Laufen
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Description
Eine Frau läuft zurück ins Leben.
Eine Frau glaubt nach einem erschütternden Verlust, am Ende ihrer Kraft zu sein. Dennoch beginnt sie zu laufen. Ihre Runden werden von Woche zu Woche länger – und was als Davonlaufen beginnt, wird schließlich ein Weg zurück ins Leben. Immer an ihrer Seite: ihre Freunde, ihre Wut, ihre Liebe zur Musik und ein Humor, der es mit ihrer Verzweiflung aufnehmen kann.
»Ich laufe mir die Grübelei weg, andere Leute laufen angeblich, weil sie dabei gut nachdenken können, ich kann an gar nichts anderes denken als an meinen Körper, ob er funktioniert, wie er funktioniert, wie das Laufen sich anfühlt, ob ich noch kann, und wenn ja, wie weit, und ob mir gerade etwas wehtut, oder was am meisten wehtut, als wüsste ich nicht, was am meisten wehtut, aber beim Laufen tut endlich der Körper weh.«
Nach dem Bestseller »Der Pfau« zeigt Isabel Bogdan mit diesem berührenden und dennoch humorvollen Roman, was es heißt, an Leib und Seele zu gesunden.
Book Information
Author Description
Isabel Bogdan, geboren 1968 in Köln, studierte Anglistik und Japanologie in Heidelberg und Tokio. Sie verfasste zahlreiche Übersetzungen, u.a. von Jane Gardam, Nick Hornby und Jonathan Safran Foer. 2011 erschien ihr erstes eigenes Buch, »Sachen machen«, bei Rowohlt, außerdem schrieb sie Kurzgeschichten in Anthologien. 2006 erhielt sie den Hamburger Förderpreis für literarische Übersetzung und 2011 den für Literatur. 2016 erschien ihr Bestsellerroman »Der Pfau«, 2019 »Laufen« und 2024 ihr Roman »Wohnverwandtschaften«.
Posts
Ein berührendes und doch humorvolles Buch über die Bewältigung des Suizids ihres Lebensgefährten. Die Protagonistin fängt an zu laufen: Anfangs um dem Gedankenkarussel zu entfliehen , doch dann kommen doch die Gedanken zurück. Das Buch besteht aus den inneren Dialogen der Frau während sie sich auf einen großen Lauf vorbereitet und so Schritt für Schritt auch in der Trauerbewältigung vorankommt . Es liest sich trotz der Schwere des Themas leicht, habe das schmale Buch in zwei Tagen gelesen und schätzen gelernt .
„…] zu Hause war für mich da, wo du warst, vielleicht ist zu Hause immer da, wo jemand ist, jedenfalls für mich, jetzt ist zu Hause da, wo nur noch meine Sachen sind und dieses Loch, […]“ (S. 33) LAUFEN Isabel Bogdan ET: 12.09.2019 Lange ist unsere Ich-Erzählerin nicht mehr gelaufen. Zuletzt mit ihm. Dann kam die Verletzung, die sie zwang, vorübergehend aufzuhören. Und schließlich kam sein Tod. Ab diesem Moment ging gar nichts mehr. Alles war kaputt – ihr Leben, einfach alles. Sie konnte kein Bein mehr vor das andere setzen. Wie auch, wenn selbst das Atmen schwerfiel. Es war seine Entscheidung, aus dem Leben zu gehen. Doch sie musste mit all den Konsequenzen leben – und das war alles andere als leicht. Die Miete der gemeinsamen Wohnung konnte sie alleine nicht mehr aufbringen. Seine Eltern holten sämtliche Gegenstände ab, die ihrem Sohn gehört hatten, sogar den Eisportionierer – nur weil sie nicht verheiratet waren. Nach jahrelanger Beziehung blieb ihr nichts. Nichts außer dem Pyjama, den sie seiner Mutter vorenthielt. Ein Jahr nach dem Tod ihres Lebenspartners schnürt sie erneut die Laufschuhe. Wir begleiten sie auf ihren Runden – immer gegen den Uhrzeigersinn – um die Alster. Anfangs sind diese Läufe beschwerlich, voller Kummer und schmerzhafter Gedanken. Doch mit der Zeit werden sie leichter. Unbeschwerter. So wie ihre Schritte. „Ein-at-men Aus-at-men Aus-at-men.“ Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen. Es hat mich immer wieder innehalten und reflektieren lassen. Besonders gut gefallen hat mir der Aufbau, durch den wir die Protagonistin wortwörtlich dabei begleiten, wie sie sich zurück ins Leben läuft. Fazit: Ein eindringliches Buch über den Schmerz, einen Partner zu verlieren, über den Stillstand danach und über die Kraft, langsam wieder ins Leben zurückzukehren. 4/5

So intensiv!!
Das Buch hat mich mit den ersten Worten aufgesaugt und nicht mehr losgelassen. Die Beschreibungen sind so tief, dass man mit der namenlosen Protagonistin mitfühlt und sich in sie hineinversetzen kann. Ich liebe die Entwicklung die sie durchlebt und wie sie ihre Gefühle aufarbeitet. Ein sehr starkes Buch zu einem ernsten Thema!
Wir begleiten eine junge (sie nennt sich mittelalt, aber das ist ja quatsch) Frau während ihres zweiten Trauerjahrs nach dem Suizid ihres Partners. Ein einziger Monolog und doch nie langatmig. Ganz im Gegenteil, da läuft und läuft und atmet sie ein-ein-aus-aus-aus-aus und man atmet beim Zuhören im gleichen Takt. Die Entwicklung, die sie durchmacht, die Wunden, die heilen, die Wut, die sie zulässt, eine wahrhaft mitreißende Erzählung über ein unaussprechliches Thema. Ich wünsche ihr eine frohe Zukunft und dass die Wunden noch erträglicher werden. Leseempfehlung!
Wirklich gut
Die Protagonistin hat einen Verlust erlitten, das erfährt man ziemlich zu Beginn. Sie spricht zu sich und so ist es sprachlich aufgebaut und aufgeschrieben. Sie beginnt zu laufen und man kann direkt ihre Gedanken dabei lesen. Sie versteht die Welt nicht, warum ihr Partner gegangen ist, sie schimpft auf sich und die Welt, sie hadert und ganz allmählich wird sie fitter und gesunder. Sie nimmt mehr am Leben teil und gesundet Stück für Stück. Sprachlich toll und echt berührend!
Die Autorin hat eindeutig den richtigen Job
Ich mag die Bücher von Isabel Bogdan sehr. So auch dieses hier. Wir begleiten die Protagonistin auf ihren Laufrunden und sind dabei in ihren Gedanken. Das sich daraus eine richtige Story ergibt, scheint eigentlich unmöglich, funktioniert aber richtig gut. Sehr viel Gefühl, viel zum Nachdenken und am liebsten würde ich los und Laufschuhe kaufen.

Die Protagonistin beginnt zu laufen. Erst nur kürzere Strecken durch einen nahegelegenen Park in Hamburg, dann längere Laufrunden um die Alster. Schnell wird klar, dass sie nicht (nur) läuft, um ein fitteres und gesünderes Leben zu führen, sondern um überhaupt wieder am Leben teilzunehmen: Nach dem Suizid ihres langjährigen Partners fühlt sie sich wie abgekapselt von der Welt, als wäre ihr nichts geblieben, auch weil die Eltern des Verstorbenen all seine Sachen mitgenommen haben. Durch das Laufen findet sie langsam wieder zurück zu sich selbst, sie erkennt, wie viel ihr ihre Freundschaften geben, wie wichtig ihr ihr Beruf als Musikerin ist, wie sehr ihr die Therapie hilft und dass sie sich wieder nach Berührungen sehnt. Isabel Bogdans Roman "Laufen" setzt sich mit der Trauer um einen geliebten Menschen auseinander, dem Zurückbleiben, dem Alleinesein. Das Buch ist durchweg ein innerer Monolog der Protagonistin, die beim Laufen über ihre gegenwärtige Lebenssituation nachdenkt und schildert, was gerade in ihrem Leben passiert, aber auch Rückblicke auf ihre Beziehung zu ihrem verstorbenen Partner zulässt und einen Blick auf seine Depression gewährt. Isabel Bogdan schreibt sehr einfühlsam, obwohl der Roman von Trauer und Verlust handelt, ist er doch humorvoll und sehr tröstend. Ich habe die Läuferin gerne auf ihrem Weg zurück ins Leben begleitet - ein Buch, das sich trotz seiner Schwere leicht liest und berührt.

Der Partner begeht Suizid. Und was nun?
Auf eine unglaublich schöne Art befasst sich Bogdan in diesem Buch mit dem Thema, wie eine Person damit umgeht nachdem der Partner Suizid begangen hat! Es ist teilweise sehr traurig und nimmt einem beim Lesen sehr mit, aber die Gedanken und Fragen an sich selbst machen das Buch zu einer absoluten Empfehlung! Rezension//Unbezahlte Werbung//Buch selbst gekauft oder geliehen
Laufen von Isabel Bogdan Isabel Bogdan gelingt in Laufen ein intensives Porträt einer Frau, die versucht, nach einem Verlust wieder Tritt zu fassen, nicht laut, nicht pathetisch, sondern durch das ständige Weiterlaufen. Das Buch ist weit mehr als eine Erzählung über Trauer: Es geht um Erschöpfung, Sinnsuche, Partnerschaft, unerfüllte Lebensentwürfe und die Frage, wie man weitermacht, wenn alles stillzustehen scheint. Der innere Monolog der Erzählerin wirkt schonungslos ehrlich. Isabel Bogdan beschreibt Gedanken, die sich im Kreis drehen, die mal wehtun, mal trösten, so, wie es nach einem Verlust eben wirklich ist. Besonders stark fand ich, wie sie es schafft, die ganze emotionale Wucht ohne große Dramatik zu zeigen. Das Buch fühlt sich echt an, nah und menschlich. Was mich beim Lesen allerdings gestört hat, war die Gestaltung: Der Text besteht komplett ohne Absätze, wodurch es schwer war, zwischendurch zu pausieren oder wieder in den Fluss zu finden. Auch die Sprünge zwischen den Gedanken waren manchmal unklar – ich wusste nicht immer, ob etwas gerade passiert oder schon zurückliegt. Trotzdem ist Laufen ein eindringliches Buch über Schmerz, Stillstand und die Kraft, langsam weiterzugehen. Es hat mich berührt, weil es so unspektakulär ehrlich ist und gerade das macht seine Wirkung aus. ★★★★☆ (4 von 5 Sternen)

Die namenlose Ich-Erzählerin fängt zu Joggen an. "Langsam. Ich muss langsamer laufen und mich auf meinen Atem konzentrieren. Ein-ein-aus-aus-aus-aus:" Wir belauschen ihre Gedanken, sind in ihrem Kopf - erstmal ein befremdliches Gefühl. Nach und nach werden wir eins mit der Protagonistin, und alles wird klar. Die Wut. Die Trauer. Die Hilflosigkeit. Die Einsamkeit. An all diesen Gefühlen und Gedanken lässt sie uns teilhaben und läuft dabei. Erst ist es ein Weglaufen, weg von dem Kummer, raus aus der Wohnung. Dann wird es ein Hinlaufen zu einem fröhlicherem, normalerem Leben. Sie trainiert, verlängert die Distanz, lernt die Dinge wieder neu einzuordnen. Der Prozess ist hart und dauert. Fast 2 Jahre lang begleiten wir die Berufsmusikerin und laufen mit ihr sogar bei einem Volkslauf nach 10 km ins Ziel - ich war völlig erschöpft als sei ich wirklich selber gelaufen, konnte das Glück total nachempfinden und hatte Tränen in den Augen! TRIGGERWARNUNG: es geht um Depression und Suizid. Der Lebensgefährte der Protagonistin hat sich mit Ende 30 das Leben genommen und sie mit all der Wut und Trauer, den Fragen und den Schuldgefühlen zurückgelassen. Und sie läuft sich frei, wird freier und am Ende befreit, kann ihr Leben wieder leben und glücklich sein. Ein harter Weg mit vielen dunklen Tälern und Gefühlschaos. Isabel Bogdan verschafft uns auf beeindruckend realistische Weise einen Einblick in eine Trauernde, eine Hinterbliebende, eine verletzte und verzweifelte Frau. Man erfährt auch viel über die Krankheit Depression. Isabel Bogdan schreibt in einer klaren, schönen Sprache, frei von Übertreibungen, Dramatik oder Pathos, fast möchte man meinen, sie hätte ihre eigene Erfahrung, ihren eigenen Lauf erzählt. Beeindruckend und unbedingt lesenswert! Als Hörbuch ist es nochmal intensiver, als höre man seinen eigenen Gedanken zu, die im Kopf kreisen. Ich konnte mich total hineinversetzen, mitleiden, mitlaufen - langsam und konzentriert atmend, ein-ein-aus-aus-aus-aus... Die angenehme Stimme und ruhige Erzählweise von Johanna Wokalek machte das Buch zu einem wahren Hörgenuss. Nachdem 'Der Pfau' auch schon ein 5-Stern-Buch für mich war, gehört Isabel Bogdan jetzt definitiv zu meine Lieblingsautorinnen.
Literarische Moden wiederholen sich. Vor roundabout 100 Jahren war der innere Monolog bzw. sein enger Verwandter, der "Bewusstseinsstrom", ein gern verwendetes Stilmittel von Autoren der literarischen Moderne. James Joyce, Marcel Proust und Arthur Schnitzler waren Vorreiter auf diesem Gebiet. Hier wurde eine neue Form der Unmittelbarkeit geboren, indem Gedankengänge eines Ich-Erzählers quasi wie "gedacht" wiedergegeben wurden. Jetzt scheint diese Erzählweise wieder sehr en vogue zu sein, immerhin war Lucy Ellmann 2019 mit einem reinen "Stream-of-Consciousness"-Roman ("Ducks, Newburyport") für den Booker Prize nominiert. Auch Isabel Bogdan bedient sich in "Laufen", ihrem zweiten Roman nach "Der Pfau", dieser Erzählperspektive. Es geht um eine Frau aus Hamburg, klassische Musikerin, sie hat die 40 leicht überschritten, die ca. ein Jahr nach dem Verlust ihres langjährigen Lebensgefährten wieder anfängt zu joggen. Wir erleben, wie sie innerlich die Trauer mit sich rumschleppt und gleichsam einfach dagegen anläuft. Dabei spricht sie ihren Lebensgefährten immer wieder direkt an, es ist quasi ein innerer Monolog, der einen bestimmten Adressaten hat - ihren verstorbenen Freund. Im Verlauf des Textes wird dann auch klar, an welcher Krankheit ihr Partner litt. Diese Offenbarung hat mich als Leser zusätzlich betroffen gemacht. Also das Wissen, um welchen Tod es ging, hat aller Leichtigkeit, die das Laufen bringt, nochmal eine gewisse Schwere verliehen. Ihre Trauer - nicht nur über das Ausverkauftsein von gewissen Taschentüchern. Ihre Wut. Darüber, dass sie nicht offiziell "verwitwet" sein darf weil ihr Freund nicht ihr Ehemann war und dass ihre "Schwiegereltern" sie deswegen nicht für "voll" nehmen. Auch die Wut auf ihren Partner, der sie zur "Hinterbliebenen" gemacht hat. Ihre Verzweiflung angesichts des neuen Gefühls der Unvollständigkeit, des "Halbseins" bzw. der Lücke, die ihr Partner hinterlassen hat. Was anfangen mit diesem "neuen" Leben ohne? Wie kann man dem Glück der anderen begegnen? Gibt es eine Zukunft? Das alles ist so unbedingt nachvollziehbar, so authentisch. Und dann natürlich die Liebe, die immer noch da ist und sich in so alltäglichen Dingen wie verschrumpeltem Gemüse manifestiert, das man selbst nicht so mag, wie der Partner es gemocht hätte, für den man es eigentlich eingekauft hat. Ich mag die moderne, lebensnahe Erzählweise von Isabel Bogdan sehr und ihren feinen Humor, der das Leben an sich trotz allem in ein positives Licht stellt. Die Momente des Glücks, die sich in einem Musikstück manifestieren, in der netten Geste von Freunden oder in der profanen Kugel Eis. Bogdan scheut auch nicht vor Kraftausdrücken zurück, die ihre Protagonistin denkt. Das macht das Ganze vielleicht noch etwas authentischer. Dann diese tollen Neologismen ("Wunderbarkeiten", "Ekligkeiten"). Sehr oft habe ich mir Stellen markiert. Und dann philosophiert sie auch noch über das Ginkgo-Gedicht von Goethe. Damit hat mich Isabel Bogdan dann ganz gekriegt. "Dass ich eins und doppelt bin", ja ja... Mir hat das Buch sehr gefallen. Ich kann es allen empfehlen, die den inneren Monolog schätzen, Humor "trotz allem" und Isabel Bogdan als Autorin. Ich hoffe sie schreibt neben ihrer Tätigkeit als Übersetzerin bald wieder einen Roman. Sie ist einfach eine sehr gute Schriftstellerin.
Ich habe nur den Buchtitel gesehen und als Läuferin gedacht: Jo, da geht's uns laufen, dass liest du. Und dann hat sich herausgestellt, dass es ums laufen geht und dann wieder nicht. Dann dachte ich, die Autorin schreibt hier über sich bis ich Mal den Klappentext gelesen habe. Und obwohl nicht besonders viel über's laufen selbst geschrieben wird, weil es eben kein Buch über's laufen ist, finde ich es unheimlich gut geschrieben. Denn die Hauptfigur läuft. Über einen ganz langen Zeitraum, durch die Jahreszeiten und wir begleiten sie währenddessen und sind stille Zuhörer ihrer Gedanken. Ich finde mich dort wieder, denn beim Laufen wandern die Gedanken stetig, von A nach B zu X und wieder zu A. Und das laufen mehr ist, als nur ein Bein vor das andere zu setzen, es mehr ist als immer besser werden zu müssen und Wettkämpfe zu gewinnen.
Ein innerer Monolog über das Wiederaufstehen nach einem Verlust und wie so etwas alltägliches wie laufen einem dabei helfen kann. Ich habe noch nie ein Buch gelesen das sich nur mit den Gedanken der Protagonistin beschäftigt. Mir hat es gefallen auch wenn das Thema kein freudiges war. Am besten hat mir dabei der Alsterlauf gefallen, da habe ich mich richtig mit unserer Läuferin gefreut.
Tolles Buch!
In ihrem Roman „Laufen“ wendet sich Isabel Bogdan einem tiefgründigen und emotionalen Thema zu: der Trauerbewältigung und der Suche nach einem neuen Lebensweg nach einem schmerzhaften Verlust. Die Erzählung folgt der Protagonistin, die nach dem unerwarteten Tod ihres Lebensgefährten in eine tiefe Krise stürzt. Als Ventil für ihre Trauer wählt sie das Laufen, was mehr als nur eine körperliche Betätigung für sie wird; es wird zu einer meditativen Praxis und einem Weg, ihre Trauer zu verarbeiten. Sie wendet sich durch das Laufen langsam wieder dem Leben zu. Das Laufen gibt ihr nicht nur die Kraft, sich mit ihrem Verlust auseinanderzusetzen, sondern auch die Hoffnung, das Leben neu zu entdecken und zu gestalten. Der klare Schreibstil fängt die innere Welt der Protagonistin mit großer Sensibilität und Introspektion ein. „Laufen“ ist keine traditionelle Erzählung mit einer geradlinigen Handlung; vielmehr ist es ein tiefgehender, introspektiver Bericht, der dazu einlädt, die Schichten der menschlichen Emotionen und die Bewältigung von Trauer zu erkunden. Der Roman ist bewegend und inspirierend, er regt zum Nachdenken an und zeigt, dass der Weg durch die Dunkelheit manchmal einfach nur ein paar Laufschuhe erfordert. Für mich ein emotional kraftvolles Werk für jeden, der die subtilen Wege der menschlichen Psyche und die Kraft der Selbstheilung erkunden möchte. Ein eindrucksvoller Roman, der berührt und motiviert. Absolute Leseempfehlung. Für mich ein Highlight in diesem Lesejahr.
Der Schreibstil ist gut (viel Bewusstseinsstrom), aber die Gedankengänge der Protagonistin wiederholen sich andauernd, und außerdem hat mich das Buch als Leserin 1. runtergezogen und 2. nach einer Weile nur noch genervt. Vielleicht bin ich nicht in der Ausgangslage für ein Trauer-Buch; habe eigentlich ein Buch erwartet, das mehr auf den Laufsport fokussiert ist.
Da "Der Pfau" bei mir eher mittelmäßige Begeisterung hervor rief, hatte ich etwas Angst vor diesem Buch mit eher, ernstem traurigen Hintergrund. Um so überraschter bin ich jetzt! Dieses Buch hat mich wirklich berührt. Der Start war holprig, dann haben wir unseren Rhythmus gefunden, jetzt sind wir am Ziel. Was für ein Lauf!
In Isabel Bogdans Roman „Laufen“ begleiten wir eine unbenannte Protagonistin aus Hamburg, die nach dem Suizid ihres langjährigen Lebenspartners zurückbleibt und mit dem Verlust umgehen muss. Ermutigt von ihrer besten Freundin und ihrer Therapeutin beginnt sie nach jahrelanger Trainingspause wieder mit dem Laufen und vertraut uns ihre Gedankengänge an. Die knapp 200 Seiten des Romans sind in einer sehr speziellen Form geschrieben, denn die Kapitel bestehen ausschließlich aus Gedankenströmen der Protagonistin, die bis zum Schluss namenlos bleibt und aus der Ich-Perspektive erzählt. Viele Sätze sind scheinbar wahllos per Komma verbunden und enthalten etliche Gedankensprünge. Dieser Stil hat mir persönlich sehr gut gefallen, denn ich habe ihn als sehr intim und authentisch wahrgenommen. Ebenfalls grandios fand ich die Entwicklung des Schreibstils über den Roman hinweg. Während die Protagonistin in den ersten Kapiteln eher in kurzen abgehakten Sätzen denkt, die sich so lesen wie die hektischen und unkoordinierten Schritte und Atemzüge zu Beginn des Lauftrainings, entwickelt sich im Verlauf des Buches und ihres Trainings eine gewisse Ruhe und Ordnung. Keine Überraschung waren die behandelten Themen Trauer und Verlust. Die Protagonistin vermisst die kleinen Dinge, wie z.B. die volle statt halbvolle Waschmaschine, und ihre Gedanken kreisen ständig um ihren Partner, seine Eltern, seinen Job, seine Gegenstände. Ich habe sie sehr gerne dabei begleitet, wie sie Stück für Stück ins Leben zurückgefunden hat und allmählich auch wieder ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen wahrnimmt und als wichtig anerkennt. Ebenfalls spannend fand ich die Beleuchtung von Depressionen aus der Perspektive einer Angehörigen. Depressionen werden im Roman nicht verharmlost, sondern als die schwere Erkrankung beschrieben, die sie auch wirklich sind. Zusätzlich dazu thematisiert Isabel Bogdan auch die Schuldgefühle der Protagonistin und die Anstrengungen im Zusammenleben mit einer depressiven Person. Insgesamt hat mir „Laufen“ extrem gut gefallen. Ich gehe selbst sehr gerne laufen und habe das Gefühl während des Trainings zur Ruhe zu kommen in diesem Roman definitiv wiederfinden können. Auch die Entwicklung der Protagonistin und die Widerspieglung durch den Stil haben mich überzeugen können. (September 2019)
Ein innerer Monolog über das Wiederaufstehen nach einem Verlust und wie so etwas alltägliches wie laufen einem dabei helfen kann. Ich habe noch nie ein Buch gelesen das sich nur mit den Gedanken der Protagonistin beschäftigt. Mir hat es gefallen auch wenn das Thema kein freudiges war. Am besten hat mir dabei der Alsterlauf gefallen, da habe ich mich richtig mit unserer Läuferin gefreut.
"Laufen" von Isabel Bogdan ist mein zweiter Roman der Autorin. Nach "der Pfau", welcher mir bereits auch sehr gut gefallen hat, musste ich jetzt auch unbedingt "Laufen" lesen. Wir begleiten eine unbenannte Protagonistin aus Hamburg, die nach dem Suizid ihres Lebenspartners zurückbleibt und jetzt mit dem Verlust umgehen muss. Unterstützt durch ihre beste Freundin beginnt sie nach jahrelanger Pause erneut mit dem Laufen und vertraut uns dabei ihre Gedankengänge an. Die Geschichte ist sehr bewegend und authentisch geschrieben. Der Schreibstil von Bogdan ist schmerzhaft, rührt zu Tränen und nimmt einen voll ein. Die Gedankengänge der Protagonistin kann ich teilweise sehr gut nachvollziehen. Zudem macht die Geschichte viel Mut sowie Hoffnung, sie gibt Kraft. Insgesamt hat mir der Roman sehr gut gefallen. Er hat mich dazu gebracht, wieder mit dem Laufen zu beginnen. Ich mochte an der Geschichte vor allem den Einbezug des Lesenden in die Gedanken der Protagonistin. Sehr gelungener Roman, den ich sehr gerne weiterempfehle.
Meine Güte, das hat mich ja emotional total umgehauen. Fällt nicht einfach, bei diesem Buch eine unpersönliche Review zu schreiben. Ich versuche es trotzdem: im Gegensatz zu albernen [b:Der Pfau|28076369|Der Pfau|Isabel Bogdan|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1449063595l/28076369._SY75_.jpg|48078176] hat sich Isabel Bogdan einem ganz ernsthaftem Thema zugewandt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein Buch von ihr über Trauerverarbeitung, Freitod, Verlust, Schmerz, Lebenskrise und der Fähigkeit, wieder Fuß in einem neuen Leben zu fassen, mir gefallen könnte. Meine Vorbehalte waren absolut unberechtigt. Das Buch hat keine Handlung, sondern ist eine ungefähr einjährige Sammlung von Gedankenströmen der Protagonistin während ihres wiederentdeckten Laufsports, nachdem sich ihr Partner das Leben genommen hat. Und so, wie sie sich jeden neuen Kilometer rund um die Alster abringt, kämpft sie sich auch in das neue Leben zurück, für das es noch nicht mal einen Namen gibt, denn Witwe will und kann sie nicht sein, da die Beiden nicht geheiratet hatten. Es gibt viele Bücher über Depressionen und wie sie von Betroffenen erlebt wird. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass ich jemals etwas ähnlich Gutes aus Sicht eines begleitenden Angehörigen bzw. einer hinterbliebenen Person gelesen habe. Ich musste danach unbedingt wissen, warum die Autorin dieses Thema gewählt hat. Kann man so schreiben, wenn man es nie selbst gefühlt hat. Tatsächlich spielte Depression und Selbstmord bis zum Schreiben des Buchs keine bedeutsame Rolle in ihrem Leben. Um so größer meine Hochachtung, dass sie alleine durch Recherche sich so in die Krankheit und ihre Auswirkungen eingearbeitet hatte, um dieses sehr bewegende Buch zu schreiben. Das kommt in meinen Favoritenordner. Ach so, ich soll noch etwas Persönliches dazu sagen? Ich habe beide Seiten schon durchleben müssen, fühlte mich oft ertappt und beschrieben und dementsprechend viele Tränen sind beim Lesen geflossen.
Eine Frau hat einen Verlust erlitten und sie beginnt zu laufen. Am Anfang kommt sie nicht besonders weit, muss sich für jeden Meter quälen, es tut weh. Aber dieser körperliche Schmerz kann dennoch nicht größer sein als der Schmerz in ihrem Herzen. Das Buch ist aus der Ich-Perspektive geschrieben und ist einfach ein unablässiger Strom an Gedanken. Die Frau vermischt, was sie beim Laufen sieht und beobachtet und was sie dabei interpretiert, mit den Gedanken, die sich unangemeldet herein schleichen, mit Erinnerungen, mit Fragen, Vorwürfen, Selbstvorwürfen, verworfenen Plänen und Schmerz. Unaufhörlich strömen Gedanken auf den Leser ein, während die Frau läuft: Erst mühsame, kleine Strecken, dann größere, dann sogar einen öffentlichen Lauf, bis hin zu Läufen, die im Regen und mit Schmerzen enden. Beim Laufen scheint die Frau zu verarbeiten, was sie erlebt hat, was der Schmerz des Verlusts in ihr ausgelöst hat. In einer Zeit, in der die Frau kein Morgen mehr sehen kann (und gleichzeitig so sehr nicht verstehen kann, wieso man kein Morgen sehen möchte), hilft das Laufen dabei, voranzukommen - im wahrsten Sinne des Wortes. Zuerst war das Buch unglaublich schwer zu lesen. Der Gedankenstrom hat auch mir als Leser keinen Moment zum Atmen gegeben, unablässig strömten Themenwechsel auf mich ein, Erinnerungen und Beobachtungen und sehr viel Trauer. Aber es entwickelte einen Sog, denn bei einer Gesundung zuzusehen, das hat mir tief drin auch geholfen.
Ein sehr bewegendes und tiefgründiges Buch über das Leben einer Frau die einen schmerzhaften Verlust ertragen muss. Die sich zurück ins Leven kämpft und dabei das Laufen beginnt. Zuerst läuft sie um von allem zu fliehen, immer mit dabei ihre Gedanken. Diese gehen in Verzweiflung, Kummer, Ratlosigkeit über aber auch in Hoffnung. An manchen Stellen konnte ich etwas mitnehmen für mich, an anderen konnte ich mich Wiedererkennen. Das Buch ist kurz, nur 200 Seiten aber es zieht einen in den Bann. Es war für mich ein Jahreshighlight. Ein Buch geschrieben als wäre es mitten aus dem Leben. Die Verfilmung im ZDF werde ich mir auf jeden Fall noch ansehen.
Dieses Buch ist rhythmisch und berührend zugleich. Ein besonderer Roman mit einer immer stärker werdenden Protagonistin, die sich zurück ins Leben läuft und sich damit ihren Humor, ihre Hoffnungen und Träume zurückerobert. All ihre Verzweiflung hingegen, ihre Fragen, die Unzufriedenheit, Trauer, Leere und ihre Selbstvorwürfe lässt sie dabei zusehends auf der Strecke.
Laufen - ein ein aus aus aus aus - obwohl gerade eigentlich so gar nichts läuft. Zumindest wenn es nach unserer Protagonistin geht. Nach dem Tod ihres Partners läuft sich unsere namenlose Protagonistin nun endlich wieder zurück ins Leben. Dabei verarbeitet sie all ihre Gedanken und steckt ihre komplette Energie in die Atmung und ihren Körper. Was zu Beginn wie eine Belastung erscheint, wird mit jedem Lauf, mit jedem Meter wieder zu einem Hobby. Am Ende ist es die Freiheit, die sie sich zurück erlaufen hat. Auf dem Weg dorthin begleiten wir als Lesende das Geschehen und durchleben Trauer, Wut, Verzweiflung und Liebe. Der Schreibstil ist besonders, da er so voller Empathie und Melodramatik steckt. Ähnlich wie das Laufverhalten der Protagonistin ist auch der Schreibstil rhythmisch geprägt und zeugt von vielen Kommata, welche sich mit der Atmung der Ich-Erzählerin decken. Es sind fließende Gedanken, die wie in Wellen kommen und gehen, wie es beim Laufen der Fall ist. Immer mal unterbrochen durch einen abrupten Gedankenabbruch. All das wirkt authentisch, greifbar und die Protagonistin wird von Seite zu Seite eine gute Freundin, mit der sich jeder identifizieren kann, der bereits den Verlust einen geliebten Menschen verarbeiten musste.
Partner hat Suizid begangen und Protagonistin versucht, wieder ins Leben zu finden. Sehr realstisch.
Tatsächlich habe ich nachgelesen, weil es mich interessiert hat: Die Autorin, Isabel Bodgan, hat selbst keine Berührungspunkte mit Depressionen oder Suiziden. Sie hat wohl viel mit Betroffenen gesprochen und in dem Roman eine realistische Gedankenwelt entworfen.
Ein langer, atemloser Lauf, um sich selbst wiederzufinden. Isabel Bogdans neues Werk hat ein sparsam illustriertes Cover, auf dem klare Linien, die aufwärts führen, dominieren. Aber gerade Klarheit und ein Weg in die Zukunft fehlen der weiblichen Hauptperson nach dem Selbstmord ihres Lebensgefährten. Das gesamte Buch besteht nur aus den Gedanken der Frau, während sie durch Laufen versucht, wieder ins Leben zurückzufinden. Und als Leser läuft man schon nach wenigen Sätzen atemlos mit. Der Stil ist abgehackt, viele Sätze sind durch Kommata aneinandergehängt. Immer wieder gibt es plötzliche Gedankensprünge, nur langsam - von Kapitel zu Kapitel - macht sie Fotschritte bei der Verarbeitung des Geschehenen. Bogdan nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Selbstvorwürfe, Anklagen an die Mitmenschen, die nichts verstehen, aber viele gute Ratschläge geben, der schwierige Umgang mit den Eltern des Verstorbenen und die große Einsamkeit, wenn man mit über 40 plötzlich alleine ist. Isabel Bogdan ist wieder ein ganz anderes Buch gelungen, erfrischend, stilistisch passend und tiefgründig. Der schwarze Humor aus "Der Pfau" ist nur in Ansätzen da. Ich finde es toll, dass das Buch eine ganz andere Seite der Autorin zeigt.
Emotionaler Gedankenmonolog
Laufen verzichtet weitgehend auf eine herkömmliche Handlung. Was das Buch auszeichnet, ist der Gedankenmonolog einer (für den Leser) namenlosen Protagonistin, der ohne Struktur zu sein scheint und mich dennoch tief getroffen hat. Es gibt keine Handlung mit rotem Faden, detailierte Interaktionen mit anderen Menschen oder auch wörtliche Rede, sondern nur die Gedanken, Gefühle und Erinnerungen der Protagonistin, die beim Laufen immer wieder an die Oberfläche kommen. Das Laufen wird hier nicht nur als sportliche Aktivität beschrieben, sondern vor allem als Trauerbegleitung nach dem Selbstmord ihres Freundes. Den halben Punkt Abzug gibt es für gelegentliche Wiederholungen von Gedankengängen, die bereits mehrfach beschrieben wurden. Nachdem ich nun das dritte großartige Buch von Isabel Bogdan gelesen habe, reiht sie sich in das Regal meiner Lieblingsautoren ein. Ich freue mich schon sehr, noch mehr Geschichten von ihr zu lesen.
Wie findet man nach einem schweren Schicksalsschlag, einem tief schmerzenden Verlust, zurück ins Leben? Isabel Bogdans Protagonistin ist vollkommen kraftlos als sie versucht, wieder mit dem Laufen zu beginnen. Kleine Runden, alles schmerzt, sie kann nicht mehr. "Erstmal möchte ich nur laufen. Vielleicht finde ich noch heraus, wohin ich will, und nicht nur, wovor ich weglaufe. Am liebsten würde ich rückwärts laufen." Doch von Woche zu Woche werden die Runden größer, bei denen sie dem Schmerz, den Schuldgefühlen, der Wut und der Sehnsucht ein wenig davon laufen kann. Hin zu einem Leben, in dem sie wieder das Steuer in der Hand hält. Der Roman ist ein Monolog, ein inneres Gespräch einer Anfang 40 jährigen mit sich selbst und dem, der gegangen ist. Getragen von Freunden, der Liebe zur Musik und kleinen Alltagsgesten kommt die Kraft zurück. In kleinen Schritten, aber sie kommt. Obwohl ich weder laufe noch je einen solchen Schicksalsschlag erleiden musste, bin ich der Protagonistin ganz nah - ich höre zu, weil sie erzählt, so echt und authentisch. Ein Buch, das schmerzt und berührt, aber gleichzeitig Hoffnung gibt. Und die Erkenntnis, dass ein geviertelter Apfelschnitz manchmal der Kipppunkt sein kann. Diese Szene hat mich irgendwie beseelt. Ich empfehle es und möchte trotzdem eine TW zum Thema Depression mitgeben.
Direkter Blick in den Kopf
Das Buch war sehr gut! Anfänglich waren diese Gedankensprünge der Protagonistin etwas verwirrend. Aber genau das macht es meiner Meinung nach so besonders. Genau dieses Sprünge im Kopf kennen wir doch alles, der Umgang mit dem ganzen Thema -verdrängen, Neustart und „Du musst dich ablenken“ kam dadurch sehr gut rüber! Klare Empfehlung
Meine Güte, das hat mich ja emotional total umgehauen. Fällt nicht einfach, bei diesem Buch eine unpersönliche Review zu schreiben. Ich versuche es trotzdem: im Gegensatz zu albernen [b:Der Pfau|28076369|Der Pfau|Isabel Bogdan|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1449063595l/28076369._SY75_.jpg|48078176] hat sich Isabel Bogdan einem ganz ernsthaftem Thema zugewandt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein Buch von ihr über Trauerverarbeitung, Freitod, Verlust, Schmerz, Lebenskrise und der Fähigkeit, wieder Fuß in einem neuen Leben zu fassen, mir gefallen könnte. Meine Vorbehalte waren absolut unberechtigt. Das Buch hat keine Handlung, sondern ist eine ungefähr einjährige Sammlung von Gedankenströmen der Protagonistin während ihres wiederentdeckten Laufsports, nachdem sich ihr Partner das Leben genommen hat. Und so, wie sie sich jeden neuen Kilometer rund um die Alster abringt, kämpft sie sich auch in das neue Leben zurück, für das es noch nicht mal einen Namen gibt, denn Witwe will und kann sie nicht sein, da die Beiden nicht geheiratet hatten. Es gibt viele Bücher über Depressionen und wie sie von Betroffenen erlebt wird. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass ich jemals etwas ähnlich Gutes aus Sicht eines begleitenden Angehörigen bzw. einer hinterbliebenen Person gelesen habe. Ich musste danach unbedingt wissen, warum die Autorin dieses Thema gewählt hat. Kann man so schreiben, wenn man es nie selbst gefühlt hat. Tatsächlich spielte Depression und Selbstmord bis zum Schreiben des Buchs keine bedeutsame Rolle in ihrem Leben. Um so größer meine Hochachtung, dass sie alleine durch Recherche sich so in die Krankheit und ihre Auswirkungen eingearbeitet hatte, um dieses sehr bewegende Buch zu schreiben. Das kommt in meinen Favoritenordner. Ach so, ich soll noch etwas Persönliches dazu sagen? Ich habe beide Seiten schon durchleben müssen, fühlte mich oft ertappt und beschrieben und dementsprechend viele Tränen sind beim Lesen geflossen.
Laufen von Isabel Bogdan ist ein besonderes Buch. Wie man dem Titel entnehmen kann, geht es in diesem Buch um das Laufen, im wortwörtlichen Sinn, da unsere Protagonistin nach einem schweren Schicksalsschlag wieder mit dem Laufen beginnt. Doch auch im metaphorischen Sinn hat der Titel eine besondere Bedeutung, denn das Buch wird von überlaufenden Gefühlen, vom Davonlaufen vor der Realität und von dem Gefühl, sich verlaufen zu haben, geprägt. Die Protagonistin ist in ständiger Bewegung, während gleichzeitig ihre Gedanken beim Laufen statisch immer nur um das eine Thema kreisen, welches ihr gesamtes Leben verändert hat. Zu Beginn fand ich nicht so ganz in das Buch hinein, was wohl daran liegt, dass unsere Protagonistin versucht, all ihre Gefühle einzusperren und dadurch auch die LeserInnen aussperrt und dies hat mich etwas irritiert. Doch mit der Zeit und mit den Erinnerungsfetzen, die man als Informationen immer wieder vorgesetzt bekommt, stieg meine Empathie ebenso wie meine Leselust. Als ich am Ende das gesamte Buch nochmals Revue passieren ließ, so kam es mir richtig vor, dass das Buch genauso aufgebaut ist, wie es ist, dass man erst Schritt für Schritt in die Geschichte hineinfinden muss, sich langsam vortasten muss, bis man im Gleichschritt mit unserer Protagonistin mitlaufen und alles begreifen kann, ich denke, Isabel Bogdan hätte es gar nicht besser machen können und hat mit diesem Buch ein Loch in meinem Herzen gefüllt, von dem ich zuvor gar nicht wusste, dass es existiert. Große Leseempfehlung!
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Eine Frau läuft zurück ins Leben.
Eine Frau glaubt nach einem erschütternden Verlust, am Ende ihrer Kraft zu sein. Dennoch beginnt sie zu laufen. Ihre Runden werden von Woche zu Woche länger – und was als Davonlaufen beginnt, wird schließlich ein Weg zurück ins Leben. Immer an ihrer Seite: ihre Freunde, ihre Wut, ihre Liebe zur Musik und ein Humor, der es mit ihrer Verzweiflung aufnehmen kann.
»Ich laufe mir die Grübelei weg, andere Leute laufen angeblich, weil sie dabei gut nachdenken können, ich kann an gar nichts anderes denken als an meinen Körper, ob er funktioniert, wie er funktioniert, wie das Laufen sich anfühlt, ob ich noch kann, und wenn ja, wie weit, und ob mir gerade etwas wehtut, oder was am meisten wehtut, als wüsste ich nicht, was am meisten wehtut, aber beim Laufen tut endlich der Körper weh.«
Nach dem Bestseller »Der Pfau« zeigt Isabel Bogdan mit diesem berührenden und dennoch humorvollen Roman, was es heißt, an Leib und Seele zu gesunden.
Book Information
Author Description
Isabel Bogdan, geboren 1968 in Köln, studierte Anglistik und Japanologie in Heidelberg und Tokio. Sie verfasste zahlreiche Übersetzungen, u.a. von Jane Gardam, Nick Hornby und Jonathan Safran Foer. 2011 erschien ihr erstes eigenes Buch, »Sachen machen«, bei Rowohlt, außerdem schrieb sie Kurzgeschichten in Anthologien. 2006 erhielt sie den Hamburger Förderpreis für literarische Übersetzung und 2011 den für Literatur. 2016 erschien ihr Bestsellerroman »Der Pfau«, 2019 »Laufen« und 2024 ihr Roman »Wohnverwandtschaften«.
Posts
Ein berührendes und doch humorvolles Buch über die Bewältigung des Suizids ihres Lebensgefährten. Die Protagonistin fängt an zu laufen: Anfangs um dem Gedankenkarussel zu entfliehen , doch dann kommen doch die Gedanken zurück. Das Buch besteht aus den inneren Dialogen der Frau während sie sich auf einen großen Lauf vorbereitet und so Schritt für Schritt auch in der Trauerbewältigung vorankommt . Es liest sich trotz der Schwere des Themas leicht, habe das schmale Buch in zwei Tagen gelesen und schätzen gelernt .
„…] zu Hause war für mich da, wo du warst, vielleicht ist zu Hause immer da, wo jemand ist, jedenfalls für mich, jetzt ist zu Hause da, wo nur noch meine Sachen sind und dieses Loch, […]“ (S. 33) LAUFEN Isabel Bogdan ET: 12.09.2019 Lange ist unsere Ich-Erzählerin nicht mehr gelaufen. Zuletzt mit ihm. Dann kam die Verletzung, die sie zwang, vorübergehend aufzuhören. Und schließlich kam sein Tod. Ab diesem Moment ging gar nichts mehr. Alles war kaputt – ihr Leben, einfach alles. Sie konnte kein Bein mehr vor das andere setzen. Wie auch, wenn selbst das Atmen schwerfiel. Es war seine Entscheidung, aus dem Leben zu gehen. Doch sie musste mit all den Konsequenzen leben – und das war alles andere als leicht. Die Miete der gemeinsamen Wohnung konnte sie alleine nicht mehr aufbringen. Seine Eltern holten sämtliche Gegenstände ab, die ihrem Sohn gehört hatten, sogar den Eisportionierer – nur weil sie nicht verheiratet waren. Nach jahrelanger Beziehung blieb ihr nichts. Nichts außer dem Pyjama, den sie seiner Mutter vorenthielt. Ein Jahr nach dem Tod ihres Lebenspartners schnürt sie erneut die Laufschuhe. Wir begleiten sie auf ihren Runden – immer gegen den Uhrzeigersinn – um die Alster. Anfangs sind diese Läufe beschwerlich, voller Kummer und schmerzhafter Gedanken. Doch mit der Zeit werden sie leichter. Unbeschwerter. So wie ihre Schritte. „Ein-at-men Aus-at-men Aus-at-men.“ Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen. Es hat mich immer wieder innehalten und reflektieren lassen. Besonders gut gefallen hat mir der Aufbau, durch den wir die Protagonistin wortwörtlich dabei begleiten, wie sie sich zurück ins Leben läuft. Fazit: Ein eindringliches Buch über den Schmerz, einen Partner zu verlieren, über den Stillstand danach und über die Kraft, langsam wieder ins Leben zurückzukehren. 4/5

So intensiv!!
Das Buch hat mich mit den ersten Worten aufgesaugt und nicht mehr losgelassen. Die Beschreibungen sind so tief, dass man mit der namenlosen Protagonistin mitfühlt und sich in sie hineinversetzen kann. Ich liebe die Entwicklung die sie durchlebt und wie sie ihre Gefühle aufarbeitet. Ein sehr starkes Buch zu einem ernsten Thema!
Wir begleiten eine junge (sie nennt sich mittelalt, aber das ist ja quatsch) Frau während ihres zweiten Trauerjahrs nach dem Suizid ihres Partners. Ein einziger Monolog und doch nie langatmig. Ganz im Gegenteil, da läuft und läuft und atmet sie ein-ein-aus-aus-aus-aus und man atmet beim Zuhören im gleichen Takt. Die Entwicklung, die sie durchmacht, die Wunden, die heilen, die Wut, die sie zulässt, eine wahrhaft mitreißende Erzählung über ein unaussprechliches Thema. Ich wünsche ihr eine frohe Zukunft und dass die Wunden noch erträglicher werden. Leseempfehlung!
Wirklich gut
Die Protagonistin hat einen Verlust erlitten, das erfährt man ziemlich zu Beginn. Sie spricht zu sich und so ist es sprachlich aufgebaut und aufgeschrieben. Sie beginnt zu laufen und man kann direkt ihre Gedanken dabei lesen. Sie versteht die Welt nicht, warum ihr Partner gegangen ist, sie schimpft auf sich und die Welt, sie hadert und ganz allmählich wird sie fitter und gesunder. Sie nimmt mehr am Leben teil und gesundet Stück für Stück. Sprachlich toll und echt berührend!
Die Autorin hat eindeutig den richtigen Job
Ich mag die Bücher von Isabel Bogdan sehr. So auch dieses hier. Wir begleiten die Protagonistin auf ihren Laufrunden und sind dabei in ihren Gedanken. Das sich daraus eine richtige Story ergibt, scheint eigentlich unmöglich, funktioniert aber richtig gut. Sehr viel Gefühl, viel zum Nachdenken und am liebsten würde ich los und Laufschuhe kaufen.

Die Protagonistin beginnt zu laufen. Erst nur kürzere Strecken durch einen nahegelegenen Park in Hamburg, dann längere Laufrunden um die Alster. Schnell wird klar, dass sie nicht (nur) läuft, um ein fitteres und gesünderes Leben zu führen, sondern um überhaupt wieder am Leben teilzunehmen: Nach dem Suizid ihres langjährigen Partners fühlt sie sich wie abgekapselt von der Welt, als wäre ihr nichts geblieben, auch weil die Eltern des Verstorbenen all seine Sachen mitgenommen haben. Durch das Laufen findet sie langsam wieder zurück zu sich selbst, sie erkennt, wie viel ihr ihre Freundschaften geben, wie wichtig ihr ihr Beruf als Musikerin ist, wie sehr ihr die Therapie hilft und dass sie sich wieder nach Berührungen sehnt. Isabel Bogdans Roman "Laufen" setzt sich mit der Trauer um einen geliebten Menschen auseinander, dem Zurückbleiben, dem Alleinesein. Das Buch ist durchweg ein innerer Monolog der Protagonistin, die beim Laufen über ihre gegenwärtige Lebenssituation nachdenkt und schildert, was gerade in ihrem Leben passiert, aber auch Rückblicke auf ihre Beziehung zu ihrem verstorbenen Partner zulässt und einen Blick auf seine Depression gewährt. Isabel Bogdan schreibt sehr einfühlsam, obwohl der Roman von Trauer und Verlust handelt, ist er doch humorvoll und sehr tröstend. Ich habe die Läuferin gerne auf ihrem Weg zurück ins Leben begleitet - ein Buch, das sich trotz seiner Schwere leicht liest und berührt.

Der Partner begeht Suizid. Und was nun?
Auf eine unglaublich schöne Art befasst sich Bogdan in diesem Buch mit dem Thema, wie eine Person damit umgeht nachdem der Partner Suizid begangen hat! Es ist teilweise sehr traurig und nimmt einem beim Lesen sehr mit, aber die Gedanken und Fragen an sich selbst machen das Buch zu einer absoluten Empfehlung! Rezension//Unbezahlte Werbung//Buch selbst gekauft oder geliehen
Laufen von Isabel Bogdan Isabel Bogdan gelingt in Laufen ein intensives Porträt einer Frau, die versucht, nach einem Verlust wieder Tritt zu fassen, nicht laut, nicht pathetisch, sondern durch das ständige Weiterlaufen. Das Buch ist weit mehr als eine Erzählung über Trauer: Es geht um Erschöpfung, Sinnsuche, Partnerschaft, unerfüllte Lebensentwürfe und die Frage, wie man weitermacht, wenn alles stillzustehen scheint. Der innere Monolog der Erzählerin wirkt schonungslos ehrlich. Isabel Bogdan beschreibt Gedanken, die sich im Kreis drehen, die mal wehtun, mal trösten, so, wie es nach einem Verlust eben wirklich ist. Besonders stark fand ich, wie sie es schafft, die ganze emotionale Wucht ohne große Dramatik zu zeigen. Das Buch fühlt sich echt an, nah und menschlich. Was mich beim Lesen allerdings gestört hat, war die Gestaltung: Der Text besteht komplett ohne Absätze, wodurch es schwer war, zwischendurch zu pausieren oder wieder in den Fluss zu finden. Auch die Sprünge zwischen den Gedanken waren manchmal unklar – ich wusste nicht immer, ob etwas gerade passiert oder schon zurückliegt. Trotzdem ist Laufen ein eindringliches Buch über Schmerz, Stillstand und die Kraft, langsam weiterzugehen. Es hat mich berührt, weil es so unspektakulär ehrlich ist und gerade das macht seine Wirkung aus. ★★★★☆ (4 von 5 Sternen)

Die namenlose Ich-Erzählerin fängt zu Joggen an. "Langsam. Ich muss langsamer laufen und mich auf meinen Atem konzentrieren. Ein-ein-aus-aus-aus-aus:" Wir belauschen ihre Gedanken, sind in ihrem Kopf - erstmal ein befremdliches Gefühl. Nach und nach werden wir eins mit der Protagonistin, und alles wird klar. Die Wut. Die Trauer. Die Hilflosigkeit. Die Einsamkeit. An all diesen Gefühlen und Gedanken lässt sie uns teilhaben und läuft dabei. Erst ist es ein Weglaufen, weg von dem Kummer, raus aus der Wohnung. Dann wird es ein Hinlaufen zu einem fröhlicherem, normalerem Leben. Sie trainiert, verlängert die Distanz, lernt die Dinge wieder neu einzuordnen. Der Prozess ist hart und dauert. Fast 2 Jahre lang begleiten wir die Berufsmusikerin und laufen mit ihr sogar bei einem Volkslauf nach 10 km ins Ziel - ich war völlig erschöpft als sei ich wirklich selber gelaufen, konnte das Glück total nachempfinden und hatte Tränen in den Augen! TRIGGERWARNUNG: es geht um Depression und Suizid. Der Lebensgefährte der Protagonistin hat sich mit Ende 30 das Leben genommen und sie mit all der Wut und Trauer, den Fragen und den Schuldgefühlen zurückgelassen. Und sie läuft sich frei, wird freier und am Ende befreit, kann ihr Leben wieder leben und glücklich sein. Ein harter Weg mit vielen dunklen Tälern und Gefühlschaos. Isabel Bogdan verschafft uns auf beeindruckend realistische Weise einen Einblick in eine Trauernde, eine Hinterbliebende, eine verletzte und verzweifelte Frau. Man erfährt auch viel über die Krankheit Depression. Isabel Bogdan schreibt in einer klaren, schönen Sprache, frei von Übertreibungen, Dramatik oder Pathos, fast möchte man meinen, sie hätte ihre eigene Erfahrung, ihren eigenen Lauf erzählt. Beeindruckend und unbedingt lesenswert! Als Hörbuch ist es nochmal intensiver, als höre man seinen eigenen Gedanken zu, die im Kopf kreisen. Ich konnte mich total hineinversetzen, mitleiden, mitlaufen - langsam und konzentriert atmend, ein-ein-aus-aus-aus-aus... Die angenehme Stimme und ruhige Erzählweise von Johanna Wokalek machte das Buch zu einem wahren Hörgenuss. Nachdem 'Der Pfau' auch schon ein 5-Stern-Buch für mich war, gehört Isabel Bogdan jetzt definitiv zu meine Lieblingsautorinnen.
Literarische Moden wiederholen sich. Vor roundabout 100 Jahren war der innere Monolog bzw. sein enger Verwandter, der "Bewusstseinsstrom", ein gern verwendetes Stilmittel von Autoren der literarischen Moderne. James Joyce, Marcel Proust und Arthur Schnitzler waren Vorreiter auf diesem Gebiet. Hier wurde eine neue Form der Unmittelbarkeit geboren, indem Gedankengänge eines Ich-Erzählers quasi wie "gedacht" wiedergegeben wurden. Jetzt scheint diese Erzählweise wieder sehr en vogue zu sein, immerhin war Lucy Ellmann 2019 mit einem reinen "Stream-of-Consciousness"-Roman ("Ducks, Newburyport") für den Booker Prize nominiert. Auch Isabel Bogdan bedient sich in "Laufen", ihrem zweiten Roman nach "Der Pfau", dieser Erzählperspektive. Es geht um eine Frau aus Hamburg, klassische Musikerin, sie hat die 40 leicht überschritten, die ca. ein Jahr nach dem Verlust ihres langjährigen Lebensgefährten wieder anfängt zu joggen. Wir erleben, wie sie innerlich die Trauer mit sich rumschleppt und gleichsam einfach dagegen anläuft. Dabei spricht sie ihren Lebensgefährten immer wieder direkt an, es ist quasi ein innerer Monolog, der einen bestimmten Adressaten hat - ihren verstorbenen Freund. Im Verlauf des Textes wird dann auch klar, an welcher Krankheit ihr Partner litt. Diese Offenbarung hat mich als Leser zusätzlich betroffen gemacht. Also das Wissen, um welchen Tod es ging, hat aller Leichtigkeit, die das Laufen bringt, nochmal eine gewisse Schwere verliehen. Ihre Trauer - nicht nur über das Ausverkauftsein von gewissen Taschentüchern. Ihre Wut. Darüber, dass sie nicht offiziell "verwitwet" sein darf weil ihr Freund nicht ihr Ehemann war und dass ihre "Schwiegereltern" sie deswegen nicht für "voll" nehmen. Auch die Wut auf ihren Partner, der sie zur "Hinterbliebenen" gemacht hat. Ihre Verzweiflung angesichts des neuen Gefühls der Unvollständigkeit, des "Halbseins" bzw. der Lücke, die ihr Partner hinterlassen hat. Was anfangen mit diesem "neuen" Leben ohne? Wie kann man dem Glück der anderen begegnen? Gibt es eine Zukunft? Das alles ist so unbedingt nachvollziehbar, so authentisch. Und dann natürlich die Liebe, die immer noch da ist und sich in so alltäglichen Dingen wie verschrumpeltem Gemüse manifestiert, das man selbst nicht so mag, wie der Partner es gemocht hätte, für den man es eigentlich eingekauft hat. Ich mag die moderne, lebensnahe Erzählweise von Isabel Bogdan sehr und ihren feinen Humor, der das Leben an sich trotz allem in ein positives Licht stellt. Die Momente des Glücks, die sich in einem Musikstück manifestieren, in der netten Geste von Freunden oder in der profanen Kugel Eis. Bogdan scheut auch nicht vor Kraftausdrücken zurück, die ihre Protagonistin denkt. Das macht das Ganze vielleicht noch etwas authentischer. Dann diese tollen Neologismen ("Wunderbarkeiten", "Ekligkeiten"). Sehr oft habe ich mir Stellen markiert. Und dann philosophiert sie auch noch über das Ginkgo-Gedicht von Goethe. Damit hat mich Isabel Bogdan dann ganz gekriegt. "Dass ich eins und doppelt bin", ja ja... Mir hat das Buch sehr gefallen. Ich kann es allen empfehlen, die den inneren Monolog schätzen, Humor "trotz allem" und Isabel Bogdan als Autorin. Ich hoffe sie schreibt neben ihrer Tätigkeit als Übersetzerin bald wieder einen Roman. Sie ist einfach eine sehr gute Schriftstellerin.
Ich habe nur den Buchtitel gesehen und als Läuferin gedacht: Jo, da geht's uns laufen, dass liest du. Und dann hat sich herausgestellt, dass es ums laufen geht und dann wieder nicht. Dann dachte ich, die Autorin schreibt hier über sich bis ich Mal den Klappentext gelesen habe. Und obwohl nicht besonders viel über's laufen selbst geschrieben wird, weil es eben kein Buch über's laufen ist, finde ich es unheimlich gut geschrieben. Denn die Hauptfigur läuft. Über einen ganz langen Zeitraum, durch die Jahreszeiten und wir begleiten sie währenddessen und sind stille Zuhörer ihrer Gedanken. Ich finde mich dort wieder, denn beim Laufen wandern die Gedanken stetig, von A nach B zu X und wieder zu A. Und das laufen mehr ist, als nur ein Bein vor das andere zu setzen, es mehr ist als immer besser werden zu müssen und Wettkämpfe zu gewinnen.
Ein innerer Monolog über das Wiederaufstehen nach einem Verlust und wie so etwas alltägliches wie laufen einem dabei helfen kann. Ich habe noch nie ein Buch gelesen das sich nur mit den Gedanken der Protagonistin beschäftigt. Mir hat es gefallen auch wenn das Thema kein freudiges war. Am besten hat mir dabei der Alsterlauf gefallen, da habe ich mich richtig mit unserer Läuferin gefreut.
Tolles Buch!
In ihrem Roman „Laufen“ wendet sich Isabel Bogdan einem tiefgründigen und emotionalen Thema zu: der Trauerbewältigung und der Suche nach einem neuen Lebensweg nach einem schmerzhaften Verlust. Die Erzählung folgt der Protagonistin, die nach dem unerwarteten Tod ihres Lebensgefährten in eine tiefe Krise stürzt. Als Ventil für ihre Trauer wählt sie das Laufen, was mehr als nur eine körperliche Betätigung für sie wird; es wird zu einer meditativen Praxis und einem Weg, ihre Trauer zu verarbeiten. Sie wendet sich durch das Laufen langsam wieder dem Leben zu. Das Laufen gibt ihr nicht nur die Kraft, sich mit ihrem Verlust auseinanderzusetzen, sondern auch die Hoffnung, das Leben neu zu entdecken und zu gestalten. Der klare Schreibstil fängt die innere Welt der Protagonistin mit großer Sensibilität und Introspektion ein. „Laufen“ ist keine traditionelle Erzählung mit einer geradlinigen Handlung; vielmehr ist es ein tiefgehender, introspektiver Bericht, der dazu einlädt, die Schichten der menschlichen Emotionen und die Bewältigung von Trauer zu erkunden. Der Roman ist bewegend und inspirierend, er regt zum Nachdenken an und zeigt, dass der Weg durch die Dunkelheit manchmal einfach nur ein paar Laufschuhe erfordert. Für mich ein emotional kraftvolles Werk für jeden, der die subtilen Wege der menschlichen Psyche und die Kraft der Selbstheilung erkunden möchte. Ein eindrucksvoller Roman, der berührt und motiviert. Absolute Leseempfehlung. Für mich ein Highlight in diesem Lesejahr.
Der Schreibstil ist gut (viel Bewusstseinsstrom), aber die Gedankengänge der Protagonistin wiederholen sich andauernd, und außerdem hat mich das Buch als Leserin 1. runtergezogen und 2. nach einer Weile nur noch genervt. Vielleicht bin ich nicht in der Ausgangslage für ein Trauer-Buch; habe eigentlich ein Buch erwartet, das mehr auf den Laufsport fokussiert ist.
Da "Der Pfau" bei mir eher mittelmäßige Begeisterung hervor rief, hatte ich etwas Angst vor diesem Buch mit eher, ernstem traurigen Hintergrund. Um so überraschter bin ich jetzt! Dieses Buch hat mich wirklich berührt. Der Start war holprig, dann haben wir unseren Rhythmus gefunden, jetzt sind wir am Ziel. Was für ein Lauf!
In Isabel Bogdans Roman „Laufen“ begleiten wir eine unbenannte Protagonistin aus Hamburg, die nach dem Suizid ihres langjährigen Lebenspartners zurückbleibt und mit dem Verlust umgehen muss. Ermutigt von ihrer besten Freundin und ihrer Therapeutin beginnt sie nach jahrelanger Trainingspause wieder mit dem Laufen und vertraut uns ihre Gedankengänge an. Die knapp 200 Seiten des Romans sind in einer sehr speziellen Form geschrieben, denn die Kapitel bestehen ausschließlich aus Gedankenströmen der Protagonistin, die bis zum Schluss namenlos bleibt und aus der Ich-Perspektive erzählt. Viele Sätze sind scheinbar wahllos per Komma verbunden und enthalten etliche Gedankensprünge. Dieser Stil hat mir persönlich sehr gut gefallen, denn ich habe ihn als sehr intim und authentisch wahrgenommen. Ebenfalls grandios fand ich die Entwicklung des Schreibstils über den Roman hinweg. Während die Protagonistin in den ersten Kapiteln eher in kurzen abgehakten Sätzen denkt, die sich so lesen wie die hektischen und unkoordinierten Schritte und Atemzüge zu Beginn des Lauftrainings, entwickelt sich im Verlauf des Buches und ihres Trainings eine gewisse Ruhe und Ordnung. Keine Überraschung waren die behandelten Themen Trauer und Verlust. Die Protagonistin vermisst die kleinen Dinge, wie z.B. die volle statt halbvolle Waschmaschine, und ihre Gedanken kreisen ständig um ihren Partner, seine Eltern, seinen Job, seine Gegenstände. Ich habe sie sehr gerne dabei begleitet, wie sie Stück für Stück ins Leben zurückgefunden hat und allmählich auch wieder ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen wahrnimmt und als wichtig anerkennt. Ebenfalls spannend fand ich die Beleuchtung von Depressionen aus der Perspektive einer Angehörigen. Depressionen werden im Roman nicht verharmlost, sondern als die schwere Erkrankung beschrieben, die sie auch wirklich sind. Zusätzlich dazu thematisiert Isabel Bogdan auch die Schuldgefühle der Protagonistin und die Anstrengungen im Zusammenleben mit einer depressiven Person. Insgesamt hat mir „Laufen“ extrem gut gefallen. Ich gehe selbst sehr gerne laufen und habe das Gefühl während des Trainings zur Ruhe zu kommen in diesem Roman definitiv wiederfinden können. Auch die Entwicklung der Protagonistin und die Widerspieglung durch den Stil haben mich überzeugen können. (September 2019)
Ein innerer Monolog über das Wiederaufstehen nach einem Verlust und wie so etwas alltägliches wie laufen einem dabei helfen kann. Ich habe noch nie ein Buch gelesen das sich nur mit den Gedanken der Protagonistin beschäftigt. Mir hat es gefallen auch wenn das Thema kein freudiges war. Am besten hat mir dabei der Alsterlauf gefallen, da habe ich mich richtig mit unserer Läuferin gefreut.
"Laufen" von Isabel Bogdan ist mein zweiter Roman der Autorin. Nach "der Pfau", welcher mir bereits auch sehr gut gefallen hat, musste ich jetzt auch unbedingt "Laufen" lesen. Wir begleiten eine unbenannte Protagonistin aus Hamburg, die nach dem Suizid ihres Lebenspartners zurückbleibt und jetzt mit dem Verlust umgehen muss. Unterstützt durch ihre beste Freundin beginnt sie nach jahrelanger Pause erneut mit dem Laufen und vertraut uns dabei ihre Gedankengänge an. Die Geschichte ist sehr bewegend und authentisch geschrieben. Der Schreibstil von Bogdan ist schmerzhaft, rührt zu Tränen und nimmt einen voll ein. Die Gedankengänge der Protagonistin kann ich teilweise sehr gut nachvollziehen. Zudem macht die Geschichte viel Mut sowie Hoffnung, sie gibt Kraft. Insgesamt hat mir der Roman sehr gut gefallen. Er hat mich dazu gebracht, wieder mit dem Laufen zu beginnen. Ich mochte an der Geschichte vor allem den Einbezug des Lesenden in die Gedanken der Protagonistin. Sehr gelungener Roman, den ich sehr gerne weiterempfehle.
Meine Güte, das hat mich ja emotional total umgehauen. Fällt nicht einfach, bei diesem Buch eine unpersönliche Review zu schreiben. Ich versuche es trotzdem: im Gegensatz zu albernen [b:Der Pfau|28076369|Der Pfau|Isabel Bogdan|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1449063595l/28076369._SY75_.jpg|48078176] hat sich Isabel Bogdan einem ganz ernsthaftem Thema zugewandt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein Buch von ihr über Trauerverarbeitung, Freitod, Verlust, Schmerz, Lebenskrise und der Fähigkeit, wieder Fuß in einem neuen Leben zu fassen, mir gefallen könnte. Meine Vorbehalte waren absolut unberechtigt. Das Buch hat keine Handlung, sondern ist eine ungefähr einjährige Sammlung von Gedankenströmen der Protagonistin während ihres wiederentdeckten Laufsports, nachdem sich ihr Partner das Leben genommen hat. Und so, wie sie sich jeden neuen Kilometer rund um die Alster abringt, kämpft sie sich auch in das neue Leben zurück, für das es noch nicht mal einen Namen gibt, denn Witwe will und kann sie nicht sein, da die Beiden nicht geheiratet hatten. Es gibt viele Bücher über Depressionen und wie sie von Betroffenen erlebt wird. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass ich jemals etwas ähnlich Gutes aus Sicht eines begleitenden Angehörigen bzw. einer hinterbliebenen Person gelesen habe. Ich musste danach unbedingt wissen, warum die Autorin dieses Thema gewählt hat. Kann man so schreiben, wenn man es nie selbst gefühlt hat. Tatsächlich spielte Depression und Selbstmord bis zum Schreiben des Buchs keine bedeutsame Rolle in ihrem Leben. Um so größer meine Hochachtung, dass sie alleine durch Recherche sich so in die Krankheit und ihre Auswirkungen eingearbeitet hatte, um dieses sehr bewegende Buch zu schreiben. Das kommt in meinen Favoritenordner. Ach so, ich soll noch etwas Persönliches dazu sagen? Ich habe beide Seiten schon durchleben müssen, fühlte mich oft ertappt und beschrieben und dementsprechend viele Tränen sind beim Lesen geflossen.
Eine Frau hat einen Verlust erlitten und sie beginnt zu laufen. Am Anfang kommt sie nicht besonders weit, muss sich für jeden Meter quälen, es tut weh. Aber dieser körperliche Schmerz kann dennoch nicht größer sein als der Schmerz in ihrem Herzen. Das Buch ist aus der Ich-Perspektive geschrieben und ist einfach ein unablässiger Strom an Gedanken. Die Frau vermischt, was sie beim Laufen sieht und beobachtet und was sie dabei interpretiert, mit den Gedanken, die sich unangemeldet herein schleichen, mit Erinnerungen, mit Fragen, Vorwürfen, Selbstvorwürfen, verworfenen Plänen und Schmerz. Unaufhörlich strömen Gedanken auf den Leser ein, während die Frau läuft: Erst mühsame, kleine Strecken, dann größere, dann sogar einen öffentlichen Lauf, bis hin zu Läufen, die im Regen und mit Schmerzen enden. Beim Laufen scheint die Frau zu verarbeiten, was sie erlebt hat, was der Schmerz des Verlusts in ihr ausgelöst hat. In einer Zeit, in der die Frau kein Morgen mehr sehen kann (und gleichzeitig so sehr nicht verstehen kann, wieso man kein Morgen sehen möchte), hilft das Laufen dabei, voranzukommen - im wahrsten Sinne des Wortes. Zuerst war das Buch unglaublich schwer zu lesen. Der Gedankenstrom hat auch mir als Leser keinen Moment zum Atmen gegeben, unablässig strömten Themenwechsel auf mich ein, Erinnerungen und Beobachtungen und sehr viel Trauer. Aber es entwickelte einen Sog, denn bei einer Gesundung zuzusehen, das hat mir tief drin auch geholfen.
Ein sehr bewegendes und tiefgründiges Buch über das Leben einer Frau die einen schmerzhaften Verlust ertragen muss. Die sich zurück ins Leven kämpft und dabei das Laufen beginnt. Zuerst läuft sie um von allem zu fliehen, immer mit dabei ihre Gedanken. Diese gehen in Verzweiflung, Kummer, Ratlosigkeit über aber auch in Hoffnung. An manchen Stellen konnte ich etwas mitnehmen für mich, an anderen konnte ich mich Wiedererkennen. Das Buch ist kurz, nur 200 Seiten aber es zieht einen in den Bann. Es war für mich ein Jahreshighlight. Ein Buch geschrieben als wäre es mitten aus dem Leben. Die Verfilmung im ZDF werde ich mir auf jeden Fall noch ansehen.
Dieses Buch ist rhythmisch und berührend zugleich. Ein besonderer Roman mit einer immer stärker werdenden Protagonistin, die sich zurück ins Leben läuft und sich damit ihren Humor, ihre Hoffnungen und Träume zurückerobert. All ihre Verzweiflung hingegen, ihre Fragen, die Unzufriedenheit, Trauer, Leere und ihre Selbstvorwürfe lässt sie dabei zusehends auf der Strecke.
Laufen - ein ein aus aus aus aus - obwohl gerade eigentlich so gar nichts läuft. Zumindest wenn es nach unserer Protagonistin geht. Nach dem Tod ihres Partners läuft sich unsere namenlose Protagonistin nun endlich wieder zurück ins Leben. Dabei verarbeitet sie all ihre Gedanken und steckt ihre komplette Energie in die Atmung und ihren Körper. Was zu Beginn wie eine Belastung erscheint, wird mit jedem Lauf, mit jedem Meter wieder zu einem Hobby. Am Ende ist es die Freiheit, die sie sich zurück erlaufen hat. Auf dem Weg dorthin begleiten wir als Lesende das Geschehen und durchleben Trauer, Wut, Verzweiflung und Liebe. Der Schreibstil ist besonders, da er so voller Empathie und Melodramatik steckt. Ähnlich wie das Laufverhalten der Protagonistin ist auch der Schreibstil rhythmisch geprägt und zeugt von vielen Kommata, welche sich mit der Atmung der Ich-Erzählerin decken. Es sind fließende Gedanken, die wie in Wellen kommen und gehen, wie es beim Laufen der Fall ist. Immer mal unterbrochen durch einen abrupten Gedankenabbruch. All das wirkt authentisch, greifbar und die Protagonistin wird von Seite zu Seite eine gute Freundin, mit der sich jeder identifizieren kann, der bereits den Verlust einen geliebten Menschen verarbeiten musste.
Partner hat Suizid begangen und Protagonistin versucht, wieder ins Leben zu finden. Sehr realstisch.
Tatsächlich habe ich nachgelesen, weil es mich interessiert hat: Die Autorin, Isabel Bodgan, hat selbst keine Berührungspunkte mit Depressionen oder Suiziden. Sie hat wohl viel mit Betroffenen gesprochen und in dem Roman eine realistische Gedankenwelt entworfen.
Ein langer, atemloser Lauf, um sich selbst wiederzufinden. Isabel Bogdans neues Werk hat ein sparsam illustriertes Cover, auf dem klare Linien, die aufwärts führen, dominieren. Aber gerade Klarheit und ein Weg in die Zukunft fehlen der weiblichen Hauptperson nach dem Selbstmord ihres Lebensgefährten. Das gesamte Buch besteht nur aus den Gedanken der Frau, während sie durch Laufen versucht, wieder ins Leben zurückzufinden. Und als Leser läuft man schon nach wenigen Sätzen atemlos mit. Der Stil ist abgehackt, viele Sätze sind durch Kommata aneinandergehängt. Immer wieder gibt es plötzliche Gedankensprünge, nur langsam - von Kapitel zu Kapitel - macht sie Fotschritte bei der Verarbeitung des Geschehenen. Bogdan nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Selbstvorwürfe, Anklagen an die Mitmenschen, die nichts verstehen, aber viele gute Ratschläge geben, der schwierige Umgang mit den Eltern des Verstorbenen und die große Einsamkeit, wenn man mit über 40 plötzlich alleine ist. Isabel Bogdan ist wieder ein ganz anderes Buch gelungen, erfrischend, stilistisch passend und tiefgründig. Der schwarze Humor aus "Der Pfau" ist nur in Ansätzen da. Ich finde es toll, dass das Buch eine ganz andere Seite der Autorin zeigt.
Emotionaler Gedankenmonolog
Laufen verzichtet weitgehend auf eine herkömmliche Handlung. Was das Buch auszeichnet, ist der Gedankenmonolog einer (für den Leser) namenlosen Protagonistin, der ohne Struktur zu sein scheint und mich dennoch tief getroffen hat. Es gibt keine Handlung mit rotem Faden, detailierte Interaktionen mit anderen Menschen oder auch wörtliche Rede, sondern nur die Gedanken, Gefühle und Erinnerungen der Protagonistin, die beim Laufen immer wieder an die Oberfläche kommen. Das Laufen wird hier nicht nur als sportliche Aktivität beschrieben, sondern vor allem als Trauerbegleitung nach dem Selbstmord ihres Freundes. Den halben Punkt Abzug gibt es für gelegentliche Wiederholungen von Gedankengängen, die bereits mehrfach beschrieben wurden. Nachdem ich nun das dritte großartige Buch von Isabel Bogdan gelesen habe, reiht sie sich in das Regal meiner Lieblingsautoren ein. Ich freue mich schon sehr, noch mehr Geschichten von ihr zu lesen.
Wie findet man nach einem schweren Schicksalsschlag, einem tief schmerzenden Verlust, zurück ins Leben? Isabel Bogdans Protagonistin ist vollkommen kraftlos als sie versucht, wieder mit dem Laufen zu beginnen. Kleine Runden, alles schmerzt, sie kann nicht mehr. "Erstmal möchte ich nur laufen. Vielleicht finde ich noch heraus, wohin ich will, und nicht nur, wovor ich weglaufe. Am liebsten würde ich rückwärts laufen." Doch von Woche zu Woche werden die Runden größer, bei denen sie dem Schmerz, den Schuldgefühlen, der Wut und der Sehnsucht ein wenig davon laufen kann. Hin zu einem Leben, in dem sie wieder das Steuer in der Hand hält. Der Roman ist ein Monolog, ein inneres Gespräch einer Anfang 40 jährigen mit sich selbst und dem, der gegangen ist. Getragen von Freunden, der Liebe zur Musik und kleinen Alltagsgesten kommt die Kraft zurück. In kleinen Schritten, aber sie kommt. Obwohl ich weder laufe noch je einen solchen Schicksalsschlag erleiden musste, bin ich der Protagonistin ganz nah - ich höre zu, weil sie erzählt, so echt und authentisch. Ein Buch, das schmerzt und berührt, aber gleichzeitig Hoffnung gibt. Und die Erkenntnis, dass ein geviertelter Apfelschnitz manchmal der Kipppunkt sein kann. Diese Szene hat mich irgendwie beseelt. Ich empfehle es und möchte trotzdem eine TW zum Thema Depression mitgeben.
Direkter Blick in den Kopf
Das Buch war sehr gut! Anfänglich waren diese Gedankensprünge der Protagonistin etwas verwirrend. Aber genau das macht es meiner Meinung nach so besonders. Genau dieses Sprünge im Kopf kennen wir doch alles, der Umgang mit dem ganzen Thema -verdrängen, Neustart und „Du musst dich ablenken“ kam dadurch sehr gut rüber! Klare Empfehlung
Meine Güte, das hat mich ja emotional total umgehauen. Fällt nicht einfach, bei diesem Buch eine unpersönliche Review zu schreiben. Ich versuche es trotzdem: im Gegensatz zu albernen [b:Der Pfau|28076369|Der Pfau|Isabel Bogdan|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1449063595l/28076369._SY75_.jpg|48078176] hat sich Isabel Bogdan einem ganz ernsthaftem Thema zugewandt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein Buch von ihr über Trauerverarbeitung, Freitod, Verlust, Schmerz, Lebenskrise und der Fähigkeit, wieder Fuß in einem neuen Leben zu fassen, mir gefallen könnte. Meine Vorbehalte waren absolut unberechtigt. Das Buch hat keine Handlung, sondern ist eine ungefähr einjährige Sammlung von Gedankenströmen der Protagonistin während ihres wiederentdeckten Laufsports, nachdem sich ihr Partner das Leben genommen hat. Und so, wie sie sich jeden neuen Kilometer rund um die Alster abringt, kämpft sie sich auch in das neue Leben zurück, für das es noch nicht mal einen Namen gibt, denn Witwe will und kann sie nicht sein, da die Beiden nicht geheiratet hatten. Es gibt viele Bücher über Depressionen und wie sie von Betroffenen erlebt wird. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass ich jemals etwas ähnlich Gutes aus Sicht eines begleitenden Angehörigen bzw. einer hinterbliebenen Person gelesen habe. Ich musste danach unbedingt wissen, warum die Autorin dieses Thema gewählt hat. Kann man so schreiben, wenn man es nie selbst gefühlt hat. Tatsächlich spielte Depression und Selbstmord bis zum Schreiben des Buchs keine bedeutsame Rolle in ihrem Leben. Um so größer meine Hochachtung, dass sie alleine durch Recherche sich so in die Krankheit und ihre Auswirkungen eingearbeitet hatte, um dieses sehr bewegende Buch zu schreiben. Das kommt in meinen Favoritenordner. Ach so, ich soll noch etwas Persönliches dazu sagen? Ich habe beide Seiten schon durchleben müssen, fühlte mich oft ertappt und beschrieben und dementsprechend viele Tränen sind beim Lesen geflossen.
Laufen von Isabel Bogdan ist ein besonderes Buch. Wie man dem Titel entnehmen kann, geht es in diesem Buch um das Laufen, im wortwörtlichen Sinn, da unsere Protagonistin nach einem schweren Schicksalsschlag wieder mit dem Laufen beginnt. Doch auch im metaphorischen Sinn hat der Titel eine besondere Bedeutung, denn das Buch wird von überlaufenden Gefühlen, vom Davonlaufen vor der Realität und von dem Gefühl, sich verlaufen zu haben, geprägt. Die Protagonistin ist in ständiger Bewegung, während gleichzeitig ihre Gedanken beim Laufen statisch immer nur um das eine Thema kreisen, welches ihr gesamtes Leben verändert hat. Zu Beginn fand ich nicht so ganz in das Buch hinein, was wohl daran liegt, dass unsere Protagonistin versucht, all ihre Gefühle einzusperren und dadurch auch die LeserInnen aussperrt und dies hat mich etwas irritiert. Doch mit der Zeit und mit den Erinnerungsfetzen, die man als Informationen immer wieder vorgesetzt bekommt, stieg meine Empathie ebenso wie meine Leselust. Als ich am Ende das gesamte Buch nochmals Revue passieren ließ, so kam es mir richtig vor, dass das Buch genauso aufgebaut ist, wie es ist, dass man erst Schritt für Schritt in die Geschichte hineinfinden muss, sich langsam vortasten muss, bis man im Gleichschritt mit unserer Protagonistin mitlaufen und alles begreifen kann, ich denke, Isabel Bogdan hätte es gar nicht besser machen können und hat mit diesem Buch ein Loch in meinem Herzen gefüllt, von dem ich zuvor gar nicht wusste, dass es existiert. Große Leseempfehlung!
























































