Das verbotene Notizbuch
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Description
Eigentlich sollte Valeria im tabaccaio nur Zigaretten für ihren Mann besorgen – kauft dann aber verbotenerweise ein schwarzes Notizheft und ahnt nicht, welche Konsequenzen dies haben würde. Es sind die Nachkriegsjahre in Rom, und Valeria führt das bescheidene und unscheinbare Leben einer Frau der Mittelschicht. Sie ist Mutter, Gattin und Büroangestellte. Mehr sieht niemand in ihr, seit Jahren hat sie ihren eigenen Namen nicht gehört, sogar ihr Mann nennt sie »mamma«. Doch als sie beginnt, in das Notizheft zu schreiben, verändert sich allmählich etwas in Valeria. Sie sondiert ihr Inneres, geht auf die Suche nach ihren eigenen Sehnsüchten und Ängsten. Irgendwann beginnt sie, sich kleiner Lügen zu bedienen, sich heimlich mit ihrem Chef zu treffen und die Forderungen ihrer Kinder zu übergehen. Bis sie glaubt, einen Schritt zu weit gegangen zu sein.
Elena Ferrante nennt es ein »Buch der Ermunterung«, für viele Generationen war Das verbotene Notizbuch ein Schlüsselroman menschlicher Beziehungen und weiblicher Identität – und nun kann das fesselnde, intime und zeitlose Meisterwerk endlich wieder gelesen werden.
Book Information
Author Description
Alba de Céspedes wurde 1911 in Rom geboren, als Tochter eines kubanischen Vaters und einer italienischen Mutter. Während des Krieges war de Céspedes im aktiven Widerstand und wurde zweimal inhaftiert. Später arbeitete sie als Radio- und Fernsehjournalistin, schrieb Prosa, Lyrik und fürs Theater. De Céspedes starb 1997 in Paris. Ihre Romane erleben derzeit eine internationale Wiederentdeckung.
Posts
Italien, 50er Jahre. Valeria will eigentlich nur Zigaretten für ihren Mann kaufen, doch dann entscheidet sie sich spontan dazu, noch ein Schreibheft für sich zu kaufen und darin Tagebuch zu führen. Sie muss das heimlich tun, denn weder ihr Mann noch ihre fast erwachsenen Kinder nehmen sie als eigenständige Persönlichkeit ernst. Beim nächtlichen Schreiben, heimlich in der Küche oder im Wohnzimmer, entdeckt Valeria nach und nach, dass ihr Leben und ihre Begegnungen gar nicht so banal und langweilig sind, wie alle (inklusive ihr selbst) immer denken. Das Schreiben führt dazu, dass sie sich selbst findet und beginnt sich im Leben zu nehmen, was sie gerne möchte. In den 50er Jahren geschrieben und leider heute noch immer aktuell. Ein großartiger und starker Roman!
📚 Inhalt Valeria lebt im Rom der Nachkriegsjahre als unscheinbare Frau der Mittelschicht. Als sie für ihren Mann Zigaretten kaufen soll, greift sie intuitiv zu einem schwarzen Notizbuch. Sie sollte es nicht kaufen und tut es trotzdem. Und damit beginnen die Heimlichkeiten. Immer, wenn Valeria Gelegenheit hat, schreibt sie ihre Gedanken und Gefühle nieder. Und durch das stösst sie einen Veränderungsprozess in Gang, den sie nicht aufhalten kann. Valeria denkt, dass sie und ihre Begegnungen langweilig und belanglos sind, doch schnell merkt sie, dass das gar nicht stimmt und sie eine interessante, intelligente Frau ist. Durch das Schreiben und Sortieren ihrer Gedanken findet sie sich selbst und hört auf, ihre Bedürfnisse hinten an zu stellen. 📖 Meinung Eine Frau, die sich selbst verloren hat, auf der Reise zu sich selbst. Es lohnt sich, an der Geschichte dran zu bleiben, denn der Anfang ist eher langsam und unaufgeregt. Valeria beginnt mit ihrem Alltag als Hausfrau, die ihre Identität verloren hat. Von allen nur «mamma» genannt, hat sie ihren Namen seit Jahren nicht mehr gehört. Aber sie ist nicht nur Mutter und Ehefrau, sie ist einfach Valeria. Valeria, mit Wünschen, Sehnsüchten und Träumen. Mir hat ihre Reise zu ihr selbst sehr gut gefallen, mit allen Widrigkeiten, Hürden und Streitereien, die dazu gehören. Die Konflikte, die sie beschrieben hat, haben der Geschichte Glaubwürdigkeit und Tiefe verliehen. Auch ihre Veränderung habe ich ihr abgekauft, obwohl es wahrscheinlich gar keine grosse Veränderung war, sondern eher ein Erwachen dessen, was in ihr schlummerte. Ein feministischer Roman, der heute noch genau so aktuell ist, wie zu der Zeit, in der er geschrieben wurde.
Ein Buch das ganz leise anfängt und auch über die ganze Länge nicht lauter wird, aber dafür intensiver. Es beschreibt den Alltag einer Frau Anfang 40 mit zwei erwachsenen Kindern, einer dahinplätschernden Ehe, einem Job und dem Haushalt. Erst mit dem Kauf eines Notizbuchs beginnt sie ihr Leben näher zu beleuchten / zu hinterfragen und somit auch den selbst geschaffenen Käfig. Mir hat die persönliche Entwicklung von Valerie gut gefallen. Auch der Konflikt den sie mit ihrer Tochter hat (die möchte nicht heiraten und lieber arbeiten) finde ich sehr interessant. Man spürt den Wandel der Frauenrollen und kann sich in der ein oder anderen auch wiederfinden. Der Anfang ist mittelmäßig, in der Mitte ist es sehr stark und das Ende ist mittelmäßig bis schwach.
Viele kluge Sätze. Auch aus heutiger Sicht noch aktuell.
📌 "Eilig ging ich in meinem alten, grauen Mantel die Straße entlang. In den Schaufenstern erhaschte ich mein Spiegelbild und empfand Abneigung dagegen. Am liebsten wäre ich mich selbst losgeworden, hätte mir meine eigene Person mit zorniger Erleichterung vom Leib gerissen: Als wäre ich es leid, in einer bleischweren Verkleidung zu stecken." Aus einer Laune heraus ersteht Valeria ein leeres Schreibheft. Sie beginnt (heimlich) ihre Gedanken zu notieren und schreibt, was sie bewegt. Über ihr Leben als Ehefrau und Mutter im Italien der 50er-Jahre. Vom Rollengefüge, Zwängen und Verpflichtungen. Von nicht gelebten Träumen, verpassten Chancen und geheimen Sehnsüchten. Sie schreibt, was sie sich nie trauen würde laut auszusprechen, immer auf der Hut davor, sich gegenüber ihrer Familie zu verraten. Mochte ich. 🤍

Ein heimliches Notizbuch, gefüllt mit Ängsten und Lasten einer Frau und Mutter.
Das Tagebuch von Valeria schildert ihren Alltag, ihre Ängste und Wünsche. Sie selbst hat sich aber in Wahrheit schon lange selbst aufgegeben und lebt nur noch für andere. Ihr bleibt zwischen ihren Pflichten als Ehefrau, Mutter und Büroangestellte kaum Zeit für sich selbst. Sie fühlt sich erdrückt von der eigenen Wohnung, überfordert vom Haushalt und schutzlos ohne eine Rückzugsmöglichkeit. Selbst für das Notizbuch findet sie kein sicheres Versteck und denkt, sie hätte kein Recht dazu ein Tagebuch zu führen. Obwohl die Geschichte 1950 in Rom spielt, ist sie zeitlos und auch auf unser jetziges Leben übertragbar. Valeria ist festgefahren in alte Glaubenssätzen der älteren Generationen und ohne Verständnis für die jüngere Generation. Sie spiegelt sicher den Alltag von vielen Müttern wieder und die Sehnsucht aus diesem Trotz auszubrechen. Auch wenn ich Valerias Schilderungen sehr interessant fand, zog sich das Buch leider an manchen Stellen und verlor sich in ewig gleiche Gedankengänge. 3 von 5 ⭐

Ein Notizbuch, das alles verändert. Die Geschichte einer (fehlgeschlagenen?) Selbstermächtigung.
Valeria kauft ein Notizbuch - und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Von diesem Moment an schreibt sie regelmäßig die Geschehnisse des Tages auf und damit einher geht ein Reflexionsprozess, der ihr selbst Angst macht, sie aber gleichzeitig auch stärker macht. Doch das Tagebuchschreiben ist nicht nur wegen der Gedanken, die sie hineinschreibt, so prekär, sondern auch, weil sie als Mutter und Ehefrau in den 1950er Jahren eigentlich kein "Anrecht" darauf hat, Tagebuch zu führen. Ihr bleibt also nichts anderes als die Heimlichkeit der Nacht. Und so wird das Tagebuchschreiben zu einer kleinen Verschwörung. Besonders begeistert hat mich die Beziehung zwischen Valeria, die immer mehr beginnt, sich nicht nur als Ehefrau und Mutter zu definieren, sondern als die Frau, die sie tief im Inneren ist, und ihrer Tochter Mirella, die einen für ihre Zeit emanzipierten Weg einschlägt und sich mit einem Mann einlässt, ohne mit ihm verheiratet zu sein. Während Mirella schon mutig den Weg der Emanzipation beschreitet, befindet sich Valeria in einem Spannungsfeld zwischen Tradition und Emanzipation. Diese Spannungen beeinflussen auch die Beziehung zwischen Mutter und Tochter und zeigen, dass es nicht einfach ist, alte Traditionen und vermittelte Wertvorstellungen so einfach aufzugeben.
• DAS VERBOTENE NOTIZBUCH • Valeria kauft an einem Sonntag verbotenerweise ein Notizheft. Es wird zu ihrem größten Geheimnis. Denn dort offenbart sie schriftlich ihr komplettes Innenleben. Kann sie das Notizheft vor ihrer Familie verstecken? Fliegt sie auf? Und was macht das regelmäßige Tagebuch schreiben mit ihr? "Das verbotene Notizbuch" von Alba de Céspedes erschien im Original bereits im Jahr 1952. Erst jetzt wurde der Roman ins Deutsche übersetzt. Valeria ist 43 Jahre, Mutter von Riccardo und Mirella, Frau von Michele und Büroangestellte. Jede kleine Minute widmet sie ihrer Familie. Bummeln, Hobbys nachgehen oder gar Tagebuch schreiben kommen nicht in Frage. Doch eines Tages bricht sie aus, indem sie ihr Tagebuch führt und ihr Leben eine neue Färbung bekommt. In zu Beginn kurzen und dann immer länger werdenden Einträgen reflektiert sie alltägliche Nichtigkeiten, ihre familiäre Situation und die herrschenden Traditionen. Langsam bröckelt ihre Vorstellung von der perfekten Familie und ihrer Rolle als Mutter und Frau. "Das verbotene Notizbuch" beinhaltet geplatzte Träume, Rollenbilder und ein kurzes Aufbegehren. Obwohl das Buch aus dem Jahr 1952 ist, scheint es modern. Mich hat das Lesen teilweise hoffnungsvoll und auch wütend gestimmt. Starre Rollen und das Verfliegen von Lebensträumen waren für mich nicht immer leicht zu ertragen. Die Kapitel sind als Tagebucheinträge gestaltet, sodass sie die Lebenswirklichkeit und Gefühlswelt Valerias darstellen. So offen hat sie noch nie gedacht und gefühlt - Auslöser ist das Notizheft. Der Roman ist intensiv und überwältigend. Trotzdem hadere ich mit ihm. Der Austauch mit der Leserunde von @luisa_loves_literature hat mich an vielen Stellen besänftigt bzw. Denkansätze gegeben. Einfach so hätte ich wohl kaum zu diesem bedeutenden Roman gelesen. "Das verbotene Notizbuch" beschreibt den Zwiespalt einer Mutter, Ehefrau, Büroangestellte in den 1950ern. Verpasste Chancen, engstirnige Traditionen und ein klassisches Familienbild engen Valeria ein. Für mich ein interessanter Roman mit Kritik am herrschenden System der 1950er Jahre und Themen die bis heute aktuell sind. Ein sehr spezieller Roman.
22. Januar Es war kein Fehler, dieses Buch zu lesen, überhaupt keiner. Selten habe ich ein so gutes Buch gelesen, in dem oberflächlich betrachtet so wenig passiert, welches aber durch die Innensicht auf seine Protagonistin spannender und atemloser wird als der beste Thriller. Für mich hat dieser Text ein regelrechtes Suchtpotential – nicht zuletzt vielleicht, weil die persönlichen Einträge in das Notizbuch eine Unmittelbarkeit und Nähe zur Protagonistin vermitteln, die einen zur engsten Vertrauten von Valeria werden lassen. Valeria, diese starke, lebensechte Figur, würde mit ihren 43 Jahren nach heutigen Maßstäben sicherlich nicht als alt eingestuft werden, im Italien der 50er Jahre ist sie aber mit ihren erwachsenen Kindern schon längst jenseits von Gut und Böse. Ihr Ehemann nennt sie nur noch „Mama“, ihre Mutter empfängt sie regelmäßig noch in ihrem alten Kinderzimmer, Arbeit und das Wohlergehen der Familie sind ihre einzigen Lebensinhalte, nicht einmal einen eigenen Platz oder eine eigene Schublade hat sie noch in ihrem Heim. Und genau das will und kann sie nicht länger hinnehmen. Meisterhaft schildert Alba de Céspedes in diesem Roman in Tagebuchform das späte Erwachen einer reiferen Frau, ihren Drang gebraucht zu werden, ihren Wunsch wahrgenommen und gehört zu werden. In jedem Eintrag ist ein Entwicklungsschritt zu bemerken, ein Hinterfragen des bisherigen Lebens und ein Aufbäumen gegen das, was ist. Dabei läuft Valerias Rebellion ausschließlich im Stillen und Geheimen ab. Ihre Familie, die, die ihr am nächsten sein sollten, bemerken den Sturm im Tagebuch nicht, bestimmen weiter über ihr Leben, nutzen sie aus und verfolgen ganz egoistisch ihre eigenen Ziele. Valerias Geschichte ist bestürzend, sie macht betroffen und wütend, aber auf eine etwas seltsame Weise ist sie auch befreiend, denn Das verbotene Notizbuch ist schonungslos ehrlich, hemmungslos selbstreflektierend, erschreckend authentisch und bestechend nah an der Gedankenwelt und Gefühlswelt einer Frau, die sich jung fühlt und fühlen will, aber alt sein soll. Das verbotene Notizbuch ist ein emotional anstrengendes Buch und sicherlich auch kein schöner Roman im engsten Sinne, aber ein ganz toller und vor allem ein großartiger. Der Text macht nachdenklich und wirft immer noch aktuelle und wesentliche Fragen zur Frauenrolle auf. Bestürzend auffällig sind die vielen Parallelen, die sich auch zur heutigen Situation der Frau und Mutter bieten, auch wenn der Roman letztlich natürlich spürbar ein Kind seiner Zeit ist. Eine absolute Leseempfehlung, eine ganz fantastische Wiederentdeckung und mein Januar-Highlight!
Ende 1950 in Italien. Valeria Cossati kauft in einem Tabakgeschäft ein Notizbuch, weil es ihr spontan ins Auge fällt. Ihre daraufhin folgenden Tagebucheinträge geben uns über die nächsten sechs Monate einen Einblick in Valerias Zuhause, ihre Familie und Valeria selbst. Valerias Leben dreht sich um ihre Familie (Mann und zwei erwachsene Kinder, die auf der sSchwelle zum Aufbruch in ein eigens Leben stehen). Dabei übernimmt sie nicht nur sämtliche Care- und Hausarbeit, sondern arbeitet auch noch in einem Büro, damit die Familie über die Runden kommt. Zeit zum Ausruhen oder eigene Wünsche zu formulieren, gibt es nicht. Erst der Besitz des Tagebuches ermöglich es Valeria ihre Frustrationen, Ärgernisse, Enttäuschung und ihre geheimsten Gedanken über Familie, Ehe und die Welt im Allgemeinen zu formulieren und sich ein Stück weit besser zu verstehen. Beim Schreiben offenbaren sich Valerias verinnerlichte Frauenfeindlichkeit und Akzeptieren der patriarchalischen Bedingungen und wie sie diese bewusst und unbewusst unterstützt. Erst das Schreiben ermöglicht ihr eine Analyse und ein zaghaftestes Auseinandersetzen damit. Besonders mit ihrer Tochter Mirella gibt es Konflikte, da diese nicht den vorgezeichneten Weg ihrer Mutter gehen will, sondern eine moderne Vorstellung davon hat was sie als Frau alles erreichen kann. Neben dem Konflikt zwischen Valeria/Mirella über die Rolle der Frau in der Gesellschaft werden in den Tagebuchträgen auch Klassenunterschiede, Beschränkungen durch Geldsorgen, gesellschaftliche Normen und Erwartungen sowie das Erkalten von Gefühlen in einer langjährigen Ehe beschrieben. Das Buch ist interessant und regt zum Nachdenken an, aber ist für mich kein Pageturner. Das Format des Tagebuches hat dazu geführt, dass ich sehr viel länger für das Buch gebraucht habe als ich erwartet hatte. Das Ende lässt mich zwiegespalten zurück. Da habe ich mir wirklich etwas anders gewünscht.
Ein leiser Aufschrei aus einem Frauenleben – eindringlich, ehrlich, ergreifend. In "Das verbotene Notizbuch" von Alba de Céspedes geht es um eine Frau, die durch das Schreiben beginnt, sich selbst zu hinterfragen – mit weitreichenden Konsequenzen. De Céspedes, 1911 in Rom geboren, war nicht nur eine herausragende Schriftstellerin, sondern auch politische Aktivistin im Widerstand und eine der bedeutendsten weiblichen Stimmen des 20. Jahrhunderts. Ihre Werke erleben aktuell zu Recht eine Renaissance – ihre Themen sind heute aktueller denn je. Worum geht’s genau? Valeria lebt im Rom der Nachkriegsjahre ein Leben, wie es viele Frauen zu jener Zeit führten: pflichtbewusst, aufopfernd und angepasst. Sie ist Ehefrau, Mutter, Büroangestellte – doch nicht mehr sie selbst. Ihr Mann nennt sie „Mama“, ihre eigenen Bedürfnisse scheinen in der täglichen Routine verschüttet. Eines Tages kauft sie ein schwarzes Notizbuch – heimlich – und beginnt, darin zu schreiben. Was harmlos beginnt, wird zum inneren Befreiungsschlag. Ihre Gedankenwelt offenbart eine tiefe Erschöpfung, verdrängte Sehnsüchte und aufgestaute Wut. Sie beginnt zu lügen, zu träumen, sich selbst zu suchen – und zu verlieren. Ihre Beziehung zu Mann und Kindern verändert sich, ihre Rolle im Leben wird fragwürdig. Und bald steht sie an einem Punkt, an dem die Wahrheit gefährlicher scheint als die größte Lüge. Meine Meinung "Das verbotene Notizbuch" war mein erstes Buch von Alba de Céspedes – aber garantiert nicht mein letztes. Schon nach wenigen Seiten hat es mich gepackt & ich war gefangen in der Stimme Valerias, die so leise und gleichzeitig so eindringlich erzählt. Die Sprache ist klar, voller psychologischer Tiefe und emotionaler Wucht. Dass dieses Buch kein neues ist, sondern aus den 1950er Jahren stammt, ist unglaublich – es liest sich absolut zeitlos. Der Konflikt zwischen persönlichem Wollen und gesellschaftlichem Müssen, zwischen Tochter, Mutter, Ehefrau und der eigenen Identität trifft mitten ins Heute. Besonders beeindruckt hat mich, wie präzise de Céspedes die Erschöpfung und das Unsichtbarwerden von Frauen beschreibt: „Mir ging auf, dass es in der ganzen Wohnung kein Schubfach und keinen Winkel mehr gab, der noch mir gehörte“ (S. 10). Diese kleine Beobachtung steht symbolisch für Valerias Leben – und das vieler Frauen. Ihre Rolle als Mutter und Ehefrau ist geprägt von Selbstaufgabe. Als ihr Mann sie nur noch „Mama“ nennt, fühlt sie sich zutiefst gedemütigt. „Wenn er mich >>Mama< nennt, reagiere ich mit der gleichen zärtlichen Strenge wie damals bei Riccardo, als er noch klein war. Doch jetzt wird mir klar, dass das falsch gewesen ist: Er war der einzige Mensch, für den ich Valeria war. Meine Eltern nennen mich seit jeher Bebe, und bei ihnen ist es schwer, eine andere zu sein als das kleine Mädchen, dem sie diesen Spitznamen gaben; denn auch wenn beide von mir all das erwarten, was man von erwachsenen Menschen erwartet, will ihnen offenbar nicht in den Kopf, dass ich tatsächlich erwachsen bin. Ja, Michele war der Einzige, für den ich Valeria war. Für manche Freundinnen bin ich noch die Pisani, die Schulkameradin, für andere bin ich die Frau von Michele, die Mutter von Riccardo und Mirella. Doch für ihn war ich, seit wir uns kennenlernten, nur Valeria. (S. 14) Ein bittersüßer Ausdruck, der zeigt, wie wenig Raum für Individualität geblieben ist. Auch das Verhältnis zu ihren Kindern ist konfliktreich. Valeria sehnt sich nach Anerkennung und Gleichgewicht – doch sie bekommt keine Pause. Ihre Erschöpfung wird ignoriert, ihre Mühen selbstverständlich hingenommen: „Man muss schon sehr hohes Fieber haben, um in dieser Familie als ernstlich krank zu gelten“ (S. 28). In vielen Momenten fühlte ich mich Valeria tief verbunden – dann wieder distanziert. Sie ist keine Heldin, keine Heilige, sondern zutiefst ambivalent. Sie lügt, sie betrügt, sie sehnt sich nach Freiheit – und hat gleichzeitig Angst davor. Das macht sie so menschlich, so real. Beeindruckt hat mich, wie subtil de Céspedes die gesellschaftlichen Schranken sichtbar macht – gerade in der Gegenüberstellung von Valeria und ihrer Tochter Mirella. Mirella ist jung, wild, entschlossen, ihren eigenen Weg zu gehen. Valeria, die einst dachte, sie würde es besser machen als ihre Mutter, muss erkennen: Es gelingt ihr nicht. In diesen Szenen wird das Buch für mich auch zum feministischen Generationenroman, der zeigt, wie sich Lebensrealitäten verändern – und wie hartnäckig sich patriarchale Muster halten. Ein weiterer starker Moment ist Valerias Erkenntnis über das Theater des Alltags: „Wie schwer es ist, in den Menschen, die uns umgeben, etwas anderes zu sehen als die Rollen, die sie uns gegenüber zu spielen gezwungen sind“ (S. 111). Genau darum geht es in diesem Roman: um Rollen, um Masken, um das leise Zerbrechen daran. Gegen Ende hat mich das Buch ein wenig verloren. Valeria wird in ihrem Verhalten schwerer greifbar, teils selbstgerecht. Doch vielleicht ist auch das konsequent – denn Selbstfindung ist kein gerader Weg. Trotz aller Düsternis und Melancholie liegt in diesem Buch ein stiller Trost: dass es erlaubt ist, sich selbst zu hinterfragen. Dass Sehnsucht nicht Schwäche, sondern Lebendigkeit ist. Und dass Schreiben eine Form des Überlebens sein kann. Fazit Ein zutiefst bewegendes, kluges und mutiges Buch über weibliche Identität, familiäre Rollenbilder und das stille Verlangen nach einem selbstbestimmten Leben. Nur der leicht schwächere Schluss verhindert die volle Punktzahl. Von mir gibt es dennoch 4,5 von 5 Sternen.
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Eigentlich sollte Valeria im tabaccaio nur Zigaretten für ihren Mann besorgen – kauft dann aber verbotenerweise ein schwarzes Notizheft und ahnt nicht, welche Konsequenzen dies haben würde. Es sind die Nachkriegsjahre in Rom, und Valeria führt das bescheidene und unscheinbare Leben einer Frau der Mittelschicht. Sie ist Mutter, Gattin und Büroangestellte. Mehr sieht niemand in ihr, seit Jahren hat sie ihren eigenen Namen nicht gehört, sogar ihr Mann nennt sie »mamma«. Doch als sie beginnt, in das Notizheft zu schreiben, verändert sich allmählich etwas in Valeria. Sie sondiert ihr Inneres, geht auf die Suche nach ihren eigenen Sehnsüchten und Ängsten. Irgendwann beginnt sie, sich kleiner Lügen zu bedienen, sich heimlich mit ihrem Chef zu treffen und die Forderungen ihrer Kinder zu übergehen. Bis sie glaubt, einen Schritt zu weit gegangen zu sein.
Elena Ferrante nennt es ein »Buch der Ermunterung«, für viele Generationen war Das verbotene Notizbuch ein Schlüsselroman menschlicher Beziehungen und weiblicher Identität – und nun kann das fesselnde, intime und zeitlose Meisterwerk endlich wieder gelesen werden.
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Author Description
Alba de Céspedes wurde 1911 in Rom geboren, als Tochter eines kubanischen Vaters und einer italienischen Mutter. Während des Krieges war de Céspedes im aktiven Widerstand und wurde zweimal inhaftiert. Später arbeitete sie als Radio- und Fernsehjournalistin, schrieb Prosa, Lyrik und fürs Theater. De Céspedes starb 1997 in Paris. Ihre Romane erleben derzeit eine internationale Wiederentdeckung.
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Italien, 50er Jahre. Valeria will eigentlich nur Zigaretten für ihren Mann kaufen, doch dann entscheidet sie sich spontan dazu, noch ein Schreibheft für sich zu kaufen und darin Tagebuch zu führen. Sie muss das heimlich tun, denn weder ihr Mann noch ihre fast erwachsenen Kinder nehmen sie als eigenständige Persönlichkeit ernst. Beim nächtlichen Schreiben, heimlich in der Küche oder im Wohnzimmer, entdeckt Valeria nach und nach, dass ihr Leben und ihre Begegnungen gar nicht so banal und langweilig sind, wie alle (inklusive ihr selbst) immer denken. Das Schreiben führt dazu, dass sie sich selbst findet und beginnt sich im Leben zu nehmen, was sie gerne möchte. In den 50er Jahren geschrieben und leider heute noch immer aktuell. Ein großartiger und starker Roman!
📚 Inhalt Valeria lebt im Rom der Nachkriegsjahre als unscheinbare Frau der Mittelschicht. Als sie für ihren Mann Zigaretten kaufen soll, greift sie intuitiv zu einem schwarzen Notizbuch. Sie sollte es nicht kaufen und tut es trotzdem. Und damit beginnen die Heimlichkeiten. Immer, wenn Valeria Gelegenheit hat, schreibt sie ihre Gedanken und Gefühle nieder. Und durch das stösst sie einen Veränderungsprozess in Gang, den sie nicht aufhalten kann. Valeria denkt, dass sie und ihre Begegnungen langweilig und belanglos sind, doch schnell merkt sie, dass das gar nicht stimmt und sie eine interessante, intelligente Frau ist. Durch das Schreiben und Sortieren ihrer Gedanken findet sie sich selbst und hört auf, ihre Bedürfnisse hinten an zu stellen. 📖 Meinung Eine Frau, die sich selbst verloren hat, auf der Reise zu sich selbst. Es lohnt sich, an der Geschichte dran zu bleiben, denn der Anfang ist eher langsam und unaufgeregt. Valeria beginnt mit ihrem Alltag als Hausfrau, die ihre Identität verloren hat. Von allen nur «mamma» genannt, hat sie ihren Namen seit Jahren nicht mehr gehört. Aber sie ist nicht nur Mutter und Ehefrau, sie ist einfach Valeria. Valeria, mit Wünschen, Sehnsüchten und Träumen. Mir hat ihre Reise zu ihr selbst sehr gut gefallen, mit allen Widrigkeiten, Hürden und Streitereien, die dazu gehören. Die Konflikte, die sie beschrieben hat, haben der Geschichte Glaubwürdigkeit und Tiefe verliehen. Auch ihre Veränderung habe ich ihr abgekauft, obwohl es wahrscheinlich gar keine grosse Veränderung war, sondern eher ein Erwachen dessen, was in ihr schlummerte. Ein feministischer Roman, der heute noch genau so aktuell ist, wie zu der Zeit, in der er geschrieben wurde.
Ein Buch das ganz leise anfängt und auch über die ganze Länge nicht lauter wird, aber dafür intensiver. Es beschreibt den Alltag einer Frau Anfang 40 mit zwei erwachsenen Kindern, einer dahinplätschernden Ehe, einem Job und dem Haushalt. Erst mit dem Kauf eines Notizbuchs beginnt sie ihr Leben näher zu beleuchten / zu hinterfragen und somit auch den selbst geschaffenen Käfig. Mir hat die persönliche Entwicklung von Valerie gut gefallen. Auch der Konflikt den sie mit ihrer Tochter hat (die möchte nicht heiraten und lieber arbeiten) finde ich sehr interessant. Man spürt den Wandel der Frauenrollen und kann sich in der ein oder anderen auch wiederfinden. Der Anfang ist mittelmäßig, in der Mitte ist es sehr stark und das Ende ist mittelmäßig bis schwach.
Viele kluge Sätze. Auch aus heutiger Sicht noch aktuell.
📌 "Eilig ging ich in meinem alten, grauen Mantel die Straße entlang. In den Schaufenstern erhaschte ich mein Spiegelbild und empfand Abneigung dagegen. Am liebsten wäre ich mich selbst losgeworden, hätte mir meine eigene Person mit zorniger Erleichterung vom Leib gerissen: Als wäre ich es leid, in einer bleischweren Verkleidung zu stecken." Aus einer Laune heraus ersteht Valeria ein leeres Schreibheft. Sie beginnt (heimlich) ihre Gedanken zu notieren und schreibt, was sie bewegt. Über ihr Leben als Ehefrau und Mutter im Italien der 50er-Jahre. Vom Rollengefüge, Zwängen und Verpflichtungen. Von nicht gelebten Träumen, verpassten Chancen und geheimen Sehnsüchten. Sie schreibt, was sie sich nie trauen würde laut auszusprechen, immer auf der Hut davor, sich gegenüber ihrer Familie zu verraten. Mochte ich. 🤍

Ein heimliches Notizbuch, gefüllt mit Ängsten und Lasten einer Frau und Mutter.
Das Tagebuch von Valeria schildert ihren Alltag, ihre Ängste und Wünsche. Sie selbst hat sich aber in Wahrheit schon lange selbst aufgegeben und lebt nur noch für andere. Ihr bleibt zwischen ihren Pflichten als Ehefrau, Mutter und Büroangestellte kaum Zeit für sich selbst. Sie fühlt sich erdrückt von der eigenen Wohnung, überfordert vom Haushalt und schutzlos ohne eine Rückzugsmöglichkeit. Selbst für das Notizbuch findet sie kein sicheres Versteck und denkt, sie hätte kein Recht dazu ein Tagebuch zu führen. Obwohl die Geschichte 1950 in Rom spielt, ist sie zeitlos und auch auf unser jetziges Leben übertragbar. Valeria ist festgefahren in alte Glaubenssätzen der älteren Generationen und ohne Verständnis für die jüngere Generation. Sie spiegelt sicher den Alltag von vielen Müttern wieder und die Sehnsucht aus diesem Trotz auszubrechen. Auch wenn ich Valerias Schilderungen sehr interessant fand, zog sich das Buch leider an manchen Stellen und verlor sich in ewig gleiche Gedankengänge. 3 von 5 ⭐

Ein Notizbuch, das alles verändert. Die Geschichte einer (fehlgeschlagenen?) Selbstermächtigung.
Valeria kauft ein Notizbuch - und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Von diesem Moment an schreibt sie regelmäßig die Geschehnisse des Tages auf und damit einher geht ein Reflexionsprozess, der ihr selbst Angst macht, sie aber gleichzeitig auch stärker macht. Doch das Tagebuchschreiben ist nicht nur wegen der Gedanken, die sie hineinschreibt, so prekär, sondern auch, weil sie als Mutter und Ehefrau in den 1950er Jahren eigentlich kein "Anrecht" darauf hat, Tagebuch zu führen. Ihr bleibt also nichts anderes als die Heimlichkeit der Nacht. Und so wird das Tagebuchschreiben zu einer kleinen Verschwörung. Besonders begeistert hat mich die Beziehung zwischen Valeria, die immer mehr beginnt, sich nicht nur als Ehefrau und Mutter zu definieren, sondern als die Frau, die sie tief im Inneren ist, und ihrer Tochter Mirella, die einen für ihre Zeit emanzipierten Weg einschlägt und sich mit einem Mann einlässt, ohne mit ihm verheiratet zu sein. Während Mirella schon mutig den Weg der Emanzipation beschreitet, befindet sich Valeria in einem Spannungsfeld zwischen Tradition und Emanzipation. Diese Spannungen beeinflussen auch die Beziehung zwischen Mutter und Tochter und zeigen, dass es nicht einfach ist, alte Traditionen und vermittelte Wertvorstellungen so einfach aufzugeben.
• DAS VERBOTENE NOTIZBUCH • Valeria kauft an einem Sonntag verbotenerweise ein Notizheft. Es wird zu ihrem größten Geheimnis. Denn dort offenbart sie schriftlich ihr komplettes Innenleben. Kann sie das Notizheft vor ihrer Familie verstecken? Fliegt sie auf? Und was macht das regelmäßige Tagebuch schreiben mit ihr? "Das verbotene Notizbuch" von Alba de Céspedes erschien im Original bereits im Jahr 1952. Erst jetzt wurde der Roman ins Deutsche übersetzt. Valeria ist 43 Jahre, Mutter von Riccardo und Mirella, Frau von Michele und Büroangestellte. Jede kleine Minute widmet sie ihrer Familie. Bummeln, Hobbys nachgehen oder gar Tagebuch schreiben kommen nicht in Frage. Doch eines Tages bricht sie aus, indem sie ihr Tagebuch führt und ihr Leben eine neue Färbung bekommt. In zu Beginn kurzen und dann immer länger werdenden Einträgen reflektiert sie alltägliche Nichtigkeiten, ihre familiäre Situation und die herrschenden Traditionen. Langsam bröckelt ihre Vorstellung von der perfekten Familie und ihrer Rolle als Mutter und Frau. "Das verbotene Notizbuch" beinhaltet geplatzte Träume, Rollenbilder und ein kurzes Aufbegehren. Obwohl das Buch aus dem Jahr 1952 ist, scheint es modern. Mich hat das Lesen teilweise hoffnungsvoll und auch wütend gestimmt. Starre Rollen und das Verfliegen von Lebensträumen waren für mich nicht immer leicht zu ertragen. Die Kapitel sind als Tagebucheinträge gestaltet, sodass sie die Lebenswirklichkeit und Gefühlswelt Valerias darstellen. So offen hat sie noch nie gedacht und gefühlt - Auslöser ist das Notizheft. Der Roman ist intensiv und überwältigend. Trotzdem hadere ich mit ihm. Der Austauch mit der Leserunde von @luisa_loves_literature hat mich an vielen Stellen besänftigt bzw. Denkansätze gegeben. Einfach so hätte ich wohl kaum zu diesem bedeutenden Roman gelesen. "Das verbotene Notizbuch" beschreibt den Zwiespalt einer Mutter, Ehefrau, Büroangestellte in den 1950ern. Verpasste Chancen, engstirnige Traditionen und ein klassisches Familienbild engen Valeria ein. Für mich ein interessanter Roman mit Kritik am herrschenden System der 1950er Jahre und Themen die bis heute aktuell sind. Ein sehr spezieller Roman.
22. Januar Es war kein Fehler, dieses Buch zu lesen, überhaupt keiner. Selten habe ich ein so gutes Buch gelesen, in dem oberflächlich betrachtet so wenig passiert, welches aber durch die Innensicht auf seine Protagonistin spannender und atemloser wird als der beste Thriller. Für mich hat dieser Text ein regelrechtes Suchtpotential – nicht zuletzt vielleicht, weil die persönlichen Einträge in das Notizbuch eine Unmittelbarkeit und Nähe zur Protagonistin vermitteln, die einen zur engsten Vertrauten von Valeria werden lassen. Valeria, diese starke, lebensechte Figur, würde mit ihren 43 Jahren nach heutigen Maßstäben sicherlich nicht als alt eingestuft werden, im Italien der 50er Jahre ist sie aber mit ihren erwachsenen Kindern schon längst jenseits von Gut und Böse. Ihr Ehemann nennt sie nur noch „Mama“, ihre Mutter empfängt sie regelmäßig noch in ihrem alten Kinderzimmer, Arbeit und das Wohlergehen der Familie sind ihre einzigen Lebensinhalte, nicht einmal einen eigenen Platz oder eine eigene Schublade hat sie noch in ihrem Heim. Und genau das will und kann sie nicht länger hinnehmen. Meisterhaft schildert Alba de Céspedes in diesem Roman in Tagebuchform das späte Erwachen einer reiferen Frau, ihren Drang gebraucht zu werden, ihren Wunsch wahrgenommen und gehört zu werden. In jedem Eintrag ist ein Entwicklungsschritt zu bemerken, ein Hinterfragen des bisherigen Lebens und ein Aufbäumen gegen das, was ist. Dabei läuft Valerias Rebellion ausschließlich im Stillen und Geheimen ab. Ihre Familie, die, die ihr am nächsten sein sollten, bemerken den Sturm im Tagebuch nicht, bestimmen weiter über ihr Leben, nutzen sie aus und verfolgen ganz egoistisch ihre eigenen Ziele. Valerias Geschichte ist bestürzend, sie macht betroffen und wütend, aber auf eine etwas seltsame Weise ist sie auch befreiend, denn Das verbotene Notizbuch ist schonungslos ehrlich, hemmungslos selbstreflektierend, erschreckend authentisch und bestechend nah an der Gedankenwelt und Gefühlswelt einer Frau, die sich jung fühlt und fühlen will, aber alt sein soll. Das verbotene Notizbuch ist ein emotional anstrengendes Buch und sicherlich auch kein schöner Roman im engsten Sinne, aber ein ganz toller und vor allem ein großartiger. Der Text macht nachdenklich und wirft immer noch aktuelle und wesentliche Fragen zur Frauenrolle auf. Bestürzend auffällig sind die vielen Parallelen, die sich auch zur heutigen Situation der Frau und Mutter bieten, auch wenn der Roman letztlich natürlich spürbar ein Kind seiner Zeit ist. Eine absolute Leseempfehlung, eine ganz fantastische Wiederentdeckung und mein Januar-Highlight!
Ende 1950 in Italien. Valeria Cossati kauft in einem Tabakgeschäft ein Notizbuch, weil es ihr spontan ins Auge fällt. Ihre daraufhin folgenden Tagebucheinträge geben uns über die nächsten sechs Monate einen Einblick in Valerias Zuhause, ihre Familie und Valeria selbst. Valerias Leben dreht sich um ihre Familie (Mann und zwei erwachsene Kinder, die auf der sSchwelle zum Aufbruch in ein eigens Leben stehen). Dabei übernimmt sie nicht nur sämtliche Care- und Hausarbeit, sondern arbeitet auch noch in einem Büro, damit die Familie über die Runden kommt. Zeit zum Ausruhen oder eigene Wünsche zu formulieren, gibt es nicht. Erst der Besitz des Tagebuches ermöglich es Valeria ihre Frustrationen, Ärgernisse, Enttäuschung und ihre geheimsten Gedanken über Familie, Ehe und die Welt im Allgemeinen zu formulieren und sich ein Stück weit besser zu verstehen. Beim Schreiben offenbaren sich Valerias verinnerlichte Frauenfeindlichkeit und Akzeptieren der patriarchalischen Bedingungen und wie sie diese bewusst und unbewusst unterstützt. Erst das Schreiben ermöglicht ihr eine Analyse und ein zaghaftestes Auseinandersetzen damit. Besonders mit ihrer Tochter Mirella gibt es Konflikte, da diese nicht den vorgezeichneten Weg ihrer Mutter gehen will, sondern eine moderne Vorstellung davon hat was sie als Frau alles erreichen kann. Neben dem Konflikt zwischen Valeria/Mirella über die Rolle der Frau in der Gesellschaft werden in den Tagebuchträgen auch Klassenunterschiede, Beschränkungen durch Geldsorgen, gesellschaftliche Normen und Erwartungen sowie das Erkalten von Gefühlen in einer langjährigen Ehe beschrieben. Das Buch ist interessant und regt zum Nachdenken an, aber ist für mich kein Pageturner. Das Format des Tagebuches hat dazu geführt, dass ich sehr viel länger für das Buch gebraucht habe als ich erwartet hatte. Das Ende lässt mich zwiegespalten zurück. Da habe ich mir wirklich etwas anders gewünscht.
Ein leiser Aufschrei aus einem Frauenleben – eindringlich, ehrlich, ergreifend. In "Das verbotene Notizbuch" von Alba de Céspedes geht es um eine Frau, die durch das Schreiben beginnt, sich selbst zu hinterfragen – mit weitreichenden Konsequenzen. De Céspedes, 1911 in Rom geboren, war nicht nur eine herausragende Schriftstellerin, sondern auch politische Aktivistin im Widerstand und eine der bedeutendsten weiblichen Stimmen des 20. Jahrhunderts. Ihre Werke erleben aktuell zu Recht eine Renaissance – ihre Themen sind heute aktueller denn je. Worum geht’s genau? Valeria lebt im Rom der Nachkriegsjahre ein Leben, wie es viele Frauen zu jener Zeit führten: pflichtbewusst, aufopfernd und angepasst. Sie ist Ehefrau, Mutter, Büroangestellte – doch nicht mehr sie selbst. Ihr Mann nennt sie „Mama“, ihre eigenen Bedürfnisse scheinen in der täglichen Routine verschüttet. Eines Tages kauft sie ein schwarzes Notizbuch – heimlich – und beginnt, darin zu schreiben. Was harmlos beginnt, wird zum inneren Befreiungsschlag. Ihre Gedankenwelt offenbart eine tiefe Erschöpfung, verdrängte Sehnsüchte und aufgestaute Wut. Sie beginnt zu lügen, zu träumen, sich selbst zu suchen – und zu verlieren. Ihre Beziehung zu Mann und Kindern verändert sich, ihre Rolle im Leben wird fragwürdig. Und bald steht sie an einem Punkt, an dem die Wahrheit gefährlicher scheint als die größte Lüge. Meine Meinung "Das verbotene Notizbuch" war mein erstes Buch von Alba de Céspedes – aber garantiert nicht mein letztes. Schon nach wenigen Seiten hat es mich gepackt & ich war gefangen in der Stimme Valerias, die so leise und gleichzeitig so eindringlich erzählt. Die Sprache ist klar, voller psychologischer Tiefe und emotionaler Wucht. Dass dieses Buch kein neues ist, sondern aus den 1950er Jahren stammt, ist unglaublich – es liest sich absolut zeitlos. Der Konflikt zwischen persönlichem Wollen und gesellschaftlichem Müssen, zwischen Tochter, Mutter, Ehefrau und der eigenen Identität trifft mitten ins Heute. Besonders beeindruckt hat mich, wie präzise de Céspedes die Erschöpfung und das Unsichtbarwerden von Frauen beschreibt: „Mir ging auf, dass es in der ganzen Wohnung kein Schubfach und keinen Winkel mehr gab, der noch mir gehörte“ (S. 10). Diese kleine Beobachtung steht symbolisch für Valerias Leben – und das vieler Frauen. Ihre Rolle als Mutter und Ehefrau ist geprägt von Selbstaufgabe. Als ihr Mann sie nur noch „Mama“ nennt, fühlt sie sich zutiefst gedemütigt. „Wenn er mich >>Mama< nennt, reagiere ich mit der gleichen zärtlichen Strenge wie damals bei Riccardo, als er noch klein war. Doch jetzt wird mir klar, dass das falsch gewesen ist: Er war der einzige Mensch, für den ich Valeria war. Meine Eltern nennen mich seit jeher Bebe, und bei ihnen ist es schwer, eine andere zu sein als das kleine Mädchen, dem sie diesen Spitznamen gaben; denn auch wenn beide von mir all das erwarten, was man von erwachsenen Menschen erwartet, will ihnen offenbar nicht in den Kopf, dass ich tatsächlich erwachsen bin. Ja, Michele war der Einzige, für den ich Valeria war. Für manche Freundinnen bin ich noch die Pisani, die Schulkameradin, für andere bin ich die Frau von Michele, die Mutter von Riccardo und Mirella. Doch für ihn war ich, seit wir uns kennenlernten, nur Valeria. (S. 14) Ein bittersüßer Ausdruck, der zeigt, wie wenig Raum für Individualität geblieben ist. Auch das Verhältnis zu ihren Kindern ist konfliktreich. Valeria sehnt sich nach Anerkennung und Gleichgewicht – doch sie bekommt keine Pause. Ihre Erschöpfung wird ignoriert, ihre Mühen selbstverständlich hingenommen: „Man muss schon sehr hohes Fieber haben, um in dieser Familie als ernstlich krank zu gelten“ (S. 28). In vielen Momenten fühlte ich mich Valeria tief verbunden – dann wieder distanziert. Sie ist keine Heldin, keine Heilige, sondern zutiefst ambivalent. Sie lügt, sie betrügt, sie sehnt sich nach Freiheit – und hat gleichzeitig Angst davor. Das macht sie so menschlich, so real. Beeindruckt hat mich, wie subtil de Céspedes die gesellschaftlichen Schranken sichtbar macht – gerade in der Gegenüberstellung von Valeria und ihrer Tochter Mirella. Mirella ist jung, wild, entschlossen, ihren eigenen Weg zu gehen. Valeria, die einst dachte, sie würde es besser machen als ihre Mutter, muss erkennen: Es gelingt ihr nicht. In diesen Szenen wird das Buch für mich auch zum feministischen Generationenroman, der zeigt, wie sich Lebensrealitäten verändern – und wie hartnäckig sich patriarchale Muster halten. Ein weiterer starker Moment ist Valerias Erkenntnis über das Theater des Alltags: „Wie schwer es ist, in den Menschen, die uns umgeben, etwas anderes zu sehen als die Rollen, die sie uns gegenüber zu spielen gezwungen sind“ (S. 111). Genau darum geht es in diesem Roman: um Rollen, um Masken, um das leise Zerbrechen daran. Gegen Ende hat mich das Buch ein wenig verloren. Valeria wird in ihrem Verhalten schwerer greifbar, teils selbstgerecht. Doch vielleicht ist auch das konsequent – denn Selbstfindung ist kein gerader Weg. Trotz aller Düsternis und Melancholie liegt in diesem Buch ein stiller Trost: dass es erlaubt ist, sich selbst zu hinterfragen. Dass Sehnsucht nicht Schwäche, sondern Lebendigkeit ist. Und dass Schreiben eine Form des Überlebens sein kann. Fazit Ein zutiefst bewegendes, kluges und mutiges Buch über weibliche Identität, familiäre Rollenbilder und das stille Verlangen nach einem selbstbestimmten Leben. Nur der leicht schwächere Schluss verhindert die volle Punktzahl. Von mir gibt es dennoch 4,5 von 5 Sternen.






















