Hey guten Morgen, wie geht es dir?
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Description
Deutscher Buchpreis 2024
Großer Preis des deutschen Literaturfonds 2024
Wiesbadener Literaturpreis 2024
Prix Grand Continent
Nominiert für den Bayerischen Buchpreis 2024
»Ein Buch wie ein Seiltanz. Aber solange Martina Hefter erzählt, kann nichts passieren.« Anne Weber
Tagsüber hilft Juno ihrem schwerkranken Mann Jupiter dabei, seinen Alltag zu meistern. Außerdem ist sie Künstlerin, tanzt und spielt Theater. Und nachts, wenn sie wieder einmal nicht schlafen kann, chattet sie mit Love-Scammern im Internet. Martina Hefter hat einen berührenden Roman über Bedürfnisse und Sehnsüchte im Leben geschrieben. Und darüber, wie weit man bereit ist, für die Liebe zu gehen.
Juno schreibt online mit Männern, die Frauen online ihre Liebe gestehen und so versuchen, sie um ihr Geld zu bringen. Doch statt darauf hereinzufallen, werden genau diese Männer zu einer Form von Freiheit für Juno. In den Gesprächen kann sie sein, wer sie will und sagen, was sie will – und das vermeintlich ohne Konsequenzen. Ganz im Gegensatz zu ihrem sonstigen Leben, in dem sie immer unterwegs, immer besorgt um Jupiter, immer beschäftigt und eingebunden ist. Also flüchtet Juno ab und zu vor ihrem Alltag ins Internet und spielt dort Spielchen mit Männern, die sie anlügen. Sie selbst wird zur Lügnerin . Aber ist es nicht so, dass man sich beim Lügen zuallererst selbst belügt? Eines Tages trifft Juno auf Benu, der ihre Behauptungen ebenso durchschaut wie sie seine. Und trotz der Entfernung zwischen ihnen entsteht eine Verbindung. »Hey guten Morgen, wie geht es dir« ist ein tiefgehender Roman, aber so leichtfüßig wie eine Komödie.
Book Information
Author Description
Martina Hefter ist Schriftstellerin und arbeitet auf dem Gebiet der Performance. Sie lebt in Leipzig, wo sie am Deutschen Literaturinstitut studierte. Ihr Roman »Hey guten Morgen, wie geht es dir?« wurde 2024 mit dem Deutschen Buchpreis sowie dem europäischen Prix Grand Continent ausgezeichnet und war ein SPIEGEL-Bestseller. Für ihre schriftstellerische Arbeit erhielt Martina Hefter den Großen Preis des Deutschen Literaturfonds und den Wiesbadener Literaturpreis. Zuletzt erschienen von ihr die Gedichtbände »Es könnte auch schön werden« und »In die Wälder gehen, Holz für ein Bett klauen«.
Characteristics
19 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Nochmal eine merkwürdige Pause, in der alles, was nicht stimmte auf der Welt, zu Tage trat. Es war natürlich in erster Linie eine Gemeinheit von Juno, eine Mikroaggression, und keine Form von Rücksicht. Auf dem Weg nach Hause stand sie lange auf der Karlbrücke, machte Fotos mit dem Handy. Das glänzende, dunkle Band der Weißen Elster, darüber der Mond. Die Kamera funktionierte nicht mehr gut, auf dem Foto fuhr ein länglicher Lichtschein schräg durch den Himmelskörper. Es sah auf dem Display aus, als würde er gerade von etwas getroffen. - Zitat, Seite 114 Es kam für einige doch überraschend, dass Martina Hefter als Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2024 verkündet wurde, für ihren Roman der Gegenwartsliteratur - an dem sie laut eigenen Angaben "nur etwas länger als ein Jahr gearbeitet" hat. Während die einen Stimmen von einem "göttlichen Buch" (FAZ), welches ein "Bestseller werden" (Die Zeit) solle, Kunde geben, sehen viele Leserinnen und Leser sich mit einigen inneren Fragezeichen zur Lektüre ausgesetzt. Manche empfinden die Geschichte auch als zu öberflächlich erzählt und vermissen einen konkreten Schlusspunkt. Doch worum geht es eigentlich in "HEY GUTEN MORGEN, WIE GEHT ES DIR?" Zunächst mag man "Schlaflos in Leipzig"- Vibes empfinden, denn Juno, Anfang 50, die ihren kranken Ehemann Jupiter zu Hause pflegt, wendet sich in den Nächten den zweifelhaften Weiten männlicher Aufmerksamkeit zu. Im vollen Bewusstsein von sogenannten Love-Scammern umgeben zu sein, beantwortet sie die herzgesäumten Schmeicheleien mit provokanten Nachrichten mit fiktiven Hintergründen. Derart vor den Kopf gestoßen, blockieren die meisten Profile alsbald die Protagonistin. Doch ein junger Mann aus Nigeria lässt sich von Junos loser Internetzunge nicht abschrecken. Er enttarnt sich und bald schreiben sich Juno und Benu per WhatsApp. Juno, die ihre falsche Internetidentität beibehält, fühlt sich unsicher: wer wird hier jetzt gerade wirklich betrogen? - Spielt das überhaupt eine Rolle, denn die Frage bleibt: Gibt es überhaupt etwas Bleibendes in einer Existenz des Endlichen? Die Geschichte wird sehr stark durch ein filmisches Motiv bestimmt, welches im Roman immer wieder thematisiert und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wird. Um also wirklich in die Lektüre eintauchen zu können, sollte man sich - zumindest oberflächlich - mit dem Film "Melancholia" auseinandersetzen. Der Film wurde von dem dänischen Regisseur Lars van Trier gedreht und im Jahr 2011 veröffentlicht. In dem Film interpretiert der Regisseur das "Tristan und Isolde"-Motiv für sich und stellt es als Todestrieb dar (konträr zum Gedanken der ewigen Liebe). Sein entsprechendes musikalisches Zitat aus der Wagner-Oper begleitet dann auch den Albtraum der jungen und depressiven Justine, in der ein wandernder Planet die Erde trifft - und alles Leben auslöscht! Später wird ihre Vision rätselhafte Wirklichkeit, denn ein Planet mit dem Namen Melancholia steuert auf die Erde zu, doch Justines Mann und auch deren rationale Schwester Claire versuchen die junge Frau zu beruhigen, denn allen Berechnungen nach, wird der Fremdkörper knapp vorbei ziehen - und so kommt es auch. Doch dann steuert Melancholia erneut auf die Erde zu ... Martina Hefter verbindet also das Medium Buch mit anderen Medien wie Film und Musik. Die Intertextualität, die sich auch in Bezügen zur klassischen Literatur zeigt, wirkt dabei nur ganz minimal aufgesetzt und belebt den Text. Die Protagonistin ist stolz auf ihre Beine, die sie wohlgeformt in Pose bringt und dieser tänzerische Schwung überträgt sich beim Lesen. Als Gegenpart ist hier das Leben mit dem Partner mit einer schweren neurologischen Erkrankung. Es ist ein kluger Schritt der Autorin, im Buch diesen Ehemann zum erfolgreichen Schriftsteller werden zu lassen. Allein für die Reisebeschreibung zur Literaturveranstaltung - inklusive der Nutzung der Deutschen Bahn - lohnt die Lektüre! Was jedoch die Geschichte mit dem möglichen Love-Scammer betrifft, bleibt die Sache seltsam weichgezeichnet und unbestimmt. Die Autorin erwähnt in der Danksagung, dass der Text von einem "Sensivity Reading" begleitet wurde. Vielleicht hat dies zu diesem Eindruck beigetragen. Außerdem ist es schade, dass wir beim Lesen trotz der auktorialen Erzählweise nur die Perspektive der Protagonistin einnehmen. Darum wirkt der Text insgesamt, trotz der vielen erwähnten positiven Aspekte, wenig komplex. FAZIT Tatsächlich war ich nach den vielen gehörten negativen Stimmen überrascht, wie gut mir die Geschichte gefiel. Besonders die Hommage an den doch recht kontrovers diskutierten Film Melancholia hat mir gefallen. Ich habe mir während des Lesens den musikalischen Ausschnitt aus dem Wikipedia Artikel angehört und auch die Rezension von Wolfgang M. Schmitt (wie jung er da aussieht!) auf dessen YouTube Kanal Die Filmanalyse angesehen (und für sehenswert gehalten). Der Film Melancholia beschreibt - meiner Meinung nach - sehr treffend einen speziellen psychischen Zustand der Gelöstheit oder Euphorie einer Person, die beschlossen hat, ihrem Leiden und damit auch sich selbst ein Ende zu setzen. Entsprechend war ich sehr gespannt auf die finale Auflösung der Geschichte im Roman. Aber - der Knall blieb aus. Insgesamt war der Buchpreisträger 2024 eine interessante Lektüre, der es persönlich an Biss gefehlt hat! Hat jemand bereits eigene Erfahrungen, die geteilt werden wollen? Oder seid ihr jetzt neugierig auf das Buch geworden?
Das Buch scheint ziemlich zu polarisieren, und ich schließe mich einem Kommentar an, den ich zuvor gelesen habe: Es war keine verschenkte Zeit. Mein Genre war es allerdings nicht. Ich konnte keine wirkliche Bindung zu den Figuren aufbauen, und dieses ständige Flunkern von Juno empfand ich als anstrengend. Ihre Traurigkeit und Zerrissenheit habe ich durchaus gespürt, aber mir fehlte trotzdem etwas, um wirklich mitzugehen.
Roman des Jahres 2024 💛
✨Rezensionsexemplar✨ Nachdem ich letztes Jahr nun auch noch (zu allem Überfluss 😂😂) meine Leidenschaft für zeitgenössische Literatur entdeckt habe, aber wenig davon auf dem SuB habe, war ich sehr glücklich, diese Geschichte zu entdecken. Das war mein erstes Buch der Autorin und ich bin beeindruckt! ✨Zitate „Eine der Frauen hatte sich das Leben genommen, mit Anfang sechzig. … Ihr Haus war verpfändet worden, sie hatte ihren Job verloren. Sie hatte über 250.000 Euro an den Love-Scammer gesendet, weil er versprach, bald nach Deutschland zu kommen, erzählte die Freundin.“ „Jupiters Rollstuhl war mindestens fünfzig Kilo schwer, ohne Hilfe bekam sie ihn nicht die Treppe vom Hochparterre runter auf den Gehweg. Man brauchte eine zweite Person, und Jupiter musste auch unterstützt werden, wenn er sich die Treppe hinunter hangelte.“ ✨Inhalt Juno und Jupiter sind glücklich, aber Jupiter ist auch schwer krank und auf Junos Hilfe und Pflege angewiesen. Juno vertreibt sich außerdem ihre wenige freie Zeit damit, Love Scammer im Internet zu entlarven… ✨Meinung Das Buch hat sich sehr angenehm lesen lassen. Trotz der Schwere und Brisanz der Themen schreibt Martina Hefter mit einer unglaublichen Leichtigkeit. Gerade deshalb sind mir einige Abschnitte sehr nahe gegangen. Der respektvolle Umgang zwischen Juno und Jupiter, ihre spürbare Verbundenheit, mein Herz schmerzt immer noch, wenn ich daran denke. Hingegen die Ungerechtigkeit von Krankheit und Pflegebedürftigkeit… diese Themen betreffen alle, aber nicht alle sind so mutig, darüber einen Roman zu schreiben bzw. sich damit auseinanderzusetzen. Jupiter kämpft gesundheitlich mit vielen Problemen, das Angewiesensein auf Hilfe fällt ihm nicht leicht. Auch den Umgang Fremder mit einem Rollstuhl thematisiert die Autorin. Es wird so lange gestarrt, bis Juno zurückstarrt. Mich hat das alles sehr beschäftigt und aufgewühlt. Die Abschnitte bzgl. der Lovescammer habe ich auch gern und mit Interesse gelesen, es fiel mir da aber etwas schwerer mich reinzufühlen. Dennoch ist auch das ein wichtiges Thema, über das gesprochen werden muss. ✨Fazit Das Buch ist ein würdiger Buchpreis Sieger🥇und ich habe die Geschichte auf jeden Fall verschlungen. Meine Bewertung mit 4⭐️ bedeutet in diesem Fall lediglich, dass ich etwas Luft nach oben für weitere Werke der Autorin lasse und aktuell noch andere Bücher meine Genre Highlights sind. Juno und Jupiter habe ich aber definitiv für immer im Herzen. Macht Euch gern ein eigenes Bild! 4/5⭐️⭐️⭐️⭐️

Viel mehr als nur Love Scamming!
Ein tolles, locker geschriebenes Buch über die Herausforderung, in der Monotonie des Alltags einer pflegenden Angehörigen seine eigene Identität nicht zu verlieren. Die Themen im Buch sind deutlich umfangreicher, als der Klappentext vermuten lässt. Es geht um Pflege, das Älterwerden, das Leben als freischaffende Künstlerin, aber auch um Alltagsrassismus und das Privileg, in einem westlichen Land zu leben. Ja, es geht auch um Love Scamming, aber mehr um die Mechanismen, die dahinterstehen, und die Strukturen, die dies überhaupt nötig machen. Vom Schreibstil her erinnert es mich ein bisschen an „22 Bahnen“. Ich bin tief in die Geschichte eingetaucht und habe gefühlt ein paar Monate an Junos Seite erlebt. Ich musste stellenweise laut lachen, war aber auch sehr bewegt von ihren Worten. Besonders interessant fand ich dabei, dass sie reale Ereignisse des Weltgeschehens ins Buch eingebunden hat. Schön, dass Martina Hefter gewonnen hat! Schade, dass Clemens Meyer sich – anscheinend einer tief verwurzelten patriarchalen Tradition folgend – in seinem Misserfolg lautstark ins Rampenlicht drängen musste, um die wohlverdiente Aufmerksamkeit von ihr abzulenken. Ich hoffe, das Buch bekommt noch die Aufmerksamkeit, die es verdient. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Love Scamming mal umgedreht
Das Buch konnte mich leider überhaupt nicht überzeugen. Ich habe das Buch ausgewählt, weil sich der Klappentext richtig gut angehört hat. Aber die Geschichte dahinter hat mich leider überhaupt nicht erreicht. Ich fand zwar die Grundidee gut, konnte mich aber mit der Hauptprotagonistin Juno überhaupt nicht identifizieren. Der Schreibstil ist zwar einfach gehalten - aber durch die Chatverläufe für mich ein wenig verwirrend. Ein Roman der mich persönlich nicht erreichen konnte, aber vielleicht jemand anderen.

"Die Menschen konnten manchmal die Wahrheit schlechter verkraften, als eine offensichtlich unverschämte Lüge."
Und dieser Satz war nicht der einzige, bei dem ich kurz inne hielt und darüber nach dachte. Das Buch war nichtsdestotrotz schön und leicht geschrieben und ein gutes Buch für Zwischendurch. Man schwankt dazwischen Juno einfach in den Arm zu nehmen oder manchmal auch einen Schubs in die richtige Richtung geben möchte. Ihre Verzweiflung, Depression, aber auch die Pflege eines Menschen (die nicht einfach ist und sehr das Umfeld belastet) konnte ich gut spüren und mitfühlen, sodass sie mir oft leid tat und ich sie einfach umarmen wollte. Jedoch konnte man auch schön nachvollziehen, dass sie durch die Chats mit Benu (obwohl diese meist sehr oberflächlich waren) und ihrer Leidenschaft ins Theater wieder ein bisschen mehr ins Leben gefunden hat. Auch war die Love Scammer Thematik war sehr interessant und sich dabei zu fragen, wann ist es richtig die Wahrheit zu sagen, wann ist es in Ordnung zu lügen? Und ganz toll ausgearbeitet, waren die Astrologie-Thematik, aus der ich noch etwas lernen konnte. Um ein Highlight für mich zu werden, hat leider das gewisse Etwas gefehlt, aber nichtsdestotrotz war es ein tolles Buch, was mir in Erinnerung bleiben wird.
📌 "Wildbienen produzieren im Gegensatz zu Honigbienen nichts, sie lebten nur, um die Eier in Schlupflöcher zu legen und Nahrungsvorräte für die Larven anzulegen. Das war's, sagte Juno auf der Liege, dann sterben sie. Und dass sie das irgendwie berühre. Eine krasse Form der Bedürfnislosigkeit. " - S. 131 Worte einer Frau, die ihren kranken Mann pflegt und ihre eigenen Bedürfnisse dafür zurückstellt. Die sich flüchtet in allnächtliche Chats mit Lovescammern, um Gedanken und Gefühle auszutauschen, die sie bewegen und die sonst möglicherweise ungesagt bleiben würden, die ihren Mann liebt, aber auch ihr eigenens Leben darüber nicht verlieren, sondern leben und geliebt werden will. 📌 "Einmal Menschen um sich haben, die sich um einen sorgten. Ein paar Minuten nur. Das wäre eigentlich ganz schön, dachte sie." - S. 147

Ich verstehe es nicht, versteh's einfach nicht. Warum hat dieses Buch einen Buchpreis gewonnen? Selten regt mich Literatur so auf. Auf 220 Seiten gelingt es der Autorin, dass ich das Buch spätestens aller 5 Seiten an die Wand klatschen will, weil es dünn ist, dünne Suppe mit inhaltslosem Füllstoff. Auf Seite 129 schreibt die Protagonistin es selbst: sie dehnt den Text aus. Martina Hefter dehnt ihn auch aus und zwar ins oberflächlich Belanglose, anstatt in die Tiefe; fasst große Themen an, um sie gleich wieder fallen zu lassen. Es hätte so viel mehr sein können, als das was es ist: ein sachlich-nüchternes Dahinplätschern garniert mit Planetenphilosophie. 1,5 Sterne für die Idee, die ersten 10 Seiten und die Aufregung.
Ein kurzweiliger, unterhaltsam geschriebener Roman, der die Tiefen von menschlicher Psychologie an der Oberfläche streift. Man sieht die Protagonistin Juno förmlich vor sich, während sie ihren - zugegeben in ihrem Kopf spannender wirkenden - Alltag bestreitet. Das Thema Love Scamming wird aus einer völlig neuen Perspektive, der einer aufgeklärten Frau, dargestellt. Auch wenn die Protagonistin eine gewisse Fassungslosigkeit über die Opfer vorspielt, wird einem im Verlauf des Buches doch deutlich, wie anfällig man selbst für Aufmerksamkeit durch andere Personen ist. Es ist interessant zu beobachten, wie das Zusammenspiel von gegenseitiger Aufmerksamkeit und dem Unterschied des Aufeinandertreffen in dieser Geschichte funktioniert. Definitiv ein lesenswertes Buch. Das einzige, was mich negativ stimmt, ist die Tatsache, dass „reale“ Menschen in dieser Geschichte durch Eigennamen aus der Astrologie verfremdet werden. Für den persönlichen Lesefluss sind mir weniger einfallsreiche Namen deutlich lieber. Auch wenn das Thema hier sich durch die Gedanken der Protagonistin ziehen und damit die Herleitung einfach zu transportieren ist, hätte es der Geschichte einen noch nahbareren Touch geben können.

Trocken und schwierig
Ich habe das Buch aus zwei Gründen gelesen. Erstens, weil es diesen Preis gewonnen hat und zweitens, weil mir die Beschreibung gut gefiel. Und ganz ehrlich? Mir hat’s nicht gefallen. Vielleicht treffe ich bei einigen jetzt einen Nerv, aber ich fand die Protagonistin sehr unsympathisch. Die Krankheit ihres Mannes war eine reine Nebensächlichkeit. Das fand ich persönlich sehr schade. Und schwups, war am Ende sogar Benu einfach aus der Geschichte. Ich bin einfach nicht schlau daraus geworden, was mir dieses Buch eigentlich sagen will. Es werden tatsächlich vielen Themen angerissen aber mir war dieses Buch definitiv zu trocken und oberflächlich. Schwierig
Ich hab es wirklich gemocht! Ich glaub, es ist ein Buch, das nicht jeden anspricht. Ich glaub, es passiert viel zwischen den Zeilen und mich hat es voll getroffen. Ich habe viel in den Zwischenräumen gefühlt, habe weiter gedacht, habe nachempfunden, habe kein Mitleid empfunden, sondern eher Bewunderung und Wertschätzung. Was wird erzählt? Die Geschichte von Juno, einer Künstlerin, die tanzt und im Theater spielt und ihrem schwerkranken Mann Jupiter, den sie im Alltag unterstütz. Dank schlafloser Nächte verbringt sie viel Zeit nachts im Netz und chattet mit Love-Scammern. Sie macht sich einen Spaß daraus, die Love-Scammer anzulügen, abstruse Geschichten über sich zu erzählen und sie damit zu vergraulen. Doch dann lernt sie Benu kennen und er verschwindet nicht. Sie schreiben sich regelmäßig, machen Videocalls und Juno erschafft sich eine Art Parallelwelt, ein Weg, um ein wenig aus ihrem Universum zu flüchten, das geprägt ist von Pflege, Sorgen, Geldknappheit, Altern, Einsamkeit uvm. Die Geschichte kann bestimmt verwirrend sein, da oft einzelne Themen nur angeschnitten werden, Alltagssituationen erzählt, die offenbar nicht wichtig erscheinen, plötzlich Erinnerungen aus Junos Vergangenheit scheinbar zusammenhanglos auftauchen und doch fügt sich für mich alles zusammen und ergibt für mich Sinn. Es hat mich mitfühlen lassen. Ich konnte verstehen, dass nicht alles detailliert beschrieben werden muss, um sich hineindenken zu können. Um zu bemerken, wie finanziell unsicher es ist, als Künstler*in zu arbeiten und wie kräftezehrend die Pflege eines geliebten Menschen sein kann. Sehnsüchte und Bedürfnisse vorhanden sind und gleichzeitig immer auch ein schlechtes Gewissen. Mich hat es berührt und ich würde es weiterempfehlen, allerdings mit dem Hinweis „Schau, was es mit dir macht! Vielleicht verwirrt es dich, aber vielleicht fühlst du es wie ich.“ S.47 „Aber schon komisch, sagte Juno. Was? Dass ich auf Plakaten überall in der Stadt zu sehen bin, und trotzdem kann ich meine Miete gerade noch so zahlen.“ S.48 „Das war das eigentlich Schlimme am Älterwerden. Man sah für sich selbst immer gleich aus, aber die anderen Leute sahen den Unterschied.“ S.117 „Ziemlich viele weiße, westliche Frauen machten jedes Jahr auf diese Art Urlaub, hieß es in der Doku. Es ging nicht um schnellen Einmal-Sex und am nächsten Tag mit jemand anderem wieder, so wie es die europäischen Männer machten, die nach Thailand flogen oder auf die Philippinen und dort durchschnittlich mit zwei Frauen pro Tag schliefen.“ S.149 „Alles auf der Erde bestand aus Ausbeutungssystemen, es gab nichts, was einfach so, ohne einen Ausgleich getan wurde, ohne einen Zweck, der am Ende Geld abwarf. Geld war neben Feuer, Knall und Erschütterung die vierte Naturgewalt, die aus einem Überschuss an Energie entstand.“
Teilweise hat der Roman Assoziationen in mir heraufbeschworen, die mich tief berührt haben, und ich glaube auch zu verstehen, was die Autorin vermitteln möchte. Dennoch empfand ich den Text oft als struktur, ziel- und sinnlos. Ich habe den Roman in der schönen Ausgabe von der Büchergilde Gutenberg gelesen, deren Gestaltung sehr gut zum Inhalt passt.

HEY, GUTEN MORGEN, WIE GEHT ES DIR? Martina Hefter Tagsüber ist Juno, eine Performance-Künstlerin, völlig ausgelastet: Sie pflegt ihren schwerkranken Ehemann Jupiter, der im Rollstuhl sitzt und kaum mehr als ein paar Schritte mit dem Rollator gehen kann. Die Leipziger Altbauwohnung, in der sie leben, ist alles andere als behindertengerecht und Jupiters Zustand verschlechtert sich zunehmend. Doch nachts, wenn der Alltag still wird, bleibt nur noch die Einsamkeit. Um dieser Leere zu entkommen, taucht Juno in die Welt der Online-Chats ein. Dort trifft sie auf sogenannte Love-Scammers - Männer, die sie betrügen und um Geld erleichtern wollen. Doch Juno weiß, was gespielt wird. Sie lässt sich nicht ausnutzen, sondern wendet das Spiel zu ihren Gunsten: Mit ihren Lügen erschafft sie eine neue Version ihres Lebens. Mal behauptet sie, sie sei unverheiratet. Mal erzählt sie von wechselnden Liebhabern und wilden Partynächten mit Freundinnen. In dieser virtuellen Welt kann sie der Realität entfliehen, in der Jobangebote immer seltener werden und sie sich fragen muss, wer eine Tänzerin jenseits der Fünfzig noch buchen würde. Eines Tages tritt Benu aus Nigeria in ihr Leben, ein weiterer Love-Scammer, dessen Profil von Anfang an offensichtlich gefälscht ist. Aber das macht Juno nichts aus. Er schenkt ihr einen kleinen Funken von Hoffnung und Abenteuer. Während sie ihm weiterhin Geschichten auftischt, ahnt sie insgeheim, dass sie in Wahrheit vor sich selbst flieht. Martina Hefter hat mit „HEY, GUTEN MORGEN, WIE GEHT ES DIR?“ einen ungewöhnlichen Roman geschaffen, der mit leisen, aber eindringlichen Tönen von Sehnsucht, Einsamkeit und dem Wunsch nach Nähe erzählt. Es geht um die Härten des Älterwerdens, die wachsende Distanz in Beziehungen und den schmerzhaften Versuch, sich selbst neu zu erfinden. Was wie eine alltägliche Geschichte beginnt, entfaltet sich zu einer tiefgründigen Erzählung, die zum Nachdenken anregt. Ob Juno am Ende Geld an Benu überweist? Das müsst ihr selber herausfinden. Da ich das Buch größtenteils als Hörbuch genossen habe, möchte ich unbedingt die wunderbare, positive Stimme von Inka Löwendorf hervorheben. Ihr zuzuhören war ein wahrer Genuss. Eine Lesemausebewertung gibt es dieses Mal nicht, denn Martina Hefter ist die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2024!!! Herzlichen Glückwunsch Martina Hefter und dem Klett-Cotta-Verlag!

schwierig,wegen großer Erwartungshaltung
Ich bin wirklich zwiegespalten. Das Preisträgerbuch sorgt dafür, dass man gewisse Erwartungen hat.Schließlich hat es einen Preis gewonnen. ⚠️ Spoiler enthalten⚠️ Juno und Jupi haben Keim einfaches Leben. Jupi hat MS. Juno pflegt ihren Mann, die Finanzen sehen nur mäßig gut aus. Der Kontakt mit den Lovescammern ist eine Art Abwechslung für Juno. Sie führt sie an der Nase rum,weiß genau was für Strategien sir anwenden. Mit einem Scammer den Sie enttarnt hat bleibt sie allerdings in Kontakt. Sie Switches aus den Cjats von Insta sogar zu WhatsApp, haben regelmäßig Videocalls. Juno lernt ihn tatsächlich besser kennen,Beno. Beno aus Nigeria. Beno schämt sich für sein Lovescamming ,wirkt für Juno aufrichtig. So wird daraus so etwas wie eine Zweckfreundschaft. Beno ist Denjenige dem Juno sich anvertraut wenn sie glaubt mit niemandem reden zu können. Juno war schon immer anders,komisch. Zu Schulzeit schon gemobbt spielte sie außerhalb ihres Theaterspiels immer nur ihre Rolle.Nur auf der Bühne ist sie Juno. Anders als man dann erwarten würde, entsteht keine Liebe zwischen Juno & Beno. Beno ist einfach irgendwann weg. Erst ist es komisch für Juno,aber doch irgendwie in Ordnung. Ich mag nicht beurteilen ob das gerechtfertigt ist. Ob es nun gerechtfertigt ist das Fr. Hefter mit ihrem Werk den Buchpreis gewonnen hat oder nicht mag ich nicht beurteilen. Was ich aber sagen kann ist, dass es nur bedingt "mein Buch" war. Ich fand die Thematik sehr interessant. Wo man doch immer glaubt man wüsste bescheid was Lovescamming angeht. Auch die Lebenssituation bei Juno & Jupi ist gut geschrieben und nachvollziehbar. Mich konnte die Story trotzdem nicht so richtig fesseln. Durch eine Abschnitte hab ich mich eher gequält.
Ich habe "Hey Guten Morgen, wie geht es Dir?" mit einer gewissen Erwartungshaltung gelesen ( viele wichtige Preise, der Meyer-Skandal, verschiedene Kritiken). Am Anfang wurde ich nicht wirklich warm mit Juno Isabella Flock, die so stolz auf ihre Tattoos, ihre sehr langen Beine und ihr durch hartes, fast tägliches Balletttraining straffes Gesicht ist, trotz eines gewissen Alters. Sie ist eine sehr vielschichtige Protagonistin, auch autobiografisch angelehnt. Wie sie mit den Love-Scammern umgeht, fand ich durchaus cool, auch wenn ich nie verstehen werde, wie man irl auf solche Betrüger hereinfallen kann. Etwas gestört hat mich, das der Chatverlauf mit Benu aus Nigeria nicht auf englisch war- keine Ahnung, fand es dadurch irgendwie nicht authentisch. Ich mochte einzelne Passagen, die junge Juno vor allem. Beeindruckt hat mich auch der karge Lebensstil, den Juno und ihr Mann, der an den Rollstuhl gefesselte Jupiter in ihrer Wohnung mit Glastüren ( absoluter Horror für mich) führen. Es ist ein besonderes Buch, eine unbequeme, unangepasste Hauptfigur, eine Geschichte mit harten Momenten und zart- melancholischen Szenen, etwa, wenn Juno weinend durch die Stadt geht. Ich verstehe die Leute, die davon sehr begeistert waren, aber auch die kritischen Stimmen.
Leider hat mich dieses Buch ziemlich enttäuscht. Und das obwohl ich es so gern gemocht hätte und dachte, dass ich es mögen werde, mich vielleicht sogar darin wiederfinden wurde. Denn das Gefühl von Einsamkeit und der Versuch, diese mit virtuellen Begegnungen abzumildern, sind Themen, die mir absolut nicht fremd sind. Aber leider ist der Funken zwischen Juno und mir nicht über gesprungen. Schade.
Regt zum Nachdenken an
Ein Buch über eine Frau, die ihren kranken Mann pflegt und selbst eine Erfüllung im Leben sucht. Diese findet sie kurzweilig in Smalltalk Gesprächen mit sogenannten Love-Scammern, welche aber nach kurzer Zeit die Chats wieder beenden. Aber auch das Aufleben lassen alter Hobbys bringt ihr Freude. Als Leserin war ich teils schockiert, über das sehr kühl wirkende Verhältnis zwischen Juno und ihrem Mann. Jedoch merkt man im Laufe der Geschichte schnell, dass Juno sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten bestmöglich um ihren Mann kümmert. Über ihre Gefühlswelt erfährt man nicht all zu viel, man kann sich jedoch selbst ein Bild entwicklen, da man als LeserIn einige Hintergrundinformationen (beispielsweise zur Kindheit Junos) erhält. Schön fand ich auch, dass die „Love-Scammer“ nicht rein als die Bösen in den Geschichten dargestellt werden, sondern dieser Liebesbetrug oft aus verzweifelten und prekären Lebenssituationen heraus entsteht. Das Buch wird in mir wahrscheinlich noch einige Zeit nacharbeiten, insbesondere das eher bedrückende Gefühl, welches in mir beim Lesen ausgelöst wurde.

„Hier in den Bergen gibts Hunde, die retten dich aus dem Schnee. So einen Hund bräuchte jeder. Einen Rettungshund. Wovor sollen sie dich retten? Vor allem.“ (Seite 155) Martina Hefters Roman „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ hat mich beim Lesen tief beeindruckt. Zum Einem durch die leichte, fast tänzerische Sprache und zum Anderen die intensive Behandlung tiefgründiger Themen wie Liebe, Sehnsucht und die Herausforderungen des Alltags. Hefter, die für den Roman im vergangenen Jahr den deutschen Buchpreis erhielt, schafft es die Geschichte der Hauptprotagonistin Juno in der Verflechtung zwischen der Pflege ihres schwerkranken Mannes, ihrer Arbeit als Künstlerin und ihrem engen Austausch mit dem Love-Scammer Benu nahezu spielerisch der Leser:innenschaft zu präsentieren. Was ist Zuflucht, was ist Herausforderung, was ist Abenteuer, was ist Alltag - auch hierbei verschwimmen die Grenzen und wir sind eng dabei. „Im Dorf seiner Tanten glaubten viele an Hexen, meistens fand er es albern, Aber man konnte sich dem nicht immer entziehen. Es hieß, Hexen brächten Hunger. Sie machten das Vieh krank, ließen die Felder vertrocknen. Es gibt natürlich vernünftige Erklärungen dafür, dass das Vieh krank wird, sagte Benu. Aber die unvernünftigen Erklärungen sind eben einfacher.“ (Seite 185) „Die Zeit gar kein Strahl, sondern mehr so etwas wie eine Suppe. Nur die Tatsache, dass wir dem Tod näher kommen, ragt immer in jede Handlung, in jedes Geschehnis hinein. Egal, was man gerade macht, die Blumen gießt, ein Brot isst, tut man das auf dem Weg zum Sterben. Dieser Vorgang heißt Altern. Man altert ab der Geburt.“ (Seite 207)

Mein Interpretationsversuch. Traurig, einsam, leise, berührend.
Inhalt: Tagsüber hilft Juno ihrem schwerkranken Mann Jupitor dabei, den Alltag zu meistern. Sie ist Künstlerin und spielt Theater. Nachts, wenn sie nicht schlafen kann, chattet sie mit Love-Scammern. (M)eine Interpretation: In diesem Roman passiert wenig – die kurze Inhaltsangabe gibt bereits alles wieder. Was passiert, passiert zwischen den Zeilen. Juno war für mich als Charakter schwer zugänglich. Ich glaube, darum geht es. Die gesamte Erzählung wirkt distanziert. Es gibt keine direkte Rede; Juno und Jupitor sprechen kaum miteinander. Längere Kommunikation findet vor allem über das Internet statt. Ich denke, Distanz, Isolation und Einsamkeit sind die Hauptthemen des Romans. Juno ist wohl nicht umsonst ein Satellit, der um den Planeten Jupiter kreist, ihn aber folglich nie berühren kann. Bezeichnend für ihre distanzierte Beziehung ist auch die Wohnung der beiden, in der Juno den Tag-Nacht-Rhythmus ihres Mannes nur kennt, weil sie Licht durch die Glastüren fallen sieht. Glas mag durchsichtig sein, ist aber undurchlässig – ein wiederkehrendes Bild im Roman. Auch wenn Juno einem Love-Scammer näherkommt, schreckt sie zurück, indem sie lügt, und mit jemandem schreibt, der auf einem anderen Kontinent wohnt. Junos Faszination für Sternbilder ist für mich ein weiterer Hinweis auf Einsamkeit - wunderschön anzusehen am Nachthimmel, aber eben auch unerreichbar. Nur auf der Bühne ist Juno bei sich. So schließt der Roman: “Solange ich spiele, passiert nichts.” Solange Juno jemand anderes sein kann, kann sie Glück nachempfinden. Dabei sehnt sich Juno nach Nähe. Ihre Faszination für den Film “Melancholia” (den man nicht kennen muss, um das Buch zu lesen), in dem ein Planet auf die Erde kracht und auslöscht, zeigt, dass sie sich nach ‘Impact’ (Wirkung, Einschlag) sehnt. Auch ihre Faszination für Tattoos scheint darin zu liegen, etwas Dauerhaftes zu haben, das sie im wahrsten Sinne des Wortes berührt. Andere Aspekte des Romans (Angst vor Krankheit, Derpression, die eigene Vergänglichkeit) habe ich nicht angerissen. Frau Hefter hat einen auf den ersten Blick simplen Roman geschrieben, der sich zwischen den Zeilen entfaltet.

In dem Buch geht es um Juno, die ihren kranken Mann pflegt und sich nachts in Chatgespräche mit Fremden flüchtet. Dabei lernt sie einen besonders gut kennen und schafft es so in eine Traumwelt zu flüchten und dem Alltag etwas zu entkommen. Mir hat das Buch total gut gefallen. Hatte es innerhalb kürzester Zeit als Hörbuch gehört. Auch die Sprecherin mochte ich sehr. „Wie schön dieser Moment war und wie glücklich sie war ihn erlebt zu haben. Einen kostbaren Moment von wirklicher Schönheit. Denn Schönheit war es die am Ende im Gedächtnis blieb, nicht äußere Schönheit, sondern die Schönheit eines Moments der völlig unerheblich war.“ „Nur die Tatsache, dass wir dem Tod näher kommen, ragt immer in jede Handlung, in jedes Geschehnis hinein. Egal, was man gerade macht, die Blumen gießt, ein Brot isst, tut man das auf dem Weg zum Sterben. Dieser Vorgang heißt Altern. Man altert ab der Geburt."
Der Roman "Hey guten Morgen, wie geht es dir?" klang zuerst nach einer aktuellen und spannenden Geschichte mit besonderen Figuren. Doch leider konnte mich der Roman so gar nicht packen. Ich habe mich regelrecht durchgekämpft und bin auch mit Juno überhaupt nicht warm geworden. Für mich wurde im Verlauf der Geschichte nicht deutlich, auf welches Ziel oder Thema die Autorin hinauswill und hinterlässt so bei mir den Eindruck eines ambitionierten Projekts, das in seiner Umsetzung nicht ganz überzeugen kann. Schade, aber das war offenbar einfach nicht das richtige Buch für mich.
Leider enttäuscht
Juno lebt mit ihrem schwerkranken und pflegebedürftigen Mann Jupiter zusammen. Sie kümmert sich liebevoll um ihn. Juno nimmt sich die Zeit für ihre eigenen Bedürfnisse und Sehnsüchte. Sie tanzt Ballett, macht bei Theaterstücken mit, lässt sich Tattoos stechen und redet gerne über die Liebe zu Planeten. In den schlaflosen Nächten schreibt sie mit Love-Scammern und legt sich eine neue Identität an. Die meisten antworten nicht mehr nach ihrer Nachricht. Außer Benu. Mit ihm schreibt sie immer mehr. Ihm erzählt sie auch Geschichten aus ihrem wahren Leben. Leider hatte das Buch für mich kaum Spannung und Tiefgang. Es hat mich nicht abgeholt oder berührt. Der Schreibstil ist sehr nüchtern und distanziert, was es mir erschwerte mich in die Charaktere hineinzuversetzen. Das Ende hat mich mit einigen Fragen zurückgelassen. Leider gar nicht mein Buch, daher auch keine Empfehlung.

Juno hat nicht viel im Leben. Seit 15 Jahren kümmert sie sich um ihren an MS erkrankten Mann und die beiden halten sich als freischaffende Künstler/Künstlerin finanziell nur mühsam über Wasser. Juno verbringt viel Zeit in den sozialen Medien und befasst sich mit dem Thema Love-Scamming und "spielt" mit vermeintlichen Scammern, die ihr schreiben, indem sie den Spieß rumdreht und ihnen Lügen über sich schreibt, bis sie von sich aus das Interesse verlieren. Doch eines Tages schreibt ihr Bensu, ein Scammer aus Nigeria, und aus dem anfänglichen Spiel wird mehr... Das Buch ist gleichermaßen spannend wie einfühlsam geschrieben, man erfährt viel über Love-Scamming, wie es funktioniert, wen es trifft, was es anrichtet und was die kolonialen und rassistischen Hintergründe sind, die man auf den ersten Blick vielleicht gar nicht sieht. Ich freue mich, dass dieses tolle Buch auf der Shortlist zum diesjährigen Deutschen Buchpreis ist!
Mit Phantasie einen schweren Alltag bewältigen
Chapeau, Martina Hefter - dies ist ein Buch wie ein Juwel, vielschichtig und schimmernd. Und poetisch. Es macht Mut, zu lesen, wie Juno kreativ und phantasievoll ihr Leben, ihren Alltag mit dem kranken Mann bewältigt. Und wie sie die Love Scammer an der Nase herumführt. Mir hat es sehr gut gefallen.
Die Geschichte begleitet die Protagonistin Juno durch Routinen, Gedanken und Beziehungen und zeigt, wie viel Tiefe selbst in kleinen Momenten steckt. Mich hat besonders beeindruckt, wie Hefter es schafft, diesen Alltag so spannend und leicht zu erzählen. Der Roman liest sich fast von selbst, weil er so voller Leben ist – ohne je langweilig zu werden. Dabei bleibt der Ton immer locker, obwohl er gleichzeitig viel zum Nachdenken bietet. Eine klare Empfehlung für alle, die einen leichten Roman lesen möchten, der trotzdem viel Tiefe hat und Junos Alltag auf eine ganz neue Weise zeigt.
Weit weg und ganz nah
„Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ ist ein wirklich abgefahrener Roman, der so viel Lautes im Leisen erzählt, dass man manchmal vergisst, dass man eine fiktive Geschichte liest. Oft fühlte es sich sogar so an, als würde ich in die Privatsphäre der Protagonistin Juno und ihrem schwerkranken Mann Jupiter eindringen. Juno fällt als Figur durch entwaffnende Offenheit auf - Sie spricht über ein mehr als verständliches Auf und Ab der Gefühle zwischen Euphorie und Niedergeschlagenheit, zwischen Optimismus und Zweifel. Und auch wenn sie ihrem Mann Jupiter räumlich sehr nahe ist und ihn auch sehr lange kennt, findet wahre menschliche Nähe vor allem zwischen ihr und dem (anfänglichen) Love-Scammer Benu statt. Die beiden schaffen eine Art luftleeren Raum, der mit nachdenklich machenden Gesprächen über das Leben gefüllt wird. Hefter lässt Juno und auch uns dabei allerdings nie rührselig oder kitschig werden und bringt einige unangenehme Wahrheiten über den Alltag zweier solch unterschiedlichen Menschen ans Licht. In ihrer fast schon auffallenden Nebensächlichkeit lag daher die große Stärke von Hefters Text und auch das Ende war schmerzhaft aber nicht tragisch.
Ich fand es großartig
Juno pflegt ihren schwer erkrankten Mann, nebenbei versucht sie immer wieder als Künstlerin neue Bühnenprogramme und Aufführungen zu konzipieren und wenn ihr alles zu viel wird, scheint es, dann stürzt sie sich in die Kommunikation mit Love Scammern im Internet. In diesen Gesprächen erfindet sie sich andere Leben, vielleicht schönere. Bis sie einen trifft der bleibt und mit dem sie länger spricht. Denke ich diese Buch wird jedem gefallen, sicher nicht. Aber wer vielleicht selbst schon einmal in einer Pflegesituation war oder sich nicht ganz richtig gefühlt hat in seinem Leben oder seiner Welt, der wird hier vielleicht seine Gefühle zwischen den Zeilen wieder finden. Ich fand es gelungen, intensiv und für mich hat es seinen Preis verdient, weil es mich wirklich berührt hat. Und dazu noch gut geschrieben war, wie in diesem Zitat: „Sei nicht so kompliziert, dann ist alles leichter, sagte ihre Mutter. Deine Freundinnen sind doch so nett. Juno versuchte es. Wenn sie spielte, ein unkomplizierter Mensch zu sein, glaubte man ihr das meistens.“
Ich hab da irgendwie was anderes erwartet 🤔
Ich habe mir unter der Geschichte was anderes vorgestellt. Ich dachte das Buch hätte mehr Tiefgang. Es wird zu keinem Zeitpunkt irgendeine Spannung aufgebaut. Zu keinemThema in diesem Buch. Ich hatte eher mit einer Geschichte gerechnet, in der sich die Protagonistin Juno mehr um ihren pflegebedürftigen Mann Jupiter kümmert und ihrem Alltag entfliehen will, indem sie mit Love Scammern schreibt. Nicht falsch verstehen. Ich finde es gut, dass Juno irgendwie trotzdem ihr Leben lebt und es wirkt auch so, als wäre Jupiter zumindest auf Wohnungsebene noch nicht sehr eingeschränkt, so dass Juno ihren Hobbys und ihrer Arbeit ohne Probleme nachgehen kann. Mich hat das Buch gar nicht gecatcht. Ich würde es sogar ein wenig langweilig nennen. Es gibt trotzdem drei Sterne, weil ein Buch einen nun mal nicht immer catchen muss und auch einfach dahinsickern kann, ich den wirren Schreibstil dann doch irgendwie mochte und ja auch mochte, dass Juno der care Arbeit eben nicht komplett verfällt, sondern auch noch auf ihre Art und Weise ihr Leben lebt.

Von der Bürde der Verantwortung und dem Wunsch nach den Sternen
Juno ist über 50, sie ist Tänzerin, Performerin, Pflegerin, Partnerin, Einkäuferin, Sternenguckerin, Insektenhotelbesitzerin und Überlebenskünstlerin. Nachts chattet sie mit Love Scammern, die vorgeben, weiße, reiche Männer zu sein und meist auf dem afrikanischen Kontinent vor Langeweile draufgehen und auf Überweisungen von einsamen, alten Frauen aus dem globalen Westen warten. Juno dreht den Spieß um, schreibt abgedrehte Botschaften, berichtet aus ihrem nicht vorhandenen Leben und provoziert die Scammer so lange, bis sie blockiert wird. Doch eines Tages, antwortet Benu und zwischen den beiden entwickeln sich Rituale, die sie miteinander verbinden. Martina Hefter hat einen bezaubernden Roman geschrieben, in dem sie eine Protagonistin gepflanzt hat, die zwischen Einsamkeit und Überforderung, Lethargie und Enthusiasmus treibt. Sie weiß, dass Benu wahrscheinlich auch nur das, was alle anderen wollen im Auge hat, aber sie sehnt sich nach dem Austausch mit dem jungen Mann, der Tausende von Kilometer weit an an seinem Endgerät sitzt. Juno pflegt ihren Partner Jupiter, der mehr und mehr an Mobilität verliert, nicht viel erwartet, gar nichts fordert aber trotzdem ihre beider Leben durch seine pure Anwesenheit bestimmt. Es hängt eine permanente Endzeitstimmung über dieser Wohngemeinschaft – Beziehung mag man das nicht nennen, dafür kam mir zu wenig Verbindung zwischen Juno und Jupiter rüber. Sie scheint ihn in seiner Krankheit manchmal nur auszuhalten, ist aber immer für ihn da, wenn er sie braucht. Trotz aller Existenznot schafft es die Protagonistin, sich selber immer wieder an den Haaren aus der Misere zu ziehen. Als Theatermensch ist sie immer dann sie selbst, wenn sie auf der Bühne steht, tanzt, performt, spielt. Den Rest ihres Lebens stellt sie dar, ist Akteurin ihrer eigenen Entwicklung und ihres Daseins. Wir bekommen Einblick in ihre Vergangenheit, in ihre Selbstzweifel und das aushalten. Schwieriger Situationen scheint ihr Lebensmotto zu sein. Der Roman ist mit leichter Feder geschrieben. Wir steigen tief in die Gedankenwelt Junos ein. Sie hält aber trotzdem eine Distanz zwischen uns Lesern und sich aufrecht. Aufgelockert wird der Text durch die Chats zwischen ihr und Benu, die nichts weiter sind, als kleine Alltagsunterhaltungen und selten darüber hinausgehen. Auch die Wahl der Namen aller Protagonisten, die mit mythologischen Figuren verbunden sind, sind ein interessantes stilistisches Mittel dieser Lektüre. Besonders besonders auf Theatermenschen, dürfte dieser Roman eine große Faszination ausüben. Ich habe ihn gerne gelesen und spreche eine Leseempfehlung aus.
Für den Moment gut
Ist das jetzt der große Wurf? Ist eine schöne und unprätentiöse Geschichte, die nah an der Lebenswelt der Autorin entlangwandert, das Beste, was im letzten Jahr auf den Markt geworfen wurde? Ich bin zwiegespalten und nicht gerade mitgerissen .. Das Buch ist ein perfekter Eindruck der aktuellen Situation. Globalisation findet zeitgleich mit Gedanken zur Altersabsicherung statt, die selbstständige Künstlerin wandelt zwischen Ruhm, Auszeichnungen und Armutsängsten. Getippt wird aus aller Welt, man blickt in die Welt zurück und Emojis ersetzen Sätze. Der Lieblingsfilm der Protagonistin ist MELANCHOLIA und gehört zum Grundwissen, ebenso wie Stadtteile Leipzigs. Die Frau im Buch mit Astronomie-Affinität kreist auch gedanklich nur um ihr eigenes Zentrum. Zu viel für mich und so bin ich zum Schluss leider froh, ab jetzt Junos Nachrichten ebenfalls nicht mehr lesen zu müssen.
„Denn Schönheit war es, die am Ende im Gedächtnis blieb, nicht äußere Schönheit, sondern die Schönheit eines Moments, der völlig unerheblich war.“ Dieses Buch habe ich eine ganze Weile vor mir hergeschoben aus Angst, es nicht zu mögen. Vor jedem Buchkauf lese ich zuerst den Klappentext und hier hat er mich zunächst nicht so richtig abgeholt. Die Themen schienen so fern von meiner Lebensrealität und ob es überhaupt eine richtige Handlung gibt, habe ich mich gefragt. Doch die vielen positiven Stimmen und ja, auch der Buchpreisgewinn, haben neugierig gemacht. Dafür bin ich sehr dankbar, denn sonst wäre mir wirklich etwas entgangen. Und wie schön ist bitte diese glitzernde Ausgabe der Büchergilde? Der Roman wirkt tatsächlich wie eine thematische Wundertüte: Es geht um Love Scamming, Ballett, Ausbeutung, Ausgrenzung und Einsamkeit; um das Weltall, Barrierefreiheit, Nigeria und Filme. Und um Liebe, Tattoos, Wildbienen und andere Wunder des Alltags. All das verknüpft Martina Hefter mit einer Leichtigkeit, dass man trotz der etwas melancholischen Grundstimmung nur so durch die Seiten fliegt. Ich mochte es, dass Martina Hefter sich nicht scheut, gleich mehrere schwere und streitbare Themen anzureißen. Während des Lesens hätte ich mir an manchen Stellen mehr Hintergrund oder Tiefe gewünscht, doch rückblickend war es genau richtig - nicht der gesellschaftspolitische Diskurs zu einzelnen Themen steht im Fokus, sondern ein Menschenleben mit all seinen Facetten. Durch die Mischung aus Gedankenstrudeln, Textnachrichten und den Alltagsbeschreibungen mit wie nebenbei erzählten Schwierigkeiten und Höhepunkten wird Juno insgesamt zu einer so lebendigen und nahbaren Protagonistin, wie ich es selten in Romanen erlebt habe. Besonders mochte ich, von einer etwas älteren Frau zu lesen - in Büchern gibt es (noch) nicht viele weibliche Hauptfiguren jenseits der fünfzig, denen eine so lebendige Gedankenwelt zugestanden wird. Wie „Auf allen Vieren“ gehört auch dieser Roman zu den Büchern, die ich bestimmt in einigen Jahren nochmals aus dem Regal holen werde.

Ich hab’s gern gelesen! Buchpreis ist nachvollziehbar denke ich.
Mir persönlich hat das Buch gut gefallen, ich fands einfach zu lesen und nicht so überkompliziert wie andere Buchpreis-Kandidaten. Auch thematisch fand ich’s spannend. Sowohl Kritik an der Kunst/ Theater, Kritik am Sozialsystem (vor allem im Bezug auf Pflege), Rassismus und Whataboutism werden aufgegriffen, aber irgendwie total natürlich in die Story eingebaut. Das hat mir gut gefallen! Die Dialoge zwischen Juno und Benu sind weird, aber irgendwie auch schön.

Ein Roman der etwas anderen Art 👀
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Ich konnte es kaum aus der Hand legen. Es kam mir so alltäglich vor, gleichzeitig aber auch abgefahren - dazu trug auch der Aufbau des Buches bei: die inneren Dialoge von Juno, die Chats, die Beschreibungen der Umgebung; alles in allem empfand ich die Geschichte als stimmig. Besonders gefiel mir auch die Aufmachung der Beziehung von Jupiter & Juno, ich konnte mir die Charaktere gut vorstellen. Man muss schon deutlich zwischen den Zeilen lesen & die Handlung auf sich wirken lassen. ✨️ Eine klare Empfehlung meinerseits, dem Buch eine Chance zu geben ✨️📖

Juno führt ein Doppelleben: die Künstlerin lebt in Leipzig, tanzt viel, hangelt sich von Job zu Job und leistet Care-Arbeit für ihren Partner Jupiter, der die meiste Zeit in einem Pflegebett in der gemeinsamen Wohnung verbringt und das Haus nicht ohne Unterstützung verlassen kann. Doch nachts, wenn Juno mal wieder nicht schlafen kann, erfindet sie sich ständig neu: jedes Mal, wenn sie mal wieder von einem Love-Scammer angeschrieben wird, gibt sie sich als jemand anderes aus. Sie nutzt die Aufmerksamkeit der Scammer aus, um sich auszuprobieren und ihre geheimsten, teilweise verworrendsten Gedanken loszuwerden. Alle flüchten daraufhin, bis einer bleibt: Benu aus Nigeria, der echtes Interesse an Juno zu haben scheint. Mit der Zeit muss Juno sich immer öfter fragen, wer hier eigentlich wen belügt und wohin das ganze führen soll. ‘Hey guten Morgen, wie geht es dir?’ hat 2024 den Deutschen Buchpreis gewonnen und ich kann's nachvollziehen. Zum einen feiere ich es sehr, dass ein Roman mit einer Ü50-jährigen Protagonistin gewonnen hat. Zum anderen webt Martina Hefter so viel Komik, aber auch Zartheit und Verletzlichkeit in ihre Zeilen, was es zu einem sehr besonderen Roman macht. Es ist ein Buch, das sich manchmal ganz schwer und dann auch wieder leicht anfühlt, bei dem man die Figuren wirklich gerne fragen möchte: aber wie geht es dir denn? Ich habs als Hörbuch gehört, wunderbar gelesen von Inka Löwendorf. CN: Ras$ismus, chronische Krankheit
Love-Scamming und mythologische Götterwesen?! In diesem Roman gibt’s beides 💕
Eine Thema das aktueller nicht sein könnte: Love-Scamming. Martina Hefter erzählt in ihrem neuen Buch „Hey, Guten Morgen wie geht es dir?“ von modernen Heiratsschwindlern und ihren Opfern. Was man sich automatisch fragt, ist, was es bloß sein mag, dass Frauen scharenweise in die Netze solcher Schwindler treibt, hinter denen sich meistens keine weißen Mittelschichtler aus Europa verbergen, sondern arme schwarze Männer aus Afrika. Alle drei Figuren des Romans tragen Götternamen. Juno a la Isabella Flock ist eine Leipziger Tänzerin in ihren Fünfzigern, die mit einem Mann zusammenlebt, der an einer schweren Form von Multipler Sklerose erkrankt ist, Jupiter. Sie flüchtet sich immer wieder in den Tanzsaal, um dort Schwerelosigkeit zu erleben. Aus Langeweile und Schlaflosigkeit chattet Juno nachts mit Männern. Mit so genannten „Love Scammern“: es handelt sich dabei meist um afrikanische Männer, die einsamen Europäerinnen erst Liebesschwüre schicken und sie dann nach Geld fragen. Juno ist sich dessen bewusst und dreht den Spieß um, kokettiert mit Falschinformationen bezüglich ihrer Biographie und spielt mit den Männern aus fernen Ländern. Denn Ablenkung hat sie dringend nötig - in der Realität liegt nämlich ihr schwerkranker Mann Jupiter im Hinterzimmer. Der Nigerianer Benu chattet sie eines Abends an und es entwickelt sich ein unerwartet ehrliches Gespräch. Die beiden kommen sich online näher, fassen Vertrauen zueinander und es entsteht ein echtes Interesse am anderen. Doch bleibt die Wahrheit ein unsicheres Gefilde. Juno ist für Benu eine begehrenswerte Frau mit vielen Liebhabern, ohne Ehemann, zeitgleich eine erfolgreiche Tänzerin in ihren besten Jahren, sprich: eine Frau zum Verlieben! Wohingegen Benu weitaus ehrlicher ihr gegenüber ist. Was wird nun aus den beiden?? Werden sie gegenseitig ihre wahre Identität preisgeben? Kann eine Beziehung auf solch einer Basis Bestand haben? Im Buch findet ihr die Antworten und die sind überraschender, als ihr vielleicht gerade denken mögt. „Hey, Guten Morgen wie geht es dir?“ ist eine Geschichte wie aus dem Leben gegriffen. Martina Hefter beherrscht die Kunst, authentisch und genau zu erzählen. Sprachlich hält das Buch viele Konversationen mit Themen der Alltagsrealität im typischen Stil unserer heutigen Messages für uns bereit. Die mythologischen Götterwesen sind nur den Namen nach präsent, da hätte ich mir mehr Bezug zu den Persönlichkeiten gewünscht und ein Psychogramm ebensolcher mit Psychologisierung und tieferer Reflexion. Dennoch sind das Kritikpunkte auf einem absolut hohen Niveau, denn der Roman gehört zu den thematisch spannendsten Büchern, die ich in diesem Jahr bisher gelesen habe. Die Autorin schafft es einen Bogen zu schlagen von Love-Scamming, Mental Health, Feminismus, Sexismus, Rassismus, Kolonialismus, dem Altern in Würde, Pflege von einem schwerkranken Partner hin zu dem Präkariat von Künstler*innen. Eine große thematische Bandbreite, der ein paar mehr Seiten gut getan hätten um der Komplexität der einzelnen Themen gerecht zu werden. „Hey, Guten Morgen wie geht es dir?“ ist ein Buch mit Sogwirkung, das mich in seine Realität gezogen, aber den Vorhang nie ganz geöffnet hat. Wenn man sich darauf einlässt, kann man viel daraus mitnehmen. Ich drücke die Daumen für die Autorin, dass sie mit diesem Werk auf der Shortlist landet!
Characteristics
19 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Deutscher Buchpreis 2024
Großer Preis des deutschen Literaturfonds 2024
Wiesbadener Literaturpreis 2024
Prix Grand Continent
Nominiert für den Bayerischen Buchpreis 2024
»Ein Buch wie ein Seiltanz. Aber solange Martina Hefter erzählt, kann nichts passieren.« Anne Weber
Tagsüber hilft Juno ihrem schwerkranken Mann Jupiter dabei, seinen Alltag zu meistern. Außerdem ist sie Künstlerin, tanzt und spielt Theater. Und nachts, wenn sie wieder einmal nicht schlafen kann, chattet sie mit Love-Scammern im Internet. Martina Hefter hat einen berührenden Roman über Bedürfnisse und Sehnsüchte im Leben geschrieben. Und darüber, wie weit man bereit ist, für die Liebe zu gehen.
Juno schreibt online mit Männern, die Frauen online ihre Liebe gestehen und so versuchen, sie um ihr Geld zu bringen. Doch statt darauf hereinzufallen, werden genau diese Männer zu einer Form von Freiheit für Juno. In den Gesprächen kann sie sein, wer sie will und sagen, was sie will – und das vermeintlich ohne Konsequenzen. Ganz im Gegensatz zu ihrem sonstigen Leben, in dem sie immer unterwegs, immer besorgt um Jupiter, immer beschäftigt und eingebunden ist. Also flüchtet Juno ab und zu vor ihrem Alltag ins Internet und spielt dort Spielchen mit Männern, die sie anlügen. Sie selbst wird zur Lügnerin . Aber ist es nicht so, dass man sich beim Lügen zuallererst selbst belügt? Eines Tages trifft Juno auf Benu, der ihre Behauptungen ebenso durchschaut wie sie seine. Und trotz der Entfernung zwischen ihnen entsteht eine Verbindung. »Hey guten Morgen, wie geht es dir« ist ein tiefgehender Roman, aber so leichtfüßig wie eine Komödie.
Book Information
Author Description
Martina Hefter ist Schriftstellerin und arbeitet auf dem Gebiet der Performance. Sie lebt in Leipzig, wo sie am Deutschen Literaturinstitut studierte. Ihr Roman »Hey guten Morgen, wie geht es dir?« wurde 2024 mit dem Deutschen Buchpreis sowie dem europäischen Prix Grand Continent ausgezeichnet und war ein SPIEGEL-Bestseller. Für ihre schriftstellerische Arbeit erhielt Martina Hefter den Großen Preis des Deutschen Literaturfonds und den Wiesbadener Literaturpreis. Zuletzt erschienen von ihr die Gedichtbände »Es könnte auch schön werden« und »In die Wälder gehen, Holz für ein Bett klauen«.
Posts
Nochmal eine merkwürdige Pause, in der alles, was nicht stimmte auf der Welt, zu Tage trat. Es war natürlich in erster Linie eine Gemeinheit von Juno, eine Mikroaggression, und keine Form von Rücksicht. Auf dem Weg nach Hause stand sie lange auf der Karlbrücke, machte Fotos mit dem Handy. Das glänzende, dunkle Band der Weißen Elster, darüber der Mond. Die Kamera funktionierte nicht mehr gut, auf dem Foto fuhr ein länglicher Lichtschein schräg durch den Himmelskörper. Es sah auf dem Display aus, als würde er gerade von etwas getroffen. - Zitat, Seite 114 Es kam für einige doch überraschend, dass Martina Hefter als Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2024 verkündet wurde, für ihren Roman der Gegenwartsliteratur - an dem sie laut eigenen Angaben "nur etwas länger als ein Jahr gearbeitet" hat. Während die einen Stimmen von einem "göttlichen Buch" (FAZ), welches ein "Bestseller werden" (Die Zeit) solle, Kunde geben, sehen viele Leserinnen und Leser sich mit einigen inneren Fragezeichen zur Lektüre ausgesetzt. Manche empfinden die Geschichte auch als zu öberflächlich erzählt und vermissen einen konkreten Schlusspunkt. Doch worum geht es eigentlich in "HEY GUTEN MORGEN, WIE GEHT ES DIR?" Zunächst mag man "Schlaflos in Leipzig"- Vibes empfinden, denn Juno, Anfang 50, die ihren kranken Ehemann Jupiter zu Hause pflegt, wendet sich in den Nächten den zweifelhaften Weiten männlicher Aufmerksamkeit zu. Im vollen Bewusstsein von sogenannten Love-Scammern umgeben zu sein, beantwortet sie die herzgesäumten Schmeicheleien mit provokanten Nachrichten mit fiktiven Hintergründen. Derart vor den Kopf gestoßen, blockieren die meisten Profile alsbald die Protagonistin. Doch ein junger Mann aus Nigeria lässt sich von Junos loser Internetzunge nicht abschrecken. Er enttarnt sich und bald schreiben sich Juno und Benu per WhatsApp. Juno, die ihre falsche Internetidentität beibehält, fühlt sich unsicher: wer wird hier jetzt gerade wirklich betrogen? - Spielt das überhaupt eine Rolle, denn die Frage bleibt: Gibt es überhaupt etwas Bleibendes in einer Existenz des Endlichen? Die Geschichte wird sehr stark durch ein filmisches Motiv bestimmt, welches im Roman immer wieder thematisiert und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wird. Um also wirklich in die Lektüre eintauchen zu können, sollte man sich - zumindest oberflächlich - mit dem Film "Melancholia" auseinandersetzen. Der Film wurde von dem dänischen Regisseur Lars van Trier gedreht und im Jahr 2011 veröffentlicht. In dem Film interpretiert der Regisseur das "Tristan und Isolde"-Motiv für sich und stellt es als Todestrieb dar (konträr zum Gedanken der ewigen Liebe). Sein entsprechendes musikalisches Zitat aus der Wagner-Oper begleitet dann auch den Albtraum der jungen und depressiven Justine, in der ein wandernder Planet die Erde trifft - und alles Leben auslöscht! Später wird ihre Vision rätselhafte Wirklichkeit, denn ein Planet mit dem Namen Melancholia steuert auf die Erde zu, doch Justines Mann und auch deren rationale Schwester Claire versuchen die junge Frau zu beruhigen, denn allen Berechnungen nach, wird der Fremdkörper knapp vorbei ziehen - und so kommt es auch. Doch dann steuert Melancholia erneut auf die Erde zu ... Martina Hefter verbindet also das Medium Buch mit anderen Medien wie Film und Musik. Die Intertextualität, die sich auch in Bezügen zur klassischen Literatur zeigt, wirkt dabei nur ganz minimal aufgesetzt und belebt den Text. Die Protagonistin ist stolz auf ihre Beine, die sie wohlgeformt in Pose bringt und dieser tänzerische Schwung überträgt sich beim Lesen. Als Gegenpart ist hier das Leben mit dem Partner mit einer schweren neurologischen Erkrankung. Es ist ein kluger Schritt der Autorin, im Buch diesen Ehemann zum erfolgreichen Schriftsteller werden zu lassen. Allein für die Reisebeschreibung zur Literaturveranstaltung - inklusive der Nutzung der Deutschen Bahn - lohnt die Lektüre! Was jedoch die Geschichte mit dem möglichen Love-Scammer betrifft, bleibt die Sache seltsam weichgezeichnet und unbestimmt. Die Autorin erwähnt in der Danksagung, dass der Text von einem "Sensivity Reading" begleitet wurde. Vielleicht hat dies zu diesem Eindruck beigetragen. Außerdem ist es schade, dass wir beim Lesen trotz der auktorialen Erzählweise nur die Perspektive der Protagonistin einnehmen. Darum wirkt der Text insgesamt, trotz der vielen erwähnten positiven Aspekte, wenig komplex. FAZIT Tatsächlich war ich nach den vielen gehörten negativen Stimmen überrascht, wie gut mir die Geschichte gefiel. Besonders die Hommage an den doch recht kontrovers diskutierten Film Melancholia hat mir gefallen. Ich habe mir während des Lesens den musikalischen Ausschnitt aus dem Wikipedia Artikel angehört und auch die Rezension von Wolfgang M. Schmitt (wie jung er da aussieht!) auf dessen YouTube Kanal Die Filmanalyse angesehen (und für sehenswert gehalten). Der Film Melancholia beschreibt - meiner Meinung nach - sehr treffend einen speziellen psychischen Zustand der Gelöstheit oder Euphorie einer Person, die beschlossen hat, ihrem Leiden und damit auch sich selbst ein Ende zu setzen. Entsprechend war ich sehr gespannt auf die finale Auflösung der Geschichte im Roman. Aber - der Knall blieb aus. Insgesamt war der Buchpreisträger 2024 eine interessante Lektüre, der es persönlich an Biss gefehlt hat! Hat jemand bereits eigene Erfahrungen, die geteilt werden wollen? Oder seid ihr jetzt neugierig auf das Buch geworden?
Das Buch scheint ziemlich zu polarisieren, und ich schließe mich einem Kommentar an, den ich zuvor gelesen habe: Es war keine verschenkte Zeit. Mein Genre war es allerdings nicht. Ich konnte keine wirkliche Bindung zu den Figuren aufbauen, und dieses ständige Flunkern von Juno empfand ich als anstrengend. Ihre Traurigkeit und Zerrissenheit habe ich durchaus gespürt, aber mir fehlte trotzdem etwas, um wirklich mitzugehen.
Roman des Jahres 2024 💛
✨Rezensionsexemplar✨ Nachdem ich letztes Jahr nun auch noch (zu allem Überfluss 😂😂) meine Leidenschaft für zeitgenössische Literatur entdeckt habe, aber wenig davon auf dem SuB habe, war ich sehr glücklich, diese Geschichte zu entdecken. Das war mein erstes Buch der Autorin und ich bin beeindruckt! ✨Zitate „Eine der Frauen hatte sich das Leben genommen, mit Anfang sechzig. … Ihr Haus war verpfändet worden, sie hatte ihren Job verloren. Sie hatte über 250.000 Euro an den Love-Scammer gesendet, weil er versprach, bald nach Deutschland zu kommen, erzählte die Freundin.“ „Jupiters Rollstuhl war mindestens fünfzig Kilo schwer, ohne Hilfe bekam sie ihn nicht die Treppe vom Hochparterre runter auf den Gehweg. Man brauchte eine zweite Person, und Jupiter musste auch unterstützt werden, wenn er sich die Treppe hinunter hangelte.“ ✨Inhalt Juno und Jupiter sind glücklich, aber Jupiter ist auch schwer krank und auf Junos Hilfe und Pflege angewiesen. Juno vertreibt sich außerdem ihre wenige freie Zeit damit, Love Scammer im Internet zu entlarven… ✨Meinung Das Buch hat sich sehr angenehm lesen lassen. Trotz der Schwere und Brisanz der Themen schreibt Martina Hefter mit einer unglaublichen Leichtigkeit. Gerade deshalb sind mir einige Abschnitte sehr nahe gegangen. Der respektvolle Umgang zwischen Juno und Jupiter, ihre spürbare Verbundenheit, mein Herz schmerzt immer noch, wenn ich daran denke. Hingegen die Ungerechtigkeit von Krankheit und Pflegebedürftigkeit… diese Themen betreffen alle, aber nicht alle sind so mutig, darüber einen Roman zu schreiben bzw. sich damit auseinanderzusetzen. Jupiter kämpft gesundheitlich mit vielen Problemen, das Angewiesensein auf Hilfe fällt ihm nicht leicht. Auch den Umgang Fremder mit einem Rollstuhl thematisiert die Autorin. Es wird so lange gestarrt, bis Juno zurückstarrt. Mich hat das alles sehr beschäftigt und aufgewühlt. Die Abschnitte bzgl. der Lovescammer habe ich auch gern und mit Interesse gelesen, es fiel mir da aber etwas schwerer mich reinzufühlen. Dennoch ist auch das ein wichtiges Thema, über das gesprochen werden muss. ✨Fazit Das Buch ist ein würdiger Buchpreis Sieger🥇und ich habe die Geschichte auf jeden Fall verschlungen. Meine Bewertung mit 4⭐️ bedeutet in diesem Fall lediglich, dass ich etwas Luft nach oben für weitere Werke der Autorin lasse und aktuell noch andere Bücher meine Genre Highlights sind. Juno und Jupiter habe ich aber definitiv für immer im Herzen. Macht Euch gern ein eigenes Bild! 4/5⭐️⭐️⭐️⭐️

Viel mehr als nur Love Scamming!
Ein tolles, locker geschriebenes Buch über die Herausforderung, in der Monotonie des Alltags einer pflegenden Angehörigen seine eigene Identität nicht zu verlieren. Die Themen im Buch sind deutlich umfangreicher, als der Klappentext vermuten lässt. Es geht um Pflege, das Älterwerden, das Leben als freischaffende Künstlerin, aber auch um Alltagsrassismus und das Privileg, in einem westlichen Land zu leben. Ja, es geht auch um Love Scamming, aber mehr um die Mechanismen, die dahinterstehen, und die Strukturen, die dies überhaupt nötig machen. Vom Schreibstil her erinnert es mich ein bisschen an „22 Bahnen“. Ich bin tief in die Geschichte eingetaucht und habe gefühlt ein paar Monate an Junos Seite erlebt. Ich musste stellenweise laut lachen, war aber auch sehr bewegt von ihren Worten. Besonders interessant fand ich dabei, dass sie reale Ereignisse des Weltgeschehens ins Buch eingebunden hat. Schön, dass Martina Hefter gewonnen hat! Schade, dass Clemens Meyer sich – anscheinend einer tief verwurzelten patriarchalen Tradition folgend – in seinem Misserfolg lautstark ins Rampenlicht drängen musste, um die wohlverdiente Aufmerksamkeit von ihr abzulenken. Ich hoffe, das Buch bekommt noch die Aufmerksamkeit, die es verdient. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Love Scamming mal umgedreht
Das Buch konnte mich leider überhaupt nicht überzeugen. Ich habe das Buch ausgewählt, weil sich der Klappentext richtig gut angehört hat. Aber die Geschichte dahinter hat mich leider überhaupt nicht erreicht. Ich fand zwar die Grundidee gut, konnte mich aber mit der Hauptprotagonistin Juno überhaupt nicht identifizieren. Der Schreibstil ist zwar einfach gehalten - aber durch die Chatverläufe für mich ein wenig verwirrend. Ein Roman der mich persönlich nicht erreichen konnte, aber vielleicht jemand anderen.

"Die Menschen konnten manchmal die Wahrheit schlechter verkraften, als eine offensichtlich unverschämte Lüge."
Und dieser Satz war nicht der einzige, bei dem ich kurz inne hielt und darüber nach dachte. Das Buch war nichtsdestotrotz schön und leicht geschrieben und ein gutes Buch für Zwischendurch. Man schwankt dazwischen Juno einfach in den Arm zu nehmen oder manchmal auch einen Schubs in die richtige Richtung geben möchte. Ihre Verzweiflung, Depression, aber auch die Pflege eines Menschen (die nicht einfach ist und sehr das Umfeld belastet) konnte ich gut spüren und mitfühlen, sodass sie mir oft leid tat und ich sie einfach umarmen wollte. Jedoch konnte man auch schön nachvollziehen, dass sie durch die Chats mit Benu (obwohl diese meist sehr oberflächlich waren) und ihrer Leidenschaft ins Theater wieder ein bisschen mehr ins Leben gefunden hat. Auch war die Love Scammer Thematik war sehr interessant und sich dabei zu fragen, wann ist es richtig die Wahrheit zu sagen, wann ist es in Ordnung zu lügen? Und ganz toll ausgearbeitet, waren die Astrologie-Thematik, aus der ich noch etwas lernen konnte. Um ein Highlight für mich zu werden, hat leider das gewisse Etwas gefehlt, aber nichtsdestotrotz war es ein tolles Buch, was mir in Erinnerung bleiben wird.
📌 "Wildbienen produzieren im Gegensatz zu Honigbienen nichts, sie lebten nur, um die Eier in Schlupflöcher zu legen und Nahrungsvorräte für die Larven anzulegen. Das war's, sagte Juno auf der Liege, dann sterben sie. Und dass sie das irgendwie berühre. Eine krasse Form der Bedürfnislosigkeit. " - S. 131 Worte einer Frau, die ihren kranken Mann pflegt und ihre eigenen Bedürfnisse dafür zurückstellt. Die sich flüchtet in allnächtliche Chats mit Lovescammern, um Gedanken und Gefühle auszutauschen, die sie bewegen und die sonst möglicherweise ungesagt bleiben würden, die ihren Mann liebt, aber auch ihr eigenens Leben darüber nicht verlieren, sondern leben und geliebt werden will. 📌 "Einmal Menschen um sich haben, die sich um einen sorgten. Ein paar Minuten nur. Das wäre eigentlich ganz schön, dachte sie." - S. 147

Ich verstehe es nicht, versteh's einfach nicht. Warum hat dieses Buch einen Buchpreis gewonnen? Selten regt mich Literatur so auf. Auf 220 Seiten gelingt es der Autorin, dass ich das Buch spätestens aller 5 Seiten an die Wand klatschen will, weil es dünn ist, dünne Suppe mit inhaltslosem Füllstoff. Auf Seite 129 schreibt die Protagonistin es selbst: sie dehnt den Text aus. Martina Hefter dehnt ihn auch aus und zwar ins oberflächlich Belanglose, anstatt in die Tiefe; fasst große Themen an, um sie gleich wieder fallen zu lassen. Es hätte so viel mehr sein können, als das was es ist: ein sachlich-nüchternes Dahinplätschern garniert mit Planetenphilosophie. 1,5 Sterne für die Idee, die ersten 10 Seiten und die Aufregung.
Ein kurzweiliger, unterhaltsam geschriebener Roman, der die Tiefen von menschlicher Psychologie an der Oberfläche streift. Man sieht die Protagonistin Juno förmlich vor sich, während sie ihren - zugegeben in ihrem Kopf spannender wirkenden - Alltag bestreitet. Das Thema Love Scamming wird aus einer völlig neuen Perspektive, der einer aufgeklärten Frau, dargestellt. Auch wenn die Protagonistin eine gewisse Fassungslosigkeit über die Opfer vorspielt, wird einem im Verlauf des Buches doch deutlich, wie anfällig man selbst für Aufmerksamkeit durch andere Personen ist. Es ist interessant zu beobachten, wie das Zusammenspiel von gegenseitiger Aufmerksamkeit und dem Unterschied des Aufeinandertreffen in dieser Geschichte funktioniert. Definitiv ein lesenswertes Buch. Das einzige, was mich negativ stimmt, ist die Tatsache, dass „reale“ Menschen in dieser Geschichte durch Eigennamen aus der Astrologie verfremdet werden. Für den persönlichen Lesefluss sind mir weniger einfallsreiche Namen deutlich lieber. Auch wenn das Thema hier sich durch die Gedanken der Protagonistin ziehen und damit die Herleitung einfach zu transportieren ist, hätte es der Geschichte einen noch nahbareren Touch geben können.

Trocken und schwierig
Ich habe das Buch aus zwei Gründen gelesen. Erstens, weil es diesen Preis gewonnen hat und zweitens, weil mir die Beschreibung gut gefiel. Und ganz ehrlich? Mir hat’s nicht gefallen. Vielleicht treffe ich bei einigen jetzt einen Nerv, aber ich fand die Protagonistin sehr unsympathisch. Die Krankheit ihres Mannes war eine reine Nebensächlichkeit. Das fand ich persönlich sehr schade. Und schwups, war am Ende sogar Benu einfach aus der Geschichte. Ich bin einfach nicht schlau daraus geworden, was mir dieses Buch eigentlich sagen will. Es werden tatsächlich vielen Themen angerissen aber mir war dieses Buch definitiv zu trocken und oberflächlich. Schwierig
Ich hab es wirklich gemocht! Ich glaub, es ist ein Buch, das nicht jeden anspricht. Ich glaub, es passiert viel zwischen den Zeilen und mich hat es voll getroffen. Ich habe viel in den Zwischenräumen gefühlt, habe weiter gedacht, habe nachempfunden, habe kein Mitleid empfunden, sondern eher Bewunderung und Wertschätzung. Was wird erzählt? Die Geschichte von Juno, einer Künstlerin, die tanzt und im Theater spielt und ihrem schwerkranken Mann Jupiter, den sie im Alltag unterstütz. Dank schlafloser Nächte verbringt sie viel Zeit nachts im Netz und chattet mit Love-Scammern. Sie macht sich einen Spaß daraus, die Love-Scammer anzulügen, abstruse Geschichten über sich zu erzählen und sie damit zu vergraulen. Doch dann lernt sie Benu kennen und er verschwindet nicht. Sie schreiben sich regelmäßig, machen Videocalls und Juno erschafft sich eine Art Parallelwelt, ein Weg, um ein wenig aus ihrem Universum zu flüchten, das geprägt ist von Pflege, Sorgen, Geldknappheit, Altern, Einsamkeit uvm. Die Geschichte kann bestimmt verwirrend sein, da oft einzelne Themen nur angeschnitten werden, Alltagssituationen erzählt, die offenbar nicht wichtig erscheinen, plötzlich Erinnerungen aus Junos Vergangenheit scheinbar zusammenhanglos auftauchen und doch fügt sich für mich alles zusammen und ergibt für mich Sinn. Es hat mich mitfühlen lassen. Ich konnte verstehen, dass nicht alles detailliert beschrieben werden muss, um sich hineindenken zu können. Um zu bemerken, wie finanziell unsicher es ist, als Künstler*in zu arbeiten und wie kräftezehrend die Pflege eines geliebten Menschen sein kann. Sehnsüchte und Bedürfnisse vorhanden sind und gleichzeitig immer auch ein schlechtes Gewissen. Mich hat es berührt und ich würde es weiterempfehlen, allerdings mit dem Hinweis „Schau, was es mit dir macht! Vielleicht verwirrt es dich, aber vielleicht fühlst du es wie ich.“ S.47 „Aber schon komisch, sagte Juno. Was? Dass ich auf Plakaten überall in der Stadt zu sehen bin, und trotzdem kann ich meine Miete gerade noch so zahlen.“ S.48 „Das war das eigentlich Schlimme am Älterwerden. Man sah für sich selbst immer gleich aus, aber die anderen Leute sahen den Unterschied.“ S.117 „Ziemlich viele weiße, westliche Frauen machten jedes Jahr auf diese Art Urlaub, hieß es in der Doku. Es ging nicht um schnellen Einmal-Sex und am nächsten Tag mit jemand anderem wieder, so wie es die europäischen Männer machten, die nach Thailand flogen oder auf die Philippinen und dort durchschnittlich mit zwei Frauen pro Tag schliefen.“ S.149 „Alles auf der Erde bestand aus Ausbeutungssystemen, es gab nichts, was einfach so, ohne einen Ausgleich getan wurde, ohne einen Zweck, der am Ende Geld abwarf. Geld war neben Feuer, Knall und Erschütterung die vierte Naturgewalt, die aus einem Überschuss an Energie entstand.“
Teilweise hat der Roman Assoziationen in mir heraufbeschworen, die mich tief berührt haben, und ich glaube auch zu verstehen, was die Autorin vermitteln möchte. Dennoch empfand ich den Text oft als struktur, ziel- und sinnlos. Ich habe den Roman in der schönen Ausgabe von der Büchergilde Gutenberg gelesen, deren Gestaltung sehr gut zum Inhalt passt.

HEY, GUTEN MORGEN, WIE GEHT ES DIR? Martina Hefter Tagsüber ist Juno, eine Performance-Künstlerin, völlig ausgelastet: Sie pflegt ihren schwerkranken Ehemann Jupiter, der im Rollstuhl sitzt und kaum mehr als ein paar Schritte mit dem Rollator gehen kann. Die Leipziger Altbauwohnung, in der sie leben, ist alles andere als behindertengerecht und Jupiters Zustand verschlechtert sich zunehmend. Doch nachts, wenn der Alltag still wird, bleibt nur noch die Einsamkeit. Um dieser Leere zu entkommen, taucht Juno in die Welt der Online-Chats ein. Dort trifft sie auf sogenannte Love-Scammers - Männer, die sie betrügen und um Geld erleichtern wollen. Doch Juno weiß, was gespielt wird. Sie lässt sich nicht ausnutzen, sondern wendet das Spiel zu ihren Gunsten: Mit ihren Lügen erschafft sie eine neue Version ihres Lebens. Mal behauptet sie, sie sei unverheiratet. Mal erzählt sie von wechselnden Liebhabern und wilden Partynächten mit Freundinnen. In dieser virtuellen Welt kann sie der Realität entfliehen, in der Jobangebote immer seltener werden und sie sich fragen muss, wer eine Tänzerin jenseits der Fünfzig noch buchen würde. Eines Tages tritt Benu aus Nigeria in ihr Leben, ein weiterer Love-Scammer, dessen Profil von Anfang an offensichtlich gefälscht ist. Aber das macht Juno nichts aus. Er schenkt ihr einen kleinen Funken von Hoffnung und Abenteuer. Während sie ihm weiterhin Geschichten auftischt, ahnt sie insgeheim, dass sie in Wahrheit vor sich selbst flieht. Martina Hefter hat mit „HEY, GUTEN MORGEN, WIE GEHT ES DIR?“ einen ungewöhnlichen Roman geschaffen, der mit leisen, aber eindringlichen Tönen von Sehnsucht, Einsamkeit und dem Wunsch nach Nähe erzählt. Es geht um die Härten des Älterwerdens, die wachsende Distanz in Beziehungen und den schmerzhaften Versuch, sich selbst neu zu erfinden. Was wie eine alltägliche Geschichte beginnt, entfaltet sich zu einer tiefgründigen Erzählung, die zum Nachdenken anregt. Ob Juno am Ende Geld an Benu überweist? Das müsst ihr selber herausfinden. Da ich das Buch größtenteils als Hörbuch genossen habe, möchte ich unbedingt die wunderbare, positive Stimme von Inka Löwendorf hervorheben. Ihr zuzuhören war ein wahrer Genuss. Eine Lesemausebewertung gibt es dieses Mal nicht, denn Martina Hefter ist die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2024!!! Herzlichen Glückwunsch Martina Hefter und dem Klett-Cotta-Verlag!

schwierig,wegen großer Erwartungshaltung
Ich bin wirklich zwiegespalten. Das Preisträgerbuch sorgt dafür, dass man gewisse Erwartungen hat.Schließlich hat es einen Preis gewonnen. ⚠️ Spoiler enthalten⚠️ Juno und Jupi haben Keim einfaches Leben. Jupi hat MS. Juno pflegt ihren Mann, die Finanzen sehen nur mäßig gut aus. Der Kontakt mit den Lovescammern ist eine Art Abwechslung für Juno. Sie führt sie an der Nase rum,weiß genau was für Strategien sir anwenden. Mit einem Scammer den Sie enttarnt hat bleibt sie allerdings in Kontakt. Sie Switches aus den Cjats von Insta sogar zu WhatsApp, haben regelmäßig Videocalls. Juno lernt ihn tatsächlich besser kennen,Beno. Beno aus Nigeria. Beno schämt sich für sein Lovescamming ,wirkt für Juno aufrichtig. So wird daraus so etwas wie eine Zweckfreundschaft. Beno ist Denjenige dem Juno sich anvertraut wenn sie glaubt mit niemandem reden zu können. Juno war schon immer anders,komisch. Zu Schulzeit schon gemobbt spielte sie außerhalb ihres Theaterspiels immer nur ihre Rolle.Nur auf der Bühne ist sie Juno. Anders als man dann erwarten würde, entsteht keine Liebe zwischen Juno & Beno. Beno ist einfach irgendwann weg. Erst ist es komisch für Juno,aber doch irgendwie in Ordnung. Ich mag nicht beurteilen ob das gerechtfertigt ist. Ob es nun gerechtfertigt ist das Fr. Hefter mit ihrem Werk den Buchpreis gewonnen hat oder nicht mag ich nicht beurteilen. Was ich aber sagen kann ist, dass es nur bedingt "mein Buch" war. Ich fand die Thematik sehr interessant. Wo man doch immer glaubt man wüsste bescheid was Lovescamming angeht. Auch die Lebenssituation bei Juno & Jupi ist gut geschrieben und nachvollziehbar. Mich konnte die Story trotzdem nicht so richtig fesseln. Durch eine Abschnitte hab ich mich eher gequält.
Ich habe "Hey Guten Morgen, wie geht es Dir?" mit einer gewissen Erwartungshaltung gelesen ( viele wichtige Preise, der Meyer-Skandal, verschiedene Kritiken). Am Anfang wurde ich nicht wirklich warm mit Juno Isabella Flock, die so stolz auf ihre Tattoos, ihre sehr langen Beine und ihr durch hartes, fast tägliches Balletttraining straffes Gesicht ist, trotz eines gewissen Alters. Sie ist eine sehr vielschichtige Protagonistin, auch autobiografisch angelehnt. Wie sie mit den Love-Scammern umgeht, fand ich durchaus cool, auch wenn ich nie verstehen werde, wie man irl auf solche Betrüger hereinfallen kann. Etwas gestört hat mich, das der Chatverlauf mit Benu aus Nigeria nicht auf englisch war- keine Ahnung, fand es dadurch irgendwie nicht authentisch. Ich mochte einzelne Passagen, die junge Juno vor allem. Beeindruckt hat mich auch der karge Lebensstil, den Juno und ihr Mann, der an den Rollstuhl gefesselte Jupiter in ihrer Wohnung mit Glastüren ( absoluter Horror für mich) führen. Es ist ein besonderes Buch, eine unbequeme, unangepasste Hauptfigur, eine Geschichte mit harten Momenten und zart- melancholischen Szenen, etwa, wenn Juno weinend durch die Stadt geht. Ich verstehe die Leute, die davon sehr begeistert waren, aber auch die kritischen Stimmen.
Leider hat mich dieses Buch ziemlich enttäuscht. Und das obwohl ich es so gern gemocht hätte und dachte, dass ich es mögen werde, mich vielleicht sogar darin wiederfinden wurde. Denn das Gefühl von Einsamkeit und der Versuch, diese mit virtuellen Begegnungen abzumildern, sind Themen, die mir absolut nicht fremd sind. Aber leider ist der Funken zwischen Juno und mir nicht über gesprungen. Schade.
Regt zum Nachdenken an
Ein Buch über eine Frau, die ihren kranken Mann pflegt und selbst eine Erfüllung im Leben sucht. Diese findet sie kurzweilig in Smalltalk Gesprächen mit sogenannten Love-Scammern, welche aber nach kurzer Zeit die Chats wieder beenden. Aber auch das Aufleben lassen alter Hobbys bringt ihr Freude. Als Leserin war ich teils schockiert, über das sehr kühl wirkende Verhältnis zwischen Juno und ihrem Mann. Jedoch merkt man im Laufe der Geschichte schnell, dass Juno sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten bestmöglich um ihren Mann kümmert. Über ihre Gefühlswelt erfährt man nicht all zu viel, man kann sich jedoch selbst ein Bild entwicklen, da man als LeserIn einige Hintergrundinformationen (beispielsweise zur Kindheit Junos) erhält. Schön fand ich auch, dass die „Love-Scammer“ nicht rein als die Bösen in den Geschichten dargestellt werden, sondern dieser Liebesbetrug oft aus verzweifelten und prekären Lebenssituationen heraus entsteht. Das Buch wird in mir wahrscheinlich noch einige Zeit nacharbeiten, insbesondere das eher bedrückende Gefühl, welches in mir beim Lesen ausgelöst wurde.

„Hier in den Bergen gibts Hunde, die retten dich aus dem Schnee. So einen Hund bräuchte jeder. Einen Rettungshund. Wovor sollen sie dich retten? Vor allem.“ (Seite 155) Martina Hefters Roman „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ hat mich beim Lesen tief beeindruckt. Zum Einem durch die leichte, fast tänzerische Sprache und zum Anderen die intensive Behandlung tiefgründiger Themen wie Liebe, Sehnsucht und die Herausforderungen des Alltags. Hefter, die für den Roman im vergangenen Jahr den deutschen Buchpreis erhielt, schafft es die Geschichte der Hauptprotagonistin Juno in der Verflechtung zwischen der Pflege ihres schwerkranken Mannes, ihrer Arbeit als Künstlerin und ihrem engen Austausch mit dem Love-Scammer Benu nahezu spielerisch der Leser:innenschaft zu präsentieren. Was ist Zuflucht, was ist Herausforderung, was ist Abenteuer, was ist Alltag - auch hierbei verschwimmen die Grenzen und wir sind eng dabei. „Im Dorf seiner Tanten glaubten viele an Hexen, meistens fand er es albern, Aber man konnte sich dem nicht immer entziehen. Es hieß, Hexen brächten Hunger. Sie machten das Vieh krank, ließen die Felder vertrocknen. Es gibt natürlich vernünftige Erklärungen dafür, dass das Vieh krank wird, sagte Benu. Aber die unvernünftigen Erklärungen sind eben einfacher.“ (Seite 185) „Die Zeit gar kein Strahl, sondern mehr so etwas wie eine Suppe. Nur die Tatsache, dass wir dem Tod näher kommen, ragt immer in jede Handlung, in jedes Geschehnis hinein. Egal, was man gerade macht, die Blumen gießt, ein Brot isst, tut man das auf dem Weg zum Sterben. Dieser Vorgang heißt Altern. Man altert ab der Geburt.“ (Seite 207)

Mein Interpretationsversuch. Traurig, einsam, leise, berührend.
Inhalt: Tagsüber hilft Juno ihrem schwerkranken Mann Jupitor dabei, den Alltag zu meistern. Sie ist Künstlerin und spielt Theater. Nachts, wenn sie nicht schlafen kann, chattet sie mit Love-Scammern. (M)eine Interpretation: In diesem Roman passiert wenig – die kurze Inhaltsangabe gibt bereits alles wieder. Was passiert, passiert zwischen den Zeilen. Juno war für mich als Charakter schwer zugänglich. Ich glaube, darum geht es. Die gesamte Erzählung wirkt distanziert. Es gibt keine direkte Rede; Juno und Jupitor sprechen kaum miteinander. Längere Kommunikation findet vor allem über das Internet statt. Ich denke, Distanz, Isolation und Einsamkeit sind die Hauptthemen des Romans. Juno ist wohl nicht umsonst ein Satellit, der um den Planeten Jupiter kreist, ihn aber folglich nie berühren kann. Bezeichnend für ihre distanzierte Beziehung ist auch die Wohnung der beiden, in der Juno den Tag-Nacht-Rhythmus ihres Mannes nur kennt, weil sie Licht durch die Glastüren fallen sieht. Glas mag durchsichtig sein, ist aber undurchlässig – ein wiederkehrendes Bild im Roman. Auch wenn Juno einem Love-Scammer näherkommt, schreckt sie zurück, indem sie lügt, und mit jemandem schreibt, der auf einem anderen Kontinent wohnt. Junos Faszination für Sternbilder ist für mich ein weiterer Hinweis auf Einsamkeit - wunderschön anzusehen am Nachthimmel, aber eben auch unerreichbar. Nur auf der Bühne ist Juno bei sich. So schließt der Roman: “Solange ich spiele, passiert nichts.” Solange Juno jemand anderes sein kann, kann sie Glück nachempfinden. Dabei sehnt sich Juno nach Nähe. Ihre Faszination für den Film “Melancholia” (den man nicht kennen muss, um das Buch zu lesen), in dem ein Planet auf die Erde kracht und auslöscht, zeigt, dass sie sich nach ‘Impact’ (Wirkung, Einschlag) sehnt. Auch ihre Faszination für Tattoos scheint darin zu liegen, etwas Dauerhaftes zu haben, das sie im wahrsten Sinne des Wortes berührt. Andere Aspekte des Romans (Angst vor Krankheit, Derpression, die eigene Vergänglichkeit) habe ich nicht angerissen. Frau Hefter hat einen auf den ersten Blick simplen Roman geschrieben, der sich zwischen den Zeilen entfaltet.

In dem Buch geht es um Juno, die ihren kranken Mann pflegt und sich nachts in Chatgespräche mit Fremden flüchtet. Dabei lernt sie einen besonders gut kennen und schafft es so in eine Traumwelt zu flüchten und dem Alltag etwas zu entkommen. Mir hat das Buch total gut gefallen. Hatte es innerhalb kürzester Zeit als Hörbuch gehört. Auch die Sprecherin mochte ich sehr. „Wie schön dieser Moment war und wie glücklich sie war ihn erlebt zu haben. Einen kostbaren Moment von wirklicher Schönheit. Denn Schönheit war es die am Ende im Gedächtnis blieb, nicht äußere Schönheit, sondern die Schönheit eines Moments der völlig unerheblich war.“ „Nur die Tatsache, dass wir dem Tod näher kommen, ragt immer in jede Handlung, in jedes Geschehnis hinein. Egal, was man gerade macht, die Blumen gießt, ein Brot isst, tut man das auf dem Weg zum Sterben. Dieser Vorgang heißt Altern. Man altert ab der Geburt."
Der Roman "Hey guten Morgen, wie geht es dir?" klang zuerst nach einer aktuellen und spannenden Geschichte mit besonderen Figuren. Doch leider konnte mich der Roman so gar nicht packen. Ich habe mich regelrecht durchgekämpft und bin auch mit Juno überhaupt nicht warm geworden. Für mich wurde im Verlauf der Geschichte nicht deutlich, auf welches Ziel oder Thema die Autorin hinauswill und hinterlässt so bei mir den Eindruck eines ambitionierten Projekts, das in seiner Umsetzung nicht ganz überzeugen kann. Schade, aber das war offenbar einfach nicht das richtige Buch für mich.
Leider enttäuscht
Juno lebt mit ihrem schwerkranken und pflegebedürftigen Mann Jupiter zusammen. Sie kümmert sich liebevoll um ihn. Juno nimmt sich die Zeit für ihre eigenen Bedürfnisse und Sehnsüchte. Sie tanzt Ballett, macht bei Theaterstücken mit, lässt sich Tattoos stechen und redet gerne über die Liebe zu Planeten. In den schlaflosen Nächten schreibt sie mit Love-Scammern und legt sich eine neue Identität an. Die meisten antworten nicht mehr nach ihrer Nachricht. Außer Benu. Mit ihm schreibt sie immer mehr. Ihm erzählt sie auch Geschichten aus ihrem wahren Leben. Leider hatte das Buch für mich kaum Spannung und Tiefgang. Es hat mich nicht abgeholt oder berührt. Der Schreibstil ist sehr nüchtern und distanziert, was es mir erschwerte mich in die Charaktere hineinzuversetzen. Das Ende hat mich mit einigen Fragen zurückgelassen. Leider gar nicht mein Buch, daher auch keine Empfehlung.

Juno hat nicht viel im Leben. Seit 15 Jahren kümmert sie sich um ihren an MS erkrankten Mann und die beiden halten sich als freischaffende Künstler/Künstlerin finanziell nur mühsam über Wasser. Juno verbringt viel Zeit in den sozialen Medien und befasst sich mit dem Thema Love-Scamming und "spielt" mit vermeintlichen Scammern, die ihr schreiben, indem sie den Spieß rumdreht und ihnen Lügen über sich schreibt, bis sie von sich aus das Interesse verlieren. Doch eines Tages schreibt ihr Bensu, ein Scammer aus Nigeria, und aus dem anfänglichen Spiel wird mehr... Das Buch ist gleichermaßen spannend wie einfühlsam geschrieben, man erfährt viel über Love-Scamming, wie es funktioniert, wen es trifft, was es anrichtet und was die kolonialen und rassistischen Hintergründe sind, die man auf den ersten Blick vielleicht gar nicht sieht. Ich freue mich, dass dieses tolle Buch auf der Shortlist zum diesjährigen Deutschen Buchpreis ist!
Mit Phantasie einen schweren Alltag bewältigen
Chapeau, Martina Hefter - dies ist ein Buch wie ein Juwel, vielschichtig und schimmernd. Und poetisch. Es macht Mut, zu lesen, wie Juno kreativ und phantasievoll ihr Leben, ihren Alltag mit dem kranken Mann bewältigt. Und wie sie die Love Scammer an der Nase herumführt. Mir hat es sehr gut gefallen.
Die Geschichte begleitet die Protagonistin Juno durch Routinen, Gedanken und Beziehungen und zeigt, wie viel Tiefe selbst in kleinen Momenten steckt. Mich hat besonders beeindruckt, wie Hefter es schafft, diesen Alltag so spannend und leicht zu erzählen. Der Roman liest sich fast von selbst, weil er so voller Leben ist – ohne je langweilig zu werden. Dabei bleibt der Ton immer locker, obwohl er gleichzeitig viel zum Nachdenken bietet. Eine klare Empfehlung für alle, die einen leichten Roman lesen möchten, der trotzdem viel Tiefe hat und Junos Alltag auf eine ganz neue Weise zeigt.
Weit weg und ganz nah
„Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ ist ein wirklich abgefahrener Roman, der so viel Lautes im Leisen erzählt, dass man manchmal vergisst, dass man eine fiktive Geschichte liest. Oft fühlte es sich sogar so an, als würde ich in die Privatsphäre der Protagonistin Juno und ihrem schwerkranken Mann Jupiter eindringen. Juno fällt als Figur durch entwaffnende Offenheit auf - Sie spricht über ein mehr als verständliches Auf und Ab der Gefühle zwischen Euphorie und Niedergeschlagenheit, zwischen Optimismus und Zweifel. Und auch wenn sie ihrem Mann Jupiter räumlich sehr nahe ist und ihn auch sehr lange kennt, findet wahre menschliche Nähe vor allem zwischen ihr und dem (anfänglichen) Love-Scammer Benu statt. Die beiden schaffen eine Art luftleeren Raum, der mit nachdenklich machenden Gesprächen über das Leben gefüllt wird. Hefter lässt Juno und auch uns dabei allerdings nie rührselig oder kitschig werden und bringt einige unangenehme Wahrheiten über den Alltag zweier solch unterschiedlichen Menschen ans Licht. In ihrer fast schon auffallenden Nebensächlichkeit lag daher die große Stärke von Hefters Text und auch das Ende war schmerzhaft aber nicht tragisch.
Ich fand es großartig
Juno pflegt ihren schwer erkrankten Mann, nebenbei versucht sie immer wieder als Künstlerin neue Bühnenprogramme und Aufführungen zu konzipieren und wenn ihr alles zu viel wird, scheint es, dann stürzt sie sich in die Kommunikation mit Love Scammern im Internet. In diesen Gesprächen erfindet sie sich andere Leben, vielleicht schönere. Bis sie einen trifft der bleibt und mit dem sie länger spricht. Denke ich diese Buch wird jedem gefallen, sicher nicht. Aber wer vielleicht selbst schon einmal in einer Pflegesituation war oder sich nicht ganz richtig gefühlt hat in seinem Leben oder seiner Welt, der wird hier vielleicht seine Gefühle zwischen den Zeilen wieder finden. Ich fand es gelungen, intensiv und für mich hat es seinen Preis verdient, weil es mich wirklich berührt hat. Und dazu noch gut geschrieben war, wie in diesem Zitat: „Sei nicht so kompliziert, dann ist alles leichter, sagte ihre Mutter. Deine Freundinnen sind doch so nett. Juno versuchte es. Wenn sie spielte, ein unkomplizierter Mensch zu sein, glaubte man ihr das meistens.“
Ich hab da irgendwie was anderes erwartet 🤔
Ich habe mir unter der Geschichte was anderes vorgestellt. Ich dachte das Buch hätte mehr Tiefgang. Es wird zu keinem Zeitpunkt irgendeine Spannung aufgebaut. Zu keinemThema in diesem Buch. Ich hatte eher mit einer Geschichte gerechnet, in der sich die Protagonistin Juno mehr um ihren pflegebedürftigen Mann Jupiter kümmert und ihrem Alltag entfliehen will, indem sie mit Love Scammern schreibt. Nicht falsch verstehen. Ich finde es gut, dass Juno irgendwie trotzdem ihr Leben lebt und es wirkt auch so, als wäre Jupiter zumindest auf Wohnungsebene noch nicht sehr eingeschränkt, so dass Juno ihren Hobbys und ihrer Arbeit ohne Probleme nachgehen kann. Mich hat das Buch gar nicht gecatcht. Ich würde es sogar ein wenig langweilig nennen. Es gibt trotzdem drei Sterne, weil ein Buch einen nun mal nicht immer catchen muss und auch einfach dahinsickern kann, ich den wirren Schreibstil dann doch irgendwie mochte und ja auch mochte, dass Juno der care Arbeit eben nicht komplett verfällt, sondern auch noch auf ihre Art und Weise ihr Leben lebt.

Von der Bürde der Verantwortung und dem Wunsch nach den Sternen
Juno ist über 50, sie ist Tänzerin, Performerin, Pflegerin, Partnerin, Einkäuferin, Sternenguckerin, Insektenhotelbesitzerin und Überlebenskünstlerin. Nachts chattet sie mit Love Scammern, die vorgeben, weiße, reiche Männer zu sein und meist auf dem afrikanischen Kontinent vor Langeweile draufgehen und auf Überweisungen von einsamen, alten Frauen aus dem globalen Westen warten. Juno dreht den Spieß um, schreibt abgedrehte Botschaften, berichtet aus ihrem nicht vorhandenen Leben und provoziert die Scammer so lange, bis sie blockiert wird. Doch eines Tages, antwortet Benu und zwischen den beiden entwickeln sich Rituale, die sie miteinander verbinden. Martina Hefter hat einen bezaubernden Roman geschrieben, in dem sie eine Protagonistin gepflanzt hat, die zwischen Einsamkeit und Überforderung, Lethargie und Enthusiasmus treibt. Sie weiß, dass Benu wahrscheinlich auch nur das, was alle anderen wollen im Auge hat, aber sie sehnt sich nach dem Austausch mit dem jungen Mann, der Tausende von Kilometer weit an an seinem Endgerät sitzt. Juno pflegt ihren Partner Jupiter, der mehr und mehr an Mobilität verliert, nicht viel erwartet, gar nichts fordert aber trotzdem ihre beider Leben durch seine pure Anwesenheit bestimmt. Es hängt eine permanente Endzeitstimmung über dieser Wohngemeinschaft – Beziehung mag man das nicht nennen, dafür kam mir zu wenig Verbindung zwischen Juno und Jupiter rüber. Sie scheint ihn in seiner Krankheit manchmal nur auszuhalten, ist aber immer für ihn da, wenn er sie braucht. Trotz aller Existenznot schafft es die Protagonistin, sich selber immer wieder an den Haaren aus der Misere zu ziehen. Als Theatermensch ist sie immer dann sie selbst, wenn sie auf der Bühne steht, tanzt, performt, spielt. Den Rest ihres Lebens stellt sie dar, ist Akteurin ihrer eigenen Entwicklung und ihres Daseins. Wir bekommen Einblick in ihre Vergangenheit, in ihre Selbstzweifel und das aushalten. Schwieriger Situationen scheint ihr Lebensmotto zu sein. Der Roman ist mit leichter Feder geschrieben. Wir steigen tief in die Gedankenwelt Junos ein. Sie hält aber trotzdem eine Distanz zwischen uns Lesern und sich aufrecht. Aufgelockert wird der Text durch die Chats zwischen ihr und Benu, die nichts weiter sind, als kleine Alltagsunterhaltungen und selten darüber hinausgehen. Auch die Wahl der Namen aller Protagonisten, die mit mythologischen Figuren verbunden sind, sind ein interessantes stilistisches Mittel dieser Lektüre. Besonders besonders auf Theatermenschen, dürfte dieser Roman eine große Faszination ausüben. Ich habe ihn gerne gelesen und spreche eine Leseempfehlung aus.
Für den Moment gut
Ist das jetzt der große Wurf? Ist eine schöne und unprätentiöse Geschichte, die nah an der Lebenswelt der Autorin entlangwandert, das Beste, was im letzten Jahr auf den Markt geworfen wurde? Ich bin zwiegespalten und nicht gerade mitgerissen .. Das Buch ist ein perfekter Eindruck der aktuellen Situation. Globalisation findet zeitgleich mit Gedanken zur Altersabsicherung statt, die selbstständige Künstlerin wandelt zwischen Ruhm, Auszeichnungen und Armutsängsten. Getippt wird aus aller Welt, man blickt in die Welt zurück und Emojis ersetzen Sätze. Der Lieblingsfilm der Protagonistin ist MELANCHOLIA und gehört zum Grundwissen, ebenso wie Stadtteile Leipzigs. Die Frau im Buch mit Astronomie-Affinität kreist auch gedanklich nur um ihr eigenes Zentrum. Zu viel für mich und so bin ich zum Schluss leider froh, ab jetzt Junos Nachrichten ebenfalls nicht mehr lesen zu müssen.
„Denn Schönheit war es, die am Ende im Gedächtnis blieb, nicht äußere Schönheit, sondern die Schönheit eines Moments, der völlig unerheblich war.“ Dieses Buch habe ich eine ganze Weile vor mir hergeschoben aus Angst, es nicht zu mögen. Vor jedem Buchkauf lese ich zuerst den Klappentext und hier hat er mich zunächst nicht so richtig abgeholt. Die Themen schienen so fern von meiner Lebensrealität und ob es überhaupt eine richtige Handlung gibt, habe ich mich gefragt. Doch die vielen positiven Stimmen und ja, auch der Buchpreisgewinn, haben neugierig gemacht. Dafür bin ich sehr dankbar, denn sonst wäre mir wirklich etwas entgangen. Und wie schön ist bitte diese glitzernde Ausgabe der Büchergilde? Der Roman wirkt tatsächlich wie eine thematische Wundertüte: Es geht um Love Scamming, Ballett, Ausbeutung, Ausgrenzung und Einsamkeit; um das Weltall, Barrierefreiheit, Nigeria und Filme. Und um Liebe, Tattoos, Wildbienen und andere Wunder des Alltags. All das verknüpft Martina Hefter mit einer Leichtigkeit, dass man trotz der etwas melancholischen Grundstimmung nur so durch die Seiten fliegt. Ich mochte es, dass Martina Hefter sich nicht scheut, gleich mehrere schwere und streitbare Themen anzureißen. Während des Lesens hätte ich mir an manchen Stellen mehr Hintergrund oder Tiefe gewünscht, doch rückblickend war es genau richtig - nicht der gesellschaftspolitische Diskurs zu einzelnen Themen steht im Fokus, sondern ein Menschenleben mit all seinen Facetten. Durch die Mischung aus Gedankenstrudeln, Textnachrichten und den Alltagsbeschreibungen mit wie nebenbei erzählten Schwierigkeiten und Höhepunkten wird Juno insgesamt zu einer so lebendigen und nahbaren Protagonistin, wie ich es selten in Romanen erlebt habe. Besonders mochte ich, von einer etwas älteren Frau zu lesen - in Büchern gibt es (noch) nicht viele weibliche Hauptfiguren jenseits der fünfzig, denen eine so lebendige Gedankenwelt zugestanden wird. Wie „Auf allen Vieren“ gehört auch dieser Roman zu den Büchern, die ich bestimmt in einigen Jahren nochmals aus dem Regal holen werde.

Ich hab’s gern gelesen! Buchpreis ist nachvollziehbar denke ich.
Mir persönlich hat das Buch gut gefallen, ich fands einfach zu lesen und nicht so überkompliziert wie andere Buchpreis-Kandidaten. Auch thematisch fand ich’s spannend. Sowohl Kritik an der Kunst/ Theater, Kritik am Sozialsystem (vor allem im Bezug auf Pflege), Rassismus und Whataboutism werden aufgegriffen, aber irgendwie total natürlich in die Story eingebaut. Das hat mir gut gefallen! Die Dialoge zwischen Juno und Benu sind weird, aber irgendwie auch schön.

Ein Roman der etwas anderen Art 👀
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Ich konnte es kaum aus der Hand legen. Es kam mir so alltäglich vor, gleichzeitig aber auch abgefahren - dazu trug auch der Aufbau des Buches bei: die inneren Dialoge von Juno, die Chats, die Beschreibungen der Umgebung; alles in allem empfand ich die Geschichte als stimmig. Besonders gefiel mir auch die Aufmachung der Beziehung von Jupiter & Juno, ich konnte mir die Charaktere gut vorstellen. Man muss schon deutlich zwischen den Zeilen lesen & die Handlung auf sich wirken lassen. ✨️ Eine klare Empfehlung meinerseits, dem Buch eine Chance zu geben ✨️📖

Juno führt ein Doppelleben: die Künstlerin lebt in Leipzig, tanzt viel, hangelt sich von Job zu Job und leistet Care-Arbeit für ihren Partner Jupiter, der die meiste Zeit in einem Pflegebett in der gemeinsamen Wohnung verbringt und das Haus nicht ohne Unterstützung verlassen kann. Doch nachts, wenn Juno mal wieder nicht schlafen kann, erfindet sie sich ständig neu: jedes Mal, wenn sie mal wieder von einem Love-Scammer angeschrieben wird, gibt sie sich als jemand anderes aus. Sie nutzt die Aufmerksamkeit der Scammer aus, um sich auszuprobieren und ihre geheimsten, teilweise verworrendsten Gedanken loszuwerden. Alle flüchten daraufhin, bis einer bleibt: Benu aus Nigeria, der echtes Interesse an Juno zu haben scheint. Mit der Zeit muss Juno sich immer öfter fragen, wer hier eigentlich wen belügt und wohin das ganze führen soll. ‘Hey guten Morgen, wie geht es dir?’ hat 2024 den Deutschen Buchpreis gewonnen und ich kann's nachvollziehen. Zum einen feiere ich es sehr, dass ein Roman mit einer Ü50-jährigen Protagonistin gewonnen hat. Zum anderen webt Martina Hefter so viel Komik, aber auch Zartheit und Verletzlichkeit in ihre Zeilen, was es zu einem sehr besonderen Roman macht. Es ist ein Buch, das sich manchmal ganz schwer und dann auch wieder leicht anfühlt, bei dem man die Figuren wirklich gerne fragen möchte: aber wie geht es dir denn? Ich habs als Hörbuch gehört, wunderbar gelesen von Inka Löwendorf. CN: Ras$ismus, chronische Krankheit
Love-Scamming und mythologische Götterwesen?! In diesem Roman gibt’s beides 💕
Eine Thema das aktueller nicht sein könnte: Love-Scamming. Martina Hefter erzählt in ihrem neuen Buch „Hey, Guten Morgen wie geht es dir?“ von modernen Heiratsschwindlern und ihren Opfern. Was man sich automatisch fragt, ist, was es bloß sein mag, dass Frauen scharenweise in die Netze solcher Schwindler treibt, hinter denen sich meistens keine weißen Mittelschichtler aus Europa verbergen, sondern arme schwarze Männer aus Afrika. Alle drei Figuren des Romans tragen Götternamen. Juno a la Isabella Flock ist eine Leipziger Tänzerin in ihren Fünfzigern, die mit einem Mann zusammenlebt, der an einer schweren Form von Multipler Sklerose erkrankt ist, Jupiter. Sie flüchtet sich immer wieder in den Tanzsaal, um dort Schwerelosigkeit zu erleben. Aus Langeweile und Schlaflosigkeit chattet Juno nachts mit Männern. Mit so genannten „Love Scammern“: es handelt sich dabei meist um afrikanische Männer, die einsamen Europäerinnen erst Liebesschwüre schicken und sie dann nach Geld fragen. Juno ist sich dessen bewusst und dreht den Spieß um, kokettiert mit Falschinformationen bezüglich ihrer Biographie und spielt mit den Männern aus fernen Ländern. Denn Ablenkung hat sie dringend nötig - in der Realität liegt nämlich ihr schwerkranker Mann Jupiter im Hinterzimmer. Der Nigerianer Benu chattet sie eines Abends an und es entwickelt sich ein unerwartet ehrliches Gespräch. Die beiden kommen sich online näher, fassen Vertrauen zueinander und es entsteht ein echtes Interesse am anderen. Doch bleibt die Wahrheit ein unsicheres Gefilde. Juno ist für Benu eine begehrenswerte Frau mit vielen Liebhabern, ohne Ehemann, zeitgleich eine erfolgreiche Tänzerin in ihren besten Jahren, sprich: eine Frau zum Verlieben! Wohingegen Benu weitaus ehrlicher ihr gegenüber ist. Was wird nun aus den beiden?? Werden sie gegenseitig ihre wahre Identität preisgeben? Kann eine Beziehung auf solch einer Basis Bestand haben? Im Buch findet ihr die Antworten und die sind überraschender, als ihr vielleicht gerade denken mögt. „Hey, Guten Morgen wie geht es dir?“ ist eine Geschichte wie aus dem Leben gegriffen. Martina Hefter beherrscht die Kunst, authentisch und genau zu erzählen. Sprachlich hält das Buch viele Konversationen mit Themen der Alltagsrealität im typischen Stil unserer heutigen Messages für uns bereit. Die mythologischen Götterwesen sind nur den Namen nach präsent, da hätte ich mir mehr Bezug zu den Persönlichkeiten gewünscht und ein Psychogramm ebensolcher mit Psychologisierung und tieferer Reflexion. Dennoch sind das Kritikpunkte auf einem absolut hohen Niveau, denn der Roman gehört zu den thematisch spannendsten Büchern, die ich in diesem Jahr bisher gelesen habe. Die Autorin schafft es einen Bogen zu schlagen von Love-Scamming, Mental Health, Feminismus, Sexismus, Rassismus, Kolonialismus, dem Altern in Würde, Pflege von einem schwerkranken Partner hin zu dem Präkariat von Künstler*innen. Eine große thematische Bandbreite, der ein paar mehr Seiten gut getan hätten um der Komplexität der einzelnen Themen gerecht zu werden. „Hey, Guten Morgen wie geht es dir?“ ist ein Buch mit Sogwirkung, das mich in seine Realität gezogen, aber den Vorhang nie ganz geöffnet hat. Wenn man sich darauf einlässt, kann man viel daraus mitnehmen. Ich drücke die Daumen für die Autorin, dass sie mit diesem Werk auf der Shortlist landet!





















































