Ein rostiger alter Bus im Garten des Großvaters und seine Bienen werden für Meredith ihr einziger Halt. Denn sie ist erst fünf, als sie von ihren Eltern nach deren Trennung vollkommen sich selbst überlassen wird.
Der Großvater nimmt sie mit in die faszinierende Welt der Bienen – und rettet ihr so das Leben. Die Bienen werden Meredith zur Ersatzfamilie: Wenn sie sich verlassen fühlt, zeigen sie ihr, wie man zusammenhält und füreinander sorgt. Wenn sie über ihre depressive Mutter verzweifelt, bewundert sie die Bienen dafür, ihre Königin einfach austauschen zu können. Die Bienen lehren Meredith, anderen zu vertrauen, mutig zu sein und ihren eigenen Weg zu gehen.
»Der Honigbus« ist eine starke Geschichte über das Leben und die Weisheiten der Natur.
Bei jedem tollen Buch, das ich gelesen habe, stellt sich mir die Frage, wie ich ihm im Rahmen einer Buchbesprechung gerecht werden kann. Das gilt auch für „Der Honigbus“.
Die Kurzfassung ist: „Der Honigbus“ ist toll! Kauf das Buch! Lest es!
Aber die Begründung, die zur Langfassung führt? Schwierig.
Meredith May, ihres Zeichens Journalistin und Bienenzüchterin, hat ihre Memoiren geschrieben. Ihre Memoiren? WTF? Was soll das? Kein Mensch kennt diese Frau. Was sollen Memoiren von einer Person, die kein Mensch kennt? Tja, das ist die Frage, nicht wahr?
Nun, Meredith Mays Geschichte ist tatsächlich so einzigartig, dass ich tatsächlich froh bin, sie gelesen zu haben. Die Inhaltsangabe liest sich erst einmal dramatisch und klingt ein bisschen wie die Texte zu Erbauungsliteratur. Und so dramatisch und erbaulich „Der Honigbus“ stellenweise auch sein mag, es handelt sich bei dem Buch schlicht und ergreifend um ein verdammt gutes Buch.
Wir folgen Meredith durch ihre Kindheit, erleben, wie sie von ihrer Umgebung wieder und wieder im Stich gelassen wird, auf eine Art und Weise misshandelt wird, die zwar nicht körperlicher Art, aber dafür nicht weniger toxisch ist. Wir erleben wie sie Trost findet, wie sie Halt findet bei den Bienen, die ihr Großvater hegt und pflegt, wie sich ihr eine völlig neue Welt öffnet und wie sie dank der Bienen das Leben an sich zu verstehen lernt und ihren eigenen Weg findet.
Verdammt, das klingt so bescheuert!
May schafft es, drei Bücher gleichzeitig abzuliefern: ihre Memoiren, ein Sachbuch (über Bienen) und einen Roman. Und das alles hat sie so gut vermengt, dass das Lesen ohne Wenn und Aber Spaß macht. Sie verwendet eine Sprache, die bildhaft und nüchtern zugleich ist. Sie lässt uns die Misshandlungen erleben, ohne auch nur einmal Mitleid heischend zu werden oder auf billige Dramatik zu setzen. Herrlich!
Während des Lesens durchlebte mein Gefühlshaushalt eine Achterbahnfahrt: Ich fühlte mit Meredith, fühlte ihre Liebe, ihren Schmerz, ihre Hoffnungen. Ich war gespannt, wie es weitergeht. Ich weinte, ich lachte. Ich hasste. Oh, wie ich hasste! Ich verstand, ich war gequält, ich schmunzelte, ich bewunderte, ich schüttelte verständnislos den Kopf.
Vor allem aber: Ich genoss. Und zwar das Buch. Es war spannend, informativ, inspirierend, voller Liebe, toll geschrieben, voller kleiner Wunder und vor allem – voller Hoffnung. Ich bin froh, dass Meredith May dieses Buch geschrieben hat.
Mar 3, 2025
5.0
Bei jedem tollen Buch, das ich gelesen habe, stellt sich mir die Frage, wie ich ihm im Rahmen einer Buchbesprechung gerecht werden kann. Das gilt auch für „Der Honigbus“.
Die Kurzfassung ist: „Der Honigbus“ ist toll! Kauf das Buch! Lest es!
Aber die Begründung, die zur Langfassung führt? Schwierig.
Meredith May, ihres Zeichens Journalistin und Bienenzüchterin, hat ihre Memoiren geschrieben. Ihre Memoiren? WTF? Was soll das? Kein Mensch kennt diese Frau. Was sollen Memoiren von einer Person, die kein Mensch kennt? Tja, das ist die Frage, nicht wahr?
Nun, Meredith Mays Geschichte ist tatsächlich so einzigartig, dass ich tatsächlich froh bin, sie gelesen zu haben. Die Inhaltsangabe liest sich erst einmal dramatisch und klingt ein bisschen wie die Texte zu Erbauungsliteratur. Und so dramatisch und erbaulich „Der Honigbus“ stellenweise auch sein mag, es handelt sich bei dem Buch schlicht und ergreifend um ein verdammt gutes Buch.
Wir folgen Meredith durch ihre Kindheit, erleben, wie sie von ihrer Umgebung wieder und wieder im Stich gelassen wird, auf eine Art und Weise misshandelt wird, die zwar nicht körperlicher Art, aber dafür nicht weniger toxisch ist. Wir erleben wie sie Trost findet, wie sie Halt findet bei den Bienen, die ihr Großvater hegt und pflegt, wie sich ihr eine völlig neue Welt öffnet und wie sie dank der Bienen das Leben an sich zu verstehen lernt und ihren eigenen Weg findet.
Verdammt, das klingt so bescheuert!
May schafft es, drei Bücher gleichzeitig abzuliefern: ihre Memoiren, ein Sachbuch (über Bienen) und einen Roman. Und das alles hat sie so gut vermengt, dass das Lesen ohne Wenn und Aber Spaß macht. Sie verwendet eine Sprache, die bildhaft und nüchtern zugleich ist. Sie lässt uns die Misshandlungen erleben, ohne auch nur einmal Mitleid heischend zu werden oder auf billige Dramatik zu setzen. Herrlich!
Während des Lesens durchlebte mein Gefühlshaushalt eine Achterbahnfahrt: Ich fühlte mit Meredith, fühlte ihre Liebe, ihren Schmerz, ihre Hoffnungen. Ich war gespannt, wie es weitergeht. Ich weinte, ich lachte. Ich hasste. Oh, wie ich hasste! Ich verstand, ich war gequält, ich schmunzelte, ich bewunderte, ich schüttelte verständnislos den Kopf.
Vor allem aber: Ich genoss. Und zwar das Buch. Es war spannend, informativ, inspirierend, voller Liebe, toll geschrieben, voller kleiner Wunder und vor allem – voller Hoffnung. Ich bin froh, dass Meredith May dieses Buch geschrieben hat.
In ihrem autobiographischem Werk "Der Honigbus" schildert uns Meredith May ihre schwierige Kindheit. Sie wächst bei ihren Großeltern auf, nachdem sich ihre Eltern trennen. Die Mutter kommt mit der Scheidung von ihrem Mann nicht zurecht, zieht sich immer mehr zurück und vernachlässigt Meredith und ihren kleinen Bruder. Wunden einer Familienbiographie reißen in der Mutter auf und die Kinder sind die Leidtragenden. Lange sehen diese auch ihren Vater nicht, denn der Hass der Mutter ist groß. Die Großmutter unterstützt das toxische Verhalten der Mutter, denn sie sehnt sich nach Absolution. Nur der Großvater ist den Kindern und insbesondere Meredith ein Licht am Ende eines Tunnels, der jahrzehntelang dunkel bleibt. Er ist es, der Meredith den Honigbienen nahebringt und somit ihr Leben rettet. Die Beziehung der beiden ist etwas ganz heilsames und besonderes gewesen und das merkt man in jeder Zeile der Autorin. Das Leben der Honigbienen wird für diese ein Leitfaden des Lebens. Denn diese kleinen Tierchen sind sehr intelligent, sozial und loyal und lehren uns einiges, wenn wir ganz genau hinschauen. Die Faszination, die Meredith und ihr Großvater für die Honigbienen empfinden, kann ich nach Beenden des Buches umso mehr nachvollziehen. Eine klare Leseempfehlung!
Sep 17, 2023
4.0
Die heilsame Beziehung zu Honigbienen!
In ihrem autobiographischem Werk "Der Honigbus" schildert uns Meredith May ihre schwierige Kindheit. Sie wächst bei ihren Großeltern auf, nachdem sich ihre Eltern trennen. Die Mutter kommt mit der Scheidung von ihrem Mann nicht zurecht, zieht sich immer mehr zurück und vernachlässigt Meredith und ihren kleinen Bruder. Wunden einer Familienbiographie reißen in der Mutter auf und die Kinder sind die Leidtragenden. Lange sehen diese auch ihren Vater nicht, denn der Hass der Mutter ist groß. Die Großmutter unterstützt das toxische Verhalten der Mutter, denn sie sehnt sich nach Absolution. Nur der Großvater ist den Kindern und insbesondere Meredith ein Licht am Ende eines Tunnels, der jahrzehntelang dunkel bleibt. Er ist es, der Meredith den Honigbienen nahebringt und somit ihr Leben rettet. Die Beziehung der beiden ist etwas ganz heilsames und besonderes gewesen und das merkt man in jeder Zeile der Autorin. Das Leben der Honigbienen wird für diese ein Leitfaden des Lebens. Denn diese kleinen Tierchen sind sehr intelligent, sozial und loyal und lehren uns einiges, wenn wir ganz genau hinschauen. Die Faszination, die Meredith und ihr Großvater für die Honigbienen empfinden, kann ich nach Beenden des Buches umso mehr nachvollziehen. Eine klare Leseempfehlung!
Sep 17, 2023
3 of 11 reviews
Author
About Meredith May
Meredith May ist Imkerin in fünfter Generation. In ihrem Memoir »Der Honigbus« erzählt sie von den Lebenslektionen, die sie von den Bienen ihres Großvaters in Big Sur lernte und die für sie die Rettung aus einer schwierigen Kindheit bedeuteten. May ist eine preisgekrönte Journalistin und Autorin. Sie schreibt für den »San Francisco Chronicle« und gewann den PEN USA Literary Award for Journalism und wurde für den Pulitzer Preis nominiert. Sie lebt in der San Francisco Bay Area und hält dort den letzten Bienenstock ihres inzwischen verstorbenen Großvaters. »Der Honigbus« wird in elf Sprachen übersetzt.