1979
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Description
Iran am Vorabend der islamischen Revolution. Ein junger Innenarchitekt und sein kranker Freund Christopher reisen als Angehörige einer internationalen Partyszene durch das Land. In Teheran werden die Panzer des Schahs aufgefahren. Zwischen Drogenexzessen, Schönheit und Gewalt erfasst den Ich-Erzähler der Taumel von etwas Neuem. Eine Welt ohne Zentrum, in der auf einmal alles möglich erscheint. Doch bald wird klar, dass man in einer durch Schönheit und Leid zweigeteilten Welt nicht ewig als Tourist herumreisen kann. Im besetzten Tibet, wohin es den Ich-Erzähler nach dem Tod seines Gefährten verschlägt, wird er von chinesischen Soldaten verhaftet.
Book Information
Author Description
In Saanen in der Schweiz wurde Christian Kracht am 29. Dezember 1966 geboren. Nach der Schule nahm er in den USA das Studium der Filmwissenschaften auf, arbeitete bei verschiedenen Presseerzeugnissen und begann dann zu reisen – durch Asien ebenso wie durch Afrika oder den Südpazifik. Er zählt zu den modernen deutschsprachigen Schriftstellern. Seine Werke sind in 30 Sprachen übersetzt. 2012 erhielt Christian Kracht den Wilhelm-Raabe-Preis, für den Roman »Die Toten« 2016 den Schweizer Buchpreis sowie den Hermann-Hesse-Literaturpreis; als auch 2022 den Wolfgang-Koeppen-Preis. Zuletzt erschienen die Romane »Eurotrash« und »Air«.
Posts
Ein grausames Meisterwerk
Ich bin durch die ZEIT auf dieses Buch aufmerksam geworden, die das Buch zur besten Literatur des 21. Jahrhunderts zählt. 1979 erzählt die Geschichte eines dekadenten Schnösels aus Deutschland, der sich zu Beginn der Islamischen Revolution im Iran befindet. Der Tod seines ehemaligen Partners lässt ihn erschreckend kalt, veranlasst ihn aber letztlich zu einer Selbstfindungsreise zum heiligen Berg Kailash in Tibet. Was anfangs anderen Entwicklungsromanen wie Der Alchimist oder Siddharta zu ähneln scheint, wird von Kapitel zu Kapitel düsterer. Es ist das genaue Gegenteil von den erwähnten Selbstfindungsreisen. Der Protagonist endet als politischer Häftling im kommunistischen China. Sein Alltag ist grausam und doch wird er ein fanatischer Maoist. Dieses Buch ist kalt, absurd und die letzten Kapitel sind kaum auszuhalten. Komischerweise beweist dieses Buch dabei auch immensen Humor. Ich habe so etwas selten aufgrund von Worten durchgemacht. Deswegen muss ich diese wirklich schlimme Geschichte trotzdem als sehr gut bewerten und der ZEIT damit recht geben.
Ein namenloser Ich-Erzähler treibt sich kurz vor der iranischen Revolution mit seinem Ex-Freund in Teheran herum. Sie vertreiben ihre Zeit damit, sich gegenseitig zu verachten und sich auf dekadenten Partys zu langweilen. In der zweiten Hälfte verschlägt es den Erzähler dann noch nach Tibet und China. "1979" wirkt zunächst wie ein klassischer Entwicklungsroman, ist aber eher so etwas wie eine Parodie auf dieses Genre. Die Entwicklung, die die Figur durchmacht, ist wohl kaum als Vorbild zu verstehen. Der Erzählstil ist äußerst nüchtern, der Ich-Erzähler kommentiert kaum, konzentriert sich lieber auf die Beschreibung von Möbelstücken oder Kleidung, wodurch bspw. auch Folterszenen äußerst lakonisch beschrieben werden und dadurch fast schwarzhumorig wirken. Dem Leser bleibt es damit selbst überlassen, das Geschehen für sich einzuordnen. Wer mit diesem Stil etwas anfangen kann, dem empfehle ich diesen kurzen Roman von Christian Kracht sehr.
Der Ich-Erzähler dieses Buches ist ein "krachtianischer" Charakter, wie er im Buche steht (einem Buch von Christian Kracht natürlich). Er macht eigentlich nichts selber, lässt sich treiben und die Dinge geschehen. Dennoch fühlte ich mich in die Erzählung hineingesogen. Ich wurde angetrieben von der ständigen Frage nach dem Warum. Diese eine Frage stellt sich der Held nämlich nicht. Er akzeptiert in buddhistischer Weise die Geschehnisse um sich herum und arrangiert sich. Der Schlusssatz gibt dem Ganzen dann noch einen extra Dreh, der mich so schnell nicht mehr loslassen wird. Nun frage ich mich nämlich nur noch mehr.
Oh, another faceless, empty, and vague narrator, and then there's drugs, violence, and disgust. I feel so provoked. And out of nowhere comes decadence, hedonism, and very, very sharp irony. I didn't expect any of that here. How about sprinkling some nihilism on top… but haven‘t you forgotten something …sex? The only thing about this story that really appealed to me was the obscure and bizarre matter-of-factness of the plot. Things just happen strangely. But the book doesn't benefit; it fails because of its ambiguity. The space for interpretation feels so forced and contrived that the author just begs you to ask yourself what the book is actually about. Christian Kracht's voice here really lacks confidence, determination, and originality. Stop hiding behind cardboard figures of famous authors and show your true colors. That said, I understand the various interpretive tracks he lays down. You can see it as a swan song of the western, hedonistic world or the effect of ideology (on it). It feels like the protagonist is sent on a quest for meaning that he neither asks for nor understands, so he barely changes throughout the book, even though his circumstances get worse and worse. He doesn't even care. And neither do I.
Ein Meisterwerk der neuen deutschen Literatur, auf das man sich einlassen muss.
1979 ist, ebenso wie jedes andere Werk von Christian Kracht, zuallererst ein literarisches Experiment. Die Frage, die diesem Experiment zugrunde liegt, ist: Was passiert, wenn man um seinen Protagonisten herum alles zusammenbrechen lässt, es dem Protagonisten aber schlicht egal ist? Diese Frage ist Kracht-typisch in eine Erzählung über eine Reise verpackt, in der Studien über den Hedonismus und den Kapitalismus mitschwingen. Krachts Worte sind auch hier so bedacht gewählt wie immer, sodass 1979 es schafft, auf 192 Seiten in einem minimalistischen Stil mehr zu erzählen, mehr einzigartige, lustige, aber auch traurige Bilder im Kopf des Lesers zu erzeugen, als viele andere Erzählungen, die deutlich länger sind. Sicherlich kein Buch für jede oder jeden, aber nach wie vor eines der spannendsten Werke der neuen, wenn nicht sogar der gesamten deutschen Literatur.
Ganz anders als erwartet…
„1979“ von Christian Kracht hat bei mir ein sehr ambivalentes Gefühl hinterlassen. Einerseits war ich tief beeindruckt vom Schreibstil: Krachts Sprache ist präzise, kraftvoll und unglaublich mitreißend. Seine Beschreibungen ziehen einen regelrecht in die Welt des Romans hinein. Gleichzeitig bleibt nach dem Lesen vor allem ein bedrückendes Gefühl zurück. Der Erzähler wirkt über das gesamte Buch hinweg passiv, wenig reflektiert und fast naiv. Er nimmt Ereignisse und Bewertungen anderer Menschen – selbst die Bezeichnung als „dümmlich“ – einfach hin, ohne sie wirklich zu hinterfragen. Diese Haltung zieht sich durch die gesamte Handlung: Die spirituelle Reise beginnt nicht aus innerer Überzeugung, sondern eher aus Zufall und äußeren Umständen. Dadurch wirkt der Erzähler weniger wie jemand, der aktiv nach Sinn sucht, sondern eher wie ein Beobachter seines eigenen Lebens. Besonders eindrücklich fand ich den kühlen Umgang mit dem Tod seines Partners und die Szene im Gefangenenlager. Beide Momente zeigen eine emotionale Brutalität, die sich durch das ganze Buch zieht. Auch das scheinbar privilegierte Leben des Erzählers wirkt nicht warm oder sicher, sondern geprägt von Distanz, Leere und fehlender Nähe. Diese emotionale Kälte macht das Buch insgesamt sehr traurig. Krachts nüchterne, fast neutrale Erzählweise verstärkt diesen Eindruck noch. Der Erzähler bewertet kaum, sondern beschreibt einfach, was geschieht. Dadurch entsteht beim Lesen eine große Ratlosigkeit, aber auch eine starke Wirkung: Man wird mit der Machtlosigkeit und Orientierungslosigkeit der Figur konfrontiert und beginnt selbst, über die Bedeutung der Ereignisse nachzudenken. „1979“ ist kein Buch, das mit einer klaren Auflösung endet. Das abrupte Ende und die durchgehende Passivität des Erzählers lassen viele Fragen offen. Gerade diese Offenheit macht den Roman jedoch so eindrücklich. Trotz der bedrückenden Stimmung bleibt er wegen seines besonderen Stils und der intensiven Atmosphäre lange im Gedächtnis.
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Iran am Vorabend der islamischen Revolution. Ein junger Innenarchitekt und sein kranker Freund Christopher reisen als Angehörige einer internationalen Partyszene durch das Land. In Teheran werden die Panzer des Schahs aufgefahren. Zwischen Drogenexzessen, Schönheit und Gewalt erfasst den Ich-Erzähler der Taumel von etwas Neuem. Eine Welt ohne Zentrum, in der auf einmal alles möglich erscheint. Doch bald wird klar, dass man in einer durch Schönheit und Leid zweigeteilten Welt nicht ewig als Tourist herumreisen kann. Im besetzten Tibet, wohin es den Ich-Erzähler nach dem Tod seines Gefährten verschlägt, wird er von chinesischen Soldaten verhaftet.
Book Information
Author Description
In Saanen in der Schweiz wurde Christian Kracht am 29. Dezember 1966 geboren. Nach der Schule nahm er in den USA das Studium der Filmwissenschaften auf, arbeitete bei verschiedenen Presseerzeugnissen und begann dann zu reisen – durch Asien ebenso wie durch Afrika oder den Südpazifik. Er zählt zu den modernen deutschsprachigen Schriftstellern. Seine Werke sind in 30 Sprachen übersetzt. 2012 erhielt Christian Kracht den Wilhelm-Raabe-Preis, für den Roman »Die Toten« 2016 den Schweizer Buchpreis sowie den Hermann-Hesse-Literaturpreis; als auch 2022 den Wolfgang-Koeppen-Preis. Zuletzt erschienen die Romane »Eurotrash« und »Air«.
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Ein grausames Meisterwerk
Ich bin durch die ZEIT auf dieses Buch aufmerksam geworden, die das Buch zur besten Literatur des 21. Jahrhunderts zählt. 1979 erzählt die Geschichte eines dekadenten Schnösels aus Deutschland, der sich zu Beginn der Islamischen Revolution im Iran befindet. Der Tod seines ehemaligen Partners lässt ihn erschreckend kalt, veranlasst ihn aber letztlich zu einer Selbstfindungsreise zum heiligen Berg Kailash in Tibet. Was anfangs anderen Entwicklungsromanen wie Der Alchimist oder Siddharta zu ähneln scheint, wird von Kapitel zu Kapitel düsterer. Es ist das genaue Gegenteil von den erwähnten Selbstfindungsreisen. Der Protagonist endet als politischer Häftling im kommunistischen China. Sein Alltag ist grausam und doch wird er ein fanatischer Maoist. Dieses Buch ist kalt, absurd und die letzten Kapitel sind kaum auszuhalten. Komischerweise beweist dieses Buch dabei auch immensen Humor. Ich habe so etwas selten aufgrund von Worten durchgemacht. Deswegen muss ich diese wirklich schlimme Geschichte trotzdem als sehr gut bewerten und der ZEIT damit recht geben.
Ein namenloser Ich-Erzähler treibt sich kurz vor der iranischen Revolution mit seinem Ex-Freund in Teheran herum. Sie vertreiben ihre Zeit damit, sich gegenseitig zu verachten und sich auf dekadenten Partys zu langweilen. In der zweiten Hälfte verschlägt es den Erzähler dann noch nach Tibet und China. "1979" wirkt zunächst wie ein klassischer Entwicklungsroman, ist aber eher so etwas wie eine Parodie auf dieses Genre. Die Entwicklung, die die Figur durchmacht, ist wohl kaum als Vorbild zu verstehen. Der Erzählstil ist äußerst nüchtern, der Ich-Erzähler kommentiert kaum, konzentriert sich lieber auf die Beschreibung von Möbelstücken oder Kleidung, wodurch bspw. auch Folterszenen äußerst lakonisch beschrieben werden und dadurch fast schwarzhumorig wirken. Dem Leser bleibt es damit selbst überlassen, das Geschehen für sich einzuordnen. Wer mit diesem Stil etwas anfangen kann, dem empfehle ich diesen kurzen Roman von Christian Kracht sehr.
Der Ich-Erzähler dieses Buches ist ein "krachtianischer" Charakter, wie er im Buche steht (einem Buch von Christian Kracht natürlich). Er macht eigentlich nichts selber, lässt sich treiben und die Dinge geschehen. Dennoch fühlte ich mich in die Erzählung hineingesogen. Ich wurde angetrieben von der ständigen Frage nach dem Warum. Diese eine Frage stellt sich der Held nämlich nicht. Er akzeptiert in buddhistischer Weise die Geschehnisse um sich herum und arrangiert sich. Der Schlusssatz gibt dem Ganzen dann noch einen extra Dreh, der mich so schnell nicht mehr loslassen wird. Nun frage ich mich nämlich nur noch mehr.
Oh, another faceless, empty, and vague narrator, and then there's drugs, violence, and disgust. I feel so provoked. And out of nowhere comes decadence, hedonism, and very, very sharp irony. I didn't expect any of that here. How about sprinkling some nihilism on top… but haven‘t you forgotten something …sex? The only thing about this story that really appealed to me was the obscure and bizarre matter-of-factness of the plot. Things just happen strangely. But the book doesn't benefit; it fails because of its ambiguity. The space for interpretation feels so forced and contrived that the author just begs you to ask yourself what the book is actually about. Christian Kracht's voice here really lacks confidence, determination, and originality. Stop hiding behind cardboard figures of famous authors and show your true colors. That said, I understand the various interpretive tracks he lays down. You can see it as a swan song of the western, hedonistic world or the effect of ideology (on it). It feels like the protagonist is sent on a quest for meaning that he neither asks for nor understands, so he barely changes throughout the book, even though his circumstances get worse and worse. He doesn't even care. And neither do I.
Ein Meisterwerk der neuen deutschen Literatur, auf das man sich einlassen muss.
1979 ist, ebenso wie jedes andere Werk von Christian Kracht, zuallererst ein literarisches Experiment. Die Frage, die diesem Experiment zugrunde liegt, ist: Was passiert, wenn man um seinen Protagonisten herum alles zusammenbrechen lässt, es dem Protagonisten aber schlicht egal ist? Diese Frage ist Kracht-typisch in eine Erzählung über eine Reise verpackt, in der Studien über den Hedonismus und den Kapitalismus mitschwingen. Krachts Worte sind auch hier so bedacht gewählt wie immer, sodass 1979 es schafft, auf 192 Seiten in einem minimalistischen Stil mehr zu erzählen, mehr einzigartige, lustige, aber auch traurige Bilder im Kopf des Lesers zu erzeugen, als viele andere Erzählungen, die deutlich länger sind. Sicherlich kein Buch für jede oder jeden, aber nach wie vor eines der spannendsten Werke der neuen, wenn nicht sogar der gesamten deutschen Literatur.
Ganz anders als erwartet…
„1979“ von Christian Kracht hat bei mir ein sehr ambivalentes Gefühl hinterlassen. Einerseits war ich tief beeindruckt vom Schreibstil: Krachts Sprache ist präzise, kraftvoll und unglaublich mitreißend. Seine Beschreibungen ziehen einen regelrecht in die Welt des Romans hinein. Gleichzeitig bleibt nach dem Lesen vor allem ein bedrückendes Gefühl zurück. Der Erzähler wirkt über das gesamte Buch hinweg passiv, wenig reflektiert und fast naiv. Er nimmt Ereignisse und Bewertungen anderer Menschen – selbst die Bezeichnung als „dümmlich“ – einfach hin, ohne sie wirklich zu hinterfragen. Diese Haltung zieht sich durch die gesamte Handlung: Die spirituelle Reise beginnt nicht aus innerer Überzeugung, sondern eher aus Zufall und äußeren Umständen. Dadurch wirkt der Erzähler weniger wie jemand, der aktiv nach Sinn sucht, sondern eher wie ein Beobachter seines eigenen Lebens. Besonders eindrücklich fand ich den kühlen Umgang mit dem Tod seines Partners und die Szene im Gefangenenlager. Beide Momente zeigen eine emotionale Brutalität, die sich durch das ganze Buch zieht. Auch das scheinbar privilegierte Leben des Erzählers wirkt nicht warm oder sicher, sondern geprägt von Distanz, Leere und fehlender Nähe. Diese emotionale Kälte macht das Buch insgesamt sehr traurig. Krachts nüchterne, fast neutrale Erzählweise verstärkt diesen Eindruck noch. Der Erzähler bewertet kaum, sondern beschreibt einfach, was geschieht. Dadurch entsteht beim Lesen eine große Ratlosigkeit, aber auch eine starke Wirkung: Man wird mit der Machtlosigkeit und Orientierungslosigkeit der Figur konfrontiert und beginnt selbst, über die Bedeutung der Ereignisse nachzudenken. „1979“ ist kein Buch, das mit einer klaren Auflösung endet. Das abrupte Ende und die durchgehende Passivität des Erzählers lassen viele Fragen offen. Gerade diese Offenheit macht den Roman jedoch so eindrücklich. Trotz der bedrückenden Stimmung bleibt er wegen seines besonderen Stils und der intensiven Atmosphäre lange im Gedächtnis.
















