Vati
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Description
Das berührende Porträt einer Nachkriegsgeneration
Ein Mann mit Beinprothese, ein Abwesender, ein Witwer, ein Pensionär, ein Literaturliebhaber. Monika Helfer umkreist das Leben ihres Vaters und erzählt von ihrer eigenen Kindheit und Jugend. Von dem vielen Platz und der Bibliothek im Kriegsopfer-Erholungsheim in den Bergen, von der Armut und den beengten Lebensverhältnissen. Von dem, was sie weiß über ihren Vater, was sie über ihn in Erfahrung bringen kann. Mit großer Wahrhaftigkeit entsteht ein Roman über das Aufwachsen in schwierigen Verhältnissen, eine Suche nach der eigenen Herkunft. Ein Erinnerungsbuch, das sanft von Existenziellem berichtet und schmerzhaft im Erinnern bleibt. »Ja, alles ist gut geworden. Auf eine bösartige Weise ist alles gut geworden.«
Book Information
Author Description
Monika Helfer, geboren 1947 in Au/Bregenzerwald, lebt als Schriftstellerin mit ihrer Familie in Vorarlberg. Sie hat Romane, Erzählungen und Kinderbücher veröffentlicht und wurde u.a. mit dem Robert-Musil-Stipendium, dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur, dem Solothurner Literaturpreis und dem Johann-Peter-Hebel-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen von ihr die Romane ›Die Bagage‹, für den sie den Schubart-Literaturpreis 2021 der Stadt Aalen erhielt, ›Vati‹ – damit war sie für den Deutschen Buchpreis nominiert – und ›Löwenherz‹.
Posts
Der zweite Roman von Monika Helfer, den ich gelesen habe (nach „Baggage“). Es ist ein zartes Buch und dennoch stellenweise hart. Mich hat es sehr berührt und ich habe den (teilweise autobiografischen) Roman noch lieber als „Baggage“ gelesen. Erst eine Generation her und doch eine völlig andere Lebens- und Erfahrunswelt.
Lesenswerte Familiengeschichte
Im Mittelpunkt steht Vati, eine tragische Figur mit einem im Krieg versehrten Bein. Man hat das Gefühl, Josef, der Vati, passt nicht so ganz in diese Welt und verbringt am liebsten Zeit mit Büchern. Er hat mit Mutti vier Kinder, eine davon Monika Helfer. Die Anekdoten des Buches waren unterhaltsam trotz der vielen Traurigkeiten. Werde auf jeden Fall noch ein weiteres Buch von Monika Helfer lesen.
"Gretel sagte: "Es ist doch alles gut geworden." Renate sagte:"In Wirklichkeit wissen wir gar nichts über ihn" Ich neige dazu Renate Recht zu geben."(S171) Man kann als Kind das Leben seines Vaters nicht erzählen, es wird zur Erzählung über die Kindheit. Aber die Lücken kann man mit etwas Schönem füllen. Berührend fand ich die Stelle als der Vater zur Lebensberichte ansetzte und die Ich Erzählerin Angst hatte den Vater zu verlieren, nicht durch Krankheit oder Tod, sondern weil er sie nicht mehr als Kind behandelte, stattdessen wie eine Vertraute oder Freundin, der man alles erzählt.
Josef
Wie auch schon in „die Bagage“ schreibt hier Monika Helfer ihre Erinnerungen in kurzer fragmentierter und unnachahmlicher Kunst über ihre Familie um genauer zu sein über ihren Vater nieder. Wie ein gedanklicher Einfall, sprunghaft, wirr, lebendig. Bereits der erste Teil der Reihe hat mir gefallen und einen dritten Teil gibt es auch wie ich erst kürzlich erfahren habe. Dieser darf dann auch nicht fehlen. Ich freue mich drauf.
Diese Form von Autofiktion spricht mich nicht sonderlich an. Dabei liegt es weniger an der Mischung aus Biografie, Reflexionen, Beschreibungen und fiktionalen Dialogen, sondern vielmehr an der unchronologischen Aneinanderreihung von kleinen Anekdoten und anderen besonderen Erinnerungen ohne nennenswerten Höhepunkt. Das Leben von Monika Helfer und ihrem Vater ist durchaus interessant. Vati eine ambivalente Figur zwischen Büchermanie und Kinderliebe. Die Kindheit der Autorin in Vorarlberger Bergregion entbehrungsreich, und der Blick auf den Vater nicht überschwänglich positiv, aber doch sehr wohlwollend im Ton. Die Sprache schlicht und einfach, oft durch kurze Sätze geprägt. Unterhaltsam, mehr nicht. Für mich ist das kein Kandidat für die sechs besten Romane des Jahres 2022.
Berührende Annäherung an den Vater Josef hatte kein einfaches Leben. Ein Kind aus armen Verhältnissen hat er Glück und findet Förderer, die sein Potential erkennen und seine Liebe zu Büchern fördern. Doch kurz vor der Matura muss er in den Krieg und kommt als Kriegsversehrter zurück. Ein Bein wurde ihm genommen. Doch dafür findet er im Lazarett seine Frau Grete kennen, mit der er vier Kinder hat. Doch auch diese Glück ist nur von kurzer Dauer. Und so zieht sich der Witwer immer mehr aus der Welt. Mit Vati begibt sich Monika Helfer auf die Suche nach einem Mann, den sie nie wirklich kennen lernen konnte und den immer ein Geheimnis zu umgeben schien. Gleichzeitig erzählt sie die Geschichte ihrer Familie und ihrer Kindheit. Wie schon in „Die Bagage“ geschieht das klar und authentisch, mit viel Wärme und äußerst berührend. Die Charakter sind liebevoll gezeichnet, die schwere Zeit des 2. Weltkrieges ebenso authentisch beschrieben wie die nicht immer einfachen Familienverhältnisse. Mein Fazit: eine berührende Annäherung an den Vater. Absolut lesenswert
Nach “Die Bagage”, in der Monika Helfer ihren Großeltern nachspürt, begibt sie sich in “Vati” eine Generation weiter in das Kriegsopfer-Erholungsheim, das ihr Vater - selbst Kriegsversehrter mit einer Beinprothese - lange Zeit leitete. Insbesondere diese Kinderjahre weiß die Autorin aus guter Erinnerung heraus detailreich und lebensfreudig zu beschreiben. Aber auch die Zeit, in der das Glück nicht anhält, bekommt ihren Platz. Die Familie bleibt als Netz erhalten und Monika kommt mit ihren beiden Schwestern bei ihrer Tante unter - es mangelt an Platz, an Geld, manchmal sogar an Essen. Der Vater wird zum Schatten, zum Mysterium, war er doch zuvor so vertraut mit insbesondere unserer Erzählerin. Die Liebe zu den Büchern verbindet sie und schwört sie gegen die anderen ein, ansonsten bleibt er den Kindern eher fremd. Das Bild des Vaters wird durch Erinnerungen der Autorin, die in Gesprächen mit der Schwester bestätigt oder diskutiert werden, gefüttert und mit feinen Nuancen und kleinen Anekdoten angereichert. Grundsätzlich chronologisch vorgehend, greift sie doch oftmals in einem Satz vor oder schiebt passende Gedanken dazwischen, die einen bestimmten Aspekt unterstreichen oder ergänzen. Auf mich wirkt dieser Stil, insbesondere im Hörbuch, als würde mir die Autorin ihre Geschichte direkt gerade so aus dem Kopf heraus erzählen. Tatsächlich hätte ich nicht gedacht, dass mich diese so bewegt und anrührt, dass sie mich überhaupt interessiert. Aber mitzuverfolgen, was dieser Familie widerfährt, wie sie auf große Ereignisse reagiert, aber auch im Kleinen und Alltäglichen funktioniert, hat mich in den Bann gezogen und geöffnet für weitere autofiktionale Werke.
Vati – wer ist das eigentlich? In ihrem neuen Buch macht sich Monika Helfer auf die Suche nach dem Wesen des Mannes, der ihr Vater war, und entdeckt dabei auch zahlreiche Erinnerungen an sich selbst. Der Roman ist eine sehr intensive und berührende Auseinandersetzung mit der eigenen Kindheit und Vergangenheit, mit schmerzlichen Begebenheiten, Episoden liebevoller Zugeneigtheit und Phasen der Vernachlässigung, die es gibt, weil Erwachsene und Väter eben auch nur Menschen sind. So begibt sich die Autorin mittels Erinnerungsfragmenten, mal chronologisch, mal in eingeschobenen Exkursen, auf die Reise in ihre sehr jungen Jahre, zu Beginn gar in die Zeit bevor sie geboren wurde. Stets ist sie dem Mensch Vati auf der Spur, aber so ganz gelingt die Annäherung und Auseinandersetzung mit ihm nicht. Dies soll sie auch gar nicht, im Gegenteil, denn Vati (und vielleicht alle Eltern) bleiben durch ihre Rolle im Leben immer auch leicht unnahbar, vage und verschwommen – so wie das sehr passende Cover des Buchs. Ganz folgerichtig setzt sich Monika Helfer vielleicht auch deshalb mit dem Umstand auseinander, dass man als Kind gar nicht unbedingt alles über seine Eltern wissen oder diese verstehen möchte. Der Roman hat – wie bereits angedeutet – keinen durchweg klaren, linearen Handlungsverlauf, sondern reiht prägende Erlebnisse aneinander, sodass zumindest auch in einem Teil des Buchs Vati völlig aus dem Fokus und der Erzählung verschwindet. Trotz dieser gewissen Handlungsarmut ist das Buch eine faszinierende und gelungene Lektüre, da Monika Helfer einen sehr eigenen, besonderen Schreibstil pflegt, der den Leser oft ins Herz trifft. Aus einer Reflexion über alltägliche Geschehnisse wird kann so sprachlich ein Ereignis werden. Auch gelingt es der Autorin immer wieder, sich detailliert und authentisch in das erlebende Ich einzufühlen. Sollte ich den Roman ausschließlich an seinem letzten Satz messen, dann würde er ohne Zweifel ganz weit vorn unter meinen unvergesslichen Büchern rangieren. Ganz ehrlich: so schreibt man letzte Sätze – denn nur selten habe ich an dieser Stelle etwas Passenderes gelesen. (Bitte jetzt auf keinen Fall den Satz ohne Kontext lesen!) Für mich ein gelungenes, nachdenkliches Lesevergnügen. Anspruchsvoll, ehrlich, wertig.
Diese Form von Autofiktion spricht mich nicht sonderlich an. Dabei liegt es weniger an der Mischung aus Biografie, Reflexionen, Beschreibungen und fiktionalen Dialogen, sondern vielmehr an der unchronologischen Aneinanderreihung von kleinen Anekdoten und anderen besonderen Erinnerungen ohne nennenswerten Höhepunkt. Das Leben von Monika Helfer und ihrem Vater ist durchaus interessant. Vati eine ambivalente Figur zwischen Büchermanie und Kinderliebe. Die Kindheit der Autorin in Vorarlberger Bergregion entbehrungsreich, und der Blick auf den Vater nicht überschwänglich positiv, aber doch sehr wohlwollend im Ton. Die Sprache schlicht und einfach, oft durch kurze Sätze geprägt. Unterhaltsam, mehr nicht. Für mich ist das kein Kandidat für die sechs besten Romane des Jahres 2022.
Vati erzählt die Geschichte eines Vaters (ein Mix wohl aus Helfers eigenem Vater und dem der Protagonistin) und dabei auch ganz viel über die Protagonistin selbst. Bei der Beurteilung bin ich ein bisschen hin- und hergerissen. Eigentlich mag ich Helfers Schreibstil, aber an einigen Stellen finde ich das in diesem Roman als zu viel. Es wirkt, als würde ein Kind- mit dem Wortschatz und gutem Sprachgefühl einer Erwachsenen- erzählen. So springt die Protagonistin zwischen Gegenwart, Vergangenheit und der Zeit davor, manchmal ohne Warnung und manchmal nicht sofort ersichtlich. Manches sind Dinge, die sich die Protagonistin als Kind zusammen gereimt oder geträumt hat, manches Fakten, manches Stimmen anderer Menschen. Dies macht die Erzählung gleichzeitig so authentisch und wirr. Ein, sagen wir, interessanter Versuch einen Vater zu beschreiben, der in der Kindheit alles andere als ein offenes Buch war.
Description
Das berührende Porträt einer Nachkriegsgeneration
Ein Mann mit Beinprothese, ein Abwesender, ein Witwer, ein Pensionär, ein Literaturliebhaber. Monika Helfer umkreist das Leben ihres Vaters und erzählt von ihrer eigenen Kindheit und Jugend. Von dem vielen Platz und der Bibliothek im Kriegsopfer-Erholungsheim in den Bergen, von der Armut und den beengten Lebensverhältnissen. Von dem, was sie weiß über ihren Vater, was sie über ihn in Erfahrung bringen kann. Mit großer Wahrhaftigkeit entsteht ein Roman über das Aufwachsen in schwierigen Verhältnissen, eine Suche nach der eigenen Herkunft. Ein Erinnerungsbuch, das sanft von Existenziellem berichtet und schmerzhaft im Erinnern bleibt. »Ja, alles ist gut geworden. Auf eine bösartige Weise ist alles gut geworden.«
Book Information
Author Description
Monika Helfer, geboren 1947 in Au/Bregenzerwald, lebt als Schriftstellerin mit ihrer Familie in Vorarlberg. Sie hat Romane, Erzählungen und Kinderbücher veröffentlicht und wurde u.a. mit dem Robert-Musil-Stipendium, dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur, dem Solothurner Literaturpreis und dem Johann-Peter-Hebel-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen von ihr die Romane ›Die Bagage‹, für den sie den Schubart-Literaturpreis 2021 der Stadt Aalen erhielt, ›Vati‹ – damit war sie für den Deutschen Buchpreis nominiert – und ›Löwenherz‹.
Posts
Der zweite Roman von Monika Helfer, den ich gelesen habe (nach „Baggage“). Es ist ein zartes Buch und dennoch stellenweise hart. Mich hat es sehr berührt und ich habe den (teilweise autobiografischen) Roman noch lieber als „Baggage“ gelesen. Erst eine Generation her und doch eine völlig andere Lebens- und Erfahrunswelt.
Lesenswerte Familiengeschichte
Im Mittelpunkt steht Vati, eine tragische Figur mit einem im Krieg versehrten Bein. Man hat das Gefühl, Josef, der Vati, passt nicht so ganz in diese Welt und verbringt am liebsten Zeit mit Büchern. Er hat mit Mutti vier Kinder, eine davon Monika Helfer. Die Anekdoten des Buches waren unterhaltsam trotz der vielen Traurigkeiten. Werde auf jeden Fall noch ein weiteres Buch von Monika Helfer lesen.
"Gretel sagte: "Es ist doch alles gut geworden." Renate sagte:"In Wirklichkeit wissen wir gar nichts über ihn" Ich neige dazu Renate Recht zu geben."(S171) Man kann als Kind das Leben seines Vaters nicht erzählen, es wird zur Erzählung über die Kindheit. Aber die Lücken kann man mit etwas Schönem füllen. Berührend fand ich die Stelle als der Vater zur Lebensberichte ansetzte und die Ich Erzählerin Angst hatte den Vater zu verlieren, nicht durch Krankheit oder Tod, sondern weil er sie nicht mehr als Kind behandelte, stattdessen wie eine Vertraute oder Freundin, der man alles erzählt.
Josef
Wie auch schon in „die Bagage“ schreibt hier Monika Helfer ihre Erinnerungen in kurzer fragmentierter und unnachahmlicher Kunst über ihre Familie um genauer zu sein über ihren Vater nieder. Wie ein gedanklicher Einfall, sprunghaft, wirr, lebendig. Bereits der erste Teil der Reihe hat mir gefallen und einen dritten Teil gibt es auch wie ich erst kürzlich erfahren habe. Dieser darf dann auch nicht fehlen. Ich freue mich drauf.
Diese Form von Autofiktion spricht mich nicht sonderlich an. Dabei liegt es weniger an der Mischung aus Biografie, Reflexionen, Beschreibungen und fiktionalen Dialogen, sondern vielmehr an der unchronologischen Aneinanderreihung von kleinen Anekdoten und anderen besonderen Erinnerungen ohne nennenswerten Höhepunkt. Das Leben von Monika Helfer und ihrem Vater ist durchaus interessant. Vati eine ambivalente Figur zwischen Büchermanie und Kinderliebe. Die Kindheit der Autorin in Vorarlberger Bergregion entbehrungsreich, und der Blick auf den Vater nicht überschwänglich positiv, aber doch sehr wohlwollend im Ton. Die Sprache schlicht und einfach, oft durch kurze Sätze geprägt. Unterhaltsam, mehr nicht. Für mich ist das kein Kandidat für die sechs besten Romane des Jahres 2022.
Berührende Annäherung an den Vater Josef hatte kein einfaches Leben. Ein Kind aus armen Verhältnissen hat er Glück und findet Förderer, die sein Potential erkennen und seine Liebe zu Büchern fördern. Doch kurz vor der Matura muss er in den Krieg und kommt als Kriegsversehrter zurück. Ein Bein wurde ihm genommen. Doch dafür findet er im Lazarett seine Frau Grete kennen, mit der er vier Kinder hat. Doch auch diese Glück ist nur von kurzer Dauer. Und so zieht sich der Witwer immer mehr aus der Welt. Mit Vati begibt sich Monika Helfer auf die Suche nach einem Mann, den sie nie wirklich kennen lernen konnte und den immer ein Geheimnis zu umgeben schien. Gleichzeitig erzählt sie die Geschichte ihrer Familie und ihrer Kindheit. Wie schon in „Die Bagage“ geschieht das klar und authentisch, mit viel Wärme und äußerst berührend. Die Charakter sind liebevoll gezeichnet, die schwere Zeit des 2. Weltkrieges ebenso authentisch beschrieben wie die nicht immer einfachen Familienverhältnisse. Mein Fazit: eine berührende Annäherung an den Vater. Absolut lesenswert
Nach “Die Bagage”, in der Monika Helfer ihren Großeltern nachspürt, begibt sie sich in “Vati” eine Generation weiter in das Kriegsopfer-Erholungsheim, das ihr Vater - selbst Kriegsversehrter mit einer Beinprothese - lange Zeit leitete. Insbesondere diese Kinderjahre weiß die Autorin aus guter Erinnerung heraus detailreich und lebensfreudig zu beschreiben. Aber auch die Zeit, in der das Glück nicht anhält, bekommt ihren Platz. Die Familie bleibt als Netz erhalten und Monika kommt mit ihren beiden Schwestern bei ihrer Tante unter - es mangelt an Platz, an Geld, manchmal sogar an Essen. Der Vater wird zum Schatten, zum Mysterium, war er doch zuvor so vertraut mit insbesondere unserer Erzählerin. Die Liebe zu den Büchern verbindet sie und schwört sie gegen die anderen ein, ansonsten bleibt er den Kindern eher fremd. Das Bild des Vaters wird durch Erinnerungen der Autorin, die in Gesprächen mit der Schwester bestätigt oder diskutiert werden, gefüttert und mit feinen Nuancen und kleinen Anekdoten angereichert. Grundsätzlich chronologisch vorgehend, greift sie doch oftmals in einem Satz vor oder schiebt passende Gedanken dazwischen, die einen bestimmten Aspekt unterstreichen oder ergänzen. Auf mich wirkt dieser Stil, insbesondere im Hörbuch, als würde mir die Autorin ihre Geschichte direkt gerade so aus dem Kopf heraus erzählen. Tatsächlich hätte ich nicht gedacht, dass mich diese so bewegt und anrührt, dass sie mich überhaupt interessiert. Aber mitzuverfolgen, was dieser Familie widerfährt, wie sie auf große Ereignisse reagiert, aber auch im Kleinen und Alltäglichen funktioniert, hat mich in den Bann gezogen und geöffnet für weitere autofiktionale Werke.
Vati – wer ist das eigentlich? In ihrem neuen Buch macht sich Monika Helfer auf die Suche nach dem Wesen des Mannes, der ihr Vater war, und entdeckt dabei auch zahlreiche Erinnerungen an sich selbst. Der Roman ist eine sehr intensive und berührende Auseinandersetzung mit der eigenen Kindheit und Vergangenheit, mit schmerzlichen Begebenheiten, Episoden liebevoller Zugeneigtheit und Phasen der Vernachlässigung, die es gibt, weil Erwachsene und Väter eben auch nur Menschen sind. So begibt sich die Autorin mittels Erinnerungsfragmenten, mal chronologisch, mal in eingeschobenen Exkursen, auf die Reise in ihre sehr jungen Jahre, zu Beginn gar in die Zeit bevor sie geboren wurde. Stets ist sie dem Mensch Vati auf der Spur, aber so ganz gelingt die Annäherung und Auseinandersetzung mit ihm nicht. Dies soll sie auch gar nicht, im Gegenteil, denn Vati (und vielleicht alle Eltern) bleiben durch ihre Rolle im Leben immer auch leicht unnahbar, vage und verschwommen – so wie das sehr passende Cover des Buchs. Ganz folgerichtig setzt sich Monika Helfer vielleicht auch deshalb mit dem Umstand auseinander, dass man als Kind gar nicht unbedingt alles über seine Eltern wissen oder diese verstehen möchte. Der Roman hat – wie bereits angedeutet – keinen durchweg klaren, linearen Handlungsverlauf, sondern reiht prägende Erlebnisse aneinander, sodass zumindest auch in einem Teil des Buchs Vati völlig aus dem Fokus und der Erzählung verschwindet. Trotz dieser gewissen Handlungsarmut ist das Buch eine faszinierende und gelungene Lektüre, da Monika Helfer einen sehr eigenen, besonderen Schreibstil pflegt, der den Leser oft ins Herz trifft. Aus einer Reflexion über alltägliche Geschehnisse wird kann so sprachlich ein Ereignis werden. Auch gelingt es der Autorin immer wieder, sich detailliert und authentisch in das erlebende Ich einzufühlen. Sollte ich den Roman ausschließlich an seinem letzten Satz messen, dann würde er ohne Zweifel ganz weit vorn unter meinen unvergesslichen Büchern rangieren. Ganz ehrlich: so schreibt man letzte Sätze – denn nur selten habe ich an dieser Stelle etwas Passenderes gelesen. (Bitte jetzt auf keinen Fall den Satz ohne Kontext lesen!) Für mich ein gelungenes, nachdenkliches Lesevergnügen. Anspruchsvoll, ehrlich, wertig.
Diese Form von Autofiktion spricht mich nicht sonderlich an. Dabei liegt es weniger an der Mischung aus Biografie, Reflexionen, Beschreibungen und fiktionalen Dialogen, sondern vielmehr an der unchronologischen Aneinanderreihung von kleinen Anekdoten und anderen besonderen Erinnerungen ohne nennenswerten Höhepunkt. Das Leben von Monika Helfer und ihrem Vater ist durchaus interessant. Vati eine ambivalente Figur zwischen Büchermanie und Kinderliebe. Die Kindheit der Autorin in Vorarlberger Bergregion entbehrungsreich, und der Blick auf den Vater nicht überschwänglich positiv, aber doch sehr wohlwollend im Ton. Die Sprache schlicht und einfach, oft durch kurze Sätze geprägt. Unterhaltsam, mehr nicht. Für mich ist das kein Kandidat für die sechs besten Romane des Jahres 2022.
Vati erzählt die Geschichte eines Vaters (ein Mix wohl aus Helfers eigenem Vater und dem der Protagonistin) und dabei auch ganz viel über die Protagonistin selbst. Bei der Beurteilung bin ich ein bisschen hin- und hergerissen. Eigentlich mag ich Helfers Schreibstil, aber an einigen Stellen finde ich das in diesem Roman als zu viel. Es wirkt, als würde ein Kind- mit dem Wortschatz und gutem Sprachgefühl einer Erwachsenen- erzählen. So springt die Protagonistin zwischen Gegenwart, Vergangenheit und der Zeit davor, manchmal ohne Warnung und manchmal nicht sofort ersichtlich. Manches sind Dinge, die sich die Protagonistin als Kind zusammen gereimt oder geträumt hat, manches Fakten, manches Stimmen anderer Menschen. Dies macht die Erzählung gleichzeitig so authentisch und wirr. Ein, sagen wir, interessanter Versuch einen Vater zu beschreiben, der in der Kindheit alles andere als ein offenes Buch war.















