Kalmann
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Book Information
Author Description
Joachim B. Schmidt, geboren 1981, aufgewachsen im Schweizer Kanton Graubünden, ist 2007 nach Island ausgewandert. Seine Romane, darunter ›Kalmann‹ und ›Tell‹, sind Bestseller und wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Crime Cologne Award und zuletzt mit dem Glauser-Preis. Der Doppelbürger lebt mit seiner Frau und zwei gemeinsamen Kindern in Reykjavík.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Kein Grund zur Sorge. Ein Roman wie Island: rau, still und voller unerwarteter Wärme. Und im Oktober dieses Jahr gehts für mich nach Island. FREU.
Kalmann, der Held der Geschichte, ist bestimmt nicht „booksmart“, dafür aber umso mehr „streetsmart“. Es dauert ein wenig bis man sich an Kalmanns Schläue gewöhnt hat, schließt ihn dann aber doch recht schnell ins Herz, mit seinem Cowboyhut, dem Sheriffstern und der Mauser. Kalmann hat mich überrascht – auf die beste Art. Joachim B. Schmidt erzählt die Geschichte des selbsternannten Sheriffs von Raufarhöfn mit einem besonderen Ton: ruhig, unaufgeregt, fast lakonisch – und dabei zutiefst menschlich. Kalmann ist eine Figur, die man nicht sofort durchschaut – und genau das macht sie so faszinierend. Zwischen kindlicher Weltwahrnehmung, eigenwilliger Logik und echtem Mut liegt eine Geschichte, die viel tiefer geht, als sie auf den ersten Blick wirkt. Und das in einer Landschaft, die genauso karg wie bedeutungsvoll beschrieben ist. Was mich besonders bewegt hat: die stille Würde, mit der Kalmann durch seine Welt geht. Es ist ein Roman über Außenseitertum, Selbstbehauptung und darüber, dass Stärke viele Gesichter haben kann. 4,5 von 5 Sternen – weil es still beginnt und groß endet. #Kalmann #JoachimBSchmidt #IslandRoman #WürdeUndEigenart #ZwischenEisUndHerz
Kein Grund zur Sorge Island – schroffe Landschaften, Geysire, (unaussprechliche) Vulkane, die zu weltweitem „Ruhm“ gelangen; das reicht, um die Insel für mich so interessant zu machen, dass ich dort gerne mal verweilen würde. Allerdings würde ich auf die vielen kulinarischen „Leckerbissen“ doch eher verzichten *g*. Zu diesen Leckerbissen gehört auch der sog. „Gammelhai“, der durch Fermentierung genießbar werden soll. Hier scheiden sich wohl – wie in vielen Bereichen – die Geister. Wie dem auch sei: Gammelhai ist das „Spezialgebiet“ von Kalmann – dem Hauptprotagonisten und Titelhelden von Joachim B. Schmidt´s neuem Roman. Der Schweizer Autor, der seit 13 Jahren auf Island lebt und dort u. a. als Touristenführer arbeitet, erzählt in dem im Anhang des Buches abgedruckten Interview, dass Kalmann eigentlich „[…] nur der Dorftrottel“ (S. 353) hätte sein sollen. „Doch schon nach wenigen Seiten ist er ins Rampenlicht gelatscht und dann dortgeblieben.“ (S. 353) Gut so *g*. Kalmann ist in dem kleinen Fischerdorf Raufarhövn der selbsternannte Sheriff – mit Cowboyhut, Sheriffstern und Mauser-Pistole; eine Hinterlassenschaft seines amerikanischen Vaters. Er jagt Polarfüchse, fährt (wie schon sein Großvater, den er regelmäßig im Heim besucht) auf See, um den Grönlandhai zu fangen, um daraus die schon erwähnte „Delikatesse“ herzustellen. Hier philosophiert er, lässt sich fallen, darf ganz „er selbst sein“. Äußerst berührend und empathisch geschrieben; ein wenig hat mich das immer an „Der alte Mann und das Meer“ von Ernest Hemingway erinnert. Als Kalmann eines Tages in der Nähe von Raufarhövn am sog. „Arctic Henge“ eine Blutlache findet, beginnt eine fatale Tour de Force durch die Gedanken und Erinnerungen von Kalmann… Joachim B. Schmidt zeichnet mit viel Fingerspitzengefühl und Empathie seine Figuren; wertet nicht deren Handlungen, sondern überlässt es den Leserinnen und Lesern, zu hinterfragen, die kritischen Zwischentöne zu entdecken, die sich um das Leben der Inseleinwohner drehen, deren Probleme sich beim genaueren Betrachten nicht großartig von denen auf dem Festland unterscheiden. Dramatisch wird es in Dörfern wie Raufarhövn, die vom Fischfang leben, wenn Fangquoten „verkauft“ werden – die Arbeitslosigkeit und somit die Unzufriedenheit steigt…Die Folgen kann sich jede*r ausrechnen. Es gibt zwar actionreiche Szenen in dem Buch, die man mit „Kalmann goes James Bond“ betiteln kann; der überwiegende Teil jedoch besteht aus Kalmann´s teils philosophischen, teils komischen Ansichten über die Welt, die Frauen, die Natur – das macht es schwer, den Roman in eine bestimmte Kategorie einzuordnen. Doch brauchen wir Schubladen, um ein Buch gut zu finden? Nein, „Kalmann“ sollte man einfach genießen, wie es bzw. er ist. Für mich ganz klar 5* wert und eine absolute Leseempfehlung! ©kingofmusic
Schon lange wollte ich dieses Buch lesen, nur fand ich es in der Bibliothek nie, bis ich merkte, dass es unter „Krimis“ einsortiert ist. Nun, endlich gefunden, habe ich es dann auch innert weniger Tage gelesen. In Island begleiten wir den jungen Mann Kalmann, der sich plötzlich in Polizeibefragungen wiederfindet. Dabei wollte er doch nur einen Polarfuchs jagen. Nach und nach wird seine Geschichte erzählt, und mögen muss man ihn einfach schon nach wenigen Seiten. Der Krimi an sich ist unterschwellig und bietet einen tollen Rahmen, im Fokus steht aber klar der liebenswerte Kalmann. Ein tolles Buch, und Schmidt mausert sich langsam zu einem meiner neuen Lieblingsautoren.

Sheriff in Islands Norden
Für mich ein Highlight des Jahres und ein Buch bei dem man definitiv etwas verpasst, wenn man es nicht liest. Ich mochte die Ich-Perspektive und den Schreibstil sehr. Auch wenn ich noch nie in Island war, habe ich jetzt das Gefühl, doch schon mal im Dorf Raufarhövn gewesen zu sein!

Faszinierendes, liebenswertes und besonderes Buch aus Island
Es wird aus der Sicht von Kalman, einem Mann, der geistig beeinträchtig ist, erzählt und spielt in Island. Kalman sieht die Welt auf seine eigene und besondere Weise. Als er eine Blutlache im Schnee entdeckt rückt er, der meist allein oder mit dem Großvater jagen war, in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit in seinem Dorf und schafft es - auf seine eigene Art - Alles wieder ins Lot zu bringen.
Eigentlich möchte ich nicht allzu detailliert auf den Inhalt eingehen, da das, was ich positiv hervorheben würde, zu viel verraten dürfte. Nur soviel: Kalmann ist ein 34-jähriger Mann, der intellektuell eingeschränkt ist. Welche Behinderung zu Grunde liegt, wird nicht genauer thematisiert. Er sei auf dem Stand eines Erstklässlers. Kalmann hat seine Regeln, seine Abläufe, seine „Weisheiten“, wie z. B.: „Da kann man nichts machen!“, „Das ist einfach so!“. Außerdem ist er direkt, zwar kindlich direkt, aber ehrlich direkt. Eine passende Charaktereigenschaft, die mir sehr gut gefallen hat! Kalmann wohnt mittlerweile alleine in dem (Fischer-) Dorf, in dem er aufwuchs: Raufarhöfn. Sein Großvater und seine Mutter sind weggezogen, dennoch haben sie einen hohen Stellenwert in seinem Leben und regelmäßig Kontakt. Kalmann wird zwar als selbsternannter Sheriff von Raufarhöfn (samt Cowboyhut und Pistole) belächelt, bestreitet seinen Lebensunterhalt jedoch selbstständig. Der Schreibstil des Autoren gefiel mir gut, obwohl ich anfangs einige Seiten gebraucht habe, um mich gänzlich darauf einzulassen. Es wird aus Kalmanns Sicht geschrieben, einfach und (intellektuell) eingeschränkt. Aber genau das habe ich schnell zu schätzen gelernt, denn insbesondere dieser Umstand machte den Roman und die Romanfigur Kalmann sehr authentisch. Einbezogen wurden auch Land & Leute: Die Beschreibungen der isländischen Landschaft und einiger Gepflogenheiten fand ich wunderbar. Die Gestaltung des Covers möchte ich zudem positiv hervorheben, denn ich finde es äußerst passend zur Geschichte und einfach nur schön. Zurückhaltend, dennoch ausdrucksstark. Kalmann hat mich überzeugt. Ich war gespannt darauf, zu erfahren, wohin mich der Weg mit Kalmann führen würde. Das Buch habe ich schnell durchgelesen, was einerseits trotz der Einfachheit an dem flüssigen Schreibstil lag und andererseits daran gelegen hat, dass ich das Buch gar nicht aus der Hand legen wollte. Der Roman war für mich ein Lesehighlight!
Die größte Besonderheit des Buches ist mit Sicherheit der Protagonist, der Erzähler Kalmann. Auf dem Buchrücken heißt es, dass die Räder in Kalmanns Kopf auch manchmal rückwärts laufen und das ist einfach nur eine Umschreibung dafür, dass er ein Mensch mit geistiger Behinderung ist. Der Autor erwähnt aber an keiner Stelle um welche Beeinträchtigung es sich genau handelt und ich finde das auch gar nicht wichtig. Denn Kalmann ermöglicht ganz genau so wie er ist, eine ganz neue, erfrischende und unkonventionelle Perspektive auf die Ereignisse, auf das Leben im Dorf und die Gesellschaft im Allgemeinen. Die Geschichte bleibt auch die ganze Zeit spannend, weil man sich manchmal nicht sicher sein kann, ob man Kalmann als Erzähler komplett über den Weg trauen kann. Ich fand den Schreibstil sehr authentisch, sehr perfekt getroffen und ich finde, dass er komplett in dieser Stimme und dieser Person von Kalmann bleibt und so ganz toll seine Gefühle und Gedanken aufzeigt. Das Buch lebt wirklich sehr vom Protagonisten, er ist eine ganz liebenswerte und warmherzige Person, die einem sofort ans Herz wächst und ich glaube aus diesem Grund wird mir das Buch positiv in Erinnerung bleiben.

Beschreibung Kalmann Óðinsson ist der selbsternannte Sheriff des beschaulichen isländischen 175-Seelen-Dorfs Raufarhöfn und geht mit seiner ganz eigenen Wahrnehmung durchs Leben, denn er ist ein ganz besonderer Mensch. Eigentlich ist Kalmann Haifischfänger und Jäger und sein Gammelhai zählt zu den Besten, doch als er eines Tages eine große Blutlache im Schnee entdeckt und der idyllische Ort von Journalisten überschwemmt wird, ändert sich alles. Von seinem Großvater hat Kalmann einst alles gelernt, was er wissen muss, doch nun ist er schon seit einiger Zeit im Pflegeheim und Kalmann ist auf sich alleine gestellt, während sich das Leben in Raufarhöfn verändert und immer mehr Menschen wegziehen, da es nicht genügend Arbeit gibt, kaum Touristen kommen und der Frischfang strengen Quoten unterliegt. Róbert MacKenzie, ›Der König von Raufarhöfn‹, der als einziger das sinkende Schiff noch retten kann, ist verschwunden und Kalmann kann als einziger Licht in den Fall bringen… Meine Meinung Mit seinem Roman »Kalmann« hat Joachim B. Schmidt einen Volltreffer bei mir gelandet und direkt für mein erstes Lesehighlight in 2022 gesorgt. Die Mischung aus Krimi und Gegenwartsliteratur besticht mit einem herausragenden Titelhelden, der sich durch seine Individualität und seiner vermeintlichen geistigen Eingeschränktheit auszeichnet. Doch Kalmann ist gewiss kein Dummkopf und hat mehr als nur Fischsuppe in der Birne, denn er hat ein ausgezeichnetes geografisches Gedächtnis und ist ein guter Haifischfänger, der das Wissen seines Großvaters aufgesogen hat. Also… »Kein Grund zur Sorge.« Der Roman wird aus Kalmanns Perspektive erzählt, die durch eine kindliche Wahrnehmung geprägt ist und von Joachim B. Schmidt mit jeder Menge Einfühlsamkeit, Weisheit und naiver Klarheit auf den Punkt gebracht wird. Für Kalmann sind Kontiunität und ein festes Umfeld im kleinen isländishen Dorf Raufarhöfn wichtiger Bestandteil. Doch als Róbert McKenzie, der ›König von Raufarhöfn‹, vermisst wird und Kalmann als Entdecker einer großen Blutlache in den Vordergrund der Ermittlungen rückt, ändert sich für den feinfühligen Mann alles und seine kleine Welt steht Kopf. Ich fand es unheimlich spannend, die Welt durch die Augen Kalmanns zu betrachten und gerade seine wahrhaftigen Empfindungen machen dieses Buch zu einer Geschichte, die zu Tränen rührt und direkt ins Herz geht. Fazit Ein gehandicapter Titelheld begeistert mit seiner naiven Weisheit vor isländischer Kulisse und einem mitreisenden Mordfall, der das dörfliche Leben auf den Kopf stellt. Lesegenuss von der ersten bis zur letzten Seite und ein richtiges Highlight! -------------------------------- © Bellas Wonderworld; Rezension vom 03.03.2022
Ganz charmant
Ganz charmantes Buch mit einem sehr interessanten Protagonisten und hübsch verpackten Weisheiten. Leider verlor es zwischendurch immer mal wieder an Spannung, aber die nette Erzählweise hat dafür gesorgt, dass ich trotzdem gerne weitergelesen habe. Bei manchen Sachen bzw. zu manchen Personen hätte ich mir gerne noch mehr Details gewünscht, daher 3,5 statt 4 Sterne.
Das perfekte Buch
Hiermit trete ich offiziell in den „Kalmann“ Fanclub ein. Hab ein bisschen gebraucht, bis ich zu diesem Buch gegriffen habe. Bereut habe ich es auf keinen Fall. Der 33-jährige Kalmann ist nicht so wie die anderen in Raufarhöfn. Er ist etwas langsamer im Denken, versteht manches nicht so gut und ist schnell überfordert Andererseits hat er ein großes Wissen über die Geographie und Fauna Islands, ist ein exzellenter Jäger und macht den zweitbesten Gammelhai der Insel Als er eines Tages vor einer großen Blutlache steht, ändert sich sein Leben. denn Róbert ist verschwunden, und der vergessene kleine Ort am nördlichen Rand der Insel erhält besondere Aufmerksamkeit. Kalman, der auch gerne mal schwer bewaffnet als Sheriff durch den Ort zieht, gefällt diese Aufmerksamkeit überhaupt nicht. helfen möchte er aber schon. Und genau zwischen diesen beiden Interessen gerät er sehr ins schwitzen! Dieser Roman hat alles, was ein gutes Buch braucht. Eine angenehme, ruhige und trotzdem packende Sprache, plastische, Figuren, die einem ans Herz wachsen, egal wie schrullig sie sind, Hintergrundbeschreibungen, die nicht ausarten, aber uns das soziale Gefüge detailliert erhellen. Und einen Protagonisten, wie es keinen zweiten gibt. Dazu ist es auch noch spannend und rührt zu Tränen. Kalmanns Behinderung ist so authentisch und gleichzeitig sensibel dargestellt, dass ich meinen Hut ziehen muss, vor Herrn Schmidt. Wir können es zwar nicht wissen, aber glauben, dass Menschen mit diesem Handicap sich so fühlen. Besonders die Überforderung und die daraus resultierenden selbstverletzenden Ausbrüche sind mir sehr nah gegangen. Aber auch die kleinen feinen Nebenschauplätze, wie der demente Großvater, die Mutter, die sich um ihren Sohn sorgt oder die fremde Mitbürgerin wirken wie kleine berührende Aquarelle in diesem literarischen Gemälde. Das große Finale am Ende setzt den Ganzen die Krone auf Ein absolutes Highlight!
Liebenswerter Ich-Erzähler
Das Buch ist aus der Perspektive des 33-jährigen Kalmann geschrieben, der allein und mit Handicap im Haus seiner Großeltern in einem kleinen Dorf in Island wohnt. Es verschwindet ein Dorfbewohner und Kalmann ist quasi der Hauptzeuge. Durch die ungewöhnliche Perspektive hat die Geschichte ein paar unerwartete Wendungen.
Es tut mir schon ein wenig weh diesem Buch nur 2* geben zu können, aber ich habe sehr lange gebraucht es zu beenden und war schon kurz davor es abzubrechen. Und das führt dann einfach dazu, dass ich es nicht auf die gleiche Stufe was die Lesefreude betrifft stellen kann wie 4- oder auch 3-Sterne Bücher. Obwohl es auch viel Gutes zu berichten gibt: Die isländische Natur ist sehr gut beschrieben worden und ich konnte mich in diese raue und faszinierende Landschaft zurückversetzen Das kleine Dorf Raufarhöfn mit seinen teils skurrilen Bewohner*innen könnt sehr gut heraus Kalmann ist ein Protagonist mit Behinderung. In welcher Form möchte ich nicht spoilern, aber seine naive und trotzdem herzliche Art führt zum Schmunzeln und vor allem dazu viele Situationen aus einem besonderen Blickwinkel zu sehen Die Sprache des Autors ist teils wirklich toll und dank Karmann’s unverwechselbare Art auf den Punkt gebracht: „Auch über die Grönlandhaie wissen wir fast nichts. […] Wir wissen überhaupt sehr wenig. Und ich finde das ganz tröstlich, denn ich weiß ja auch nicht viel überdies Welt, und wer so tut, als hätte er auf alle Fragen eine Antwort, hat einen Schaden und mehr nicht.“ Viele Szenen gehen irgendwie sehr ans Herz. z.B. wenn ich an Kalmanns Großvater denke oder teils der Umgang der Dorfbewohner mit Kalmann selbst. So viel Positives und doch nur 2*. Das liegt einfach daran, dass es für mich viel zu langweilig war. Die Kriminalgeschichte ist ohne Zweifel besonders und auch cool gelöst, aber der Weg zum Ende hat mich ermüdet. Ich habe selten zum Buch gegriffen und mich immer wieder leicht ablenken lassen, weil ich einfach nicht drin war in der Story. Es wird zu oft verzweigt auf Stränge, die mich nicht interessiert haben, die mich langweilten. Und so genial die Idee und irgendwie auch die Umsetzung ist, es war einfach nicht nach meinem Geschmack. https://www.youtube.com/watch?v=pNIzbRFogBU
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich das Buch zur Mitte hin schon abbrechen wollte. Doch ich bin froh, dass ich es bis zum Ende weiter gelesen habe . Wir begegnen dem 33- jährigen Kalmann, der mittlerweile alleine im isländischen Raufarhöfn lebt und als „Sheriff“ dort bekannt ist. Die Handlung entwickelt sich hier zu einem Kriminalroman. Und dieses Genre ist nun wirklich nichts für mich. Aufgrund der guten Bewertungen , wollte ich dem Buch jedoch eine Chance geben. Kalmann ist ein sehr klarer, einfacher Protagonist und Schmidt konnte mich damit überzeugen, dass er diesen ganz besonderen Protagonisten ins Zentrum stellt. Er verwendet ganz passend zu Kalmann eine sehr simple Sprache, die ohne große Umschreibungen und Metaphern auskommt. Mich langweilte das stellenweise extrem. Aber nachdem ich die Geschichte nochmal sacken lassen konnte, habe ich nicht nur die Besonderheit darin erkannt sondern auch das sehr gute Auge des Autors. Gerade die Verbindung und die Liebe, die Kalmann zu seinem Großvater spürt beschreibt Schmidt so rein, klar und berührend . Aber eben mit nur ganz kurzen, einfachen Gedanken und Worten. Das Ende hat mich etwas überrascht und war dann auch doch noch recht spannend. Für 5 Sterne hat es aber dennoch nicht gereicht, da ich mich leider zu oft langweilen musste. Was aber eben daran lag, dass ich zu lange über diesen großartig gezeichneten Protagonisten hinweg geschaut habe. Wer also Kriminalromane mag, die sich sehr langsam entwickeln und einen ganz besonderen Hauptcharakter beschreiben, dann ist es eine Empfehlung. ⭐️.
Beschreibung Kalmann Óðinsson ist der selbsternannte Sheriff des beschaulichen isländischen 175-Seelen-Dorfs Raufarhöfn und geht mit seiner ganz eigenen Wahrnehmung durchs Leben, denn er ist ein ganz besonderer Mensch. Eigentlich ist Kalmann Haifischfänger und Jäger und sein Gammelhai zählt zu den Besten, doch als er eines Tages eine große Blutlache im Schnee entdeckt und der idyllische Ort von Journalisten überschwemmt wird, ändert sich alles. Von seinem Großvater hat Kalmann einst alles gelernt, was er wissen muss, doch nun ist er schon seit einiger Zeit im Pflegeheim und Kalmann ist auf sich alleine gestellt, während sich das Leben in Raufarhöfn verändert und immer mehr Menschen wegziehen, da es nicht genügend Arbeit gibt, kaum Touristen kommen und der Frischfang strengen Quoten unterliegt. Róbert MacKenzie, ›Der König von Raufarhöfn‹, der als einziger das sinkende Schiff noch retten kann, ist verschwunden und Kalmann kann als einziger Licht in den Fall bringen… Meine Meinung Mit seinem Roman »Kalmann« hat Joachim B. Schmidt einen Volltreffer bei mir gelandet und direkt für mein erstes Lesehighlight in 2022 gesorgt. Die Mischung aus Krimi und Gegenwartsliteratur besticht mit einem herausragenden Titelhelden, der sich durch seine Individualität und seiner vermeintlichen geistigen Eingeschränktheit auszeichnet. Doch Kalmann ist gewiss kein Dummkopf und hat mehr als nur Fischsuppe in der Birne, denn er hat ein ausgezeichnetes geografisches Gedächtnis und ist ein guter Haifischfänger, der das Wissen seines Großvaters aufgesogen hat. Also… »Kein Grund zur Sorge.« Der Roman wird aus Kalmanns Perspektive erzählt, die durch eine kindliche Wahrnehmung geprägt ist und von Joachim B. Schmidt mit jeder Menge Einfühlsamkeit, Weisheit und naiver Klarheit auf den Punkt gebracht wird. Für Kalmann sind Kontiunität und ein festes Umfeld im kleinen isländishen Dorf Raufarhöfn wichtiger Bestandteil. Doch als Róbert McKenzie, der ›König von Raufarhöfn‹, vermisst wird und Kalmann als Entdecker einer großen Blutlache in den Vordergrund der Ermittlungen rückt, ändert sich für den feinfühligen Mann alles und seine kleine Welt steht Kopf. Ich fand es unheimlich spannend, die Welt durch die Augen Kalmanns zu betrachten und gerade seine wahrhaftigen Empfindungen machen dieses Buch zu einer Geschichte, die zu Tränen rührt und direkt ins Herz geht. Fazit Ein gehandicapter Titelheld begeistert mit seiner naiven Weisheit vor isländischer Kulisse und einem mitreisenden Mordfall, der das dörfliche Leben auf den Kopf stellt. Lesegenuss von der ersten bis zur letzten Seite und ein richtiges Highlight! -------------------------------- © Bellas Wonderworld; Rezension vom 03.03.2022
Hat Spaß gemacht!
Mal ganz etwas anderes In diesem Roman, der in Ansätzen auch ein Krimi ist, da es unter anderem um die Suche nach einer vermissten Person geht, die allem Anschein nach zu Tode gekommen ist, begeben wir uns als Leser nach Island. Der Protagonist dieser Geschichte, aus dessen Sicht die Geschehnisse berichtet werden, ist Kalmann. Wenn man im Klappentext liest, dass bei ihm die Rädchen manchmal rückwärts laufen, ahnt man schon, dass Kalmann ein ungewöhnlicher Protagonist ist. Und in der Tat, der 34Jährige, dessen Krankheit nie genannt wird, hat eine Lernbehinderung und ein sehr kindliches, naives Gemüt. In dem kleinen Dorf, in dem er wohnt, nimmt man ihn nicht immer ernst, aber er hat dennoch einen festen Platz in der kleinen Gemeinschaft. Man schätzt ihn als Jäger, und nur er und sein Großvater, von dem er viel gelernt hat, sind in der Lage einen exzellenten Gammelhai zuzubereiten. Dafür wird der Hai, von dem es früher viel mehr in der Bucht gab natürlich mit viel Aufwand von ihm gefangen, zerlegt und präpariert. Außerdem spricht man von ihm als dem Sheriff von Raufarhöfn. Von seinem amerikanischen Vater hat er eine antike Schusswaffe geerbt. Einen Cowboyhut und einen Sheriffstern komplettieren sein Outfit in dem er durch sein Heimatdorf streift. Auf einem seiner Jagdausflüge entdeckt er eine große Menge Blut und meldet seinen Fund. Von da an ist das Leben in Raufarhöfn auf den Kopf gestellt. Sogar die Presse drängt auf Interviews mit ihm. Auch wenn man das Ende der Geschichte ein klein wenig erahnt, hat es mir zumindest großen Spaß gemacht mehr über Island zu erfahren und in Kalmann‘s Gedankenwelt einzutauchen. Neben dem Kriminalfall werden noch viele andere Themen angesprochen z.B Überfischung und Fangquoten. Es war mal etwas ganz anderes, ein ruhiges Buch ohne große Spannungsmomente, dass durch einen sehr besonderen Protagonisten besticht und den Lesenden in einen tolles Land mitnimmt.
Kalmann ist ein unheimlich liebenswerter Protagonist und durch seine gutherzige und zuweilen naive Art die Welt zu sehen hat er sich schnell in mein Leserherz geschlichen. Der Kriminalroman spielt in Island und wartet mit einem kleinen eiskalten Fischerdorf als Setting auf. Kalmann ist Jäger und Fischer und findet eines Tages auf der Jagd in den Bergen eine frische Blutlache mitten im Schnee. Als er zurück im Dorf davon erzählt beginnt eine Welle anzurollen, die sich nicht mehr aufhalten lässt. Kann Kalmann den Ermittlern, die extra aus Reykjavik anreisen helfen? Schließlich kennt er dieses Dorf wie kein zweiter? Hat der verschwundene „König“ des Ortes etwas damit zu tun? Treibt etwa ein Eisbär hier sein Unwesen? Was das Besondere an Kalmann ist und wieso er die Welt eben sieht wie er sie sieht, müsst ihr selbst lesen, ich würde zu sehr Spoilern. Aber was ich sagen kann ist, dass dieses Buch mit Humor, Wärme und Liebe zu seinen Figuren aufwartet und ich das Ende nicht vorhergesehen habe. Die Liebe zu Island und seiner Landschaft und seinen Bewohnern spürt man dem Autor deutlich ab. Da er selbst vor Jahren aus der Schweiz nach Island ausgewandert ist, gelingt es ihm besonders schön diese Brücke zu schlagen.
KALMANN Joachim B. Schmidt Der 30-jährige Kalmann lebt in dem kleinen Dorf Raufarhöfn in Island. Die Kinder haben ihn damals ausgelacht, ihn als „dumm", „behindert" oder „Idioten" tituliert. Dabei ist er gar nicht so dumm, denn er ist der beste Haifischfänger und er bereitet den besten Gammelhai zu, den es gibt (darüber hatten sich damals übrigens auch die anderen Kinder beschwert, dass der Gammelhai immer so verdammt schlecht in seiner Hosentasche oder unter dem Pult riecht, das fand er doof). Das Rezept , wie man den Gammelhai einlegt, hat er von seinem Grossvater, der jetzt leider im Heim für Demente lebt, gelernt. Ausserdem ist er der selbsternannte Sherriff, denn er hat einen Cowboyhut, Sheriffstern und eine Mauser - ein Jagdgewehr - von seinem anderen amerikanischen Grossvater vererbt bekommen. Kalmann gehört ins Dorf, jeder kennt ihn und jeder mag ihn und er mag auch alle, nur eine Freundin hätte er gerne, aber hier, in Raufarhöfn, da will ihn keiner. Doch dann eines Tages verschwindet Robert und ausgerechnet er, Kalmann, findet eine riesige Blutlache im Schnee ... Ach, was war das wieder für ein schönes Buch von diesem Schweizer Joachim B. Schmidt, der mich bereits mit seinem Buch „Tell“ so überzeugen konnte. Da musste ich doch einfach noch ein weiteres Buch von ihm lesen, bzw. hören und auch dieses Buch gefiel mir sehr! Es ist eine ruhige Geschichte - Kalmann erzählt seine Geschichte selbst, man kann gar nicht anders als diesen lieben, skurrilen, etwas trotteligen Kalmann ins Herz zu schliessen und mit ihm fiebern. Kein Krimi, kein Thriller, einfach eine wunderbar erzählte Geschichte. Den Sprecher des Hörbuchs, Timo Weisschnur, möchte ich hier auch noch unbedingt erwähnen: Er hat Kalmann so eine unglaublich gute Stimme gegeben, mit leichten Dorftrottel-Akzent, die mich komplett in den Bann ziehen konnte. Wunderbar! Leseempfehlung 4½/ 5
Putzig, das ist das Wort, das mir als Erstes in den Sinn kommt, wenn ich Kalmann versuche, zu beschreiben. Kalmann ist der Protagonist dieses gleichnamigen Romanes, der in dem kleinen Dorf Raufarhövn lebt. Kalmann ist 35 Jahre alt, alleinstehend und schaut abends gerne "Der Bachelor" oder "The Biggest Loser" im Fernsehen an. Er mochte die Schule nie und hat daher alles, was er fürs Leben braucht, von seinem Großvater gelernt. Kalmann arbeitet als Haifischjäger, den er zu Gammelhai verarbeitet.In seinem Ort ist er allen als Sheriff bekannt, denn er trägt eigentlich immer eine Sheriffhut, Sheriffstern, eine alte Pistole und Cowboystiefel. Kurz gesagt: Kalmann ist besonders. Er ist kindlich-naiv, manchmal jähzornig, aber insgesamt harmlos lieb. Als er eines Tages eine Blutlache im Schnee findet und der lokale Hotelbesitzer vermisst wird, ändert sich sein Leben von einem Tag auf den Anderen, er weiß es nur noch nicht so ganz... Meine Meinung: Dieser Roman vereint in Handlung und Stil Gegensätze. Mit den Thematiken Mord, aber auch gesellschaftliche Probleme in Island befasst sich der Roman mit eher harter, ernster Kost. Zugleich sorgen jedoch der leichte Stil und der wirklich besondere Protagonist dafür, dass es beim Lesen nicht ernst wird. Der Erzählstil aus Kalmanns kindlich-naiver Perspektive führt zu einer leichten, positiven Atmosphäre und auch wenn Kalmann sehr oft Dummheiten begeht- man kann es ihm eigentlich nicht übel nehmen. Die ungekürzte Hörfassung ist ebenfalls sehr gut gemacht. Der Sprecher liest in einer sehr angenehmen Geschwindigkeit und man merkt, wie er sich wirklich in Kalmann hineinfühlt, wodurch die Erzählweise noch einmal mehr in den Fokus gerät. Er ahmt meisterhaft die Stimmen der verschiedensten Charaktere nach. Fazit: Ein wirklich herzlich-positiver Roman trotz der ernsten Grundthematiken.
Viel Schnee und einiges an Blut in einem Islandkrimi mit überraschenden Wendepunkten. Aber der Tote ist eigentlich nur die wichtigste Nebensache in diesem Buch. Viel wichtiger ist Kalmann, der "Dorftrottel", aus dessen Sicht das Buch erzählt wird. Deshalb kommt es in einer einfachen und klaren Sprache daher. Die Einfachheit und Klarheit Kalmams beeindruckten mich. Sie ermöglichen einen neue Sicht auf die Dinge und neue Perspektiven auf unsere Leben. Kalmann kennt sich aus in der Natur und hat einen klaren moralischen Kompass. Beides hat er von seinem (inzwischen dementen) Großvater mitbekommen. Joachim B. Schmidt zeichnet den Kalmann und seine Beziehungen so liebevoll und warmherzig, dass es mich trotz viel Blut im Schnee nur selten fröstelte. Also: „Kein Grund zur Sorge!“
»Unter einem Eisbär kann es sehr dunkel sein.« Der Kriminalfall ist in meinen Augen zwar der Aufhänger der Geschichte, der Roman brilliert indes vor allem in der Darstellung seines Helden und dessen Umfelds. Ich mag Geschichten, die eigentlich Psychogramme von kleinen Städten oder isolierten Orten sind – da zeigt sich die menschliche Natur glasklar._ _ „Wir wissen überhaupt sehr wenig. Und ich finde das ganz tröstlich, denn ich weiß ja auch nicht viel über die Welt, und wer so tut, als hätte er auf alle Fragen eine Antwort, hat einen Schaden und mehr nicht.“_ (Zitat)_ _ Dass Kalmann eine geistige Behinderung hat, scheint offensichtlich, wirkt er doch wie ein kleiner Junge im Körper eines Erwachsenen. Der Autor steckt ihn jedoch nie in Schubladen oder beschönigt, welche Schwierigkeiten sich im Umgang mit ihm ergeben: wenn der Frust zu groß wird und Kalmann sich nicht mehr zu helfen weiß, explodiert er._ _ Aber da er niemandem schaden will, schlägt und boxt er sich selbst, zertrümmert seine eigenen Habseligkeiten – nur rausrausRAUS mit der Wut. Im Umgang mit anderen Menschen ist er normalerweise friedlich und freundlich._ _ Als Leser:in schüttelt man vielleicht mit dem Kopf, weil diesem ewigen Kind erlaubt wird, mit einer geladenen Waffe herumzulaufen und die schwere Arbeit eines Haifängers zu verrichten, aber das ist das Leben, das Kalmann sich wünscht. Hier erfährt er Anerkennung – er verdient gutes Geld mit seinem Gammelhai! –, hier beherrscht er Dinge besser als alle anderen. In einem Heim oder einer Behindertenwerkstatt würde er hingegen möglicherweise verkümmern._ _ Die Menschen von Raufarhövn wissen ihren ‘Sheriff’ zu nehmen; es gibt wohl niemandem im Ort, der ihn nicht kennt und als Faktotum ansieht. Natürlich gibt es vereinzelt Vorurteile und Ablehnung, aber seine Marotten und Eigenheiten werden von den meisten Mitbürgern einfach akzeptiert. Deswegen klappt das, deswegen kann Kalmann alleine leben und sein eigenes Geld verdienen._ _ Wie sagt man so schön? Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf – und um einem Kalmann ein weithin selbstbstimmtes Leben zu ermöglichen, auch._ _ Besonders die Beziehung zwischen Kalmann und seinem dementen Großvater wird sehr rührend beschrieben. Der forderte Kalmann von Anfang an, wollte gar nichts davon hören, der ‘beschränkte’ Junge könne dieses oder jenes nicht. Er brachte seinem Enkel alles bei, was man als Haifänger beherrschen muss._ _ Kalmann begreift auf intellektueller Ebene vielleicht nicht vollends, was mit seinem Großvater nicht stimmt, aber er macht das auf emotionaler Ebene locker wett. Er gibt sich alle Mühe, mit ihm zu sprechen und seine Wünsche zu erraten, und wenn alles nicht mehr hilft, packt Kalmann den von seinem Opa geliebten Gammelhai aus – natürlich selbst gefangen und gepökelt. Der Gestank der ekligen Delikatesse reißt den alten Mann ohne Fehl für ein Weilchen aus seinem geistigen Nebel._ _ Kalmanns bester Freund Nói ist ein 19-jähriger Junge, den er im Internet kennengelernt hat, und der im Livestrem immer sein Gesicht verbirgt. Als Leser:in kann man aus einem Nebensatz schließen, dass Nóis Gesicht möglicherweise entstellt ist, was aber nicht aufgeklärt wird._ _ Nói ist alles, was Kalmann nicht ist: sarkastisch, hochintelligent, mit einem bösen Humor ausgestattet. Aber er hat auch Vorurteile, die Kalmann unbehaglich im Kopf hin- und herwälzt._ _ Kalmanns Art und Weise, Dinge zu beschreiben, ist sehr erfrischend: seine Gedanken sind einfach, er trifft den Nagel aber oft genau auf den Kopf! Trotz seiner intellektuellen Behinderung denkt er nach über die Dinge, die er hört und sieht, und zieht daraus seine eigenen Schlüsse. Da geht es durchaus auch um Themen wie Überfischung, Klimawandel und Rassismus! Das ist überwiegend glaubhaft geschrieben, da kann man sich dann richtig einfühlen in seine Gedankenwelt – aber nicht immer._ _ Seine Gedanken sind meist kindlich und schlicht, dann denkt man sich: ja, so ist er, der Kalmann. Und dann gibt es wieder Passagen, in denen er sich meiner Meinung nach sprachlich zu gewählt ausdrückt oder inhaltlich zu komplex. Er kann in Gedanken ganze Unterhaltungen Wort für Wort noch mal abspulen, auch wenn er sie höchstwahrscheinlich nicht hundertprozentig verstanden hat._ _ Zum Teil merkt er sogar ausdrücklich an, dass er nicht verstanden hat, was er gerade erzählt! In manchen Szenen überspannt das den Bogen. Beim Lesen gelang es mir dann nicht mehr, die Geschichte einfach als wahr anzunehmen, obwohl sie unwahrscheinlich klang – aber sie hat mir dennoch immer noch gut gefallen._ _ Der Humor ist bei Büchern wie diesem eine heikle Sache – er wäre allzu einfach und billig, über Kallmann zu lachen, weil er Dinge nicht versteht oder sich anders verhält, als es der Norm entspricht. Aber dem Autor gelingt es gut, dem Leser das Gefühl zu geben, *mit* Kalmann zu lachen und nicht *über* ihn, und ich musste einige Male schmunzeln._ _ Der Humor funktioniert hier auch deshalb so gut, weil der Autor die Balance beherrscht. Die Geschichte durchläuft die volle Bandbreite: Spannung, Melancholie, Freude, Trauer, Hoffnung, auch Gesellschaftskritik…_ _ Auch wenn die zwischenmenschlichen Beziehungen in Raufarhövn für mich interessanter sind als der Kriminalfall, möchte ich damit nicht behaupten, der sei nicht spannend! Es gibt mehrere Wendungen, die nicht nur für Kalmann rätselhaft sind, und mehr als eine Person muss ihr Leben lassen…_ _ Kalmann denkt vielleicht nicht so schnell wie andere, aber er ist der selbsternannte Sheriff des kleinen Örtchens Raufarhöfn und außerdem der beste Haifänger. Als er eine Blutlache im Schnee findet, ist es mit der Beschaulichkeit vorbei und Kalmann muss feststellen, dass es unter einem Eisbären sehr dunkel sein kann._ _ Für den Leser sind Kalmanns intellektuelle Defizite offensichtlich, er wächst einem gerade wegen seiner einfachen Art ans Herz. Der Autor nennt diese Defizite nie beim Wort, beschreibt seinen Helden jedoch sehr sensibel. Er malt das berührende Porträt eines Leben mit Behinderung, das auf ungewöhnliche Art und Weise ‘funktioniert’._ _ Über lange Passagen ist Kalmanns Perspektive glaubhaft, in manchen Szenen drückt er sich meines Erachtens jedoch zu gewählt oder zu kompliziert aus, um noch schlüssig zu wirken. Das kleine Manko gibt Abzüge in der B-Note, davon abgesehen gefiel mir das Buch sehr gut – ein Drama mit viel Humor und originellen Spannungselementen._ Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog: https://wordpress.mikkaliest.de/rezension-joachim-b-schmidt-kalmann/
Hmm? Aus der Sicht eines „geistig Behinderten“ liest man sich recht flüssig durch eine arg aktionsarme Geschichte, mit isländischem Flair, die hier und da Personen einfließen lässt, die aber selten die Geschichte vorantreiben. Plätscher, plätscher... und auf den letzten 40 Seiten passiert dann plötzlich etwas, dass einen aber auch nicht mehr groß abholt, da die Charaktere zwar nett, aber nicht sonderlich nahe erscheinen und der Spannungsbogen sowieso fast ausblieb. Viel Stimmung aber wenig Story. Nach meinem Geschmack einfach langweilig, obwohl ich langsam erzählte Geschichten auch sehr zu schätzen weiß. 2,5 Sterne
Der Nordosten Islands ist der Schauplatz von Joachim B. Schmidts Roman "Kalmann", genauer gesagt das kleine Dorf Raufarhöfn (609 km entfernt von Reykjavík). Dieser Landstrich der wilden Insel im Atlantik ist geprägt von der Küste und lebt hauptsächlich von der Fischindustrie. Gelegentlich verirren sich auch ein paar wenige abenteuerlustige Touristen hierher. Landschaftlich gesehen ist die Gegend eher karg, hier wächst nicht viel heißt es im Roman, die Winter sind lang und bis weit ins Frühjahr hinein bestimmen Eis und Schnee das Landschaftsbild. In einem kalten März unserer Gegenwart - eine genaue Jahreszahl nennt uns der Erzähler nicht - spielt sich die Handlung des Romans ab. Der titelgebende Protagonist Kalmann Óðinsson ist 33 Jahre alt und verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Jagen und Fermentieren von Grönlandhaien, die er dann als Delikatesse (“Gammelhai”) verkauft. Er wuchs in Raufarhöfn bei seinem Großvater und seiner Mutter auf, der Vater ist ein amerikanischer GI, den er nur einmal gesehen hat. Kalmann ist geistig behindert, weswegen ihm die Mutter auch in seinem fortgeschrittenen Alter noch als Vormund dient. Kalmann ist ein sogenannter "unzuverlässiger Ich-Erzähler", der in der Literaturgeschichte eine gewisse Tradition hat. Das heißt, der Leser muss die von ihm getätigten Aussagen über die Welt, die ihm hier präsentiert wird, grundsätzlich infrage stellen. Kalmann erzählt ganz klar seine wenig komplexe, eindimensionale Sicht der Dinge. Er hinterfragt vieles nicht, seine Wahrnehmung ist schwarz oder weiß, unklare Situationen oder Ungewohntes bringen ihn völlig aus dem Konzept und kanalisieren sich mitunter in Wut. Es ist beeindruckend wie der Autor es schafft, die scheinbar simplistische Gedankenwelt Kalmanns zu imagnieren, seine "einfachen" Satzgefüge zu erschaffen, ohne dass es jemals künstlich wirkt. Ja, so könnte jemand denken, der eben "anders" denkt. "Kein Grund zur Sorge", dieser Ausdruck spult sich mantraartig in Kalmanns Kopf ab. Trotz seiner Tätigkeit als Jäger, seiner Unberechenbarkeit und Grobschlächtigkeit hat der Autor mit Kalmann eine Figur erschaffen, die dem Leser sympathisch ist und in sich stimmig. Dennoch lässt der Erzähler den Leser bis zum Schluss im Ungewissen, wie Kalmanns Rolle innerhalb der Krimihandlung zu verorten ist. Er geriert sich - geprägt von der amerikanischen Popkultur, konsumiert durch den TV, denn Kalmann hat nach eigener Aussage noch nie ein Buch gelesen - als "Sherriff von Raufarhöfn". Beim Jagen findet er eine Blutlache, die vom verschwundenen Geschäftsmann und Hotelbesitzer Róbert McKenzie zu stammen scheint. Es ist ein anspruchsvoller literarischer Krimi, der sich hier entfaltet, mit vielen überraschenden Wendungen und einer unbestreitbar philosophischen Komponente. Dennoch kann ich nicht die volle Punktzahl geben, denn einige Fragen bleiben am Ende leider offen und das erzählte Gerüst - so unverlässig der Erzähler auch sein mag - bröckelt an manchen Stellen. Die Tiertötungsszenen sind weniger "schlimm", als ich sie erwartet habe und die erlegten Tiere wurden nicht gequält. Trotzdem gibt es einige explizite Szenen, in denen Tiere getötet werden. Für mich immer und in jedem Buch ein Minuspunkt, da kann “Kalmann” nix dafür. Alles in allem aber hat mir der Roman aufgrund seiner unbestreitbar literarischen Qualität sehr gut gefallen. Ich möchte gerne noch mehr von diesem Autor lesen und fand es irgendwie schade, am Ende von Kalmann Abschied nehmen zu müssen.
Dass Herr Schmidt ein Mitbündner ist, war mir anfangs gar nicht bewusst. Und ohne dieses Wissen hätte ich sein Buch wohl auch nicht gelesen. Zum Glück hat es sich aber doch noch so ergeben und auch wenn Schmidt kein Bündner wäre, wäre es ein sehr gelungenes Buch. Das beginnt schon mit Kalmann selbst, der sich recht bald als unzuverlässiger Erzähler entpuppt. Und dafür habe ich ja bekanntlich eine Schwäche. Überhaupt ist Kalmann ein besonderer Hauptcharakter. Als Leserin gehe ich vom Down-Syndrom aus, an einer Stelle wird es auch leicht angedeutet, aber nirgends klar gesagt. Wichtig ist das auch nicht, weil es für Kalmann nicht wichtig ist. Jedoch verleiht er der Geschichte eine besondere Stimme, die das Buch zusammen mit dem Setting noch spezieller und einzigartiger macht. Island hat für mich einen gewissen Reiz, den ich kaum beschreiben kann, und hier bekam ich dann ganz fürchterliches Fernweh nach einem Ort, den ich noch nie gesehen habe. Schmidt selbst kennt sich in Island dafür umso besser aus, da er selbst viele Jahre dort gelebt hat. Deshalb kann er auch einen guten Blick in die Verhältnisse isländischer Gemeinschaften bieten, dem man als Leser auch Glauben schenken darf. "Kalmann" ist ein eigensinniger Krimi, eine kleine Liebeserklärung an Island und ein spezielles Buch, das zumindest mir längere Zeit im Kopf bleiben wird. Darin bin ich mir sicher.
"Kalmann" von Joachim B. Schmidt hat mir insgesamt recht gut gefallen. Kalmann ist ein sehr liebenswerter Charakter und der Schreibstil von Joachim B. Schmidt hat mir gut gefallen und lies sich super lesen. Insgesamt hat das Buch für mich aber nichts Bleibendes hinterlassen, also ich würde sicherlich weitere Bücher mit und um Kalmann lesen, müsste ich jetzt aber nicht und wenn ich "Kalmann" jetzt nicht gelesen hätte, würde ich es mit dem Wissen um dieses Buch, auch nichts vermissen. Fazit: Nice to read, aber für mich persönlich kein Must-read ...
Kalmann ist ein sehr liebenswerter, in seinen intellektuellen Fähigkeiten eingeschränkter, Isländer, der im kleinen, einsamen Raufarhöfn seinen Lebensunterhalt mit Gammelhai verdient. Als ein wohlhabender Bürger seines Ortes verschwindet, gerät Kalmann mitten hinein in den Strudel der Ereignisse. Ich liebe idiosynkratische, eigenartige und unzuverlässige Erzähler, und deshalb liebe ich auch Kalmanns Figur. Er ist in seinen Kommentaren und seiner Bewertung der Welt einfach herrlich authentisch und belebend. Es macht Freude der Langsamkeit seiner Gedanken und Überlegungen, seinen intuitiven Wahrnehmungen und seinen Gefühlen zu folgen und darüber nachzudenken, was seine Auslassungen und sein Schweigen zu gewissen Fragen zu bedeuten haben. Dem Autor ist es durchgängig gelungen, Kalmanns Stimme einzufangen. Da knirscht nichts, es wird nie vergessen, wer hier eigentlich spricht und wie er die die Welt sieht. Allerdings schöpft dieser Roman, trotz des andeutungsschwangeren letzten Kapitels, die Möglichkeiten, die ein unzuverlässiger Erzähler bietet nicht vollends aus - und das ist sehr schade, denn so bleibt der Roman hinter seinem eigentlichen Potenzial zurück und der (oder mehrere) finale Plot-Twists bleiben aus. Die Handlung ist eigentlich gut angelegt, wird aber ebenfalls nicht konsequent zu Ende geführt. Die red herrings lösen sich zu schnell in Wohlgefallen auf, das Ganze könnte verstrickter, vertrackter, komplexer sein - für meinen Geschmack ist es einfach etwas zu gemächlich, zu beschaulich. Dazu: ein Krimi ist für mich gerade kein Genre für lose Enden, Mysteriöses darf zwar auch mal ruhig in der Luft hängen bleiben, aber dem Leser sollten zumindest Hinweise zum eigenständigen Schließen der Lücken an die Hand gegeben werden. Darüber hinaus empfinde ich die Eisbären-Handlung als befremdlich - aber das ist mein persönlicher Geschmack. Sie ist so angelegt, dass sie in der heutigen Zeit trotz ihres fiktionalen Charakters, eher unschön und unpassend ist. Was mich absolut bezaubert hat, ist hingegen das wunderbare isländische Setting. Der Autor weiß, wovon er spricht und bannt diese großartige Insel mit ihren Besonderheiten vollkommen lebensecht auf die Seiten. Man spürt die raue Natur und Einsamkeit, die Abgeschiedenheit und Einfachheit des Lebens, aber auch die Bedrohung durch den Bevölkerungsschwund. Kalmann ist ein Roman für Island-Liebhaber mit einem Herz für besondere Erzähler, für die die Krimihandlung nicht an erster Stelle steht.
Ich hab mir irgendwie mehr von der Geschichte erwartet. Dass ich mehr auf Kalmann eingehen kann, dass er mir sympathischer ist. Dass er mir ans Herz wächst und es schwer wird, ihn nach dem beenden des Buches gehen zu lassen. Dafür gab es viel Nebensächlichkeiten, die vielleicht nicht unbedingt stören, aber trotzen den Lesefluss unterbrechen. Keine Frage, die Geschichte ist toll, aber leider auch nicht mehr.
Ein Kriminalroman mal ganz anders
Ich fand es sehr interessant wie ein Kriminalfall aus der Sicht von Kalmann dargestellt wurde. Auch die Darstellung von seinen Schwierigkeiten, die er selbstständig meistert, sodass er am Ende mutig genug ist den Fall selbstständig zu lösen. Das einzige was mich jedoch gestört hat, ist seine Anmerkungen gegenüber Frauen. Besonders die Oberflächlichkeit, die er dabei ausstrahlt. Daher auch „nur“ vier Sterne. ⭐️⭐️⭐️⭐️
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Book Information
Author Description
Joachim B. Schmidt, geboren 1981, aufgewachsen im Schweizer Kanton Graubünden, ist 2007 nach Island ausgewandert. Seine Romane, darunter ›Kalmann‹ und ›Tell‹, sind Bestseller und wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Crime Cologne Award und zuletzt mit dem Glauser-Preis. Der Doppelbürger lebt mit seiner Frau und zwei gemeinsamen Kindern in Reykjavík.
Posts
Kein Grund zur Sorge. Ein Roman wie Island: rau, still und voller unerwarteter Wärme. Und im Oktober dieses Jahr gehts für mich nach Island. FREU.
Kalmann, der Held der Geschichte, ist bestimmt nicht „booksmart“, dafür aber umso mehr „streetsmart“. Es dauert ein wenig bis man sich an Kalmanns Schläue gewöhnt hat, schließt ihn dann aber doch recht schnell ins Herz, mit seinem Cowboyhut, dem Sheriffstern und der Mauser. Kalmann hat mich überrascht – auf die beste Art. Joachim B. Schmidt erzählt die Geschichte des selbsternannten Sheriffs von Raufarhöfn mit einem besonderen Ton: ruhig, unaufgeregt, fast lakonisch – und dabei zutiefst menschlich. Kalmann ist eine Figur, die man nicht sofort durchschaut – und genau das macht sie so faszinierend. Zwischen kindlicher Weltwahrnehmung, eigenwilliger Logik und echtem Mut liegt eine Geschichte, die viel tiefer geht, als sie auf den ersten Blick wirkt. Und das in einer Landschaft, die genauso karg wie bedeutungsvoll beschrieben ist. Was mich besonders bewegt hat: die stille Würde, mit der Kalmann durch seine Welt geht. Es ist ein Roman über Außenseitertum, Selbstbehauptung und darüber, dass Stärke viele Gesichter haben kann. 4,5 von 5 Sternen – weil es still beginnt und groß endet. #Kalmann #JoachimBSchmidt #IslandRoman #WürdeUndEigenart #ZwischenEisUndHerz
Kein Grund zur Sorge Island – schroffe Landschaften, Geysire, (unaussprechliche) Vulkane, die zu weltweitem „Ruhm“ gelangen; das reicht, um die Insel für mich so interessant zu machen, dass ich dort gerne mal verweilen würde. Allerdings würde ich auf die vielen kulinarischen „Leckerbissen“ doch eher verzichten *g*. Zu diesen Leckerbissen gehört auch der sog. „Gammelhai“, der durch Fermentierung genießbar werden soll. Hier scheiden sich wohl – wie in vielen Bereichen – die Geister. Wie dem auch sei: Gammelhai ist das „Spezialgebiet“ von Kalmann – dem Hauptprotagonisten und Titelhelden von Joachim B. Schmidt´s neuem Roman. Der Schweizer Autor, der seit 13 Jahren auf Island lebt und dort u. a. als Touristenführer arbeitet, erzählt in dem im Anhang des Buches abgedruckten Interview, dass Kalmann eigentlich „[…] nur der Dorftrottel“ (S. 353) hätte sein sollen. „Doch schon nach wenigen Seiten ist er ins Rampenlicht gelatscht und dann dortgeblieben.“ (S. 353) Gut so *g*. Kalmann ist in dem kleinen Fischerdorf Raufarhövn der selbsternannte Sheriff – mit Cowboyhut, Sheriffstern und Mauser-Pistole; eine Hinterlassenschaft seines amerikanischen Vaters. Er jagt Polarfüchse, fährt (wie schon sein Großvater, den er regelmäßig im Heim besucht) auf See, um den Grönlandhai zu fangen, um daraus die schon erwähnte „Delikatesse“ herzustellen. Hier philosophiert er, lässt sich fallen, darf ganz „er selbst sein“. Äußerst berührend und empathisch geschrieben; ein wenig hat mich das immer an „Der alte Mann und das Meer“ von Ernest Hemingway erinnert. Als Kalmann eines Tages in der Nähe von Raufarhövn am sog. „Arctic Henge“ eine Blutlache findet, beginnt eine fatale Tour de Force durch die Gedanken und Erinnerungen von Kalmann… Joachim B. Schmidt zeichnet mit viel Fingerspitzengefühl und Empathie seine Figuren; wertet nicht deren Handlungen, sondern überlässt es den Leserinnen und Lesern, zu hinterfragen, die kritischen Zwischentöne zu entdecken, die sich um das Leben der Inseleinwohner drehen, deren Probleme sich beim genaueren Betrachten nicht großartig von denen auf dem Festland unterscheiden. Dramatisch wird es in Dörfern wie Raufarhövn, die vom Fischfang leben, wenn Fangquoten „verkauft“ werden – die Arbeitslosigkeit und somit die Unzufriedenheit steigt…Die Folgen kann sich jede*r ausrechnen. Es gibt zwar actionreiche Szenen in dem Buch, die man mit „Kalmann goes James Bond“ betiteln kann; der überwiegende Teil jedoch besteht aus Kalmann´s teils philosophischen, teils komischen Ansichten über die Welt, die Frauen, die Natur – das macht es schwer, den Roman in eine bestimmte Kategorie einzuordnen. Doch brauchen wir Schubladen, um ein Buch gut zu finden? Nein, „Kalmann“ sollte man einfach genießen, wie es bzw. er ist. Für mich ganz klar 5* wert und eine absolute Leseempfehlung! ©kingofmusic
Schon lange wollte ich dieses Buch lesen, nur fand ich es in der Bibliothek nie, bis ich merkte, dass es unter „Krimis“ einsortiert ist. Nun, endlich gefunden, habe ich es dann auch innert weniger Tage gelesen. In Island begleiten wir den jungen Mann Kalmann, der sich plötzlich in Polizeibefragungen wiederfindet. Dabei wollte er doch nur einen Polarfuchs jagen. Nach und nach wird seine Geschichte erzählt, und mögen muss man ihn einfach schon nach wenigen Seiten. Der Krimi an sich ist unterschwellig und bietet einen tollen Rahmen, im Fokus steht aber klar der liebenswerte Kalmann. Ein tolles Buch, und Schmidt mausert sich langsam zu einem meiner neuen Lieblingsautoren.

Sheriff in Islands Norden
Für mich ein Highlight des Jahres und ein Buch bei dem man definitiv etwas verpasst, wenn man es nicht liest. Ich mochte die Ich-Perspektive und den Schreibstil sehr. Auch wenn ich noch nie in Island war, habe ich jetzt das Gefühl, doch schon mal im Dorf Raufarhövn gewesen zu sein!

Faszinierendes, liebenswertes und besonderes Buch aus Island
Es wird aus der Sicht von Kalman, einem Mann, der geistig beeinträchtig ist, erzählt und spielt in Island. Kalman sieht die Welt auf seine eigene und besondere Weise. Als er eine Blutlache im Schnee entdeckt rückt er, der meist allein oder mit dem Großvater jagen war, in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit in seinem Dorf und schafft es - auf seine eigene Art - Alles wieder ins Lot zu bringen.
Eigentlich möchte ich nicht allzu detailliert auf den Inhalt eingehen, da das, was ich positiv hervorheben würde, zu viel verraten dürfte. Nur soviel: Kalmann ist ein 34-jähriger Mann, der intellektuell eingeschränkt ist. Welche Behinderung zu Grunde liegt, wird nicht genauer thematisiert. Er sei auf dem Stand eines Erstklässlers. Kalmann hat seine Regeln, seine Abläufe, seine „Weisheiten“, wie z. B.: „Da kann man nichts machen!“, „Das ist einfach so!“. Außerdem ist er direkt, zwar kindlich direkt, aber ehrlich direkt. Eine passende Charaktereigenschaft, die mir sehr gut gefallen hat! Kalmann wohnt mittlerweile alleine in dem (Fischer-) Dorf, in dem er aufwuchs: Raufarhöfn. Sein Großvater und seine Mutter sind weggezogen, dennoch haben sie einen hohen Stellenwert in seinem Leben und regelmäßig Kontakt. Kalmann wird zwar als selbsternannter Sheriff von Raufarhöfn (samt Cowboyhut und Pistole) belächelt, bestreitet seinen Lebensunterhalt jedoch selbstständig. Der Schreibstil des Autoren gefiel mir gut, obwohl ich anfangs einige Seiten gebraucht habe, um mich gänzlich darauf einzulassen. Es wird aus Kalmanns Sicht geschrieben, einfach und (intellektuell) eingeschränkt. Aber genau das habe ich schnell zu schätzen gelernt, denn insbesondere dieser Umstand machte den Roman und die Romanfigur Kalmann sehr authentisch. Einbezogen wurden auch Land & Leute: Die Beschreibungen der isländischen Landschaft und einiger Gepflogenheiten fand ich wunderbar. Die Gestaltung des Covers möchte ich zudem positiv hervorheben, denn ich finde es äußerst passend zur Geschichte und einfach nur schön. Zurückhaltend, dennoch ausdrucksstark. Kalmann hat mich überzeugt. Ich war gespannt darauf, zu erfahren, wohin mich der Weg mit Kalmann führen würde. Das Buch habe ich schnell durchgelesen, was einerseits trotz der Einfachheit an dem flüssigen Schreibstil lag und andererseits daran gelegen hat, dass ich das Buch gar nicht aus der Hand legen wollte. Der Roman war für mich ein Lesehighlight!
Die größte Besonderheit des Buches ist mit Sicherheit der Protagonist, der Erzähler Kalmann. Auf dem Buchrücken heißt es, dass die Räder in Kalmanns Kopf auch manchmal rückwärts laufen und das ist einfach nur eine Umschreibung dafür, dass er ein Mensch mit geistiger Behinderung ist. Der Autor erwähnt aber an keiner Stelle um welche Beeinträchtigung es sich genau handelt und ich finde das auch gar nicht wichtig. Denn Kalmann ermöglicht ganz genau so wie er ist, eine ganz neue, erfrischende und unkonventionelle Perspektive auf die Ereignisse, auf das Leben im Dorf und die Gesellschaft im Allgemeinen. Die Geschichte bleibt auch die ganze Zeit spannend, weil man sich manchmal nicht sicher sein kann, ob man Kalmann als Erzähler komplett über den Weg trauen kann. Ich fand den Schreibstil sehr authentisch, sehr perfekt getroffen und ich finde, dass er komplett in dieser Stimme und dieser Person von Kalmann bleibt und so ganz toll seine Gefühle und Gedanken aufzeigt. Das Buch lebt wirklich sehr vom Protagonisten, er ist eine ganz liebenswerte und warmherzige Person, die einem sofort ans Herz wächst und ich glaube aus diesem Grund wird mir das Buch positiv in Erinnerung bleiben.

Beschreibung Kalmann Óðinsson ist der selbsternannte Sheriff des beschaulichen isländischen 175-Seelen-Dorfs Raufarhöfn und geht mit seiner ganz eigenen Wahrnehmung durchs Leben, denn er ist ein ganz besonderer Mensch. Eigentlich ist Kalmann Haifischfänger und Jäger und sein Gammelhai zählt zu den Besten, doch als er eines Tages eine große Blutlache im Schnee entdeckt und der idyllische Ort von Journalisten überschwemmt wird, ändert sich alles. Von seinem Großvater hat Kalmann einst alles gelernt, was er wissen muss, doch nun ist er schon seit einiger Zeit im Pflegeheim und Kalmann ist auf sich alleine gestellt, während sich das Leben in Raufarhöfn verändert und immer mehr Menschen wegziehen, da es nicht genügend Arbeit gibt, kaum Touristen kommen und der Frischfang strengen Quoten unterliegt. Róbert MacKenzie, ›Der König von Raufarhöfn‹, der als einziger das sinkende Schiff noch retten kann, ist verschwunden und Kalmann kann als einziger Licht in den Fall bringen… Meine Meinung Mit seinem Roman »Kalmann« hat Joachim B. Schmidt einen Volltreffer bei mir gelandet und direkt für mein erstes Lesehighlight in 2022 gesorgt. Die Mischung aus Krimi und Gegenwartsliteratur besticht mit einem herausragenden Titelhelden, der sich durch seine Individualität und seiner vermeintlichen geistigen Eingeschränktheit auszeichnet. Doch Kalmann ist gewiss kein Dummkopf und hat mehr als nur Fischsuppe in der Birne, denn er hat ein ausgezeichnetes geografisches Gedächtnis und ist ein guter Haifischfänger, der das Wissen seines Großvaters aufgesogen hat. Also… »Kein Grund zur Sorge.« Der Roman wird aus Kalmanns Perspektive erzählt, die durch eine kindliche Wahrnehmung geprägt ist und von Joachim B. Schmidt mit jeder Menge Einfühlsamkeit, Weisheit und naiver Klarheit auf den Punkt gebracht wird. Für Kalmann sind Kontiunität und ein festes Umfeld im kleinen isländishen Dorf Raufarhöfn wichtiger Bestandteil. Doch als Róbert McKenzie, der ›König von Raufarhöfn‹, vermisst wird und Kalmann als Entdecker einer großen Blutlache in den Vordergrund der Ermittlungen rückt, ändert sich für den feinfühligen Mann alles und seine kleine Welt steht Kopf. Ich fand es unheimlich spannend, die Welt durch die Augen Kalmanns zu betrachten und gerade seine wahrhaftigen Empfindungen machen dieses Buch zu einer Geschichte, die zu Tränen rührt und direkt ins Herz geht. Fazit Ein gehandicapter Titelheld begeistert mit seiner naiven Weisheit vor isländischer Kulisse und einem mitreisenden Mordfall, der das dörfliche Leben auf den Kopf stellt. Lesegenuss von der ersten bis zur letzten Seite und ein richtiges Highlight! -------------------------------- © Bellas Wonderworld; Rezension vom 03.03.2022
Ganz charmant
Ganz charmantes Buch mit einem sehr interessanten Protagonisten und hübsch verpackten Weisheiten. Leider verlor es zwischendurch immer mal wieder an Spannung, aber die nette Erzählweise hat dafür gesorgt, dass ich trotzdem gerne weitergelesen habe. Bei manchen Sachen bzw. zu manchen Personen hätte ich mir gerne noch mehr Details gewünscht, daher 3,5 statt 4 Sterne.
Das perfekte Buch
Hiermit trete ich offiziell in den „Kalmann“ Fanclub ein. Hab ein bisschen gebraucht, bis ich zu diesem Buch gegriffen habe. Bereut habe ich es auf keinen Fall. Der 33-jährige Kalmann ist nicht so wie die anderen in Raufarhöfn. Er ist etwas langsamer im Denken, versteht manches nicht so gut und ist schnell überfordert Andererseits hat er ein großes Wissen über die Geographie und Fauna Islands, ist ein exzellenter Jäger und macht den zweitbesten Gammelhai der Insel Als er eines Tages vor einer großen Blutlache steht, ändert sich sein Leben. denn Róbert ist verschwunden, und der vergessene kleine Ort am nördlichen Rand der Insel erhält besondere Aufmerksamkeit. Kalman, der auch gerne mal schwer bewaffnet als Sheriff durch den Ort zieht, gefällt diese Aufmerksamkeit überhaupt nicht. helfen möchte er aber schon. Und genau zwischen diesen beiden Interessen gerät er sehr ins schwitzen! Dieser Roman hat alles, was ein gutes Buch braucht. Eine angenehme, ruhige und trotzdem packende Sprache, plastische, Figuren, die einem ans Herz wachsen, egal wie schrullig sie sind, Hintergrundbeschreibungen, die nicht ausarten, aber uns das soziale Gefüge detailliert erhellen. Und einen Protagonisten, wie es keinen zweiten gibt. Dazu ist es auch noch spannend und rührt zu Tränen. Kalmanns Behinderung ist so authentisch und gleichzeitig sensibel dargestellt, dass ich meinen Hut ziehen muss, vor Herrn Schmidt. Wir können es zwar nicht wissen, aber glauben, dass Menschen mit diesem Handicap sich so fühlen. Besonders die Überforderung und die daraus resultierenden selbstverletzenden Ausbrüche sind mir sehr nah gegangen. Aber auch die kleinen feinen Nebenschauplätze, wie der demente Großvater, die Mutter, die sich um ihren Sohn sorgt oder die fremde Mitbürgerin wirken wie kleine berührende Aquarelle in diesem literarischen Gemälde. Das große Finale am Ende setzt den Ganzen die Krone auf Ein absolutes Highlight!
Liebenswerter Ich-Erzähler
Das Buch ist aus der Perspektive des 33-jährigen Kalmann geschrieben, der allein und mit Handicap im Haus seiner Großeltern in einem kleinen Dorf in Island wohnt. Es verschwindet ein Dorfbewohner und Kalmann ist quasi der Hauptzeuge. Durch die ungewöhnliche Perspektive hat die Geschichte ein paar unerwartete Wendungen.
Es tut mir schon ein wenig weh diesem Buch nur 2* geben zu können, aber ich habe sehr lange gebraucht es zu beenden und war schon kurz davor es abzubrechen. Und das führt dann einfach dazu, dass ich es nicht auf die gleiche Stufe was die Lesefreude betrifft stellen kann wie 4- oder auch 3-Sterne Bücher. Obwohl es auch viel Gutes zu berichten gibt: Die isländische Natur ist sehr gut beschrieben worden und ich konnte mich in diese raue und faszinierende Landschaft zurückversetzen Das kleine Dorf Raufarhöfn mit seinen teils skurrilen Bewohner*innen könnt sehr gut heraus Kalmann ist ein Protagonist mit Behinderung. In welcher Form möchte ich nicht spoilern, aber seine naive und trotzdem herzliche Art führt zum Schmunzeln und vor allem dazu viele Situationen aus einem besonderen Blickwinkel zu sehen Die Sprache des Autors ist teils wirklich toll und dank Karmann’s unverwechselbare Art auf den Punkt gebracht: „Auch über die Grönlandhaie wissen wir fast nichts. […] Wir wissen überhaupt sehr wenig. Und ich finde das ganz tröstlich, denn ich weiß ja auch nicht viel überdies Welt, und wer so tut, als hätte er auf alle Fragen eine Antwort, hat einen Schaden und mehr nicht.“ Viele Szenen gehen irgendwie sehr ans Herz. z.B. wenn ich an Kalmanns Großvater denke oder teils der Umgang der Dorfbewohner mit Kalmann selbst. So viel Positives und doch nur 2*. Das liegt einfach daran, dass es für mich viel zu langweilig war. Die Kriminalgeschichte ist ohne Zweifel besonders und auch cool gelöst, aber der Weg zum Ende hat mich ermüdet. Ich habe selten zum Buch gegriffen und mich immer wieder leicht ablenken lassen, weil ich einfach nicht drin war in der Story. Es wird zu oft verzweigt auf Stränge, die mich nicht interessiert haben, die mich langweilten. Und so genial die Idee und irgendwie auch die Umsetzung ist, es war einfach nicht nach meinem Geschmack. https://www.youtube.com/watch?v=pNIzbRFogBU
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich das Buch zur Mitte hin schon abbrechen wollte. Doch ich bin froh, dass ich es bis zum Ende weiter gelesen habe . Wir begegnen dem 33- jährigen Kalmann, der mittlerweile alleine im isländischen Raufarhöfn lebt und als „Sheriff“ dort bekannt ist. Die Handlung entwickelt sich hier zu einem Kriminalroman. Und dieses Genre ist nun wirklich nichts für mich. Aufgrund der guten Bewertungen , wollte ich dem Buch jedoch eine Chance geben. Kalmann ist ein sehr klarer, einfacher Protagonist und Schmidt konnte mich damit überzeugen, dass er diesen ganz besonderen Protagonisten ins Zentrum stellt. Er verwendet ganz passend zu Kalmann eine sehr simple Sprache, die ohne große Umschreibungen und Metaphern auskommt. Mich langweilte das stellenweise extrem. Aber nachdem ich die Geschichte nochmal sacken lassen konnte, habe ich nicht nur die Besonderheit darin erkannt sondern auch das sehr gute Auge des Autors. Gerade die Verbindung und die Liebe, die Kalmann zu seinem Großvater spürt beschreibt Schmidt so rein, klar und berührend . Aber eben mit nur ganz kurzen, einfachen Gedanken und Worten. Das Ende hat mich etwas überrascht und war dann auch doch noch recht spannend. Für 5 Sterne hat es aber dennoch nicht gereicht, da ich mich leider zu oft langweilen musste. Was aber eben daran lag, dass ich zu lange über diesen großartig gezeichneten Protagonisten hinweg geschaut habe. Wer also Kriminalromane mag, die sich sehr langsam entwickeln und einen ganz besonderen Hauptcharakter beschreiben, dann ist es eine Empfehlung. ⭐️.
Beschreibung Kalmann Óðinsson ist der selbsternannte Sheriff des beschaulichen isländischen 175-Seelen-Dorfs Raufarhöfn und geht mit seiner ganz eigenen Wahrnehmung durchs Leben, denn er ist ein ganz besonderer Mensch. Eigentlich ist Kalmann Haifischfänger und Jäger und sein Gammelhai zählt zu den Besten, doch als er eines Tages eine große Blutlache im Schnee entdeckt und der idyllische Ort von Journalisten überschwemmt wird, ändert sich alles. Von seinem Großvater hat Kalmann einst alles gelernt, was er wissen muss, doch nun ist er schon seit einiger Zeit im Pflegeheim und Kalmann ist auf sich alleine gestellt, während sich das Leben in Raufarhöfn verändert und immer mehr Menschen wegziehen, da es nicht genügend Arbeit gibt, kaum Touristen kommen und der Frischfang strengen Quoten unterliegt. Róbert MacKenzie, ›Der König von Raufarhöfn‹, der als einziger das sinkende Schiff noch retten kann, ist verschwunden und Kalmann kann als einziger Licht in den Fall bringen… Meine Meinung Mit seinem Roman »Kalmann« hat Joachim B. Schmidt einen Volltreffer bei mir gelandet und direkt für mein erstes Lesehighlight in 2022 gesorgt. Die Mischung aus Krimi und Gegenwartsliteratur besticht mit einem herausragenden Titelhelden, der sich durch seine Individualität und seiner vermeintlichen geistigen Eingeschränktheit auszeichnet. Doch Kalmann ist gewiss kein Dummkopf und hat mehr als nur Fischsuppe in der Birne, denn er hat ein ausgezeichnetes geografisches Gedächtnis und ist ein guter Haifischfänger, der das Wissen seines Großvaters aufgesogen hat. Also… »Kein Grund zur Sorge.« Der Roman wird aus Kalmanns Perspektive erzählt, die durch eine kindliche Wahrnehmung geprägt ist und von Joachim B. Schmidt mit jeder Menge Einfühlsamkeit, Weisheit und naiver Klarheit auf den Punkt gebracht wird. Für Kalmann sind Kontiunität und ein festes Umfeld im kleinen isländishen Dorf Raufarhöfn wichtiger Bestandteil. Doch als Róbert McKenzie, der ›König von Raufarhöfn‹, vermisst wird und Kalmann als Entdecker einer großen Blutlache in den Vordergrund der Ermittlungen rückt, ändert sich für den feinfühligen Mann alles und seine kleine Welt steht Kopf. Ich fand es unheimlich spannend, die Welt durch die Augen Kalmanns zu betrachten und gerade seine wahrhaftigen Empfindungen machen dieses Buch zu einer Geschichte, die zu Tränen rührt und direkt ins Herz geht. Fazit Ein gehandicapter Titelheld begeistert mit seiner naiven Weisheit vor isländischer Kulisse und einem mitreisenden Mordfall, der das dörfliche Leben auf den Kopf stellt. Lesegenuss von der ersten bis zur letzten Seite und ein richtiges Highlight! -------------------------------- © Bellas Wonderworld; Rezension vom 03.03.2022
Hat Spaß gemacht!
Mal ganz etwas anderes In diesem Roman, der in Ansätzen auch ein Krimi ist, da es unter anderem um die Suche nach einer vermissten Person geht, die allem Anschein nach zu Tode gekommen ist, begeben wir uns als Leser nach Island. Der Protagonist dieser Geschichte, aus dessen Sicht die Geschehnisse berichtet werden, ist Kalmann. Wenn man im Klappentext liest, dass bei ihm die Rädchen manchmal rückwärts laufen, ahnt man schon, dass Kalmann ein ungewöhnlicher Protagonist ist. Und in der Tat, der 34Jährige, dessen Krankheit nie genannt wird, hat eine Lernbehinderung und ein sehr kindliches, naives Gemüt. In dem kleinen Dorf, in dem er wohnt, nimmt man ihn nicht immer ernst, aber er hat dennoch einen festen Platz in der kleinen Gemeinschaft. Man schätzt ihn als Jäger, und nur er und sein Großvater, von dem er viel gelernt hat, sind in der Lage einen exzellenten Gammelhai zuzubereiten. Dafür wird der Hai, von dem es früher viel mehr in der Bucht gab natürlich mit viel Aufwand von ihm gefangen, zerlegt und präpariert. Außerdem spricht man von ihm als dem Sheriff von Raufarhöfn. Von seinem amerikanischen Vater hat er eine antike Schusswaffe geerbt. Einen Cowboyhut und einen Sheriffstern komplettieren sein Outfit in dem er durch sein Heimatdorf streift. Auf einem seiner Jagdausflüge entdeckt er eine große Menge Blut und meldet seinen Fund. Von da an ist das Leben in Raufarhöfn auf den Kopf gestellt. Sogar die Presse drängt auf Interviews mit ihm. Auch wenn man das Ende der Geschichte ein klein wenig erahnt, hat es mir zumindest großen Spaß gemacht mehr über Island zu erfahren und in Kalmann‘s Gedankenwelt einzutauchen. Neben dem Kriminalfall werden noch viele andere Themen angesprochen z.B Überfischung und Fangquoten. Es war mal etwas ganz anderes, ein ruhiges Buch ohne große Spannungsmomente, dass durch einen sehr besonderen Protagonisten besticht und den Lesenden in einen tolles Land mitnimmt.
Kalmann ist ein unheimlich liebenswerter Protagonist und durch seine gutherzige und zuweilen naive Art die Welt zu sehen hat er sich schnell in mein Leserherz geschlichen. Der Kriminalroman spielt in Island und wartet mit einem kleinen eiskalten Fischerdorf als Setting auf. Kalmann ist Jäger und Fischer und findet eines Tages auf der Jagd in den Bergen eine frische Blutlache mitten im Schnee. Als er zurück im Dorf davon erzählt beginnt eine Welle anzurollen, die sich nicht mehr aufhalten lässt. Kann Kalmann den Ermittlern, die extra aus Reykjavik anreisen helfen? Schließlich kennt er dieses Dorf wie kein zweiter? Hat der verschwundene „König“ des Ortes etwas damit zu tun? Treibt etwa ein Eisbär hier sein Unwesen? Was das Besondere an Kalmann ist und wieso er die Welt eben sieht wie er sie sieht, müsst ihr selbst lesen, ich würde zu sehr Spoilern. Aber was ich sagen kann ist, dass dieses Buch mit Humor, Wärme und Liebe zu seinen Figuren aufwartet und ich das Ende nicht vorhergesehen habe. Die Liebe zu Island und seiner Landschaft und seinen Bewohnern spürt man dem Autor deutlich ab. Da er selbst vor Jahren aus der Schweiz nach Island ausgewandert ist, gelingt es ihm besonders schön diese Brücke zu schlagen.
KALMANN Joachim B. Schmidt Der 30-jährige Kalmann lebt in dem kleinen Dorf Raufarhöfn in Island. Die Kinder haben ihn damals ausgelacht, ihn als „dumm", „behindert" oder „Idioten" tituliert. Dabei ist er gar nicht so dumm, denn er ist der beste Haifischfänger und er bereitet den besten Gammelhai zu, den es gibt (darüber hatten sich damals übrigens auch die anderen Kinder beschwert, dass der Gammelhai immer so verdammt schlecht in seiner Hosentasche oder unter dem Pult riecht, das fand er doof). Das Rezept , wie man den Gammelhai einlegt, hat er von seinem Grossvater, der jetzt leider im Heim für Demente lebt, gelernt. Ausserdem ist er der selbsternannte Sherriff, denn er hat einen Cowboyhut, Sheriffstern und eine Mauser - ein Jagdgewehr - von seinem anderen amerikanischen Grossvater vererbt bekommen. Kalmann gehört ins Dorf, jeder kennt ihn und jeder mag ihn und er mag auch alle, nur eine Freundin hätte er gerne, aber hier, in Raufarhöfn, da will ihn keiner. Doch dann eines Tages verschwindet Robert und ausgerechnet er, Kalmann, findet eine riesige Blutlache im Schnee ... Ach, was war das wieder für ein schönes Buch von diesem Schweizer Joachim B. Schmidt, der mich bereits mit seinem Buch „Tell“ so überzeugen konnte. Da musste ich doch einfach noch ein weiteres Buch von ihm lesen, bzw. hören und auch dieses Buch gefiel mir sehr! Es ist eine ruhige Geschichte - Kalmann erzählt seine Geschichte selbst, man kann gar nicht anders als diesen lieben, skurrilen, etwas trotteligen Kalmann ins Herz zu schliessen und mit ihm fiebern. Kein Krimi, kein Thriller, einfach eine wunderbar erzählte Geschichte. Den Sprecher des Hörbuchs, Timo Weisschnur, möchte ich hier auch noch unbedingt erwähnen: Er hat Kalmann so eine unglaublich gute Stimme gegeben, mit leichten Dorftrottel-Akzent, die mich komplett in den Bann ziehen konnte. Wunderbar! Leseempfehlung 4½/ 5
Putzig, das ist das Wort, das mir als Erstes in den Sinn kommt, wenn ich Kalmann versuche, zu beschreiben. Kalmann ist der Protagonist dieses gleichnamigen Romanes, der in dem kleinen Dorf Raufarhövn lebt. Kalmann ist 35 Jahre alt, alleinstehend und schaut abends gerne "Der Bachelor" oder "The Biggest Loser" im Fernsehen an. Er mochte die Schule nie und hat daher alles, was er fürs Leben braucht, von seinem Großvater gelernt. Kalmann arbeitet als Haifischjäger, den er zu Gammelhai verarbeitet.In seinem Ort ist er allen als Sheriff bekannt, denn er trägt eigentlich immer eine Sheriffhut, Sheriffstern, eine alte Pistole und Cowboystiefel. Kurz gesagt: Kalmann ist besonders. Er ist kindlich-naiv, manchmal jähzornig, aber insgesamt harmlos lieb. Als er eines Tages eine Blutlache im Schnee findet und der lokale Hotelbesitzer vermisst wird, ändert sich sein Leben von einem Tag auf den Anderen, er weiß es nur noch nicht so ganz... Meine Meinung: Dieser Roman vereint in Handlung und Stil Gegensätze. Mit den Thematiken Mord, aber auch gesellschaftliche Probleme in Island befasst sich der Roman mit eher harter, ernster Kost. Zugleich sorgen jedoch der leichte Stil und der wirklich besondere Protagonist dafür, dass es beim Lesen nicht ernst wird. Der Erzählstil aus Kalmanns kindlich-naiver Perspektive führt zu einer leichten, positiven Atmosphäre und auch wenn Kalmann sehr oft Dummheiten begeht- man kann es ihm eigentlich nicht übel nehmen. Die ungekürzte Hörfassung ist ebenfalls sehr gut gemacht. Der Sprecher liest in einer sehr angenehmen Geschwindigkeit und man merkt, wie er sich wirklich in Kalmann hineinfühlt, wodurch die Erzählweise noch einmal mehr in den Fokus gerät. Er ahmt meisterhaft die Stimmen der verschiedensten Charaktere nach. Fazit: Ein wirklich herzlich-positiver Roman trotz der ernsten Grundthematiken.
Viel Schnee und einiges an Blut in einem Islandkrimi mit überraschenden Wendepunkten. Aber der Tote ist eigentlich nur die wichtigste Nebensache in diesem Buch. Viel wichtiger ist Kalmann, der "Dorftrottel", aus dessen Sicht das Buch erzählt wird. Deshalb kommt es in einer einfachen und klaren Sprache daher. Die Einfachheit und Klarheit Kalmams beeindruckten mich. Sie ermöglichen einen neue Sicht auf die Dinge und neue Perspektiven auf unsere Leben. Kalmann kennt sich aus in der Natur und hat einen klaren moralischen Kompass. Beides hat er von seinem (inzwischen dementen) Großvater mitbekommen. Joachim B. Schmidt zeichnet den Kalmann und seine Beziehungen so liebevoll und warmherzig, dass es mich trotz viel Blut im Schnee nur selten fröstelte. Also: „Kein Grund zur Sorge!“
»Unter einem Eisbär kann es sehr dunkel sein.« Der Kriminalfall ist in meinen Augen zwar der Aufhänger der Geschichte, der Roman brilliert indes vor allem in der Darstellung seines Helden und dessen Umfelds. Ich mag Geschichten, die eigentlich Psychogramme von kleinen Städten oder isolierten Orten sind – da zeigt sich die menschliche Natur glasklar._ _ „Wir wissen überhaupt sehr wenig. Und ich finde das ganz tröstlich, denn ich weiß ja auch nicht viel über die Welt, und wer so tut, als hätte er auf alle Fragen eine Antwort, hat einen Schaden und mehr nicht.“_ (Zitat)_ _ Dass Kalmann eine geistige Behinderung hat, scheint offensichtlich, wirkt er doch wie ein kleiner Junge im Körper eines Erwachsenen. Der Autor steckt ihn jedoch nie in Schubladen oder beschönigt, welche Schwierigkeiten sich im Umgang mit ihm ergeben: wenn der Frust zu groß wird und Kalmann sich nicht mehr zu helfen weiß, explodiert er._ _ Aber da er niemandem schaden will, schlägt und boxt er sich selbst, zertrümmert seine eigenen Habseligkeiten – nur rausrausRAUS mit der Wut. Im Umgang mit anderen Menschen ist er normalerweise friedlich und freundlich._ _ Als Leser:in schüttelt man vielleicht mit dem Kopf, weil diesem ewigen Kind erlaubt wird, mit einer geladenen Waffe herumzulaufen und die schwere Arbeit eines Haifängers zu verrichten, aber das ist das Leben, das Kalmann sich wünscht. Hier erfährt er Anerkennung – er verdient gutes Geld mit seinem Gammelhai! –, hier beherrscht er Dinge besser als alle anderen. In einem Heim oder einer Behindertenwerkstatt würde er hingegen möglicherweise verkümmern._ _ Die Menschen von Raufarhövn wissen ihren ‘Sheriff’ zu nehmen; es gibt wohl niemandem im Ort, der ihn nicht kennt und als Faktotum ansieht. Natürlich gibt es vereinzelt Vorurteile und Ablehnung, aber seine Marotten und Eigenheiten werden von den meisten Mitbürgern einfach akzeptiert. Deswegen klappt das, deswegen kann Kalmann alleine leben und sein eigenes Geld verdienen._ _ Wie sagt man so schön? Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf – und um einem Kalmann ein weithin selbstbstimmtes Leben zu ermöglichen, auch._ _ Besonders die Beziehung zwischen Kalmann und seinem dementen Großvater wird sehr rührend beschrieben. Der forderte Kalmann von Anfang an, wollte gar nichts davon hören, der ‘beschränkte’ Junge könne dieses oder jenes nicht. Er brachte seinem Enkel alles bei, was man als Haifänger beherrschen muss._ _ Kalmann begreift auf intellektueller Ebene vielleicht nicht vollends, was mit seinem Großvater nicht stimmt, aber er macht das auf emotionaler Ebene locker wett. Er gibt sich alle Mühe, mit ihm zu sprechen und seine Wünsche zu erraten, und wenn alles nicht mehr hilft, packt Kalmann den von seinem Opa geliebten Gammelhai aus – natürlich selbst gefangen und gepökelt. Der Gestank der ekligen Delikatesse reißt den alten Mann ohne Fehl für ein Weilchen aus seinem geistigen Nebel._ _ Kalmanns bester Freund Nói ist ein 19-jähriger Junge, den er im Internet kennengelernt hat, und der im Livestrem immer sein Gesicht verbirgt. Als Leser:in kann man aus einem Nebensatz schließen, dass Nóis Gesicht möglicherweise entstellt ist, was aber nicht aufgeklärt wird._ _ Nói ist alles, was Kalmann nicht ist: sarkastisch, hochintelligent, mit einem bösen Humor ausgestattet. Aber er hat auch Vorurteile, die Kalmann unbehaglich im Kopf hin- und herwälzt._ _ Kalmanns Art und Weise, Dinge zu beschreiben, ist sehr erfrischend: seine Gedanken sind einfach, er trifft den Nagel aber oft genau auf den Kopf! Trotz seiner intellektuellen Behinderung denkt er nach über die Dinge, die er hört und sieht, und zieht daraus seine eigenen Schlüsse. Da geht es durchaus auch um Themen wie Überfischung, Klimawandel und Rassismus! Das ist überwiegend glaubhaft geschrieben, da kann man sich dann richtig einfühlen in seine Gedankenwelt – aber nicht immer._ _ Seine Gedanken sind meist kindlich und schlicht, dann denkt man sich: ja, so ist er, der Kalmann. Und dann gibt es wieder Passagen, in denen er sich meiner Meinung nach sprachlich zu gewählt ausdrückt oder inhaltlich zu komplex. Er kann in Gedanken ganze Unterhaltungen Wort für Wort noch mal abspulen, auch wenn er sie höchstwahrscheinlich nicht hundertprozentig verstanden hat._ _ Zum Teil merkt er sogar ausdrücklich an, dass er nicht verstanden hat, was er gerade erzählt! In manchen Szenen überspannt das den Bogen. Beim Lesen gelang es mir dann nicht mehr, die Geschichte einfach als wahr anzunehmen, obwohl sie unwahrscheinlich klang – aber sie hat mir dennoch immer noch gut gefallen._ _ Der Humor ist bei Büchern wie diesem eine heikle Sache – er wäre allzu einfach und billig, über Kallmann zu lachen, weil er Dinge nicht versteht oder sich anders verhält, als es der Norm entspricht. Aber dem Autor gelingt es gut, dem Leser das Gefühl zu geben, *mit* Kalmann zu lachen und nicht *über* ihn, und ich musste einige Male schmunzeln._ _ Der Humor funktioniert hier auch deshalb so gut, weil der Autor die Balance beherrscht. Die Geschichte durchläuft die volle Bandbreite: Spannung, Melancholie, Freude, Trauer, Hoffnung, auch Gesellschaftskritik…_ _ Auch wenn die zwischenmenschlichen Beziehungen in Raufarhövn für mich interessanter sind als der Kriminalfall, möchte ich damit nicht behaupten, der sei nicht spannend! Es gibt mehrere Wendungen, die nicht nur für Kalmann rätselhaft sind, und mehr als eine Person muss ihr Leben lassen…_ _ Kalmann denkt vielleicht nicht so schnell wie andere, aber er ist der selbsternannte Sheriff des kleinen Örtchens Raufarhöfn und außerdem der beste Haifänger. Als er eine Blutlache im Schnee findet, ist es mit der Beschaulichkeit vorbei und Kalmann muss feststellen, dass es unter einem Eisbären sehr dunkel sein kann._ _ Für den Leser sind Kalmanns intellektuelle Defizite offensichtlich, er wächst einem gerade wegen seiner einfachen Art ans Herz. Der Autor nennt diese Defizite nie beim Wort, beschreibt seinen Helden jedoch sehr sensibel. Er malt das berührende Porträt eines Leben mit Behinderung, das auf ungewöhnliche Art und Weise ‘funktioniert’._ _ Über lange Passagen ist Kalmanns Perspektive glaubhaft, in manchen Szenen drückt er sich meines Erachtens jedoch zu gewählt oder zu kompliziert aus, um noch schlüssig zu wirken. Das kleine Manko gibt Abzüge in der B-Note, davon abgesehen gefiel mir das Buch sehr gut – ein Drama mit viel Humor und originellen Spannungselementen._ Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog: https://wordpress.mikkaliest.de/rezension-joachim-b-schmidt-kalmann/
Hmm? Aus der Sicht eines „geistig Behinderten“ liest man sich recht flüssig durch eine arg aktionsarme Geschichte, mit isländischem Flair, die hier und da Personen einfließen lässt, die aber selten die Geschichte vorantreiben. Plätscher, plätscher... und auf den letzten 40 Seiten passiert dann plötzlich etwas, dass einen aber auch nicht mehr groß abholt, da die Charaktere zwar nett, aber nicht sonderlich nahe erscheinen und der Spannungsbogen sowieso fast ausblieb. Viel Stimmung aber wenig Story. Nach meinem Geschmack einfach langweilig, obwohl ich langsam erzählte Geschichten auch sehr zu schätzen weiß. 2,5 Sterne
Der Nordosten Islands ist der Schauplatz von Joachim B. Schmidts Roman "Kalmann", genauer gesagt das kleine Dorf Raufarhöfn (609 km entfernt von Reykjavík). Dieser Landstrich der wilden Insel im Atlantik ist geprägt von der Küste und lebt hauptsächlich von der Fischindustrie. Gelegentlich verirren sich auch ein paar wenige abenteuerlustige Touristen hierher. Landschaftlich gesehen ist die Gegend eher karg, hier wächst nicht viel heißt es im Roman, die Winter sind lang und bis weit ins Frühjahr hinein bestimmen Eis und Schnee das Landschaftsbild. In einem kalten März unserer Gegenwart - eine genaue Jahreszahl nennt uns der Erzähler nicht - spielt sich die Handlung des Romans ab. Der titelgebende Protagonist Kalmann Óðinsson ist 33 Jahre alt und verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Jagen und Fermentieren von Grönlandhaien, die er dann als Delikatesse (“Gammelhai”) verkauft. Er wuchs in Raufarhöfn bei seinem Großvater und seiner Mutter auf, der Vater ist ein amerikanischer GI, den er nur einmal gesehen hat. Kalmann ist geistig behindert, weswegen ihm die Mutter auch in seinem fortgeschrittenen Alter noch als Vormund dient. Kalmann ist ein sogenannter "unzuverlässiger Ich-Erzähler", der in der Literaturgeschichte eine gewisse Tradition hat. Das heißt, der Leser muss die von ihm getätigten Aussagen über die Welt, die ihm hier präsentiert wird, grundsätzlich infrage stellen. Kalmann erzählt ganz klar seine wenig komplexe, eindimensionale Sicht der Dinge. Er hinterfragt vieles nicht, seine Wahrnehmung ist schwarz oder weiß, unklare Situationen oder Ungewohntes bringen ihn völlig aus dem Konzept und kanalisieren sich mitunter in Wut. Es ist beeindruckend wie der Autor es schafft, die scheinbar simplistische Gedankenwelt Kalmanns zu imagnieren, seine "einfachen" Satzgefüge zu erschaffen, ohne dass es jemals künstlich wirkt. Ja, so könnte jemand denken, der eben "anders" denkt. "Kein Grund zur Sorge", dieser Ausdruck spult sich mantraartig in Kalmanns Kopf ab. Trotz seiner Tätigkeit als Jäger, seiner Unberechenbarkeit und Grobschlächtigkeit hat der Autor mit Kalmann eine Figur erschaffen, die dem Leser sympathisch ist und in sich stimmig. Dennoch lässt der Erzähler den Leser bis zum Schluss im Ungewissen, wie Kalmanns Rolle innerhalb der Krimihandlung zu verorten ist. Er geriert sich - geprägt von der amerikanischen Popkultur, konsumiert durch den TV, denn Kalmann hat nach eigener Aussage noch nie ein Buch gelesen - als "Sherriff von Raufarhöfn". Beim Jagen findet er eine Blutlache, die vom verschwundenen Geschäftsmann und Hotelbesitzer Róbert McKenzie zu stammen scheint. Es ist ein anspruchsvoller literarischer Krimi, der sich hier entfaltet, mit vielen überraschenden Wendungen und einer unbestreitbar philosophischen Komponente. Dennoch kann ich nicht die volle Punktzahl geben, denn einige Fragen bleiben am Ende leider offen und das erzählte Gerüst - so unverlässig der Erzähler auch sein mag - bröckelt an manchen Stellen. Die Tiertötungsszenen sind weniger "schlimm", als ich sie erwartet habe und die erlegten Tiere wurden nicht gequält. Trotzdem gibt es einige explizite Szenen, in denen Tiere getötet werden. Für mich immer und in jedem Buch ein Minuspunkt, da kann “Kalmann” nix dafür. Alles in allem aber hat mir der Roman aufgrund seiner unbestreitbar literarischen Qualität sehr gut gefallen. Ich möchte gerne noch mehr von diesem Autor lesen und fand es irgendwie schade, am Ende von Kalmann Abschied nehmen zu müssen.
Dass Herr Schmidt ein Mitbündner ist, war mir anfangs gar nicht bewusst. Und ohne dieses Wissen hätte ich sein Buch wohl auch nicht gelesen. Zum Glück hat es sich aber doch noch so ergeben und auch wenn Schmidt kein Bündner wäre, wäre es ein sehr gelungenes Buch. Das beginnt schon mit Kalmann selbst, der sich recht bald als unzuverlässiger Erzähler entpuppt. Und dafür habe ich ja bekanntlich eine Schwäche. Überhaupt ist Kalmann ein besonderer Hauptcharakter. Als Leserin gehe ich vom Down-Syndrom aus, an einer Stelle wird es auch leicht angedeutet, aber nirgends klar gesagt. Wichtig ist das auch nicht, weil es für Kalmann nicht wichtig ist. Jedoch verleiht er der Geschichte eine besondere Stimme, die das Buch zusammen mit dem Setting noch spezieller und einzigartiger macht. Island hat für mich einen gewissen Reiz, den ich kaum beschreiben kann, und hier bekam ich dann ganz fürchterliches Fernweh nach einem Ort, den ich noch nie gesehen habe. Schmidt selbst kennt sich in Island dafür umso besser aus, da er selbst viele Jahre dort gelebt hat. Deshalb kann er auch einen guten Blick in die Verhältnisse isländischer Gemeinschaften bieten, dem man als Leser auch Glauben schenken darf. "Kalmann" ist ein eigensinniger Krimi, eine kleine Liebeserklärung an Island und ein spezielles Buch, das zumindest mir längere Zeit im Kopf bleiben wird. Darin bin ich mir sicher.
"Kalmann" von Joachim B. Schmidt hat mir insgesamt recht gut gefallen. Kalmann ist ein sehr liebenswerter Charakter und der Schreibstil von Joachim B. Schmidt hat mir gut gefallen und lies sich super lesen. Insgesamt hat das Buch für mich aber nichts Bleibendes hinterlassen, also ich würde sicherlich weitere Bücher mit und um Kalmann lesen, müsste ich jetzt aber nicht und wenn ich "Kalmann" jetzt nicht gelesen hätte, würde ich es mit dem Wissen um dieses Buch, auch nichts vermissen. Fazit: Nice to read, aber für mich persönlich kein Must-read ...
Kalmann ist ein sehr liebenswerter, in seinen intellektuellen Fähigkeiten eingeschränkter, Isländer, der im kleinen, einsamen Raufarhöfn seinen Lebensunterhalt mit Gammelhai verdient. Als ein wohlhabender Bürger seines Ortes verschwindet, gerät Kalmann mitten hinein in den Strudel der Ereignisse. Ich liebe idiosynkratische, eigenartige und unzuverlässige Erzähler, und deshalb liebe ich auch Kalmanns Figur. Er ist in seinen Kommentaren und seiner Bewertung der Welt einfach herrlich authentisch und belebend. Es macht Freude der Langsamkeit seiner Gedanken und Überlegungen, seinen intuitiven Wahrnehmungen und seinen Gefühlen zu folgen und darüber nachzudenken, was seine Auslassungen und sein Schweigen zu gewissen Fragen zu bedeuten haben. Dem Autor ist es durchgängig gelungen, Kalmanns Stimme einzufangen. Da knirscht nichts, es wird nie vergessen, wer hier eigentlich spricht und wie er die die Welt sieht. Allerdings schöpft dieser Roman, trotz des andeutungsschwangeren letzten Kapitels, die Möglichkeiten, die ein unzuverlässiger Erzähler bietet nicht vollends aus - und das ist sehr schade, denn so bleibt der Roman hinter seinem eigentlichen Potenzial zurück und der (oder mehrere) finale Plot-Twists bleiben aus. Die Handlung ist eigentlich gut angelegt, wird aber ebenfalls nicht konsequent zu Ende geführt. Die red herrings lösen sich zu schnell in Wohlgefallen auf, das Ganze könnte verstrickter, vertrackter, komplexer sein - für meinen Geschmack ist es einfach etwas zu gemächlich, zu beschaulich. Dazu: ein Krimi ist für mich gerade kein Genre für lose Enden, Mysteriöses darf zwar auch mal ruhig in der Luft hängen bleiben, aber dem Leser sollten zumindest Hinweise zum eigenständigen Schließen der Lücken an die Hand gegeben werden. Darüber hinaus empfinde ich die Eisbären-Handlung als befremdlich - aber das ist mein persönlicher Geschmack. Sie ist so angelegt, dass sie in der heutigen Zeit trotz ihres fiktionalen Charakters, eher unschön und unpassend ist. Was mich absolut bezaubert hat, ist hingegen das wunderbare isländische Setting. Der Autor weiß, wovon er spricht und bannt diese großartige Insel mit ihren Besonderheiten vollkommen lebensecht auf die Seiten. Man spürt die raue Natur und Einsamkeit, die Abgeschiedenheit und Einfachheit des Lebens, aber auch die Bedrohung durch den Bevölkerungsschwund. Kalmann ist ein Roman für Island-Liebhaber mit einem Herz für besondere Erzähler, für die die Krimihandlung nicht an erster Stelle steht.
Ich hab mir irgendwie mehr von der Geschichte erwartet. Dass ich mehr auf Kalmann eingehen kann, dass er mir sympathischer ist. Dass er mir ans Herz wächst und es schwer wird, ihn nach dem beenden des Buches gehen zu lassen. Dafür gab es viel Nebensächlichkeiten, die vielleicht nicht unbedingt stören, aber trotzen den Lesefluss unterbrechen. Keine Frage, die Geschichte ist toll, aber leider auch nicht mehr.
Ein Kriminalroman mal ganz anders
Ich fand es sehr interessant wie ein Kriminalfall aus der Sicht von Kalmann dargestellt wurde. Auch die Darstellung von seinen Schwierigkeiten, die er selbstständig meistert, sodass er am Ende mutig genug ist den Fall selbstständig zu lösen. Das einzige was mich jedoch gestört hat, ist seine Anmerkungen gegenüber Frauen. Besonders die Oberflächlichkeit, die er dabei ausstrahlt. Daher auch „nur“ vier Sterne. ⭐️⭐️⭐️⭐️





















































