Fast ein Leben
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Description
Laure ist Doktorandin an der Sorbonne in Paris – selbstbewusst, charmant und rebellisch. Erica, die noch versucht herauszufinden, wer sie ist, entscheidet sich für einen Auslandsaufenthalt in Frankreich. Schon bei der ersten Begegnung vor Sacré-Cœur springt der Funke über, und die beiden beginnen eine Affäre, geprägt von Eifersucht und Anziehung.
Der Sommer vergeht, Erica und Laure verlieren sich aus den Augen, doch die Erinnerung an die gemeinsame Zeit bleibt und führt die beiden über vier Jahrzehnte hinweg immer wieder zueinander. Erica geht zurück nach England, heiratet, wird Mutter und ringt mit einer Schreibblockade, während Laure mit politischen Umbrüchen und persönlichen Herausforderungen zu kämpfen hat. Mit jeder erneuten Begegnung müssen sich die beiden Frauen die Frage stellen, ob sie sich damals richtig entschieden haben. Eine Geschichte über die Leben, die wir fast gelebt hätten.
Book Information
Author Description
Kiran Millwood Hargrave ist eine mehrfach ausgezeichnete Sunday Times-Bestsellerautorin von elf Büchern für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ihre Werke wurden in über dreißig Sprachen übersetzt, und Theater- sowie Filmadaptionen sind in Planung. Fast ein Leben ist ihr erster Roman, der bei Kein & Aber erscheint. Kiran Millwood Hargrave lebt mit ihrer Familie in Oxford.
Posts
Zwei Frauen, vierzig Jahre... Ein tolles Leseerlebnis!
"Fast ein Leben" von Kiran Millwood Hargrave ist ein recht ruhiger, aber auch sehr intensiver Roman, der mich sofort eingesogen hat. Paris 1978: Durch Zufall treffen sich Laure und Erica auf den Treppen vor Sacre-Coeur. Laure ist Französin und Doktorandin an der Sorbonne, Erica ist Engländerin und sich noch nicht ganz sicher über sich selbst. Deshalb hat sie sich zunächst für einen Aufenthalt in Paris entschieden. Sie weiß eigentlich nur, dass sie Schriftstellerin werden will. Zwischen den beiden Frauen funkt es, sie beginnen eine Beziehung. Das Wort Liebe fällt dabei nicht, wird nur gedacht. Am Ende des Sommers kehrt Erica nach England zurück. Die beiden Frauen verlieren den Kontakt, aber über vier Jahrzehnte begegnen sie sich immer wieder und fragen sich, ob sie damals in Paris eine andere Entscheidung hätten treffen sollen. In wunderbarer Sprache lässt uns Kiran Millwood Hargrave am Leben und den Gefühlen der beiden Frauen teilhaben. sie beschreibt alle Charaktere, auch die aus dem Umfeld, sehr eindrücklich. Wir lesen im Wechsel aus der Sicht von Laure und Erica. In einem Kapitel ist mir mal die eine der Frauen sehr sympathisch gewesen,, mal die andere das konnte aber im nächsten Kapitel schon wieder ganz anders sein, wie im richtigen Leben. Durch die wechselnden Perspektiven wird dieses Gefühl noch verstärkt. Während Erica an der Seite ihres erfolgreichen Ehemannes und mit ihren Kindern ein relativ ruhiges Leben führt, erleben wir mit Laure politische Umbrüche, Homosexualität, Aids, aber auch tiefe Freundschaften. Die beiden Frauen über 40 Jahre zu begleiten, war wirklich interessant und hat Spaß gemacht, mich aber auch zum Nachdenken gebracht. Eine großartige Zeitreise! Sprachlich hat mich eine Szene besonders fasziniert: Als Laure mit Erica die Ausstellung mit Bildern von Monet besucht, hatte ich wirklich den Eindruck, selbst vor diesen Gemälden zu stehen. Im Verlauf des Romans werden wir auch Monet immer wieder begegnen. Es ist kein Roman, den man so einfach mal durchliest und weglegt. Ich habe oft darüber nachgedacht, wie es mir wohl ergangen wäre, wenn ich im Verlauf meines Lebens einmal anders abgebogen wäre. Auch diese Frage stellt sich den beiden Hauptprotagonistinnen immer wieder neu. Ich kann diesen Roman wärmstens weiter empfehlen. Die Beschreibungen von Charakteren und Atmosphären lohnt auf jeden Fall, einen tieferen Blick in diesen Roman zu werfen! Für mich ein Highlight Volle 5 Sterne!
Salut, je suis ravie de vous rencontrer… und ich möchte dir heute ein sehr interessantes Buch vorstellen. Falls dein (Schul-)Französisch für diesen Satz ausreicht, wirst dir das Lesen im ersten Teil des Buches sehr gefallen… Falls nicht: du wirst das Buch auch so verstehen und fühlen. Die vielen kleinen französischen Sprachelemente dienen eher dazu, dass du sofort in das Geschehen der Handlung abtauchen wirst: Beginnen wir in Paris, 1978. Als die 18-jährige Erica aus England die hübsche, aber ältere Laure auf den Treppen vor Sacré-Cœur in Paris sitzen und lesen sieht - dasselbe Buch, das sie in ihrer eigenen Tasche trägt - kann sie gar nicht anders, als sie anzusprechen. Die Stadt der Liebe zwitschert ein bisschen klischeehaft nach der Liebe auf den ersten Blick, zwischen den beiden entwickelt sich schnell eine sehr enge, sinnliche Anziehung und sie geben sich während Ericas Aufenthalt in Frankreich komplett einander hin. Bis Erica nach ihrem Sommerabenteuer wieder zurück nach England geht… Die Wege der beiden trennen sich, ohne sich je ganz aus den Augen zu verlieren und kreuzen sich über die Jahre - bewusst und unbewusst - immer wieder. Die jungen Frauen können nicht ohne, aber auch erst recht nicht auf Dauer miteinander, sie leben und leiden in unterschiedliche Richtungen. Immer wieder führen Missverständnisse zu Brüchen. Diese Missverständnisse lassen sich aber auch kaum auf ihre sprachliche Barriere zurückzuführen, auch ihre Körper scheinen genau zu wissen, wen oder was sie wollen. Vielmehr sind es die unterschiedlichen Lebensphasen, die Bereitschaft zur Akzeptanz ihrer Sexualität sowie das Eingestehen ihrer Gefühle, die dem Miteinander wie eine Mauer im Wege zu stehen vermag. Dieser Verlauf der zwischenmenschlichen Beziehung und all ihren Wendungen und Herausforderungen hat mir beim Lesen gleichermaßen gefallen und mich stellenweise frustriert. Man möchte Laure und Erica ein bisschen „schütteln“, um ihnen die Augen zu Öffnen. Eine klassische Handlung mit märchenhaften Happy End sucht man hier vergebens und doch fiebert man nicht weniger mit jedem Wiedersehen der beiden mit. Zu Beginn des Buches werden Paris, aber auch die Handlung sehr bildlich, poetisch-romantisch, aber auch ein wenig rebellisch dargestellt. Die verklärten Bilder sind gespickt mit den oben erwähnten französischen sprachlichen Einwürfen und charmanten metaphorischen Sätzen und einem wundervollen Wortschatz. Auch insgesamt ist der Sprachstil des Buches sehr atmosphärisch und beim Lesen fällt es gedanklich leicht, sich selbst mit den Protagonistinnen in das Café zu setzen und ein bisschen ihrer Gespräche dabei zu sein. Im Verlauf des Buches ändern sich Sprach- und Erzählstil gemeinsam mit der Handlung und werden glatter, ja.. erwachsener, verlieren dafür aber auch an anfänglicher Oberflächlichkeit und gewinnen an Tiefe aber auch an Distanz. Wenn ich mich in eine der Zeiten „hineinbeamen“ könnte, würde ich das rebellische Paris der frühen Handlung dem erwachseneren Norfolk vorziehen. Das Ende des Buches hat mich ein wenig verblüfft - aber auch einige Tage nachdem ich das Buch beendet habe, wüsste ich dennoch nicht, wie das Buch hätte besser enden sollen, ohne den Bogen zum unkonventionellen Beginn - zurück nach Paris - schlagen zu können. Die Geschichte der beiden Frauen bleibt rund, auch wenn meine Gefühle beim Lesen ein wenig auf die Probe gestellt worden sind. Side Fact: Erica und Laure lesen selbst viele Bücher. Kaum eines davon war mir vorher bekannt, das ein oder andere ist nun aber vielleicht doch in meiner Wunschbibliothek gelandet. Alors… bis zum nächsten Buch. Ravie!

Eine berührende Geschichte über das "Was wäre gewesen, wenn..." 💔
Wir begleiten Laure und Erica, zwei Frauen, wie sie zunächst unterschiedlicher nicht sein könnten, sich aber in einem schicksalhaften Sommer in Paris trotz allem Hals über Kopf ineinander verlieben. Wir begleiten die beiden dann über mehrere Jahrzehnte hinweg dabei, wie sie sich getrennt voneinander ihre Leben aufbauen, am Ende aber nie wirklich voneinander loskommen. Ihre Wege kreuzen sich dabei immer wieder und es schwingt permanent die Frage mit "Was wäre gewesen, wenn wir uns doch füreinander entschieden hätten?". Ich habe gar nicht viel erwartet und dafür umso mehr bekommen! Die Geschichte von Laure und Erica hat mich so gefesselt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Auch wenn stellenweise gefühlt überhaupt nicht viel passiert und die Leben der beiden sich einfach ganz "normal" entwickeln, wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht. Die Begegnungen der beiden haben in mir alle möglichen Gefühle geweckt, über Widerstand zu Mitgefühl, bis hin zu Unverständnis und komplette Empathie für die Situation. Dabei empfand ich die Stimmung oft als melancholisch und teilweise so endgültig, dass es mich tief getroffen hat. Eine sehr realistische Darstellung einer Liebe, die wahrscheinlich von Anfang an keine wirkliche Chance hatte, auch wenn man sich das unbedingt gewünscht hätte. Das Ende hat mich so traurig gemacht, dass ich wirklich in Tränen aufgelöst war. Dieses Buch wird mich bestimmt noch einige Zeit beschäftigen, für mich definitiv ein absolutes Highlight!

Zart und schmerzhaft schön
Fast ein Leben ist eines dieser Bücher, die sich nicht laut in den Vordergrund drängen und einen trotzdem vollkommen einnehmen. Die Geschichte zweier Frauen, die sich 1978 in Paris begegnen, sich lieben und doch nie wirklich zur selben Zeit am selben Ort im Leben ankommen, ist von einer unglaublichen Zärtlichkeit erzählt. Obwohl sie unterschiedlicher kaum sein könnten, verbindet sie etwas, das selbst Jahrzehnte und verpasste Chancen nicht auflösen können: die Frage nach dem „Was wäre wenn?“. Was wäre gewesen, hätten sie mutiger gehandelt, sich füreinander entschieden, ihrem Gefühl vertraut? Besonders beeindruckend ist die feine, fast schwebende Sprache des Romans. Sie schafft es, selbst die leisen Momente voller Intensität wirken zu lassen. Man begleitet die beiden Frauen nicht einfach nur durch ihr Leben – man fühlt sich, als hätte man all die Jahre selbst mit ihnen verbracht, ihre Sehnsucht geteilt, ihre Entscheidungen verstanden und ihre Verluste mitgetragen. Das Buch nimmt sich Zeit, manchmal vielleicht sogar ein wenig zu viel, doch durch die poetische Erzählweise fühlen sich diese ruhigeren Passagen nie wirklich wie Längen an. Stattdessen geben sie den Figuren Raum zum Atmen und machen ihre Geschichte umso glaubwürdiger. Und genau deshalb trifft einen das Ende so tief. Der Abschied von den beiden fällt unheimlich schwer, weil sie einem über die Seiten hinweg so vertraut geworden sind. Man klappt das Buch zu und bleibt noch lange mit diesem bittersüßen Gefühl zurück – traurig, dankbar und voller Gedanken darüber, wie sehr eine einzige andere Entscheidung ein Leben hätte verändern können.

Du bist das Metronom für den Takt in meiner Brust
„Das Leben zieht in Streifen von Licht vorbei am Gesicht. Jeden Tag verlieb ich mich neu. Es sieht aus als wenn es nie wieder klappt. Dann sind wir wieder im Takt. Jeden Tag verlieb ich mich neu.“ Friedrich Kautz (Prinz Pi): „Ballade für Jojo“, auf: Im Westen nix Neues, Keine Liebe Records, 2016 _________ Mit „Fast ein Leben“ nimmt uns Kiran Millwood Hargrave mit ins Frankreich der 1970er Jahre: auf die Stufen von Sacré-Cœur, in die Straßen von Paris und in zwei Leben, die beinahe ein gemeinsames geworden wären. Vor uns entfaltet sich die Geschichte zweier Frauen: Erica, eine Touristin aus England, auf der Suche nach dem Beginn ihres eigenen Lebens. Und Laure, Parisienne, unangepasst, wild und so rau wie das Paris dieser Zeit, geprägt vom Zeitgeist und den Umbrüchen einer ganzen Generation. Die beiden wirken dabei wie ein Metronom: Mal schlagen sie im gleichen Takt, finden zueinander und scheinen endlich synchron zu sein, dann geraten sie wieder aus dem Rhythmus, verlieren sich und verpassen den richtigen Moment. Das, was sie füreinander empfinden, bleibt über Jahrzehnte unausgesprochen. Die Autorin erweckt ihre Figuren eindrucksvoll zum Leben. Durch intensive Dialoge, innere Monologe und große Emotionen entsteht ein detailreiches Bild, das zugleich die politische und gesellschaftliche Realität der queeren Szene Frankreichs einfängt: Homophobie, die AIDS-Krise und den langen Weg hin zur gesellschaftlichen und rechtlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Liebe. Dabei bleiben nicht nur Erica und Laure im Mittelpunkt. Auch die Nebenfiguren bekommen Raum und Bedeutung. Sie prägen die Entwicklung der beiden Frauen, beeinflussen ihre Entscheidungen und verweben sich spürbar mit ihrer Geschichte. „Fast ein Leben“ erzählt davon, wie das Leben uns manchmal einfach passiert: von verpassten Chancen, Feigheit und Bequemlichkeit, aber auch von Mut, Selbstermächtigung und Erinnerungen, die uns tragen können. Wenn ihr wissen wollt, ob Ericas und Laures Leben am Ende wieder im gleichen Takt schlagen, ob sie es schaffen, sich wirklich und wahrhaftig zu begegnen, dann solltet ihr dieses Buch selbst lesen.

Schon bei ihrer ersten Begegnung auf den Stufen vor Sacré-Cœur sind Laure und Erica fasziniert voneinander. Laure ist Doktorandin an der Sobonne, Erica hat gerade ihr Abitur geschrieben und macht einen Auslandsaufenthalt in Paris vor ihrem Studium in England. Sie beginnen eine Beziehung, obwohl doch so viel dagegen spricht: ihr Altersunterschied, ihre verschiedenen Lebensweisen, Ericas Aufenthalt in Paris auf Zeit. Ihre Liebe wird über vier Jahrzehnte andauern und ist geprägt von Was-wäre-wenns, Sehn- und Eifersucht. Wer Bücher wie "Die Optimisten" von Rebecca Makkai oder auch "Lichte Tage" von Sarah Winman mochte, wird "Fast ein Leben" von Kiran Milwood Hargrave sicher auch sehr gerne lesen! Die Autorin erzählt eine queere Liebesgeschichte über vier Jahrzehnte hinweg mit ganz viel Paris-Flair und einem Gespür für Literatur und Kunst. Dabei schafft sie mit Laure und Erica zwei sehr unterschiedliche Charaktere, die sich gegenseitig anziehen wie Magnete, aber trotzdem nicht für ein Leben miteinander gemacht zu sein scheinen. "Fast ein Leben" steckt voller Emotionen und Herzschmerz, denn Laure und Erica verletzen mit ihrem Verhalten oft nicht nur einander, sondern auch ihre Mitmenschen, die selbst die Päckchen der Zeit zu tragen haben. Während Laure mit ihrer Gesundheit hadert, steckt Erica als bisexuelle Frau in einer heterosexuellen Beziehung (fest), mit all den Erwartungen, die damit einher gehen. Ich habe das Buch gerne gelesen, vor allem das Ende fand ich stark und hat mich sehr berührt. Allerdings fiel das erste Kennenlernen von Laure und Erica für meinen Geschmack etwas zu lange aus, hier hätte die Story für mich ein bisschen komprimierter sein dürfen. Ich empfehle den Roman allen, die sich auf eine ausschweifende Liebesgeschichte mit Tiefgang und historischem Setting einlassen möchten. Übersetzt von Gabriele Werbeck und Andrea Stumpf.

Intensiver & schmerzhafter Roman über Liebe & Identität & darüber, wie sehr uns Entscheidungen ein Leben lang prägen.
Kiran Millwood Hargrave erzählt in "Fast ein Leben" (Übersetzung: Gabriele Werbeck & Andrea Stumpf, erschienen am 11.5.2026 bei Kein & Aber) über vier Jahrzehnte die Geschichte von Erica und Laure, deren Leben sich zwischen Paris, Literatur, Beziehungen und Selbstsuche immer wieder kreuzen. Der Fokus des Romans liegt stark auf der emotionalen Innenwelt, Körperlichkeit und Erinnerung. Es geht um eine queere Beziehung, die nie ganz Vergangenheit wird und um die Frage, wie viel Leben man gleichzeitig leben kann, ohne sich selbst zu verlieren. Meine Meinung Dieses Buch hat mich wirklich kalt erwischt und etwas in mir ausgelöst, das ich so nicht erwartet habe. Es ist kein leichter Roman, sondern einer, der sich in Gedanken, Körper und Erinnerung festsetzt. (Queeres) Begehren und emotionale Abhängigkeiten werden schonungslos und sehr bildhaft erzählt, ohne jemals romantisiert zu werden. Die Protagonistinnen Laure und Erica sind dabei keine „einfachen“ Figuren. Sie lieben, verletzen, kontrollieren und verlieren sich immer wieder ineinander und in sich selbst. Besonders wichtig fand ich, dass Queerness hier nicht als reine Identitätsfrage erzählt wird, sondern als etwas Fluides, das sich durch Zeit, Angst und gesellschaftliche Erwartungen ständig verschiebt. Der Roman stellt große Gefühle neben alltägliche, fast beiläufige Momente. Liebe, Freundschaft, Verlust – alles liegt hier dicht nebeneinander, ohne klar voneinander getrennt zu sein. Genau so fühlt sich Leben an. Besonders die Freundschaften zwischen den Figuren, dieses fragile Gleichgewicht aus Nähe, Loyalität und leisen Brüchen, haben mich sehr berührt. Und immer wieder schwingt der historische Kontext mit – die Auseinandersetzung mit Krankheit, Verlust und der AIDS-Krise als emotionale und gesellschaftliche Hintergrundfolie. Gleichzeitig zeigt der Roman, wie stark Begehren und Macht miteinander verwoben sind. In den dargestellten Beziehungen wird Liebe nie nur als etwas Schönes erzählt, sondern auch als etwas, das verletzen, kontrollieren und verunsichern kann. Sehr eindrücklich sind die Momente, in denen weibliche Körper permanent beobachtet, bewertet oder beansprucht werden und Nähe und Kontrolle kaum mehr voneinander zu trennen sind. Und genau darin liegt für mich die Wucht des Romans: dass Liebe nie nur Liebe ist. Dass sie sich vermischt mit Angst, Erinnerung, Identität und der Frage, wer man eigentlich ist, wenn man den Blick der anderen einmal abzieht. Besonders dieser Gedanke hat sich festgesetzt: „Ich liebe sie. Aber ich vermisse mich selbst.“ (S. 290). Das ist vielleicht der ehrlichste Satz des ganzen Buches. Der Roman bleibt dabei bewusst unbequem. Er zeigt toxische Dynamiken, ohne sie zu glätten, und lässt Figuren Entscheidungen treffen, die weh tun – ihnen selbst und einem als Leser:in auch. Ich habe am Ende wirklich Rotz und Wasser geheult, weil es so traurig und gleichzeitig so schön erzählt ist. Und genau das macht das Buch so stark. Fazit "Fast ein Leben" ist ein intensiver, anspruchsvoller Roman über Liebe, Begehren und die Frage, ob man mehrere Leben gleichzeitig führen kann – oder daran zerbricht. Für alle, die queere Literatur, komplexe Figuren und emotionale Tiefe mögen, ist dieses Buch ein Volltreffer. Für mich ganz klar ein Jahreshighlight. Vielen Dank an den Kein & Aber Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar.
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Laure ist Doktorandin an der Sorbonne in Paris – selbstbewusst, charmant und rebellisch. Erica, die noch versucht herauszufinden, wer sie ist, entscheidet sich für einen Auslandsaufenthalt in Frankreich. Schon bei der ersten Begegnung vor Sacré-Cœur springt der Funke über, und die beiden beginnen eine Affäre, geprägt von Eifersucht und Anziehung.
Der Sommer vergeht, Erica und Laure verlieren sich aus den Augen, doch die Erinnerung an die gemeinsame Zeit bleibt und führt die beiden über vier Jahrzehnte hinweg immer wieder zueinander. Erica geht zurück nach England, heiratet, wird Mutter und ringt mit einer Schreibblockade, während Laure mit politischen Umbrüchen und persönlichen Herausforderungen zu kämpfen hat. Mit jeder erneuten Begegnung müssen sich die beiden Frauen die Frage stellen, ob sie sich damals richtig entschieden haben. Eine Geschichte über die Leben, die wir fast gelebt hätten.
Book Information
Author Description
Kiran Millwood Hargrave ist eine mehrfach ausgezeichnete Sunday Times-Bestsellerautorin von elf Büchern für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ihre Werke wurden in über dreißig Sprachen übersetzt, und Theater- sowie Filmadaptionen sind in Planung. Fast ein Leben ist ihr erster Roman, der bei Kein & Aber erscheint. Kiran Millwood Hargrave lebt mit ihrer Familie in Oxford.
Posts
Zwei Frauen, vierzig Jahre... Ein tolles Leseerlebnis!
"Fast ein Leben" von Kiran Millwood Hargrave ist ein recht ruhiger, aber auch sehr intensiver Roman, der mich sofort eingesogen hat. Paris 1978: Durch Zufall treffen sich Laure und Erica auf den Treppen vor Sacre-Coeur. Laure ist Französin und Doktorandin an der Sorbonne, Erica ist Engländerin und sich noch nicht ganz sicher über sich selbst. Deshalb hat sie sich zunächst für einen Aufenthalt in Paris entschieden. Sie weiß eigentlich nur, dass sie Schriftstellerin werden will. Zwischen den beiden Frauen funkt es, sie beginnen eine Beziehung. Das Wort Liebe fällt dabei nicht, wird nur gedacht. Am Ende des Sommers kehrt Erica nach England zurück. Die beiden Frauen verlieren den Kontakt, aber über vier Jahrzehnte begegnen sie sich immer wieder und fragen sich, ob sie damals in Paris eine andere Entscheidung hätten treffen sollen. In wunderbarer Sprache lässt uns Kiran Millwood Hargrave am Leben und den Gefühlen der beiden Frauen teilhaben. sie beschreibt alle Charaktere, auch die aus dem Umfeld, sehr eindrücklich. Wir lesen im Wechsel aus der Sicht von Laure und Erica. In einem Kapitel ist mir mal die eine der Frauen sehr sympathisch gewesen,, mal die andere das konnte aber im nächsten Kapitel schon wieder ganz anders sein, wie im richtigen Leben. Durch die wechselnden Perspektiven wird dieses Gefühl noch verstärkt. Während Erica an der Seite ihres erfolgreichen Ehemannes und mit ihren Kindern ein relativ ruhiges Leben führt, erleben wir mit Laure politische Umbrüche, Homosexualität, Aids, aber auch tiefe Freundschaften. Die beiden Frauen über 40 Jahre zu begleiten, war wirklich interessant und hat Spaß gemacht, mich aber auch zum Nachdenken gebracht. Eine großartige Zeitreise! Sprachlich hat mich eine Szene besonders fasziniert: Als Laure mit Erica die Ausstellung mit Bildern von Monet besucht, hatte ich wirklich den Eindruck, selbst vor diesen Gemälden zu stehen. Im Verlauf des Romans werden wir auch Monet immer wieder begegnen. Es ist kein Roman, den man so einfach mal durchliest und weglegt. Ich habe oft darüber nachgedacht, wie es mir wohl ergangen wäre, wenn ich im Verlauf meines Lebens einmal anders abgebogen wäre. Auch diese Frage stellt sich den beiden Hauptprotagonistinnen immer wieder neu. Ich kann diesen Roman wärmstens weiter empfehlen. Die Beschreibungen von Charakteren und Atmosphären lohnt auf jeden Fall, einen tieferen Blick in diesen Roman zu werfen! Für mich ein Highlight Volle 5 Sterne!
Salut, je suis ravie de vous rencontrer… und ich möchte dir heute ein sehr interessantes Buch vorstellen. Falls dein (Schul-)Französisch für diesen Satz ausreicht, wirst dir das Lesen im ersten Teil des Buches sehr gefallen… Falls nicht: du wirst das Buch auch so verstehen und fühlen. Die vielen kleinen französischen Sprachelemente dienen eher dazu, dass du sofort in das Geschehen der Handlung abtauchen wirst: Beginnen wir in Paris, 1978. Als die 18-jährige Erica aus England die hübsche, aber ältere Laure auf den Treppen vor Sacré-Cœur in Paris sitzen und lesen sieht - dasselbe Buch, das sie in ihrer eigenen Tasche trägt - kann sie gar nicht anders, als sie anzusprechen. Die Stadt der Liebe zwitschert ein bisschen klischeehaft nach der Liebe auf den ersten Blick, zwischen den beiden entwickelt sich schnell eine sehr enge, sinnliche Anziehung und sie geben sich während Ericas Aufenthalt in Frankreich komplett einander hin. Bis Erica nach ihrem Sommerabenteuer wieder zurück nach England geht… Die Wege der beiden trennen sich, ohne sich je ganz aus den Augen zu verlieren und kreuzen sich über die Jahre - bewusst und unbewusst - immer wieder. Die jungen Frauen können nicht ohne, aber auch erst recht nicht auf Dauer miteinander, sie leben und leiden in unterschiedliche Richtungen. Immer wieder führen Missverständnisse zu Brüchen. Diese Missverständnisse lassen sich aber auch kaum auf ihre sprachliche Barriere zurückzuführen, auch ihre Körper scheinen genau zu wissen, wen oder was sie wollen. Vielmehr sind es die unterschiedlichen Lebensphasen, die Bereitschaft zur Akzeptanz ihrer Sexualität sowie das Eingestehen ihrer Gefühle, die dem Miteinander wie eine Mauer im Wege zu stehen vermag. Dieser Verlauf der zwischenmenschlichen Beziehung und all ihren Wendungen und Herausforderungen hat mir beim Lesen gleichermaßen gefallen und mich stellenweise frustriert. Man möchte Laure und Erica ein bisschen „schütteln“, um ihnen die Augen zu Öffnen. Eine klassische Handlung mit märchenhaften Happy End sucht man hier vergebens und doch fiebert man nicht weniger mit jedem Wiedersehen der beiden mit. Zu Beginn des Buches werden Paris, aber auch die Handlung sehr bildlich, poetisch-romantisch, aber auch ein wenig rebellisch dargestellt. Die verklärten Bilder sind gespickt mit den oben erwähnten französischen sprachlichen Einwürfen und charmanten metaphorischen Sätzen und einem wundervollen Wortschatz. Auch insgesamt ist der Sprachstil des Buches sehr atmosphärisch und beim Lesen fällt es gedanklich leicht, sich selbst mit den Protagonistinnen in das Café zu setzen und ein bisschen ihrer Gespräche dabei zu sein. Im Verlauf des Buches ändern sich Sprach- und Erzählstil gemeinsam mit der Handlung und werden glatter, ja.. erwachsener, verlieren dafür aber auch an anfänglicher Oberflächlichkeit und gewinnen an Tiefe aber auch an Distanz. Wenn ich mich in eine der Zeiten „hineinbeamen“ könnte, würde ich das rebellische Paris der frühen Handlung dem erwachseneren Norfolk vorziehen. Das Ende des Buches hat mich ein wenig verblüfft - aber auch einige Tage nachdem ich das Buch beendet habe, wüsste ich dennoch nicht, wie das Buch hätte besser enden sollen, ohne den Bogen zum unkonventionellen Beginn - zurück nach Paris - schlagen zu können. Die Geschichte der beiden Frauen bleibt rund, auch wenn meine Gefühle beim Lesen ein wenig auf die Probe gestellt worden sind. Side Fact: Erica und Laure lesen selbst viele Bücher. Kaum eines davon war mir vorher bekannt, das ein oder andere ist nun aber vielleicht doch in meiner Wunschbibliothek gelandet. Alors… bis zum nächsten Buch. Ravie!

Eine berührende Geschichte über das "Was wäre gewesen, wenn..." 💔
Wir begleiten Laure und Erica, zwei Frauen, wie sie zunächst unterschiedlicher nicht sein könnten, sich aber in einem schicksalhaften Sommer in Paris trotz allem Hals über Kopf ineinander verlieben. Wir begleiten die beiden dann über mehrere Jahrzehnte hinweg dabei, wie sie sich getrennt voneinander ihre Leben aufbauen, am Ende aber nie wirklich voneinander loskommen. Ihre Wege kreuzen sich dabei immer wieder und es schwingt permanent die Frage mit "Was wäre gewesen, wenn wir uns doch füreinander entschieden hätten?". Ich habe gar nicht viel erwartet und dafür umso mehr bekommen! Die Geschichte von Laure und Erica hat mich so gefesselt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Auch wenn stellenweise gefühlt überhaupt nicht viel passiert und die Leben der beiden sich einfach ganz "normal" entwickeln, wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht. Die Begegnungen der beiden haben in mir alle möglichen Gefühle geweckt, über Widerstand zu Mitgefühl, bis hin zu Unverständnis und komplette Empathie für die Situation. Dabei empfand ich die Stimmung oft als melancholisch und teilweise so endgültig, dass es mich tief getroffen hat. Eine sehr realistische Darstellung einer Liebe, die wahrscheinlich von Anfang an keine wirkliche Chance hatte, auch wenn man sich das unbedingt gewünscht hätte. Das Ende hat mich so traurig gemacht, dass ich wirklich in Tränen aufgelöst war. Dieses Buch wird mich bestimmt noch einige Zeit beschäftigen, für mich definitiv ein absolutes Highlight!

Zart und schmerzhaft schön
Fast ein Leben ist eines dieser Bücher, die sich nicht laut in den Vordergrund drängen und einen trotzdem vollkommen einnehmen. Die Geschichte zweier Frauen, die sich 1978 in Paris begegnen, sich lieben und doch nie wirklich zur selben Zeit am selben Ort im Leben ankommen, ist von einer unglaublichen Zärtlichkeit erzählt. Obwohl sie unterschiedlicher kaum sein könnten, verbindet sie etwas, das selbst Jahrzehnte und verpasste Chancen nicht auflösen können: die Frage nach dem „Was wäre wenn?“. Was wäre gewesen, hätten sie mutiger gehandelt, sich füreinander entschieden, ihrem Gefühl vertraut? Besonders beeindruckend ist die feine, fast schwebende Sprache des Romans. Sie schafft es, selbst die leisen Momente voller Intensität wirken zu lassen. Man begleitet die beiden Frauen nicht einfach nur durch ihr Leben – man fühlt sich, als hätte man all die Jahre selbst mit ihnen verbracht, ihre Sehnsucht geteilt, ihre Entscheidungen verstanden und ihre Verluste mitgetragen. Das Buch nimmt sich Zeit, manchmal vielleicht sogar ein wenig zu viel, doch durch die poetische Erzählweise fühlen sich diese ruhigeren Passagen nie wirklich wie Längen an. Stattdessen geben sie den Figuren Raum zum Atmen und machen ihre Geschichte umso glaubwürdiger. Und genau deshalb trifft einen das Ende so tief. Der Abschied von den beiden fällt unheimlich schwer, weil sie einem über die Seiten hinweg so vertraut geworden sind. Man klappt das Buch zu und bleibt noch lange mit diesem bittersüßen Gefühl zurück – traurig, dankbar und voller Gedanken darüber, wie sehr eine einzige andere Entscheidung ein Leben hätte verändern können.

Du bist das Metronom für den Takt in meiner Brust
„Das Leben zieht in Streifen von Licht vorbei am Gesicht. Jeden Tag verlieb ich mich neu. Es sieht aus als wenn es nie wieder klappt. Dann sind wir wieder im Takt. Jeden Tag verlieb ich mich neu.“ Friedrich Kautz (Prinz Pi): „Ballade für Jojo“, auf: Im Westen nix Neues, Keine Liebe Records, 2016 _________ Mit „Fast ein Leben“ nimmt uns Kiran Millwood Hargrave mit ins Frankreich der 1970er Jahre: auf die Stufen von Sacré-Cœur, in die Straßen von Paris und in zwei Leben, die beinahe ein gemeinsames geworden wären. Vor uns entfaltet sich die Geschichte zweier Frauen: Erica, eine Touristin aus England, auf der Suche nach dem Beginn ihres eigenen Lebens. Und Laure, Parisienne, unangepasst, wild und so rau wie das Paris dieser Zeit, geprägt vom Zeitgeist und den Umbrüchen einer ganzen Generation. Die beiden wirken dabei wie ein Metronom: Mal schlagen sie im gleichen Takt, finden zueinander und scheinen endlich synchron zu sein, dann geraten sie wieder aus dem Rhythmus, verlieren sich und verpassen den richtigen Moment. Das, was sie füreinander empfinden, bleibt über Jahrzehnte unausgesprochen. Die Autorin erweckt ihre Figuren eindrucksvoll zum Leben. Durch intensive Dialoge, innere Monologe und große Emotionen entsteht ein detailreiches Bild, das zugleich die politische und gesellschaftliche Realität der queeren Szene Frankreichs einfängt: Homophobie, die AIDS-Krise und den langen Weg hin zur gesellschaftlichen und rechtlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Liebe. Dabei bleiben nicht nur Erica und Laure im Mittelpunkt. Auch die Nebenfiguren bekommen Raum und Bedeutung. Sie prägen die Entwicklung der beiden Frauen, beeinflussen ihre Entscheidungen und verweben sich spürbar mit ihrer Geschichte. „Fast ein Leben“ erzählt davon, wie das Leben uns manchmal einfach passiert: von verpassten Chancen, Feigheit und Bequemlichkeit, aber auch von Mut, Selbstermächtigung und Erinnerungen, die uns tragen können. Wenn ihr wissen wollt, ob Ericas und Laures Leben am Ende wieder im gleichen Takt schlagen, ob sie es schaffen, sich wirklich und wahrhaftig zu begegnen, dann solltet ihr dieses Buch selbst lesen.

Schon bei ihrer ersten Begegnung auf den Stufen vor Sacré-Cœur sind Laure und Erica fasziniert voneinander. Laure ist Doktorandin an der Sobonne, Erica hat gerade ihr Abitur geschrieben und macht einen Auslandsaufenthalt in Paris vor ihrem Studium in England. Sie beginnen eine Beziehung, obwohl doch so viel dagegen spricht: ihr Altersunterschied, ihre verschiedenen Lebensweisen, Ericas Aufenthalt in Paris auf Zeit. Ihre Liebe wird über vier Jahrzehnte andauern und ist geprägt von Was-wäre-wenns, Sehn- und Eifersucht. Wer Bücher wie "Die Optimisten" von Rebecca Makkai oder auch "Lichte Tage" von Sarah Winman mochte, wird "Fast ein Leben" von Kiran Milwood Hargrave sicher auch sehr gerne lesen! Die Autorin erzählt eine queere Liebesgeschichte über vier Jahrzehnte hinweg mit ganz viel Paris-Flair und einem Gespür für Literatur und Kunst. Dabei schafft sie mit Laure und Erica zwei sehr unterschiedliche Charaktere, die sich gegenseitig anziehen wie Magnete, aber trotzdem nicht für ein Leben miteinander gemacht zu sein scheinen. "Fast ein Leben" steckt voller Emotionen und Herzschmerz, denn Laure und Erica verletzen mit ihrem Verhalten oft nicht nur einander, sondern auch ihre Mitmenschen, die selbst die Päckchen der Zeit zu tragen haben. Während Laure mit ihrer Gesundheit hadert, steckt Erica als bisexuelle Frau in einer heterosexuellen Beziehung (fest), mit all den Erwartungen, die damit einher gehen. Ich habe das Buch gerne gelesen, vor allem das Ende fand ich stark und hat mich sehr berührt. Allerdings fiel das erste Kennenlernen von Laure und Erica für meinen Geschmack etwas zu lange aus, hier hätte die Story für mich ein bisschen komprimierter sein dürfen. Ich empfehle den Roman allen, die sich auf eine ausschweifende Liebesgeschichte mit Tiefgang und historischem Setting einlassen möchten. Übersetzt von Gabriele Werbeck und Andrea Stumpf.

Intensiver & schmerzhafter Roman über Liebe & Identität & darüber, wie sehr uns Entscheidungen ein Leben lang prägen.
Kiran Millwood Hargrave erzählt in "Fast ein Leben" (Übersetzung: Gabriele Werbeck & Andrea Stumpf, erschienen am 11.5.2026 bei Kein & Aber) über vier Jahrzehnte die Geschichte von Erica und Laure, deren Leben sich zwischen Paris, Literatur, Beziehungen und Selbstsuche immer wieder kreuzen. Der Fokus des Romans liegt stark auf der emotionalen Innenwelt, Körperlichkeit und Erinnerung. Es geht um eine queere Beziehung, die nie ganz Vergangenheit wird und um die Frage, wie viel Leben man gleichzeitig leben kann, ohne sich selbst zu verlieren. Meine Meinung Dieses Buch hat mich wirklich kalt erwischt und etwas in mir ausgelöst, das ich so nicht erwartet habe. Es ist kein leichter Roman, sondern einer, der sich in Gedanken, Körper und Erinnerung festsetzt. (Queeres) Begehren und emotionale Abhängigkeiten werden schonungslos und sehr bildhaft erzählt, ohne jemals romantisiert zu werden. Die Protagonistinnen Laure und Erica sind dabei keine „einfachen“ Figuren. Sie lieben, verletzen, kontrollieren und verlieren sich immer wieder ineinander und in sich selbst. Besonders wichtig fand ich, dass Queerness hier nicht als reine Identitätsfrage erzählt wird, sondern als etwas Fluides, das sich durch Zeit, Angst und gesellschaftliche Erwartungen ständig verschiebt. Der Roman stellt große Gefühle neben alltägliche, fast beiläufige Momente. Liebe, Freundschaft, Verlust – alles liegt hier dicht nebeneinander, ohne klar voneinander getrennt zu sein. Genau so fühlt sich Leben an. Besonders die Freundschaften zwischen den Figuren, dieses fragile Gleichgewicht aus Nähe, Loyalität und leisen Brüchen, haben mich sehr berührt. Und immer wieder schwingt der historische Kontext mit – die Auseinandersetzung mit Krankheit, Verlust und der AIDS-Krise als emotionale und gesellschaftliche Hintergrundfolie. Gleichzeitig zeigt der Roman, wie stark Begehren und Macht miteinander verwoben sind. In den dargestellten Beziehungen wird Liebe nie nur als etwas Schönes erzählt, sondern auch als etwas, das verletzen, kontrollieren und verunsichern kann. Sehr eindrücklich sind die Momente, in denen weibliche Körper permanent beobachtet, bewertet oder beansprucht werden und Nähe und Kontrolle kaum mehr voneinander zu trennen sind. Und genau darin liegt für mich die Wucht des Romans: dass Liebe nie nur Liebe ist. Dass sie sich vermischt mit Angst, Erinnerung, Identität und der Frage, wer man eigentlich ist, wenn man den Blick der anderen einmal abzieht. Besonders dieser Gedanke hat sich festgesetzt: „Ich liebe sie. Aber ich vermisse mich selbst.“ (S. 290). Das ist vielleicht der ehrlichste Satz des ganzen Buches. Der Roman bleibt dabei bewusst unbequem. Er zeigt toxische Dynamiken, ohne sie zu glätten, und lässt Figuren Entscheidungen treffen, die weh tun – ihnen selbst und einem als Leser:in auch. Ich habe am Ende wirklich Rotz und Wasser geheult, weil es so traurig und gleichzeitig so schön erzählt ist. Und genau das macht das Buch so stark. Fazit "Fast ein Leben" ist ein intensiver, anspruchsvoller Roman über Liebe, Begehren und die Frage, ob man mehrere Leben gleichzeitig führen kann – oder daran zerbricht. Für alle, die queere Literatur, komplexe Figuren und emotionale Tiefe mögen, ist dieses Buch ein Volltreffer. Für mich ganz klar ein Jahreshighlight. Vielen Dank an den Kein & Aber Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar.












