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Wenn die letzte Frau den Raum verlässt

4,0(230)
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Über das Buch

Die Berater Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer sind oft in reinen Männerrunden unterwegs. Ob im Meetingraum oder abends an der Bar: Ihnen fällt immer wieder auf, wie engagiert viele Männer gegen Gleichstellung argumentieren und welche patriarchalen Denk- und Argumentationsmuster vorherrschen.

In ihrem Buch berichten sie aus erster Hand, wie Männer unter sich über Sexismus, Gendern und Quoten sprechen. Dabei unterscheiden sie verschiedene Typen, erklären deren Befindlichkeiten und nehmen Aussagen wie »Dieses Gendergetue ist Mädchenkram. Wir haben echt wichtigere Probleme« auseinander. Weil sie keine persönliche Erfahrung mit Diskriminierung haben, unterschätzen die meisten Männer die Problemlage maßlos und wittern Übertreibung oder gar Ausnutzung, wenn Frauen Veränderung einfordern. Das Buch liefert eine ehrliche Analyse der männlichen Gedanken- und Sorgenwelt – und einen Plan, wie wir sie zu Verbündeten im Kampf um Geschlechtergerechtigkeit machen können.

Editionen (2)

ISBN9783550203060
VerlagUllstein Buchverlage
Erscheinungsdatum27.02.25
Seitenzahl208

Merkmale

1 Bewertungen

InformativMittelMittelNachdenklichVerstörend

Rezensionen & Bewertungen

230 Bewertungen

40 Rezensionen

4,0

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  • annbxe
    annbxe

    30 Follower

    3,5

    Ein Buch zur Geschlechtergerechtigkeit von Männern für Männer

    Das Hörbuch „Wenn die letzte Frau den Raum verlässt“ greift zentrale Themen der Geschlechtergerechtigkeit auf und richtet sich in seiner Grundausrichtung vor allem an ein männliches Publikum. Es versucht, patriarchale Strukturen sichtbar zu machen und männliche Privilegien im Alltag wie im Arbeitskontext zu reflektieren. Im Zentrum steht dabei die Kontrastierung zweier Realitäten: Während viele Männer sich in ihrer Gleichberechtigung selbstverständlich sicher fühlen, erleben Frauen weiterhin strukturelle Unsicherheit, insbesondere in Bezug auf Gewalt, Belästigung und soziale Teilhabe. Der oft zitierte Unterschied – „Männer haben Angst, ausgelacht zu werden, Frauen haben Angst, getötet zu werden“ – verdeutlicht diese Diskrepanz drastisch. Das Hörbuch arbeitet mit zahlreichen Beispielen aus dem Alltag: unsichere Situationen im öffentlichen Raum, mangelndes Verständnis für Frauenparkplätze, Unterschiede in der Wahrnehmung von Sicherheit im Dunkeln sowie die Normalisierung von Belästigung. Gleichzeitig wird deutlich gemacht, dass viele dieser Erfahrungen für Frauen keineswegs neu sind, für viele Männer jedoch unsichtbar bleiben. Es gibt so viele verschiedene „Gender Gaps“ – von Lohn- über Renten-, Care-, Gesundheits- bis hin zu Datenlücken. Diese Vielzahl an strukturellen Ungleichheiten zeigt, dass es nicht nur um einzelne Missstände geht, sondern um ein umfassendes System sozialer Ungleichverteilung. Kritisch wird auch die Rolle von Sprache betrachtet, insbesondere das generische Maskulinum, das zwar vermeintlich neutral ist, in der Praxis jedoch häufig dazu führt, dass Frauen sich weniger angesprochen oder mitgedacht fühlen. Stark ist das Hörbuch dort, wo es Männer klar in die Verantwortung nimmt: als „Allies“ sollen sie aktiv zuhören, andere Männer einbinden, Privilegien reflektieren und konkrete Care-Arbeit übernehmen. Besonders der Gedanke, dass Veränderung nicht neutral erfolgen kann, sondern Positionierung erfordert, bleibt hängen.❗️ Gleichzeitig bleibt der Eindruck, dass das Buch vor allem ein Einstiegstext ist – niedrigschwellig, zugänglich und bewusst auf männliche Leser ausgerichtet. Für bereits stärker informierte Leser:innen oder Personen, die tiefere theoretische Analysen erwarten, gibt es in der feministischen Literatur weiterführende und differenziertere Werke. Insgesamt ist es ein wichtiges, wenn auch nicht revolutionär neues Hörbuch, das vor allem als Gesprächsöffner für Männer funktionieren kann.

    29. Apr. 2026

  • 4,0

    3,5 Tendenz 4 Eigentlich sehr interessante Aufzählung von Alltags-Sexismen und den gängigen "Gegenargumenten". Jedoch muss ich mich einigen anderen Kommentaren anschließen, dass das Buch sehr an Frauen gerichtet zu sein scheint. Frauen, die diese Situation kennen. Frauen, die diese Situationen verstehen. Frauen, die an diesen Situationen nichts ändern können. Die Zielgruppe dieses Buches sollten eher Männer sein, die diese Probleme aufgrund von Privilegien einfach noch nie richtig reflektiert haben. Als Geschenk für meinen Vater oder männliche Freunde kann ich es mir jedoch sehr gut vorstellen. Ich tu mir etwas schwer mit dem "Ergebnis" des Buches, wie es gelingen kann, Männer auf die richtige Seite und zum Reflektieren zu bringen. Es kann nicht die Verantwortung der Frauen im Umfeld der Männer sein, diese zum Feminismus zu bewegen. Zum einen haben Sie keinen Bildungsauftrag, zum anderen sind sie vielleicht selbst in der patriarchalen Spirale gefangen und Spiegeln "ihren" Männern ein Bild von "ist doch alles gar nicht so schlimm, ich komm klar". Daraus schließt das Buch, dass es männliche Vorbilder braucht, an denen sich Männer orientieren können. Aber wo sollen die her kommen? Wohl doch wieder aus der Influence ihrer bekannten Frauen? Frauen fiel es komischerweise die letzten hunderten Jahre nicht schwer, sich von Männern inspirieren zu lassen. Ich denke, ein grundlegenderes Umdenken in der Gesellschaft ist nötig und Frauen sind nicht dafür verantwortlich, Männer hierbei an die Hand zu nehmen. Google is free, Frauen sind über 50% der Bevölkerung. Wir müssen Männer zur Verantwortung ziehen. Wenn sie sich damit nicht von selbst auseinander setzen, werden sie abgehängt und überholt.

    13. Juli 2025

  • mrs_geany
    mrs_geany

    102 Follower

    3,0

    Ein guter Einstieg, mit klarer Verschiebung von Verantwortung in die falsche Richtung

    Das Buch ist zugänglich geschrieben, leicht verständlich aufgebaut und bietet immer wieder interessante Einblicke in Denkweisen und Gesprächsmuster, die vielen vertraut vorkommen dürften. Gerade für Leserinnen und Leser, die sich noch nicht intensiv mit Gleichstellungsthemen beschäftigt haben, kann es einen ersten Perspektivwechsel ermöglichen und Zusammenhänge sichtbar machen. Gleichzeitig bleibt vieles an der Oberfläche. An mehreren Stellen hätte ich mir eine tiefere Auseinandersetzung und stärkere Fundierung gewünscht, insbesondere durch Quellen oder empirische Belege. Stattdessen arbeitet das Buch häufig mit Typisierungen und Beobachtungen, die zwar nachvollziehbar sind, aber analytisch nicht immer weitergeführt werden. Besonders auffällig ist ein Spannungsfeld, das sich durch das Buch zieht. Einerseits wird versucht, männliche Perspektiven verständlich zu machen und Zugänge zu schaffen. Andererseits entsteht stellenweise der Eindruck einer Verantwortungsverschiebung. Immer wieder wirkte es so, als würden FLINTA Personen zusätzlich um Verständnis gebeten, statt die Verantwortung klar bei denjenigen zu verorten, die von bestehenden Strukturen profitieren. Insgesamt würde ich das Buch eingeschränkt empfehlen. Es eignet sich vor allem für Menschen am Anfang ihrer Auseinandersetzung mit Gleichstellung und Geschlechterrollen. Wer sich bereits intensiver mit feministischen oder gesellschaftskritischen Themen beschäftigt hat, wird vermutlich weniger neue Erkenntnisse finden. Unterm Strich bleibt ein verständliches, zugängliches Buch, das zum Nachdenken anregt, aber an Tiefe verliert, wo es über das Beschreiben hinausgehen könnte.

    Ein guter Einstieg, mit klarer Verschiebung von Verantwortung in die falsche Richtung

    22. Apr. 2026

3 von 40 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Vincent-Immanuel Herr

Vincent-Immanuel Herr (*1988) verdankt es seiner Familie, schon früh Berührung mit Gerechtigkeitsfragen und politischen Debatten gemacht zu haben. So wurde am Esstisch mit seinen Eltern und seiner Schwester nicht selten über Feminismus und die Rolle des Individuums für gesellschaftlichen Fortschritt diskutiert. Nach dem Abitur am Berliner Goethe-Gymnasium studierte er Geschichte, Soziologie und Politik in den USA (Bachelor of Arts) und in Deutschland (Master of Arts). Er ist Teil des Berater- und Autoren-Duos „Herr & Speer“. Sie schreiben Artikel und Bücher, halten Keynotes und Workshops. Gemeinsam sind sie HeForShe-Botschafter für UN WOMEN Deutschland und wurden im Jahr 2022 in den Gender Equality Advisory Council der G7-Staaten (GEAC) berufen. Ihr Engagement wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Jean Monnet Prize for European Integration, dem Innovation in Politics Award, dem Bayreuther Vorbildpreis und dem Blauen Bären der Stadt Berlin.

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