Bye Bye Lolita

Bye Bye Lolita

Hardback
4.162

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Description

Dolores Haze – die Lolita aus Vladimir Nabokovs gleichnamigem Roman – ist vom Mädchen zur Frau geworden. Mit Ende dreißig blickt sie zurück auf ihr beschädigtes Leben und fragt sich, wie sie die geworden ist, die sie heute ist. Lea Ruckpaul erzählt in ihrem Debütroman von einer Überlebenden, die sich freischreibt und die um keinen Preis ein Opfer sein will. „Bye Bye Lolita“ ist der wütende Abgesang auf ein Klischee, welches das Bild von jungen Frauen bis heute prägt – und auf die Machtverhältnisse, die das ermöglichen. Ein Roman über das größte Missverständnis der Literaturgeschichte.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Hardback
Pages
312
Price
24.70 €

Author Description

Lea Ruckpaul, 1987 in Ost-Berlin geboren, war nach ihrem Studium an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ an verschiedenen Theatern als Schauspielerin tätig. Seit 2023 ist sie Ensemblemitglied des Residenztheaters München. Ihre ersten Texte entstanden für das Theater. Ihr Debüt „My Private Jesus“ wurde 2023 am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführt und zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen. „Bye Bye Lolita“ ist ihr erster Roman.

Posts

11
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5

Ich hab dieses Buch so sehr gebraucht nach „Lolita“

Ich will gar nicht zu viel sagen. Aber. Wenn ihr Lolita gelesen habt, dann lest bitte auch unbedingt dieses Buch aus ihrer Sicht. 🥹 zu lesen, wie Dolores selbst alles wahrgenommen hat, war zwar anfangs schockierend, aber grade zum Ende hin heilend. ❤️‍🩹

Ich hab dieses Buch so sehr gebraucht nach „Lolita“
4

Eines der größten Werke der Literaturgeschichte aus einer neuen Perspektive erzählt: Lolita! 🤩

Braucht die Literaturwelt eine erwachsene, fast 40-Jährige Lolita, die ihre Sicht der Dinge, die sich mit Humbert Humbert zugetragen haben, schildert?! Ein ganz klares -Ja-!! Ebenso befreiend wie beklemmend wirken Dolores Hazes‘ Worte auf mich, die zurückblickt auf das, was ihr angetan wurde: Verschleppung und Missbrauch als 12-jähriges Mädchen durch den sehr viel älteren Humbert Humbert. Er machte sie nach dem Unfalltod ihrer Mutter von sich abhängig, wurde zu ihrem Vormund. Er ist die Hauptfigur des 1955 erschienenen Hauptwerks Vladimir Nabokovs „Lolita“. Auf der Handlungsebene hat sich im Vergleich zum Original nicht viel geändert. Einen enormen Unterschied gibt es aber: Nobokovs Ich-Erzähler Humbert Humbert wird durch Lolita bzw. Dolores Haze ersetzt, die sich ohne Scheu sexualmoralische Fragen stellt: "Wenn ich jetzt zu dem Schluss käme, dass ich einmal oder sogar mehrmals Lust empfunden habe, beim Ficken mit Humbert Humbert, würde das dann heißen, er hat mich nicht vergewaltigt?" Lea Ruckpaul lässt weibliches Begehren auf toxische Männlichkeit treffen. Dolores schreibt Tagebucheinträge in ein Tagebuch, das sie zuvor Humbert Humbert gestohlen hat - sie kontrastiert seine Einträge und Schilderungen mit ihren eigenen Erinnerungen. Daraus lässt sie ihre Version der Geschichte entstehen - eine Geschichte, voll sexueller Gewalt und brutaler Abhängigkeit. In der Rolle der Lolita ist Dolores keineswegs die süße Nymphe, sondern Opfer endloser Übergriffe und Demütigungen. Als Erwachsene Frau versteht sie nun, was ihr angetan wurde und dass sie kein Einzelfall ist. In einer harten Sprache verfasst sie eine schonungslose Anklage, die zugleich auch ein Hilferuf ist, eine Abrechnung, aber vor allem eins: eine Selbstermächtigung! „Sein Fluch hat sich erfüllt. Ich stecke im Kind fest, im kleinen Mädchen. Beim Schreiben, so hatte ich gehofft, würden sich meine Erlebnisse vereindeutigen, um das schrumpfen, was nicht in den von mir verwendeten Worten enthalten ist. Wie wenn man Plätzchen aussticht aus einem Teig. Eine Vergangenheit aus Begriffen; ohne Wucherung, ohne Rand, ohne Widersprüchlichkeit." „Bye Bye Lolita“ wirft einige Ambivalenzen auf, die für mich teils schwer auszuhalten waren beim Lesen. Ist Lolita als schützenswertes, missbrauchtes Kind zu betrachten?! Ist Lolita nicht vielmehr eine tollkühne Verführerin?! Meiner Meinung nach sollte man sie vor allem als eins nicht betrachten: Als eine ultimative Kindsfrau. ‼️Triggerwarnung: Die Missbrauchsszenen sind schwer zu ertragen‼️ Lea Ruckpaul hat mit „Bye Bye Lolita“ Geschlechterrollen und Machtverhältnisse neu unter die Lupe genommen, dabei hat sie mich sprachlich leider nicht so abgeholt wie erhofft. Sie räumt auf mit klischierten Vorstellungen über eins der größten Werke der Literaturgeschichte. Wer hier einen feministischen Roman erwartet, wird enttäuscht. Es geht um die Selbstpositionierung einer Frau im Strudel von moralischen Fragestellungen und Wiedersprüchen. Die Quintessenz von „Bye Bye Lolita“ war für mich persönlich, dass jede Frau ein Recht auf Nichtkonformität hat - eine Freiheit, die jedem Individuum erlaubt mehr zu sein als das, was andere von einem denken.

3.5

Befreiungsschlag & längst überfällige Neuinterpretation von Nabokovs "Lolita". Wenn man das schwere Thema (Kindesmissbrauch & Vergewaltigung) aushalten kann, lohnt sich das Buch, auch wenn ich sprachlich & stilistisch ein paar Probleme damit hatte.

4

Harter Tobak - aber lesenswert

Der Roman ist die Neuerzählung von dem Klassiker „Lolita“, aber dieses Mal aus der Sicht von Dolores Haze, genannt „Lolita“. Zuerst muss man sagen, dass der Roman die LeserInnen nicht schont und man sich klar sein muss, dass hier Themen wie Missbrauch schonungslos geschildert werden, was in Anbetracht der Geschichte aber notwendig ist. Die Stärke des Romans ist das Aufzeigen der psychologischen Komponente der Figur: ihre Kindheit, ihr Werdegang, ihre von Manipulation und Gewalt geprägten Gedanken. Es wird absolut nachvollziehbar verdeutlicht, welche Folgen und Effekte ihre Erlebnisse auf sie und ihr Leben haben, insbesondere auch in Bezug auf die erwachsene Dolores. Bemerkenswert ist dabei, dass der Täter zwar allgegenwärtig ist, aber bewusst nicht der Fokus von Dolores Erzählung ist, sondern der Blick ganz auf dem Opfer ruht. Einzig einige Einschübe, die das Ganze auf eine aktuelle gesellschaftliche Ebene rücken sollten, fand ich nicht ganz so organisch. Ich denke, man kann die LeserInnen selbst ihre Schlüsse ziehen lassen.

5

Schon als ich Lolita von Nabokov gelesen habe, hatte ich diesen einen hartnäckigen Gedanken im Kopf: Ich brauche ihre Stimme. Ich brauche die Geschichte aus Lolitas Sicht. Und dann bin ich auf Bye Bye Lolita gestoßen. Ein Buch, das uns diese Sicht füllt und diese Leerstelle füllt, aber auf eine Weise, die mehr weh tut, als ich erwartet hatte. Ruckpaul schreibt mit einer Klarheit, die fast körperlich spürbar ist. Sie holt Lolita aus dem Schatten einer fremden Erzählung und gibt ihr endlich Raum, Würde und Wut zurück. Es ist schmerzhaft, ja aber es ist so wichtig. Denn hier spricht nicht mehr der Mann, der kontrolliert, sondern das Mädchen, das überlebt. Für mich war es ein notwendiges Gegengewicht, eine Art literarisches Korrektiv. Ruckpaul zeigt, wie sehr Lolitas Perspektive gefehlt hat. Jeder, die/der Lolita gelesen hat, sollte auch dieses Buch lesen. Nicht als Ergänzung, sondern als Erinnerung daran, wem diese Geschichte eigentlich gehört.

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5

„Ich mag nicht länger schweigen, weil dann immer nur die eine Wahrheit in der Welt ist. Die Wahrheit derer, die sich sicher sind, dass sie recht haben.“ (S. 10) Den Ursprungsroman von Vladimir Nabokov habe ich nie gelesen – und ich werde es auch ganz sicher nicht. Denn ich kenne nun "Lolitas" Version. Die einer Vierzigjährigen, die zurückblickt auf ihr Trauma. Wer will da noch die Sicht eines lüsternen Mannes hören, der sich an kleinen Mädchen vergeht? Humbert Humbert, der sich eine Frau nur deshalb wählt, weil er es auf deren Tochter abgesehen hat. Dolores Haze – seine „Lolita“. Weltliteratur im Kontext sexualisierter Gewalt: Diese Chuzpe muss man erstmal haben. Am Ende ist es natürlich wie immer ein grooooßes Missverständnis. Eh klar. „Bye bye Lolita“ kehrt den Blick um. Lea Ruckpaul erzählt die Geschichte aus der Perspektive des Mädchens, das überlebt hat – und nun als versehrte Frau Bilanz zieht. Nach dem Tod der Mutter bindet Humbert Humbert Dolores fest an sich. Er packt sie ins Auto, und es beginnt ein Roadtrip ohne Ziel: durch die USA, durch schäbige Motels, in denen noch schäbigere Dinge geschehen. Nein, sie geschehen nicht; er tut sie ihr an. Es ist ein gewaltsames Erwachsenwerden, das der zwölfjährigen Dolores widerfährt – lange bevor sie überhaupt hätte erwachsen werden dürfen. Immer wieder versucht sie zu fliehen, ihrem Peiniger zu entkommen – körperlich wie innerlich. Doch die Manipulation des Mannes, der sich als ihr Vater ausgibt, hat bereits tiefe Spuren hinterlassen. Als sie endlich frei ist, spürt Dolores das Trügerische: Die Freiheit wurde ihr für immer genommen. Wirklich empfinden kann sie nur noch in Extremen und durch Grenzerfahrungen. Sie ist emotional taub geworden. Die junge Frau versucht, sich schreibend zu befreien. Vom Missbrauch, von den Zuschreibungen, von all dem, was andere Menschen ihr angeheftet haben. Sie schreibt sich hinein in ihre Wut, um sie irgendwann vielleicht loslassen zu können. Das ist kein versöhnlicher Prozess, sondern eine Anklage, die alle betrifft. Zur Vergangenheitsbewältigung liest Dolores Humberts Tagebuchaufzeichnungen. Sie zwingt sich, sich selbst durch seine Augen zu sehen, um zu begreifen, wie sie zu der Frau wurde, die sie heute ist. Und um zu erkennen, dass diese „Lolita“ eine andere ist. Eine Fremde. Ruckpauls Text arbeitet dabei mit Zitaten aus Nabokovs Roman, verbindet dessen Sprache mit einer heutigen, oft rohen, obszönen Wortwahl. Das stolpert nicht – es reibt sich. Und genau das muss es. Immer wieder stellt der Text unbequeme Fragen: Wie sehr machen uns die Blicke anderer zu dem, was sie in uns sehen? Ist unsere eigene Sexualität wirklich so frei, wie wir es gern glauben? Und wie ehrlich gehen wir mit unseren Wünschen, Fantasien und Tabus um? Klar und unmissverständlich positioniert sich der Roman gegen jede Täter-Opfer-Umkehr. Triebe als Entschuldigung heranzuziehen, ist unmenschlich. Humberts Behauptung, Dolores habe ihn verführt, ihn durch ihre Unschuld provoziert, wird als das entlarvt, was sie ist: Gewalt. Humbert Humbert steht hier nicht nur für einen einzelnen Täter, sondern für ein System, das Frauen zu Objekten macht, sie instrumentalisiert, um sich selbst zu ermächtigen – und dabei ihre Stimmen auslöscht. „Es gibt eine Sache, die ich nicht sein will: das Opfer eines hässlichen alten Mannes in einem Pyjama.“ (S. 100) Ruckpauls Sprache bündelt Bitterkeit, Verzweiflung und Wut zu einem dichten Paket. Man spürt das Mädchen, dem Lachen und Leichtigkeit einer Kindheit genommen wurden. Die Wut will hinaus, doch sie steckt in jeder Faser des Körpers und wird bleiben. Als Teil ihrer Identität. Das anzunehmen, dient der Selbstermächtigung, dem Befreiungsschlag und Empowerment - große Worte, die hier genau so gemeint sind. Am Ende entromantisiert Dolores den Begriff der „Lolita“ endgültig. Kein verführerisches Mädchen, dem Männer nicht widerstehen können. Sondern das, was sie immer war: ein Missbrauchsopfer. Und eine Frau, die sich ihre Geschichte zurückholt. Scham ist kein Weg, um mit sich ins Reine zu kommen – es ist vielmehr das genaue Gegenteil!

5

Triggerwarnung- dieses Buch ist schwer aushaltbar und daher nicht für jeden zu empfehlen

Ein Buch, das schwer zu ertragen ist – doch genau das macht es so eindringlich. Wer Nabokovs Lolita kennt, weiß, worum es in der Geschichte geht. Hier jedoch wird die Perspektive von Dolores, der titelgebenden “Lolita”, eingenommen. Die Erzählung ist äußerst explizit und beschreibt auf schonungslose Weise die erlebte sexuelle Gewalt, weshalb das Buch mit Vorsicht zu genießen ist. Die Autorin gelingt es meiner Meinung nach meisterhaft, die Emotionen und die verstörenden Dynamiken der Beziehungen einzufangen, die hier im Mittelpunkt stehen. Dieses Buch hat mich tief bewegt, verstört und ich bin sicher, dass es mich noch lange beschäftigen wird.

4

habe das original von lolita nie gelesen, kann mich nur noch teils an den film erinnern. das buch ist wütend und schmerzhaft, gleichzeitig aber auch stark. manche teile waren etwas wirr, trotzdem habe ich es gerne gelesen.

3

Bye Bye Lolita fühlt sich an wie eine notwendige Korrektur einer Geschichte, die jahrzehntelang aus der Täterperspektive erzählt wurde.

Der Roman Bye Bye Lolita von Lea Ruckpaul erzählt die bekannte Geschichte aus Nabokovs Lolita neu – diesmal aus der Perspektive von Dolores selbst, die als erwachsene Frau auf ihre Kindheit und den Missbrauch durch Humbert Humbert zurückblickt. Dabei geht es weniger um die ursprüngliche Handlung als vielmehr um die Frage, wie Gewalt, Vernachlässigung und fehlende Grenzen ein Mädchen prägen und ihr späteres Verhältnis zu Macht, Sexualität und Selbstbestimmung beeinflussen.

5

Einfach genial die Perspektive umzudrehen und gleichzeitig erschrecken wie gewaltvoll diese Übergriffigkeit ist und dass es für das Original einen großen aufschrie hab. Auch toll wie es am Ende eingefangen wir und man sich als Leserin in Lolitas Geschichte zu einordnen versucht.

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