Unerwünschte Töchter

Unerwünschte Töchter

Hardcover
3.917

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Beschreibung

Vier Frauen, ein deutsches Jahrhundert und die Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben: Miriam Carbes großer, mitreißender Familienroman Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit. Sie stammen aus dem Bildungsbürgertum Dresdens, die Männer und Väter fallen in den Weltkriegen. Zum schlimmsten Zerwürfnis kommt es nach der Übersiedlung in den Westen, als die hochintelligente, labile Enkelin Monika in den Sechzigerjahren gegen alle Widerstände ein uneheliches schwarzes Kind zur Welt bringen will. Die Autorin selbst ist dieses Kind. Menschlich, eindringlich und mitreißend macht Miriam Carbe ein ganzes Jahrhundert erlebbar. Wer dieses Buch liest, begegnet sich selbst und den eigenen Familiengeschichten. Episch und epochal – ein Meisterwerk.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
N/A
Format
Hardcover
Seitenzahl
576
Preis
26.80 €

Autorenbeschreibung

Miriam Carbe, geboren 1967, hat deutsche und nigerianische Wurzeln und wuchs in einer Familie von Frauen auf, die alle Tagebücher und Erinnerungsskizzen schrieben. Von ihnen erbte sie mehrere Kisten mit Notizbüchern, von denen die ältesten von 1908 stammen. Miriam Carbe hat drei Kinder und lebt in Frankfurt am Main. Sie arbeitet als Redakteurin bei Arte.

Beiträge

8
Alle
3

Als Urgroßmutter Margarethe 1912 in Dresden eine Schrankvitrine mit Regalen aus Kirschholz bestellt, wird dies das einzige Möbelstück sein, das immer mit umzieht. Dieser originelle Einstieg hat mich gleich gefesselt und neugierig gemacht. Vier Frauen, vier Generationen, ein Jahrhundert. Miriam, die jüngsten von ihnen, erzählt ihre Geschichten. Als Grundlage dienen ihr die Tagebücher ihrer Mutter Monika, Großmutter Marianne und Urgroßmutter Margarethe. Ihre Vergangenheit war nie leicht und auch das Miteinander schwierig. Nach dem flüssigen Einstieg in die Geschichte übernimmt Miriam die Erzählstimme, die sich anders liest als der Einstieg. Berichtend, kühl, beobachtend, distanziert, manchmal wertend. Das las sich für mich nicht flüssig, sondern manchmal holprig, stockend. Teilweise hat der Text biographische Charakter, schlicht und einfach aneinander gereiht. Diese Erzählweisen haben sich abgewechselt. Mal gab es Abschnitte, die sich flüssig lasen, dann wieder nicht. Aber da die Geschichte der Familie sehr interessant ist und eine vielfältige historisch wechselnde Zeitepoche beschreiben wird, bin ich dran geblieben. Die Charaktere der vier Frauen blieben unnahbar. Manchmal erschienen sie lieblos und kalt, dann wieder sehnsüchtig, liebevoll. Sie werden als Frauen ihrer Zeit charakterisiert und als solche sind sie stark und versuchen aus allem das beste zu machen, aber auch gleichzeitig schwach, gestresst, unnachgiebig und ungerecht. Sehr gut geschildert wurden die Auswirkungen der Ideologien der verschiedenen Jahre auf das Denken, Handeln und die Wünsche der Frauen, auch die Selbstverständlichkeit mit der sie sich jeweils angepasst und untergeordnet haben. Sichtbar wird auch, wie sich negative Verhaltensweisen sich "vererben", auch wenn man selbst als Kind darunter gelitten hat. Insgesamt ist das Buch zu lang. Viele erzählte Kleinigkeiten bringen die Geschichte nicht wirklich voran und wirkten auf mich ermüdend. Auch der Schreibstil hat mich nicht komplett überzeugt. Die Grundidee zu dieser Geschichte war sehr interessant, leider hat die Umsetzung mir nicht komplett gefallen. Trotzdem ein Buch, das viel deutlich macht, vielen Verhaltensweisen nachspürt und Erklärungen sucht. Daher eine Leseempfehlung für alle, die sich darauf einlassen können.

5

Gelungene Chronik eines Jahrhunderts, mal ganz anders...

Miriam Carbe erzählt in ihrem Roman "Unerwünschte Töchter" die Geschichte ihrer Familie, insbesondere der Frauen. Dabei nutzt sie die Tagebücher ihrer Vorfahrinnen,. Wir begleiten ihre Urgroßmutter Margarethe, ihre Großmutter Marianne, ihre Mutter Monika und sie selbst über ein ganzes Jahrhundert. Durch die Tagebuchauszüge wird der Roman sehr authentisch. Die Familie stammt aus dem Bildungsbürgertum Dresdens, Väter und Männer sterben in den Weltkriegen. Was sich wie ein roter Faden durch den Roman zieht ist die Auflehnung der Töchter gegen ihre Mütter, von denen sie sich bevormundet fühlen. Da ist Margarethe, die immer darauf bedacht ist, ihre Töchter standesgemäß zu verheiraten, Goethe liebt und Musik mag. Sie passt in die damalige Zeit, auch von der Sprache her. Marianne möchte alles anders machen als ihre Mutter, aber auch sie verfällt in alte Muster. Was die Leute denken, ist auch ihr wichtig. Als ihre Tochter Monika einen afrikanischen Studenten kennenlernt und schließlich ein Kind erwartet, wird auch dies vertuscht, nicht einmal Margarethe erfährt davon. Hier zeigt sich besonders der Rassismus, der die Familie über Generationen begleitet. Auch psychische Krankheiten spielen eine Rolle, Miriam Carbe geht damit offen und ehrlich um. Der Roman ist ein historischer Roman, aber anders als gewohnt. Die Frauen stehen im Mittelpunkt, wir können über die Tagebücher an ihrem Leben teilhaben, mitfühlen und uns mit ihnen ärgern. Sie "stehen ihren Mann", es bleibt ihnen gar nichts anderes übrig. Eingestreut über diese Tagebücher wird immer wieder die Liebe der Frauen zur Literatur und zur Musik. Sowohl Goethe, Wagner als auch der Dirigent von Karajan finden immer wieder Erwähnung. Die Zitate aus Goethes Werken waren mir allerdings etwas zu sehr präsent, obwohl sie zu dieser Familie auch passen. Ich fand den Roman äußerst interessant, er zeigt eine andere Herangehensweise und vermittelt gleichzeitig den Zeitgeist über ein ganzes Jahrhundert hinweg. Wer genau hinschaut, wird sicher Parallelen zur eigenen Familiengeschichte finden. 5 Sterne und eine Leseempfehlung für diese gelungene Chronik eines Jahrhunderts!

3

Bewegende Historie mit Längen

Mit „Unerwünschte Töchter“ hat Miriam Carbe eine Familiengeschichte über vier Generationen vorgelegt – von der Urgroßmutter Margarethe in Dresden bis zu Miriam, der Autorin selbst. Es ist ein Buch voller deutscher Geschichte, geprägt von Krieg, Entbehrung, Zusammenhalt und Zerwürfnis und gesellschaftlicher Zwänge. Besonders bewegend ist die Debatte um die Geburt der Autorin als Tochter eines nigerianischen Mannes: Während andere zur Abtreibung drängten, zeigt diese „Schande“ die ganze Härte des Rassismus. Beim Lesen erschreckt vor allem eines: Wie normal dieser Rassismus damals im Sprachgebrauch war – und wie nah Teile unserer Gesellschaft heute gefühlt (oder tatsächlich) schon wieder an solchen Denkmustern sind. ​Die Sprache ist angenehm einfach, unkompliziert zu lesen. Dennoch fiel mir das Buch in der ersten Hälfte unglaublich schwer. Grundsätzlich mag ich ruhige, langsame Bücher/Geschichten. Die Geschichte an sich ist auch interessant, aber die Erzählung wies für mich einige Längen auf. Ich musste mich teils anstrengen weiterzulesen. ​In der zweiten Hälfte wurde es besser, aber so richtig gepackt hat mich das Buch leider bis zum Schluss nicht. Das lag vor allem an den Figuren, die mir durchgängig zu oberflächlich blieben.

5

Vielen Dank an den Audio Verlag und Netgalley für die zur Verfügungsstellung des Hörbuchs Inhalt Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit. Sie stammen aus dem Bildungsbürgertum Dresdens, die Männer und Väter fallen in den Weltkriegen. Zum schlimmsten Zerwürfnis kommt es nach der Übersiedlung in den Westen, als die hochintelligente, labile Enkelin Monika in den Sechzigerjahren gegen alle Widerstände ein uneheliches schwarzes Kind zur Welt bringen will. Die Autorin selbst ist dieses Kind. Menschlich, eindringlich und mitreißend macht Miriam Carbe ein ganzes Jahrhundert erlebbar. Ein großer Roman über das, was wir alle von Generation zu Generation weitergeben. Episch und epochal Meinung Ein Buch erzählt über einem Jahrhundert vier Generationen von Frauen. Ich bin wunderbar in die Geschichte gekommen, ich mochte die Protagonisten. Die authentisch und gut gezeichnet waren. Ich habe mit den Schicksalen der vier Frauen gefühlt, immer gehofft das Blatt möge sich wenden und alles sich fügen Mehr oder weniger wurde es auch so. Das Leben schreibt nicht nur schöne Geschichten, sie sind oft steinig und man zerbricht fast und setzt sich neu zusammen. Wunderbar vertont. Große Lese Empfehlung

4

Zeitgeschehen in vier Generation, wortgewaltig, schockierend erzählt

Simone Kabst schafft es uns mit auf die Reise von Miriam Carbe zu nehmen. Ein auto-fiktionaler Roman durch ein Jahrhundert bewegter deutschen Geschichte. Unaufgeregt und mit Zeitsprüngen wird schonungslos erzählt, was die Sitten waren, wie man die Nazizeit erlebt und die 60er. Es wird Gedichtet, phantasiert und ich dachte mir oft, zum Glück lebe ich jetzt. Vor allem zum Ende hin werden sehr sensible Themen angesprochen und es zieht sich, um dann aprupt zu enden.

Der Titel hat mit der Geschichte wenig zu tun

Der Klappentext klang vielversprechend und Mariana Leky wurde auf dem Buchrücken zitiert wird. Ich liebe solche zeitenumspannenden Familiengeschichten. Und wenn es vor allem um die weiblichen Perspektiven geht, kann doch nichts schief gehen. Aber fangen wir doch direkt mit dem Titel an. Während des Lesens fragte ich mich immer wieder - und ich war sehr dankbar über den Austausch im Buddyread - wann denn nun die unerwünschten Töchter auf den Plan treten würden. Hatte ich irgendetwas übersehen? Natürlich gab es Konflikte, natürlich waren die Ansichten von Generation zu Generation unterschiedlich, aber unerwünscht war keine von ihnen. Im Gegenteil, es wird erwähnt, 'dass sie sehr geliebt wurde' oder 'dass sie alles für ihre Tochter tun würde'. Der Titel führt daher, meiner Meinung nach, etwas in die Irre. Der Schreibstil am Anfang erinnert an die Zeit, in der die Geschichte beginnt, Anfang des letzten Jahrhunderts. Das las sich zunächst etwas schwerfällig. Außerdem musste ich mich an fehlende Anführungszeichen gewöhnen. Mit der Zeit störte das aber nicht mehr und das Buch las sich für mich (im zeitlichen Hauptstrang) immer flüssiger. Es gab immer wieder Arten von Spannungsaufbau und jedesmal erwartete ich mittlere bis schwere Katastrophen, die dann nicht eintraten. Gut für die Protagonistinnen. Die Grundlage für die Erzählungen, sind Tagebücher von Mutter, Großmutter und Urgroßmutter der Autorin. Auf diese geht Miriam Carbe in Zwischenkapiteln immer wieder ein. Grundsätzlich gefällt mir dieser Faktencheck, aber er hat meinen Lesefluss erheblich gestört und leider auch jedesmal einiges der Geschichte vorweggenommen. Das hätte ich mir eher als Nachwort gewünscht. Die Biografien der drei Frauen haben durchaus viel Potenzial. Ich hätte mir auch eine Buchreihe mit etwas mehr dichterischer Freiheit vorstellen können, denn schreiben kann Miriam Carbe wunderbar. Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch, vielleicht habe ich in diesem Jahr schon zu viele solcher generationenübergreifenden Frauengeschichten gelesen. Anders kann ich mir nicht so recht erklären, warum mich diese Frauenschicksale nicht so sehr gepackt haben. Anmerkung: Mir kam das N-Wort viel zu häufig vor. Eine Einordnung dazu hätte ich mir sehr gewünscht.

4.5

Wenn Familiengeschichte plötzlich unter die Haut geht

Manche Familiengeschichten klopfen nicht höflich an, die treten einfach durch die Tür, setzen sich an den Küchentisch und sagen: So, jetzt hör mal zu. Unerwünschte Töchter von Miriam Carbe ist genau so ein Buch. Groß, schwer, emotional und dabei nie billig auf Tränen gedrückt. Vier Generationen Frauen, ein ganzes deutsches Jahrhundert und mittendrin diese Frage, was Familie eigentlich mit einem macht. Margarethe, Marianne, Monika und Miriam tragen Liebe, Schmerz, Stolz, Schweigen und Verletzungen durch die Jahre. Da sitzt man beim Lesen manchmal da und denkt: Meine Güte, wie viel kann eine Familie eigentlich aushalten, bevor sie innerlich Möbel rückt? Besonders stark ist, wie Miriam Carbe private Geschichte mit deutscher Geschichte verbindet. Weltkriege, Bildungsbürgertum, alte Erwartungen, westdeutsche Enge, Rassismus, Scham und diese ewige Kontrolle über Frauenkörper. Das klingt nach schwerer Kost und ja, leicht ist das nicht. Aber es liest sich nicht wie ein staubiges Geschichtsbuch, sondern wie eine Familienakte, die jemand endlich geöffnet hat. Monikas Entscheidung, in den Sechzigerjahren ein uneheliches schwarzes Kind zu bekommen, trifft mitten ins Herz. Nicht, weil das Buch laut schreit, sondern weil es so klar zeigt, wie brutal leise Ablehnung sein kann. Da musste ich öfter schlucken und dachte: Junge, manche Sätze in Familien richten mehr Schaden an als ganze Gewitter. Unerwünschte Töchter ist kein Buch für mal eben nebenbei zwischen Kaffee und Einkaufszettel. Dafür ist es zu dicht, zu klug und zu ehrlich. Aber wer Familienromane mag, die etwas freilegen, bekommt hier richtig viel. Ein bewegender, unbequemer und sehr menschlicher Roman, der zeigt, dass Herkunft nicht nur Vergangenheit ist, sondern manchmal ein Echo, das bis heute im Raum steht.

Wenn Familiengeschichte plötzlich unter die Haut geht
3.5

Roman oder die Geschichte der Frauen aus 4 Generationen

Der Hanser Verlag hat mir das Buch zugesandt (hatte mich bei Instagram darum beworben) und meine Freude war groß, da Miriam und ich gleichaltrig sind und ich ca 45 km von Dresden entfernt aufgewachsen bin. Ich kenne auch solche Geschichten von Liebe und deren Konsequenzen. Ich habe das Buch fertig gelesen, aber nicht so viel Neues erfahren und bezweifle, dass es mir wirklich in Erinnerung bleiben wird. Wirklich sehr irritierend fand ich die vielfache Benennung des N-Wortes. Warum? Bzw fehlte mir an irgendeiner Stelle eine Erklärung dazu. Ich bin auch noch damit aufgewachsen und Monika hat dann irgendwann darauf hingewiesen, dass man jetzt Schwarzer sagt. Aber ich bin der Meinung, dass man zumindest bei der ersten Nennung eine Erklärung mitgibt. Generell denke ich, ist das Buch für jüngere Generationen interessanter und informativer. Mir als „Zeitzeuge“ waren die meisten Themen und Charaktere vertraut. Danke dem Hanser Verlag und Miriam Carbe, dass ich dieses Buch lesen durfte.

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