Die Eroberung Amerikas

Die Eroberung Amerikas

Softcover
3.410
ExpeditionUreinwohnerDas Floß Der MedusaAnwalt

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Description

Longlist Deutscher Buchpreis • Autor ausgezeichnet mit dem Bayerischen Buchpreis
Nach dem Bestseller »Das Floß der Medusa« begibt sich Franzobel in seinem neuen Roman auf die Spuren eines wilden Eroberers der USA im Jahr 1538.


Ferdinand Desoto hatte Pizarro nach Peru begleitet, dem Inkakönig Schach und Spanisch beigebracht, dessen Schwester geschwängert und mit dem Sklavenhandel ein Vermögen gemacht. Er war bereits berühmt, als er 1538 eine große Expedition nach Florida startete, die eine einzige Spur der Verwüstung durch den Süden Amerikas zog. Knapp 500 Jahre später klagt ein New Yorker Anwalt im Namen aller indigenen Stämme auf Rückgabe der gesamten USA an die Ureinwohner. Franzobels neuer Roman ist ein Feuerwerk des Einfallsreichtums und ein Gleichnis für die von Gier und Egoismus gesteuerte Gesellschaft, die von eitlen und unfähigen Führern in den Untergang gelenkt wird.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Softcover
Pages
544
Price
14.40 €

Author Description

Franzobel, geboren 1967 in Vöcklabruck, ist einer der bekanntesten österreichischen Schriftsteller. Er erhielt u. a. den Ingeborg-Bachmann-Preis, den Arthur-Schnitzler-Preis und den Nicolas-Born-Preis. Mit seinem Roman »Das Floß der Medusa« stand er auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis, und er erhielt den Bayerischen Buchpreis.

Posts

2
All
4.5

Galgenhumor, Brutalität, historische Fakten!

Der Humor ist wirklich speziell 😅 Geht vielleicht am ehesten in Richtung „Southpark“, also wirklich keine Zurückhaltung vor nichts und niemandem. Ungewöhnlich: Die historische Geschichte wird von einem allwissenden Erzähler erzählt, der aber in der Jetzt-Zeit lebt und auch dementsprechende Vergleiche zieht (z.B. Automarken, Versicherungen, Schauspieler, Asterix) und über alles Bescheid weiß, was in den entsprechenden Jahrhunderten und Jahrzehnten passiert ist oder noch passieren wird. Er spricht auch mit dem/der LeserIn: - „Lassen wir diese schüchternen Menschen kurz allein, sind sie doch auch ohne uns verlegen ohne Ende. Wenden wir uns Badajoz zu.“ - „Bevor wir aber nun Desoto zum Kaiser lassen, gehen wir zwei Jahrzehnte zurück, in das Jahr 1514.“ Es gibt viele Zeit- und Szenenwechsel, was mich anfangs etwas verwirrt hat. Nicht unbedingt notwendig fand ich den Erzählstrang eines Anwalts, der einen von einem Testament begünstigten Seemann sucht. Sehr sehr oft werden Frauen aus der Sicht dieser Expeditionsteilnehmer beschrieben - und damit vor allem ihr gutes oder schlechtes Aussehen. Das hat mich irgendwann seeeeeehr gelangweilt… Das vorherrschende Thema ist Kolonialismus. Das Recht dazu glauben die Kolonialisten deshalb zu haben, weil alle Menschen von Noah abstammen, der nachweislich(?) weiß war. Deshalb sind alle nicht-weißen Menschen keine Geschöpfe Gottes und können keine Seele haben, was den weißen Menschen das Recht gibt, sie zu foltern, zu töten und als Sklaven einzusetzen. Außerdem steht in der Bibel: „Macht euch die Erde untertan.“ Die Kolonialisten sehen es also sogar als ihre Pflicht als Katholiken, die Erde zu erobern und dann das eroberte Land zu beschützen. „Vor wem sollen wir unser Land beschützen? Sind nicht WIR die Eindringlinge?“, fragt einer der Siedler - hier zeigt sich der Galgenhumor des Autors. Der Text enthält sehr viel trockenen Humor und eine blumige Sprache: - Diese Isabella war […] verspannt wie eine Leinwand auf dem Keilrahmen ihrer Ideale […] - Die meisten [Männer waren] so dreckig, dass man hinter ihren Ohren Petersilie hätte anbauen können. - Um Historiker in den Wahnsinn zu treiben, hieß die Großmutter genauso wie Marias Mutter […] und auch Marias Schwester […] - „Vor zwei Jahren kam ein Matrose mit so einer Pflanze an […].“ „Kartoffel. […] Sie hätten die Knollen essen müssen.“ „Knollen? Wer isst so etwas? Wird sich nicht durchsetzen. Vielleicht in Streifen geschnitten, im Öl gebraten und mit roter Sauce? Lächerlich.“ 🤣😜 Wie auch im „Floß der Medusa“ spart Franzobel nicht mit Schilderungen von Brutalität, die in den früheren Jahrhunderten an der Tagesordnung war. Im gesamten Buch vermischen sich Brutalität und Humor, sodass daraus ein sarkastischer Galgenhumor wird. Ein Beispiel: Ein junger Mann beschreibt die wirklich unfassbaren Torturen, die er als Sklave erleiden musste, einem Seemann. Dieser kommentiert die unglaublich brutalen Erzählungen zwischendurch: Sklavenhändler. „Keine Süßwassersegler.“ Prügel. „Klingt nach einer steifen Brise.“ Fast gestorben bei einem Marsch durch die Wüste. „Da bist du im Unterdeck gelandet.“ Harte Arbeit. „Ein Leben an der Ankerwinde.“ Prügel. „Volle Breitseite.“ Und so weiter. Auch eine Piratenmannschaft hat mich oft zum Lachen gebracht: Die Piraten überfallen eine Ortschaft auf einer Insel. Die Einwohner schieben Panik und brüllen: „Überfall! Piraten!!“ Der Piratenkapitän brüllt zurück: „Stimmt nicht! Wir sind Freibeuter! Das ist ein Unterschied!“ Deshalb geht er nach getaner Arbeit auch von Haus zu Haus und verliest formvollendet den königlichen Kaperbrief, auch wenn die Einwohner des Hauses tot sind. Muss alles seine Ordnung haben.

2

Konnte mein Leserherz keinesfalls erobern, da bei mir weder die Erzählweise, der befremdliche Humor, noch die Fabulierkunst zünden konnte!

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