Ein menschlicher Fehler
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Description
Book Information
Author Description
Kim Hye-jin, geboren 1983 in Daegu, ist eine koreanische Schriftstellerin. Für ihre Romane wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2020 mit dem Daesan-Literaturpreis, dem wichtigsten seiner Art in Südkorea. Zuletzt erschien bei Hanser Berlin ihr Roman Die Tochter.
Posts
(Keine) Katzen-Therapie
Normalerweise sind Bücher mit Katzen als wichtige Protagonist:Innen nicht mein Fall. Doch Kim Hye-Jin hat mich davon überzeugt, dass ihr Roman einiges anders macht als andere Werke mit diesem Schwerpunkt. Wie üblich für die koreanische Literatur schlägt auch dieser Roman über die arbeitslose Therapeutin Hae-Su und die Schülerin Se-I ruhige Töne an. Obwohl wir von Anfang an wissen, dass Hae-Su einen öffentlichen Fauxpas begangen hat, der sie die Karriere und den Job kostete, hält der Text eine gewisse Spannung aufrecht. Die Therapeutin ist nun etwas in der Schwebe - bis sie auf die Straßenkatze namens „Rübe“ trifft. Das Tier weckt Mitleid und Faszination in ihr und ist eine gelungene Abwechslung von Hae-Sus Gedanken. Und auch das Mädchen Se-I zeigt großes Interesse an der Katze, wodurch sich eine zarte Freundschaft zu Hae-Su entwickelt. Im Gegensatz zu manch anderen asiatischen Romanen wurde hier das Motiv und die Rolle der Katze sehr subtil und geschickt untergebracht. Es handelt sich nicht um die einfallslose „Katzen-Therapie“, bei der Katzen durch ihre pure Anwesenheit Depressionen und andere emotionale Leiden heilen können. Vielmehr versteht die Autorin die Straßentiere als Anlass des gemeinsamen Verständigens zwischen Generationen, als Beginn des Dialogs mit einander und mit sich selbst. Dadurch, dass Hae-Su eine Aufgabe erhält, kann sie eine neue Perspektive einnehmen und nach vorne sehen. Vielleicht klingt auch das zwar für einige zu platt - aber auch wenn die Hye-Jins Sprache schlicht und prägnant ist, ist doch nichts Kitschiges oder Klischeehaftes zu finden. Diese Geschichte ist für alle, die etwas Hoffnungsvolles ohne großes Drama aber mit viel Menschlichkeit lesen wollen.
Spannend aber doch nicht genug
Mich hat gestört, dass es so lange gedauert hat, bis man erfahren hat, was genau vorgefallen ist. Wahrscheinlich sollte es den Charakter bzw. den Wandel der Protagonistin widerspiegeln. Mir fehlte es an vielen Ecken an Tiefgang, hätte noch mehr von den Charakteren erfahren wollen. Es ist ein solides Buch, aber für meinen Geschmack fehlt ein wenig was.
Die sowohl sprachlich wie auch inhaltlich zunächst „leicht“ anmutende Handlung, mit der die vielfältigen und teilweise erschreckenden Folgen des unüberlegten Fehlverhaltens der Protagonistin aufgezeigt werden, lässt im Verlauf überraschend starke Gedankenbewegungen und emotionale Berührungspunkte entstehen.
Psychotherapeutin Hae-Su lebt sehr zurückgezogen, seit sie nach einer unbedachten Äußerung und dem darauffolgenden Shitstorm ihren Job, ihren guten Ruf, ihren Mann und ihre Freunde verloren hat. Eines Tages trifft sie auf einem nächtlichen Spaziergang auf ein junges Mädchen, das sich um die Straßenkatzen der Nachbarschaft kümmert. Zu der zehnjährigen Se-I, die in der Schule gemobbt wird, fasst sie Vertrauen, weil sie sich von ihr nicht kritisch beurteilt oder beobachtet fühlt. Gemeinsam schmieden sie einen Plan zur Rettung der verletzten Katze „Rübe“ und nach und nach scheinen auch die Wunden der beiden Außenseiterinnen zu heilen. „Ein menschlicher Fehler“ ist nach „Die Tochter“ bereits der zweite Roman der südkoreanischen Schriftstellerin Kim Hye-jin, der ins Deutsche übersetzt wurde: beide übrigens von Ki-Hyang Lee, die auch schon Han Kang und Cho Nam-Joo übertrug und kürzlich für ihre Übersetzung von Bora Chungs „Der Fluch des Hasen“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde. Erzählt wird aus der Perspektive der Protagonistin Hae-Su in der dritten Person und der Gegenwartsform. Immer wieder werden auch Briefe eingeflochten, die sie an die unterschiedlichsten Menschen schreibt, die mit dem Vorfall direkt oder indirekt zu tun hatten – die meisten schickt sie jedoch nie ab. Hae-Su hat mit ihrer Äußerung damals sicherlich einen Fehler begangen, ihre Schuld ist jedoch bei weitem nicht so schwer, wie manche es ihr anlasten wollen. Sie selbst schwankt zwischen Schuldeingeständnis und Empörung hin und her und stößt dabei auch Menschen von sich, die ihr wohlgesonnen sind. Erst gegen Ende des Romans zeichnet sich ab, dass sie mit den Geschehnissen ihren Frieden machen kann – auch wenn das vielleicht bedeutet, in gewisser Hinsicht aufzugeben. Parallel dazu, und in manchen Punkten ähnlich, verläuft die Geschichte der kleinen Se-I. Auch sie sieht sich Anfeindungen gegenüber, die ihr den Schulalltag zur Hölle machen und eines Tages bricht alles aus ihr heraus. Kann Hae-Su ihr den entscheidenden Rat geben, wie es nun weitergehen soll? Fazit: Ein interessanter Roman über Schuld und Außenseitertum
Gute Grundidee, mäßige Umsetzung.
Die Psychotherapeutin Hae-Su wird durch einen unüberlegten Satz im Fernsehen zur Außenseiterin. Dieser ist so gravierend, dass sie nicht mehr ihrem Beruf nachgehen kann. Die Tage vergehen und sie schreibt immer wieder Briefe an die Menschen, die mit dem Fauxpas zutun haben. Sie schickt sie jedoch nicht ab, sondern schmeißt sie im Park weg, durch den sie so gern schlendert. Dort begegnet sie einem kleinen Mädchen, welches nach und nach einen Platz in ihrem Herz einnimmt. Doch Hae-Su entwickelt zudem eine Liebe für Katzen, denn dort sind viele auf Hilfe angewiesen. Von dem Elend ergriffen, versucht sie einzugreifen und entdeckt neuen Lebensmut. Meine Meinung: Die Idee ist wirklich gut und das Buch startet auch sehr eindrucksvoll durch die malerische Sprache. Doch im Verlauf der Geschichte ließ es immer mehr nach. Die Szenen haben sich gezogen und der Glanz des Buches ist verschwunden. Alles wurde auf die Katzen bezogen und ich habe den Sinn dahinter verstanden, da sich die Protagonistin in den kranken und gepeinigten Tieren wiedererkannt hat, allerdings wirkte es deplatziert. Die eigentliche Handlung wurde nicht weiterverfolgt und lief nur noch nebenbei ein bisschen. Ich mochte die Beziehung zwischen Hae-Su und dem Mädchen, da die beiden sich gut ergänzt haben. Allerdings war ich insgesamt eher enttäuscht.
"Ist es nicht erstaunlich, dass derjenige, der nicht vergessen kann, in seinem Innersten jeden Tag ein Stück weit stirbt, während der andere mit seinem Leben weitermacht, als sei nichts geschehen?" (Seite 7) Die derzeit arbeitslose Psychotherapeutin Hae-Su verlässt nach einem schwerwiegendem Vorfall, der sie Job Beziehung gekostet hat, nur noch nachts ihr Haus - zu viel Angst hat sie vor den anschuldigenden Blicken und Worten ihrer Mitmenschen. Tagsüber, in ihrer selbst auferlegten Isolation, schreibt sie Briefe an Anwälte und ehemalige Freunde, die sie nicht abschickt. Eines Abends trifft sie in der Dunkelheit auf ein junges Mädchen, das ebenfalls allein durch die Gegend streift und sich dabei um Straßenkatzen kümmert. Und in beiden, ob Mensch oder Tier, erkennt Hae-Su etwas, das sie rührt, ihrem ängstlichen Panzer Risse versetzt und nimmt sich sowohl der jungen Se-I, als auch der Straßenkatze Rübe an. ➸ "Ein menschlicher Fehler" ist ein leises, aber eindringliches Buch, das zeigt, wie wichtig Kommunikation in unserer heutigen Zeit ist. Und damit meine ich nicht nur die verbale Kommunikation, sondern auch die Art und Weise, wie man Menschen zuhört. Hinschaut, sich eine Minute Zeit nimmt, um sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen, bevor man den Mund aufmacht und Ratschläge gibt, Urteile fällt. Und Zuhören heißt nicht nur, darauf zu warten, dass der Gegenüber das Wort ergreift, sondern auch, mit der Stille und mit den Augen zuzuhören und hinzuschauen, denn auch das Schweigen erzählt Geschichten. Die drei Hauptfiguren aus diesem berührenden Roman laufen durch die Straßen einer Stadt. Sie sind verwundet und verloren, jeder in ihrem eigenen Schmerz. Sie sind auf der Suche nach Worten und Möglichkeiten, um ihre Wunden heilen zu lassen, ob nun psychisch oder physisch. Sie knüpfen eine Verbindung, die über Worte hinausgeht und obwohl manche Wunden nie heilen, bleibt die Hoffnung bei den Protagonisten und dem Leser bis zur letzten Seite bestehen. Der Schreistil von Autorin Kim Hye-Jin ist minimalistisch, sauber, leicht und äußerst präzise. Dennoch sind die gesellschaftskritischen Themen feinfühlig und emotional erzählt. Der Missbrauch von sozialen Medien, Personen öffentlich an den Pranger zu stellen, ohne Hintergründige oder gar die Person persönlich zu kennen, sind in unserer Gesellschaft an der Tagesordnung, doch kaum jemand macht sich um den Schaden Gedanken, den diese Worte anrichten können. Das Buch hat etwas zerbrechliches, das mit äußerster Sorgfalt behandelt werden muss, und genau so behandelt es die Herzen der Charaktere. Und unwohl es auch am Ende einen traurigen und trostlosen Beigeschmack hat, kommt stellenweise doch das Licht hindurch, dass mir eine Art Hoffnung geschenkt hat. Leseempfehlung!
Cancel-Culture
„Noch immer kann ich im Internet die Artikel finden, die Sie geschrieben haben. Die Artikel über mich. Ich begreife nicht, wie Sie das tun konnten, ohne die geringste Überprüfung der Fakten.“ (Pos. 23) „Ein menschlicher Fehler“ ist ein sehr bewegender Roman der verdeutlicht, das Menschen Heilung durch Mitgefühl und Akzeptanz erfahren können. Die Geschichte befasst sich mit zwei Außenseitern: Hae-Su und Se-I. Beide lernen sich am Tiefpunkt ihrer Emotionalität kennen. Eine zarte Freundschaft entwickelt sich zwischen der Therapeutin und dem jungen Mädchen. Hae-Su soll einen Patienten in den Selbstmord getrieben haben. Se-I fällt in der Schule dem Mobbing zum Opfer. Auf den nächtlichen Straßen von Seoul begegnen sie sich das erste Mal und Straßenkatze „Rübe“ wird zum Bindeglied beider Seelen. Bedingt durch die gesellschaftliche Fehlerkultur könnte es jedem passieren, dass er schnell aufs Abstellgleis verfrachtet wird und man durch Social Media kaum Möglichkeiten hat, gegen die Wucht der Häme anzukämpfen. Nicht selten sind Ausgrenzungen in Privatem und Beruflichen die Folge und ziehen eine zerstörerische Schneise durch das Leben. „Ein menschlicher Fehler“ ist ein Roman mit geschickt verpackter Kritik in Richtung „Cancel Culture“ und regt zum Nachdenken an.
Herzerwärmende Geschichte 🐈 die mich auch immer wieder zum nachdenken gebracht hat ….
Ich hab das Buch gerne gelesen , es war leicht zu lesen aber doch auch mit Tiefgang…. ich hab das Buch immer mal wieder zur Seite gelegt und darüber nachgedacht wie schnell sich alles ändern kann …… durch einen kleinen „Fehler“ bzw. wie weitreichend das eigene Verhalten sein kann …. aber auch ob man vielleicht manchmal dazu neigt das gesagte in einem Geschehen überzubewerten usw. ….. Ich fand es wunderschön beschrieben wie Kleinigkeiten die täglichen um einen herum sind helfen können sich aus einer Krise zu befreien, wenn man ihnen offen gegenüber steht und sich dessen annimmt ….
Sternebewertung fiktiv
Ich mag koreanische Serien, diese Dramen, diese dunkle und tiefgründige Atmosphäre. Mit „Der menschliche Fehler“ gelingt der Autorin genau diese Atmosphäre zu erzeugen. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber asiatische Literatur erzeugt in meinem Kopf immer eine schöne leise Melodie und auch Regengeräusche. Klingt das Strange? Könnte sein:) Zurück zum Buch. Hae-Su ist Therapeutin. Eines Tages wird sie zu einer Talkshow im Tv geladen und äußert sich dort unglücklich zu einem bekannten Schauspieler. Daraufhin bricht ein regelrechter Shitstorm im Netz los. Cybermobbing vom Feinsten. Sie verliert ihren Job und zieht sich immer mehr zurück. Ihre Familie selber ist ihr keine große Stütze. So macht es sich Hae-Su zur Gewohnheit meist nur abends das Haus zu verlassen und durch die Gassen zu spazieren. Bei diesen Spaziergängen sieht sie immer wieder Katzen, die ganz verhungert rumstreunen und auch lernt sie dabei ein kleines Mädchen kennen, dass tagtäglich diese ganzen Katzen füttert. Sie ist Hae-Su gegenüber offen und freundlich ohne Vorbehalte. Diese Nähe und Offenheit tut Hae-Su sehr gut. Sie fühlt sich ein stückweit wieder lebensfähig. Und auch das kleine Mädchen entwickelt etwas Selbstbewusstsein und wirkt im Laufe der Geschichte stärker, als zu Beginn. Die Geschichte dreht sich um zwei ungleiche Personen. Wir lernen eine wachsende, vertraute Freundschaft kennen und zeitgleich auch die harte Realität, die dort Alltag zu sein scheint. Die Ausgrenzung, der gesellschaftliche Stand, Öffentlichkeit und das Internet. Sprachlich hat mich das Buch überzeugt, jedoch inhaltlich fand ich es leider etwas zu seicht, zu wenig tatsächliche Handlung. Übrigens Kim Hye-Jin war zuletzt mit „Die Tochter“ überall zu lesen.
Nachdem Hae-Su so gut wie alles verloren hat, zieht sie sich in ihre eigenen vier Wände zurück. Allmählich findet sie in ihr Leben zurück, während sie sich mit einem Mädchen anfreundet, welches versucht eine Straßenkatze zu retten.
Dieser Roman verschönigt das Leben und die menschlichen Fehler, die man macht, nicht. Stattdessen lernt man mit Hae-Su zusammen sich weiterzuentwickeln und eine Lösung für jegliche Probleme zu finden. Dazu gibt es eine schöne Freundschaft, zwischen zwei Ausgestoßenen von der Gesellschaft und einer Katze, die so scheu ist, dass sie keinen an sich ranlässt. Diese Freundschaft und der Prozess der "Zähmung" sowie die Rettung lehrt einen so manche wichtige Normen im Leben. So begehen wir doch alle auch mal einen menschlichen Fehler... Ein wirklich schöner und mitfühlender Roman, der zum Nachdenken anregt!
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Author Description
Kim Hye-jin, geboren 1983 in Daegu, ist eine koreanische Schriftstellerin. Für ihre Romane wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2020 mit dem Daesan-Literaturpreis, dem wichtigsten seiner Art in Südkorea. Zuletzt erschien bei Hanser Berlin ihr Roman Die Tochter.
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(Keine) Katzen-Therapie
Normalerweise sind Bücher mit Katzen als wichtige Protagonist:Innen nicht mein Fall. Doch Kim Hye-Jin hat mich davon überzeugt, dass ihr Roman einiges anders macht als andere Werke mit diesem Schwerpunkt. Wie üblich für die koreanische Literatur schlägt auch dieser Roman über die arbeitslose Therapeutin Hae-Su und die Schülerin Se-I ruhige Töne an. Obwohl wir von Anfang an wissen, dass Hae-Su einen öffentlichen Fauxpas begangen hat, der sie die Karriere und den Job kostete, hält der Text eine gewisse Spannung aufrecht. Die Therapeutin ist nun etwas in der Schwebe - bis sie auf die Straßenkatze namens „Rübe“ trifft. Das Tier weckt Mitleid und Faszination in ihr und ist eine gelungene Abwechslung von Hae-Sus Gedanken. Und auch das Mädchen Se-I zeigt großes Interesse an der Katze, wodurch sich eine zarte Freundschaft zu Hae-Su entwickelt. Im Gegensatz zu manch anderen asiatischen Romanen wurde hier das Motiv und die Rolle der Katze sehr subtil und geschickt untergebracht. Es handelt sich nicht um die einfallslose „Katzen-Therapie“, bei der Katzen durch ihre pure Anwesenheit Depressionen und andere emotionale Leiden heilen können. Vielmehr versteht die Autorin die Straßentiere als Anlass des gemeinsamen Verständigens zwischen Generationen, als Beginn des Dialogs mit einander und mit sich selbst. Dadurch, dass Hae-Su eine Aufgabe erhält, kann sie eine neue Perspektive einnehmen und nach vorne sehen. Vielleicht klingt auch das zwar für einige zu platt - aber auch wenn die Hye-Jins Sprache schlicht und prägnant ist, ist doch nichts Kitschiges oder Klischeehaftes zu finden. Diese Geschichte ist für alle, die etwas Hoffnungsvolles ohne großes Drama aber mit viel Menschlichkeit lesen wollen.
Spannend aber doch nicht genug
Mich hat gestört, dass es so lange gedauert hat, bis man erfahren hat, was genau vorgefallen ist. Wahrscheinlich sollte es den Charakter bzw. den Wandel der Protagonistin widerspiegeln. Mir fehlte es an vielen Ecken an Tiefgang, hätte noch mehr von den Charakteren erfahren wollen. Es ist ein solides Buch, aber für meinen Geschmack fehlt ein wenig was.
Die sowohl sprachlich wie auch inhaltlich zunächst „leicht“ anmutende Handlung, mit der die vielfältigen und teilweise erschreckenden Folgen des unüberlegten Fehlverhaltens der Protagonistin aufgezeigt werden, lässt im Verlauf überraschend starke Gedankenbewegungen und emotionale Berührungspunkte entstehen.
Psychotherapeutin Hae-Su lebt sehr zurückgezogen, seit sie nach einer unbedachten Äußerung und dem darauffolgenden Shitstorm ihren Job, ihren guten Ruf, ihren Mann und ihre Freunde verloren hat. Eines Tages trifft sie auf einem nächtlichen Spaziergang auf ein junges Mädchen, das sich um die Straßenkatzen der Nachbarschaft kümmert. Zu der zehnjährigen Se-I, die in der Schule gemobbt wird, fasst sie Vertrauen, weil sie sich von ihr nicht kritisch beurteilt oder beobachtet fühlt. Gemeinsam schmieden sie einen Plan zur Rettung der verletzten Katze „Rübe“ und nach und nach scheinen auch die Wunden der beiden Außenseiterinnen zu heilen. „Ein menschlicher Fehler“ ist nach „Die Tochter“ bereits der zweite Roman der südkoreanischen Schriftstellerin Kim Hye-jin, der ins Deutsche übersetzt wurde: beide übrigens von Ki-Hyang Lee, die auch schon Han Kang und Cho Nam-Joo übertrug und kürzlich für ihre Übersetzung von Bora Chungs „Der Fluch des Hasen“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde. Erzählt wird aus der Perspektive der Protagonistin Hae-Su in der dritten Person und der Gegenwartsform. Immer wieder werden auch Briefe eingeflochten, die sie an die unterschiedlichsten Menschen schreibt, die mit dem Vorfall direkt oder indirekt zu tun hatten – die meisten schickt sie jedoch nie ab. Hae-Su hat mit ihrer Äußerung damals sicherlich einen Fehler begangen, ihre Schuld ist jedoch bei weitem nicht so schwer, wie manche es ihr anlasten wollen. Sie selbst schwankt zwischen Schuldeingeständnis und Empörung hin und her und stößt dabei auch Menschen von sich, die ihr wohlgesonnen sind. Erst gegen Ende des Romans zeichnet sich ab, dass sie mit den Geschehnissen ihren Frieden machen kann – auch wenn das vielleicht bedeutet, in gewisser Hinsicht aufzugeben. Parallel dazu, und in manchen Punkten ähnlich, verläuft die Geschichte der kleinen Se-I. Auch sie sieht sich Anfeindungen gegenüber, die ihr den Schulalltag zur Hölle machen und eines Tages bricht alles aus ihr heraus. Kann Hae-Su ihr den entscheidenden Rat geben, wie es nun weitergehen soll? Fazit: Ein interessanter Roman über Schuld und Außenseitertum
Gute Grundidee, mäßige Umsetzung.
Die Psychotherapeutin Hae-Su wird durch einen unüberlegten Satz im Fernsehen zur Außenseiterin. Dieser ist so gravierend, dass sie nicht mehr ihrem Beruf nachgehen kann. Die Tage vergehen und sie schreibt immer wieder Briefe an die Menschen, die mit dem Fauxpas zutun haben. Sie schickt sie jedoch nicht ab, sondern schmeißt sie im Park weg, durch den sie so gern schlendert. Dort begegnet sie einem kleinen Mädchen, welches nach und nach einen Platz in ihrem Herz einnimmt. Doch Hae-Su entwickelt zudem eine Liebe für Katzen, denn dort sind viele auf Hilfe angewiesen. Von dem Elend ergriffen, versucht sie einzugreifen und entdeckt neuen Lebensmut. Meine Meinung: Die Idee ist wirklich gut und das Buch startet auch sehr eindrucksvoll durch die malerische Sprache. Doch im Verlauf der Geschichte ließ es immer mehr nach. Die Szenen haben sich gezogen und der Glanz des Buches ist verschwunden. Alles wurde auf die Katzen bezogen und ich habe den Sinn dahinter verstanden, da sich die Protagonistin in den kranken und gepeinigten Tieren wiedererkannt hat, allerdings wirkte es deplatziert. Die eigentliche Handlung wurde nicht weiterverfolgt und lief nur noch nebenbei ein bisschen. Ich mochte die Beziehung zwischen Hae-Su und dem Mädchen, da die beiden sich gut ergänzt haben. Allerdings war ich insgesamt eher enttäuscht.
"Ist es nicht erstaunlich, dass derjenige, der nicht vergessen kann, in seinem Innersten jeden Tag ein Stück weit stirbt, während der andere mit seinem Leben weitermacht, als sei nichts geschehen?" (Seite 7) Die derzeit arbeitslose Psychotherapeutin Hae-Su verlässt nach einem schwerwiegendem Vorfall, der sie Job Beziehung gekostet hat, nur noch nachts ihr Haus - zu viel Angst hat sie vor den anschuldigenden Blicken und Worten ihrer Mitmenschen. Tagsüber, in ihrer selbst auferlegten Isolation, schreibt sie Briefe an Anwälte und ehemalige Freunde, die sie nicht abschickt. Eines Abends trifft sie in der Dunkelheit auf ein junges Mädchen, das ebenfalls allein durch die Gegend streift und sich dabei um Straßenkatzen kümmert. Und in beiden, ob Mensch oder Tier, erkennt Hae-Su etwas, das sie rührt, ihrem ängstlichen Panzer Risse versetzt und nimmt sich sowohl der jungen Se-I, als auch der Straßenkatze Rübe an. ➸ "Ein menschlicher Fehler" ist ein leises, aber eindringliches Buch, das zeigt, wie wichtig Kommunikation in unserer heutigen Zeit ist. Und damit meine ich nicht nur die verbale Kommunikation, sondern auch die Art und Weise, wie man Menschen zuhört. Hinschaut, sich eine Minute Zeit nimmt, um sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen, bevor man den Mund aufmacht und Ratschläge gibt, Urteile fällt. Und Zuhören heißt nicht nur, darauf zu warten, dass der Gegenüber das Wort ergreift, sondern auch, mit der Stille und mit den Augen zuzuhören und hinzuschauen, denn auch das Schweigen erzählt Geschichten. Die drei Hauptfiguren aus diesem berührenden Roman laufen durch die Straßen einer Stadt. Sie sind verwundet und verloren, jeder in ihrem eigenen Schmerz. Sie sind auf der Suche nach Worten und Möglichkeiten, um ihre Wunden heilen zu lassen, ob nun psychisch oder physisch. Sie knüpfen eine Verbindung, die über Worte hinausgeht und obwohl manche Wunden nie heilen, bleibt die Hoffnung bei den Protagonisten und dem Leser bis zur letzten Seite bestehen. Der Schreistil von Autorin Kim Hye-Jin ist minimalistisch, sauber, leicht und äußerst präzise. Dennoch sind die gesellschaftskritischen Themen feinfühlig und emotional erzählt. Der Missbrauch von sozialen Medien, Personen öffentlich an den Pranger zu stellen, ohne Hintergründige oder gar die Person persönlich zu kennen, sind in unserer Gesellschaft an der Tagesordnung, doch kaum jemand macht sich um den Schaden Gedanken, den diese Worte anrichten können. Das Buch hat etwas zerbrechliches, das mit äußerster Sorgfalt behandelt werden muss, und genau so behandelt es die Herzen der Charaktere. Und unwohl es auch am Ende einen traurigen und trostlosen Beigeschmack hat, kommt stellenweise doch das Licht hindurch, dass mir eine Art Hoffnung geschenkt hat. Leseempfehlung!
Cancel-Culture
„Noch immer kann ich im Internet die Artikel finden, die Sie geschrieben haben. Die Artikel über mich. Ich begreife nicht, wie Sie das tun konnten, ohne die geringste Überprüfung der Fakten.“ (Pos. 23) „Ein menschlicher Fehler“ ist ein sehr bewegender Roman der verdeutlicht, das Menschen Heilung durch Mitgefühl und Akzeptanz erfahren können. Die Geschichte befasst sich mit zwei Außenseitern: Hae-Su und Se-I. Beide lernen sich am Tiefpunkt ihrer Emotionalität kennen. Eine zarte Freundschaft entwickelt sich zwischen der Therapeutin und dem jungen Mädchen. Hae-Su soll einen Patienten in den Selbstmord getrieben haben. Se-I fällt in der Schule dem Mobbing zum Opfer. Auf den nächtlichen Straßen von Seoul begegnen sie sich das erste Mal und Straßenkatze „Rübe“ wird zum Bindeglied beider Seelen. Bedingt durch die gesellschaftliche Fehlerkultur könnte es jedem passieren, dass er schnell aufs Abstellgleis verfrachtet wird und man durch Social Media kaum Möglichkeiten hat, gegen die Wucht der Häme anzukämpfen. Nicht selten sind Ausgrenzungen in Privatem und Beruflichen die Folge und ziehen eine zerstörerische Schneise durch das Leben. „Ein menschlicher Fehler“ ist ein Roman mit geschickt verpackter Kritik in Richtung „Cancel Culture“ und regt zum Nachdenken an.
Herzerwärmende Geschichte 🐈 die mich auch immer wieder zum nachdenken gebracht hat ….
Ich hab das Buch gerne gelesen , es war leicht zu lesen aber doch auch mit Tiefgang…. ich hab das Buch immer mal wieder zur Seite gelegt und darüber nachgedacht wie schnell sich alles ändern kann …… durch einen kleinen „Fehler“ bzw. wie weitreichend das eigene Verhalten sein kann …. aber auch ob man vielleicht manchmal dazu neigt das gesagte in einem Geschehen überzubewerten usw. ….. Ich fand es wunderschön beschrieben wie Kleinigkeiten die täglichen um einen herum sind helfen können sich aus einer Krise zu befreien, wenn man ihnen offen gegenüber steht und sich dessen annimmt ….
Sternebewertung fiktiv
Ich mag koreanische Serien, diese Dramen, diese dunkle und tiefgründige Atmosphäre. Mit „Der menschliche Fehler“ gelingt der Autorin genau diese Atmosphäre zu erzeugen. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber asiatische Literatur erzeugt in meinem Kopf immer eine schöne leise Melodie und auch Regengeräusche. Klingt das Strange? Könnte sein:) Zurück zum Buch. Hae-Su ist Therapeutin. Eines Tages wird sie zu einer Talkshow im Tv geladen und äußert sich dort unglücklich zu einem bekannten Schauspieler. Daraufhin bricht ein regelrechter Shitstorm im Netz los. Cybermobbing vom Feinsten. Sie verliert ihren Job und zieht sich immer mehr zurück. Ihre Familie selber ist ihr keine große Stütze. So macht es sich Hae-Su zur Gewohnheit meist nur abends das Haus zu verlassen und durch die Gassen zu spazieren. Bei diesen Spaziergängen sieht sie immer wieder Katzen, die ganz verhungert rumstreunen und auch lernt sie dabei ein kleines Mädchen kennen, dass tagtäglich diese ganzen Katzen füttert. Sie ist Hae-Su gegenüber offen und freundlich ohne Vorbehalte. Diese Nähe und Offenheit tut Hae-Su sehr gut. Sie fühlt sich ein stückweit wieder lebensfähig. Und auch das kleine Mädchen entwickelt etwas Selbstbewusstsein und wirkt im Laufe der Geschichte stärker, als zu Beginn. Die Geschichte dreht sich um zwei ungleiche Personen. Wir lernen eine wachsende, vertraute Freundschaft kennen und zeitgleich auch die harte Realität, die dort Alltag zu sein scheint. Die Ausgrenzung, der gesellschaftliche Stand, Öffentlichkeit und das Internet. Sprachlich hat mich das Buch überzeugt, jedoch inhaltlich fand ich es leider etwas zu seicht, zu wenig tatsächliche Handlung. Übrigens Kim Hye-Jin war zuletzt mit „Die Tochter“ überall zu lesen.
Nachdem Hae-Su so gut wie alles verloren hat, zieht sie sich in ihre eigenen vier Wände zurück. Allmählich findet sie in ihr Leben zurück, während sie sich mit einem Mädchen anfreundet, welches versucht eine Straßenkatze zu retten.
Dieser Roman verschönigt das Leben und die menschlichen Fehler, die man macht, nicht. Stattdessen lernt man mit Hae-Su zusammen sich weiterzuentwickeln und eine Lösung für jegliche Probleme zu finden. Dazu gibt es eine schöne Freundschaft, zwischen zwei Ausgestoßenen von der Gesellschaft und einer Katze, die so scheu ist, dass sie keinen an sich ranlässt. Diese Freundschaft und der Prozess der "Zähmung" sowie die Rettung lehrt einen so manche wichtige Normen im Leben. So begehen wir doch alle auch mal einen menschlichen Fehler... Ein wirklich schöner und mitfühlender Roman, der zum Nachdenken anregt!
















