gangbare Wege auf. Sie tut das in Form eines sehr persönlichen Briefes, der gleichzeitig philosophisch und politisch ist. Darin entwickelt sie eine Ethik der radikalen Fürsorge, die alle Dimensionen menschlichen Seins umfasst: das Körperliche, Geistige, Emotionale und Spirituelle. Roig fragt sich, ob es kommenden Generationen leichter fallen wird, die Risse in der Gesellschaft zu kitten – gerade weil sie mit ihnen aufwachsen und sie überdeutlich vor Augen haben. Wobei die Risse eigentlich schon lange da sind. Wir saßen bislang nur zu weich, als dass sie uns hätten zwicken können. Darum sollten wir nicht bloß unser Kissen aufschütteln, sondern schauen, wem eines fehlt und Risse als Raum für Neues sehen. Ihr Plädoyer: dem Leben verpflichtet sein und das „toxische Dreieck aus Kapitalismus, Patriarchat und Kolonialismus“ aufbrechen. Wo keine Gewalt herrscht, ist nämlich keine Verteidigung nötig. Und wenn wir nicht mehr alles nach ökonomischem Wert bemessen, erübrigt sich auch die Frage, ob sich etwas „lohnt“. Die Autorin ermutigt ihren Sohn – und damit uns – zu Authentizität statt Anpassung. Anhand vieler Beispiele macht sie deutlich, wie wichtig es ist, sensibel zu bleiben und Gefühle und Intuition nicht zu unterdrücken. Gerade in einer Gesellschaft, die Depression, Neurodivergenz und traumatische Reaktionen als "behandlungsbedürftige Störungen" begreift. Dabei sollte die Prämisse lauten: Fühlen statt funktionieren! Missstände aufzeigen und benennen ist in diesem Prozess der "Weltrettung" das eine, gegen sie aufbegehren der nächste Schritt. Doch wenn es beim Widerstand bleibt, kann keine Veränderung entstehen. Roig ruft daher dazu auf, nicht bloß zu hinterfragen, sondern sich der eigenen Macht und damit der Verantwortung bewusst zu werden, die Veränderung ermöglicht. Wir müssen uns öffnen, um uns miteinander verbinden zu können. Individuelle Traumata sind dabei nie isoliert, sondern immer Teil kollektiver Verletzungen – Heilung kann deshalb nur gemeinschaftlich geschehen. Roig stellt Thesen auf, die mich zum Nachdenken bringen. Wie sehr bin ich selbst Teil des Systems, das ich kritisiere? Sind meine Ängste wirklich meine, oder habe ich nur gelernt, mich zu fürchten, um das System zu erhalten? Ich kann diese kleine Reihe an kurzen Ausgaben zu gesellschaftsrelevanten Themen ausnahmslos allen ans Herz legen. Sie sind so voll von Gedanken, die es gilt, in die Welt zu tragen! "Wir müssen nicht auf einen großen Umbruch warten – wir sind der Umbruch." (S. 73)
Wieder unfassbar klug
In diesem Buch steht Fürsorge zentral für den gesellschaftlichen Wandel hin zu einer Erde, mit der wir und die mit uns leben kann. Dabei wird Fürsorge aus verschiedenen Perspektiven philosophisch betrachtet. Ich habe bereits "Why We Matter" und "Das Ende der Ehe" vom der Autorin gelesen bzw. verschlungen. Sie schafft es einfach immer wieder, mit ihren klugen und empathischen Worten meinen Horizont zu erweitern - mehr als jede andere Person, von der ich je gelesen habe. Teilweise findet sie sogar Erklärungen für diffuse, negative Empfindungen, die ich seit Ewigkeiten mit mir herumtrage und setzt diese (für mich erstmalig) in einen Kontext, der Sinn ergibt. Ich könnte diesem Büchlein gut und gerne auch 1000☆ geben.
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Emilia Roig, 1983 geboren, ist promovierte Politikwissenschaftlerin und Autorin der Bestseller »Why We Matter« und »Das Ende der Ehe«. 2020 war sie Mitglied der Jury zum Sachbuch des Jahres. Für ihre Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet.
Posts
Inspirierend, aber auch komplex/hochschwellig
Das Buch war sehr inspirierend und ich nehme mir auch viel mit, aber (für mich) war es zu komplex geschrieben. Ich habe Sätze und Absätze teilweise mehrmals lesen müssen, um den Inhalt zu verstehen. Es ist schade, dass gerade solche Bücher oft nicht niederschwellig geschrieben sind, um mehr Leute zu erreichen.
Dieses Buch regt zum Nachdenken an 🌍
Die Autorin hat in diesem kurzen Buch viele philosophische Denkanstöße untergebracht, am Anfang waren meiner Meinung nach sehr viele Fachbegriffe aneinander gereiht, in der zweiten Hälfte aber konnte man dem Text besser folgen. Eine sehr schöne Denkweise in der heutigen Zeit!

Wünschenswerte Sichtweise
Ich mag die Reihe „Briefe an die kommenden Generationen“ sehr. Es ist immer wieder spannend zu lesen , wie sich die Autorinnen mit den Herausforderungen der Zukunft auseinandersetzen. Emilia Roig-und hier zitiere ich Wikipedia - „ist eine französische Politologin, Autorin, Aktivistin und Expertin für soziale Gerechtigkeit, insbesondere mit Fokus auf Intersektionalität, Rassismus, Diskriminierung, Feminismus und strukturelle Ungleichheiten. Sie lebt seit 2005 in Berlin und gehört zu den einflussreichsten Stimmen in diesen Debatten im deutschsprachigen Raum. Sie schreibt diesen Brief an ihren Sohn und plädiert für ein System der Anarchie, dass sich auf radikale Fürsorge aufbaut. Roig stellt unser kapitalistisches System nicht nur infrage, sondern ist davon überzeugt, dass wir andere gesellschaftliche Wege gehen sollten und überhaupt nicht wissen können, was noch alles möglich ist. Besonders in Deutschland lähmt uns die Angst, Sicherheit zu verlieren. Sie macht unser kollektives Gedächtnis dafür verantwortlich, dass wir Regeln über alles stellen und zieht den direkten Vergleich zu ihrer Heimat Frankreich. Diese absolute Konformität zu Regeln mache uns anfällig für autoritäre Strömungen wie zum Beispiel den Faschismus. Um den in diesem Land wieder zu etablieren, braucht es ihrer Meinung nach keine starke Masse hinter rechtsradikalen Parteien, sondern ein Volk, das schweigt. Regeln zu brechen und sich dagegen aufzulehnen kann positive Umwälzungen bringen, so lautet ein Gedanke aus diesem klugen Buch. Jedes Kapitel bezieht sich immer auf das System einer radikalen Fürsorge, die uns Menschen von Natur aus mitgegeben ist und die neue Wege für eine gerechte Gesellschaft öffnen könnte. Selbst das große Feld der KI bezieht sie in ihre Gedanken mit ein. Mir ist direkt aufgefallen, wie tief sie in der Materie drin steckt. Den philosophischen Gedanken konnte ich im Großen und Ganzen folgen. Aber das Thema ist so komplex, dass ich nicht behaupten kann, dass ich alles bis zur Gänze nachvollziehe. In meinem Kopf kreist immer der Rückblick und das Wissen um Menschen, die ein System der Anarchie niemals mittragen würden. Ich glaube schon, dass Egoismus überwiegt. Doch ist es ein interessantes Gedankenspiel, dass sie uns auftischt und dessen reale Umsetzung mir sehr gefallen würde, allein ich hab keine Hoffnung, dass das jemals funktionieren würde. Der feministische Gedanke, den sie immer wieder einbringt, wirkt manchmal etwas weit hergeholt. Doch wenn wir genau drüber nachdenken und ihre Thesen auf ein Minimum runterbrechen, kommt man immer zu dem Schluss, dass unsere Systeme patriarchal gesteuert sind und radikale Fürsorge abwertend wirkt, weil sie weiblich konnotiert ist. Realisten werden an diesem Buch scheitern, es braucht schon utopischen Geist und einen kleinen Revoluzzer in einem drin, um Roigs Vision von einer Gesellschaft leben zu können. Emilia Roig hat mich nachdenklich gemacht und in meinem Umkreis zu Diskussionen geführt. Das war gut und anregend. Aber mir fällt es aktuell sehr schwer, ihre Aufforderung zur radikalen Fürsorge als ein Zukunftsmodell in unserer Gesellschaft zu sehen. Dazu ist das Gegenteil viel zu etabliert. Ich empfehle das Buch allen Träumern und den Menschen, die merken, dass sie nach neuen Lebensentwürfe suchen.
Große Liebe für ein kleines Buch! 💜
„Bevor du geboren wurdest, glaubte ich, die Welt ließe sich mit Argumenten retten.“ Wenn man mich nach berühmten ersten Sätzen fragen würde, dann wäre dieser auf jeden Fall dabei. Es sind diese Sätze, die Wucht dieser Sätze, die Bücher von Emilia Roig für mich so unglaublich beeindruckend und inspirierend machen. Gefühlt möchte ich fast jeden Satz in dem kleinen, aber feinen Büchlein „Lieber Sohn oder so rettest du die Welt“ aus dem Kjona Verlag, unterstreichen. Denn die dort an ihren Sohn gerichteten Worte sind nicht nur sehr, sehr klug, sondern auch unfassbar schön gewählt. Einfach aus Genuss lese ich die Sätze zwei bis dreimal, auch um ihren Sinn wirklich zu erfassen. Denn mit philosophischer Tiefe beschreibt Emilia Roig, was ihrer Meinung nach diese Welt, wir Menschen, ihr Sohn braucht, um zu überleben. Ihre Antwort ist so einfach wie herausfordernd: „Und so rettest du die Welt: Nicht durch Macht und Kontrolle, sondern durch Beziehung und Fürsorge.“ (S.21) Kollektive Fürsorge und die Verbundenheit mit dem Leben – so einfach soll es sein? Mir ist bewusst, dass die einfachsten Dinge manchmal die Schwersten sind, und deshalb ist dies auch kein Ratgeber zur Weltrettung. Emilia Roig nimmt uns mit auf ihre eigene Spurensuche nach Antworten und Lösungen und dabei streifen ihre Gedanken u.a. das Konzept der Anarchie, Wissenschaft und Magie, Widerstand und Aktivismus, Fürsorge und KI. Am liebsten würde ich jetzt meine ganzen unterstrichenen Sätze als Zitate wiedergeben. Am liebsten würde ich dieses Buch all den Menschen schenken, die an dem Zustand der Welt und an Hoffnungslosigkeit verzweifeln. Denn die eigentliche Krise ist unsere Entfremdung, die Erfahrung von Einsamkeit und Verlust. „Die Rettung beginnt in der Art, wie wir leben. Wie wir zuhören. Wie wir uns kümmern. Wie wir lieben.“ Das mindeste, was dieses Buch schafft, ist „das Gefühl, nicht allein zu sein mit deinen Fragen“ – so drückt Emilia Roig es als Wunsch für ihre Sohn aus. Im besten Fall bietet es eine Idee, Hoffnung und Trost, das, und auch wie es gelingen könnte. Auch wenn Emilia Roig sich wahrscheinlich dagegen verwehren würde: Vieles erinnert mich tatsächlich an die spirituelle Tradition, in der ich beheimatet bin. An das Vorbild und die Lehren Jesu. Weil Wahrheit universell ist und er als Christus auch in allen Wahrheiten zu finden ist. Eine Wahrheit, die sich nicht aufdrängt, sondern anbietet. Für einen Weg, den es zu suchen und zu entdecken gilt. In Verbundenheit und Fürsorge mit und für allem Lebendigen. Zum Schluss noch die abschließenden Sätze von Emilia Roig, welche zu schön sind, um sie nicht zu zitieren und welche auch meinen Wunsch für meine Kinder ausdrücken: „Was ich mir wünsche? Dass du deine innere Stimme nie verlierst. Dass du nicht vergisst, wie sehr du verbunden bist mit allem, was lebt. Dass du liebst, zweifelst, hoffst, traust, kämpfst, vergibst – und immer wieder aufstehst. Für das Leben selbst.“ (S. 89)
"Zusammenarbeit, Fürsorge und gegenseitige Unterstützung sind nicht nur menschliche Instinkte, sondern das Fundament des Lebens. Wir sind nicht dafür gemacht, allein zu sein." (S. 50) Auf knapp 90 Seiten fast ebensoviele Post-its verklebt – das will bei mir was heißen. Schon lange nicht mehr habe ich ein Buch so langsam und aufmerksam gelesen, Passagen mehrmals wiederholt und auf mich wirken lassen. In "Lieber Sohn oder So rettest du die Welt" aus der Reihe "Briefe an die kommenden Generationen" spielt Emilia Roig Möglichkeiten durch, wie wir in einer kollidierenden Welt weiterleben können und zeigt ihrem Sohn – stellvertretend für uns alle – gangbare Wege auf. Sie tut das in Form eines sehr persönlichen Briefes, der gleichzeitig philosophisch und politisch ist. Darin entwickelt sie eine Ethik der radikalen Fürsorge, die alle Dimensionen menschlichen Seins umfasst: das Körperliche, Geistige, Emotionale und Spirituelle. Roig fragt sich, ob es kommenden Generationen leichter fallen wird, die Risse in der Gesellschaft zu kitten – gerade weil sie mit ihnen aufwachsen und sie überdeutlich vor Augen haben. Wobei die Risse eigentlich schon lange da sind. Wir saßen bislang nur zu weich, als dass sie uns hätten zwicken können. Darum sollten wir nicht bloß unser Kissen aufschütteln, sondern schauen, wem eines fehlt und Risse als Raum für Neues sehen. Ihr Plädoyer: dem Leben verpflichtet sein und das „toxische Dreieck aus Kapitalismus, Patriarchat und Kolonialismus“ aufbrechen. Wo keine Gewalt herrscht, ist nämlich keine Verteidigung nötig. Und wenn wir nicht mehr alles nach ökonomischem Wert bemessen, erübrigt sich auch die Frage, ob sich etwas „lohnt“. Die Autorin ermutigt ihren Sohn – und damit uns – zu Authentizität statt Anpassung. Anhand vieler Beispiele macht sie deutlich, wie wichtig es ist, sensibel zu bleiben und Gefühle und Intuition nicht zu unterdrücken. Gerade in einer Gesellschaft, die Depression, Neurodivergenz und traumatische Reaktionen als "behandlungsbedürftige Störungen" begreift. Dabei sollte die Prämisse lauten: Fühlen statt funktionieren! Missstände aufzeigen und benennen ist in diesem Prozess der "Weltrettung" das eine, gegen sie aufbegehren der nächste Schritt. Doch wenn es beim Widerstand bleibt, kann keine Veränderung entstehen. Roig ruft daher dazu auf, nicht bloß zu hinterfragen, sondern sich der eigenen Macht und damit der Verantwortung bewusst zu werden, die Veränderung ermöglicht. Wir müssen uns öffnen, um uns miteinander verbinden zu können. Individuelle Traumata sind dabei nie isoliert, sondern immer Teil kollektiver Verletzungen – Heilung kann deshalb nur gemeinschaftlich geschehen. Roig stellt Thesen auf, die mich zum Nachdenken bringen. Wie sehr bin ich selbst Teil des Systems, das ich kritisiere? Sind meine Ängste wirklich meine, oder habe ich nur gelernt, mich zu fürchten, um das System zu erhalten? Ich kann diese kleine Reihe an kurzen Ausgaben zu gesellschaftsrelevanten Themen ausnahmslos allen ans Herz legen. Sie sind so voll von Gedanken, die es gilt, in die Welt zu tragen! "Wir müssen nicht auf einen großen Umbruch warten – wir sind der Umbruch." (S. 73)
Wieder unfassbar klug
In diesem Buch steht Fürsorge zentral für den gesellschaftlichen Wandel hin zu einer Erde, mit der wir und die mit uns leben kann. Dabei wird Fürsorge aus verschiedenen Perspektiven philosophisch betrachtet. Ich habe bereits "Why We Matter" und "Das Ende der Ehe" vom der Autorin gelesen bzw. verschlungen. Sie schafft es einfach immer wieder, mit ihren klugen und empathischen Worten meinen Horizont zu erweitern - mehr als jede andere Person, von der ich je gelesen habe. Teilweise findet sie sogar Erklärungen für diffuse, negative Empfindungen, die ich seit Ewigkeiten mit mir herumtrage und setzt diese (für mich erstmalig) in einen Kontext, der Sinn ergibt. Ich könnte diesem Büchlein gut und gerne auch 1000☆ geben.











