Puh... schwierig!
Ich hab mich durch dieses Buch gequält und was bleibt am Ende... so einige Fragezeichen!
vorallem: was ist mit bzw in diesem verdammten Wald los?!?
Das ein oder andere Kapitel war echt nicht schlecht, im großen und ganzen war's einfach nicht meins.
Dreihundert Seiten, drei Generationen einer ungarischen Adelsfamilie
Es ist absolut spannend zu erleben, wie Nelio Biedermann es schafft eine Geschichte über 300 Seiten zu erschaffen, die sich über 3 Generationen und absolut unendlich viele geschichtliche Momente berührt. Bruchstückhaft und doch verbindend erleben wir mehrere Geschwister in ihrem Leben, ihren Kampf, ihre Hoffnung die Liebe zu erhalten und den langsamen Zerfall ihres Standes und Reichtumes.
Ich habe mir etwas schwer getan mit dem Buch.
Es gibt einige weniger zusammenhängende Kapitel.
Einigen Szenen der Vergewaltigung und Kreigsverbrechen, sodass ich das Buch einige Tage weg legen musste.
Lazar“ von Nelio Biedermann ist definitiv kein Buch, in das man sofort leicht hineinfindet. Der Schreibstil und die Erzählweise sind sehr ungewöhnlich – man wird direkt mitten ins Geschehen geworfen, ohne große Erklärungen zu den Figuren oder Zusammenhängen. Gerade am Anfang hat mich das eher überfordert, weil die Geschichte über mehrere Generationen hinweg erzählt wird und vieles erst nach und nach Sinn ergibt.
Trotzdem hat mich das Buch irgendwann gepackt. Entweder gewöhnt man sich an diese besondere Art zu erzählen oder man beginnt, genau darin den Reiz zu entdecken. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto stärker entfaltet sie ihre Wirkung. Besonders beeindruckend finde ich, wie originell das Ganze geschrieben ist. Es hebt sich deutlich von der typischen Masse an Familiengeschichten ab und traut sich sprachlich und erzählerisch wirklich etwas Eigenes.
„Lazar“ ist sicher kein einfaches Buch und wahrscheinlich auch nicht für jeden Leser geeignet. Aber gerade weil es so anders ist, bleibt es im Kopf. Wer offen für außergewöhnliche Literatur ist und sich auf eine ungewohnte Erzählweise einlassen kann, bekommt hier ein sehr besonderes und mutiges Buch. Für mich am Ende definitiv eine Empfehlung.
Ungarische Familiengeschichte und geschichtliche Hintergründe
Der 22-jährige Schweizer Schriftsteller Nelio Biedermann erzählt die Geschichte einer ungarischen Adelsfamilie in den Fängen des katastrophalen 20. Jahrhunderts - die Geschichte seiner eigenen Familie.
Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als ob er dessen Geheimnis ahnte. Mit Lajos’ Geburt im Waldschloss bricht auch das 20. Jahrhundert an, das das alte Leben der Barone Lázár im südlichen Ungarn für immer verändern wird. Der Untergang des Habsburgerreichs berührt erst nur ihre Traditionen, aber alle spüren das Beben der Zeit, die schöne Mária ebenso wie der geisterhafte Onkel Imre. Als Lajos in den zwanziger Jahren sein Erbe antritt, scheint der alte Glanz noch einmal aufzublühen. Doch die Kinder Eva und Pista – der das Dunkle so liebt – müssen erleben, wie totalitäre Zeiten ihre wuchtigen Schatten werfen – und lernen, gegen sie zu bestehen.
Ein Roman wie eine Welt, die überwältigende Saga einer Familie, getrieben von der Liebe und der Sehnsucht nach ihr, in den Strudeln des 20. Jahrhunderts. Fesselnd und berührend, zugleich voller Leichtigkeit, voller Träume und Geheimnisse, in denen sich die ganze Tragik und Schönheit der Existenz spiegelt. Und – ob angesichts historischer Katastrophen oder schöner Sommertage – die ewige Frage, wie man leben soll.
Atmosphärische Familiengeschichte mit magical realism
Der Roman erzählt die Geschichte von Lajos und seinem Sohn Pista vor dem Hintergrund Ungarns während der beiden Weltkriege. Dabei entsteht ein eindrückliches Bild einer Zeit, die geprägt ist von Umbrüchen, Verlust und gesellschaftlichen Spannungen.
Was mich besonders überzeugt hat, war die Stimmung: durchgehend intensiv, fast greifbar. Eine gewisse Schwere zieht sich durch die Handlung, ohne erdrückend zu werden und immer wieder durchzogen von Momenten, die Hoffnung aufscheinen lassen.
Auch die Elemente des Magical Realism sind unglaublich stimmig eingesetzt. Sie wirken nie aufgesetzt, sondern fügen sich ganz selbstverständlich in die Erzählung ein und verstärken die besondere Atmosphäre noch einmal.
Die Figuren sind vielschichtig, lebendig und bleiben im Kopf. Unterschiedliche Perspektiven machen die Geschichte komplex und geben ihr Tiefe. Jede Figur bringt ihre eigene Realität und ihre eigenen Konflikte mit.
Mein Fazit:
Ein intensiver, atmosphärisch sehr dichter Roman mit starken Figuren und einem besonderen erzählerischen Ton. Für mich ein echtes Highlight.
Ich kann den Rummel um dieses Buch gut nachvollziehen. Eigensinnig und mutig schafft Nelio Biedermann es tatsächlich auf etwas mehr als 300 Seiten einen Generationenroman zu schaffen, allerdings mit Abstrichen.
Das rasante Tempo, in dem der Autor das Publikum durch 3 Generationen schleust, ist eine Herausforderung, macht aber auch den Reiz des Buches aus. Stakkatoartig werden Figuren und Themen eingeführt. Hier ist vollste Aufmerksamkeit gefordert. Das hat mir gefallen. Die Verknüpfung der Fragmente gelingt gut. Ein Großteil der losen Enden werden früher oder später wieder aufgenommen. Schnell ist klar, dass man sich in keiner Geschichte zu sehr einrichten sollte. Trotzdem hätte ich gern etwas länger bei dem ein oder anderen Charakter verweilt.
Insbesondere die Schloss Szenen sind atmosphärisch beschrieben und es werden spannende Bilder geschaffen - das Kind mit transparenter Haut, der Junge im Schatten, das blaue Zimmer, der verwunschene Wald. Leider wird kein Motiv vertieft.
Besonders zu Beginn habe ich keinen passenden Zugang zur Sprache finden können. Dies lag weniger daran, dass das Buch kompliziert geschrieben ist, aber einige Passagen erscheinen mir wie aus einer Schreibwerkstatt, wieder und wieder überarbeitet, verschoben und künstlich verdichtet. Im Vergleich dazu plätschern andere Stellen ‚normal‘ dahin. So entsteht ein unruhiger Duktus. Im letzten Drittel klingen diese Unstimmigkeiten etwas ab und der Stil wird flüssiger und harmonischer.
‚Lázár‘ zeigt das große Potential des Autors. In diesem Roman ist jedoch alles zu gewollt. Die Bezüge zu namenhaften Schriften von z.B. Proust, E.T.A. Hoffmann oder Virgina Woolf unterstreichen diesen Eindruck, wirken sie vielmehr altklug als inhaltlich fördernd.
Ich empfehle das Buch allen, die sich gern mal auf ein bisschen was anderes einlassen wollen und Spaß an Diskussionen zu aktuellen Literaturhypes haben.
Der Roman Lázár von Nelio Biedermann erzählt vom Niedergang einer ungarischen Adelsfamilie über mehrere Generationen. Im Zentrum steht Lajos von Lázár, ein rätselhaftes Kind, das in eine Welt hineingeboren wird, die bereits im Zerfall begriffen ist. Während politische Umbrüche und Kriege das 20. Jahrhundert prägen, verliert die Familie nach und nach ihren Besitz, ihren Status und ihren Halt. Persönliche Schicksale und große Geschichte greifen dabei eng ineinander. Die Atmosphäre kippt von märchenhaft zu düster und zeigt, wie die Familie dem Lauf der Zeit nicht standhalten kann.
Mich hat das Buch nicht richtig reingezogen, obwohl die Grundidee stark ist. Es bleibt über weite Strecken distanziert – ich war eher Beobachterin als Teil der Geschichte. Die Figuren sind für mich nicht richtig greifbar geworden, auch Lajos nicht, obwohl er im Zentrum steht. Dadurch hatte ich emotional wenig Anknüpfung, vieles blieb kühl und auf Abstand.
Außerdem hat mich die Erzählweise nicht immer getragen. Die Zeitsprünge und Wechsel wirken stellenweise sprunghaft, sodass ich immer wieder neu einsteigen musste. Die Atmosphäre ist zwar besonders und gut aufgebaut, aber sie ersetzt für mich keine echte Bindung zur Handlung.
Das Buch hat mich richtig gecatcht! Ich konnte es einfach nicht aus der Hand legen, sobald ich einmal angefangen hatte.
Der Schreibstil ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürfrig und auch etwas unerwartet aber er hat mir sehr gefallen, das Buch wäre auch ohne diesen Schreibstil nur halb so interessant.
Die Geschichte an sich ist auch total fesselnd, etwas verstörend aber unglaublich interessant. Die Themen sind natürlich keine leichte Kost und ein paar Szenen sind auch sehr explizit, aber alles in allem ein top Buch. 🪴
Schon wieder so ein Roman, den ich ziemlich überhyped finde. Mir fehlt hier eine konsistente Handlung und eine Charakterentwicklung. Die Story hätte sicherlich das Potenzial gehabt, ein richtiger Familienepos zu werden, wenn man sich drauf einlässt aber dafür reichen eben keine 300-400 Seiten. Ich hätte es besser gefunden, wenn man sich 2-3 Hauptcharaktere aus der Familie aussucht und dann wirklich tiefgehend deren Geschichte erzählt, stattdessen wirkt es auf mich wie ein Stammbaum, der schnell über zahlreiche Generationen runtergerattert wird. Vor allem das Ende war super langweilig und nichtssagend. Nichtsdestotrotz finde ich den Schreibstil sehr stark und bin gespannt, was von Nelio noch kommt.
Puh schwierig. Hat mir nicht gut gefallen. Viele Dinge wurden nur angeschnitten, wenig wurde zu Ende besprochen, manches kam einmal vor und dann nie wieder. Trotz nur wenigen Seiten und einer langen behandelten Zeitspanne gab es deutliche Längen. Zwischenzeitlich auch einfach abstoßende Beschreibungen. Echt nicht mein Buch!
Habe wirklich ein paar Tage gebraucht, um mir eine Meinung darüber zu bilden. Ich versuche, meine Gedanken und vorallem Fragen zusammen zu fassen:
- War der Schreibstil wirklich schön und beeindruckend? Definitiv.
- Was hat es mit diesem doofen Wald auf sich? Warum wurde hier nichts geklärt?
- Wieso wurde generell so gut wie nichts geklärt/ aufgelöst in diesem Buch? Das meiste wurde innerhalb weniger Seiten angeschnitten und dann nie wieder erwähnt
- Wie kann es sein, dass ein 330-seitiger Familienepos, welcher sich über ca. 60 Jahre erstreckt, Längen hat?
- Finde ich es anmaßend, einer historischen Figur (einem echten Menschen) in ihren letzten Momenten kurz vor der Hinrichtung Gefühle und Gedanken anzudichten? Auf jeden Fall.
- Ich habe das gesamte Buch über ein konstantes Gefühl von leichtem Ekel, welcher mal mehr und mal weniger wurde, empfunden
- War das Ende eins der laschesten und unspektakulärsten, die ich je gelesen habe? Oh ja.
- Möchte ich lesen, wie sich eine MINDERJÄHRIGE mit einer Kerze selbstbefriedigt? Hell nah. (Nelio, was zur Hölle ging in deinem Kopf ab, als du das bzw. generell das gesamte Buch geschrieben hast? 👀)
Auch wenn das Buch mir zwischendrin schwer wurde und ich eher stockend voran kam, hast es mich am Ende wieder total in Bann gezogen und ich habe es ab dem zweiten Weltkrieg quasi verschlungen.
Ich finde es unglaublich, wie man als 23 jähriger eine solche Sprachgewalt haben kann, wie Biedermann sie in seinen Buch zeigt.
Es gab Stellen, von denen ich mich richtiggehend in die Geschichte hinein gesaugt fühlte.
Auch die Bilder die in meinem Kopf gezeichnet hat, waren vergleichbar mit selbst erleben oder in Museen gesehenen alten Meistern.
Ich bin beeindruckt!
Lajos von Lázár kommt um die Wende zum 20. Jahrhundert im Waldschloss seiner ungarischen Adelsfamilie zur Welt. Er wird in eine düstere Stimmung geboren, geprägt vom Verschwinden des Großvaters im ebenso düsteren, das Schloss umgebenden Wald, und vom scheinbaren Wahnsinn seines Onkels Imre, der den Stücken von E. T. A. Hoffmann verfallen ist. Wir verfolgen Lajos Lebensweg und den seines Sohnes und Enkelsohnes durch die folgenden Jahrzehnte, durch die Nazizeit und den zweiten Weltkrieg, bis in den kalten Krieg und von Ungarn in die Schweiz.
Ja, es ist ein Hype-Buch, ausgezeichnet als Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen 2025 und in zig Sprachen übersetzt. Andererseits kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass das Buch wegen dieses Hypes auch ganz besonders unter die Lupe genommen wird und zahlreiche sehr negative Reaktionen hervorruft. Inwiefern diese gerechtfertigt sind, kann ich nur mit meiner absolut laienhaften, subjektiven Meinung beurteilen.
Der Stil ist tatsächlich zunächst sehr blumig und gelinde gesagt ungewöhnlich für einen so jungen Mann im 21. Jahrhundert. Ich persönlich mag ihn. Doch genauso wie die Stimmung im Buch ändert sich auch die Sprache im Verlauf der Geschichte, denn andere Teile des Buches orientieren sich an anderen sprachlichen Vorbildern, etwa Marcel Proust oder Thomas Mann. Ich habe mir sagen lassen, dass von Proust einiges übernommen wird, dazu kann ich nichts sagen, ich habe Proust nicht gelesen. Mir gefällt die Anpassung der Sprache an die Zeit und an verschiedene, diese prägende literarische Vorbilder, ausgesprochen gut und meiner Meinung nach liest sie sich auch sehr gut.
Die Geschichte basiert locker auf Biedermanns eigener Familiengeschichte und veranlasst zum Recherchieren und Nachlesen von Stammbäumen und politischen Sachverhalten, ein weiterer Aspekt, den ich an einem Buch sehr schätze und der mir darüber hinaus klargemacht hat, wie wenig ich über Ungarn weiß und dass ich, wenn ich mich recht erinnere, noch nie ein Buch ungarischer Herkunft gelesen habe (was sich unbedingt ändern soll).
Zusammenfassend stelle ich fest, dass mir dieses Buch wirklich gefallen hat. Als Meisterwerk würde ich es jedoch nicht bezeichnen. Ich möchte abschließend noch kurz auf zwei Vorwürfe eingehen, die ich in Bezug auf das Buch oft lese. Erstens, die vielen ach so schrecklichen Sexszenen. Davon hatte ich so oft gehört, dass ich schon mit Pornografie gerechnet hatte. Zu meiner Überraschung kamen dann zwar durchaus häufige, aber kurz gehaltene und in meinen Augen harmlose Schilderungen sexueller Handlungen. Auch Andeutungen von Missbrauch sind vorhanden, hierfür wendet Biedermann interessant eingesetzte Stilmittel an. Diesen ersten Vorwurf kann ich schon einmal gar nicht nachvollziehen. Der andere ist der, das Buch sei mit KI geschrieben. Ich bin keine Expertin, nutze KI selbst so gut wie gar nicht. Natürlich will ich meine Kunst KI-frei. Aber auch wenn ich nicht weiß, was KI beim Schreiben schon leisten kann, das Buch stellt Bezüge her, die sicher über einen Großteil der Geschichte spannen, und die Sprache ist wie schon festgestellt variantenreich, sodass ich nicht daran glaube. Sollte es doch so sein, ziehe ich es vor, darauf hereinzufallen, als dem jungen Autoren so etwas zu unterstellen.
Ich bin gespannt, was von Nelio Biedermann als Nächstes kommt.
Lazar ist auf jeden Fall ein ziemlich merkwürdiges, aber auch besonderes Buch, das mir noch länger im Kopf bleiben wird. Im Kern geht es viel um Identitätssuche. Die Figuren versuchen, ihren Platz in einem ziemlich aufwühlenden Jahrhundert zu finden. Dieses ganze Thema rund ums Erwachsenwerden und innere Konflikte kommt gut rüber.
Das historische Setting ist eigentlich richtig spannend gewählt, aber leider erfährt man über Kriege, wirtschaftliche Entwicklungen oder den größeren Kontext eher wenig. Stattdessen drehen sich viele Passagen immer wieder um Sexualität und Machtverhältnisse. Das ist zwar ein interessanter Ansatz, war mir persönlich auf Dauer aber etwas zu viel.
Der Schreibstil ist definitiv außergewöhnlich, teilweise lyrisch. Man muss sich drauf einlassen und auch mal zwischen den Zeilen lesen. Gleichzeitig ist das Buch ziemlich temporeich, mit oft abrupten Szenenwechseln. Manche Dinge sind überspitzt dargestellt (Besonders im Bereich weibliche Sexualität), was vermutlich ein Stilmittel sein soll, aber mich aus feministischer Sicht nicht abgeholt hat.
Spannend fand ich auch, dass man beim Lesen oft denkt, das Buch sei von einem deutlich älteren Mann geschrieben worden. Umso überraschender, dass der Autor noch so jung ist. Genau das merkt man aber manchmal auch, vor allem in der Art, wie Frauen dargestellt werden. Vielleicht ist das aber auch bewusst so gewählt, bin mir eher unsicher in dem Punkt. Der Erfolg des Buches zeigt jedenfalls, dass es dafür ein Publikum gibt. Und Respekt an so einen jungen, sehr talentierten Autor! Ich werde ihn weiter verfolgen und denke da hat die Welt noch einiges zu erwarten.
Unterm Strich fand ich Lazar interessant und anders, aber nicht durchgehend gut. Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass weibliche Perspektiven etwas realistischer dargestellt werden. Und ein bisschen weniger Fokus auf Sex. Das war stellenweise einfach nervig. 😬
Man muss Nelio Biedermann - trotz aller Kritikpunkte, die man bei ,,Lázár" anbringen kann - zumindest große Ambitionen zugestehen, die in diesem Roman stecken. Und ein unbbedingtes Talent. Die sprachlichen Bilder, die Biedermann schafft, sind von großer sprachlicher Kraft, die Atmosphäre dicht.
Doch zugleich arbeitet der Roman recht hastig die verschiedenen historischen Ereignisse und Charaktere ab und geht dabei bisweilen enorm oberflächlich zu Werke. Und die ausgestellte Selbstreferenzialität, wenn auf die Macht der Worte oder des Schriftstellers verwiesen wird, wirkt auch nie wie mehr als eine nette Meta-Spielerei.
Einin großen Teilen extrem gut erzähltes Buch, mit Stärken und Schwächen. Ein Buch, das (hoffentlivh) bewusst so geschrieben wurde, über das man sich im Leserunden oder Buchclubs super austauschen, über das man streiten, diskutieren kann. Ein Buch, das auch mich zwigespalten zurücklässt, weil ich das Erzähltalent des Autors sehe, das ich aber auch mehrfach abbrechen wollte. Ein Bucj, das evtl. besser wird, je länger/ intrnsivrr man darüber nachdenkt. Ich schwanke noch zwischen 3,5 und 4 Sternen.
Die Art und Weise in welcher dieses Buch geschrieben ist macht es unmöhlich das Buch beiseite zu legen. Ein Ausflug in die Geschichte Europas und deren Auswirkung auf Familien.
Entgegen der ganzen negativen Kritiken, bin ich total mitgerissen worden. Ich finde die Charaktere spannend und liebe es, dass nicht alles auf dem Silbertablett präsentiert wird. Man wird mitgerissen in den Fluss des Lebens dieser Familie, wird von einer Person zur nächsten gespült und erlebt Schicksale und die Resultate daraus. Es ist spannend und dramatisch zu sehen, was das Leben mit den Protagonisten macht und wie sich Eigenschaften durch die Familien ziehen. Die Sprache ist ein Geschenk, Sätze die harmonisch und bis ins kleinste Detail durchdacht wirken. Ich hätte gerne noch viele weitere Generationen verfolgt.😊
Ich habe mich durch das Buch gekämpft. Manche Kapitel waren sehr ereignisreich und dramatisch und einige Kapitel lang und mit unnötigen Ausschweifungen gespickt . Man musste sich sehr konzentrieren
, um die schnellen Ortswechsel und Zeitsprünge nachvollziehen zu können.
Die Anstrengung hat die Lesefreude bei diesen Buch für mich leider eingeschränkt. Am Ende bleiben bei mir zu viele Fragezeichen offen.
Die Geschichte hat mich nicht überzeugt. Alle handelnden Personen fand ich wenig sympathisch. Ich habe es nur gelesen, weil wir in unserem Buchclub darüber sprechen wollten. Ich hätte die Zeit angenehmer verbringen können.
Vielschichtiges, etwas düsteres Familienepos in Tradition der Romantiker. Es will manchmal etwas zu viel und versucht zu tiefsinnig zu sein, fast als habe man mehrere Prompts verdichtet. Zudem passen die Sexfantasien des 20jährigen Autors oft nicht ins Zeitkolorit oder zu den Figuren. An vielen Stellen ist der Roman dann aber wieder aber sehr klar und pointiert geschrieben, mache Vergleiche sind wirklich beeindruckend und die einfühlsame Figurengestaltung lässt einen in diese wechselhafte Welt versinken
Faszinierend, dass dieses Buch von einem 23- jährigen Mann geschrieben worden ist. Mein größter Respekt.
Was den Schreibstil angeht: 1A.
Der Inhalt jedoch hat mir nicht ganz so gut gefallen. Für meinen Geschmack teils zutiefst verstörend und ohne großen Handlungspunkt.
Trotzdem eine Empfehlung weil es in meinen Augen literarische Kunst ist, was Nelio Biedermann hier geschaffen hat.
Die verwobenen und schnell aufeinander folgenden Entwicklungen der Personen lassen mich nicht recht in die Geschichte finden. Vermutlich liegt es bei mir an dem Schreibstil sowie an der Art und Weise der Darstellung von einzelnen Szenen.
Deswegen habe ich das Buch nach ungefähr der Hälfte abgebrochen.
Die Geschichte einer ungarischen Adelsfamilie und ihr Ende wird auf knapp 330 Seiten dem Leser näher gebracht. Die Erzählweise ist sehr dicht, sehr poetisch, teilweise sehr schwülstig. Mir waren es insgesamt zu wenig Seiten. Es wurden viele Phasen ins Lebensabschnitte nur kurz angeschnitten, manches wurde schnell abgehandelt.
Schöne, poetische Sprache. Tolles Setting. Hat mich nicht ganz überzeugen können, da die Geschichte oft an der Oberfläche bleibt und sich zu viele Erzählstränge einfach verlieren. Irgendwie haben dann doch der Tiefgang und um die 200 Seiten gefehlt.
Vielleicht ist man gar nicht sein Leben lang derselbe Mensch, hatte sie gedacht. Vielleicht ist man verschiedene Menschen, die anders denken, fühlen und aussehen und nur durch denselben Namen zusammengehalten werden.
Erzählt wird die Geschichte einer Adelsfamilie über mehrere Generation. Dabei passiert gefühlt auf jeder Seite etwas Neues und eine Entwicklung jagt die nächste.
Mit dem historischen Hintergrund der Österreich-Ungarischen Monarchie, über die Weltkriege und die Sowjetische Besatzung Ungarns lässt sich das Geschehen und das Handeln der Generationen immer wieder einordnen. Es ist deutlich kein Buch zum entspannen, da die behandelten Themen dafür einfach viel zu ernst sind. Aber das Buch lässt sich trotzdem nicht aus der Hand legen und fesselt einen immer noch ein (meist sehr kurzes) Kapitel zu lesen.
Definitiv ein Buch welches man guten Gewissens empfehlen kann. Dennoch wird es wahrscheinlich keines meiner Lieblings Bücher.
Ein schöner Roman mit viel geschichtlichen Hintergrund ♡
• Lazar •
Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als ob er dessen Geheimnis ahnte. Mit Lajos’ Geburt im Waldschloss bricht auch das 20. Jahrhundert an, das das alte Leben der Barone Lázár im südlichen Ungarn für immer verändern wird. Der Untergang des Habsburgerreichs berührt erst nur ihre Traditionen, aber alle spüren das Beben der Zeit, die schöne Mária ebenso wie der geisterhafte Onkel Imre. Als Lajos in den 20er-Jahren sein Erbe antritt, scheint der alte Glanz noch einmal aufzublühen. Doch die Kinder Eva und Pista – der das Dunkle so liebt – müssen erleben, wie totalitäre Zeiten ihre wuchtigen Schatten werfen – und lernen, gegen sie zu bestehen.
Rezension:
Lázár ist eine eindrucksvolle und zugleich gut lesbare Familiensaga. Der Roman beginnt mit der Geburt von Lajos von Lázár auf dem abgelegenen Waldschloss seiner Familie in Ungarn. Mit ihm beginnt nicht nur ein neues Leben, sondern auch ein neues Jahrhundert, das vieles verändern wird. Schon früh spürt man, dass zwischen Lajos und seinem Vater eine seltsame Distanz besteht. Es scheint als leihe ein unausgesprochenes Geheimnis über der Familie.
Im Mittelpunkt steht das Leben der Familie Lázár, das von Tradition, Stolz und alten Werten geprägt ist. Doch die politischen Veränderungen in Europa machen auch vor dem Schloss und der Familie nicht halt. Besonders deutlich wird das in der nächsten Generation. Eva und Pista müssen erleben, wie unsicher und bedrohlich ihre Zeit ist, und lernen, ihren eigenen Weg zu finden.
Nelio Biedermann erzählt die Geschichte in einer klaren und schönen Sprache. Der Schreibstil ist leicht verständlich, aber dennoch poetisch. Die Figuren sind lebendig beschrieben, ihre Gefühle und Konflikte wirken echt und berührend. Gleichzeitig vermittelt der Roman viel über geschichtliche Hintergründe.
Lázár ist mehr als nur die Geschichte einer Familie. Es ist ein Roman über Liebe, Verlust, Hoffnung und die Frage, wie man in schwierigen Zeiten richtig lebt. Eine bewegende Lektüre, die noch lange im Gedächtnis bleibt.
Ein sehr schönes und unterhaltsames Buch. am Anfang brauchte ich etwas um reinzukommen wegen des schreibstils aber es wurde besser und ich finde das Buch toll.
Ich habe das Buch als Hörbuch gehört – und das war eine hervorragende Entscheidung. Der Sprecher ist großartig! Die Familiengeschichte ist wirklich bewegend und gleichzeitig stellenweise ziemlich krass erzählt
Im Zentrum des Romans steht eine ungarische Adelsfamilie, deren Geschichte sich über mehrere Generationen entfaltet. Ausgehend von einem scheinbar sorglosen Leben im abgelegenen Waldschloss gerät ihre Welt durch die großen politischen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts ins Wanken. Kriege und Revolutionen zerstören nach und nach das Fundament ihrer Existenz. Was bleibt, ist eine Familie, die zwischen Leidenschaft, Konflikten, Liebe und tragischen Verlusten die versucht, ihren Platz in einer neuen Wirklichkeit zu finden.
Beim Hören dachte ich mehr als einmal: Dieser Autor schreibt, als käme er aus einem anderen Jahrhundert. Die Sprache wirkt kraftvoll, reif und literarisch sehr sicher und gleichzeitig
erzählt der Autor mit einem Tempo und einer Direktheit, die sehr modern wirken. Umso erstaunlicher ist es, dass der Nelio Biedermann noch so jung ist – das hätte ich beim Hören wirklich nicht vermutet.
Ich habe das Hörbuch zweimal gehört . Beim erneuten Hören fielen mir noch mehr Details und kleine Hinweise auf, die ich beim ersten Durchgang überhört habe. Außerdem empfehle ich eine Liste mit den Namen der Charaktere da man ansonsten schon mal durcheinander kommen kann.
Für mich hat „Lazar“ außerdem enormes Potenzial für eine Verfilmung. Die starken Figuren, die dramatische Familiengeschichte und die teilweise sehr bildhafte Erzählweise würden sich hervorragend für Kino oder eine Serie eignen.
Lázár lag bei mir unnötigerweise viel zu lange auf dem SuB. Endlich habe ich es in die Hand genommen, begonnen—und in einem Rutsch durchgelesen. Dicht erzähltes Historiendrama einer adligen Familie, deren Dekadenz und Einfluss mit den Jahren zerbricht. Unglaubliche Sogwirkung, und verdammt gut geschrieben! Beste Unterhaltung!
Ein beeindruckender historischer Roman eines sehr jungen Autors !
Nelio Biedermann schafft es auf 330 ein Familienepos zu illustrieren der seines gleichen sucht.
Die kurzen Kapitel sorgen für einen zügigen Lesefluss.
Die Protagonisten der Familie Lazar sind glaubhaft angesichts ihres Schicksals - emotional und schockierend zu gleich - dargestellt.
Der Roman überzeugt durch poetische fast schon lyrische Sprachbilder und Metaphern.
Trotz zahlreiche Referenzen auf andere Literaturgiganten (u.a. Th. Mann, Kafka, ETA Hofmann) bleibt das Buch sehr verständlich und greifbar.
Der Auto gliedert das Buch in Sinnabschnitte mit überaus passenden Titeln.
Besonders beeindruckt hat mich die historische Akkuratesse wie man sie bspw. Von Christoph Hein kennt. Sehr interessant dieses in der Literatur häufig gezeigten 1900-1950er Jahre aus ungarischer Perspektive zu erleben.
Große Empfehlung!
Dicht, intensiv, zum Teil grausam und verstörend wie das Leben selbst. Ein Familienepos auf 331 Seiten, was mich sehr berührt hat.
Dieses Buch kann ich kaum beschreiben, da es so völlig anders ist als alles, was ich bisher gelesen habe. Es hat definitiv Tiefgang und eine Schwere, die mich zeitweise arg mitgenommen hat, wenn man bedenkt, dass es vor realen historischen Hintergründen spielt.
Am bemerkenswertesten finde ich wie der junge Autor so viel Handlung umd Hintergründe in solch einer geringen Seitenzahl unterbringt. Ich musste mich beim Lesen schon konzentrieren, da auf jeder Seite wichtige Dinge passierten - meist in Form von Charakterentwicklung und Kriegsgeschichte. Wenn ich kurz abgelenkt war, hatte ich immer gleich etwas verpasst und musste zurückblättern.
Alles in allem hat mir das Buch gefallen, weil es die verschiedensten Emotionen in mir ausgelöst hat. Ein Highlight war es allerdings nicht. Den Hype um dieses Werkchen kann ich nicht so richtig nachvollziehen. Ich fand's gut, zum Nachdenken anregend, realistisch erzählt und teilweise sehr spannend. Auf jeden Fall für ältere LeserInnen zu empfehlen, die sich auch ein wenig für die ungarische/ deutsche Geschichte und für detailliert ausgearbeitete Charaktere interessieren . Weiße Pferde kamen allerdings nicht drin vor.
Also der Schreibstil war gewöhnungsbedürftig und man konnte so gar nicht mit den Charakteren warm werden. Das hat sich angefühlt wie eine Biografie. Bin beim lesen sehr oft abgeschweift
Lázár hat mich sofort mit seinem märchenhaften, schwebenden Stil gepackt. Diese Leichtigkeit macht den Roman schnell lesbar und verleiht ihm eine besondere Atmosphäre. Gleichzeitig gibt es Passagen, die deutlich sachbuchhafter wirken – nüchtern, fast protokollierend –, was interessante Kontraste schafft, auch wenn es den Fluss kurz unterbricht.
Der offene Schluss hat mir besonders gefallen. Vieles bleibt bewusst im Ungefähren, und obwohl inzwischen klar ist, dass der Roman autobiografisch grundiert ist, legt Biedermann nicht offen, welche Figuren tatsächlich seine Vorfahren sind. Dieses Schweigen passt perfekt zur Mischung aus Erinnerung, Legende und Fiktion.
Beeindruckend ist zudem, wie jung der Autor ist. Mit gerade einmal 19 Jahren stellt sich die spannende Frage, ob er es schafft, sich langfristig als Autor zu etablieren – das Talent dafür zeigt sich hier deutlich. Im literarischen Feld, in dem etwa Kim de l’Horizon aus der Schweiz mit Blutbuch für eine radikal innovative, nonbinäre Erzählweise ausgezeichnet wurde, wirkt Biedermanns Ansatz traditioneller, aber nicht weniger eigenständig. Er sucht nicht die sprachliche Grenzüberschreitung, sondern die atmosphärische Verdichtung – und das gelingt ihm erstaunlich gut.
P.S. Die Episode mit der Gurke und der schwangeren Frau am Ende haben mich etwas ratlos zurückgelassen. Ich verstehe nicht ganz, warum sie im Roman Platz gefunden haben – vielleicht als symbolische Brechung, vielleicht als biografischer Splitter –, aber für mich bleiben diese Motive eher rätselhaft als erzählerisch notwendig.
"Was tut ein Schriftsteller anders, [...], als Figuren das Recht auf Selbstbestimmung zu nehmen. Er legt ihnen Kriege in den Weg, schreibt ihnen Depressionen ins Gemüt oder entreißt ihnen ihre erste Liebe. [...] der Schriftsteller macht mit ihnen, was er will, lässt sie leiden und vergeblich hoffen [...]."
Ist es zu hoch gegriffen zu sagen, trotz des jungen Autors, dass es ein Glanzstück ist? Ich denke ja.
Diesmal möchte ich anders beginnen, als gewohnt. Ich hatte echt Bange in die Geschichte rein zu kommen, Bange, dass sie mir nicht gefällt, trotz des ganzen Hypes, Bange um die Kritik, das es zu viele Namen sein und man den Überblick verliert. (Ich hab mir anfänglich nen Namensverzeichnis geschrieben 🤭)
Aber es kam anders als gedacht. Ich war von jetzt auf gleich drin in der Story.
Es war eine Geschichte, die mich hat schmunzeln lassen, die mich überrascht hat, die mich geschockt stehen gelassen hat, die mich verwundert hat, die mich fasziniert hat und die mich überzeugt hat.
Ich würde sagen, für so einen jungen Autor, ist es ein Meisterwerk. Mir hat es verdammt gut gefallen und wer mehr über die Familiengeschichte der Lázárs, dem ungarischen Adel, den Untergang der Monarchie und der Aristokratie, dem Nationalsozialistismus, Stalinismus und Kommunismus in Ungarn lesen möchte, ist dies genau richtig.
Unbedingt Leseempfehlung und ein Jahreshighlight.
Dieses Buch ist ein wilder Ritt durch die ungarische Geschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts – bevölkert von skurrilen Figuren, die mal sympathisch, mal schwer erträglich sind. Dabei bleibt die Sprache durchgehend poetisch und trägt einen fast traumwandlerisch durch die Episoden. Für mich war es ein großartiges Leseerlebnis, an das ich sicher noch lange und oft zurückdenken werde.
Lazar beginnt sprachlich kraftvoll und fast stürmisch, beruhigt sich jedoch im Verlauf und wird erzählerisch klarer und zugänglicher. Aus der anfänglichen lyrischen Dichte entwickelt sich eine schlüssige Familiengeschichte, in der historische Umbrüche – von aristokratischer Kälte bis hin zu Enteignung und neuem familiären Zusammenhalt – spürbar werden. Ein stilistisch anspruchsvoller Roman, der mit zunehmender Ruhe an Tiefe gewinnt.
Schon die ersten Seiten von Lazar sind wie ein aufgewühlter Strom: lyrisch, stürmisch, beinahe überbordend in ihrer Bildkraft. Die Sprache trägt die Lesenden mit, fordert Aufmerksamkeit, verlangt Hingabe. Es ist ein Beginn, der weniger erzählt als beschwört – voller Rhythmus und atmosphärischer Dichte.
Doch wie ein Fluss, der nach den Stromschnellen in ruhigeres Fahrwasser gleitet, beruhigt sich auch der Ton im Laufe der Geschichte. Der Lesefluss wird zugänglicher, klarer, strukturierter. Was anfangs noch fragmentarisch und unemotional/distanziert wirkt, fügt sich zunehmend zu einer schlüssigen Familiengeschichte zusammen. Diese formale Entwicklung spiegelt zugleich den inneren Weg der Figuren: vom Chaos zur Verständigung, von der Zerrissenheit zur Annäherung.
Besonders eindrücklich ist, wie Biedermann historische Wendepunkte in die familiäre Erzählung einwebt. Man spürt die Kälte aristokratischer Strukturen, die emotionale Distanz und den Druck gesellschaftlicher Erwartungen. Später treten Enteignung, Verlust und politische Umbrüche als einschneidende Erfahrungen hinzu – nicht als abstrakte Ereignisse, sondern als konkrete Brüche im Leben der Figuren. Geschichte wird hier nicht referiert, sondern erfahren.
Gerade in der Gegenüberstellung von familiärer Erstarrung und späterem Zusammenwirken liegt die Kraft des Romans. Aus Distanz wächst vorsichtige Solidarität, aus Vereinzelung entsteht ein neues, vielleicht fragiles, aber bewusstes Miteinander. Diese Entwicklung vollzieht sich leise, ohne Pathos, und gewinnt gerade dadurch an Glaubwürdigkeit.
Lazar ist damit nicht nur eine Familiengeschichte, sondern auch ein literarisches Nachdenken über Herkunft, Verlust und die Möglichkeit von Zusammenhalt. Ein Roman, der anspruchsvoll beginnt und sich mit zunehmender Klarheit entfaltet – und dessen Strömung einen noch lange nach der letzten Seite begleitet.
Der Roman „Lázár“ von Nelio Biedermann hat mich tiefer berührt, als ich es zu Beginn erwartet hätte. „Ich muss erstmal gucken, was meine Familie Lázár macht“, sagte ich mehr als einmal zu meinem Mann, bevor ich das Buch in die Hand nahm. So nah fühlte ich mich dieser Familie – als stünde ich neben ihnen im Salon oder säße mit am Tisch.
Biedermanns Sprache ist von einer bemerkenswerten Eleganz und Poesie getragen. Seine bildhaften Darstellungen verleihen dem Text eine sinnliche Dichte. Die Figuren werden weniger durch nüchterne Beschreibungen als vielmehr durch ihre Verhaltensweisen lebendig. In Gesten, Blicken, in dem, was gesagt – und vor allem in dem, was verschwiegen wird, entfalten sie ihre Konturen. Die Folgen des Unausgesprochenen ziehen sich wie ein feiner Riss durch Generationen.
Der Roman spannt einen großen historischen Bogen: von etwa 1900 über die Weltkriege bis zur Flucht der Familie in den 1950er Jahren. Die Familie Lázár ist dabei nicht nur eine private Gemeinschaft, sondern Spiegel ihrer Epoche. Selbst eine Adelsfamilie, so wird deutlich, ist letztlich nur eine Schachfigur im globalen Machtgefüge. Was bleibt von einem Leben, wenn einem Besitz, Heimat und Gewissheiten genommen werden?
Die hohe Erzähldichte hat mich beeindruckt. Die Handlung schreitet schnell voran, ohne dass die Figuren an Tiefe verlieren. Im Gegenteil: Die Vielzahl an Charakteren und Ereignissen ist so groß, dass man das Bedürfnis verspürt, sich Notizen zu machen – man möchte alles begreifen, alles ordnen. Doch genau darin liegt vielleicht eine der zentralen Aussagen des Romans: Das Leben folgt keinem klaren Plan. Es geschieht uns.
Ereignisse kippen ohne Vorwarnung. Positive und negative Entwicklungen folgen in engem Wechsel, sodass man als Leser:in kaum zur Ruhe kommt. Gerade noch befindet man sich in einer politischen, realistisch geschilderten Szene – im nächsten Satz wird sie durch eine humorvolle, fast absurde Passage gebrochen, die das Geschehen auflockert und zugleich die Grenzen zwischen Fantasie und Realität verschwimmen lässt. Dieses stilistische Spiel verleiht dem Text eine Mehrschichtigkeit, die ihn über das rein Historische hinaushebt.
Anfangs erwartete ich eine vor allem unterhaltsame Familiengeschichte – und tatsächlich gibt es diese komischen, beinahe heiteren Momente. Doch im Verlauf des Romans wird deutlich, wie stark die Familiengeschichte in politische Umbrüche eingebettet ist. Szenen werden geschildert, die ich selbst zum Glück nie erleben musste, die mir aber aus Erzählungen älterer Generationen vertraut sind. Gerade diese Verbindung von persönlichem Schicksal und Weltgeschichte macht „Lázár“ so eindringlich.
Biedermann gelingt ein Roman über das Hineingleiten ins Leben und das allmähliche Ausscheiden aus ihm, über Verlust und Erinnerung, über das Weitertragen von Schuld und Schmerz.
Dem Urteil von Daniel Kehlmann kann ich mich nur anschließen: „[…] Ein wirklich großer Schriftsteller betritt die Bühne, im Vollbesitz seiner Fähigkeit.“ Nach der Lektüre von „Lázár“ steht für mich fest: Das nächste Buch von Nelio Biedermann werde ich kaufen, ohne auch nur einen Blick auf den Klappentext zu werfen.
Leseempfehlung
„Lázár“ ist eine klare Empfehlung für alle, die literarisch anspruchsvolle Romane lieben, die Geschichte fühlbar machen. Wer poetische Sprache, vielschichtige Figuren und die Verwebung von persönlichem Schicksal mit politischer Realität schätzt, wird dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen. Es ist ein intensiver Roman, der Aufmerksamkeit fordert.