
146 Follower
Sehr gut, sehr wichtig, aber auch niederschmetternd.

15. Mai 2025
Sehr gut, sehr wichtig, aber auch niederschmetternd.
15. Mai 2025

Blick ins Buch
Ein Buch über systematischen Machtmissbrauch
Über Jahrzehnte sind junge Frauen in der Musikindustrie benutzt und diskriminiert worden: Egal ob Fans, Groupies, Journalistinnen, Mitarbeiterinnen oder Sängerinnen selbst - der Mythos von Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll, das viele Geld und das extreme Machtgefälle haben sexualisierter Gewalt über alle Genres hinweg den Boden bereitet. Die Diskussion um die Vorwürfe gegen Rammstein-Sänger Till Lindemann zeigt: Diese Zustände brechen jetzt auf. Frauen wehren sich. Und sie finden endlich Gehör. Lena Kampf und Daniel Drepper haben über viele Monate hinweg recherchiert und mit mehr als zweihundert Menschen aus der Musikindustrie gesprochen. Packend geschrieben und einfühlsam erzählen die Autoren vom Machtmissbrauch in der Musikindustrie. Sie beschreiben die Strukturen, die einen solchen Missbrauch ermöglichen. Und sie zeigen, warum dieses System jetzt - dank mutiger Frauen, dank unterstützender Aktivistinnen - allmählich ins Wanken gerät.
»Zeit, über das zu sprechen, über das nicht gesprochen werden soll.« JAN BÖHMERMANN
»Dieses Buch ist ein Backstage-Pass - ins Innere der Musikindustrie. Beste journalistische Aufklärung.« JULIA FRIEDRICHS, SACHBUCHAUTORIN
57 Bewertungen
10 Rezensionen
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15. Mai 2025
15. Mai 2025


28 Follower
Große Empfehlung an dieser Stelle für „Row Zero“ von Daniel Drepper und Lena Kampf. Es ist eine kluge, ausgewogene, pointierte Analyse von Machtmissbrauch in der Musikindustrie. Es geht um Rap und Hip-Hop, Pop und Rock, Abhängigkeiten im Musikjournalismus, die Entstehung der „Groupies“, bekannte Fälle wie Rammstein, R. Kelly und Marilyn Manson, aber auch grundsätzlichere Fragen und Probleme der Musikbranche. Manches war mir als Außenstehende in dieser Deutlichkeit nicht bewusst – wenngleich es mich auch wenig überrascht hat. Das Buch leistet wirklich viel, wenn es darum geht, Strukturen sichtbar zu machen, die missbräuchliches Verhalten begünstigen. Und dabei geht es nicht darum, Täter:innen zu entschuldigen, sondern zu analysieren, wie es überhaupt dazu kommen kann, dass sie über Jahre und Jahrzehnte nicht zur Rechenschaft gezogen werden, obwohl ihr Verhalten ein offenes Geheimnis ist. Es geht nie nur um Täter:innen allein, sondern auch um Mitwisser:innen, Ermöglicher:innen, Profiteur:innen. Insbesondere im Hip Hop gehört oft das Bad-Boy-Image dazu – und real verübte Verbrechen bringen nicht nur den Künstlern Credibility, sondern auch den Plattenfirmen Geld. Grund genug, an ihnen festzuhalten, selbst wenn sie zwischendurch länger im Gefängnis sitzen. Was macht Starkult mit Menschen? Kann man sie, _muss_ man sie besser darauf vorbereiten? Welche Maßnahmen ergreifen Veranstalter:innen schon heute, um Übergriffe zu verhindern? Das und noch mehr steckt in „Row Zero“, das ich wirklich dringend empfehlen möchte. Viele, die zum Buch beigetragen haben, wollten nicht namentlich genannt werden. Hoffen wir, dass eine Zeit kommt, in der sie mit ihren Namen für das stehen können, was sie erlebt und gesehen haben.
10. Juli 2024
Große Empfehlung an dieser Stelle für „Row Zero“ von Daniel Drepper und Lena Kampf. Es ist eine kluge, ausgewogene, pointierte Analyse von Machtmissbrauch in der Musikindustrie. Es geht um Rap und Hip-Hop, Pop und Rock, Abhängigkeiten im Musikjournalismus, die Entstehung der „Groupies“, bekannte Fälle wie Rammstein, R. Kelly und Marilyn Manson, aber auch grundsätzlichere Fragen und Probleme der Musikbranche. Manches war mir als Außenstehende in dieser Deutlichkeit nicht bewusst – wenngleich es mich auch wenig überrascht hat. Das Buch leistet wirklich viel, wenn es darum geht, Strukturen sichtbar zu machen, die missbräuchliches Verhalten begünstigen. Und dabei geht es nicht darum, Täter:innen zu entschuldigen, sondern zu analysieren, wie es überhaupt dazu kommen kann, dass sie über Jahre und Jahrzehnte nicht zur Rechenschaft gezogen werden, obwohl ihr Verhalten ein offenes Geheimnis ist. Es geht nie nur um Täter:innen allein, sondern auch um Mitwisser:innen, Ermöglicher:innen, Profiteur:innen. Insbesondere im Hip Hop gehört oft das Bad-Boy-Image dazu – und real verübte Verbrechen bringen nicht nur den Künstlern Credibility, sondern auch den Plattenfirmen Geld. Grund genug, an ihnen festzuhalten, selbst wenn sie zwischendurch länger im Gefängnis sitzen. Was macht Starkult mit Menschen? Kann man sie, _muss_ man sie besser darauf vorbereiten? Welche Maßnahmen ergreifen Veranstalter:innen schon heute, um Übergriffe zu verhindern? Das und noch mehr steckt in „Row Zero“, das ich wirklich dringend empfehlen möchte. Viele, die zum Buch beigetragen haben, wollten nicht namentlich genannt werden. Hoffen wir, dass eine Zeit kommt, in der sie mit ihren Namen für das stehen können, was sie erlebt und gesehen haben.
10. Juli 2024

27 Follower
Ich konnte der „größten“ ostdeutschen Band noch nie etwas abgewinnen, habe die Faszination nie verstanden und eine innere Ablehnung schwang immer mit. Die permanente Provokation, das ewige Spiel mit der Grenzüberschreitung und überbordende Männlichkeitsbilder – das erzeugte bei mir stets Widerstand. Im letzten Sommer twittert die Irin Shelby Lynn – ein Fan der Band – dass bei einem Konzert in Vilnius etwas nicht mit rechten Dingen abgelaufen sei. In den Sozialen Netzwerken bringt sie eine Welle in den Gang, von der zu vermuten ist, dass wir aktuell nur ihre Gicht sehen. Lena Kampf (SZ) und Daniel Drepper, der den Rechercheverbund NDR, WDR und SZ leitet, beobachten die Geschehnisse online, machen etliche Screenshots und kündigen kurze Zeit später an, dass sie den Vorwürfen nachgehen werden. Schon am ersten Tag der Ankündigungen melden sich zahlreiche Frauen und das Investigativ-Team beginnt mit seiner Arbeit. Ein Jahr später veröffentlichen sie ihre Recherche als Buch mit dem Titel „Row Zero“ – die Reihe direkt vor der Bühne, die sich später auch im #Backstage trifft. Neben einigen bekannten Passagen und Erkenntnissen, die bereits in den Artikeln des Sommers 2023 zu lesen waren, wird im Buch noch einmal aufgearbeitet, wie systematisch #Machtmissbrauch in der Musikbranche ist. Es beginnt beim Groupie-Mythos, der sich in den 1960ern in den USA als „Bruch mit der Enge und dem Mief der Nachkriegsjahre“ (S. 52) entwickelte. Junge Frauen, manchmal noch Mädchen, boten sich Rock’n’Roll Bands an, um sie auf Tour zu begleiten. Wir bekommen aber auch Einblicke in das aktuelle Geschehen in der Musikbranche. Akteur*innen schildern Erfahrungen aus Backstage-Bereichen, zeigen Missstände bei großen Musiklabels auf und appellieren dabei immer wieder auch daran, dass sich die Musikindustrie nicht aus der Verantwortung ziehen darf. Die Wahrheit ist bitter, aber die Musikbranche, die sich nach außen oft so divers, queerfreundlich und offen gibt, scheint seit Jahrzehnten einen unsichtbaren Pakt geschlossen zu haben. Glaubt man den Schilderungen im Buch, ist systematischer Machtmissbrauch an der Tagesordnung und wird genreübergreifend gelebt. Es sind – mit wenigen Ausnahmen – vorrangig Männer, die dieses System geschaffen haben und die ihre Macht darin erhalten wollen. Besonders hervorheben möchte ich das Unterkapitel „Arena“ (ab S. 226), in dem Christina Clemm, die „die wohl bekannteste Juristin Deutschlands ist, wenn es um Gewalt gegen Frauen geht“, zu Wort kommt. Die juristische Einordnung und die Faktenlage zum Thema Strafverfolgung fand ich ebenso erhellend wie niederschmetternd. Es wird klar, dass wir hier vor allem eine gesellschaftliche Verantwortung haben, da das Gesetz allein keinen Fortschritt für die Bekämpfung von Machtmissbrauch erreichen kann. On a personal note bin ich sehr dankbar, dass sich Lena Kampf und Daniel Drepper diesem Thema investigativ angenommen haben, vor der Drohkulisse, die die Band sehr schnell aufgebaut hat, nicht zurückgeschreckt sind und am wichtigsten: den Betroffenen eine Plattform und eine Stimme gegeben haben, abseits vom Social-Media-Diskurs. Absolute Empfehlung!

23. Juli 2024
Ich konnte der „größten“ ostdeutschen Band noch nie etwas abgewinnen, habe die Faszination nie verstanden und eine innere Ablehnung schwang immer mit. Die permanente Provokation, das ewige Spiel mit der Grenzüberschreitung und überbordende Männlichkeitsbilder – das erzeugte bei mir stets Widerstand. Im letzten Sommer twittert die Irin Shelby Lynn – ein Fan der Band – dass bei einem Konzert in Vilnius etwas nicht mit rechten Dingen abgelaufen sei. In den Sozialen Netzwerken bringt sie eine Welle in den Gang, von der zu vermuten ist, dass wir aktuell nur ihre Gicht sehen. Lena Kampf (SZ) und Daniel Drepper, der den Rechercheverbund NDR, WDR und SZ leitet, beobachten die Geschehnisse online, machen etliche Screenshots und kündigen kurze Zeit später an, dass sie den Vorwürfen nachgehen werden. Schon am ersten Tag der Ankündigungen melden sich zahlreiche Frauen und das Investigativ-Team beginnt mit seiner Arbeit. Ein Jahr später veröffentlichen sie ihre Recherche als Buch mit dem Titel „Row Zero“ – die Reihe direkt vor der Bühne, die sich später auch im #Backstage trifft. Neben einigen bekannten Passagen und Erkenntnissen, die bereits in den Artikeln des Sommers 2023 zu lesen waren, wird im Buch noch einmal aufgearbeitet, wie systematisch #Machtmissbrauch in der Musikbranche ist. Es beginnt beim Groupie-Mythos, der sich in den 1960ern in den USA als „Bruch mit der Enge und dem Mief der Nachkriegsjahre“ (S. 52) entwickelte. Junge Frauen, manchmal noch Mädchen, boten sich Rock’n’Roll Bands an, um sie auf Tour zu begleiten. Wir bekommen aber auch Einblicke in das aktuelle Geschehen in der Musikbranche. Akteur*innen schildern Erfahrungen aus Backstage-Bereichen, zeigen Missstände bei großen Musiklabels auf und appellieren dabei immer wieder auch daran, dass sich die Musikindustrie nicht aus der Verantwortung ziehen darf. Die Wahrheit ist bitter, aber die Musikbranche, die sich nach außen oft so divers, queerfreundlich und offen gibt, scheint seit Jahrzehnten einen unsichtbaren Pakt geschlossen zu haben. Glaubt man den Schilderungen im Buch, ist systematischer Machtmissbrauch an der Tagesordnung und wird genreübergreifend gelebt. Es sind – mit wenigen Ausnahmen – vorrangig Männer, die dieses System geschaffen haben und die ihre Macht darin erhalten wollen. Besonders hervorheben möchte ich das Unterkapitel „Arena“ (ab S. 226), in dem Christina Clemm, die „die wohl bekannteste Juristin Deutschlands ist, wenn es um Gewalt gegen Frauen geht“, zu Wort kommt. Die juristische Einordnung und die Faktenlage zum Thema Strafverfolgung fand ich ebenso erhellend wie niederschmetternd. Es wird klar, dass wir hier vor allem eine gesellschaftliche Verantwortung haben, da das Gesetz allein keinen Fortschritt für die Bekämpfung von Machtmissbrauch erreichen kann. On a personal note bin ich sehr dankbar, dass sich Lena Kampf und Daniel Drepper diesem Thema investigativ angenommen haben, vor der Drohkulisse, die die Band sehr schnell aufgebaut hat, nicht zurückgeschreckt sind und am wichtigsten: den Betroffenen eine Plattform und eine Stimme gegeben haben, abseits vom Social-Media-Diskurs. Absolute Empfehlung!
23. Juli 2024

3 von 10 Rezensionen
Autorin / Autor
Lena Kampf ist stellvertretende Ressortleiterin im Ressort Investigative Recherche der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Zuvor war sie Investigativreporterin beim WDR in Berlin und Brüssel und Teil der Recherchekooperation aus NDR, WDR und SZ. Sie hat 2019 mit einer Reportage über die #Metoo-Bewegung im Europaparlament den DEUTSCH-FRANZÖSISCHEN JOURNALISTENPREIS gewonnen. Im Sommer 2016 verbrachte sie zwei Monate als Arthur F. Burns Fellow bei der Zeitung Miami Herald in Florida.
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