Eva schläft
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Book Information
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Zäh
„Eva schläft“ sind zwei Geschichten in einem Buch. Einerseits Evas persönliche Geschichte in der ICH-Form erzählt. Andererseits die Geschichte ihrer Familie seit Südtirol Italien nach dem ersten Weltkrieg zugeschlagen wurde, erzählt aus der distanzierteren Perspektive einer Erzählerin. Beide Geschichten wechseln sich ab und kommen erst am Ende zusammen. So wird man immer wieder aus einer Geschichte gerissen und muss in die andere wieder eintauchen. Was die Lektüre zäh macht. Inhaltlich ist es eine sehr interessante Darstellung der Südtiroler Geschichte seit 1918 und ihre ganz konkreten Folgen.
Anders als das Cover vermuten lässt, ist "Eva schläft" (Original 2010, dt. Übersetzung von Bruno Genzler 2011) der italienischen Schriftstellerin Francesca Melandri weder ein Thriller noch ein Liebesroman - jedenfalls nicht in erster Linie. Vielmehr erzählt der Roman anhand fiktiver Figuren die Geschichte Südtirols im 20. Jahrhundert. Die Protagonistin Eva ist in Südtirol aufgewachsen und Anfang 40, als sie einen Anruf aus Sizilien erhält. Die Person, die am ehesten ein Vater für sie war, liegt im Sterben. Sie begibt sich auf eine lange Zugfahrt und während wir mit Eva die Landschaft Italiens erkunden, lesen wir von den historischen Ereignissen, die sie und die Menschen in ihrem Umfeld vor allem in den 1960er und 70er Jahren erlebt haben. Südtirol (italienisch: Alto Adige) ist heute die nördlichste Provinz Italiens, genießt aber weitgehende Selbstverwaltungsrechte. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das bis dahin zu Österreich-Ungarn gehörende Südtirol italienisches Staatsgebiet. Dies führte zu Repressionen gegen die mehrheitlich deutschsprachige Bevölkerung. Die antiitalienische Stimmung in der Bevölkerung und die Repressionen des italienischen Staates eskalierten ab den 1950er Jahren; es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen und Attentaten. Melandri beschreibt die verhärteten Fronten, die auf individueller Ebene Gräben zwischen den Menschen aufrissen, die bis heute nachwirken. Nicht warm geworden bin ich mit den Beschreibungen der Protagonist*innen. Immer wieder werden Frauen* eingeführt, indem im Detail ihre Körper und ihre Wirkung auf Männer* beschrieben werden. Diese Stellen wirken auf mich nicht nur voller Klischees (und ehrlich gesagt langweilig), sondern sie reproduzieren auch ein ums andere Mal den male gaze. Dabei ist Melandri in ihren Beschreibungen wahrscheinlich nicht konservativer und objektivierender als viele andere - vor allem männliche* - Autor*innen. Aber vielleicht hat es mich hier besonders gestört, weil ich das Buch ansonsten so brillant fand. Es ist schön geschrieben und hat durchaus komplexe Charaktere. Vor allem wegen der vielen historischen Einblicke, die einen großen Teil des Buches ausmachen, ist es auf jeden Fall lesenswert.
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Zäh
„Eva schläft“ sind zwei Geschichten in einem Buch. Einerseits Evas persönliche Geschichte in der ICH-Form erzählt. Andererseits die Geschichte ihrer Familie seit Südtirol Italien nach dem ersten Weltkrieg zugeschlagen wurde, erzählt aus der distanzierteren Perspektive einer Erzählerin. Beide Geschichten wechseln sich ab und kommen erst am Ende zusammen. So wird man immer wieder aus einer Geschichte gerissen und muss in die andere wieder eintauchen. Was die Lektüre zäh macht. Inhaltlich ist es eine sehr interessante Darstellung der Südtiroler Geschichte seit 1918 und ihre ganz konkreten Folgen.
Anders als das Cover vermuten lässt, ist "Eva schläft" (Original 2010, dt. Übersetzung von Bruno Genzler 2011) der italienischen Schriftstellerin Francesca Melandri weder ein Thriller noch ein Liebesroman - jedenfalls nicht in erster Linie. Vielmehr erzählt der Roman anhand fiktiver Figuren die Geschichte Südtirols im 20. Jahrhundert. Die Protagonistin Eva ist in Südtirol aufgewachsen und Anfang 40, als sie einen Anruf aus Sizilien erhält. Die Person, die am ehesten ein Vater für sie war, liegt im Sterben. Sie begibt sich auf eine lange Zugfahrt und während wir mit Eva die Landschaft Italiens erkunden, lesen wir von den historischen Ereignissen, die sie und die Menschen in ihrem Umfeld vor allem in den 1960er und 70er Jahren erlebt haben. Südtirol (italienisch: Alto Adige) ist heute die nördlichste Provinz Italiens, genießt aber weitgehende Selbstverwaltungsrechte. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das bis dahin zu Österreich-Ungarn gehörende Südtirol italienisches Staatsgebiet. Dies führte zu Repressionen gegen die mehrheitlich deutschsprachige Bevölkerung. Die antiitalienische Stimmung in der Bevölkerung und die Repressionen des italienischen Staates eskalierten ab den 1950er Jahren; es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen und Attentaten. Melandri beschreibt die verhärteten Fronten, die auf individueller Ebene Gräben zwischen den Menschen aufrissen, die bis heute nachwirken. Nicht warm geworden bin ich mit den Beschreibungen der Protagonist*innen. Immer wieder werden Frauen* eingeführt, indem im Detail ihre Körper und ihre Wirkung auf Männer* beschrieben werden. Diese Stellen wirken auf mich nicht nur voller Klischees (und ehrlich gesagt langweilig), sondern sie reproduzieren auch ein ums andere Mal den male gaze. Dabei ist Melandri in ihren Beschreibungen wahrscheinlich nicht konservativer und objektivierender als viele andere - vor allem männliche* - Autor*innen. Aber vielleicht hat es mich hier besonders gestört, weil ich das Buch ansonsten so brillant fand. Es ist schön geschrieben und hat durchaus komplexe Charaktere. Vor allem wegen der vielen historischen Einblicke, die einen großen Teil des Buches ausmachen, ist es auf jeden Fall lesenswert.








