Leviathan
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LEVIATHAN - Mit welchem Monster kämpfst Du? Oder bist Du selbst das Monster?
Die Geschichte, die ich zu erzählen habe, ist ziemlich kompliziert, und sollte ich noch nicht damit fertig sein, wenn sie die Antwort gefunden haben, wird das, was ich hier aufschreiben will, überhaupt keinen Sinn ergeben. Sobald das Geheimnis enthüllt ist, werden alle möglichen Lügen in Umlauf kommen, in Zeitungen und Zeitschriften werden hässliche Verzerrungen zirkulieren, und binnen weniger Tage wird der gute Ruf eines Mannes zerstört sein. Nicht, dass ich seine Taten verteidigen möchte, aber da er sich nicht mehr selbst verteidigen kann, will ich wenigstens erklären, wer er war und was er wirklich auf dieser Straße im nördlichen Wisconsin zu suchen hatte. Deshalb muss ich mich beeilen: damit ich auf sie vorbereitet bin, wenn es soweit ist. - Zitat, Seite 10 Ein Mann sprengt sich selbst in die Luft und seine Einzelteile werden weithin - bis zur völligen Unkenntlichkeit - zerstreut. Wenige Tage später stehen zwei Beamte des FBI vor der Tür des Ich-Erzählers, Peter Aaron, der den Unwissenden und harmlosen Schriftsteller mimt - so steigen wir in den 1992 erschienenen Roman von Paul Auster ein, der mit seinem Erzähler nicht nur die Initialen teilt. Und natürlich weiß Peter ganz genau, um welchen Mann es sich handelt, der in Wisconsin in die Luft flog: Benjamin Sachs, der Schriftsteller und beste Freund des Ich-Erzählers. Ein Mensch, der "groß darin war, Fakten in Symbole zu verwandeln" (Seite 37). Dem der Autor nicht umsonst die Optik des berühmten Schriftstellers Henry David Thoreau verpasst - und auch ein wenig von dessen Natur. Denn Thoreau hat nicht nur den Klassiker "Walden" geschrieben, sondern auch einen Essay mit dem launigen Titel "Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat" verfasst. Also dürften wir auch anarchistische Tendenzen bei unserem Freund Benjamin vermuten, der ansonsten natürlich ein Prachtkerl ist, auch wenn er laut seiner Ehefrau "einer dieser jungen Männer [ist], die sich entweder umbringen, oder die Welt aus den Angeln heben." Wie in einem Kosmos von Dickens ist hier jede Figur mit den anderen verbunden (auch wenn es nicht ganz so viele sind wie im klassischen Vorbild). Es lohnt hier also wirklich, auf jede Neuvorstellung zu achten, denn es gibt nur ein Handvoll an Randfiguren. Wie bereits erwähnt, flicht sich der Autor ein Stück weit selbst in den Roman ein, auch wenn die Biografischen Zitate nicht unbedingt handlungsrelevant sind. So bekommt Peter mit seiner ersten Frau Delia (real: Lydia) einen Sohn, David (real: Daniel), doch die Ehe scheitert. Später begegnet der Ich-Erzähler wie im wahren Leben 1981 einer nordischen Schönheit, die er für ein Modell hält. Iris entspricht Siri Hustvedt, die zum damaligen Zeitpunkt auch Literatur studiert und ihre Dissertation über Charles Dickens schreibt. Intertextualität ist ein großes Merkmal und zeichnet den Stil des Romans auf charmante Weise aus. Paul Austers Schreiben schafft von Anfang an eine starke Verbindlichkeit. Man fühlt sich sogleich abgeholt. Auch wenn im Laufe der Geschichte die verschiedenen Blickwinkel auf ein und dieselbe Situation für Verunsicherung sorgen, entsteht gleichzeitig auch Spannung und die ambivaltente Stimmung des Romans belebt den Text auf anregende Weise. Was die Geschichte von Benjamin Sachs angeht, trifftet sie ab einem gewissen Punkt in eine Richtung ab, die etwas drüber, zumindest aber nicht ganz so überzeugend wirkt. Vielleicht war dies bei Veröffentlichung des Romans noch nicht der Fall, aber aus heutiger Perspektive gibt es doch ein paar kritische Punkte. Insgesamt gelingt Paul Auster jedoch, einen spannenden Beitrag zur Gegenwartsliteratur zu leisten, der definitiv nachhallt. Und was sagt er selbst auf Seite 53 über Bücher? "Bücher werden aus Unsicherheit geboren, und wenn sie nach ihrer Niederschrift weiterleben, dann nur durch das, was unverständlich an ihnen ist." FAZIT Nach der Lektüre von "Ghost Stories" dem Erinnerungsbuch, welches Siri Hustvedt nach dem Tod ihres Ehemannes Paul Auster (gestorben 2024) geschrieben hat, wollte ich unbedingt ein Buch des amerikanischen Schriftstellers entdecken. Und zufällig fiel mir in der Bibliothek Leviathan in die Hände, ein Roman mit sehr vielen autobiographischen Zügen. Übrigens ist der zweite Vorname von Paul Auster Benjamin - hat also der Autor auch einige Gemeinsamkeiten mit der Figur Benjamin Sachs?! Das ist natürlich reine Spekulation. Tatsächlich inspirieren ließ sich Auster damals von der Künstlerin Sophie Calle, wodurch sogar eine spätere Kooperation resultierte. Für Leviathan gibt es von mir eine Leseempfehlung - es war mein erster Roman von Paul Auster, aber sicher nicht mein letzter.
Amazing character development. The story is bizzare, but just enough to be realistic. Benjamin Sacks is somebody you start loving and slowly but surely feeling sorry for - just like the author himself. One of not many books where the narrator is not at all that likeable. A wonderful story of a man's lifetime.
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LEVIATHAN - Mit welchem Monster kämpfst Du? Oder bist Du selbst das Monster?
Die Geschichte, die ich zu erzählen habe, ist ziemlich kompliziert, und sollte ich noch nicht damit fertig sein, wenn sie die Antwort gefunden haben, wird das, was ich hier aufschreiben will, überhaupt keinen Sinn ergeben. Sobald das Geheimnis enthüllt ist, werden alle möglichen Lügen in Umlauf kommen, in Zeitungen und Zeitschriften werden hässliche Verzerrungen zirkulieren, und binnen weniger Tage wird der gute Ruf eines Mannes zerstört sein. Nicht, dass ich seine Taten verteidigen möchte, aber da er sich nicht mehr selbst verteidigen kann, will ich wenigstens erklären, wer er war und was er wirklich auf dieser Straße im nördlichen Wisconsin zu suchen hatte. Deshalb muss ich mich beeilen: damit ich auf sie vorbereitet bin, wenn es soweit ist. - Zitat, Seite 10 Ein Mann sprengt sich selbst in die Luft und seine Einzelteile werden weithin - bis zur völligen Unkenntlichkeit - zerstreut. Wenige Tage später stehen zwei Beamte des FBI vor der Tür des Ich-Erzählers, Peter Aaron, der den Unwissenden und harmlosen Schriftsteller mimt - so steigen wir in den 1992 erschienenen Roman von Paul Auster ein, der mit seinem Erzähler nicht nur die Initialen teilt. Und natürlich weiß Peter ganz genau, um welchen Mann es sich handelt, der in Wisconsin in die Luft flog: Benjamin Sachs, der Schriftsteller und beste Freund des Ich-Erzählers. Ein Mensch, der "groß darin war, Fakten in Symbole zu verwandeln" (Seite 37). Dem der Autor nicht umsonst die Optik des berühmten Schriftstellers Henry David Thoreau verpasst - und auch ein wenig von dessen Natur. Denn Thoreau hat nicht nur den Klassiker "Walden" geschrieben, sondern auch einen Essay mit dem launigen Titel "Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat" verfasst. Also dürften wir auch anarchistische Tendenzen bei unserem Freund Benjamin vermuten, der ansonsten natürlich ein Prachtkerl ist, auch wenn er laut seiner Ehefrau "einer dieser jungen Männer [ist], die sich entweder umbringen, oder die Welt aus den Angeln heben." Wie in einem Kosmos von Dickens ist hier jede Figur mit den anderen verbunden (auch wenn es nicht ganz so viele sind wie im klassischen Vorbild). Es lohnt hier also wirklich, auf jede Neuvorstellung zu achten, denn es gibt nur ein Handvoll an Randfiguren. Wie bereits erwähnt, flicht sich der Autor ein Stück weit selbst in den Roman ein, auch wenn die Biografischen Zitate nicht unbedingt handlungsrelevant sind. So bekommt Peter mit seiner ersten Frau Delia (real: Lydia) einen Sohn, David (real: Daniel), doch die Ehe scheitert. Später begegnet der Ich-Erzähler wie im wahren Leben 1981 einer nordischen Schönheit, die er für ein Modell hält. Iris entspricht Siri Hustvedt, die zum damaligen Zeitpunkt auch Literatur studiert und ihre Dissertation über Charles Dickens schreibt. Intertextualität ist ein großes Merkmal und zeichnet den Stil des Romans auf charmante Weise aus. Paul Austers Schreiben schafft von Anfang an eine starke Verbindlichkeit. Man fühlt sich sogleich abgeholt. Auch wenn im Laufe der Geschichte die verschiedenen Blickwinkel auf ein und dieselbe Situation für Verunsicherung sorgen, entsteht gleichzeitig auch Spannung und die ambivaltente Stimmung des Romans belebt den Text auf anregende Weise. Was die Geschichte von Benjamin Sachs angeht, trifftet sie ab einem gewissen Punkt in eine Richtung ab, die etwas drüber, zumindest aber nicht ganz so überzeugend wirkt. Vielleicht war dies bei Veröffentlichung des Romans noch nicht der Fall, aber aus heutiger Perspektive gibt es doch ein paar kritische Punkte. Insgesamt gelingt Paul Auster jedoch, einen spannenden Beitrag zur Gegenwartsliteratur zu leisten, der definitiv nachhallt. Und was sagt er selbst auf Seite 53 über Bücher? "Bücher werden aus Unsicherheit geboren, und wenn sie nach ihrer Niederschrift weiterleben, dann nur durch das, was unverständlich an ihnen ist." FAZIT Nach der Lektüre von "Ghost Stories" dem Erinnerungsbuch, welches Siri Hustvedt nach dem Tod ihres Ehemannes Paul Auster (gestorben 2024) geschrieben hat, wollte ich unbedingt ein Buch des amerikanischen Schriftstellers entdecken. Und zufällig fiel mir in der Bibliothek Leviathan in die Hände, ein Roman mit sehr vielen autobiographischen Zügen. Übrigens ist der zweite Vorname von Paul Auster Benjamin - hat also der Autor auch einige Gemeinsamkeiten mit der Figur Benjamin Sachs?! Das ist natürlich reine Spekulation. Tatsächlich inspirieren ließ sich Auster damals von der Künstlerin Sophie Calle, wodurch sogar eine spätere Kooperation resultierte. Für Leviathan gibt es von mir eine Leseempfehlung - es war mein erster Roman von Paul Auster, aber sicher nicht mein letzter.
Amazing character development. The story is bizzare, but just enough to be realistic. Benjamin Sacks is somebody you start loving and slowly but surely feeling sorry for - just like the author himself. One of not many books where the narrator is not at all that likeable. A wonderful story of a man's lifetime.






