Gittersee
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Description
1976, im Dresdner Vorort Gittersee: Karin ist 16, hütet ihre kleine Schwester und hilft der renitenten Großmutter im Haushalt, die ihrer Zeit als Blitzmädel hinterhertrauert. Karins Vater verzweifelt an der Reparatur seines Škodas wie an der des Familienlebens, und ihre Mutter würde am liebsten ein anderes Leben führen. Aufgehoben fühlt sich Karin bei ihrer Freundin Marie, dem einzigen Mädchen in der Klasse, das später nicht etwas machen, sondern etwas werden will: die erste Frau auf dem Mond. Und Karin ist verliebt: in ihren Freund Paul, der gerne Künstler wäre, aber im Schacht bei der Wismut arbeitet. Als Paul zu einem Ausflug aufbricht und nicht mehr zurückkommt, stehen eines Nachts zwei Uniformierte vor der Tür, und Karins Welt gerät aus den Fugen.
In diesem eindringlichen Debütroman erzählt Charlotte Gneuß von einer Welt, die es nicht mehr gibt und von der Frage, ob Unschuld möglich ist.
Ausgezeichnet mit dem »aspekte«-Literaturpreis, dem Jürgen Ponto-Preis 2023 und dem Nicolas-Born-Debütpreis 2024
Book Information
Author Description
Charlotte Gneuß wurde 1992 in Ludwigsburg geboren, nachdem ihre Eltern die DDR verlassen hatten. Sie studierte Soziale Arbeit in Dresden, Literarisches Schreiben in Leipzig und Szenisches Schreiben in Berlin. Sie ist Gastautorin von »ZEIT Online«, Gewinnerin des Leonhard-Frank-Stipendiums für neue Dramatik und Herausgeberin der Anthologie »Glückwunsch«, die bei Hanser Berlin erschien. Ihr Debütroman »Gittersee« stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2023 und wurde mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung 2023 sowie dem »aspekte«-Literaturpreis für »das beste deutschsprachige Debüt« ausgezeichnet. 2024 erhielt Charlotte Gneuß für »Gittersee« den Nicolas-Born-Debütpreis des Landes Niedersachsen sowie den Grimmelshausen-Förderpreis 2025. Die italienischsprachige Ausgabe wurde 2025 mit dem »Premio Speciale Edoardo Kihlgren Opera Prima« ausgezeichnet.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
25 Frauen 2025 - Buch 11: Eins ist klar: ich werde definitiv weitere Romane von Charlotte Gneuß lesen! In ihrem Debütroman "Gittersee" begleiten wir Karin, eine Jugendliche, die in Paul verliebt und mit ihm zusammen ist. Die Handlung spielt in den 1970ern in der DDR. Paul will einen Wochenendausflug machen und Karin mitnehmen, aber sie muss auf ihre kleine Schwester aufpassen. Als Paul nicht nach Hause zurückkehrt, kommt die Handlung ins Rollen. Obwohl vordergründig gar nicht so viel passiert, tut sich in Karins Leben doch so einiges. Gneuß gelingt es, den Alltag in der DDR zu zeigen, ohne explizit zu bewerten. Stattdessen nutzt sie unser Wissen über die DDR und die Methoden der Stasi, um eine permanente bedrohliche Stimmung zu schaffen. Zudem schafft sie durch die erste Seite eine Spannung, die sich durch den gesamten Roman zieht und bis zum Ende aufrechterhalten wird. Mir hat auch der Stil von Gneuß gefallen. Ihr gelingt es, die Dialoge nach realer Alltagssprache klingen zu lassen. Karins Tendenz, immer wieder über Paul und die Geschehnisse nachzudenken, bildet sie passend über einen assoziativen Stil ab. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass ich mir Karin nicht so richtig warm geworden bin. Allerdings habe ich persönlich immer Probleme damit, wenn Hauptfiguren eher blass - also ohne besondere Charaktereigenschaften - bleiben bzw. oft unentschlossen oder passiv sind. Am Ende des Romans wird dies teilweise aufgehoben, aber das war für mein Leseerlebnis etwas zu spät. Insgesamt kann ich den Roman nur empfehlen!
Ein ‚Kann‘-Buch. Lange Zeit konnte das Buch mich nicht für sich gewinnen. Die Sprache war mir zu wirr, zu schnell, zu zerstückelt. Es fiel mir schwer mit Interesse weiterzulesen. Dabei ist die Story eine Gute. Der Osten, eine Flucht, Spitzel. Ich kann mir gut vorstellen, das es wirklich so war. Das etliche unter Druck gesetzt wurden und dann ihre Liebsten verraten haben. Erst der dritte Abschnitt des Buches war für mich spannend und so geschrieben, das ich dran bleiben wollte. Ab da war ich sehr schnell am Ende des Buches. Diese Dramatik hat den vorherigen Teilen gefehlt.
📝 „Aber es geht vorüber. Alles geht vorüber. Man muss nur atmen, immer weiteratmen.“ (S. 87) 📝 „ […] wenn man aber für die Liebe offen ist, kann sie dich immer treffen […].“ (S.99) 📝 „Ich kam mir falsch vor. Doch wie sollte man etwas Richtiges tun, wenn drum rum alles falsch war.“ (S.139) 📖 Die 16-jährige Karin liebt Paul. Dieser flüchtet aus der DDR. Somit wird sie für die Stasi zur Mitwissenden, eine damals schwere Straftat. Vom Staatsapparat verfolgt und unter Druck gesetzt, versucht sie, ihn zu schützen. Außerdem steht sie vor einer Entscheidung, die ihr weiteres Leben grundlegend bestimmen dürfte. 💭 Toll, wie die Autorin die intensive Gefühlswelt des Mädchens darstellt. Ich spüre die Last auf den Schultern des jungen Teenagers. Marie‘s Ratschläge an Karin, die die Liebe betreffen, haben mir gefallen. Der Schreibstil ist grundsätzlich nicht so meins und verlangt mir persönlich mehr Konzentration ab. In dieser Handlung empfinde ich ihn jedoch als hilfreich, die Gedanken und Beweggründe der Hauptfigur authentisch zu vermitteln. Dadurch kam ich beim Lesen der Figur Karin nahe. Vielleicht ist der Schreibstil auch eine Rebellion und ermöglicht es der Autorin, sich von den Daumenschrauben dieses perfide akribischen Regimes zu lösen. Jedenfalls ist es ein gelungenes Buch und ein tolles Debüt, welches mich in eine mir zum Glück ferne Welt entführte - und so etwas liebe ich!

Gittersee von Charlotte Gneuß
Am Anfang fand ich den Schreibstil und die Sprache etwas befremdlich, doch nach ein paar Seiten hatte ich mich daran gewöhnt, z.B. keine Anführungszeichen bei der direkten Rede vorzufinden und die flappsige Sprache einzuordnen. Auch die schnellen Themen-, Gedanken-, oder Situationswechsel haben mich einige Male Innehalten lassen, um das Gelesene zu sortieren. Im Nachhinein machte aber diese sehr einfache und saloppe Sprache den Roman und seine Charaktere authentisch und glaubhaft. Obwohl dies eine fiktive Geschichte ist, wird sich diese Vorgehensweise der Stasi tausendfach ereignet haben. Familien sind daran zerbrochen und keiner (ver-)traute mehr dem anderen. Naja, letztendlich hat man meiner Meinung nach aber auch nicht wirklich viel verpasst, wenn man das Buch nicht gelesen hat.
Gittersee ist kein klassischer DDR-Roman. Es ist ein Roman über Macht, Manipulation und das Erwachsenwerden in einem System, das Vertrauen als Waffe nutzt.
Karin ist 16, lebt im Dresden der 1970er Jahre, zwischen Familie, erster Liebe und einem Staat, der sie beobachtet, formt, benutzt. Die DDR verspricht Zugehörigkeit und verrät gerade die Jüngsten, indem sie sie instrumentalisiert. Dieser Missbrauch von Nähe, dieses Ausnutzen jugendlicher Loyalität, zieht sich wie ein kalter Schatten durch den Roman. Gleichzeitig leistet Karin all das, was Mädchen immer leisten mussten: Sie trägt Verantwortung, sorgt, hält die Familie zusammen. Care-Arbeit als weibliche Pflicht, unbezahlt und unsichtbar. In dieser Überforderung verschwimmen Realität und Gedanke, und genau das spiegelt sich im Stil: keine Anführungszeichen, keine klaren Grenzen. Die Sprache selbst wird zum Spiegel der inneren Zerrüttung – klug, verstörend, konsequent. Die Kritik, eine westdeutsche Autorin dürfe nicht über den Osten schreiben, greift für mich zu kurz. Charlotte Gneuß schreibt nicht über, sondern hinein – mit Empathie, Präzision und Respekt. Man spürt, dass sie recherchiert, zugehört hat und durch ihre Familie ostdeutsche Identität miterlebt hat. Ein stilles, aber wütendes Buch. Über ein Mädchen, das die Welt verstehen will und über ein System, das genau das verhindert.
Teenagerdasein im DDR-Regime - der etwas andere Adoleszenzroman
1976, DDR: Karin ist 16, lebt im Dresdener Vorort Gittersee und verbringt ihre Tage zwischen Schule, der Pflege ihrer kleinen Schwester und den Alltagsdramen einer zerrütteten Familie. Ihre Großmutter trauert der NS-Vergangenheit nach, die Mutter träumt von einem anderen Leben, und der Vater versucht, seinen Kummer im Alkohol zu ertränken. Karins Anker ist ihre Freundin Marie, die als erste Frau auf den Mond will, und ihre erste Liebe, Paul. Doch Paul verschwindet nach einem vermeintlich harmlosen Ausflug spurlos, und plötzlich steht die Stasi vor Karins Tür. Im Fokus der Ermittlungen gerät Karins Welt aus den Fugen: Sie wird verhört, manipuliert und schließlich als inoffizielle Mitarbeiterin der Staatssicherheit angeworben. Mit der Unschuld eines Teenagers wird sie Teil eines Systems, das keinen Raum für Individualität lässt. Doch was ist mit Paul passiert, und wie wird Karins Rolle ihre Familie und Freundschaften beeinflussen? Charlotte Gneuß’ Debüt „Gittersee“ entführt die Leser in eine Welt, die heute oft verklärt oder missverstanden wird. Die Stärke des Romans liegt in der detailreichen Schilderung des DDR-Alltags, der durch Karins naive, aber präzise Wahrnehmung lebendig wird. Fahneneide, Planwirtschaft und die allgegenwärtige Gefahr, überwacht zu werden, wirken bedrückend authentisch – zumindest für jemanden, der selbst keinen direkten Bezug zur DDR hatte. Dass Gneuß als „Wessi“ dieses Thema aufgreift, halte ich für völlig legitim (auch wenn sie dafür häufig kritisiert wurde), denn ihre akribischen Recherchen und der sensible Umgang mit dem Stoff sprechen für sich. Wer solche Kritik anführt, sollte sich fragen, ob dann auch Romane über das Mittelalter oder Science-Fiction von „Unbeteiligten“ geschrieben werden dürften. Gute Literatur lebt davon, dass sie Welten erschafft oder nachvollziehbar macht, die der Autor oder die Autorin nicht zwingend selbst erlebt haben muss. Wichtig ist, dass sie das authentisch und respektvoll tut – und das gelingt Gneuß meiner Meinung nach. Stilistisch fällt der Roman durch seine sprachliche Reduktion und die knappen Dialoge auf, die sich wie echte Gespräche anfühlen. Dennoch kann der fragmentarische Stil stellenweise anstrengend wirken, insbesondere durch fehlende Anführungszeichen oder plötzliche Wechsel zur wörtlichen Rede mitten im Satz. Das erzeugt eine gewisse Authentizität, kann aber den Lesefluss hemmen. Mich hat es nicht gestört, aber ich kann verstehen, wenn das nicht für jeden funktioniert. Karin selbst ist eine faszinierende, aber nicht immer greifbare Figur. Ihre Naivität steht oft im Kontrast zu den perfiden Mechanismen der Stasi, die sie mit unterschwelligen Drohungen und subtiler Manipulation immer weiter in ihren Bann zieht. Gleichzeitig bleibt vieles bei ihr vage: Ihre Motive, ihre Gefühle für Paul, ihre Entscheidung, sich als IM verpflichten zu lassen – das bleibt alles bewusst unscharf. Diese Unklarheit ist Teil des Reizes, macht es aber auch schwieriger, eine echte Bindung zu ihr aufzubauen. Ich hätte mir gewünscht, sie einfach noch viel besser kennenlernen zu dürfen – gerne auch auf weiteren 200 Seiten. Was „Gittersee“ für mich allerdings besonders auszeichnet, ist die Atmosphäre: Der Roman schafft es, ein Gefühl der ständigen Bedrohung zu erzeugen, ohne übertrieben dramatisch zu werden. Es sind die leisen, subtilen Momente, die am meisten beeindrucken – etwa wenn Karin merkt, dass selbst banale Gespräche zum Verhängnis werden können. Dennoch: Das Ende wirkte auf mich zu abrupt und ließ einige Fragen unbeantwortet. Besonders die Auflösung um Paul und Karins Umgang mit ihrer Rolle bei der Stasi hätten mehr Tiefe vertragen. Am Ende bleibt „Gittersee“ ein lesenswerter Roman. Er wirft ein ungeschöntes Licht auf das Leben als Jugendliche in der DDR und bringt ein Kapitel deutscher Geschichte auf berührende und nachdenkliche Weise näher. Für mich haben die starke Atmosphäre und der authentische Stil es definitiv zu einer lohnenden Lektüre gemacht. ⭐️⭐️⭐️⭐️
Der Roman von Charlotte Gneuß las sich fließend und spannend, aber dennoch konnte mich das Buch in seiner Gesamtheit nicht komplett überzeugen. Die 16-jährige Protagonistin Karin, die aufgrund eines Vorfalls zum Spielball der Stasi wird. Dennoch öffnet das Buch den aktiven Austausch untereinander und Familie/Menschen aus dieser Zeit.
Ein wirklich tolles Buch! Ich war von Anfang an drin. Es hat so einen starken Sog, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen. Eine so spannend erzählte Geschichte, mit einer besonderen Sprache. Die Sprache empfand ich so passend, für ein 16 jähriges Mädchen und das System, in dem sie aufgewachsen ist. Ich spürte förmlich die Unsicherheit und das Misstrauen gegenüber den Mitmenschen. Es ist nicht einfach nur eine Geschichte aus der DDR,sondern auch über das Erwachsenwerden, Verliebtsein, die Stasi und hat was von einem Krimi. Absolut empfehlenswert!
Ein Buch das Spaß macht, trotz der schweren Themen
Fahneneid, Gruß der Pioniere und Schwüre auf das Vaterland sind mir sowas von fremd und haben meine Schulzeit somit auch nicht beeinflusst. Karin geht’s da anders, denn sie ist in der DDR aufgewachsen und wir verbringen mit ihr ein paar Monate im Jahr 1976 in Gittersee, einem dörflichen vor Ort von Dresden. Da ist sie 16. und verliebt, in Paul, der mit ihr ein Abenteuer erleben wird und dann spurlos verschwindet. Lange Zeit weiß sie nicht sicher, ob er lebt, Republikflucht begangen hat oder sich irgendwo versteckt. Sie gerät ins Visier der Stasi, wird als Mithelferin verdächtigt und als Informantin missbraucht. Sie hat Probleme, sich gegen unterschwellige Drohungen zu wehren und spielt mit. Das hat Folgen für ihre ganze Umgebung. Es war unglaublich interessant Karin auch durch ihr Familienleben zu begleiten, indem sie mehr Mutter als Schwester für ihre „Kleine“ ist, und das muss sie auch sein, denn ihre Oma trauert der faschistischen Vergangenheit nach, ihre Mutter träumt von einem anderen Leben und der Vater ist überfordert und ertränkt seinen Kummer in Alkohol. Die Atmosphäre fühlt sich stimmig an, auch wenn ich es nicht wirklich beurteilen kann. Überall lauert die Gefahr abgehört zu werden und mit den Folgen leben zu müssen. Für ein junges Mädchen wie Karin bringt das viele Fragen mit sich. Ihre manchmal anmutende Naivität hat was berechnendes oder ist es doch nur Unsicherheit? Stilistisch war ich sofort gefangen. Der freche Schreibstil machte sich in meinem Ohr breit, und ich meinte ständig eine Sprache im Dialekt raus zu hören, obwohl sie gar nicht schriftlich abgebildet wurde. Sie ist auf eine besondere Art und Weise reduziert. Die Dialoge sind kein bisschen geschönt und haben einen eigenen Slang Mir hat das unglaublich gut gefallen. Aber auch hier wieder fehlende Anführungszeichen, teils der Wechsel zu wörtliche Rede mitten im Satz . Das kann das Lesen sehr erschweren und ich verstehe auch immer noch nicht, warum auf die Strichelchen verzichtet wird. In vielerlei Beziehung erinnert mich der Text an „22 Bahnen“ von Caro Wahl. Die Verwicklungen, in die das junge Mädchen gerät, haben auch mich beim Lesen eingeengt. Planwirtschaft bedeutet auch, dass man seinen Wünschen nicht nachgehen kann und ist man noch so talentiert. Der Staat bestimmt, was gebraucht wird. Selbstverwirklichung spielt nun wirklich gar keine Rolle. Ich bin so froh, in demokratischen Verhältnissen groß geworden zu sein. Das Ende fand ich harmlos, bis ich mich entschieden hab, den Anfang noch mal zu lesen, den ich schon fast vergessen hatte. Jetzt ist es rund. Charlotte Gneuß hat es meinem Empfinden nach geschafft, auf wenigen Seiten absolute Authentizität herzustellen. Ein packendes Buch Das trotz des schweren Themas immer mal wieder Leichtigkeit ausstrahlt. Hat Spaß gemacht zu lesen
Der Roman Gittersee stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2023. Mittelpunkt der Geschichte ist 16-jährige Karin. Es ist 1976 und Karin wohnt gemeinsam mir ihrer Familie im Dresdner Vorort Gittersee. Sie lebt in schwierigen Familienverhältnissen und trägt bereits viel Verantwortung im Familienleben. So muss Karin sich z.B. oft um ihre kleine Schwester kümmern. Nachdem der Verdacht aufkommt, dass ihr Freund Paul in den Westen geflüchtet sein könnte, wird die Stasi auf sie aufmerksam. Karin steht nun zwischen ihren Freunden und der Manipulation durch die Staatsmacht. Die Autorin schafft es den Alltag von Jugendlichen in der DDR authentisch zu beschreiben. Auch die Sprache war passend zur Geschichte. Die Autorin hat einen guten Ton gefunden, die damalige Zeit wiederzugeben ohne Dialekt zu benutzen. Dass es keine gekennzeichnete wörtliche Rede gab, hat mich weder gestört und noch meinen Lesefluss beeinflusst. Das Leben von jungen Menschen in der DDR wird nachvollziehbar dargestellt - der Alltag zwischen Schule, Familie und Freunden, das Dilemma zwischen persönlicher Selbstverwirklichung und staatlicher Autorität. Insgesamt eine spannende Geschichte, die mir sehr gut gefallen hat. Noch ein kleiner Tipp am Rande: Nach Beendingung des Buches empfehle ich nochmal den Anfang zu lesen. Es lohnt sich 😊. Es kann dieses Buch auf jeden Fall weiter empfehlen und vergebe 4,5 🌟.
Gewöhnungsbedürftiger- wörtliche Rede wird nicht gekennzeichnet- Lesart. Karen ist 16 lebt in Gittersee einen Stadtteil von Dresden und liebt Paul. Paul begeht Landesflucht und Karen bleibt mit ihrer Liebe und vielen Fragen zurück. Sie gerät in die Fänge der Staatssicherheit und lässt sich/ wird manipuliert um an Informationen zu kommen. Über das Buch wurde viel gesprochen und geschrieben. Es ist ein Debütroman und um möglichst authentisch zu sein, hat die Autorin ihre Eltern befragt, da sie nicht in der DDR groß geworden ist. Für mich sind Karen und ihre Freunde nicht richtig greifbar gewesen- ich war zu wenig in ihren Köpfen, um sie zu „ kennen „. Das Ende fand ich übertrieben.
Toller und überzeugender Debutroman
Karin lebt in der Nähe von Dresden. Es ist Mitte der 70er Jahre, und das junge Mädchen findet sich zwischen Babysitterdiensten für ihre kleine Schwester, Haushaltspflichten und entfremdeten Erwachsenen wieder. Das Leben fühlt sich fremdbestimmt und zäh an. Die einzig erfreuliche Abwechslung ist ihr Freund Paul, der im nahegelegenem Kohleabbau arbeitet. Als dieser sie zu einem Ausflug in die Tschechei mitnehmen will, muss sie passen. Nachts klingelt es an der Tür. Die Stasi will Karin sprechen: Paul ist verschwunden. Was wusste Karin? Hat sie ihm zur Republikflucht verholfen? Ich war erstaunt wie sehr ich mich selbst beim Lesen gelähmt und befangen gefühlt habe. Die Protagonisten stecken fest in einem Leben, das nach Außen für den Sozialismus und nach Innen unerfüllt und ausgebremst ist. Nur beim Klettern fühlt Karin sich frei: "Leicht sein, fort sein, fern sein.[...] Und nah dem Himmel, nah den Wolken, dem Wind". Sie sehnt sich nach Unbeschwertsein und möchte Distanz zu einem Alltag, der sie belastet. Die Mutter, die selbst frei sein will und ihrer Elternrolle nicht nachkommen kann. Der Vater, der unter der Situation leidet und die ewig zänkische Oma. Der Verlust ihres Freundes stellt sie vor eine Entscheidung. Auf welcher Seite will sie stehen? Charlotte Gneuß, deren Eltern in der DDR gelebt haben, hat eine Geschichte geschaffen, die für mich erschreckend war. Man kann sich nicht vorstellen wie es ist bespitzelt zu werden, sich nicht ausleben zu dürfen, nie die eigene Meinung laut aussprechen zu dürfen, noch nicht mal in der eigenen Wohnung. Wirklich unvorstellbar, und bei allem Klagen über die heutigen Zeiten ist es einfach immernoch eines der wertvollsten Dinge auf der Welt, seine eigene Meinung aussprechen zu dürfen.
Jugend in der DDR - ein vielschichtiger Abriss
Es ist 1976. Karin, 16, lebt in Gittersee, einem kleinen Örtchen in der Nähe von Dresden. Sie ist jung, sie ist verliebt, sie ist naiv. Und plötzlich wird sie mit den Widrigkeiten des Überwachungsstaates konfrontiert, obwohl sie doch einfach nur jung sein will. Charlotte Gneuß, selbst er nach dem Mauerfall geboren, zeichnet ein realistisches Bild. Man nimmt ihr ab, was sie schreibt. Der Stil: manchnal abgehackt, manchmal grüblerisch, aber immer passend. Ich fühle mit diesem 16jährigen Mädchen, dass unbeschwert sein möchte, aber dessen Umfeld das nicht zulässt. Manchnal blieb mir Karin zu blass, aber das mindert nicht den Gehalt der Geschichte, die durchaus spannende Stränge aufweist. Das Fehlen der Anführungszeichen hat mich erst irritiert, dann fand ich es zum Lesen direkt angenehm. Habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Es wird wohl noch etwas nachhallen.
Auch wenn der Schreibstil angangs etwas gewöhnungsbedürftig war, ist das wirklich ein beeindruckendes Buch. Es zeigt eindringlich, wie perfide die Rekrutierung des Stasi-Apparats damals gelaufen ist. Und das bereits in Jugendjahren, wenn man formabar, beeinflussbar und auf der Suche nach dem eigenen Selbst ist. Wie Du niemandem mehr trauen konntest, zerfressen von Schuldgefühlen bei gleichzeitigem Funktionieren im Alltag dieses Staates. Hat mich sehr gepackt.
Eine erschreckende Geschichte über die Jugend in der DDR, deren Ausgang mich noch einmal kalt erwischt hat. Ein wirklich sehr gutes Buch von Charlotte Gneuß. Manchmal hätte ich mir noch mehr Details gewünscht, aber vielleicht ist es auch gerade das Unausgesprochene, das die Handlung so authentisch macht.
In ihrem packenden Debütroman nimmt uns Charlotte Gneuß mit in eine Welt, die längst nicht mehr existiert. Eine Welt, die ich persönlich nur aus Erzählungen kenne. Wir begleiten Karin in den Monaten nach Pauls Verschwinden. Paul – ihre erste große Liebe. Paul – der nur ein Wochenende in die Tschechei wollte und nie zurückkehrte. Paul – der ihr von seinen Plänen nichts erzählte. „Ich setzte mich hinter eine Buche, die nur wenige Meter hinter dem Punkt stand, an dem Paul sein Moped geparkt hatte. Du darfst auch nicht vergessen, dass du meine kleine Komma bist und dass ich dich über alles liebe, versprich mir das, hatte Paul damals geflüstert.“ Karins Welt gerät aus den Fugen, als eines nachts plötzlich zwei Beamte der Staatssicherheit vor der Tür stehen und sie mitnehmen. Der Text hat sich da anfangs etwas holprig gelesen, was es mir schwer gemacht hat, emotional zu Karin, der Ich-Erzählerin, durchzudringen. Aber je weiter ich kam, desto mehr gewöhnt man sich an den Stil. Dann spürte ich bei Karin eine tiefe Zerrissenheit, die mir sehr nah ging – ich konnte nachempfinden, wie sie sich gefühlt haben muss, in diesem doch jungen Alter mit solch moralischen Fragestellungen konfrontiert zu werden und zudem noch ihre erste große Liebe zu verlieren, und das alles ohne Rückhalt der auseinanderfallenden Familie. Ich kann euch diesen Roman sehr empfehlen!!! [unbezahlte Werbung, da selbstgekauft]

Das Buch hat mir richtig gut gefallen, es war spannend und sehr realistisch geschrieben! Nur kam ich am Anfang nicht richtig in die Geschichte, weil es keine wörtliche Rede gibt. Stört manchmal beim lesefluss. Aber dennoch fand ich irgendwann rein. Leider hab ich das Ende nicht verstanden😃🙈 das macht, glaub ich viel aus🤔

Eine gut erzählte Darstellung über das Leben in der DDR als Jugendliche, über den Wunsch nach Freiheit und über die hinterlistigen Maschen der DDR Spitzel.
Karin ist verliebt in ihren Paul. Doch Paul sehnt sich nach Freiheit, nach einem Leben, dass er in der DDR nicht führen kann. Und so verschwindet er von einem Tag auf den anderen. Dies muss Wickwalz, der DDR Spitzel ganz genau erkundschaften: wohin ist Paul gegangen? Wer hat ihm geholfen? Hat er seine Flucht angekündigt? Für die Beantwortung all dieser Fragen hängt er sich an Karin.. ob sie vorher nichts gewusst habe? Ob sie nichts gespürt habe? Soetwas spürt man doch, sagten die Leute immer wieder zu ihr. Aber nein: Karin wusste nichts und spürte nichts und ist nun selbst auf der Suche.. Dieses Buch ist keine bewusst spannende Erzählung, vielmehr eine, die Verzweiflung erzählt. Eine die viele Fragen aufwirft und wenig Antworten gibt. Gittersee ist ein gutes Buch für all diejenigen, die noch keine anderen DDR Bücher gelesen haben. Es zeigt die unglaublich perfide Masche der Spitzel aber auch das Leben, wie es geführt wurde. Auf jeden Fall eine Empfehlung.
Der Schreibstil dieser Erzählung ist etwas gewöhnungsbedürftig. Es kommt einem vor, als wenn wirklich ein junges Mädchen vor einem sitzt und ihre Sicht der Dinge erzählt. Die direkt Rede wird nicht gekennzeichnet und daher ist es am Anfang etwas komisch. Die Autorin schafft es das graue Leben in der DDR gut darzustellen. Vieles hat mich selbst an meine Oma erinnert. Der Story hätte etwas mehr Tiefgang sicherlich gut getan. Auch das Ende kam super abrupt und war für mich leider so gar nicht akzeptabel 😅
Erster O-Ton in mir, nachdem ich das Buch zuklappte: Uff! DDR, Stasi, Republik-Flucht, Queer-Sein, Geheimnisse. „Es war niemand auf der Straße, doch hinter jedem Fenster Licht. Hinter jedem Fenster Licht und Tisch und Mensch.“ Nüchtern geschrieben, sodass es auf Distanz hält und doch las ich mit Anspannung Seite um Seite und wartete auf den großen Knall. Ich war und bin sehr hin- und hergerissen von meinen Leseeindrücken: Der Stil trifft den Zeitgeist. Als Leserin bleibe ich gerade deswegen außen vor.
Der Roman erzählt in Ich-Perspektive den Alltag der 16-jährigen Karin in Gittersee in der DDR in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre. Karin geht zur Schule, sie ist verliebt und mit Paul zusammen. Sie kümmert sich um ihre Schwester, die noch ein Baby ist, ist Mutterersatz, obwohl sie mit Mutter, Vater und Großmutter in einem Haus lebt. Paul flieht in den Westen und macht Karin zur Mitwisserin, ein Delikt, der in der DDR schwer geahndet wurde. Der Stasi-Mitarbeiter Wickwalz versucht herauszufinden, wohin Paul geflüchtet ist, was Karin weiß. Die hält Wickwalz für einen Vertrauten. Welche Rolle er eigentlich im System spielt, das begreift Karin im Grunde erst am Ende des Buches. Und genau hierin zeigt sich die feine Tiefe des Romans. Alltäglichkeiten, Langeweile, der übliche Lauf einer 16-jährigen Schülerin, all da liest sich in den Ich-erzählten Abschnitten teilweise stumpf und dröge. Aber genau das ist der Clou, Karin ist eine „normale“ 16 Jöhrige. Für sie ist die DDR Kindheit und Jugend, hier wächst sie auf. Sie lernt die Werte, übernimmt früh Verantwortung für ihre Schwester. Die Beziehung zu den Eltern ist distanziert, wir erfahren kaum etwas über sie als Menschen. Lediglich Andeutungen zeigen, wie jeder auf seine Weise kämpft. Die Mutter scheint depressiv, bis sie ausbricht aus ihrem Leben. Der Vater trinkt. Die Großmutter macht den Haushalt. Die Freundin Marie ist Vertraute und Konstante. Doch auch sie lebt mit ihren eigenen Geheimnissen. Sie hat ein inniges Verhältnis zur Mutter, obwohl die nie zuhause zu sein scheint und deren Beziehung sich über liebevolle Notizzettel auszudrückt, die die Mutter der Tochter hinterlässt. Sie ist nicht da und doch hat sie Anteil am Leben ihrer Tochter. Das liest sich für mich genau gegenteilig zu Karin. Wichtige Rollen im Buch spielen Rühle und Wickwalz. Ersterer nimmt mich als Lesende mit durch extreme Charakterentwicklung. Wickwalz wirkt wie der nette Vertraute, der Karin zuhört und sie versteht. Wie genau er das tut, nun ja. Der Stil des Buches hat mich trotz Ich-Perspektive sehr auf Distanz gehalten. Die Figuren bleiben wage. Vor allem das, was nicht gesagt wird, die Leerstellen sind es, die die Story für mich vorangebracht haben. Im Grunde einer meisterhafte Leistung der Autorin, dass sie es geschafft hat, für mich in ihrem Schreibstil die gesamte Diktatur zu charakterisieren. Vertrauen, sich öffnen und zeigen, wer man ist, all das hat und hätte in diesem System schwerwiegende Folgen gehabt und haben können. Die Kapitel-Einteilung hat sich mir mit den zusätzlichen Absätzen im Text nicht erschlossen. Dadurch blieb alles - und vielleicht ist auch das performativ - fragmentarisch.

Im Jahr 1976 in Gittersee, einem Vorort von Dresden, lebt die 16-jährige Karin mit ihren Eltern, ihrer Oma und ihrer kleinen Schwester. Ihr Leben ist geprägt von Monotonie und Beklemmung: Die Schule ist durchtränkt von Propaganda, die Ehe ihrer Eltern ist am Zerbrechen, ihre Oma verhält sich eigenartig, und Karin muss sich um ihre jüngere Schwester kümmern. Die einzigen Lichtblicke in ihrem Leben sind ihre beste Freundin Marie und ihr Freund Paul. Doch Marie hat immer weniger Zeit für Karin, und Paul gelingt die Flucht aus der DDR. Infolgedessen steht der Staatssicherheit vor Karins Tür und fragt höflich nach, ob sie von Pauls Fluchtplänen wusste. Schnell erkennt der Ermittler Wickwalz, dass die isolierte Jugendliche eine perfekte Informantin für ihn sein könnte. Mit ihrem Roman "Gittersee" schafft Charlotte Gneuß eine beklemmende Coming-of-Age-Geschichte vor historischem Hintergrund. Die Hauptfigur Karin ist dabei sowohl Opfer als auch Täterin. Im Buch werden viele Dinge nur angedeutet, was daran liegt, dass Karins Sicht eingeschränkt ist, und viele Details, die mich interessiert hätten, wie die Geschichte ihres Opas, werden nur kurz angerissen. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Es hat mich auch überrascht, wie wenig der damalige Uranabbau in der Umgebung und die damit verbundenen Umweltschäden im Buch thematisiert wurden. Karin ist eine Figur, die mein Mitgefühl erweckt, aber gleichzeitig schwer zu mögen ist. Sie wirkt oft naiv und passiv, und es bleibt für mich unklar, warum sie sich so leicht manipulieren lässt. Dennoch ist "Gittersee" ein fesselnder Roman, der wichtige Themen behandelt und mit einem Ende aufwartet, dass lange im Gedächtnis bleibt und mich immer noch beschäftigt.
Es hat eine Weile gedauert, in den Stil dieses Buches hineinzufinden. Die Sprache ist gewöhnungsbedürftig. Es gibt viele Andeutungen, Brüche und Auslassungen. Szenen werden nicht zu Ende beschrieben. Nach ca. 70 Seiten habe ich mich aber an den Stil gewöhnt und das Buch las sich recht gut. Die Thematik über die DDR, Verrat, Freundschaft, Liebe und Verantwortung fand ich sehr interessant. Ein bisschen mehr Tiefgang hätte ich mir stellenweise gewünscht.
Das Beste zuerst: Die Sprache. Ich mochte diesen Stil aus kurzen knappen Sätzen und die dadurch erzeugte Stimmung sehr. Das hilft auch etwas darüber hinweg, dass meine anfängliche Begeisterung leider nicht durchgängig bis zum Ende angehalten hat. Irgendwie hat mich das Buch nach der Hälfte ca. verloren und ich war nicht mehr so angetan. Naja, schade. Gleichwohl ein durchaus lesenswertes Buch.
Mischung aus DDR-Geschichte, Coming-of-Age und Familienroman
Es spielt im Dresden der Siebzigerjahre, wo Karin mit 16 Jahren zwischen Kindheit und erster Liebe steht und hat etwas von einem Coming-of-Age-Roman. Karin kümmert sich liebevoll um ihre noch sehr kleine Schwester, da ihre Mutter dazu psychisch nicht in der Lage ist. Ihr Freund Paul kommt eines Tages von einem Ausflug nicht mehr zurück, dafür stehen plötzlich Uniformierte vor der Tür, die Karin mitnehmen und verhören. Als sie zurückkommt, wird sie immer tiefer in einen Sog aus Verrat, Denunziantentum und naivem Tun gezogen. Die junge Autorin zeigt in ihrem Debüt das Leben in einem Deutschland, das es so sicherlich gab und heute zum Glück nicht mehr gibt. Ich bin im anderen Teil Deutschlands aufgewachsen und im selben Ort wir Charlotte Gneuß geboren und habe Dresden in den 90er-Jahren sehr gut kennen gelernt. Aber ich vermag mir das Leben dort vor Mauerfall nicht vorzustellen. Leider konnte mich das Buch nicht ganz überzeugen, da es mir zu vieles war, was hier reingeschrieben wurde. Ich hätte mir gewünscht, dass die Familie und die Emotionen Karins stärker herausgearbeitet worden wären. So blieben mir letztlich alle Charaktere zu distanziert. Das doch überraschende Ende des Romans konnte mich dagegen voll überzeugen.
(Rezensionsexemplar) „Gittersee“ von Charlotte Gneuß spielt in Deutschland im Jahr 1976 in Gittersee, einem Vorort von Dresden. Die Hauptprotagonistin Karin ist 16 Jahre, schwerverliebt in Paul und hat eine etwas komplizierte Beziehung zu ihren Eltern, die beide ihre eigenen Probleme haben. Karin muss schon früh für sich selbst sorgen. Aber dann verschwindet Paul, er haut ab nach Westdeutschland. Karins Leben verändert sich daraufhin. Karin wird aufgrund von Pauls Flucht von der Stasi kontaktiert. Der Stasi Offizier Wickwalz schenkt Karin Aufmerksamkeit, um so ihr Vertrauen zugewinnen und mehr über die Flucht von Paul zu erfahren. Schließlich beginnt Karin sogar als inoffizielle Mitarbeiterin der Stasi zu arbeiten. Die Handlung erzählt uns Karin selbst, Lesende sind an ihren Gefühlen und Gedanken hautnah dran. Karin ist erst 16 und handelt deshalb eben manchmal auch etwas naiv, das verleiht der Geschichte an Realität. Das Verschwinden von Paul dreht ihre Welt auf den Kopf. Sie kann sich nicht vorstellen, dass Paul freiwillig gegangen ist. Der Handlungsstrang wird zum Krimi. Sehr anschaulich schreibt Gneuß über eine zerrütte Familie in der DDR und gibt Einblicke in die damalige Arbeitsweisen der DDR. Wen konnte man in dieser Zeit überhaupt noch vertrauen? Der Spannungsbogen zieht sich durch die Handlung. Die Sprache ist dabei sehr bildhaft und beim Lesen habe ich mich in Dresden wiedergefunden.
Karin ist 16 und lebt 1976 im kleinen Ort Gittersee in der DDR. Als ihr Freund verschwindet, gerät sie in die Fänge der Stasi. Kaum zu glauben, dass es sich bei "Gittersee" um einen Debütroman handelt. Unglaublich dicht beschreibt Charlotte Gneuß die Atmosphäre der 70er und die Gefühle der jungen Frau, die etwas ziellos zum Spielball wird. "Gittersee" ist eine mitfühlsame Coming-of-Age-Geschichte, die aber von der ersten Seite an, eine düstere und bedrohliche Stimmung erzeugt und dadurch spannend wie ein Thriller ist.
Im Jahr 1976 in Gittersee, einem Vorort von Dresden, lebt die 16-jährige Karin mit ihren Eltern, ihrer Oma und ihrer kleinen Schwester. Ihr Leben ist geprägt von Monotonie und Beklemmung: Die Schule ist durchtränkt von Propaganda, die Ehe ihrer Eltern ist am Zerbrechen, ihre Oma verhält sich eigenartig, und Karin muss sich um ihre jüngere Schwester kümmern. Die einzigen Lichtblicke in ihrem Leben sind ihre beste Freundin Marie und ihr Freund Paul. Doch Marie hat immer weniger Zeit für Karin, und Paul gelingt die Flucht aus der DDR. Infolgedessen steht der Staatssicherheit vor Karins Tür und fragt höflich nach, ob sie von Pauls Fluchtplänen wusste. Schnell erkennt der Ermittler Wickwalz, dass die isolierte Jugendliche eine perfekte Informantin für ihn sein könnte. Mit ihrem Roman "Gittersee" schafft Charlotte Gneuß eine beklemmende Coming-of-Age-Geschichte vor historischem Hintergrund. Die Hauptfigur Karin ist dabei sowohl Opfer als auch Täterin. Im Buch werden viele Dinge nur angedeutet, was daran liegt, dass Karins Sicht eingeschränkt ist, und viele Details, die mich interessiert hätten, wie die Geschichte ihres Opas, werden nur kurz angerissen. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Es hat mich auch überrascht, wie wenig der damalige Uranabbau in der Umgebung und die damit verbundenen Umweltschäden im Buch thematisiert wurden. Karin ist eine Figur, die mein Mitgefühl erweckt, aber gleichzeitig schwer zu mögen ist. Sie wirkt oft naiv und passiv, und es bleibt für mich unklar, warum sie sich so leicht manipulieren lässt. Dennoch ist "Gittersee" ein fesselnder Roman, der wichtige Themen behandelt und mit einem Ende aufwartet, dass lange im Gedächtnis bleibt und mich immer noch beschäftigt.
Gittersee hat mich nur bedingt überzeugt. Die Handlung wirkte auf mich teils sprunghaft und die Charaktere blieben für mich oberflächlich – ich fand keinen echten Zugang zu ihnen. Stark fand ich jedoch die dichte Atmosphäre und die eindringliche Darstellung des DDR-Alltags, besonders die leise und konsequente Bedrohung durch die Stasi. Insgesamt ein solider Roman mit relevanter Thematik, aber emotional blieb ich außen vor. Schade.
GITTERSEE Charlotte Gneuß Gittersee, DDR 1976: „Das hätten sie gleich erzählen müssen, jetzt ist es Beihilfe zur Republikflucht.“ Eigentlich wollte Karins Freund sie zum Wochenendausflug mitnehmen. Aber die 16-jährige Karin traute sich nicht, ihren Vater um Erlaubnis zu fragen. Niemals hätte er sie mit Paul und seinem Freund über das Wochenende zum Zelten gelassen. Schließlich muss sie sich ja um ihre kleine Schwester kümmern - und Oma zur Hand gehen - und ihrem Vater Gesellschaft leisten. Alles wie immer. Doch dann kommt es ganz anders: Paul kommt von dem Wochenendausflug nicht zurück - er ist in den Westen geflohen. Und ganz plötzlich ist Karin im Mittelpunkt der Stasi. Diese glaubt ihr nicht, dass sie von der Flucht ihres Freundes nichts wusste. Immer stärker wirkt die Staatssicherheit auf das junge Mädchen ein, bis ihr ganzes Leben aus den Fugen gerät. Charlotte Gneuß hat es wunderbar verstanden, den grauen Alltag in der DDR, das gegenseitige Misstrauen und die tägliche Leier des Staates über die Vorteile des Sozialismus und die Nachteile des Kapitalismus herauszuarbeiten. Der Schreibstil der Autorin ist speziell und gefiel mir außerordentlich gut. Für mich als Wessi wirkt diese DDR-Geschichte sehr authentisch und deshalb spreche ich gerne eine Leseempfehlung aus.

DDR, 1976. Die 16- jährige Karin ist zum ersten Mal verliebt, doch Paul, ihr Freund, begeht Republikflucht, ohne ihr etwas davon zu sagen. Karin ist nun der Beihilfe verdächtig. Ihren Eltern kann sie es nicht erzählen, denn die Familie ist bereits am Auseinanderbrechen. In ihrer Not trifft sie folgenschwere Entscheidung. Was macht eine gelungene Flucht mit den Zurückgebliebenen in einer Diktatur psychisch und welchen Konsequenzen und Repressalien sind sie ausgesetzt? Ich bin beeindruckt, wie es der Autorin, die selbst nach der Wende im Westen geboren ist, gelingt die Leser*innen in diese Zeit und Welt mitzunehmen.
Im Dresden der 70er lebt die 16-Jährige Karin im Stadtteil Gittersee zusammen mit ihren Eltern, der Großmutter und der kleinen Schwester. Sie geht mir ihrer besten Freundin Marie zur Schule und ist verliebt in ihren ersten Freund Paul. Dieser versucht sie zu einem gemeinsamen Ausflug mit seinem besten Freund nach Tschechien zu überreden, der Vater erlaubt dies jedoch nicht. Kurz darauf stehen zwei Uniformierte vor ihrer Tür und befragen sie zur Flucht von Paul in den Westen. Daraufhin beginnt eine Reihe von Verhören, in denen Karin immer mehr unter Druck gerät, der sich auch auf ihr näheres Umfeld ausbreitet. Der Einstieg in "Gittersee" viel mir durch den Schreibstil und die fehlende wörtliche Rede etwas schwer. Die Entwicklung von Karin hat mir hingegen sehr gut gefallen. Als Leser:in spürt man ihre Zerrissenheit, den Druck, aber auch ihre Naivität sehr deutlich. Auch die authentische Schilderung der DDR hat mich überzeugt, obwohl ich dazu keinen Vergleich in meinem eigenen Leben habe. Das Ende war mir wieder etwas zu holprig und ich musste es sogar zweimal lesen, da ich im ersten Moment dachte, dass ich etwas übersprungen habe. Mein Fazit: ein authentische DDR-Geschichte mit einigen Schwächen, die ich dennoch gerne gelesen habe.

Gittersee - ein kleines Dorf bei Dresden. 1976. Die 16-jährige Karin wird eines Tages von der Stasi besucht und im Laufe der Zeit von ihr als Spitzel angeheuert. Eine Geschichte, wie sie zu Tausende in der DDR passiert ist. Der Schreibstil von Charlotte Gneuß ist einfach nur mitreißend und bildhaft. Direkt zu Beginn des Buches war ich in meine Kindheit zurück versetzt. Saß als Teenager mit meiner Mutter und Oma am Tisch und habe mir ihre Geschichten angehört. Angehört, wie sie als Teenager die DDR erlebt haben. Bis zum Schluss des Buches hatte ich das Gefühl, heimlich das Tagebuch der Freundin von meinem Vater seinen besten Freund zu lesen. Auch wenn wir in einer anderen Region gewohnt haben, so gleichen sich die Geschichten. Die Geschichten rund um Flucht, Verhöre und der Stasi. Obwohl ich es nicht mag, wenn Anführungszeichen weggelassen werden, so war es hier nicht störend. Es passt so gut ins Bild des geschriebenen. Dem Buch sollte eigentlich mehr als Lesetag gewidmet werden, weil es so tiefgründig ist, aber ich konnte es einfach nicht aus den Händen legen.
Wir befinden uns in Gittersee, in der Nähe von Dresden. Es ist das Jahr 1976. Karin ist 16 Jahre alt, besucht die Schule, kümmert sich um ihre kleine Schwester, da ihre Mutter nicht dazu in der Lage ist, hält die Familie irgendwie am Laufen. Und sie erlebt ihre erste große Liebe mit dem zwei Jahre älteren Paul, der im Schacht arbeitet und von einem Künstlerleben träumt. Von einem Ausflug zu den Tschechen kehrt Paul nicht zurück… die Rede ist von Republikflucht und Karin gerät ins Visier der Stasi. - Charlotte Gneuß‘ Roman steht auf der Longlist des deutschen Buchpreises und war jetzt zwar kein Highlight, konnte mich aber überzeugen. Sehr eindringlich zeigt die Autorin die damaligen Verhältnisse auf. Das Leben, das zwar gelebt wird, aber irgendwie von einer gewissen Unzufriedenheit geprägt ist, die Träume, die nicht realisierbar waren, die Strukturen und Abläufe, sowie die Konsequenzen für Zurückgebliebene, wenn ein*e Bekannte*r die DDR verlassen hat. Die Methoden des MfS werden beleuchtet und es wird klar: fair gespielt wurde da nicht. Es ging um Manipulation, Druck, das Schpren von Angst und ich glaube tatsächlich, dass es im Roman noch ziemlich human beschrieben wurde. Das Buch ist aus Sicht von Karin geschrieben. Der Schreibstil anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Es findet viel wörtliche Rede statt, allerdings ohne Auszeichnung, was sich tatsächlich erstmal falsch anfühlt, mit der Zeit aber das Gefühl vermittelt, als wäre man direkt in Karins Kopf. Viele Gedanken konnte ich gut nachvollziehen, so z.Bsp. sperrt sich Karin lange der Erkenntnis, dass Paul aus freien Stücken gegangen ist. Auch im Umgang mit dem ihr zugeteilten Beamten der Staatssicherheit zeigt sich gut die Naivität, wie sie nun mal mit 16 einfach noch vorhanden ist. Es entsteht schon fast ein Vertrauensverhältnis, da ja der Beamte vom Staat ist und dieser ja nichts Böses wollen kann… Ich denke Frau Gneuß ist es hier sehr gut gelungen, die damaligen Machenschaften einzufangen, auch wenn mir eine Beurteilung recht schwer fällt, da ich zwar in der DDR gelebt habe, aber noch sehr jung war, als die Mauer gefallen ist. Die Geschichte von Karin ist nur eine von Vielen, dennoch wird dadurch klar, wie wahrscheinlich viele damals gedacht haben. Wie viele damals zwischen Vaterlandstreue und Autonomie festhingen und teilweise auch gegen ihren Willen oder ohne es besser zu wissen Informationen preis gegeben haben. - Ein sehr gutes Buch und eine Empfehlung an alle, die sich für das Thema interessieren.
Leben mit der Stasi in der DDR
Karin lebt mit ihrer kleinen Schwester, Mutter, Vater und Oma in der DDR. Als ihr Freund Paul eines Tages verschwindet, wird sie von der Stasi beobachtet wegen „Beihilfe zur Republikflucht“. Dieser Roman geht unter die Haut. Ich habe ihn nahezu durchflogen, weil ich nicht abwarten konnte, wie es weitergeht.
Coming-of-Age im geteilten Deutschland.
"Ich wusste nicht, was für Paul alles war. Für mich war Paul alles." - S. 65 DDR 1976. Karins Freund Paul setzt sich in den Westen ab - Republikflucht. Dadurch gerät die 16-jährige ins Blickfeld der Stasi und wird als vermeintliche Mitwisserin geahndet. Aus Karins Sicht geschrieben, erliest man die Geschichte ihrer ersten zaghaften Liebe zu Paul, sowie ihr Aufwachsen in einer zerrütteten Familie, im geteilten Deutschland. Der Schreibstil ist speziell und anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Nüchtern und sachlich, auf die wörtliche Rede wird vollends verzichtet, es wird teilweise abrupt zwischen den Zeiten gesprungen. Ich mochte das. Über Freundschaft und Verrat, die Naivität der Jugend und die Konsequenzen, die man tragen und mit denen man leben muss. Das Ende fand ich großartig. Empfehlung.

Eine Geschichte mit viel Potential, herausfordernden Themen, die für mich leider hinter meinen Erwartungen zurück blieb. Der Schreibstil ist manchmal etwas verwirrend, nicht zuletzt dadurch, dass die direkte Rede nicht richtig gekennzeichnet ist. Ansonsten wirkt es für mich einfach eher farblos, die Emotionen sind für mich nicht spürbar, vielleicht weil sie kaum aus Karins Perspektive vorkommen. Oder mir zumindest viel zu wenig. Schade.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
1976, im Dresdner Vorort Gittersee: Karin ist 16, hütet ihre kleine Schwester und hilft der renitenten Großmutter im Haushalt, die ihrer Zeit als Blitzmädel hinterhertrauert. Karins Vater verzweifelt an der Reparatur seines Škodas wie an der des Familienlebens, und ihre Mutter würde am liebsten ein anderes Leben führen. Aufgehoben fühlt sich Karin bei ihrer Freundin Marie, dem einzigen Mädchen in der Klasse, das später nicht etwas machen, sondern etwas werden will: die erste Frau auf dem Mond. Und Karin ist verliebt: in ihren Freund Paul, der gerne Künstler wäre, aber im Schacht bei der Wismut arbeitet. Als Paul zu einem Ausflug aufbricht und nicht mehr zurückkommt, stehen eines Nachts zwei Uniformierte vor der Tür, und Karins Welt gerät aus den Fugen.
In diesem eindringlichen Debütroman erzählt Charlotte Gneuß von einer Welt, die es nicht mehr gibt und von der Frage, ob Unschuld möglich ist.
Ausgezeichnet mit dem »aspekte«-Literaturpreis, dem Jürgen Ponto-Preis 2023 und dem Nicolas-Born-Debütpreis 2024
Book Information
Author Description
Charlotte Gneuß wurde 1992 in Ludwigsburg geboren, nachdem ihre Eltern die DDR verlassen hatten. Sie studierte Soziale Arbeit in Dresden, Literarisches Schreiben in Leipzig und Szenisches Schreiben in Berlin. Sie ist Gastautorin von »ZEIT Online«, Gewinnerin des Leonhard-Frank-Stipendiums für neue Dramatik und Herausgeberin der Anthologie »Glückwunsch«, die bei Hanser Berlin erschien. Ihr Debütroman »Gittersee« stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2023 und wurde mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung 2023 sowie dem »aspekte«-Literaturpreis für »das beste deutschsprachige Debüt« ausgezeichnet. 2024 erhielt Charlotte Gneuß für »Gittersee« den Nicolas-Born-Debütpreis des Landes Niedersachsen sowie den Grimmelshausen-Förderpreis 2025. Die italienischsprachige Ausgabe wurde 2025 mit dem »Premio Speciale Edoardo Kihlgren Opera Prima« ausgezeichnet.
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25 Frauen 2025 - Buch 11: Eins ist klar: ich werde definitiv weitere Romane von Charlotte Gneuß lesen! In ihrem Debütroman "Gittersee" begleiten wir Karin, eine Jugendliche, die in Paul verliebt und mit ihm zusammen ist. Die Handlung spielt in den 1970ern in der DDR. Paul will einen Wochenendausflug machen und Karin mitnehmen, aber sie muss auf ihre kleine Schwester aufpassen. Als Paul nicht nach Hause zurückkehrt, kommt die Handlung ins Rollen. Obwohl vordergründig gar nicht so viel passiert, tut sich in Karins Leben doch so einiges. Gneuß gelingt es, den Alltag in der DDR zu zeigen, ohne explizit zu bewerten. Stattdessen nutzt sie unser Wissen über die DDR und die Methoden der Stasi, um eine permanente bedrohliche Stimmung zu schaffen. Zudem schafft sie durch die erste Seite eine Spannung, die sich durch den gesamten Roman zieht und bis zum Ende aufrechterhalten wird. Mir hat auch der Stil von Gneuß gefallen. Ihr gelingt es, die Dialoge nach realer Alltagssprache klingen zu lassen. Karins Tendenz, immer wieder über Paul und die Geschehnisse nachzudenken, bildet sie passend über einen assoziativen Stil ab. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass ich mir Karin nicht so richtig warm geworden bin. Allerdings habe ich persönlich immer Probleme damit, wenn Hauptfiguren eher blass - also ohne besondere Charaktereigenschaften - bleiben bzw. oft unentschlossen oder passiv sind. Am Ende des Romans wird dies teilweise aufgehoben, aber das war für mein Leseerlebnis etwas zu spät. Insgesamt kann ich den Roman nur empfehlen!
Ein ‚Kann‘-Buch. Lange Zeit konnte das Buch mich nicht für sich gewinnen. Die Sprache war mir zu wirr, zu schnell, zu zerstückelt. Es fiel mir schwer mit Interesse weiterzulesen. Dabei ist die Story eine Gute. Der Osten, eine Flucht, Spitzel. Ich kann mir gut vorstellen, das es wirklich so war. Das etliche unter Druck gesetzt wurden und dann ihre Liebsten verraten haben. Erst der dritte Abschnitt des Buches war für mich spannend und so geschrieben, das ich dran bleiben wollte. Ab da war ich sehr schnell am Ende des Buches. Diese Dramatik hat den vorherigen Teilen gefehlt.
📝 „Aber es geht vorüber. Alles geht vorüber. Man muss nur atmen, immer weiteratmen.“ (S. 87) 📝 „ […] wenn man aber für die Liebe offen ist, kann sie dich immer treffen […].“ (S.99) 📝 „Ich kam mir falsch vor. Doch wie sollte man etwas Richtiges tun, wenn drum rum alles falsch war.“ (S.139) 📖 Die 16-jährige Karin liebt Paul. Dieser flüchtet aus der DDR. Somit wird sie für die Stasi zur Mitwissenden, eine damals schwere Straftat. Vom Staatsapparat verfolgt und unter Druck gesetzt, versucht sie, ihn zu schützen. Außerdem steht sie vor einer Entscheidung, die ihr weiteres Leben grundlegend bestimmen dürfte. 💭 Toll, wie die Autorin die intensive Gefühlswelt des Mädchens darstellt. Ich spüre die Last auf den Schultern des jungen Teenagers. Marie‘s Ratschläge an Karin, die die Liebe betreffen, haben mir gefallen. Der Schreibstil ist grundsätzlich nicht so meins und verlangt mir persönlich mehr Konzentration ab. In dieser Handlung empfinde ich ihn jedoch als hilfreich, die Gedanken und Beweggründe der Hauptfigur authentisch zu vermitteln. Dadurch kam ich beim Lesen der Figur Karin nahe. Vielleicht ist der Schreibstil auch eine Rebellion und ermöglicht es der Autorin, sich von den Daumenschrauben dieses perfide akribischen Regimes zu lösen. Jedenfalls ist es ein gelungenes Buch und ein tolles Debüt, welches mich in eine mir zum Glück ferne Welt entführte - und so etwas liebe ich!

Gittersee von Charlotte Gneuß
Am Anfang fand ich den Schreibstil und die Sprache etwas befremdlich, doch nach ein paar Seiten hatte ich mich daran gewöhnt, z.B. keine Anführungszeichen bei der direkten Rede vorzufinden und die flappsige Sprache einzuordnen. Auch die schnellen Themen-, Gedanken-, oder Situationswechsel haben mich einige Male Innehalten lassen, um das Gelesene zu sortieren. Im Nachhinein machte aber diese sehr einfache und saloppe Sprache den Roman und seine Charaktere authentisch und glaubhaft. Obwohl dies eine fiktive Geschichte ist, wird sich diese Vorgehensweise der Stasi tausendfach ereignet haben. Familien sind daran zerbrochen und keiner (ver-)traute mehr dem anderen. Naja, letztendlich hat man meiner Meinung nach aber auch nicht wirklich viel verpasst, wenn man das Buch nicht gelesen hat.
Gittersee ist kein klassischer DDR-Roman. Es ist ein Roman über Macht, Manipulation und das Erwachsenwerden in einem System, das Vertrauen als Waffe nutzt.
Karin ist 16, lebt im Dresden der 1970er Jahre, zwischen Familie, erster Liebe und einem Staat, der sie beobachtet, formt, benutzt. Die DDR verspricht Zugehörigkeit und verrät gerade die Jüngsten, indem sie sie instrumentalisiert. Dieser Missbrauch von Nähe, dieses Ausnutzen jugendlicher Loyalität, zieht sich wie ein kalter Schatten durch den Roman. Gleichzeitig leistet Karin all das, was Mädchen immer leisten mussten: Sie trägt Verantwortung, sorgt, hält die Familie zusammen. Care-Arbeit als weibliche Pflicht, unbezahlt und unsichtbar. In dieser Überforderung verschwimmen Realität und Gedanke, und genau das spiegelt sich im Stil: keine Anführungszeichen, keine klaren Grenzen. Die Sprache selbst wird zum Spiegel der inneren Zerrüttung – klug, verstörend, konsequent. Die Kritik, eine westdeutsche Autorin dürfe nicht über den Osten schreiben, greift für mich zu kurz. Charlotte Gneuß schreibt nicht über, sondern hinein – mit Empathie, Präzision und Respekt. Man spürt, dass sie recherchiert, zugehört hat und durch ihre Familie ostdeutsche Identität miterlebt hat. Ein stilles, aber wütendes Buch. Über ein Mädchen, das die Welt verstehen will und über ein System, das genau das verhindert.
Teenagerdasein im DDR-Regime - der etwas andere Adoleszenzroman
1976, DDR: Karin ist 16, lebt im Dresdener Vorort Gittersee und verbringt ihre Tage zwischen Schule, der Pflege ihrer kleinen Schwester und den Alltagsdramen einer zerrütteten Familie. Ihre Großmutter trauert der NS-Vergangenheit nach, die Mutter träumt von einem anderen Leben, und der Vater versucht, seinen Kummer im Alkohol zu ertränken. Karins Anker ist ihre Freundin Marie, die als erste Frau auf den Mond will, und ihre erste Liebe, Paul. Doch Paul verschwindet nach einem vermeintlich harmlosen Ausflug spurlos, und plötzlich steht die Stasi vor Karins Tür. Im Fokus der Ermittlungen gerät Karins Welt aus den Fugen: Sie wird verhört, manipuliert und schließlich als inoffizielle Mitarbeiterin der Staatssicherheit angeworben. Mit der Unschuld eines Teenagers wird sie Teil eines Systems, das keinen Raum für Individualität lässt. Doch was ist mit Paul passiert, und wie wird Karins Rolle ihre Familie und Freundschaften beeinflussen? Charlotte Gneuß’ Debüt „Gittersee“ entführt die Leser in eine Welt, die heute oft verklärt oder missverstanden wird. Die Stärke des Romans liegt in der detailreichen Schilderung des DDR-Alltags, der durch Karins naive, aber präzise Wahrnehmung lebendig wird. Fahneneide, Planwirtschaft und die allgegenwärtige Gefahr, überwacht zu werden, wirken bedrückend authentisch – zumindest für jemanden, der selbst keinen direkten Bezug zur DDR hatte. Dass Gneuß als „Wessi“ dieses Thema aufgreift, halte ich für völlig legitim (auch wenn sie dafür häufig kritisiert wurde), denn ihre akribischen Recherchen und der sensible Umgang mit dem Stoff sprechen für sich. Wer solche Kritik anführt, sollte sich fragen, ob dann auch Romane über das Mittelalter oder Science-Fiction von „Unbeteiligten“ geschrieben werden dürften. Gute Literatur lebt davon, dass sie Welten erschafft oder nachvollziehbar macht, die der Autor oder die Autorin nicht zwingend selbst erlebt haben muss. Wichtig ist, dass sie das authentisch und respektvoll tut – und das gelingt Gneuß meiner Meinung nach. Stilistisch fällt der Roman durch seine sprachliche Reduktion und die knappen Dialoge auf, die sich wie echte Gespräche anfühlen. Dennoch kann der fragmentarische Stil stellenweise anstrengend wirken, insbesondere durch fehlende Anführungszeichen oder plötzliche Wechsel zur wörtlichen Rede mitten im Satz. Das erzeugt eine gewisse Authentizität, kann aber den Lesefluss hemmen. Mich hat es nicht gestört, aber ich kann verstehen, wenn das nicht für jeden funktioniert. Karin selbst ist eine faszinierende, aber nicht immer greifbare Figur. Ihre Naivität steht oft im Kontrast zu den perfiden Mechanismen der Stasi, die sie mit unterschwelligen Drohungen und subtiler Manipulation immer weiter in ihren Bann zieht. Gleichzeitig bleibt vieles bei ihr vage: Ihre Motive, ihre Gefühle für Paul, ihre Entscheidung, sich als IM verpflichten zu lassen – das bleibt alles bewusst unscharf. Diese Unklarheit ist Teil des Reizes, macht es aber auch schwieriger, eine echte Bindung zu ihr aufzubauen. Ich hätte mir gewünscht, sie einfach noch viel besser kennenlernen zu dürfen – gerne auch auf weiteren 200 Seiten. Was „Gittersee“ für mich allerdings besonders auszeichnet, ist die Atmosphäre: Der Roman schafft es, ein Gefühl der ständigen Bedrohung zu erzeugen, ohne übertrieben dramatisch zu werden. Es sind die leisen, subtilen Momente, die am meisten beeindrucken – etwa wenn Karin merkt, dass selbst banale Gespräche zum Verhängnis werden können. Dennoch: Das Ende wirkte auf mich zu abrupt und ließ einige Fragen unbeantwortet. Besonders die Auflösung um Paul und Karins Umgang mit ihrer Rolle bei der Stasi hätten mehr Tiefe vertragen. Am Ende bleibt „Gittersee“ ein lesenswerter Roman. Er wirft ein ungeschöntes Licht auf das Leben als Jugendliche in der DDR und bringt ein Kapitel deutscher Geschichte auf berührende und nachdenkliche Weise näher. Für mich haben die starke Atmosphäre und der authentische Stil es definitiv zu einer lohnenden Lektüre gemacht. ⭐️⭐️⭐️⭐️
Der Roman von Charlotte Gneuß las sich fließend und spannend, aber dennoch konnte mich das Buch in seiner Gesamtheit nicht komplett überzeugen. Die 16-jährige Protagonistin Karin, die aufgrund eines Vorfalls zum Spielball der Stasi wird. Dennoch öffnet das Buch den aktiven Austausch untereinander und Familie/Menschen aus dieser Zeit.
Ein wirklich tolles Buch! Ich war von Anfang an drin. Es hat so einen starken Sog, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen. Eine so spannend erzählte Geschichte, mit einer besonderen Sprache. Die Sprache empfand ich so passend, für ein 16 jähriges Mädchen und das System, in dem sie aufgewachsen ist. Ich spürte förmlich die Unsicherheit und das Misstrauen gegenüber den Mitmenschen. Es ist nicht einfach nur eine Geschichte aus der DDR,sondern auch über das Erwachsenwerden, Verliebtsein, die Stasi und hat was von einem Krimi. Absolut empfehlenswert!
Ein Buch das Spaß macht, trotz der schweren Themen
Fahneneid, Gruß der Pioniere und Schwüre auf das Vaterland sind mir sowas von fremd und haben meine Schulzeit somit auch nicht beeinflusst. Karin geht’s da anders, denn sie ist in der DDR aufgewachsen und wir verbringen mit ihr ein paar Monate im Jahr 1976 in Gittersee, einem dörflichen vor Ort von Dresden. Da ist sie 16. und verliebt, in Paul, der mit ihr ein Abenteuer erleben wird und dann spurlos verschwindet. Lange Zeit weiß sie nicht sicher, ob er lebt, Republikflucht begangen hat oder sich irgendwo versteckt. Sie gerät ins Visier der Stasi, wird als Mithelferin verdächtigt und als Informantin missbraucht. Sie hat Probleme, sich gegen unterschwellige Drohungen zu wehren und spielt mit. Das hat Folgen für ihre ganze Umgebung. Es war unglaublich interessant Karin auch durch ihr Familienleben zu begleiten, indem sie mehr Mutter als Schwester für ihre „Kleine“ ist, und das muss sie auch sein, denn ihre Oma trauert der faschistischen Vergangenheit nach, ihre Mutter träumt von einem anderen Leben und der Vater ist überfordert und ertränkt seinen Kummer in Alkohol. Die Atmosphäre fühlt sich stimmig an, auch wenn ich es nicht wirklich beurteilen kann. Überall lauert die Gefahr abgehört zu werden und mit den Folgen leben zu müssen. Für ein junges Mädchen wie Karin bringt das viele Fragen mit sich. Ihre manchmal anmutende Naivität hat was berechnendes oder ist es doch nur Unsicherheit? Stilistisch war ich sofort gefangen. Der freche Schreibstil machte sich in meinem Ohr breit, und ich meinte ständig eine Sprache im Dialekt raus zu hören, obwohl sie gar nicht schriftlich abgebildet wurde. Sie ist auf eine besondere Art und Weise reduziert. Die Dialoge sind kein bisschen geschönt und haben einen eigenen Slang Mir hat das unglaublich gut gefallen. Aber auch hier wieder fehlende Anführungszeichen, teils der Wechsel zu wörtliche Rede mitten im Satz . Das kann das Lesen sehr erschweren und ich verstehe auch immer noch nicht, warum auf die Strichelchen verzichtet wird. In vielerlei Beziehung erinnert mich der Text an „22 Bahnen“ von Caro Wahl. Die Verwicklungen, in die das junge Mädchen gerät, haben auch mich beim Lesen eingeengt. Planwirtschaft bedeutet auch, dass man seinen Wünschen nicht nachgehen kann und ist man noch so talentiert. Der Staat bestimmt, was gebraucht wird. Selbstverwirklichung spielt nun wirklich gar keine Rolle. Ich bin so froh, in demokratischen Verhältnissen groß geworden zu sein. Das Ende fand ich harmlos, bis ich mich entschieden hab, den Anfang noch mal zu lesen, den ich schon fast vergessen hatte. Jetzt ist es rund. Charlotte Gneuß hat es meinem Empfinden nach geschafft, auf wenigen Seiten absolute Authentizität herzustellen. Ein packendes Buch Das trotz des schweren Themas immer mal wieder Leichtigkeit ausstrahlt. Hat Spaß gemacht zu lesen
Der Roman Gittersee stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2023. Mittelpunkt der Geschichte ist 16-jährige Karin. Es ist 1976 und Karin wohnt gemeinsam mir ihrer Familie im Dresdner Vorort Gittersee. Sie lebt in schwierigen Familienverhältnissen und trägt bereits viel Verantwortung im Familienleben. So muss Karin sich z.B. oft um ihre kleine Schwester kümmern. Nachdem der Verdacht aufkommt, dass ihr Freund Paul in den Westen geflüchtet sein könnte, wird die Stasi auf sie aufmerksam. Karin steht nun zwischen ihren Freunden und der Manipulation durch die Staatsmacht. Die Autorin schafft es den Alltag von Jugendlichen in der DDR authentisch zu beschreiben. Auch die Sprache war passend zur Geschichte. Die Autorin hat einen guten Ton gefunden, die damalige Zeit wiederzugeben ohne Dialekt zu benutzen. Dass es keine gekennzeichnete wörtliche Rede gab, hat mich weder gestört und noch meinen Lesefluss beeinflusst. Das Leben von jungen Menschen in der DDR wird nachvollziehbar dargestellt - der Alltag zwischen Schule, Familie und Freunden, das Dilemma zwischen persönlicher Selbstverwirklichung und staatlicher Autorität. Insgesamt eine spannende Geschichte, die mir sehr gut gefallen hat. Noch ein kleiner Tipp am Rande: Nach Beendingung des Buches empfehle ich nochmal den Anfang zu lesen. Es lohnt sich 😊. Es kann dieses Buch auf jeden Fall weiter empfehlen und vergebe 4,5 🌟.
Gewöhnungsbedürftiger- wörtliche Rede wird nicht gekennzeichnet- Lesart. Karen ist 16 lebt in Gittersee einen Stadtteil von Dresden und liebt Paul. Paul begeht Landesflucht und Karen bleibt mit ihrer Liebe und vielen Fragen zurück. Sie gerät in die Fänge der Staatssicherheit und lässt sich/ wird manipuliert um an Informationen zu kommen. Über das Buch wurde viel gesprochen und geschrieben. Es ist ein Debütroman und um möglichst authentisch zu sein, hat die Autorin ihre Eltern befragt, da sie nicht in der DDR groß geworden ist. Für mich sind Karen und ihre Freunde nicht richtig greifbar gewesen- ich war zu wenig in ihren Köpfen, um sie zu „ kennen „. Das Ende fand ich übertrieben.
Toller und überzeugender Debutroman
Karin lebt in der Nähe von Dresden. Es ist Mitte der 70er Jahre, und das junge Mädchen findet sich zwischen Babysitterdiensten für ihre kleine Schwester, Haushaltspflichten und entfremdeten Erwachsenen wieder. Das Leben fühlt sich fremdbestimmt und zäh an. Die einzig erfreuliche Abwechslung ist ihr Freund Paul, der im nahegelegenem Kohleabbau arbeitet. Als dieser sie zu einem Ausflug in die Tschechei mitnehmen will, muss sie passen. Nachts klingelt es an der Tür. Die Stasi will Karin sprechen: Paul ist verschwunden. Was wusste Karin? Hat sie ihm zur Republikflucht verholfen? Ich war erstaunt wie sehr ich mich selbst beim Lesen gelähmt und befangen gefühlt habe. Die Protagonisten stecken fest in einem Leben, das nach Außen für den Sozialismus und nach Innen unerfüllt und ausgebremst ist. Nur beim Klettern fühlt Karin sich frei: "Leicht sein, fort sein, fern sein.[...] Und nah dem Himmel, nah den Wolken, dem Wind". Sie sehnt sich nach Unbeschwertsein und möchte Distanz zu einem Alltag, der sie belastet. Die Mutter, die selbst frei sein will und ihrer Elternrolle nicht nachkommen kann. Der Vater, der unter der Situation leidet und die ewig zänkische Oma. Der Verlust ihres Freundes stellt sie vor eine Entscheidung. Auf welcher Seite will sie stehen? Charlotte Gneuß, deren Eltern in der DDR gelebt haben, hat eine Geschichte geschaffen, die für mich erschreckend war. Man kann sich nicht vorstellen wie es ist bespitzelt zu werden, sich nicht ausleben zu dürfen, nie die eigene Meinung laut aussprechen zu dürfen, noch nicht mal in der eigenen Wohnung. Wirklich unvorstellbar, und bei allem Klagen über die heutigen Zeiten ist es einfach immernoch eines der wertvollsten Dinge auf der Welt, seine eigene Meinung aussprechen zu dürfen.
Jugend in der DDR - ein vielschichtiger Abriss
Es ist 1976. Karin, 16, lebt in Gittersee, einem kleinen Örtchen in der Nähe von Dresden. Sie ist jung, sie ist verliebt, sie ist naiv. Und plötzlich wird sie mit den Widrigkeiten des Überwachungsstaates konfrontiert, obwohl sie doch einfach nur jung sein will. Charlotte Gneuß, selbst er nach dem Mauerfall geboren, zeichnet ein realistisches Bild. Man nimmt ihr ab, was sie schreibt. Der Stil: manchnal abgehackt, manchmal grüblerisch, aber immer passend. Ich fühle mit diesem 16jährigen Mädchen, dass unbeschwert sein möchte, aber dessen Umfeld das nicht zulässt. Manchnal blieb mir Karin zu blass, aber das mindert nicht den Gehalt der Geschichte, die durchaus spannende Stränge aufweist. Das Fehlen der Anführungszeichen hat mich erst irritiert, dann fand ich es zum Lesen direkt angenehm. Habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Es wird wohl noch etwas nachhallen.
Auch wenn der Schreibstil angangs etwas gewöhnungsbedürftig war, ist das wirklich ein beeindruckendes Buch. Es zeigt eindringlich, wie perfide die Rekrutierung des Stasi-Apparats damals gelaufen ist. Und das bereits in Jugendjahren, wenn man formabar, beeinflussbar und auf der Suche nach dem eigenen Selbst ist. Wie Du niemandem mehr trauen konntest, zerfressen von Schuldgefühlen bei gleichzeitigem Funktionieren im Alltag dieses Staates. Hat mich sehr gepackt.
Eine erschreckende Geschichte über die Jugend in der DDR, deren Ausgang mich noch einmal kalt erwischt hat. Ein wirklich sehr gutes Buch von Charlotte Gneuß. Manchmal hätte ich mir noch mehr Details gewünscht, aber vielleicht ist es auch gerade das Unausgesprochene, das die Handlung so authentisch macht.
In ihrem packenden Debütroman nimmt uns Charlotte Gneuß mit in eine Welt, die längst nicht mehr existiert. Eine Welt, die ich persönlich nur aus Erzählungen kenne. Wir begleiten Karin in den Monaten nach Pauls Verschwinden. Paul – ihre erste große Liebe. Paul – der nur ein Wochenende in die Tschechei wollte und nie zurückkehrte. Paul – der ihr von seinen Plänen nichts erzählte. „Ich setzte mich hinter eine Buche, die nur wenige Meter hinter dem Punkt stand, an dem Paul sein Moped geparkt hatte. Du darfst auch nicht vergessen, dass du meine kleine Komma bist und dass ich dich über alles liebe, versprich mir das, hatte Paul damals geflüstert.“ Karins Welt gerät aus den Fugen, als eines nachts plötzlich zwei Beamte der Staatssicherheit vor der Tür stehen und sie mitnehmen. Der Text hat sich da anfangs etwas holprig gelesen, was es mir schwer gemacht hat, emotional zu Karin, der Ich-Erzählerin, durchzudringen. Aber je weiter ich kam, desto mehr gewöhnt man sich an den Stil. Dann spürte ich bei Karin eine tiefe Zerrissenheit, die mir sehr nah ging – ich konnte nachempfinden, wie sie sich gefühlt haben muss, in diesem doch jungen Alter mit solch moralischen Fragestellungen konfrontiert zu werden und zudem noch ihre erste große Liebe zu verlieren, und das alles ohne Rückhalt der auseinanderfallenden Familie. Ich kann euch diesen Roman sehr empfehlen!!! [unbezahlte Werbung, da selbstgekauft]

Das Buch hat mir richtig gut gefallen, es war spannend und sehr realistisch geschrieben! Nur kam ich am Anfang nicht richtig in die Geschichte, weil es keine wörtliche Rede gibt. Stört manchmal beim lesefluss. Aber dennoch fand ich irgendwann rein. Leider hab ich das Ende nicht verstanden😃🙈 das macht, glaub ich viel aus🤔

Eine gut erzählte Darstellung über das Leben in der DDR als Jugendliche, über den Wunsch nach Freiheit und über die hinterlistigen Maschen der DDR Spitzel.
Karin ist verliebt in ihren Paul. Doch Paul sehnt sich nach Freiheit, nach einem Leben, dass er in der DDR nicht führen kann. Und so verschwindet er von einem Tag auf den anderen. Dies muss Wickwalz, der DDR Spitzel ganz genau erkundschaften: wohin ist Paul gegangen? Wer hat ihm geholfen? Hat er seine Flucht angekündigt? Für die Beantwortung all dieser Fragen hängt er sich an Karin.. ob sie vorher nichts gewusst habe? Ob sie nichts gespürt habe? Soetwas spürt man doch, sagten die Leute immer wieder zu ihr. Aber nein: Karin wusste nichts und spürte nichts und ist nun selbst auf der Suche.. Dieses Buch ist keine bewusst spannende Erzählung, vielmehr eine, die Verzweiflung erzählt. Eine die viele Fragen aufwirft und wenig Antworten gibt. Gittersee ist ein gutes Buch für all diejenigen, die noch keine anderen DDR Bücher gelesen haben. Es zeigt die unglaublich perfide Masche der Spitzel aber auch das Leben, wie es geführt wurde. Auf jeden Fall eine Empfehlung.
Der Schreibstil dieser Erzählung ist etwas gewöhnungsbedürftig. Es kommt einem vor, als wenn wirklich ein junges Mädchen vor einem sitzt und ihre Sicht der Dinge erzählt. Die direkt Rede wird nicht gekennzeichnet und daher ist es am Anfang etwas komisch. Die Autorin schafft es das graue Leben in der DDR gut darzustellen. Vieles hat mich selbst an meine Oma erinnert. Der Story hätte etwas mehr Tiefgang sicherlich gut getan. Auch das Ende kam super abrupt und war für mich leider so gar nicht akzeptabel 😅
Erster O-Ton in mir, nachdem ich das Buch zuklappte: Uff! DDR, Stasi, Republik-Flucht, Queer-Sein, Geheimnisse. „Es war niemand auf der Straße, doch hinter jedem Fenster Licht. Hinter jedem Fenster Licht und Tisch und Mensch.“ Nüchtern geschrieben, sodass es auf Distanz hält und doch las ich mit Anspannung Seite um Seite und wartete auf den großen Knall. Ich war und bin sehr hin- und hergerissen von meinen Leseeindrücken: Der Stil trifft den Zeitgeist. Als Leserin bleibe ich gerade deswegen außen vor.
Der Roman erzählt in Ich-Perspektive den Alltag der 16-jährigen Karin in Gittersee in der DDR in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre. Karin geht zur Schule, sie ist verliebt und mit Paul zusammen. Sie kümmert sich um ihre Schwester, die noch ein Baby ist, ist Mutterersatz, obwohl sie mit Mutter, Vater und Großmutter in einem Haus lebt. Paul flieht in den Westen und macht Karin zur Mitwisserin, ein Delikt, der in der DDR schwer geahndet wurde. Der Stasi-Mitarbeiter Wickwalz versucht herauszufinden, wohin Paul geflüchtet ist, was Karin weiß. Die hält Wickwalz für einen Vertrauten. Welche Rolle er eigentlich im System spielt, das begreift Karin im Grunde erst am Ende des Buches. Und genau hierin zeigt sich die feine Tiefe des Romans. Alltäglichkeiten, Langeweile, der übliche Lauf einer 16-jährigen Schülerin, all da liest sich in den Ich-erzählten Abschnitten teilweise stumpf und dröge. Aber genau das ist der Clou, Karin ist eine „normale“ 16 Jöhrige. Für sie ist die DDR Kindheit und Jugend, hier wächst sie auf. Sie lernt die Werte, übernimmt früh Verantwortung für ihre Schwester. Die Beziehung zu den Eltern ist distanziert, wir erfahren kaum etwas über sie als Menschen. Lediglich Andeutungen zeigen, wie jeder auf seine Weise kämpft. Die Mutter scheint depressiv, bis sie ausbricht aus ihrem Leben. Der Vater trinkt. Die Großmutter macht den Haushalt. Die Freundin Marie ist Vertraute und Konstante. Doch auch sie lebt mit ihren eigenen Geheimnissen. Sie hat ein inniges Verhältnis zur Mutter, obwohl die nie zuhause zu sein scheint und deren Beziehung sich über liebevolle Notizzettel auszudrückt, die die Mutter der Tochter hinterlässt. Sie ist nicht da und doch hat sie Anteil am Leben ihrer Tochter. Das liest sich für mich genau gegenteilig zu Karin. Wichtige Rollen im Buch spielen Rühle und Wickwalz. Ersterer nimmt mich als Lesende mit durch extreme Charakterentwicklung. Wickwalz wirkt wie der nette Vertraute, der Karin zuhört und sie versteht. Wie genau er das tut, nun ja. Der Stil des Buches hat mich trotz Ich-Perspektive sehr auf Distanz gehalten. Die Figuren bleiben wage. Vor allem das, was nicht gesagt wird, die Leerstellen sind es, die die Story für mich vorangebracht haben. Im Grunde einer meisterhafte Leistung der Autorin, dass sie es geschafft hat, für mich in ihrem Schreibstil die gesamte Diktatur zu charakterisieren. Vertrauen, sich öffnen und zeigen, wer man ist, all das hat und hätte in diesem System schwerwiegende Folgen gehabt und haben können. Die Kapitel-Einteilung hat sich mir mit den zusätzlichen Absätzen im Text nicht erschlossen. Dadurch blieb alles - und vielleicht ist auch das performativ - fragmentarisch.

Im Jahr 1976 in Gittersee, einem Vorort von Dresden, lebt die 16-jährige Karin mit ihren Eltern, ihrer Oma und ihrer kleinen Schwester. Ihr Leben ist geprägt von Monotonie und Beklemmung: Die Schule ist durchtränkt von Propaganda, die Ehe ihrer Eltern ist am Zerbrechen, ihre Oma verhält sich eigenartig, und Karin muss sich um ihre jüngere Schwester kümmern. Die einzigen Lichtblicke in ihrem Leben sind ihre beste Freundin Marie und ihr Freund Paul. Doch Marie hat immer weniger Zeit für Karin, und Paul gelingt die Flucht aus der DDR. Infolgedessen steht der Staatssicherheit vor Karins Tür und fragt höflich nach, ob sie von Pauls Fluchtplänen wusste. Schnell erkennt der Ermittler Wickwalz, dass die isolierte Jugendliche eine perfekte Informantin für ihn sein könnte. Mit ihrem Roman "Gittersee" schafft Charlotte Gneuß eine beklemmende Coming-of-Age-Geschichte vor historischem Hintergrund. Die Hauptfigur Karin ist dabei sowohl Opfer als auch Täterin. Im Buch werden viele Dinge nur angedeutet, was daran liegt, dass Karins Sicht eingeschränkt ist, und viele Details, die mich interessiert hätten, wie die Geschichte ihres Opas, werden nur kurz angerissen. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Es hat mich auch überrascht, wie wenig der damalige Uranabbau in der Umgebung und die damit verbundenen Umweltschäden im Buch thematisiert wurden. Karin ist eine Figur, die mein Mitgefühl erweckt, aber gleichzeitig schwer zu mögen ist. Sie wirkt oft naiv und passiv, und es bleibt für mich unklar, warum sie sich so leicht manipulieren lässt. Dennoch ist "Gittersee" ein fesselnder Roman, der wichtige Themen behandelt und mit einem Ende aufwartet, dass lange im Gedächtnis bleibt und mich immer noch beschäftigt.
Es hat eine Weile gedauert, in den Stil dieses Buches hineinzufinden. Die Sprache ist gewöhnungsbedürftig. Es gibt viele Andeutungen, Brüche und Auslassungen. Szenen werden nicht zu Ende beschrieben. Nach ca. 70 Seiten habe ich mich aber an den Stil gewöhnt und das Buch las sich recht gut. Die Thematik über die DDR, Verrat, Freundschaft, Liebe und Verantwortung fand ich sehr interessant. Ein bisschen mehr Tiefgang hätte ich mir stellenweise gewünscht.
Das Beste zuerst: Die Sprache. Ich mochte diesen Stil aus kurzen knappen Sätzen und die dadurch erzeugte Stimmung sehr. Das hilft auch etwas darüber hinweg, dass meine anfängliche Begeisterung leider nicht durchgängig bis zum Ende angehalten hat. Irgendwie hat mich das Buch nach der Hälfte ca. verloren und ich war nicht mehr so angetan. Naja, schade. Gleichwohl ein durchaus lesenswertes Buch.
Mischung aus DDR-Geschichte, Coming-of-Age und Familienroman
Es spielt im Dresden der Siebzigerjahre, wo Karin mit 16 Jahren zwischen Kindheit und erster Liebe steht und hat etwas von einem Coming-of-Age-Roman. Karin kümmert sich liebevoll um ihre noch sehr kleine Schwester, da ihre Mutter dazu psychisch nicht in der Lage ist. Ihr Freund Paul kommt eines Tages von einem Ausflug nicht mehr zurück, dafür stehen plötzlich Uniformierte vor der Tür, die Karin mitnehmen und verhören. Als sie zurückkommt, wird sie immer tiefer in einen Sog aus Verrat, Denunziantentum und naivem Tun gezogen. Die junge Autorin zeigt in ihrem Debüt das Leben in einem Deutschland, das es so sicherlich gab und heute zum Glück nicht mehr gibt. Ich bin im anderen Teil Deutschlands aufgewachsen und im selben Ort wir Charlotte Gneuß geboren und habe Dresden in den 90er-Jahren sehr gut kennen gelernt. Aber ich vermag mir das Leben dort vor Mauerfall nicht vorzustellen. Leider konnte mich das Buch nicht ganz überzeugen, da es mir zu vieles war, was hier reingeschrieben wurde. Ich hätte mir gewünscht, dass die Familie und die Emotionen Karins stärker herausgearbeitet worden wären. So blieben mir letztlich alle Charaktere zu distanziert. Das doch überraschende Ende des Romans konnte mich dagegen voll überzeugen.
(Rezensionsexemplar) „Gittersee“ von Charlotte Gneuß spielt in Deutschland im Jahr 1976 in Gittersee, einem Vorort von Dresden. Die Hauptprotagonistin Karin ist 16 Jahre, schwerverliebt in Paul und hat eine etwas komplizierte Beziehung zu ihren Eltern, die beide ihre eigenen Probleme haben. Karin muss schon früh für sich selbst sorgen. Aber dann verschwindet Paul, er haut ab nach Westdeutschland. Karins Leben verändert sich daraufhin. Karin wird aufgrund von Pauls Flucht von der Stasi kontaktiert. Der Stasi Offizier Wickwalz schenkt Karin Aufmerksamkeit, um so ihr Vertrauen zugewinnen und mehr über die Flucht von Paul zu erfahren. Schließlich beginnt Karin sogar als inoffizielle Mitarbeiterin der Stasi zu arbeiten. Die Handlung erzählt uns Karin selbst, Lesende sind an ihren Gefühlen und Gedanken hautnah dran. Karin ist erst 16 und handelt deshalb eben manchmal auch etwas naiv, das verleiht der Geschichte an Realität. Das Verschwinden von Paul dreht ihre Welt auf den Kopf. Sie kann sich nicht vorstellen, dass Paul freiwillig gegangen ist. Der Handlungsstrang wird zum Krimi. Sehr anschaulich schreibt Gneuß über eine zerrütte Familie in der DDR und gibt Einblicke in die damalige Arbeitsweisen der DDR. Wen konnte man in dieser Zeit überhaupt noch vertrauen? Der Spannungsbogen zieht sich durch die Handlung. Die Sprache ist dabei sehr bildhaft und beim Lesen habe ich mich in Dresden wiedergefunden.
Karin ist 16 und lebt 1976 im kleinen Ort Gittersee in der DDR. Als ihr Freund verschwindet, gerät sie in die Fänge der Stasi. Kaum zu glauben, dass es sich bei "Gittersee" um einen Debütroman handelt. Unglaublich dicht beschreibt Charlotte Gneuß die Atmosphäre der 70er und die Gefühle der jungen Frau, die etwas ziellos zum Spielball wird. "Gittersee" ist eine mitfühlsame Coming-of-Age-Geschichte, die aber von der ersten Seite an, eine düstere und bedrohliche Stimmung erzeugt und dadurch spannend wie ein Thriller ist.
Im Jahr 1976 in Gittersee, einem Vorort von Dresden, lebt die 16-jährige Karin mit ihren Eltern, ihrer Oma und ihrer kleinen Schwester. Ihr Leben ist geprägt von Monotonie und Beklemmung: Die Schule ist durchtränkt von Propaganda, die Ehe ihrer Eltern ist am Zerbrechen, ihre Oma verhält sich eigenartig, und Karin muss sich um ihre jüngere Schwester kümmern. Die einzigen Lichtblicke in ihrem Leben sind ihre beste Freundin Marie und ihr Freund Paul. Doch Marie hat immer weniger Zeit für Karin, und Paul gelingt die Flucht aus der DDR. Infolgedessen steht der Staatssicherheit vor Karins Tür und fragt höflich nach, ob sie von Pauls Fluchtplänen wusste. Schnell erkennt der Ermittler Wickwalz, dass die isolierte Jugendliche eine perfekte Informantin für ihn sein könnte. Mit ihrem Roman "Gittersee" schafft Charlotte Gneuß eine beklemmende Coming-of-Age-Geschichte vor historischem Hintergrund. Die Hauptfigur Karin ist dabei sowohl Opfer als auch Täterin. Im Buch werden viele Dinge nur angedeutet, was daran liegt, dass Karins Sicht eingeschränkt ist, und viele Details, die mich interessiert hätten, wie die Geschichte ihres Opas, werden nur kurz angerissen. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Es hat mich auch überrascht, wie wenig der damalige Uranabbau in der Umgebung und die damit verbundenen Umweltschäden im Buch thematisiert wurden. Karin ist eine Figur, die mein Mitgefühl erweckt, aber gleichzeitig schwer zu mögen ist. Sie wirkt oft naiv und passiv, und es bleibt für mich unklar, warum sie sich so leicht manipulieren lässt. Dennoch ist "Gittersee" ein fesselnder Roman, der wichtige Themen behandelt und mit einem Ende aufwartet, dass lange im Gedächtnis bleibt und mich immer noch beschäftigt.
Gittersee hat mich nur bedingt überzeugt. Die Handlung wirkte auf mich teils sprunghaft und die Charaktere blieben für mich oberflächlich – ich fand keinen echten Zugang zu ihnen. Stark fand ich jedoch die dichte Atmosphäre und die eindringliche Darstellung des DDR-Alltags, besonders die leise und konsequente Bedrohung durch die Stasi. Insgesamt ein solider Roman mit relevanter Thematik, aber emotional blieb ich außen vor. Schade.
GITTERSEE Charlotte Gneuß Gittersee, DDR 1976: „Das hätten sie gleich erzählen müssen, jetzt ist es Beihilfe zur Republikflucht.“ Eigentlich wollte Karins Freund sie zum Wochenendausflug mitnehmen. Aber die 16-jährige Karin traute sich nicht, ihren Vater um Erlaubnis zu fragen. Niemals hätte er sie mit Paul und seinem Freund über das Wochenende zum Zelten gelassen. Schließlich muss sie sich ja um ihre kleine Schwester kümmern - und Oma zur Hand gehen - und ihrem Vater Gesellschaft leisten. Alles wie immer. Doch dann kommt es ganz anders: Paul kommt von dem Wochenendausflug nicht zurück - er ist in den Westen geflohen. Und ganz plötzlich ist Karin im Mittelpunkt der Stasi. Diese glaubt ihr nicht, dass sie von der Flucht ihres Freundes nichts wusste. Immer stärker wirkt die Staatssicherheit auf das junge Mädchen ein, bis ihr ganzes Leben aus den Fugen gerät. Charlotte Gneuß hat es wunderbar verstanden, den grauen Alltag in der DDR, das gegenseitige Misstrauen und die tägliche Leier des Staates über die Vorteile des Sozialismus und die Nachteile des Kapitalismus herauszuarbeiten. Der Schreibstil der Autorin ist speziell und gefiel mir außerordentlich gut. Für mich als Wessi wirkt diese DDR-Geschichte sehr authentisch und deshalb spreche ich gerne eine Leseempfehlung aus.

DDR, 1976. Die 16- jährige Karin ist zum ersten Mal verliebt, doch Paul, ihr Freund, begeht Republikflucht, ohne ihr etwas davon zu sagen. Karin ist nun der Beihilfe verdächtig. Ihren Eltern kann sie es nicht erzählen, denn die Familie ist bereits am Auseinanderbrechen. In ihrer Not trifft sie folgenschwere Entscheidung. Was macht eine gelungene Flucht mit den Zurückgebliebenen in einer Diktatur psychisch und welchen Konsequenzen und Repressalien sind sie ausgesetzt? Ich bin beeindruckt, wie es der Autorin, die selbst nach der Wende im Westen geboren ist, gelingt die Leser*innen in diese Zeit und Welt mitzunehmen.
Im Dresden der 70er lebt die 16-Jährige Karin im Stadtteil Gittersee zusammen mit ihren Eltern, der Großmutter und der kleinen Schwester. Sie geht mir ihrer besten Freundin Marie zur Schule und ist verliebt in ihren ersten Freund Paul. Dieser versucht sie zu einem gemeinsamen Ausflug mit seinem besten Freund nach Tschechien zu überreden, der Vater erlaubt dies jedoch nicht. Kurz darauf stehen zwei Uniformierte vor ihrer Tür und befragen sie zur Flucht von Paul in den Westen. Daraufhin beginnt eine Reihe von Verhören, in denen Karin immer mehr unter Druck gerät, der sich auch auf ihr näheres Umfeld ausbreitet. Der Einstieg in "Gittersee" viel mir durch den Schreibstil und die fehlende wörtliche Rede etwas schwer. Die Entwicklung von Karin hat mir hingegen sehr gut gefallen. Als Leser:in spürt man ihre Zerrissenheit, den Druck, aber auch ihre Naivität sehr deutlich. Auch die authentische Schilderung der DDR hat mich überzeugt, obwohl ich dazu keinen Vergleich in meinem eigenen Leben habe. Das Ende war mir wieder etwas zu holprig und ich musste es sogar zweimal lesen, da ich im ersten Moment dachte, dass ich etwas übersprungen habe. Mein Fazit: ein authentische DDR-Geschichte mit einigen Schwächen, die ich dennoch gerne gelesen habe.

Gittersee - ein kleines Dorf bei Dresden. 1976. Die 16-jährige Karin wird eines Tages von der Stasi besucht und im Laufe der Zeit von ihr als Spitzel angeheuert. Eine Geschichte, wie sie zu Tausende in der DDR passiert ist. Der Schreibstil von Charlotte Gneuß ist einfach nur mitreißend und bildhaft. Direkt zu Beginn des Buches war ich in meine Kindheit zurück versetzt. Saß als Teenager mit meiner Mutter und Oma am Tisch und habe mir ihre Geschichten angehört. Angehört, wie sie als Teenager die DDR erlebt haben. Bis zum Schluss des Buches hatte ich das Gefühl, heimlich das Tagebuch der Freundin von meinem Vater seinen besten Freund zu lesen. Auch wenn wir in einer anderen Region gewohnt haben, so gleichen sich die Geschichten. Die Geschichten rund um Flucht, Verhöre und der Stasi. Obwohl ich es nicht mag, wenn Anführungszeichen weggelassen werden, so war es hier nicht störend. Es passt so gut ins Bild des geschriebenen. Dem Buch sollte eigentlich mehr als Lesetag gewidmet werden, weil es so tiefgründig ist, aber ich konnte es einfach nicht aus den Händen legen.
Wir befinden uns in Gittersee, in der Nähe von Dresden. Es ist das Jahr 1976. Karin ist 16 Jahre alt, besucht die Schule, kümmert sich um ihre kleine Schwester, da ihre Mutter nicht dazu in der Lage ist, hält die Familie irgendwie am Laufen. Und sie erlebt ihre erste große Liebe mit dem zwei Jahre älteren Paul, der im Schacht arbeitet und von einem Künstlerleben träumt. Von einem Ausflug zu den Tschechen kehrt Paul nicht zurück… die Rede ist von Republikflucht und Karin gerät ins Visier der Stasi. - Charlotte Gneuß‘ Roman steht auf der Longlist des deutschen Buchpreises und war jetzt zwar kein Highlight, konnte mich aber überzeugen. Sehr eindringlich zeigt die Autorin die damaligen Verhältnisse auf. Das Leben, das zwar gelebt wird, aber irgendwie von einer gewissen Unzufriedenheit geprägt ist, die Träume, die nicht realisierbar waren, die Strukturen und Abläufe, sowie die Konsequenzen für Zurückgebliebene, wenn ein*e Bekannte*r die DDR verlassen hat. Die Methoden des MfS werden beleuchtet und es wird klar: fair gespielt wurde da nicht. Es ging um Manipulation, Druck, das Schpren von Angst und ich glaube tatsächlich, dass es im Roman noch ziemlich human beschrieben wurde. Das Buch ist aus Sicht von Karin geschrieben. Der Schreibstil anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Es findet viel wörtliche Rede statt, allerdings ohne Auszeichnung, was sich tatsächlich erstmal falsch anfühlt, mit der Zeit aber das Gefühl vermittelt, als wäre man direkt in Karins Kopf. Viele Gedanken konnte ich gut nachvollziehen, so z.Bsp. sperrt sich Karin lange der Erkenntnis, dass Paul aus freien Stücken gegangen ist. Auch im Umgang mit dem ihr zugeteilten Beamten der Staatssicherheit zeigt sich gut die Naivität, wie sie nun mal mit 16 einfach noch vorhanden ist. Es entsteht schon fast ein Vertrauensverhältnis, da ja der Beamte vom Staat ist und dieser ja nichts Böses wollen kann… Ich denke Frau Gneuß ist es hier sehr gut gelungen, die damaligen Machenschaften einzufangen, auch wenn mir eine Beurteilung recht schwer fällt, da ich zwar in der DDR gelebt habe, aber noch sehr jung war, als die Mauer gefallen ist. Die Geschichte von Karin ist nur eine von Vielen, dennoch wird dadurch klar, wie wahrscheinlich viele damals gedacht haben. Wie viele damals zwischen Vaterlandstreue und Autonomie festhingen und teilweise auch gegen ihren Willen oder ohne es besser zu wissen Informationen preis gegeben haben. - Ein sehr gutes Buch und eine Empfehlung an alle, die sich für das Thema interessieren.
Leben mit der Stasi in der DDR
Karin lebt mit ihrer kleinen Schwester, Mutter, Vater und Oma in der DDR. Als ihr Freund Paul eines Tages verschwindet, wird sie von der Stasi beobachtet wegen „Beihilfe zur Republikflucht“. Dieser Roman geht unter die Haut. Ich habe ihn nahezu durchflogen, weil ich nicht abwarten konnte, wie es weitergeht.
Coming-of-Age im geteilten Deutschland.
"Ich wusste nicht, was für Paul alles war. Für mich war Paul alles." - S. 65 DDR 1976. Karins Freund Paul setzt sich in den Westen ab - Republikflucht. Dadurch gerät die 16-jährige ins Blickfeld der Stasi und wird als vermeintliche Mitwisserin geahndet. Aus Karins Sicht geschrieben, erliest man die Geschichte ihrer ersten zaghaften Liebe zu Paul, sowie ihr Aufwachsen in einer zerrütteten Familie, im geteilten Deutschland. Der Schreibstil ist speziell und anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Nüchtern und sachlich, auf die wörtliche Rede wird vollends verzichtet, es wird teilweise abrupt zwischen den Zeiten gesprungen. Ich mochte das. Über Freundschaft und Verrat, die Naivität der Jugend und die Konsequenzen, die man tragen und mit denen man leben muss. Das Ende fand ich großartig. Empfehlung.

Eine Geschichte mit viel Potential, herausfordernden Themen, die für mich leider hinter meinen Erwartungen zurück blieb. Der Schreibstil ist manchmal etwas verwirrend, nicht zuletzt dadurch, dass die direkte Rede nicht richtig gekennzeichnet ist. Ansonsten wirkt es für mich einfach eher farblos, die Emotionen sind für mich nicht spürbar, vielleicht weil sie kaum aus Karins Perspektive vorkommen. Oder mir zumindest viel zu wenig. Schade.




















































