Die Jakobsbücher

Die Jakobsbücher

Softcover
4.37
EmanzipationIslamLebensgeschichteJudentum

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Description

Den einen galt er als Weiser und Messias, den anderen als Scharlatan und Ketzer. Eine der bedeutendsten Figuren des 18. Jahrhunderts ist er allemal: Jakob Frank, 1726 im polnischen Korolówka geboren, 1791 in Offenbach am Main gestorben. Als Anführer einer mystischen Bewegung, der Frankisten, war Jakob Frank fest entschlossen, sein Volk, die Juden Osteuropas, endlich für die Moderne zu öffnen;zeit seines Lebens setzte er sich für ihre Rechte ein, für Freiheit, Gleichheit, Emanzipation. Tausende Anhänger scharte Jakob Frank um sich, tausende Feinde machte er sich. Und sie alle, Bewunderer wie Gegner, erzählen hier die schier unglaubliche Lebensgeschichte dieses Grenzgängers, den es weder bei einer Religion noch je lange an einem Ort hielt. Es entsteht das schillernde Porträt einer kontroversen historischen Figur und das Panorama einer krisenhaften Welt an der Schwelle zur Moderne. Zugleich aber ist Olga Tokarczuks ebenso metaphysischer wie lebenspraller Roman ein Buch ganz für unsere Zeit, stellt es doch die Frage danach, wie wir uns die Welt als eine gerechte vorstellen können - ein Buch, das Grenzen überschreitet.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Softcover
Pages
1184
Price
24.70 €

Author Description

Olga Tokarczuk, 1962 im polnischen Sulechów geboren, studierte Psychologie in Warschau und lebt heute in Breslau. Ihr Werk (bislang zehn Romane, drei Erzählbände und zwei Kinderbücher) wurde in 37 Sprachen übersetzt. 2019 wurde sie mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Für Die Jakobsbücher, in Polen ein Bestseller, wurde sie 2015 (zum zweiten Mal in ihrer Laufbahn) mit dem wichtigsten polnischen Literaturpreis, dem Nike-Preis, geehrt und 2018 mit dem JanMichalski-Literaturpreis. Im selben Jahr gewann sie außerdem den Man Booker International Prize für Unrast. Zum Schreiben zieht Olga Tokarczuk sich in ein abgeschiedenes Berghäuschen an der polnisch-tschechischen Grenze zurück.

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Grobe Zeitspanne von 1740-1796 Ich kann schon mal verraten: es wird mächtig viel geboren, gestorben und die Namen gewechselt. Über eine so lange Zeitspanne die Figuren zu verfolgen, hat so sein Für und Wider. Das Positive daran: Mir wurde nochmal richtig klar, was für medizinisch und hygienisch üble Zeiten das waren. Die Frauen Gebärmaschinen, gefühlt 80% der Geborenen schaffen es nicht ins Erwachsenenalter, die Frauen früh ausgelaugt und mit 40 Jahren Greisinnen. Hilflos bei vielen Krankheiten. Man stumpft im Laufe des Buches selbst schon ab, wenn dann der 40. Todesfall erwähnt wird " Ach, den hat's jetzt auch erwischt. Na dann..." Olga Tokarcuk beschreibt es auch genau so! Kein Drama, kein Ausgeschmücke. Hier wird in großen Teilen ganz sachlich weggemeldet was Phase war. Der Wandel der Zeit war so eklatant und gut dargestellt. Unser charismatischer Jakob, mit seiner imposanten Art und den Methoden seine Jünger einzuschwören, passte in der Türkei bzw. dann in Polen noch sehr gut ins Bild der Gesellschaft. Als wir dann aber nach Österreich kommen, denk ich :" Hä! wie geht das denn?" Polen war wie tiefstes Mittelalter beschrieben. Nur Regen, Nebel, Nässe, der Geruch von Schweiß, Ausdünstungen, Pferdemist, feuchte Wolle, Elend, Leid. Und dann hoppel, hoppel Pferdewagen und Zack: schönes Österreich, zwitscher, zwitscher, Aufklärung, schicke Kleidchen, Hüte, Pomp und Glorie! Da wirkt der schon deutlich gealterte Jakob Frank mit seinen Marotten völlig aus der Zeit gefallen. Das Negative daran: Viel Personal, viele Zeitsprünge. Und da muss ich gestehen, hat sie mich immer wieder verloren. Die Storys diverser Leute versandeten für mich teilweise im Nirgendwo, hatten keine wirkliche Relevanz oder waren zu distanziert. Das Buch liest sich daher auch nur streckenweise wie ein Roman. Es ist ehr ein Sammelsurium aus Briefen, Berichten, Zeugnissen und fiktiven Romananteilen. Sie bewahrt meist die Distanz, aus einer kreisenden Vogelperspektive und lässt uns nur hin und wieder nah an die Protagonisten ran. Tolle Figuren mit gewisser Tiefe waren für mich: Pater Chmielowski, dessen grandiosen Briefwechsel ich mit Frau Druzbacka genossen habe, die Tochter Jakobs-Eva und Nachmann, sein Vertrauter, der ihn von Anbeginn begleitet hat. Von Nachmann finden wir sehr viele tagebuchartige Einträge, die mir sehr gut gefallen haben, da er zu Übertreibungen neigte und alles ins Bild der religiösen Erzählung passen musste. Dabei kamen tolle mythologische Aufzeichnungen in denen Jakob Wunder wirkt etc. heraus. Da mich der jüdische Glaube, von dem wir zu Beginn viel erfahren (ua. durch Unterrichtseinheiten der Kinder- tolle Szenen), die Lehren und Dynamiken der sektenartigen Bewegung um Jakob Frank sehr interessiert haben, konnte ich weitestgehend über die drögen und ausschweifenden Stellen hinwegsehen. Die Sprache hat mir übrigens sehr gut gefallen. Da hat Sie meiner Meinung nach genau den richtigen Ton getroffen.

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