Geordnete Verhältnisse
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Zuerst hat mich das Buch neugierig gemacht, danach wurde ich mitgerissen, schließlich habe ich gebannt und mit schlechter Vorahnung weiter gehört, bis es mich fassungslos und entsetzt zurück gelassen hat.
Ich wusste überhaupt nicht was mich erwartet und das war auch gut so. Es behandelt allerdings einige schwere Themen, somit nicht für alle geeignet. Die Charaktere waren sehr interessant und glaubwürdig gezeichnet. Am Anfang ahnt man nicht in was für eine Richtung die Beziehungsdynamik geht, nach und nach kristallisiert sich der Wahnsinn und der ganze Ausmaß dieser Beziehungsdrama aus. Es hat mich beeindruckt wieviel in diesen wenigen Seiten erzählt wird und mir die Autorin nahe gebracht hat. Es ist eine verstörende Geschichte aber sehr realistisch erzählt. Trotz der schweren, dramatischen Thematik hat mir das Buch sehr gut gefallen.
Lana Lux kann einfach erzählen! Ich hab es gesuchtet! Das war mein zweites Buch von ihr und wie bei „Kukolka“ ging es mir auch bei „Geordnete Verhältnisse“ so, dass wirklich harte Dinge erzählt werden und ich beim Lesen schon ein ungutes Gefühl hab, aber gleichzeitig einfach nicht aufhören kann und weiter und weiter und weiter lesen will. Bis dann das Ende kommt und es kommt heftig. Hier erzählt Lana Lux die unglaubliche toxische Beziehung von Philipp und Faina. Philipp wiederholt die dritte Klasse, hat keine Freunde und wünscht sich sehnlichst einen Freund. Faina kommt aus der Ukraine nach Deutschland und wird die neue Sitznachbarin von Philipp. Beide haben rote Haare und das scheint zu verbinden. Aber nicht nur das, sondern auch die schrägen Familienverhältnisse. Eine Freundschaft beginnt, die von Anfang an nicht gesund war. Die Perspektiven wechseln öfter. Mal erlebe ich Philipps Innenleben und dann wieder Fainas. Philipps Gedanken sind so grotesk und Lana Lux schafft es, dass er mir schon fast zu nah kommt. Aber irgendwie krieg ich dadurch einen Einblick in die Welt eines besitzergreifenden Menschen. Ich hatte mich richtig unwohl gefühlt und gleichzeitig war ich total fasziniert. Für mich ein absolut wichtiges Buch und ich würde es jedem empfehlen, der/die harte und brutale Szenen aushalten kann. Nach dem Beenden fühlte ich mich erst mal leer, aber gleichzeitig war ich froh, dass diese Geschichte erzählt wurde und ich sie lesen durfte. S.25 „Wer so eine Seelenverwandtschaft kennt, weiß, dass sie auch dann bestehen bleibt, wenn die Person nicht anwesend ist. Das ist das Blöde. Egal wie sehr ich es versuche, ich kann einfach nicht aufhören, an sie zu denken.“ S.43 „Ich sagte ihr, dass es eklig war, das Kaugummi für später hinter dem Ohr aufzubewahren, ich sagte ihr, wenn sie nach Knoblauch roch, ich sagte, dass ihr Rucksack eine Fälschung war, dass sie die Banane auf der falschen Seite öffnete, dass man Brote zusammengeklappt essen sollte, und auch, dass man bei uns in Deutschland nicht aus dem Fenster schrie. Ab da schrie sie nicht mehr und lernte auch all die anderen Dinge richtig zu machen.“ S.274 „Das Schlimmste ist, dass ich insgeheim auch noch stolz darauf war, dass er alle hasste, nur mich nicht. Er gab mir das Gefühl, etwas ganz Besonderes zu sein. Anderseits ritt er immer auf meinen Schwächen herum, nur aus Spaß, natürlich.“
Zurecht hat das Buch sehr viele gute Rezensionen bekommen. Es geht um eine toxische Beziehung, die in einer Katastrophe endet. 1996: Faina ist ein Flüchtlingskind aus der Ukraine. Im Alter von zehn Jahren kommt sie nach Deutschland in die dritte Klasse. Philipp kümmert sich rührend um sie, bringt ihr korrektes Deutsch bei und unterstützt sie bei allem, wo sie Hilfe braucht. Die beiden sind beste Freunde, Philipp ist an Sex nicht interessiert, was Faina stillschweigend akzeptiert. Irgendwann beendet Faina die Freundschaft und zieht nach Berlin. Drei Jahre später ist sie ungewollt schwanger und bittet Philipp um Hilfe. Die beiden ziehen zusammen, Philipp, der mittlerweile zu sehr viel Geld gekommen ist, hält Faina wie in einem goldenen Käfig und kontrolliert sie auf Schritt und Tritt. Als Faina sich dazu entschließt, ihn zu verlassen, brennen bei ihm alle Sicherungen durch. Wow 🤩 so lebensnah und realistisch geschildert, eine absolut authentische Geschichte einer toxischen Beziehung. Ich konnte mich in beide hineinversetzen und ihre Gefühle nachvollziehen. Beide hatten ein schwieriges Verhältnis zu ihren Eltern, was wohl manche ihrer Handlungen erklärt. Von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung!
„Es klingelte zur Stunde und als ich damals hinter Faina die Treppen zum Klassenraum hochstieg, wusste ich es: Sie war gekommen, um mein bester Freund zu werden.“
Dieser Satz könnte der Anfang einer traumhaft schönen Geschichten sein, doch es ist der Anfang eines Alptraums. 🖤💔🖤💔🖤💔🖤💔🖤💔🖤💔🖤💔🖤💔🖤 Faina landet in einer deutschen Kleinstadt und lernt in der Schule Philipp kennen, einen Jungen mit Wutausbrüchen, der Pflanzen lieber mag als Menschen, sich aber sehnlichst einen Freund wünscht. Faina wird genau dieser Freund. Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Zuerst liest man aus Philipps Sicht, später aus Fainas Sicht und am Ende aus beiden Perspektiven. Das war cool gemacht und hat einen vielschichten Blick auf das ganze Geschehen ermöglicht. Fast schon distanziert, aber mit absoluter Klarheit erzählt Lana Lux die Entstehung einer Kinderfreundschaft bis hin zu einer toxischen Beziehung. Als Leser wird man wie Faina immer tiefer in eine Spirale aus Macht, Abhängigkeit und häuslicher Gewalt gezogen und mit jedem Kapitel stellt man sich die Frage, WARUM schauen denn alle weg? Geordneten Verhältnisse ist ein Buch über toxische Männlichkeit und Frauen, die sich immer entschuldigen, sich unterordnen und viel zu spät die Reißleine ziehen. Es ist ein so wichtiges Thema. Die Charakter und die damit verbundenen Themen sind in meinen Augen allerdings viel zu überzogen. Demütigungen durch Eltern und Mitschüler, Mobbing, Asexualität, Bisexualität, Alkoholmissbrauch, Narzissmus, Bipolarität, Religionszugehörigkeit, Antisemitismus, Rassismus, all das wurde in knapp 300 Seiten gepackt, was dafür sorgt, dass vieles angeschnitten wird, jedoch ohne jegliche Tiefe bleibt. Deshalb und wegen der großen Zeitsprünge, die nicht immer gelungen sind, hat es auch nur für 4 Sterne gereicht.

"Geordnete Verhältnisse" erzählt auf schonungslose Weise wozu Menschen fähig sind, wenn sie Liebe mit Macht und Kontrolle verwechseln und dieses dann in physische und psychische Abhängigkeit und Gewalt mündet. Lana Lux schreibt fesselnd und gekonnt über eine Freundschaft, die sich zu einer toxischen Beziehung entwickelt. Abwechselnd wird die Geschichte aus den Perspektiven der beiden Protagonisten Philipp und Faina erzählt, wodurch die unterschiedlichen Sichtweisen sehr gut herausgearbeitetet sind. Die thematische Schwere, die atmosphörische Dichte und das sprachliche Geschick machen diesen Roman zu einem Pageturner, der erschreckt und mitnimmt.
Uff, das war beklemmend! Die Geschichte erzählt, wie es zu einer "Beziehungstat aus Leidenschaft" kommen konnte, oder auch, wie eine junge Frau systematisch durch einen Mann drangsaliert, kleingehalten und manipuliert wird. Faina kommt als junges Mädchen mit ihren Eltern aus der Ukraine nach Deutschland, ihr erster uns bester Freund wird Philipp sein. Und auch für ihn wird Faina lange Zeit die einzig wichtige Person in seinem Leben sein. Er nimmt sie unter seine Fittiche und zeigt ihr, wie Deutschland funktioniert. Seine kontrollierende Art wird er auch als Erwachsener nicht ablegen und Faina befindet sich irgendwann, ungewollt schwanger und mittellos, in einer Abhängigkeit zu ihm, aus der sie kaum einen Ausweg findet. Auch Philipp sieht irgendwann nur noch einen Ausweg, da Faina einfach nicht so will, wie er die Dinge gerne hätte... Wirklich kein leicht zu lesendes Buch! Obwohl Faina eine selbstbewusste junge Frau ist, die weiß was sie will, kann sie sich einfach nicht befreien von Philipp - obwohl sie es so sehr versucht, vor allem auch für ihre kleine Tochter. Sie leidet an einer psychischen Krankheit, ist finanziell in Dauernot und kann sich die so dringend benötigte Hilfe nicht bei ihrer Familie holen, sodass am Ende immer wieder nur Philipp bleibt. Diese Geschichte gibt es so häufig. Ganz in echt. Genau so, oder auch anders, aber immer mit einer Frau, die unter der Kontrolle eines kranken Mannes steht. Und das ist das eigentlich Schlimme. Dass das keine Fiktion ist, sondern das Leben. Wirklich gut geschriebenes Buch mit sehr überzeugenden Chatakteren.

Das Buch beginnt ruhig und echt schön. Aber was sich alles dahinter verbirgt, erkennt man erst später. Toll und Empfehlenswert!
Das Hörbuch beginnt mit der Geschichte, wie sich Philipp und Faina kennen lernen. Die unterschiedlichen Kulturen und einfach wie sich vor allem Faina entwickelt. Nach Jahren treffen beide wieder aufeinander und die Freundschaft wird einfach mehr. Krass mehr als das. Das Buch hat definitiv Triggerwarnung verdient. Im Hörbuch selber wird auf die gedruckte Ausgabe verwiesen, die mir leider nicht vorliegt. Daher eine kleine Aufzählung in den Kommentaren, jedoch Vorsicht! Die Triggerwarnung kann auch spoilern!
Zwei Protagonisten, die beide psychische Erkrankungen haben, beide schreckliche Erfahrungen in ihrer Kindheit gemacht haben. Als Faina endlich Hilfe bekommt, es schafft, für sich einzustehen, ist es bereits längst zu spät. Die Nüchternheit der Sprache macht mich selbst so sprachlos. Die Hoffnung, die Lebensfreude, die immer wieder spürbar ist, wird unterdrückt durch Zwang, Kontrolle und Gewalt. Heftig.
"Sie war gekommen, um mein bester Freund zu werden." Das Buch handelt von Philipp und Faina, beide haben eine Lebensgeschichte, die nicht einfach ist, geprägt von Gewalt, Alkoholmissbrauch und Verlust. Aus kindlicher Freundschaft in der Grundschule, in der sie sich gegenseitig Halt geben entsteht eine Beziehung in der sich allerdings beide Charaktere und ihre Lebenseinstellungen im Laufe der Jahre in verschiedene Richtungen entwickeln. Es kommt zum Streit und eskaliert im Bruch durch Faina. Nach jahrelanger Funkstille sucht sie in einer ausweglosen Situation Hilfe bei Philipp, die er ihr auch gewährt, allerdings entwickelt sich diese "Beziehung" in eine einengende, gewalttätige und manipulative Richtung. Ich fand den Beginn sehr schleppend, inhaltlich gehaltvoller wurde es erst ab Mitte des Buches. Manche Situationen waren mir zu oberflächlich und nebenbei erzählt, ich hätte mir deutlich mehr Tiefgang gewünscht, das Thema gibt es her. Zum Ende hin überschlagen sich dann die Ereignisse, wobei man sich vieles selbst erschließen muss. Aber vielleicht macht das Ungesagte bei diesem Roman ja genau für viele das Besondere aus, mich hat es leider nicht wirklich erreicht. Es lässt sich sehr leicht und flüssig lesen, aber den Begeisterungsstürmen kann ich mich nicht uneingeschränkt anschließen, zum Highlight reicht es für mich persönlich nicht. Wahrscheinlich waren meine Erwartungen aufgrund der vielen begeisterten Stimmen einfach zu hoch.
"Ich jedenfalls habe schon von klein auf gelernt, dass Liebe und Schmerz zusammengehören. Ich wurde von meinen Eltern angebrüllt, ausgelacht, vor anderen bloßgestellt, dann umarmt, geküsst, gepriesen, bewundert. Das waren keine Widersprüche. Im Gegenteil." Die beklemmende und aufwühlende Beziehunggeschichte über Faina und Philipp zieht sich nur ganz langsam und eher unauffällig wie eine Schlinge zusammen. Doch das tragische Ende scheint unvermeidlich. Es geht um, Wut, Obsession, häusliche Gewalt, Abhängigkeit, Machtmissbrauch und psychische Erkrankungen.
Liebe versus Eigentum
Philip kann besser mit Pflanzen als mit Menschen. Nur Faina hat er besonders in sein Herz geschlossen. „Für immer“ haben sie sich geschworen. Faina ist aus der Ukraine übergesiedelt und die beiden versuchen zueinander zu passen. Er wird erfolgreich und reich, scheitert aber immer wieder an seinen sozialen Grenzen. Ihr merkt: Philipp ist ein bisschen speziell, er braucht eine klare Ordnung und hasst näheren Körperkontakt. Außerdem neigt er zu jähzorn. Sie kriegt nichts wirklich zu Rande, da nützt auch der ganze Druck, den ihre Eltern auf sie ausüben nichts, er bewirkt sogar das Gegenteil. Als Faina in eine prekäre Lage gerät, steht Philipp ihr zur Seite und schwört ihr, dass er sie niemals alleine lässt und für immer lieben wird. Doch nach und nach wird die Beziehung enger, einnehmender und alle Versuche von Faina Freiheit und Autonomie zu erlangen, werden von Philipp sabotiert und boykottiert. Die Beziehung wird zunehmend toxisch und am Ende werden wir Zeuge einer großen, menschlichen Tragödie. Das Buch ist fast ausschließlich aus der Perspektive von Phillip und Farina erzählt. Dabei sind sie nicht zuverlässig und führen uns oft auf eine falsche Fährte. Sind die Informationen die wir bekommen am Anfang so platziert, dass man den Eindruck erhält beides sind liebenswerte Menschen, die zu großen Emotionen fertig sind. so macht sich immer mehr ein beklemmendes Gefühl breit. Mich hat fasziniert, dass Aufbau und Stil des Buches genau analog zu der Entwicklung von mancher Beziehung ist, die als große Liebe begannen und in Gewalt endeten. Diese Prozesse sind schleichend und passieren selten von jetzt auf gleich. genauso langsam veränderte sich meine Sicht auf die beiden Protagonisten. Ein literarischer Geniestreich, den Lana Lux hinbekommen hat. Auch der emotionale Erzählton wird zum Ende hin immer sachlicher, und so bleibt eine schockierende Ernüchterung, die bei mir die Frage aufgeworfen hat, wie schnell ich Menschen in Schubladen stecke, wenn ich zum Beispiel einen kleinen Ausschnitt ihres Lebens in der Presse wieder finde. Das Schicksal dahinter erschließt sich uns in keinster Weise. Ein packendes Buch, das ich nicht weglegen konnte und das mir ein besonderes Lese-Erlebnis verschafft hat.
Es beginnt ganz harmlos als Kinderfreundschaft: Philipp ist ein Außenseiter, der Pflanzen lieber als Menschen mag. In Faina, die mit ihrer Familie aus der Ukraine gekommen ist und kein Deutsch spricht, findet er seine erste und einzige beste Freundin. Beide haben schwierige Familienhintergründe, was sie noch enger zusammenschweißt. Dann passiert etwas im jungen Erwachsenenalter, und der enge Bund zerbricht. Jahre steht Faina vor Philipps Tür und bittet ihn verzweifelt um Hilfe. Dies wird sie bereuen. Zuerst erfahren wir die Geschichte aus Philipps Perspektive. Ganz langsam wandelte sich meine Sympathie und mein Mitleid in Skepsis und Argwohn. Das ist super spannend zu lesen. Als Faina ihre Sicht schildert, ist mir aufgegangen, dass Philipp auch mich als Leserin manipuliert hat. Wann wurde aus der unschuldigen Kinderfreundschaft dieses toxische Abhängigkeitsverhältns? Oder fing es schon genau da an? Es ist spannend zu lesen, da Faina grundsätzlich eine unabhängige Frau ist, die sich nicht von ihren konservativen Eltern in ein vorgezeichnetes Leben pressen lässt. Aber genau diese Unabhängigkeit und auch Sprunghaftigkeit lässt sie wenige enge Vertraute haben. Das Buch ist unglaublich fesselnd. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen. Wir tauchen tief in die immer verzeifelteren Gedankenwelten ein. Auf folgende Themen muss man vorbereitet sein: psychische Krankheiten, Kindheitstraumata, Gewalt an Frauen, Drogen- und Alkoholmissbrauch. Es ist absolut kein leichtes Buch und hat mich danach weiter beschäftigt. Die Beschreibungen sind so intensiv, dass ich es allen empfehle, die sich vorbereitet auf das Abtauchen in die Abgründe fühlen.
Grandioser Roman
Dieser Roman lässt mich sprachlos und zerstört zurück. Habe ihn in einem Rutsch komplett durchgelesen. Lana Lux erzählt hier so grandios und eindringlich, dass man dieses Buch unmöglich wieder aus der Hand legen kann. War von der ersten Seite an völlig gefesselt. Sie zeichnet die Protagonisten so fein, dass man jeden irgendwie verstehen oder wenigstens nachempfinden kann. Wir lesen vom Aufwachsen in schwierigen Familienverhältnissen, wie zwei kaputte Menschen versuchen füreinander da zusein, sich zu unterstützen aber sich nur noch kaputter machen und von grenzenloser Überforderung ein „normales“ Leben zu führen.
Das war eine richtig interessante Lesung gestern im @literaturhauskassel im Palais Bellevue 👌 Lana Lux hat insgesamt drei Abschnitte aus ihrem aktuellen Buch vorgelesen und zwischendurch wurde eifrig mit dem Moderator und dem Publikum diskutiert. Frau Lux ist beim Schreiben ihrer Bücher besonders wichtig, dass die Figuren authentisch sind, dass wurde mehrfach betont. Ich finde, dass ist ihr auf jeden Fall gelungen. Auf den Inhalt muss ich, glaube ich, nicht mehr großartig eingehen, der ist inzwischen den meisten hier bekannt 😄 Spannend fand ich die Erläuterungen von der Autorin, dass es auch einige Leser gab, die sich mit Philipp identifizieren konnten, war mir dieser doch von Anfang an unsympathisch. Auch dem Moderator des Abends ging es so, er fühlte mit Philipp und fand Faina nervig. Ich mochte Faina auch nicht, aber das Fazit war ganz klar: egal wie anstrengend oder gar nervig eine Person ist, niemand hat das Recht einem anderen Menschen Leid zuzufügen! Abschließen möchte ich mit einem Zitat von Faina: " Ich jedenfalls habe schon von klein auf gelernt, das Liebe und Schmerz zusammengehören." Und so wundert es nicht, dass sie eine toxische Beziehung mit Philipp eingegangen ist. Insgesamt konnte mich das Buch allerdings lange nicht so begeistern, wie es "Kukolka" tat. Vielleicht waren meine Erwartungen auch einfach zu groß. Wie geht es euch mit dem Roman? Schon gelesen? Seit ihr Team Faina, oder Team Philipp?

Wow, ein Buch das unter die Haut geht!
Dieser liest sich weg wie nichts, unterhält wunderbar ohne jede Länge. „Geordnete Verhältnisse" ist ein Pageturner. Das Buch verdeutlicht sehr anschaulich, wie schnell man in eine toxische Beziehung gerät und wie schwierig es ist, sich aus dieser zu befreien. Ergreifend und lesenswert!
Sehr schwere Kost🥲 Der schreibstil hat mir sehr gefallen und zu Anfang konnte ich mich gut in die Charaktere einfühlen. Schön fand ich auch die Tatsache, dass die Geschichte quasi vor meiner Haustür begang und dadurch parallelen zur eigenen Jugend im Kopf entstanden. Das Ende kam kurz und hart... Wenngleich bei der Entwicklung erwartbar, Psychische Erkrankungen folgen ihren eigenen Regeln und diese wurden von der Autorin teils sehr eindringlich auf den Punkt gebracht. Ich habe es gemocht, deswegen bekommt es fünf Sterne 🌟 🌟 🌟 🌟 🌟 Danke, dass es mich gefunden hat😊
»Seit dem Sommer 97 waren Faina und ich [Philipp] ganz offiziell beste Freunde« (S. 37). Philipp hat in seiner Kindheit nur einen Wunsch – einen besten Freund oder eine beste Freundin zu finden. Im Alter von zehn Jahren geht dieser Wunsch in Erfüllung. Faina, aus der Ukraine stammend, ist ›die Neue‹ in der Klasse. Die beiden freunden sich direkt an, trotz Faina’s vermeintlichen Eigenarten. Sie bringt ihr Essen im Tetra Pak zur Schule und wenn sie spricht, dann korrigiert Philipp sie häufig. Bereits im Kindesalter verwechselt Philipp Nächstenliebe mit dem Wunsch, einen Menschen dominieren zu wollen. Dabei sehnt sich dieser extrem nach Liebe und Aufmerksamkeit. Seine Mutter ist alleinerziehend und mehr am Alkohol interessiert, als an ihrem Sohn. Die Jahre ziehen ins Land, Faina und Philipp werden erwachsen. Sie verlieren sich aus den Augen. »Von 1997 bis 2011 sind es vierzehn Jahre, und sollte ich [Philipp] recht behalten und sie, also Faina, kommt nochmal angekrochen, dann zählt es für mich ab 1997. Weil immer die ganze Freundschaft zähle, nicht nur die Sonnenscheinmomente« (S. 37). Während Philipp im Erwachsenenalter in einer schicken Eigentumswohnung und in einer festen Beziehung lebt, ist Faina verlassen worden, verschuldet und befindend sich als obdachlose Schwangere in einer Notlage. Verzweifelt meldet sie sich bei Philipp und die beiden finden erneut zueinander… In »Geordnete Verhältnisse« verfolgt die Leser:innenschaft zuerst die Sicht von Philipp, anschließend wird die Geschichte aus Faina’s Sicht erzählt und im letzten Teil kommen beide Figuren als Ich-Erzählende zu Wort. Bin kein Fan von Erzählungen durch Tätersicht, doch Lana Lux nutzt Philipps Erzählstimme, um dem Buch eine unverwechselbare Dynamik zu geben. An vielen Stellen ist das Buch schwer zu ertragen. Bereits zu Beginn des Buches sammelt Philipp bei mir keine Sympathiepunkte, während ich Faina am liebsten aus der Geschichte ziehen will, um sie zu schützen. Manchmal auch vor sich selbst! (Achtung Spoiler!) Das Ende, für mich vorhersehbar und trotzdem schockierend, es geht mir nah. Ich verdrücke ein paar Tränen und bin sehr traurig. Mit diesem Gefühl klappe ich das Buch zu, schaue mir das Cover nochmal an – ein Roman und doch eine Geschichte, die eine Realität für viele Frauen aufzeigt. Mit einem Ende, welches sich dieses Jahr (Stand 12.03.2024) bereits 21 Mal so ereignet hat #niunamenos
Eine harmlose Geschichte über 2 beste Freunde, die mit Rückblicke in die Kindheit beginnt. Irgendwann schleicht sich ein komisches Gefühl ein, es ist nicht so richtig greifbar. Tun sich die beiden wirklich gut? Das Gefühl bleibt diffus, bis der Roman plötzlich anzieht. Hier liest man keine Liebesgeschichte und auch kein Buch über Freunde, die durch dick und dünn gehen. Es ist ein düsteres Buch, getarnt durch den lockeren Schreibstil, das uns mitnimmt in toxische Verhaltensweisen und zeigt, wie unterschiedlich Abhängigkeit aussehen kann. Und das Ende! Es macht fassungslos...

Bücher über toxische Liebesbeziehungen sind mir nicht neu, aber eine Geschichte über eine verhängnisvolle Freundschaft wie die zwischen Faina und Philipp, habe ich bisher noch nicht gelesen. Lana Lux hat mit „Geordnete Verhältnisse“ ein Psychogramm über zwei Menschen geschaffen, welche auf Basis einer Kindheitsfreundschaft gemeinsam ein Kind aufziehen wollen. Beide zerbrechen jedoch an ihren eigenen Traumata und das so dramatisch, dass dieses Buch einen mit voller Wucht trifft. Gebannt las ich die Geschichte unserer zwei Figuren, welche zielgerichtet auf eine Katastrophe zusteuern, deren Ausmaß verheerend ist. Dieses Buch wird mich noch lange in meinen Gedanken begleiten.

Unerwartetes Ende - ich habe das Buch richtig gerne gelesen, es lief flüssig und gab auch keinen Bruch wenn Zeitsprünge kamen. Allerdings war mir im Nachhinein die Einleitung des Buches und das erzählen wie es zu dem kommt worum es dann geht zu lang und das Ende doch sehr abrupt und kurz. Auch hat mir dann etwas der Hintergrund zu Philipp gefehlt, warum, wieso, weshalb. Da hätte im ganzen das Buch dann doch noch etwas länger sein können.
‘Geordnete Verhältnisse’ von Lana Lux ist eine zutiefst verstörende, zermürbende und doch allzu alltägliche Geschichte, die einen ungeheuren Sog auf mich ausgeübt hat. Erzählt wird die Geschichte von Faina, die als Kind mit ihrer Familie als jüdische Kontingentflüchtlinge aus der Ukraine nach Deutschland kam, und von Philipp, der sich als stets wütendes Kind aus schwierigen Verhältnissen nach nichts mehr sehnt als nach einer Freundschaft. Als die beiden sich in der Schule kennenlernen, beschließt Philipp, Faina zu seiner besten Freundin zu machen, was viele Jahre anhält - trotz seiner durch Ras$ismus und Ant1sem1tismus gestählten Ignoranz Fainas Lebensstils gegenüber. Als Erwachsene haben beide sich mehr oder weniger aus den Augen verloren, doch eines Tages steht Faina schwanger und hilfsbedürftig vor Philipps Tür - der Tür seiner teuren Eigentumswohnung, die er mit seiner Partnerin bewohnt. Philipp nimmt Faina bei sich auf und hilft ihr, doch schnell wird daraus ein gefährliches Abhängigkeitsverhältnis, das sich immer tiefer in ihre Leben gräbt. Ich empfehle sehr, das Hörbuch zu hören, gesprochen u.a. von der Autorin selbst. Die Stimmen passen richtig gut zu den Figuren und verstärken den Effekt der sich vermischenden Perspektiven noch. Lana Lux hat es mit dem Buch hervorragend verstanden, eine Geschichte von Obsession und Gewalt so schleichend zu erzählen, dass man nicht mehr rauskommt - ebenso wie die betroffenen Figuren. Wenn ich an ‘Geordnete Verhältnisse’ denke, läuft es mir immer noch kalt den Rücken runter - erst recht, wenn ich daran denke, dass ähnliche Geschichten sich Tag für Tag in der Realität so abspielen. Hörbuch gesprochen von Lana Lux, Oliver Dupont, Sebastian Dunkelberg. CN: Dr0genm1ssbrauch, M0bbing, Ras$ismus, häusliche G3walt, M0rd, Antisem1tismus
'Geordnete Verhältnisse' von Lana Lux hat mich absolut gefesselt und ich hatte keine Chance es aus der Hand zu legen. Was bin ich froh das ich noch ein Buch der Autorin auf dem SuB liegen habe. In 'geordnete Verhältnisse' geht es ziemlich zur Sache. Toxische Beziehung, Gewalt, Unterdrückung, Stalking, Rassismus um nur einige Themen zu nennen. Anfangs lernen wir Philipp im Alter von 10 Jahren kennen. Ein Außenseiter der es nicht leicht hat und sich nichts sehnlicher wünscht als einen Freund. 15 Jahre später ist Philipp immernoch ein Außenseiter und wünscht sich nur noch Faina. Faina, ursprünglich aus der Ukraine, hat Philipp aus seiner Einsamkeit befreit und dafür hat er ihr einiges beigebracht...anständig Deutsch zu sprechen, sich unauffälliger zu benehmen als anderen Ausländer und das er sich immer, immer um sie kümmern wird. Koste es was es wolle. Die zwei Charaktere werden recht überspitzt dargestellt und während der besitzergreifende Philipp einem kalte Schauer über den Rücken jagt, ist die freiheitsliebende Faina eine Person die polarisiert. Ich für meinen Teil mochte sie sehr gerne. Als Faina unbeabsichtigt schwanger wird und bei Philipp Hilfe bekommt, entwickelt sich die Freundschaft der beiden sich zu einer extrem toxischen Lebensgemeinschaft. Anfangs war ich beim lesen noch etwas skeptisch, aber die Erzählung hat eine Sogwirkung entwickelt die mich nicht mehr losgelassen hat. Vorallem das Ende hat mich sehr überzeugt. Besser ging nicht. Ein hartes, ehrliches, oftmals unbequemes Buch mit wichtiger Message, welches nachhallt. Man sollte sich die Zeit nehmen und es erst einmal sacken lassen. Ich kann nur empfehlen diesen Roman zu lesen. Für mich ist er definitiv ein Highlight.

Luft nach oben
Der Roman lässt sich sprachlich flüssig lesen und hat einen angenehmen Stil, der den Leser gut durch die Seiten führt. Dennoch fehlte es mir über weite Strecken an Tiefgang. Viele Situationen blieben unaufgeklärt oder wurden bewusst vage behandelt, was manchmal das Gefühl hinterließ, dass wichtige Aspekte unausgesprochen bleiben. Auch die Charaktere wirken stellenweise etwas überspitzt, was es manchmal schwer machte, sich wirklich in ihre Welt einzufühlen. Erst gegen Ende nimmt die Geschichte spürbar an Spannung zu, was den langsamen Aufbau vorher etwas ausgleicht. Vielleicht hatte ich aufgrund der vielen Empfehlungen im Freundeskreis zu hohe Erwartungen, aber insgesamt hat mir einfach der letzte Funke gefehlt, um völlig mitgerissen zu werden.
GEORDNETE VERHÄLTNISSE Eine glückliche Familie, ein Eigenheim, erfolgreich im Job und ein toller Freundeskreis - das verstehen viele Personen unter geordneten Verhältnissen. Auch Phillipp. Um jeden Preis möchte er in solchen Verhältnissen Leben, zumindestens nach außen. Doch kann das mit Faina klappen? Versucht sie dem Bild zu entsprechen? I N H A L T: Wenn man seine Heimat verlassen muss, kommt es immer darauf an, wo man landet und welche Leute man kennenlernt. Faina landet in einer deutschen Kleinstadt und lernt in der Schule Philipp kennen, einen Jungen mit Wutausbrüchen, der Pflanzen lieber mag als Menschen, sich aber sehnlichst einen Freund wünscht. Faina soll dieser Freund werden, also bringt er ihr Deutsch bei, und wie man Weihnachten richtig feiert. Er macht sie zu seiner Faina. Jahre später ist Philipp der Typ mit Eigentumswohnung und fester Freundin, und Faina steht als verlassene, verschuldete Schwangere vor seiner Tür. Er lässt sie hinein, doch zu welchem Preis? "Geordnete Verhältnisse" ist eine Geschichte über Wut und Obsession – und eine Frau, die sich weigert, zum Besitztum eines Mannes zu werden. M E I N U N G: Toxische Beziehungen, Manipulation und Obssesion - das sind alles Dinge die wir in "Geordnete Verhältnisse" um die Ohren geschlagen bekommen! Von der ersten Seite an rätselt, fühlt und bangt man. Kann dieses Illusion von einer perfekten Familie, von den geordneten Verhältnissen aufrecht erhalten werden? Denn schaut man genauer hin ist eigentlich nur die Wohnung Phillipps, wie aus dem Katalog. Die Fassade. Nach und nach lässt Lana Lux hinter die starre Fassade blicken. Man sieht die Risse, das Streben nach Perfektion, einem Familienbild, was von Beginn an eigentlich nur scheitern kann. Trotzdem versuchen es Phillipp und Faina aus den unterschiedlichsten Gründen. Emotional und gedanklich wird man mitgerissen. Sitzt mal staunend, mal hoffend und mal erschütternd da. Man versucht zu verstehen, wie es soweit kommen konnte. Das Ende überrascht und lässt ein mit einer Wolke von Gedanken zurück. Das Streben nach Perfektion, dem Entsprechen eines Ideals und das dringende Bedürfnis nach Kontrolle werfen große Schatten. "Geordnete Verhältnisse" habe ich förmlich eingeatmet. Alle Emotionen durchlebt und wurde mit meinem eigenen Gedankenkarussel zurück gelassen. Es ist ein Buch, welches einem im Kopf bleibt, welches schockiert und zeigt, wozo Manipulation, Obsession und der Schein führen kann.

Mein bester Feind
„Halte deine Freunde nah, aber deine Feinde noch näher“, pflegte bereits Philipps Opa zu sagen. Und für Philipp ist fast jeder der Feind. Außer Faina, die er schließlich als „seine“ Freundin auswählt und Fainas Leben damit unwiderruflich verändert. Wer erfahren möchte, was in den Köpfen toxischer Männer vorgeht und wie sie es trotz ihres teils wirklich abstoßenden Verhaltens schaffen, Menschen an sich zu binden, zeigt Lana Lux in messerscharfen Beobachtungen und Dialogen. Ich musste teilweise wirklich bitterböse schmunzeln, als ich Einblick in Philipps abstruse Gedankenwelt bekommen habe, welche sich im Laufe der Geschichte immer weiter radikalisiert und eine Lawine unkontrollierter Wut auslöst. Herausstechend ist allerdings Faina, die eindeutig intelligent und scharfsinnig ist - was man von Philipp nur sehr bedingt sagen kann - und sich im Roman trotzdem in einer Schieflage der Machtverhältnisse wiederfindet. Dabei ist Faina keineswegs naiv und zieht an den richtigen Stellen aus Philipps Verhalten Konsequenzen. Es bleibt jedoch nicht aus, das sie mit der bitteren Realität konfrontiert wird, wie es auch tausende andere Frauen auf der Welt jeden Tag tun müssen. Sie bleibt nicht tatenlos, doch gegen Männer wie Philipp muss erstmal ein Kraut wachsen. Da mir Faina am Ende wie eine Freundin ans Herz gewachsen und Philipp meinen Blutdruck wirklich häufig hat anschwellen lassen, habe ich die Lektüre auf ihre eigene Weise sehr genossen. Das Ende kam mir etwas zu plötzlich, allerdings spiegelt es auch die Realität so vieler Frauen wie Faina wieder. Denn am Ende ging alles scheinbar ganz schnell…
Zwischen Obsession und Abhängigkeit(en) in einem toxischen Miteinander kann die Vielzahl der weiteren angerissenen Themen durchaus "erschlagend" wirken aber die begleitende messerscharfe Authentizität in der Darstellung ist schlichtweg begeisternd und das Ende macht einfach nur sprachlos! HIGHLIGHT!!!!
Kafka - sein Tod jährt sich dieses Jahr ja zum 100sten mal - schrieb in einem seiner Briefe, “man sollte überhaupt nur noch solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen [...] [und] mit einem Faustschlag auf den Schädel” wecken. Ich weiß nicht, ob sich Lana Lux dieses Zitat besonders zu Herzen genommen hat, als sie ihren dritten Roman “Geordnete Verhältnisse” geschrieben hat. Jedenfalls musste ich an diese Worte denken, als ich den Roman beendet hatte. Das Buch ist nämlich eines, das bei manchen Lesenden eine solche drastische Wirkung zu haben vermag. Es ist ein unbequemer und verstörender Roman über zwei Menschen, die eine neue Form des Zusammenlebens, der zwischenmenschlichen Koexistenz ausprobieren und letztlich an ihren eigenen Persönlichkeiten, die von Kindheitstraumata und psychischen Krankheiten beherrscht werden, scheitern. Es geht um die beiden Protagonist:innen Philipp und Faina, die einander seit ihrer gemeinsamen Grundschulzeit alles bedeuten. Vor allem Philipp ist auf Faina bis zur Obsession fixiert. Philipp wächst zunächst in Gelsenkirchen bei seiner Tante und deren Familie auf, da seine eigene Mutter alkoholkrank ist und nicht für ihn sorgen kann. Als er sechs Jahre alt wird, holt ihn diese zu sich und die gemeinsame Zeit mit ihr ist von Höhen, aber noch weitaus mehr von Tiefen geprägt. In der dritten Klasse lernt er Faina kennen, die aus der Ukraine stammt und seit wenigen Monaten mit ihrer jüdischen Familie in Deutschland lebt. Nicht nur eine imminente Seelenverwandtschaft und der jeweils bei beiden unterschiedlich ausgeprägte dysfunktionale Familienhintergrund ist es, der die Außenseiter:innen miteinander verbindet, sondern auch ihr äußeres marginalisiertes Erscheinungsbild: Sie sind beide von Natur aus rothaarig, sommersprossig und extrem hellhäutig, eine Steilvorlage für Mobbing seitens der Mitschüler:innen und in Philipps Fall sogar der eigenen katholischen Tante, die in ihm den reinkarnierten Satan zu erkennen vermag. Philipp und Faina beginnen eine Freundschaft, die mit zunehmendem Alter der beiden in eine Schieflage gerät, sprich: Aus der Freundschaft wird eine toxische Abhängigkeit voneinander, die zusammen mit Philipps Hang zur Aggressivität eine fatale Mixtur ergeben. Als die bisexuelle Faina nach einem Auslandsaufenthalt von einer Affäre schwanger wird und sich von ihrer Lebensgefährtin trennt, bietet sich für den asexuellen Philipp die Möglichkeit, mit Faina eine Familie nach dem Modell des Co-Parenting zu gründen. Wird sich sein Wunsch nach “geordneten Verhältnissen” erfüllen? Wer die Autorin Lana Lux und ihre Werke kennt, kann sich sicher sein, dass die Antwort auf diese Frage nur “nein” lauten kann. Ich hatte etwas Probleme die Chronologie der Beziehung von Philipp und Faina richtig zu erfassen. Da die meisten Ereignisse rückblickend erzählt werden, wird viel ausgelassen, was man sich beim Lesen erschließen muss. Manche Dinge werden nicht richtig erklärt und entweder ist die Logik bzw. Reihenfolge der Handlungselemente falsch oder ich habe es nicht richtig verstanden. Irgendwie dachte ich anhand ihrer erzählten Gedanken, Faina wurde Anfang 2012 schwanger (weil sie sowas sagt wie das Jahr 2012 wäre auch schon auf dem Weg ein schlechtes zu werden und da war es April 2012). Und dann ist es aber im nächsten Kapitel Sommer 2013 und sie ist im 6. Monat. Philipp erzählt außerdem, dass sie nach einem Scan nach Hause gekommen sei und gesagt habe, das Baby sei ein Junge. Später erfahren wir aber, dass sie ein Mädchen bekommen hat. Wieso, weshalb, warum wird nicht erklärt, also ob sich die Ärztin geirrt oder Faina ihn angelogen hat. Philipps Geburtstag, gleich im ersten Satz genannt, ist der 3. März und Faina sagt später bei dem Code zum Kleiderschrank 1303, dass das sein Geburtstag sei. Ich weiß bei solchen Logik- Inkongruenzen immer nicht, ob es Fehler des Lektorats sind, oder ob ich irgendetwas nicht kapiere. Wie auch immer, die Story ist hoch interessant und originell, weil sie Aspekte in sich vereint, die für mich in der aktuellen Belletristik noch nicht sehr prominent stattfinden. Zum Beispiel einen männlichen Protagonisten zu präsentieren, der asexuell ist. Es wird im Buch leider - anders als bei Fainas Bisexualität - nicht explizit so genannt, aber aus Philipps Gedankenstrom und seinen Handlungen kann man das ganz klar so herauslesen. Sexualität ist für ihn ein Graus und eine niedere widerwärtige Handlung, die er nicht mal mit Faina möchte, der einzigen Person, die er auf Dauer ertragen kann. Er “liebt” sie auf einer Ebene, die jenseits aller Körperlichkeit liegt. Er sagt einmal so in etwa, er sieht sie als externalisierten Teil von sich selbst. Im Grunde liebt er also wahrscheinlich nur sich selbst, was auch sein aggressives Verhalten gegenüber Faina erklären würde. Schließlich hat er auch für alle anderen Menschen meist nur Verachtung übrig. Das Thema Co-Parenting ist auch eines, über das ich noch nicht oft etwas gelesen habe. Leider sind sowohl die Asexualität als auch das Co-Parenting im Roman negativ konnotiert, weil Philipp kein positiv besetzter Charakter ist und das Co-Parenting sehr schnell zum Scheitern verurteilt ist. Auch Fainas Bisexualität wird in ihrem Fall zur Hypersexualität, weil sie bis zu ihrer Schwangerschaft ein überaus aktives Sexleben (sowohl privat als auch beruflich als Sexarbeiterin) führt. Hier werden die beiden queeren Lebensstile Ace und Bi zu Extremen stilisiert und letztlich gegeneinander ausgespielt. Man könnte sagen, “Geordnete Verhältnisse” ist ein utopischer Roman, denn er erzählt von einer Utopie, der Utopie der Normalität und ihrer gewaltsamen Dekonstruktion. Wir moderne Menschen des 21. Jahrhunderts wünschen uns manchmal nichts mehr als ein Leben, das sich durch Ordnung und Klarheit auszeichnet. Allzu oft wird uns dieser Wunsch aber verwehrt, sei es durch eine traumatische Kindheit oder toxische Beziehungen im Erwachsenenalter. Ein feministischer Roman ist dieses Buch ganz klar, denn es erzählt von einer Frau, die in einer sozialen, psychischen und materiellen Abhängigkeit zu einem Mann gefangen ist. Das Machtgefälle zwischen Frau und Mann wurde von Lana Lux’ präziser Prosa, die nicht selten auch Momente des Komischen enthält, gekonnt eingefangen. Zudem geht es darum, wie unsere Herkunft uns determiniert sowie um Fragen der Integration. Ein wirklich sehr gelungener Roman, den ich allen ans Herz legen möchte, die auch etwas härteren Lesestoff gut aushalten können. Triggerwarnungen: Gewalt, Femizid, psychischer Missbrauch, Drogen, Alkohol
"Je schlimmer die Person, desto eher wird Faina die Nähe zu ihr suchen, das ist so sicher wie das Amen."
Was für eine Wucht. Ein Highlight (des Jahres) für mich! Wir begleiten Philipp und Faina. Als sie mit ihrer Familie von der Ukraine nach Deutschland kommt landet sie in Philipps Klasse. Und mit ihr soll sich sein sehnlichster Wunsch erfüllen: Einen Freund zu finden. Da waren sie 10 Jahre alt. 15 Jahre später treffen sie nach einem Kontaktabbruch wieder aufeinander. Faina steht als Schwangere in finanziellen Nöten vor seiner Tür. Eine intensive und spannende Dynamik spielt sich zwischen ihnen und in ihnen selbst ab und zieht die Lesenden in ihren Bann, das ist die große Stärke dieses Romans. Selten haben Charaktere so nachgehallt in mir wie in diesem Fall. Thematisch leider hochaktuell und dringlich, packend geschrieben und trotz all der Vorahnung und Andeutungen hat mich die Geschichte emotional überfahren, gerade weil die Protagonisten so authentisch gestaltet sind. Das erste Mal, das mir wirklich schlecht wurde beim Beenden eines Buchs.
Wieder einmal ein wirklich toller Roman von Lana Lux
Geordnete Verhältnisse von Lana Lux behandelt wirklich wichtige, aber auch triggerne Themen (häusliche Gewalt, Mysogenie, Manipulation, generelle Fremdenfeindlichkeit). Ohne viel vorwegnehmen zu wollen, geht es in dem Buch um Philipp und Faina, die seit der Grundschule beste Freund*innen sind. Das Buch hat einen sehr spannenden Aufbau, mit einem Teil, indem es um Philipp geht (Eigenschaften, familiärer Hintergrund, Beziehung zu Faina), einem Teil, in dem es um Faina geht und einem gemeinsamen Teil über die beiden. Die ersten beiden Teile sind quasi eine Einführung, die wichtig ist, um den dritten Teil und somit die Kernhandlung zu verstehen. Lana Lux ist wirklich eine Meisterin im Umgang mit schwierigen Themen und ich kann jedes ihrer Bücher wärmstens empfehlen.
Toxische Beziehung und Machtspiele
Lana Lux verhandelt in ihrem Roman „Geordnete Verhältnisse“ eine zwischenmenschlichen Beziehung im Wandel der Zeit. Als Hörbuch erschienen bei Hierax Medien. Das Buch als Grundlage wurde bei Hanser Literatur veröffentlicht. Faina und Philipp lernen sich in der Schule kennen und als Leserschaft kann man die beiden bis ins Erwachsenenalter in verschiedenen Episoden und bei verschiedenen Schwierigkeiten begleiten. Aus einer kindlichen Freundschaft, in der beide Vielerlei voneinander lernen können, wird irgendwann eine aus meiner Sicht ungesunde und von außen betrachtet bedrückende „Partnerschaft“, die aus der Not heraus entsteht und auf Kontrolle, Misstrauen und Abhängigkeit basiert. Mir hat am Aufbau gefallen, dass in zwei Teilen zuerst die beiden Hauptcharaktere eingeführt werden, bevor es zu einer Zusammenführung kommt. Im Hörbuch wird das auch durch verschiedene Lesende (Sebastian Dunkelberg, Oliver Dupont, Lana Lux) aufgegriffen und umgesetzt. Im Großen und Ganzen habe ich der Geschichte gerne gelauscht und hab das Buch auch recht zusammenhängend gehört, was immer dafür spricht, dass es mich gebannt hat. Hauptsächlich hat Lana Lux mit ihrer Geschichte bei mir großes Mitgefühl für beide Charaktere ausgelöst. Letztendlich gehts aus meiner Sicht aber auch um das Thema häuslicher Gewalt seitens Philipp - und dafür gibt es natürlich absolut keine Legitimation.
Wenn Freundschaft zur krankhaften Obsession wird, ein Buch das erschüttert.
Beklemmend In diesem Roman geht es um eine toxische Beziehung, die schon in der Kindheit der beiden Protagonisten beginnt. Philipp ist ein Kind mit vielen Problemen. Er wächst ohne Vater bei seiner alkoholabhängigen Mutter und zeitweise bei seiner lieblosen und herrischen Tante auf und ist in der Schule ein Außenseiter, der keine Freunde findet. Als die aus der Ukraine stammende Faina in seine Klasse kommt, beschließt Philipp, dass sie seine Freundin werden soll. Er hilft ihr bei den Hausaufgaben und beim Verbessern ihrer Deutschkenntnisse und bald sind die beiden ein festes Gespann. Diese Freundschaft, die für Philipp eine Seelenverwandtschaft ist, hält bis ins Erwachsenenalter an, bevor sich Faina im Streit von Philipp zurückzieht. Eines Tages steht sie jedoch wieder vor seiner Tür, schwanger und pleite und bittet ihn um Hilfe. Von der eigenen Familie kann sie sich keine Hilfe erwarten, leider. Das Buch ist so aufgebaut, dass zunächst Philipp, dann Faina von ihrem Leben in der Ich - Perspektive berichten, bevor der letzte Abschnitt der mit Faina und Philipp überschrieben ist aus einer neutralen Perspektive erzählt wird. Das ist schlau gemacht, denn man kann sich bei den ersten beiden Abschnitten nicht sicher sein, wie zuverlässig sowohl Philipp als auch Faina als Erzähler sind. Die Geschichte wird von Seite zu Seite zunehmend beklemmender. Themen wie Mobbing, häusliche Gewalt, Asexualität, Bisexualität, psychische Erkrankungen Drogensucht, Antisemitismus fließen in den Roman mit ein. Die Vielzahl der Themen ist schon gewagt, wie ich finde. Trotzdem wirkt die Geschichte nicht überladen. Ein bisschen gestört haben mich die Klischees, derer sich die Autorin bedient. Die finale Zuspitzung des Konflikts der beiden Protagonisten endet für mich mit keiner großen Überraschung. Trotzdem fand ich das Buch stark. Die Autorin analysiert sehr gut diesen Teufelskreis, in den Frauen geraten, die häuslicher Gewalt ausgeliefert sind. Auch das Aufwachsen in einer dysfunktionalen Familie, ohne dass eine psychologische Aufarbeitung der Kindheitserfahrungen erfolgt, kann gravierende Folgen haben, wie die Autorin es hier beispielhaft erzählt. Léna Lux prangert mit ihrem Roman natürlich auch unser gesellschaftliches System an, wie es auf häusliche Gewalt reagiert und wie Frauen alleingelassen werden. Lesenswert!
Bei den vielen wahnsinnig guten, intensiven, bedrückenden, großartigen mit tausend noch anderen Emotionen-Geschichten, die ich das Glück hatte lesen zu dürfen, frage ich mich am Ende: Wie drücke ich am besten aus, was dieses Buch mit mir gemacht hat? Was kann es, was vielleicht nicht und was habe ich gefühlt? Und hier ist "Geordnete Verhältnisse" von Lana Lux. Eine großartiges Buch, das mich fertig gemacht hat, das ich gegen die Wand schmeißen wollte, das mich alles hat fühlen lassen. "Geordnete Verhältnisse" fing harmlos an, ein Blick zurück in die Kindheit zu einem Jungen mit roten Haaren, der schon damals anders war. Ein Einzelgänger, der ausgegrenzt wurde und so tat, als würde ihn das nichts ausmachen. Obwohl es das tat. Dann traf er ein Mädchen, das schnell seine beste Freundin wurde und so beginnt die Geschichte von Faina und Philipp. "Geordnete Verhältnisse" hat mich in falscher Sicherheit gewogen, obwohl es schon in dieser scheinbar unschuldigen Kindheit Spitzen gab, toxische Spitzen, die gerade Faina für ihr gesamtes Leben prägen sollten. Doch irgendwie ist es doch eine Geschichte über Freundschaft, eine ungewöhnliche natürlich. Aber warum ist da dieses Gefühl in mir? Ich lese lediglich über Kinder und doch legt sich ein Gewicht auf meine Brust. Lana Lux erzählt eine Geschichte über Freundschaft, Zuneigung und Liebe, die sich irgendwann zu einer gefährlichen Obsession entwickelt. Sie folgt ihren Protagonisten durch die Kindheit ins Erwachsenenalter, erzählt es mal aus seiner und aus ihrer Sicht und zum Schluss dann aus beider Perspektive. Und das ist an unglaublich vielen Stellen fast nicht zu ertragen, denn Philipp, der durch verschiedene Kindheitstraumata seine toxischen Charaktereigenschaften, die sich schon in seiner Kindheit gezeigt haben als Erwachsener festigt und scheinbar noch nicht einmal bemerkt, wie er sich Faina gegenüber verhält, entwickelt unglaublich gefährliche Verhaltensweisen, die die Beziehung zwischen den beiden zu sich immer wiederholenden toxischen Mustern ausdehnt und Faina, die eigentlich ein unglaublicher Freigeist ist von innen her aufzufassen scheint. "Geordnete Verhältnisse" ist aber auch so schwer und tut so weh, weil es so unglaublich nahe an seinen Figuren dran ist und man den Schmerz, die Wut und die Verzweiflung fast schon körperlich spüren kann. Und dann ist "Geordnete Verhältnisse" zu Ende, lässt dich klein und verzweifelt zurück, weil dich das Ende überrollt hat wie ein Lastwagen. Und weißt du, warum das so ist? Weil es die Realität ist. Unzählige Male spielen sich solche Geschichten wie von Faina und Philipp in der Realität ab. Sie nennen es nur anders, wollen anscheinend nicht wahr haben, was Männern Frauen antun können. Warum sollte dir "Geordnete Verhältnisse" eine falsche Vorstellung zeigen? Hier ist das, was passiert. So klar und deutlich, wie es nur möglich ist. Das hat "Geordnete Verhältnisse" mit mir gemacht. Etwas drüber zu schreiben und zu hoffen, dass es noch viele andere lesen werden. Denn "Geordnete Verhältnisse" ist vor allem das: wichtig.

Eine Geschichte die leider jeden Tag realen Geschehnissen gleicht.
Authentisch und schonungslos begleiten wir die Geschichte von Phillip und Faina und ihre dramatische Entwicklung. Ich konnte bereits ahnen, wohin sich der Roman entwickeln würde, war aber am Ende dennoch geschockt. Es ist traurig, dass es solche Geschichten über Kontrolle und Manipulation überhaupt geben muss, aber weil es Gewalt in toxischen Beziehungen jeglicher Art gibt, darf es kein Tabu sein, darüber zu sprechen. Trotz aller Vorurteile schafft es die Autorin Lana Lux uns die zwei Seiten einer toxischen Beziehung zu zeigen. Das Handeln der einen Person ist erschreckend, das Handeln der anderen Person, die sich der Kontrolle entzieht, bewundernswert und unfassbar reflektiert und stark.
„Eine Beziehungstat aus Leidenschaft, wird man später dazu sagen“ 💥
Ein sehr gutes Buch über ein so wichtiges Thema, welches in Medien, Nachrichten & unserer „geordneten Gesellschaft“ bislang zu wenig bis gar keine Aufmerksamkeit bekommt! Lana Lux nimmt den Leser mit auf die Reise von Phillip und Faina. Er, Sohn einer alleinerziehenden Alkoholikerin. Sie, das Mädchen aus der Ukraine, welches neu in die Klasse kommt. Man begleitet die beiden Protagonisten auf ihrem Werdegang - teils gemeinsam, Zeitweilen auch getrennt voneinander. Dabei schreibt die Autorin sowohl aus Phillips Sicht, als auch aus Fainas Perspektive. Es handelt von einer jahrelangen Freundschaft, welche sich jedoch mit den Jahren in eine immer obsessivere & toxische Richtung entwickelt und ein düsteres Ende nimmt. Eine schwere Thematik, keine Leichte Kost - und dennoch oder gerade deswegen ein so wichtiges und gutes Buch! (Triggerwarnung: psychische & physische Gewalt)

Ich bin heute an einem Tag durch dieses Buch durchgerauscht und schreibe das hier wenige Momente nachdem ich die letzten Worte gelesen habe. Uff. Das Buch ist genau so gut wie es schonungslos ist. In wechselnden Perspektiven erzahlt es die Geschichte von Philipp und Faina. Philipp wächst mit einer gewalttätigen alkoholkranken Mutter auf und hat in der Schule keine Freunde, als er Faina kennenlernt. Faina, die mit ihrer jüdisch-ukrainischen Familie nach Deutschland gekommen ist. Die Sie werden beste Freunde und wenn es nach Philipp gehen würde, würden sie ein Leben lang alles zusammen machen. Einige Jahre später, die Wege von Philipp und Faina haben sich vor einiger Zeit im Streit getrennt, ist Faina verschuldet, schwanger und weiß nicht wohin. In ihrer Not steht sie wieder vor der Tür von Philipp. Der sie sofort aufnimmt. Sich wenig später von seiner Freundin trennt, um wieder mit Faina zu leben. Gemeinsam ziehen die beiden nach Berlin und wollen Mara, die Tochter von Faina, dort gemeinsam als „Co-Parents" aufziehen. Doch immer mehr wird Philipps Handeln von Kontrollzwang, Aggressivität und unbändiger Wut bestimmt. Früh ahnt man, dass dies kein gutes Ende nehmen kann. Die Kapitel aus Sicht von Philipp sind schwer zu ertragen, weil mir seine Gedanken so fremd und so sehr zuwider sind. Aber auch Fainas Sicht ist sehr beklemmend. Daher ist es kein einfach zu lesendes, aber ein sehr bewegendes Buch.
Hinterlässt bleibende Eindrücke - sehr intelligent geschrieben
Ein faszinierendes Buch, dass sehr einfach ausgedrückt häusliche Gewalt behandelt (aber noch sehr viel mehr). Dabei versteht es die Autorin nicht in Klischees abzudriften und zeigt die Komplexität und Vielschichtigkeit dieser Thematik auf. Auslassungen und Sprünge in der Geschichte sind sehr schlau platziert, sodass die Leserschaft stets mitdenkt und die Dinge verknüpft. Bis fast am Schluss bleibt die Geschichte offen - alles könnte noch passieren. Um aber nicht zu spoilern soll hier nicht mehr verraten werden. Bin schwer beeindruckt von der Autorin - eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe!
Schockierend, erschütternd, brutal - aber vor allem wichtig und aktuell!
TW: Physische/Psychische Gewalt, Psychische Erkrankungen, Alkoholismus, Suizid, Abtreibung, Misogynie, Rassismus, ... Die Geschichte ist aus der Perspektive beider Protagonisten geschrieben - Faina und Philipp. Beide erzählen auf ihre Weise über ihre Vergangenheit, ihr Kennenlernen und ihre ungewöhnliche Liebe, wobei man hier keine Liebesgeschichte erwarten sollte. Die ersten zwei Drittel ziehen sich stellenweise etwas und wirken im Vergleich zum letzten Drittel jedoch eher nur wie eine lange, aber notwendige Einleitung für eine tragische Eskalation. Es ist erschreckend (und zugleich wahnsinnig gut und emotional beschrieben), über wie viele Jahre hinweg hier emotionale Abhängigkeit aufgebaut wird und in welchem Ausmaß das Ganze letzten Endes in Manipulation, Besessenheit und Gewalt endet. Von mir eine klare Leseempfehlung für diejenigen, die sich mit der Thematik beschäftigen möchten und die Augen nicht vor Dingen verschließen, die tagtäglich auf unserer Welt passieren.

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Zuerst hat mich das Buch neugierig gemacht, danach wurde ich mitgerissen, schließlich habe ich gebannt und mit schlechter Vorahnung weiter gehört, bis es mich fassungslos und entsetzt zurück gelassen hat.
Ich wusste überhaupt nicht was mich erwartet und das war auch gut so. Es behandelt allerdings einige schwere Themen, somit nicht für alle geeignet. Die Charaktere waren sehr interessant und glaubwürdig gezeichnet. Am Anfang ahnt man nicht in was für eine Richtung die Beziehungsdynamik geht, nach und nach kristallisiert sich der Wahnsinn und der ganze Ausmaß dieser Beziehungsdrama aus. Es hat mich beeindruckt wieviel in diesen wenigen Seiten erzählt wird und mir die Autorin nahe gebracht hat. Es ist eine verstörende Geschichte aber sehr realistisch erzählt. Trotz der schweren, dramatischen Thematik hat mir das Buch sehr gut gefallen.
Lana Lux kann einfach erzählen! Ich hab es gesuchtet! Das war mein zweites Buch von ihr und wie bei „Kukolka“ ging es mir auch bei „Geordnete Verhältnisse“ so, dass wirklich harte Dinge erzählt werden und ich beim Lesen schon ein ungutes Gefühl hab, aber gleichzeitig einfach nicht aufhören kann und weiter und weiter und weiter lesen will. Bis dann das Ende kommt und es kommt heftig. Hier erzählt Lana Lux die unglaubliche toxische Beziehung von Philipp und Faina. Philipp wiederholt die dritte Klasse, hat keine Freunde und wünscht sich sehnlichst einen Freund. Faina kommt aus der Ukraine nach Deutschland und wird die neue Sitznachbarin von Philipp. Beide haben rote Haare und das scheint zu verbinden. Aber nicht nur das, sondern auch die schrägen Familienverhältnisse. Eine Freundschaft beginnt, die von Anfang an nicht gesund war. Die Perspektiven wechseln öfter. Mal erlebe ich Philipps Innenleben und dann wieder Fainas. Philipps Gedanken sind so grotesk und Lana Lux schafft es, dass er mir schon fast zu nah kommt. Aber irgendwie krieg ich dadurch einen Einblick in die Welt eines besitzergreifenden Menschen. Ich hatte mich richtig unwohl gefühlt und gleichzeitig war ich total fasziniert. Für mich ein absolut wichtiges Buch und ich würde es jedem empfehlen, der/die harte und brutale Szenen aushalten kann. Nach dem Beenden fühlte ich mich erst mal leer, aber gleichzeitig war ich froh, dass diese Geschichte erzählt wurde und ich sie lesen durfte. S.25 „Wer so eine Seelenverwandtschaft kennt, weiß, dass sie auch dann bestehen bleibt, wenn die Person nicht anwesend ist. Das ist das Blöde. Egal wie sehr ich es versuche, ich kann einfach nicht aufhören, an sie zu denken.“ S.43 „Ich sagte ihr, dass es eklig war, das Kaugummi für später hinter dem Ohr aufzubewahren, ich sagte ihr, wenn sie nach Knoblauch roch, ich sagte, dass ihr Rucksack eine Fälschung war, dass sie die Banane auf der falschen Seite öffnete, dass man Brote zusammengeklappt essen sollte, und auch, dass man bei uns in Deutschland nicht aus dem Fenster schrie. Ab da schrie sie nicht mehr und lernte auch all die anderen Dinge richtig zu machen.“ S.274 „Das Schlimmste ist, dass ich insgeheim auch noch stolz darauf war, dass er alle hasste, nur mich nicht. Er gab mir das Gefühl, etwas ganz Besonderes zu sein. Anderseits ritt er immer auf meinen Schwächen herum, nur aus Spaß, natürlich.“
Zurecht hat das Buch sehr viele gute Rezensionen bekommen. Es geht um eine toxische Beziehung, die in einer Katastrophe endet. 1996: Faina ist ein Flüchtlingskind aus der Ukraine. Im Alter von zehn Jahren kommt sie nach Deutschland in die dritte Klasse. Philipp kümmert sich rührend um sie, bringt ihr korrektes Deutsch bei und unterstützt sie bei allem, wo sie Hilfe braucht. Die beiden sind beste Freunde, Philipp ist an Sex nicht interessiert, was Faina stillschweigend akzeptiert. Irgendwann beendet Faina die Freundschaft und zieht nach Berlin. Drei Jahre später ist sie ungewollt schwanger und bittet Philipp um Hilfe. Die beiden ziehen zusammen, Philipp, der mittlerweile zu sehr viel Geld gekommen ist, hält Faina wie in einem goldenen Käfig und kontrolliert sie auf Schritt und Tritt. Als Faina sich dazu entschließt, ihn zu verlassen, brennen bei ihm alle Sicherungen durch. Wow 🤩 so lebensnah und realistisch geschildert, eine absolut authentische Geschichte einer toxischen Beziehung. Ich konnte mich in beide hineinversetzen und ihre Gefühle nachvollziehen. Beide hatten ein schwieriges Verhältnis zu ihren Eltern, was wohl manche ihrer Handlungen erklärt. Von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung!
„Es klingelte zur Stunde und als ich damals hinter Faina die Treppen zum Klassenraum hochstieg, wusste ich es: Sie war gekommen, um mein bester Freund zu werden.“
Dieser Satz könnte der Anfang einer traumhaft schönen Geschichten sein, doch es ist der Anfang eines Alptraums. 🖤💔🖤💔🖤💔🖤💔🖤💔🖤💔🖤💔🖤💔🖤 Faina landet in einer deutschen Kleinstadt und lernt in der Schule Philipp kennen, einen Jungen mit Wutausbrüchen, der Pflanzen lieber mag als Menschen, sich aber sehnlichst einen Freund wünscht. Faina wird genau dieser Freund. Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Zuerst liest man aus Philipps Sicht, später aus Fainas Sicht und am Ende aus beiden Perspektiven. Das war cool gemacht und hat einen vielschichten Blick auf das ganze Geschehen ermöglicht. Fast schon distanziert, aber mit absoluter Klarheit erzählt Lana Lux die Entstehung einer Kinderfreundschaft bis hin zu einer toxischen Beziehung. Als Leser wird man wie Faina immer tiefer in eine Spirale aus Macht, Abhängigkeit und häuslicher Gewalt gezogen und mit jedem Kapitel stellt man sich die Frage, WARUM schauen denn alle weg? Geordneten Verhältnisse ist ein Buch über toxische Männlichkeit und Frauen, die sich immer entschuldigen, sich unterordnen und viel zu spät die Reißleine ziehen. Es ist ein so wichtiges Thema. Die Charakter und die damit verbundenen Themen sind in meinen Augen allerdings viel zu überzogen. Demütigungen durch Eltern und Mitschüler, Mobbing, Asexualität, Bisexualität, Alkoholmissbrauch, Narzissmus, Bipolarität, Religionszugehörigkeit, Antisemitismus, Rassismus, all das wurde in knapp 300 Seiten gepackt, was dafür sorgt, dass vieles angeschnitten wird, jedoch ohne jegliche Tiefe bleibt. Deshalb und wegen der großen Zeitsprünge, die nicht immer gelungen sind, hat es auch nur für 4 Sterne gereicht.

"Geordnete Verhältnisse" erzählt auf schonungslose Weise wozu Menschen fähig sind, wenn sie Liebe mit Macht und Kontrolle verwechseln und dieses dann in physische und psychische Abhängigkeit und Gewalt mündet. Lana Lux schreibt fesselnd und gekonnt über eine Freundschaft, die sich zu einer toxischen Beziehung entwickelt. Abwechselnd wird die Geschichte aus den Perspektiven der beiden Protagonisten Philipp und Faina erzählt, wodurch die unterschiedlichen Sichtweisen sehr gut herausgearbeitetet sind. Die thematische Schwere, die atmosphörische Dichte und das sprachliche Geschick machen diesen Roman zu einem Pageturner, der erschreckt und mitnimmt.
Uff, das war beklemmend! Die Geschichte erzählt, wie es zu einer "Beziehungstat aus Leidenschaft" kommen konnte, oder auch, wie eine junge Frau systematisch durch einen Mann drangsaliert, kleingehalten und manipuliert wird. Faina kommt als junges Mädchen mit ihren Eltern aus der Ukraine nach Deutschland, ihr erster uns bester Freund wird Philipp sein. Und auch für ihn wird Faina lange Zeit die einzig wichtige Person in seinem Leben sein. Er nimmt sie unter seine Fittiche und zeigt ihr, wie Deutschland funktioniert. Seine kontrollierende Art wird er auch als Erwachsener nicht ablegen und Faina befindet sich irgendwann, ungewollt schwanger und mittellos, in einer Abhängigkeit zu ihm, aus der sie kaum einen Ausweg findet. Auch Philipp sieht irgendwann nur noch einen Ausweg, da Faina einfach nicht so will, wie er die Dinge gerne hätte... Wirklich kein leicht zu lesendes Buch! Obwohl Faina eine selbstbewusste junge Frau ist, die weiß was sie will, kann sie sich einfach nicht befreien von Philipp - obwohl sie es so sehr versucht, vor allem auch für ihre kleine Tochter. Sie leidet an einer psychischen Krankheit, ist finanziell in Dauernot und kann sich die so dringend benötigte Hilfe nicht bei ihrer Familie holen, sodass am Ende immer wieder nur Philipp bleibt. Diese Geschichte gibt es so häufig. Ganz in echt. Genau so, oder auch anders, aber immer mit einer Frau, die unter der Kontrolle eines kranken Mannes steht. Und das ist das eigentlich Schlimme. Dass das keine Fiktion ist, sondern das Leben. Wirklich gut geschriebenes Buch mit sehr überzeugenden Chatakteren.

Das Buch beginnt ruhig und echt schön. Aber was sich alles dahinter verbirgt, erkennt man erst später. Toll und Empfehlenswert!
Das Hörbuch beginnt mit der Geschichte, wie sich Philipp und Faina kennen lernen. Die unterschiedlichen Kulturen und einfach wie sich vor allem Faina entwickelt. Nach Jahren treffen beide wieder aufeinander und die Freundschaft wird einfach mehr. Krass mehr als das. Das Buch hat definitiv Triggerwarnung verdient. Im Hörbuch selber wird auf die gedruckte Ausgabe verwiesen, die mir leider nicht vorliegt. Daher eine kleine Aufzählung in den Kommentaren, jedoch Vorsicht! Die Triggerwarnung kann auch spoilern!
Zwei Protagonisten, die beide psychische Erkrankungen haben, beide schreckliche Erfahrungen in ihrer Kindheit gemacht haben. Als Faina endlich Hilfe bekommt, es schafft, für sich einzustehen, ist es bereits längst zu spät. Die Nüchternheit der Sprache macht mich selbst so sprachlos. Die Hoffnung, die Lebensfreude, die immer wieder spürbar ist, wird unterdrückt durch Zwang, Kontrolle und Gewalt. Heftig.
"Sie war gekommen, um mein bester Freund zu werden." Das Buch handelt von Philipp und Faina, beide haben eine Lebensgeschichte, die nicht einfach ist, geprägt von Gewalt, Alkoholmissbrauch und Verlust. Aus kindlicher Freundschaft in der Grundschule, in der sie sich gegenseitig Halt geben entsteht eine Beziehung in der sich allerdings beide Charaktere und ihre Lebenseinstellungen im Laufe der Jahre in verschiedene Richtungen entwickeln. Es kommt zum Streit und eskaliert im Bruch durch Faina. Nach jahrelanger Funkstille sucht sie in einer ausweglosen Situation Hilfe bei Philipp, die er ihr auch gewährt, allerdings entwickelt sich diese "Beziehung" in eine einengende, gewalttätige und manipulative Richtung. Ich fand den Beginn sehr schleppend, inhaltlich gehaltvoller wurde es erst ab Mitte des Buches. Manche Situationen waren mir zu oberflächlich und nebenbei erzählt, ich hätte mir deutlich mehr Tiefgang gewünscht, das Thema gibt es her. Zum Ende hin überschlagen sich dann die Ereignisse, wobei man sich vieles selbst erschließen muss. Aber vielleicht macht das Ungesagte bei diesem Roman ja genau für viele das Besondere aus, mich hat es leider nicht wirklich erreicht. Es lässt sich sehr leicht und flüssig lesen, aber den Begeisterungsstürmen kann ich mich nicht uneingeschränkt anschließen, zum Highlight reicht es für mich persönlich nicht. Wahrscheinlich waren meine Erwartungen aufgrund der vielen begeisterten Stimmen einfach zu hoch.
"Ich jedenfalls habe schon von klein auf gelernt, dass Liebe und Schmerz zusammengehören. Ich wurde von meinen Eltern angebrüllt, ausgelacht, vor anderen bloßgestellt, dann umarmt, geküsst, gepriesen, bewundert. Das waren keine Widersprüche. Im Gegenteil." Die beklemmende und aufwühlende Beziehunggeschichte über Faina und Philipp zieht sich nur ganz langsam und eher unauffällig wie eine Schlinge zusammen. Doch das tragische Ende scheint unvermeidlich. Es geht um, Wut, Obsession, häusliche Gewalt, Abhängigkeit, Machtmissbrauch und psychische Erkrankungen.
Liebe versus Eigentum
Philip kann besser mit Pflanzen als mit Menschen. Nur Faina hat er besonders in sein Herz geschlossen. „Für immer“ haben sie sich geschworen. Faina ist aus der Ukraine übergesiedelt und die beiden versuchen zueinander zu passen. Er wird erfolgreich und reich, scheitert aber immer wieder an seinen sozialen Grenzen. Ihr merkt: Philipp ist ein bisschen speziell, er braucht eine klare Ordnung und hasst näheren Körperkontakt. Außerdem neigt er zu jähzorn. Sie kriegt nichts wirklich zu Rande, da nützt auch der ganze Druck, den ihre Eltern auf sie ausüben nichts, er bewirkt sogar das Gegenteil. Als Faina in eine prekäre Lage gerät, steht Philipp ihr zur Seite und schwört ihr, dass er sie niemals alleine lässt und für immer lieben wird. Doch nach und nach wird die Beziehung enger, einnehmender und alle Versuche von Faina Freiheit und Autonomie zu erlangen, werden von Philipp sabotiert und boykottiert. Die Beziehung wird zunehmend toxisch und am Ende werden wir Zeuge einer großen, menschlichen Tragödie. Das Buch ist fast ausschließlich aus der Perspektive von Phillip und Farina erzählt. Dabei sind sie nicht zuverlässig und führen uns oft auf eine falsche Fährte. Sind die Informationen die wir bekommen am Anfang so platziert, dass man den Eindruck erhält beides sind liebenswerte Menschen, die zu großen Emotionen fertig sind. so macht sich immer mehr ein beklemmendes Gefühl breit. Mich hat fasziniert, dass Aufbau und Stil des Buches genau analog zu der Entwicklung von mancher Beziehung ist, die als große Liebe begannen und in Gewalt endeten. Diese Prozesse sind schleichend und passieren selten von jetzt auf gleich. genauso langsam veränderte sich meine Sicht auf die beiden Protagonisten. Ein literarischer Geniestreich, den Lana Lux hinbekommen hat. Auch der emotionale Erzählton wird zum Ende hin immer sachlicher, und so bleibt eine schockierende Ernüchterung, die bei mir die Frage aufgeworfen hat, wie schnell ich Menschen in Schubladen stecke, wenn ich zum Beispiel einen kleinen Ausschnitt ihres Lebens in der Presse wieder finde. Das Schicksal dahinter erschließt sich uns in keinster Weise. Ein packendes Buch, das ich nicht weglegen konnte und das mir ein besonderes Lese-Erlebnis verschafft hat.
Es beginnt ganz harmlos als Kinderfreundschaft: Philipp ist ein Außenseiter, der Pflanzen lieber als Menschen mag. In Faina, die mit ihrer Familie aus der Ukraine gekommen ist und kein Deutsch spricht, findet er seine erste und einzige beste Freundin. Beide haben schwierige Familienhintergründe, was sie noch enger zusammenschweißt. Dann passiert etwas im jungen Erwachsenenalter, und der enge Bund zerbricht. Jahre steht Faina vor Philipps Tür und bittet ihn verzweifelt um Hilfe. Dies wird sie bereuen. Zuerst erfahren wir die Geschichte aus Philipps Perspektive. Ganz langsam wandelte sich meine Sympathie und mein Mitleid in Skepsis und Argwohn. Das ist super spannend zu lesen. Als Faina ihre Sicht schildert, ist mir aufgegangen, dass Philipp auch mich als Leserin manipuliert hat. Wann wurde aus der unschuldigen Kinderfreundschaft dieses toxische Abhängigkeitsverhältns? Oder fing es schon genau da an? Es ist spannend zu lesen, da Faina grundsätzlich eine unabhängige Frau ist, die sich nicht von ihren konservativen Eltern in ein vorgezeichnetes Leben pressen lässt. Aber genau diese Unabhängigkeit und auch Sprunghaftigkeit lässt sie wenige enge Vertraute haben. Das Buch ist unglaublich fesselnd. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen. Wir tauchen tief in die immer verzeifelteren Gedankenwelten ein. Auf folgende Themen muss man vorbereitet sein: psychische Krankheiten, Kindheitstraumata, Gewalt an Frauen, Drogen- und Alkoholmissbrauch. Es ist absolut kein leichtes Buch und hat mich danach weiter beschäftigt. Die Beschreibungen sind so intensiv, dass ich es allen empfehle, die sich vorbereitet auf das Abtauchen in die Abgründe fühlen.
Grandioser Roman
Dieser Roman lässt mich sprachlos und zerstört zurück. Habe ihn in einem Rutsch komplett durchgelesen. Lana Lux erzählt hier so grandios und eindringlich, dass man dieses Buch unmöglich wieder aus der Hand legen kann. War von der ersten Seite an völlig gefesselt. Sie zeichnet die Protagonisten so fein, dass man jeden irgendwie verstehen oder wenigstens nachempfinden kann. Wir lesen vom Aufwachsen in schwierigen Familienverhältnissen, wie zwei kaputte Menschen versuchen füreinander da zusein, sich zu unterstützen aber sich nur noch kaputter machen und von grenzenloser Überforderung ein „normales“ Leben zu führen.
Das war eine richtig interessante Lesung gestern im @literaturhauskassel im Palais Bellevue 👌 Lana Lux hat insgesamt drei Abschnitte aus ihrem aktuellen Buch vorgelesen und zwischendurch wurde eifrig mit dem Moderator und dem Publikum diskutiert. Frau Lux ist beim Schreiben ihrer Bücher besonders wichtig, dass die Figuren authentisch sind, dass wurde mehrfach betont. Ich finde, dass ist ihr auf jeden Fall gelungen. Auf den Inhalt muss ich, glaube ich, nicht mehr großartig eingehen, der ist inzwischen den meisten hier bekannt 😄 Spannend fand ich die Erläuterungen von der Autorin, dass es auch einige Leser gab, die sich mit Philipp identifizieren konnten, war mir dieser doch von Anfang an unsympathisch. Auch dem Moderator des Abends ging es so, er fühlte mit Philipp und fand Faina nervig. Ich mochte Faina auch nicht, aber das Fazit war ganz klar: egal wie anstrengend oder gar nervig eine Person ist, niemand hat das Recht einem anderen Menschen Leid zuzufügen! Abschließen möchte ich mit einem Zitat von Faina: " Ich jedenfalls habe schon von klein auf gelernt, das Liebe und Schmerz zusammengehören." Und so wundert es nicht, dass sie eine toxische Beziehung mit Philipp eingegangen ist. Insgesamt konnte mich das Buch allerdings lange nicht so begeistern, wie es "Kukolka" tat. Vielleicht waren meine Erwartungen auch einfach zu groß. Wie geht es euch mit dem Roman? Schon gelesen? Seit ihr Team Faina, oder Team Philipp?

Wow, ein Buch das unter die Haut geht!
Dieser liest sich weg wie nichts, unterhält wunderbar ohne jede Länge. „Geordnete Verhältnisse" ist ein Pageturner. Das Buch verdeutlicht sehr anschaulich, wie schnell man in eine toxische Beziehung gerät und wie schwierig es ist, sich aus dieser zu befreien. Ergreifend und lesenswert!
Sehr schwere Kost🥲 Der schreibstil hat mir sehr gefallen und zu Anfang konnte ich mich gut in die Charaktere einfühlen. Schön fand ich auch die Tatsache, dass die Geschichte quasi vor meiner Haustür begang und dadurch parallelen zur eigenen Jugend im Kopf entstanden. Das Ende kam kurz und hart... Wenngleich bei der Entwicklung erwartbar, Psychische Erkrankungen folgen ihren eigenen Regeln und diese wurden von der Autorin teils sehr eindringlich auf den Punkt gebracht. Ich habe es gemocht, deswegen bekommt es fünf Sterne 🌟 🌟 🌟 🌟 🌟 Danke, dass es mich gefunden hat😊
»Seit dem Sommer 97 waren Faina und ich [Philipp] ganz offiziell beste Freunde« (S. 37). Philipp hat in seiner Kindheit nur einen Wunsch – einen besten Freund oder eine beste Freundin zu finden. Im Alter von zehn Jahren geht dieser Wunsch in Erfüllung. Faina, aus der Ukraine stammend, ist ›die Neue‹ in der Klasse. Die beiden freunden sich direkt an, trotz Faina’s vermeintlichen Eigenarten. Sie bringt ihr Essen im Tetra Pak zur Schule und wenn sie spricht, dann korrigiert Philipp sie häufig. Bereits im Kindesalter verwechselt Philipp Nächstenliebe mit dem Wunsch, einen Menschen dominieren zu wollen. Dabei sehnt sich dieser extrem nach Liebe und Aufmerksamkeit. Seine Mutter ist alleinerziehend und mehr am Alkohol interessiert, als an ihrem Sohn. Die Jahre ziehen ins Land, Faina und Philipp werden erwachsen. Sie verlieren sich aus den Augen. »Von 1997 bis 2011 sind es vierzehn Jahre, und sollte ich [Philipp] recht behalten und sie, also Faina, kommt nochmal angekrochen, dann zählt es für mich ab 1997. Weil immer die ganze Freundschaft zähle, nicht nur die Sonnenscheinmomente« (S. 37). Während Philipp im Erwachsenenalter in einer schicken Eigentumswohnung und in einer festen Beziehung lebt, ist Faina verlassen worden, verschuldet und befindend sich als obdachlose Schwangere in einer Notlage. Verzweifelt meldet sie sich bei Philipp und die beiden finden erneut zueinander… In »Geordnete Verhältnisse« verfolgt die Leser:innenschaft zuerst die Sicht von Philipp, anschließend wird die Geschichte aus Faina’s Sicht erzählt und im letzten Teil kommen beide Figuren als Ich-Erzählende zu Wort. Bin kein Fan von Erzählungen durch Tätersicht, doch Lana Lux nutzt Philipps Erzählstimme, um dem Buch eine unverwechselbare Dynamik zu geben. An vielen Stellen ist das Buch schwer zu ertragen. Bereits zu Beginn des Buches sammelt Philipp bei mir keine Sympathiepunkte, während ich Faina am liebsten aus der Geschichte ziehen will, um sie zu schützen. Manchmal auch vor sich selbst! (Achtung Spoiler!) Das Ende, für mich vorhersehbar und trotzdem schockierend, es geht mir nah. Ich verdrücke ein paar Tränen und bin sehr traurig. Mit diesem Gefühl klappe ich das Buch zu, schaue mir das Cover nochmal an – ein Roman und doch eine Geschichte, die eine Realität für viele Frauen aufzeigt. Mit einem Ende, welches sich dieses Jahr (Stand 12.03.2024) bereits 21 Mal so ereignet hat #niunamenos
Eine harmlose Geschichte über 2 beste Freunde, die mit Rückblicke in die Kindheit beginnt. Irgendwann schleicht sich ein komisches Gefühl ein, es ist nicht so richtig greifbar. Tun sich die beiden wirklich gut? Das Gefühl bleibt diffus, bis der Roman plötzlich anzieht. Hier liest man keine Liebesgeschichte und auch kein Buch über Freunde, die durch dick und dünn gehen. Es ist ein düsteres Buch, getarnt durch den lockeren Schreibstil, das uns mitnimmt in toxische Verhaltensweisen und zeigt, wie unterschiedlich Abhängigkeit aussehen kann. Und das Ende! Es macht fassungslos...

Bücher über toxische Liebesbeziehungen sind mir nicht neu, aber eine Geschichte über eine verhängnisvolle Freundschaft wie die zwischen Faina und Philipp, habe ich bisher noch nicht gelesen. Lana Lux hat mit „Geordnete Verhältnisse“ ein Psychogramm über zwei Menschen geschaffen, welche auf Basis einer Kindheitsfreundschaft gemeinsam ein Kind aufziehen wollen. Beide zerbrechen jedoch an ihren eigenen Traumata und das so dramatisch, dass dieses Buch einen mit voller Wucht trifft. Gebannt las ich die Geschichte unserer zwei Figuren, welche zielgerichtet auf eine Katastrophe zusteuern, deren Ausmaß verheerend ist. Dieses Buch wird mich noch lange in meinen Gedanken begleiten.

Unerwartetes Ende - ich habe das Buch richtig gerne gelesen, es lief flüssig und gab auch keinen Bruch wenn Zeitsprünge kamen. Allerdings war mir im Nachhinein die Einleitung des Buches und das erzählen wie es zu dem kommt worum es dann geht zu lang und das Ende doch sehr abrupt und kurz. Auch hat mir dann etwas der Hintergrund zu Philipp gefehlt, warum, wieso, weshalb. Da hätte im ganzen das Buch dann doch noch etwas länger sein können.
‘Geordnete Verhältnisse’ von Lana Lux ist eine zutiefst verstörende, zermürbende und doch allzu alltägliche Geschichte, die einen ungeheuren Sog auf mich ausgeübt hat. Erzählt wird die Geschichte von Faina, die als Kind mit ihrer Familie als jüdische Kontingentflüchtlinge aus der Ukraine nach Deutschland kam, und von Philipp, der sich als stets wütendes Kind aus schwierigen Verhältnissen nach nichts mehr sehnt als nach einer Freundschaft. Als die beiden sich in der Schule kennenlernen, beschließt Philipp, Faina zu seiner besten Freundin zu machen, was viele Jahre anhält - trotz seiner durch Ras$ismus und Ant1sem1tismus gestählten Ignoranz Fainas Lebensstils gegenüber. Als Erwachsene haben beide sich mehr oder weniger aus den Augen verloren, doch eines Tages steht Faina schwanger und hilfsbedürftig vor Philipps Tür - der Tür seiner teuren Eigentumswohnung, die er mit seiner Partnerin bewohnt. Philipp nimmt Faina bei sich auf und hilft ihr, doch schnell wird daraus ein gefährliches Abhängigkeitsverhältnis, das sich immer tiefer in ihre Leben gräbt. Ich empfehle sehr, das Hörbuch zu hören, gesprochen u.a. von der Autorin selbst. Die Stimmen passen richtig gut zu den Figuren und verstärken den Effekt der sich vermischenden Perspektiven noch. Lana Lux hat es mit dem Buch hervorragend verstanden, eine Geschichte von Obsession und Gewalt so schleichend zu erzählen, dass man nicht mehr rauskommt - ebenso wie die betroffenen Figuren. Wenn ich an ‘Geordnete Verhältnisse’ denke, läuft es mir immer noch kalt den Rücken runter - erst recht, wenn ich daran denke, dass ähnliche Geschichten sich Tag für Tag in der Realität so abspielen. Hörbuch gesprochen von Lana Lux, Oliver Dupont, Sebastian Dunkelberg. CN: Dr0genm1ssbrauch, M0bbing, Ras$ismus, häusliche G3walt, M0rd, Antisem1tismus
'Geordnete Verhältnisse' von Lana Lux hat mich absolut gefesselt und ich hatte keine Chance es aus der Hand zu legen. Was bin ich froh das ich noch ein Buch der Autorin auf dem SuB liegen habe. In 'geordnete Verhältnisse' geht es ziemlich zur Sache. Toxische Beziehung, Gewalt, Unterdrückung, Stalking, Rassismus um nur einige Themen zu nennen. Anfangs lernen wir Philipp im Alter von 10 Jahren kennen. Ein Außenseiter der es nicht leicht hat und sich nichts sehnlicher wünscht als einen Freund. 15 Jahre später ist Philipp immernoch ein Außenseiter und wünscht sich nur noch Faina. Faina, ursprünglich aus der Ukraine, hat Philipp aus seiner Einsamkeit befreit und dafür hat er ihr einiges beigebracht...anständig Deutsch zu sprechen, sich unauffälliger zu benehmen als anderen Ausländer und das er sich immer, immer um sie kümmern wird. Koste es was es wolle. Die zwei Charaktere werden recht überspitzt dargestellt und während der besitzergreifende Philipp einem kalte Schauer über den Rücken jagt, ist die freiheitsliebende Faina eine Person die polarisiert. Ich für meinen Teil mochte sie sehr gerne. Als Faina unbeabsichtigt schwanger wird und bei Philipp Hilfe bekommt, entwickelt sich die Freundschaft der beiden sich zu einer extrem toxischen Lebensgemeinschaft. Anfangs war ich beim lesen noch etwas skeptisch, aber die Erzählung hat eine Sogwirkung entwickelt die mich nicht mehr losgelassen hat. Vorallem das Ende hat mich sehr überzeugt. Besser ging nicht. Ein hartes, ehrliches, oftmals unbequemes Buch mit wichtiger Message, welches nachhallt. Man sollte sich die Zeit nehmen und es erst einmal sacken lassen. Ich kann nur empfehlen diesen Roman zu lesen. Für mich ist er definitiv ein Highlight.

Luft nach oben
Der Roman lässt sich sprachlich flüssig lesen und hat einen angenehmen Stil, der den Leser gut durch die Seiten führt. Dennoch fehlte es mir über weite Strecken an Tiefgang. Viele Situationen blieben unaufgeklärt oder wurden bewusst vage behandelt, was manchmal das Gefühl hinterließ, dass wichtige Aspekte unausgesprochen bleiben. Auch die Charaktere wirken stellenweise etwas überspitzt, was es manchmal schwer machte, sich wirklich in ihre Welt einzufühlen. Erst gegen Ende nimmt die Geschichte spürbar an Spannung zu, was den langsamen Aufbau vorher etwas ausgleicht. Vielleicht hatte ich aufgrund der vielen Empfehlungen im Freundeskreis zu hohe Erwartungen, aber insgesamt hat mir einfach der letzte Funke gefehlt, um völlig mitgerissen zu werden.
GEORDNETE VERHÄLTNISSE Eine glückliche Familie, ein Eigenheim, erfolgreich im Job und ein toller Freundeskreis - das verstehen viele Personen unter geordneten Verhältnissen. Auch Phillipp. Um jeden Preis möchte er in solchen Verhältnissen Leben, zumindestens nach außen. Doch kann das mit Faina klappen? Versucht sie dem Bild zu entsprechen? I N H A L T: Wenn man seine Heimat verlassen muss, kommt es immer darauf an, wo man landet und welche Leute man kennenlernt. Faina landet in einer deutschen Kleinstadt und lernt in der Schule Philipp kennen, einen Jungen mit Wutausbrüchen, der Pflanzen lieber mag als Menschen, sich aber sehnlichst einen Freund wünscht. Faina soll dieser Freund werden, also bringt er ihr Deutsch bei, und wie man Weihnachten richtig feiert. Er macht sie zu seiner Faina. Jahre später ist Philipp der Typ mit Eigentumswohnung und fester Freundin, und Faina steht als verlassene, verschuldete Schwangere vor seiner Tür. Er lässt sie hinein, doch zu welchem Preis? "Geordnete Verhältnisse" ist eine Geschichte über Wut und Obsession – und eine Frau, die sich weigert, zum Besitztum eines Mannes zu werden. M E I N U N G: Toxische Beziehungen, Manipulation und Obssesion - das sind alles Dinge die wir in "Geordnete Verhältnisse" um die Ohren geschlagen bekommen! Von der ersten Seite an rätselt, fühlt und bangt man. Kann dieses Illusion von einer perfekten Familie, von den geordneten Verhältnissen aufrecht erhalten werden? Denn schaut man genauer hin ist eigentlich nur die Wohnung Phillipps, wie aus dem Katalog. Die Fassade. Nach und nach lässt Lana Lux hinter die starre Fassade blicken. Man sieht die Risse, das Streben nach Perfektion, einem Familienbild, was von Beginn an eigentlich nur scheitern kann. Trotzdem versuchen es Phillipp und Faina aus den unterschiedlichsten Gründen. Emotional und gedanklich wird man mitgerissen. Sitzt mal staunend, mal hoffend und mal erschütternd da. Man versucht zu verstehen, wie es soweit kommen konnte. Das Ende überrascht und lässt ein mit einer Wolke von Gedanken zurück. Das Streben nach Perfektion, dem Entsprechen eines Ideals und das dringende Bedürfnis nach Kontrolle werfen große Schatten. "Geordnete Verhältnisse" habe ich förmlich eingeatmet. Alle Emotionen durchlebt und wurde mit meinem eigenen Gedankenkarussel zurück gelassen. Es ist ein Buch, welches einem im Kopf bleibt, welches schockiert und zeigt, wozo Manipulation, Obsession und der Schein führen kann.

Mein bester Feind
„Halte deine Freunde nah, aber deine Feinde noch näher“, pflegte bereits Philipps Opa zu sagen. Und für Philipp ist fast jeder der Feind. Außer Faina, die er schließlich als „seine“ Freundin auswählt und Fainas Leben damit unwiderruflich verändert. Wer erfahren möchte, was in den Köpfen toxischer Männer vorgeht und wie sie es trotz ihres teils wirklich abstoßenden Verhaltens schaffen, Menschen an sich zu binden, zeigt Lana Lux in messerscharfen Beobachtungen und Dialogen. Ich musste teilweise wirklich bitterböse schmunzeln, als ich Einblick in Philipps abstruse Gedankenwelt bekommen habe, welche sich im Laufe der Geschichte immer weiter radikalisiert und eine Lawine unkontrollierter Wut auslöst. Herausstechend ist allerdings Faina, die eindeutig intelligent und scharfsinnig ist - was man von Philipp nur sehr bedingt sagen kann - und sich im Roman trotzdem in einer Schieflage der Machtverhältnisse wiederfindet. Dabei ist Faina keineswegs naiv und zieht an den richtigen Stellen aus Philipps Verhalten Konsequenzen. Es bleibt jedoch nicht aus, das sie mit der bitteren Realität konfrontiert wird, wie es auch tausende andere Frauen auf der Welt jeden Tag tun müssen. Sie bleibt nicht tatenlos, doch gegen Männer wie Philipp muss erstmal ein Kraut wachsen. Da mir Faina am Ende wie eine Freundin ans Herz gewachsen und Philipp meinen Blutdruck wirklich häufig hat anschwellen lassen, habe ich die Lektüre auf ihre eigene Weise sehr genossen. Das Ende kam mir etwas zu plötzlich, allerdings spiegelt es auch die Realität so vieler Frauen wie Faina wieder. Denn am Ende ging alles scheinbar ganz schnell…
Zwischen Obsession und Abhängigkeit(en) in einem toxischen Miteinander kann die Vielzahl der weiteren angerissenen Themen durchaus "erschlagend" wirken aber die begleitende messerscharfe Authentizität in der Darstellung ist schlichtweg begeisternd und das Ende macht einfach nur sprachlos! HIGHLIGHT!!!!
Kafka - sein Tod jährt sich dieses Jahr ja zum 100sten mal - schrieb in einem seiner Briefe, “man sollte überhaupt nur noch solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen [...] [und] mit einem Faustschlag auf den Schädel” wecken. Ich weiß nicht, ob sich Lana Lux dieses Zitat besonders zu Herzen genommen hat, als sie ihren dritten Roman “Geordnete Verhältnisse” geschrieben hat. Jedenfalls musste ich an diese Worte denken, als ich den Roman beendet hatte. Das Buch ist nämlich eines, das bei manchen Lesenden eine solche drastische Wirkung zu haben vermag. Es ist ein unbequemer und verstörender Roman über zwei Menschen, die eine neue Form des Zusammenlebens, der zwischenmenschlichen Koexistenz ausprobieren und letztlich an ihren eigenen Persönlichkeiten, die von Kindheitstraumata und psychischen Krankheiten beherrscht werden, scheitern. Es geht um die beiden Protagonist:innen Philipp und Faina, die einander seit ihrer gemeinsamen Grundschulzeit alles bedeuten. Vor allem Philipp ist auf Faina bis zur Obsession fixiert. Philipp wächst zunächst in Gelsenkirchen bei seiner Tante und deren Familie auf, da seine eigene Mutter alkoholkrank ist und nicht für ihn sorgen kann. Als er sechs Jahre alt wird, holt ihn diese zu sich und die gemeinsame Zeit mit ihr ist von Höhen, aber noch weitaus mehr von Tiefen geprägt. In der dritten Klasse lernt er Faina kennen, die aus der Ukraine stammt und seit wenigen Monaten mit ihrer jüdischen Familie in Deutschland lebt. Nicht nur eine imminente Seelenverwandtschaft und der jeweils bei beiden unterschiedlich ausgeprägte dysfunktionale Familienhintergrund ist es, der die Außenseiter:innen miteinander verbindet, sondern auch ihr äußeres marginalisiertes Erscheinungsbild: Sie sind beide von Natur aus rothaarig, sommersprossig und extrem hellhäutig, eine Steilvorlage für Mobbing seitens der Mitschüler:innen und in Philipps Fall sogar der eigenen katholischen Tante, die in ihm den reinkarnierten Satan zu erkennen vermag. Philipp und Faina beginnen eine Freundschaft, die mit zunehmendem Alter der beiden in eine Schieflage gerät, sprich: Aus der Freundschaft wird eine toxische Abhängigkeit voneinander, die zusammen mit Philipps Hang zur Aggressivität eine fatale Mixtur ergeben. Als die bisexuelle Faina nach einem Auslandsaufenthalt von einer Affäre schwanger wird und sich von ihrer Lebensgefährtin trennt, bietet sich für den asexuellen Philipp die Möglichkeit, mit Faina eine Familie nach dem Modell des Co-Parenting zu gründen. Wird sich sein Wunsch nach “geordneten Verhältnissen” erfüllen? Wer die Autorin Lana Lux und ihre Werke kennt, kann sich sicher sein, dass die Antwort auf diese Frage nur “nein” lauten kann. Ich hatte etwas Probleme die Chronologie der Beziehung von Philipp und Faina richtig zu erfassen. Da die meisten Ereignisse rückblickend erzählt werden, wird viel ausgelassen, was man sich beim Lesen erschließen muss. Manche Dinge werden nicht richtig erklärt und entweder ist die Logik bzw. Reihenfolge der Handlungselemente falsch oder ich habe es nicht richtig verstanden. Irgendwie dachte ich anhand ihrer erzählten Gedanken, Faina wurde Anfang 2012 schwanger (weil sie sowas sagt wie das Jahr 2012 wäre auch schon auf dem Weg ein schlechtes zu werden und da war es April 2012). Und dann ist es aber im nächsten Kapitel Sommer 2013 und sie ist im 6. Monat. Philipp erzählt außerdem, dass sie nach einem Scan nach Hause gekommen sei und gesagt habe, das Baby sei ein Junge. Später erfahren wir aber, dass sie ein Mädchen bekommen hat. Wieso, weshalb, warum wird nicht erklärt, also ob sich die Ärztin geirrt oder Faina ihn angelogen hat. Philipps Geburtstag, gleich im ersten Satz genannt, ist der 3. März und Faina sagt später bei dem Code zum Kleiderschrank 1303, dass das sein Geburtstag sei. Ich weiß bei solchen Logik- Inkongruenzen immer nicht, ob es Fehler des Lektorats sind, oder ob ich irgendetwas nicht kapiere. Wie auch immer, die Story ist hoch interessant und originell, weil sie Aspekte in sich vereint, die für mich in der aktuellen Belletristik noch nicht sehr prominent stattfinden. Zum Beispiel einen männlichen Protagonisten zu präsentieren, der asexuell ist. Es wird im Buch leider - anders als bei Fainas Bisexualität - nicht explizit so genannt, aber aus Philipps Gedankenstrom und seinen Handlungen kann man das ganz klar so herauslesen. Sexualität ist für ihn ein Graus und eine niedere widerwärtige Handlung, die er nicht mal mit Faina möchte, der einzigen Person, die er auf Dauer ertragen kann. Er “liebt” sie auf einer Ebene, die jenseits aller Körperlichkeit liegt. Er sagt einmal so in etwa, er sieht sie als externalisierten Teil von sich selbst. Im Grunde liebt er also wahrscheinlich nur sich selbst, was auch sein aggressives Verhalten gegenüber Faina erklären würde. Schließlich hat er auch für alle anderen Menschen meist nur Verachtung übrig. Das Thema Co-Parenting ist auch eines, über das ich noch nicht oft etwas gelesen habe. Leider sind sowohl die Asexualität als auch das Co-Parenting im Roman negativ konnotiert, weil Philipp kein positiv besetzter Charakter ist und das Co-Parenting sehr schnell zum Scheitern verurteilt ist. Auch Fainas Bisexualität wird in ihrem Fall zur Hypersexualität, weil sie bis zu ihrer Schwangerschaft ein überaus aktives Sexleben (sowohl privat als auch beruflich als Sexarbeiterin) führt. Hier werden die beiden queeren Lebensstile Ace und Bi zu Extremen stilisiert und letztlich gegeneinander ausgespielt. Man könnte sagen, “Geordnete Verhältnisse” ist ein utopischer Roman, denn er erzählt von einer Utopie, der Utopie der Normalität und ihrer gewaltsamen Dekonstruktion. Wir moderne Menschen des 21. Jahrhunderts wünschen uns manchmal nichts mehr als ein Leben, das sich durch Ordnung und Klarheit auszeichnet. Allzu oft wird uns dieser Wunsch aber verwehrt, sei es durch eine traumatische Kindheit oder toxische Beziehungen im Erwachsenenalter. Ein feministischer Roman ist dieses Buch ganz klar, denn es erzählt von einer Frau, die in einer sozialen, psychischen und materiellen Abhängigkeit zu einem Mann gefangen ist. Das Machtgefälle zwischen Frau und Mann wurde von Lana Lux’ präziser Prosa, die nicht selten auch Momente des Komischen enthält, gekonnt eingefangen. Zudem geht es darum, wie unsere Herkunft uns determiniert sowie um Fragen der Integration. Ein wirklich sehr gelungener Roman, den ich allen ans Herz legen möchte, die auch etwas härteren Lesestoff gut aushalten können. Triggerwarnungen: Gewalt, Femizid, psychischer Missbrauch, Drogen, Alkohol
"Je schlimmer die Person, desto eher wird Faina die Nähe zu ihr suchen, das ist so sicher wie das Amen."
Was für eine Wucht. Ein Highlight (des Jahres) für mich! Wir begleiten Philipp und Faina. Als sie mit ihrer Familie von der Ukraine nach Deutschland kommt landet sie in Philipps Klasse. Und mit ihr soll sich sein sehnlichster Wunsch erfüllen: Einen Freund zu finden. Da waren sie 10 Jahre alt. 15 Jahre später treffen sie nach einem Kontaktabbruch wieder aufeinander. Faina steht als Schwangere in finanziellen Nöten vor seiner Tür. Eine intensive und spannende Dynamik spielt sich zwischen ihnen und in ihnen selbst ab und zieht die Lesenden in ihren Bann, das ist die große Stärke dieses Romans. Selten haben Charaktere so nachgehallt in mir wie in diesem Fall. Thematisch leider hochaktuell und dringlich, packend geschrieben und trotz all der Vorahnung und Andeutungen hat mich die Geschichte emotional überfahren, gerade weil die Protagonisten so authentisch gestaltet sind. Das erste Mal, das mir wirklich schlecht wurde beim Beenden eines Buchs.
Wieder einmal ein wirklich toller Roman von Lana Lux
Geordnete Verhältnisse von Lana Lux behandelt wirklich wichtige, aber auch triggerne Themen (häusliche Gewalt, Mysogenie, Manipulation, generelle Fremdenfeindlichkeit). Ohne viel vorwegnehmen zu wollen, geht es in dem Buch um Philipp und Faina, die seit der Grundschule beste Freund*innen sind. Das Buch hat einen sehr spannenden Aufbau, mit einem Teil, indem es um Philipp geht (Eigenschaften, familiärer Hintergrund, Beziehung zu Faina), einem Teil, in dem es um Faina geht und einem gemeinsamen Teil über die beiden. Die ersten beiden Teile sind quasi eine Einführung, die wichtig ist, um den dritten Teil und somit die Kernhandlung zu verstehen. Lana Lux ist wirklich eine Meisterin im Umgang mit schwierigen Themen und ich kann jedes ihrer Bücher wärmstens empfehlen.
Toxische Beziehung und Machtspiele
Lana Lux verhandelt in ihrem Roman „Geordnete Verhältnisse“ eine zwischenmenschlichen Beziehung im Wandel der Zeit. Als Hörbuch erschienen bei Hierax Medien. Das Buch als Grundlage wurde bei Hanser Literatur veröffentlicht. Faina und Philipp lernen sich in der Schule kennen und als Leserschaft kann man die beiden bis ins Erwachsenenalter in verschiedenen Episoden und bei verschiedenen Schwierigkeiten begleiten. Aus einer kindlichen Freundschaft, in der beide Vielerlei voneinander lernen können, wird irgendwann eine aus meiner Sicht ungesunde und von außen betrachtet bedrückende „Partnerschaft“, die aus der Not heraus entsteht und auf Kontrolle, Misstrauen und Abhängigkeit basiert. Mir hat am Aufbau gefallen, dass in zwei Teilen zuerst die beiden Hauptcharaktere eingeführt werden, bevor es zu einer Zusammenführung kommt. Im Hörbuch wird das auch durch verschiedene Lesende (Sebastian Dunkelberg, Oliver Dupont, Lana Lux) aufgegriffen und umgesetzt. Im Großen und Ganzen habe ich der Geschichte gerne gelauscht und hab das Buch auch recht zusammenhängend gehört, was immer dafür spricht, dass es mich gebannt hat. Hauptsächlich hat Lana Lux mit ihrer Geschichte bei mir großes Mitgefühl für beide Charaktere ausgelöst. Letztendlich gehts aus meiner Sicht aber auch um das Thema häuslicher Gewalt seitens Philipp - und dafür gibt es natürlich absolut keine Legitimation.
Wenn Freundschaft zur krankhaften Obsession wird, ein Buch das erschüttert.
Beklemmend In diesem Roman geht es um eine toxische Beziehung, die schon in der Kindheit der beiden Protagonisten beginnt. Philipp ist ein Kind mit vielen Problemen. Er wächst ohne Vater bei seiner alkoholabhängigen Mutter und zeitweise bei seiner lieblosen und herrischen Tante auf und ist in der Schule ein Außenseiter, der keine Freunde findet. Als die aus der Ukraine stammende Faina in seine Klasse kommt, beschließt Philipp, dass sie seine Freundin werden soll. Er hilft ihr bei den Hausaufgaben und beim Verbessern ihrer Deutschkenntnisse und bald sind die beiden ein festes Gespann. Diese Freundschaft, die für Philipp eine Seelenverwandtschaft ist, hält bis ins Erwachsenenalter an, bevor sich Faina im Streit von Philipp zurückzieht. Eines Tages steht sie jedoch wieder vor seiner Tür, schwanger und pleite und bittet ihn um Hilfe. Von der eigenen Familie kann sie sich keine Hilfe erwarten, leider. Das Buch ist so aufgebaut, dass zunächst Philipp, dann Faina von ihrem Leben in der Ich - Perspektive berichten, bevor der letzte Abschnitt der mit Faina und Philipp überschrieben ist aus einer neutralen Perspektive erzählt wird. Das ist schlau gemacht, denn man kann sich bei den ersten beiden Abschnitten nicht sicher sein, wie zuverlässig sowohl Philipp als auch Faina als Erzähler sind. Die Geschichte wird von Seite zu Seite zunehmend beklemmender. Themen wie Mobbing, häusliche Gewalt, Asexualität, Bisexualität, psychische Erkrankungen Drogensucht, Antisemitismus fließen in den Roman mit ein. Die Vielzahl der Themen ist schon gewagt, wie ich finde. Trotzdem wirkt die Geschichte nicht überladen. Ein bisschen gestört haben mich die Klischees, derer sich die Autorin bedient. Die finale Zuspitzung des Konflikts der beiden Protagonisten endet für mich mit keiner großen Überraschung. Trotzdem fand ich das Buch stark. Die Autorin analysiert sehr gut diesen Teufelskreis, in den Frauen geraten, die häuslicher Gewalt ausgeliefert sind. Auch das Aufwachsen in einer dysfunktionalen Familie, ohne dass eine psychologische Aufarbeitung der Kindheitserfahrungen erfolgt, kann gravierende Folgen haben, wie die Autorin es hier beispielhaft erzählt. Léna Lux prangert mit ihrem Roman natürlich auch unser gesellschaftliches System an, wie es auf häusliche Gewalt reagiert und wie Frauen alleingelassen werden. Lesenswert!
Bei den vielen wahnsinnig guten, intensiven, bedrückenden, großartigen mit tausend noch anderen Emotionen-Geschichten, die ich das Glück hatte lesen zu dürfen, frage ich mich am Ende: Wie drücke ich am besten aus, was dieses Buch mit mir gemacht hat? Was kann es, was vielleicht nicht und was habe ich gefühlt? Und hier ist "Geordnete Verhältnisse" von Lana Lux. Eine großartiges Buch, das mich fertig gemacht hat, das ich gegen die Wand schmeißen wollte, das mich alles hat fühlen lassen. "Geordnete Verhältnisse" fing harmlos an, ein Blick zurück in die Kindheit zu einem Jungen mit roten Haaren, der schon damals anders war. Ein Einzelgänger, der ausgegrenzt wurde und so tat, als würde ihn das nichts ausmachen. Obwohl es das tat. Dann traf er ein Mädchen, das schnell seine beste Freundin wurde und so beginnt die Geschichte von Faina und Philipp. "Geordnete Verhältnisse" hat mich in falscher Sicherheit gewogen, obwohl es schon in dieser scheinbar unschuldigen Kindheit Spitzen gab, toxische Spitzen, die gerade Faina für ihr gesamtes Leben prägen sollten. Doch irgendwie ist es doch eine Geschichte über Freundschaft, eine ungewöhnliche natürlich. Aber warum ist da dieses Gefühl in mir? Ich lese lediglich über Kinder und doch legt sich ein Gewicht auf meine Brust. Lana Lux erzählt eine Geschichte über Freundschaft, Zuneigung und Liebe, die sich irgendwann zu einer gefährlichen Obsession entwickelt. Sie folgt ihren Protagonisten durch die Kindheit ins Erwachsenenalter, erzählt es mal aus seiner und aus ihrer Sicht und zum Schluss dann aus beider Perspektive. Und das ist an unglaublich vielen Stellen fast nicht zu ertragen, denn Philipp, der durch verschiedene Kindheitstraumata seine toxischen Charaktereigenschaften, die sich schon in seiner Kindheit gezeigt haben als Erwachsener festigt und scheinbar noch nicht einmal bemerkt, wie er sich Faina gegenüber verhält, entwickelt unglaublich gefährliche Verhaltensweisen, die die Beziehung zwischen den beiden zu sich immer wiederholenden toxischen Mustern ausdehnt und Faina, die eigentlich ein unglaublicher Freigeist ist von innen her aufzufassen scheint. "Geordnete Verhältnisse" ist aber auch so schwer und tut so weh, weil es so unglaublich nahe an seinen Figuren dran ist und man den Schmerz, die Wut und die Verzweiflung fast schon körperlich spüren kann. Und dann ist "Geordnete Verhältnisse" zu Ende, lässt dich klein und verzweifelt zurück, weil dich das Ende überrollt hat wie ein Lastwagen. Und weißt du, warum das so ist? Weil es die Realität ist. Unzählige Male spielen sich solche Geschichten wie von Faina und Philipp in der Realität ab. Sie nennen es nur anders, wollen anscheinend nicht wahr haben, was Männern Frauen antun können. Warum sollte dir "Geordnete Verhältnisse" eine falsche Vorstellung zeigen? Hier ist das, was passiert. So klar und deutlich, wie es nur möglich ist. Das hat "Geordnete Verhältnisse" mit mir gemacht. Etwas drüber zu schreiben und zu hoffen, dass es noch viele andere lesen werden. Denn "Geordnete Verhältnisse" ist vor allem das: wichtig.

Eine Geschichte die leider jeden Tag realen Geschehnissen gleicht.
Authentisch und schonungslos begleiten wir die Geschichte von Phillip und Faina und ihre dramatische Entwicklung. Ich konnte bereits ahnen, wohin sich der Roman entwickeln würde, war aber am Ende dennoch geschockt. Es ist traurig, dass es solche Geschichten über Kontrolle und Manipulation überhaupt geben muss, aber weil es Gewalt in toxischen Beziehungen jeglicher Art gibt, darf es kein Tabu sein, darüber zu sprechen. Trotz aller Vorurteile schafft es die Autorin Lana Lux uns die zwei Seiten einer toxischen Beziehung zu zeigen. Das Handeln der einen Person ist erschreckend, das Handeln der anderen Person, die sich der Kontrolle entzieht, bewundernswert und unfassbar reflektiert und stark.
„Eine Beziehungstat aus Leidenschaft, wird man später dazu sagen“ 💥
Ein sehr gutes Buch über ein so wichtiges Thema, welches in Medien, Nachrichten & unserer „geordneten Gesellschaft“ bislang zu wenig bis gar keine Aufmerksamkeit bekommt! Lana Lux nimmt den Leser mit auf die Reise von Phillip und Faina. Er, Sohn einer alleinerziehenden Alkoholikerin. Sie, das Mädchen aus der Ukraine, welches neu in die Klasse kommt. Man begleitet die beiden Protagonisten auf ihrem Werdegang - teils gemeinsam, Zeitweilen auch getrennt voneinander. Dabei schreibt die Autorin sowohl aus Phillips Sicht, als auch aus Fainas Perspektive. Es handelt von einer jahrelangen Freundschaft, welche sich jedoch mit den Jahren in eine immer obsessivere & toxische Richtung entwickelt und ein düsteres Ende nimmt. Eine schwere Thematik, keine Leichte Kost - und dennoch oder gerade deswegen ein so wichtiges und gutes Buch! (Triggerwarnung: psychische & physische Gewalt)

Ich bin heute an einem Tag durch dieses Buch durchgerauscht und schreibe das hier wenige Momente nachdem ich die letzten Worte gelesen habe. Uff. Das Buch ist genau so gut wie es schonungslos ist. In wechselnden Perspektiven erzahlt es die Geschichte von Philipp und Faina. Philipp wächst mit einer gewalttätigen alkoholkranken Mutter auf und hat in der Schule keine Freunde, als er Faina kennenlernt. Faina, die mit ihrer jüdisch-ukrainischen Familie nach Deutschland gekommen ist. Die Sie werden beste Freunde und wenn es nach Philipp gehen würde, würden sie ein Leben lang alles zusammen machen. Einige Jahre später, die Wege von Philipp und Faina haben sich vor einiger Zeit im Streit getrennt, ist Faina verschuldet, schwanger und weiß nicht wohin. In ihrer Not steht sie wieder vor der Tür von Philipp. Der sie sofort aufnimmt. Sich wenig später von seiner Freundin trennt, um wieder mit Faina zu leben. Gemeinsam ziehen die beiden nach Berlin und wollen Mara, die Tochter von Faina, dort gemeinsam als „Co-Parents" aufziehen. Doch immer mehr wird Philipps Handeln von Kontrollzwang, Aggressivität und unbändiger Wut bestimmt. Früh ahnt man, dass dies kein gutes Ende nehmen kann. Die Kapitel aus Sicht von Philipp sind schwer zu ertragen, weil mir seine Gedanken so fremd und so sehr zuwider sind. Aber auch Fainas Sicht ist sehr beklemmend. Daher ist es kein einfach zu lesendes, aber ein sehr bewegendes Buch.
Hinterlässt bleibende Eindrücke - sehr intelligent geschrieben
Ein faszinierendes Buch, dass sehr einfach ausgedrückt häusliche Gewalt behandelt (aber noch sehr viel mehr). Dabei versteht es die Autorin nicht in Klischees abzudriften und zeigt die Komplexität und Vielschichtigkeit dieser Thematik auf. Auslassungen und Sprünge in der Geschichte sind sehr schlau platziert, sodass die Leserschaft stets mitdenkt und die Dinge verknüpft. Bis fast am Schluss bleibt die Geschichte offen - alles könnte noch passieren. Um aber nicht zu spoilern soll hier nicht mehr verraten werden. Bin schwer beeindruckt von der Autorin - eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe!
Schockierend, erschütternd, brutal - aber vor allem wichtig und aktuell!
TW: Physische/Psychische Gewalt, Psychische Erkrankungen, Alkoholismus, Suizid, Abtreibung, Misogynie, Rassismus, ... Die Geschichte ist aus der Perspektive beider Protagonisten geschrieben - Faina und Philipp. Beide erzählen auf ihre Weise über ihre Vergangenheit, ihr Kennenlernen und ihre ungewöhnliche Liebe, wobei man hier keine Liebesgeschichte erwarten sollte. Die ersten zwei Drittel ziehen sich stellenweise etwas und wirken im Vergleich zum letzten Drittel jedoch eher nur wie eine lange, aber notwendige Einleitung für eine tragische Eskalation. Es ist erschreckend (und zugleich wahnsinnig gut und emotional beschrieben), über wie viele Jahre hinweg hier emotionale Abhängigkeit aufgebaut wird und in welchem Ausmaß das Ganze letzten Endes in Manipulation, Besessenheit und Gewalt endet. Von mir eine klare Leseempfehlung für diejenigen, die sich mit der Thematik beschäftigen möchten und die Augen nicht vor Dingen verschließen, die tagtäglich auf unserer Welt passieren.
























































