Romane

Tage am Fluss

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Über das Buch

Manchmal muss man gegen den Strom schwimmen, um bei sich anzukommen

An einem heißen Sommertag strandet ein junger Mann bei der Fährfrau Sara Harmsen und bringt all ihre sorgsam errichteten Mauern ins Wanken. Ein Roman über alte Wunden und den Mut, sich wieder auf das Leben einzulassen.

Sara Harmsen betreibt eine kleine Fähre, die das Dorf Erlengrund mit dem Rest der Welt verbindet. Mit sieben Hühnern, drei Schafen und der Hündin Luna lebt sie in einem abgelegenen Haus am Fluss. Eines Tages taucht auf Saras Fähre ein junger Mann mit einer Kopfverletzung auf, Leon. Sara verarztet den jungen Mann und versteckt ihn bei sich. Dafür verlangt sie, dass er ihr bei den Arbeiten rund um ihr Haus hilft. Beim Scheren der Schafe, bei der Reparatur des Hühnerstalls und beim Sensen der Obstwiese kommen sich Sara und Leon zögerlich näher und bringen den Mut auf, sich ihren alten Wunden zu stellen. Und sie teilen ihre Liebe zur Natur und die Sorge um unseren Planeten. Als die beiden sich gegen eine geplante Brücke wenden, die Saras Fähre bedroht, sehen sie sich Anfeindungen und Übergriffen aus dem Dorf ausgesetzt. Und dann tritt auch noch der Fluss über die Ufer …

»Diese Zeit ruft nach Geschichten wie dieser. Stark und stärkend, voller Lust am Leben. Große Empfehlung!«
Luisa Neubauer

Editionen (3)

ISBN9783462013672
VerlagKiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum09.07.26
Seitenzahl320

Rezensionen & Bewertungen

63 Bewertungen

29 Rezensionen

4,3

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  • theagri
    theagri

    790 Follower

    5,0

    Etwas von Grund auf ändern und Zeichen setzen. "Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.« Durch das schöne Cover wurde ich auf das Romandebüt von Jochen Mariss aufmerksam und habe mich gefreut ihn, dank NetGalley und dem Kiepenheuer & Witsch Verlag, vorab als ebook lesen zu können. Sara lebt auf einem kleinen Hof mit ihren Tieren am Fluss in einem kleinen Dorf. Sie ist die Fährfrau. Jonas kommt mit einer Kopfverletzung und einem Geheimnis auf ihre Fähre und sie versorgt ihn. Dafür hilft er auf dem Hof. Heiße Sommertage, kein Regen, der Pegelstand des Flusses wird immer niedriger. Trotzdem kann man sich die Idylle vorstellen, dazwischen der heruntergekommene Hof, die träge machende Hitze, der trockene Garten. Es gelingt dem Autor ausgezeichnet, diese Bilder mit schönen Worten vor Augen zu transportieren. Doch auch den Kummer, die Einsamkeit, die Erinnerungen sind spürbar. Und sehr schön wird der Prozess beschreiben, wie man sich öffnen und füreinander da sein kann. Berührend und tiefgehend erzählt. Die beiden Protagonisten werden allmählich eingeführt und geduldig entwickeln sich ihre Charaktere, die glaubhaft und authentisch beschrieben werden, die ihren Überzeugungen gemäß handeln und leben. Man spürt ihre Sorge um den Zustand unserer Welt, ihr Bemühungen zu verstehen und zu bewahren. Jochen Mariss erzählt seine Geschichte langsam, so dass sich die Problematik allmählich entwickelt und auf die Höhepunkte zusteuert. Dabei werden seine Themen - Natur, Klima, Umwelt - dem Lesenden nicht übergestülpt, sondern plastisch vor Augen gemalt. Alles folgt logisch aufeinander. Mir hat dieser ruhig erzählte Roman, den eine stille Spannung durchzieht und der verschiedene Problematiken im zwischenmenschlichen und in unserer Umwelt zum Thema macht, sehr gefallen. Nicht besser wissend sondern gut wissend erzählt.

    9. Juli 2026

  • wordfflow
    wordfflow

    43 Follower

    4,0

    Mutmachender Weckruf

    Tage am Fluss von Jochen Mariss ist ein Roman über eine unerwartete Freundschaft zweier Menschen, die in die Thematik Umweltaktivismus eingebettet ist. Sara ist Fährfrau und lebt mit den Wunden ihrer Vergangenheit eher zurückgezogen am Fluss in einem kleinen Dorf. Leon flüchtet sich verletzt vor der Polizei auf Saras Fähre und kommt zunächst unwillig bei ihr unter. Als Saras Existenz bedroht wird, finden die beiden trotz ihrer Unterschiede Gemeinsamkeiten und gewinnen mit der Zeit Akzeptanz, Solidarität und Freundschaft. Sara und Leon konnten unterschiedlich schnell meine Sympathie gewinnen, aber ich habe beide in mein Herz geschlossen. Besonders auch die Gegenüberstellung der beiden fand ich spannend. Während Sara eine großartige Charakterentwicklung hinlegt, fungiert Leon eher als ihr Katalysator. Mariss hat zwei Personen geschaffen, die trotz ihrer Gegenteile gemeinsame Ziele verfolgen und dabei für Lesende greifbar werden. Nicht zuletzt das Sprecher*innen-Duo Heike Warmuth und Nils Kretschmer haben dazu beigetragen, Sara und Leon zum Leben zu erwecken. Lediglich die durch die Geschichte hinweg angedeutete sexualisierte Ebene fand ich zum einen absolut überflüssig, vor allem hat sie mich aber massiv genervt. Wie ein Splitter, den man nicht richtig greifen kann und an den man bei jeder Bewegung unangenehm erinnert wird. Denn die übergeordnete Handlung rund um Widerstand, Aktivismus und Umweltschutz, zusammen mit der wachsenden Freundschaft, waren authentisch umgesetzt und haben die Geschichte getragen. In Anbetracht der aktuellen Lage, dass der Klimawandel immer spürbarer wird, ist die Geschichte ein literarischer Weckruf und gerade deswegen für mich so mutmachend und inspirierend. Eine Szene zum Ende hin fand ich etwas zu künstlich dramatisiert und Leon hat in der Situation wirklich nicht mitgedacht und leichtsinnig gehandelt, aber den Ausgang insgesamt fand ich sehr gelungen und hoffnungsvoll. Für mich ist Tage am Fluss ein insgesamt sehr gelungener und wichtiger Roman über Freundschaft, Solidarität und Aktivismus, den jeder lesen oder hören sollte, auch wenn ich zwei kleine Punkte abziehen musste.

    7 Tage vor

  • wassilkeliest
    wassilkeliest

    190 Follower

    „Tage am Fluss“ ist ein ruhiger, atmosphärisch dichter Roman über zwei Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen aus der Welt gefallen sind – und darüber, wie Begegnung neue Wege öffnen kann. Im Mittelpunkt steht Sara Harmsen, die als Fährfrau ein abgelegenes Leben am Fluss führt. Ihr Alltag ist geprägt von Einsamkeit, Naturverbundenheit und der ständigen Bedrohung, dass ihre Fähre durch den geplanten Bau einer Brücke ersetzt werden könnte. Als eines Tages der verletzte junge Leon bei ihr strandet, entsteht zwischen den beiden eine vorsichtige Zweckgemeinschaft, die sich nach und nach zu einer emotionalen Verbindung entwickelt. Was zunächst wie eine stille, beinahe unscheinbare Begegnung beginnt, entfaltet sich zu einer Geschichte über Vertrauen, Heilung und das Wiederfinden von Lebensmut. Beide Figuren tragen seelische Verletzungen in sich, die erst im gemeinsamen Arbeiten und im Leben am Fluss langsam sichtbar werden. Dabei bleibt die Erzählweise bewusst zurückhaltend – vieles wird angedeutet statt ausgesprochen, wodurch die emotionale Tiefe umso stärker wirkt. Besonders gelungen ist die Naturdarstellung. Der Fluss ist nicht nur Schauplatz, sondern eine lebendige Kraft, die die Stimmung des Romans prägt und die inneren Zustände der Figuren spiegelt. Hitze, Trockenheit und später die drohende Überschwemmung verstärken die Spannung, ohne dass die Geschichte je laut oder dramatisch wird. Neben der persönlichen Ebene greift der Roman auch gesellschaftliche Themen auf: den Konflikt zwischen Tradition und Fortschritt, Fragen nach Umweltschutz sowie den Umgang mit Veränderung und Verlust von Heimat. Diese Aspekte werden jedoch nie belehrend erzählt, sondern in die Handlung eingebettet. „Tage am Fluss“ ist kein Roman großer Gesten, sondern einer der leisen Töne. Er lebt von seiner Atmosphäre, seinen sorgfältig gezeichneten Figuren und der langsamen Entwicklung ihrer Beziehung. Wer bereit ist, sich auf dieses ruhige Erzähltempo einzulassen, wird mit einer sensiblen, nachdenklichen Geschichte belohnt, die lange nachhallt und besonders durch ihre stille Kraft überzeugt. Auch die Hörfassung hat mich mit seiner atmosphärischen Umsetzung komplett überzeugt. Heike Warmuth und Nils Kretschmer verleihen den Figuren Sara und Leon viel Gefühl und Authentizität, sodass ihre wechselnden Perspektiven besonders lebendig wirken. Ein rundum gelungenes Hörbuch, das lange nachklingt und Lust auf weitere Werke von Jochen Mariss macht.

    3 Tage vor

3 von 29 Rezensionen

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Seitenbasierte Kommentare

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1st.bookworm
1st.bookworm7. Juli 2026

Sie ist fast 50, und er. Ich tippe jetzt mal so auf die 20 was würdet ihr sagen? Na, bin gespannt in welche Richtung das geht. Im Klappentext steht ja, dass sie sich noch annähern😅 Ansonsten gefällt mir der ruhige Schreibstil eigentlich recht gut. Normalerweise lese ich solche Geschichten nicht aber man muss ja öfter mal was Neues ausprobieren. 😁

Autorin / Autor

Über Jochen Mariss

Jochen Mariss, geboren 1955 in Köln, studierte Grafikdesign mit Schwerpunkt Fotografie in Bielefeld und war Mitbegründer des Verlags Grafik Werkstatt. Hier erschienen zahlreiche Gedichte und Fotografien von ihm, u. a. in Form von Foto-Text-Postkarten, und machten seinen Namen im deutschsprachigen Raum bekannt. Diese lyrischen Texte waren der Beginn seiner schriftstellerischen Arbeit, es folgten Kurzgeschichten und Kinderbücher. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Bielefeld. »Tage am Fluss« ist sein Romandebüt.

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