Blick ins Buch

Om udregning af rumfang I

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Über das Buch

Editionen (2)

ISBN9788799584871
VerlagPelagraf
Erscheinungsdatum31.12.20
Seitenzahl1

Rezensionen & Bewertungen

66 Bewertungen

16 Rezensionen

3,8

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  • 5,0

    Für alle Liebhaber *innen der Unwägbarkeiten zwischen Raum und Zeit ✨

    Die Bücher haben mich stark an einen Film aus meiner Kindheit erinnert, und zwar an die US-amerikanische Filmkomödie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ aus dem Jahr 1993. Der zynische TV-Wetteransager Phil Connors erlebt darin täglich wiederkehrend den 2. Februar, an dem in der Kleinstadt Punxsutawney der Tag des Murmeltiers gefeiert wird. Ekelpaket Phil wird erst wieder in den 3. Februar entlassen, als aus ihm ein freundlich zugewandter Zeitgenosse geworden ist. Der Plot von „Über die Berechnung des Rauminhalts“ erinnert an den Filmklassiker, aber damit enden die Parallelen auch schon. Die Dänin Solvej Balle hat eine Romanreihe über die Unwägbarkeiten des Lebens geschrieben, die ebenso verstörend wie klug anmutet. Die Antiquarin Tara Selter aus der (fiktiven) französischen Kleinstadt Clairon-sous-Bois ist in einer Zeitschleife gefangen und erlebt den 18. November wieder und wieder. Sie gewöhnt sich nur widerwillig an den Gedanken, dass „die ganze Vorhersagbarkeit der Welt“ plötzlich aus den Angeln gehoben ist. Ihr wird die fehlende Konstanz von Zeit und Raum bewusst: „Und hinter all dem, was wir gewöhnlich als sicher annehmen, liegen unwahrscheinliche Ausnahmen, plötzliche Risse und unvorstellbare Gesetzesbrüche.“ Würdet Ihr die Möglichkeit nutzen, einen Tag im Leben nochmal erleben zu können, wenn sie bestände? Ist es eher eine Verlockung oder Horrorvorstellung, ein wahr gewordener Albtraum? Für mich ist diese Vorstellung eine Verlockung, löst aber gleichzeitig auch Unbehagen in mir aus - letztendlich ist die Singularität der Zeit wahrscheinlich doch ein segensreiches Faktum. Es mutet doch ziemlich unheimlich an, dass der gleiche Tag immer wiederkehrt und es keinen zeitlichen Fortschritt gibt. Aber diese Vision ist eher unwahrscheinlich - oder vielleicht doch nicht?! Tara zweifelt am Anfang der Geschichte an ihrem Verstand und sucht gemeinsam mit ihrem Mann Thomas nach Auswegen aus der Zeitschleife. Aber letztlich führt der weitere Verlauf zu einer Akzeptanz der Situation ihrerseits. Doch zahlt sie einen hohen Preis dafür - die Entfremdung von ihrem Ehemann, die mit Fortschreiten der Bücher immer stärkere Ausprägungen annimmt. Sie setzt ihre ganze Hoffnung in den Tag, an dem sich die Zeitverschiebung jährt. Mehr möchte ich nicht über das Ende des Auftakts des Romanzyklus verraten. Mir war bis zur letzten Seite nicht klar, warum die Ich-Erzählerin Tara in dieser Zeitanomalie gefangen ist. Und auch nicht, wie sie wieder zurück in die Normalität finden könnte. Ich habe Taras Gedankenwelt in allen Stufen ihrer Verzweiflung, die Solvej Balle hier erschaffen hat, als philosophisch und einfühlsam zugleich empfunden. Besonders beeindruckend beschrieben von Solvej Balle fand ich die Entwicklung Taras über die drei Bücher hinweg und die pointierte Integration von Elementen des Magischen Realismus. Ein ganz großes Stück Literatur. Die Bücher werden mich so schnell nicht loslassen und ich erwarte voller Ungeduld die Erscheinung von Teil vier.

    26. Aug. 2024

  • zauberberggast
    zauberberggast

    80 Follower

    5,0

    Und täglich grüßt der 18. November “Ich wünsche mir eine Welt, in der die Zeit vergeht. Eine Welt, in welcher der achtzehnte November ein Tag wie alle anderen ist, ein Tag, den man zu den Akten legen kann.” (S. 153) Was ich bei einer Lektüre suche, ist immer das Einzigartige und Besondere, etwas, das kein anderes Buch hat. Und wieder einmal habe ich es gefunden, ein Herzensbuch. Schon vor Längerem habe ich mir “Über die Berechnung des Rauminhalts I” von Solvej Balle (aus dem Dänischen von Peter-Urban Halle, bei Matthes & Seitz Berlin) gekauft, die Lektüre aber noch etwas herausgeschoben. Das hat einen ganz besonderen Grund: Ich wollte warten bis zum 18. November, bis ich damit beginne. Warum? Der 18. November ist der Schicksalstag der Protagonistin aus "Rauminhalt I”, Tara Selter, denn sie ist in einer Zeitschleife gefangen und erlebt den Tag immer und immer wieder. Einer meiner Lieblingsfilme ist “Groundhog Day” bzw. “Und täglich grüßt das Murmeltier”, wo der Meteorologe Phil Connors den 2. Februar immer wieder und wieder erlebt. Den gleichen Tag als repetitive Dauerschleife zu erleben, ist - zumindest für mich - eine faszinierende Horrorvorstellung. Umso gespannter war ich auf eine literarische Bearbeitung des Themas. Während der Film dieses auf tragikomische Weise umsetzt und vor allem mit Humor arbeitet, zeichnet den Roman ein fast schon heiliger Ernst und eine skandinavisch-schnörkellose Klarheit aus. Eine starke Bildsprache, die die Wiederholung des immer Gleichen auf unvergleichliche Weise einfängt. Tara Selter ist wie Phil Connors aus “Groundhog Day” allein in “ihrem” 18. November. Ihr Mann Thomas, der gemeinsam mit Tara mit antiquarischen Büchern handelt - sie wohnen in einem ländlichen französischen Ort in der Nähe von Lille - weiß nichts von der zeitlichen Anomalie, in der seine Frau lebt. Und so leben sie nebeneinander her, Tara bezeichnet sich als Monster und Thomas als Muster. Er lebt den Tag in ihrer Abwesenheit, denn eigentlich ist sie am 18. November geschäftlich in Paris. Als sie aber beschließt, nach Hause zu kommen, erzählt sie ihm alles über den 18. November und die Zeitschleife, was er dann aber am nächsten Morgen, der für Tara nur der Beginn eines weiteren 18.11 (sie werden nummeriert) ist, wieder vergessen hat. Tara beginnt, Thomas aus dem Weg zu gehen, lebt immer wieder in ihren Tag hinein und denkt sich Pläne aus, wie sie ihm wieder entkommen kann. Ich bin keine Physikerin oder verstehe viel von der Materie, ich kenne mich nicht näher mit zeitlichen Unregelmäßigkeiten, Quantenmechanik und Mehrere-Welten-Theorie aus. Ich bin einfach nur eine Leserin, die fasziniert ist von einem Buch. Ich bin von dieser eindringlichen Prosa fasziniert, die sich mit kleinsten Veränderungen auseinandersetzt, mit Beobachtungen des Wetters und der Landschaft, mit dem Vergehen bzw. dem Nicht-Vergehen der Zeit. Die Reihe macht süchtig und ich hätte am liebsten sofort zu Buch II. gegriffen, wenn ich es denn schon da hätte und wenn nicht andere Bücher auf mich warten würden. Auch bin ich in keiner Zeitschleife gefangen und ich werde definitiv nicht bis zum nächsten 18.11 mit Band II warten. Ich bin so froh, dass die Reihe auf sieben Bände angelegt ist und hoffe sehr, dass sie alle auch von Peter Urban-Halle aus dem Dänischen übersetzt und bei Matthes & Seitz Berlin verlegt werden. Absolute Leseempfehlung - großartig, einzigartig und von höchster literarischer Qualität.

    1. Dez. 2024

  • pinar.g
    pinar.g

    42 Follower

    4,0

    Eine stille, eindringliche Studie innerer Veränderung

    Solvej Balles Roman ist keine genretypische Zeitreisegeschichte und erst recht kein Ausflug in Science-Fiction oder Komik. Die Idee einer Zeitschleife dient hier nicht als Spielerei, sondern als radikale erzählerische Bedingung für einen inneren Prozess: Im Zentrum steht die psychische Entwicklung der Protagonistin Tara. Nach einem scheinbar unerklärlichen Phänomen erwacht Tara immer wieder am selben Tag im November. Anfangs ist sie davon getrieben, eine Ursache zu finden, die Situation zu begreifen oder zu durchbrechen. Doch schnell tritt dieser Wunsch zurück. Die fixierte Zeit wird zum Prüfstein der Wahrnehmung, zum Spiegel der eigenen Beziehungen, zum Raum der Veränderung. Zunehmend verlagert sich der Fokus auf Taras Innenwelt. Besonders eindrücklich ist die wachsende Distanz zu ihrem Mann – keine plötzliche Trennung, sondern eine stille, schleichende Entfremdung, die sich im ständigen Nebeneinander und der ausbleibenden Entwicklung ihrer Umwelt spiegelt. Während alles um sie herum starr bleibt, ist Tara die Einzige, die sich verändert. Diese Verschiebung ist der eigentliche Kern des Romans. Balle beschreibt diesen Prozess mit großer sprachlicher Präzision und psychologischer Klarheit. Die Wiederholung des Tages wird nicht monoton, sondern eröffnet eine stetige Verlagerung von Perspektiven: von der Suche nach Antworten zur Beobachtung des Alltags, zur Reflexion über Nähe, Identität und das Wesen der Zeit. Ein Hinweis an zukünftige Leser: Wer ein klassisches Zeitreise-Narrativ oder leichte Unterhaltung erwartet, wird hier nicht fündig. „Über die Berechnung des Rauminhalts I“ ist ein ernstes, leises Buch – eine eindringliche Erkundung dessen, was mit einem Menschen geschieht, wenn alles stillsteht, außer dem eigenen Inneren.

    25. Juni 2025

3 von 16 Rezensionen

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