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“A Whisper of Wings” von Carina Schnell ist der Abschluss der Rabenwinter-Saga. Eine (Dark) Romantasy inspiriert von der nordischen Mythologie. Wer „A Breath of Winter” noch nicht gelesen hat, sollte hier nicht weiterlesen, da ich in dieser Rezension haltlos spoilern werde. Ihr seid gewarnt. Die Handlung setzt ein Jahr nach dem traumatischen Ende von „A Breath of Winter“ ein. Smilla hat sich komplett in ihren Rachegelüsten verloren und ist von Schuld zerfressen. Kein Wunder, immerhin hat sich der Mann, den sie geliebt hat, als der „Hexenschlächter“ entpuppt: das Monster, das 21 Hexen ermordet hat – darunter Smillas kompletten Zirkel. Doch warum fühlt Smilla sich nun schuldig? Die Liste ist lang: sie fühlt sich schuldig, weil sie Gent noch immer liebt. Weil sie sich überhaupt in ihn verliebt hat. Weil sie den Mann, den sie geliebt hat, töten wollte. Weil sie den Hexenschlächter, der er war, dann aber doch nicht töten konnte. Weil sie sogar versucht hat, ihn zu retten – es aber doch nicht genug versucht hat und dementsprechend gescheitert ist. Jedem empathischen Leser werden in dem Kontext noch weitere Punkte für diese Teufelsspirale einfallen. Emotionen sind halt nicht immer logisch. Carina Schnell fängt diese aber ziemlich gelungen ein und gibt ihrer Protagonistin in diesem Band die Möglichkeit, die Phasen der Trauer zu durchlaufen und sich selbst zu vergeben. Das ist nicht schön. Das ist nicht unterhaltsam. Und wenn man dann im Kopf dieser leidenden Person sitzt, kann das auch mal zermürbend sein. Dennoch ist es eine Schande, dass scheinbar die Mehrheit der Leser Smilla einfach nur nervig findet und mehr Empathie für den Serienkiller aufbringt, der natürlich doch wieder von den Toten aufersteht. Denn dies ist eine vermaledeite Romantasy, also entpuppt sich Gent als Halbgott, der nach seinem Tod von Papa Odin mit offenen Armen in Walhalla empfangen wurde. Papalein ist sogar noch stolz auf seinen „Monstertöter“. Aber er hat das natürlich auch verdient, denn obwohl er durch Middangard gezogen ist und Hexen im Schlaf ermordet hat, nur weil ihm eine Seherin prophezeit hat, dass sein Tod im Zusammenhang mit einer Hexe steht, ist er doch irgendwie einer von den Guten. Er hat doch die besten Intentionen. Das beweist er auch direkt, indem er sich das Jahr lang selbst geißelt, bis er Smilla wiedersieht und ihr darauf prompt zurück in die Welt der Menschen folgt… Mal im Ernst: was möchte uns die Autorin hier eigentlich mitteilen? Das gesamte Narrativ ist damit beschäftigt, um Vergebung für diesen Mörder zu bitten. Auf der einen Seite haben wir die durchweg moralisch überlegene Smilla, die verständlicherweise durchdreht, weil sie sich mit ihrem ehemaligen Geliebten/Mörder ihrer Familie beschäftigen muss und auf der anderen Seite seine sinnlosen Kapitel, in denen er sich selbst beweint, weil er Smilla doch so liebt und er sie nicht verdient hat. Richtig, hat er nicht. Was meine ich mit moralisch überlegen? Smilla ist eine Hexe. Obwohl die Hexen von den Menschen teilweise verfolgt und getötet werden, ist es deren Philosophie, dass jedes Leben lebenswert ist – ergo, retten sie eher einen Menschen, der ihnen schaden möchte, als sich zu wehren. Ja, Smilla wird von Rache getrieben und schließt sich deshalb einem mörderischen Söldnertrupp an, aber sie nehmen genau zwei Aufträge an: der Erste ist die Besänftigung der Quelljungfer, bei der Smilla eine Lösung findet, ohne sie zu töten – was natürlich Gents ursprünglicher Plan war. Der Zweite ist die Festnahme des Hexenschlächters. Auch hier ist es nicht Smilla, die ihn tötet – obwohl er es verdient hätte. Ihre darauffolgende Jagd auf die Walküre ist ihre einzige „echte Sünde“. Natürlich soll das zeigen, dass sie ebenso Jagd auf „Monster“ gemacht hat wie er, aber effektiv erleben wir Leser nur, wie sie zur Verteidigung getötet hat. Im Text selbst steht nämlich, dass ihre Jagd erfolglos gewesen war. Zurück zu dem Serienmörder, dem jeder verzeiht. An der Stelle, an der die Wilde Jagd wütender auf Smilla ist, weil sie ihnen nicht erzählt hat, was Gent so in seiner Freizeit getrieben hat, statt auf Gent selbst, bin ich fast geplatzt. Nur weil er jahrelang ihr Freund war, muss man das nicht einfach hinnehmen mit der Aussage, es wäre nicht ihr Platz darüber zu urteilen. Ja, sie sind Söldner und sie werden alle Dreck am Stecken haben. Immerhin erleben wir ganz zu Beginn vom ersten Band, wie sie ein ganzes Dorf abfackeln, weil irgendein popeliger Jarl das beauftragt hat. Eine Tat, die Smilla damals direkt zurecht angeprangert hat, worauf Gent sich damit rechtfertigte, dass sie sonst nur Aufträge annehmen, die dem Schutz der Menschen dienen würden, aber die Zeiten wären ja hart und die Aufträge knapp…Jedenfalls erfährt Smilla erst echtes Verständnis von der Gruppe, nachdem diese erfahren haben, dass Smillas Familie zu Gents Opfern zählt. Dass die nicht selbst darauf gekommen sind, ist schon schlimm genug. So oder empfinde ich es als ein Unding, diverse Male lesen zu müssen, dass Smilla doch auch seine guten Seiten berücksichtigen sollte…bitte? Immerhin kommen die beiden nicht wieder zusammen und Smilla lernt am Ende, vor allem sich selbst zu vergeben – er ist nur ein Beiprodukt. Trotzdem ist es für mich ein Unding, dass er mit Göttlichkeit und einem eigenen Reich belohnt wird – auch wenn viele das als Strafe lesen werden (warum auch immer). Aber hey, er erlaubt ihr dafür, dass sie ihre Familie im Reich der Toten besuchen darf so oft sie will. Ende gut, alles gut? Nach dieser Litanei an Wut fällt es mir nicht leicht, noch den Rest des Romans zu bewerten, aber das wäre nicht fair, also: Carina Schnell hat einen wirklich angenehmen Schreibstil. Die Hörbuchsprecher geben ihr Bestes, allerdings gefiel mir die männliche Stimme nicht so gut. Seine Aufnahmen wirkten auch immer dumpfer als die von Corinna Dorenkamp. Der Name des Sprechers wird auch leider nirgendwo aufgeführt – schade. Da wir es hier offensichtlich nicht mehr wirklich mit einer Liebesgeschichte zu tun haben, liegt der Fokus in „A Whisper of Wings“ auf der Fantasy-Geschichte. Das finde ich persönlich natürlich super! In der Fortsetzung tauchen wir auch so richtig tief in die nordische Mythologie ein und der Antihelden-Trupp erlebt so einige Abenteuer. Die einzelnen Quests sind leider sehr schnell abgehandelt und verlaufen viel zu glatt. An einer Stelle müssen sie zum Beispiel ein unwegsames totes Land durchqueren, was zuvor so richtig aufgebauscht wird und dann brauchen sie im Endeffekt nicht einmal einen Tag und treffen auf keinerlei Hindernisse. So verliefen die meisten Kapitel dieser Art, was leider sehr antiklimaktisch war. Ich weiß auch nicht so ganz, ob mir Schnells Interpretation der Edda gefällt, aber zumindest ist es mal ein neuer Ansatz. Alles in allem ist „A Whisper of Wings“ ein recht durchschnittlich gutes Fantasybuch – das aber moralisch komplett verdorben ist. Ich bleibe dabei, dass das Konzept im Rahmen einer Romantasy einfach nicht funktioniert, dafür hätte es eine richtig gute Grimdark Fantasy werden können. Oder „A Breath of Winter“ hätte ein Einzelband bleiben sollen. So oder so funktioniert die Reihe, so wie sie ist, nicht für mich. 2/5 Sterne.
Jan 26, 2026
“A Whisper of Wings” von Carina Schnell ist der Abschluss der Rabenwinter-Saga. Eine (Dark) Romantasy inspiriert von der nordischen Mythologie. Wer „A Breath of Winter” noch nicht gelesen hat, sollte hier nicht weiterlesen, da ich in dieser Rezension haltlos spoilern werde. Ihr seid gewarnt. Die Handlung setzt ein Jahr nach dem traumatischen Ende von „A Breath of Winter“ ein. Smilla hat sich komplett in ihren Rachegelüsten verloren und ist von Schuld zerfressen. Kein Wunder, immerhin hat sich der Mann, den sie geliebt hat, als der „Hexenschlächter“ entpuppt: das Monster, das 21 Hexen ermordet hat – darunter Smillas kompletten Zirkel. Doch warum fühlt Smilla sich nun schuldig? Die Liste ist lang: sie fühlt sich schuldig, weil sie Gent noch immer liebt. Weil sie sich überhaupt in ihn verliebt hat. Weil sie den Mann, den sie geliebt hat, töten wollte. Weil sie den Hexenschlächter, der er war, dann aber doch nicht töten konnte. Weil sie sogar versucht hat, ihn zu retten – es aber doch nicht genug versucht hat und dementsprechend gescheitert ist. Jedem empathischen Leser werden in dem Kontext noch weitere Punkte für diese Teufelsspirale einfallen. Emotionen sind halt nicht immer logisch. Carina Schnell fängt diese aber ziemlich gelungen ein und gibt ihrer Protagonistin in diesem Band die Möglichkeit, die Phasen der Trauer zu durchlaufen und sich selbst zu vergeben. Das ist nicht schön. Das ist nicht unterhaltsam. Und wenn man dann im Kopf dieser leidenden Person sitzt, kann das auch mal zermürbend sein. Dennoch ist es eine Schande, dass scheinbar die Mehrheit der Leser Smilla einfach nur nervig findet und mehr Empathie für den Serienkiller aufbringt, der natürlich doch wieder von den Toten aufersteht. Denn dies ist eine vermaledeite Romantasy, also entpuppt sich Gent als Halbgott, der nach seinem Tod von Papa Odin mit offenen Armen in Walhalla empfangen wurde. Papalein ist sogar noch stolz auf seinen „Monstertöter“. Aber er hat das natürlich auch verdient, denn obwohl er durch Middangard gezogen ist und Hexen im Schlaf ermordet hat, nur weil ihm eine Seherin prophezeit hat, dass sein Tod im Zusammenhang mit einer Hexe steht, ist er doch irgendwie einer von den Guten. Er hat doch die besten Intentionen. Das beweist er auch direkt, indem er sich das Jahr lang selbst geißelt, bis er Smilla wiedersieht und ihr darauf prompt zurück in die Welt der Menschen folgt… Mal im Ernst: was möchte uns die Autorin hier eigentlich mitteilen? Das gesamte Narrativ ist damit beschäftigt, um Vergebung für diesen Mörder zu bitten. Auf der einen Seite haben wir die durchweg moralisch überlegene Smilla, die verständlicherweise durchdreht, weil sie sich mit ihrem ehemaligen Geliebten/Mörder ihrer Familie beschäftigen muss und auf der anderen Seite seine sinnlosen Kapitel, in denen er sich selbst beweint, weil er Smilla doch so liebt und er sie nicht verdient hat. Richtig, hat er nicht. Was meine ich mit moralisch überlegen? Smilla ist eine Hexe. Obwohl die Hexen von den Menschen teilweise verfolgt und getötet werden, ist es deren Philosophie, dass jedes Leben lebenswert ist – ergo, retten sie eher einen Menschen, der ihnen schaden möchte, als sich zu wehren. Ja, Smilla wird von Rache getrieben und schließt sich deshalb einem mörderischen Söldnertrupp an, aber sie nehmen genau zwei Aufträge an: der Erste ist die Besänftigung der Quelljungfer, bei der Smilla eine Lösung findet, ohne sie zu töten – was natürlich Gents ursprünglicher Plan war. Der Zweite ist die Festnahme des Hexenschlächters. Auch hier ist es nicht Smilla, die ihn tötet – obwohl er es verdient hätte. Ihre darauffolgende Jagd auf die Walküre ist ihre einzige „echte Sünde“. Natürlich soll das zeigen, dass sie ebenso Jagd auf „Monster“ gemacht hat wie er, aber effektiv erleben wir Leser nur, wie sie zur Verteidigung getötet hat. Im Text selbst steht nämlich, dass ihre Jagd erfolglos gewesen war. Zurück zu dem Serienmörder, dem jeder verzeiht. An der Stelle, an der die Wilde Jagd wütender auf Smilla ist, weil sie ihnen nicht erzählt hat, was Gent so in seiner Freizeit getrieben hat, statt auf Gent selbst, bin ich fast geplatzt. Nur weil er jahrelang ihr Freund war, muss man das nicht einfach hinnehmen mit der Aussage, es wäre nicht ihr Platz darüber zu urteilen. Ja, sie sind Söldner und sie werden alle Dreck am Stecken haben. Immerhin erleben wir ganz zu Beginn vom ersten Band, wie sie ein ganzes Dorf abfackeln, weil irgendein popeliger Jarl das beauftragt hat. Eine Tat, die Smilla damals direkt zurecht angeprangert hat, worauf Gent sich damit rechtfertigte, dass sie sonst nur Aufträge annehmen, die dem Schutz der Menschen dienen würden, aber die Zeiten wären ja hart und die Aufträge knapp…Jedenfalls erfährt Smilla erst echtes Verständnis von der Gruppe, nachdem diese erfahren haben, dass Smillas Familie zu Gents Opfern zählt. Dass die nicht selbst darauf gekommen sind, ist schon schlimm genug. So oder empfinde ich es als ein Unding, diverse Male lesen zu müssen, dass Smilla doch auch seine guten Seiten berücksichtigen sollte…bitte? Immerhin kommen die beiden nicht wieder zusammen und Smilla lernt am Ende, vor allem sich selbst zu vergeben – er ist nur ein Beiprodukt. Trotzdem ist es für mich ein Unding, dass er mit Göttlichkeit und einem eigenen Reich belohnt wird – auch wenn viele das als Strafe lesen werden (warum auch immer). Aber hey, er erlaubt ihr dafür, dass sie ihre Familie im Reich der Toten besuchen darf so oft sie will. Ende gut, alles gut? Nach dieser Litanei an Wut fällt es mir nicht leicht, noch den Rest des Romans zu bewerten, aber das wäre nicht fair, also: Carina Schnell hat einen wirklich angenehmen Schreibstil. Die Hörbuchsprecher geben ihr Bestes, allerdings gefiel mir die männliche Stimme nicht so gut. Seine Aufnahmen wirkten auch immer dumpfer als die von Corinna Dorenkamp. Der Name des Sprechers wird auch leider nirgendwo aufgeführt – schade. Da wir es hier offensichtlich nicht mehr wirklich mit einer Liebesgeschichte zu tun haben, liegt der Fokus in „A Whisper of Wings“ auf der Fantasy-Geschichte. Das finde ich persönlich natürlich super! In der Fortsetzung tauchen wir auch so richtig tief in die nordische Mythologie ein und der Antihelden-Trupp erlebt so einige Abenteuer. Die einzelnen Quests sind leider sehr schnell abgehandelt und verlaufen viel zu glatt. An einer Stelle müssen sie zum Beispiel ein unwegsames totes Land durchqueren, was zuvor so richtig aufgebauscht wird und dann brauchen sie im Endeffekt nicht einmal einen Tag und treffen auf keinerlei Hindernisse. So verliefen die meisten Kapitel dieser Art, was leider sehr antiklimaktisch war. Ich weiß auch nicht so ganz, ob mir Schnells Interpretation der Edda gefällt, aber zumindest ist es mal ein neuer Ansatz. Alles in allem ist „A Whisper of Wings“ ein recht durchschnittlich gutes Fantasybuch – das aber moralisch komplett verdorben ist. Ich bleibe dabei, dass das Konzept im Rahmen einer Romantasy einfach nicht funktioniert, dafür hätte es eine richtig gute Grimdark Fantasy werden können. Oder „A Breath of Winter“ hätte ein Einzelband bleiben sollen. So oder so funktioniert die Reihe, so wie sie ist, nicht für mich. 2/5 Sterne.
Jan 26, 2026







