1979. Behsad, ein junger kommunistischer Revolutionär, kämpft nach der Vertreibung des Schahs mit seinen Freunden für eine neue Ordnung. Er erzählt von funkenschlagender Hoffnung, von klandestinen politischen Aktionen, und davon, wie er in der mutigen, literaturbesessenen Nahid die Liebe seines Lebens findet. Zehn Jahre später nimmt uns Nahid mit in die deutsche Provinz, wohin Behsad und sie nach der Machtübernahme der Mullahs mit ihren Kindern flohen. Stunde um Stunde verbringen sie vor dem Radio und hoffen auf Neuigkeiten von den Freunden, die untertauchen mussten. Sie wollen zurückkehren, unbedingt, und suchen zugleich eine Heimat in der Fremde. 1999 reist Laleh gemeinsam mit ihrer Mutter in den Iran. Zwischen »Kafishaps«, Schönheitsritualen und Familiengeheimnissen lernt sie ein Teheran kennen, das sich nur schwer mit den Erinnerungen aus der Kindheit deckt. Ihren Bruder Mo beschäftigt ein Jahrzehnt später der Liebeskummer seines Kumpels Tobi mehr als die pseudoengagierten Demos der deutschen Studenten. Doch dann bricht die Grüne Revolution im Iran aus und stellt Mos Welt auf den Kopf. Shida Bazyar gelingt ein dichter, vielstimmiger und mitreißender Roman.
Durch die einzelnen Schicksale einer Familie bekommt man einen super Einblick sowohl in den Iran zur Zeiten den Revolution als auch in das Leben von Exil Iranern. An den Personen und die unterschiedlichen Lebensentwürfen werden die Probleme und Hürden gut dargestellt ohne zu belehrend und beschreibend zu sein.
Mag den Schreibstil und die fragmentierte Darstellung der Autorin sehr gerne.
26. Apr. 2026
4,0
Durch die einzelnen Schicksale einer Familie bekommt man einen super Einblick sowohl in den Iran zur Zeiten den Revolution als auch in das Leben von Exil Iranern. An den Personen und die unterschiedlichen Lebensentwürfen werden die Probleme und Hürden gut dargestellt ohne zu belehrend und beschreibend zu sein.
Mag den Schreibstil und die fragmentierte Darstellung der Autorin sehr gerne.
"Ich hätte mehr essen sollen, denke ich an der Stelle jedes Mal, ich hätte jedem ins Gesicht schauen und mehr essen sollen, besonders Behsads kleinen Brüdern, wie alt werden sie wohl sein, wenn wir sie wiedersehen, was für Menschen werden sie sein, ich hätte an ihnen riechen sollen, ich hätte sie küssen sollen, anstatt über Okraschoten nachzudenken."
„Nachts ist es leise in Teheran“ ist ein Familienroman über eine iranischstämmige Familie, die in den 80ern aufgrund der vorherrschenden Unterdrückung und Gewalt nach Deutschland flieht. Das Buch hat vier Kapitel plus einen Epilog, jedes Kapitel ist aus der Perspektive eines anderen Familienmitglieds geschrieben.
Es zeigt die vielen Facetten auf, die eine Flucht vor Terror nicht nur auf die Geflüchteten, sondern auch auf deren gesamtes Umfeld inklusive der nächsten Generation hat. Jedes Familienmitglied geht anders mit dieser traumatischen Erfahrung um, mit der iranischen Herkunft und deutschen Identität.
Das Buch ist, wie auch schon “Drei Kameradinnen” von Shida Bazyar, ein absolutes Highlight für mich gewesen. Bazyar schafft es, jedem der fünf Familienmitglieder eine eigene Stimme zu geben, die sich klar voneinander unterscheiden. Es sind die ganz großen Gefühle, die hier stattfinden, die Hoffnung auf eine richtige Revolution, die Schuld der Überlebenden, Heimweh, Sehnsucht, Zerrissenheit, Wut, Scham, Liebe. Vieles davon zeigt sich in kleinen Alltagsmomenten, im Schweigen oder in feinen Beobachtungen.
Shida Bazyar hat das Buch vor fast 10 Jahren geschrieben. Mit den Entwicklungen in Iran, die es seitdem gegeben hat, hat es traurigerweise nicht viel an Aktualität eingebüßt. Umso betroffener macht das Ende (das ist nicht spoilern werde).
Wenn ihr es noch nicht getan habt, lest unbedingt dieses Buch. Und dann alles, was Shida Bazyar noch schreiben wird - ich hoffe, es wird noch einiges sein.
CN: Ras$ismus, F0lter, M0rd, Alkoh0l, Dr0gen, B0dyshaming, Tierquäl3rei, F3hlgeburt
1. März 2026
5,0
"Ich hätte mehr essen sollen, denke ich an der Stelle jedes Mal, ich hätte jedem ins Gesicht schauen und mehr essen sollen, besonders Behsads kleinen Brüdern, wie alt werden sie wohl sein, wenn wir sie wiedersehen, was für Menschen werden sie sein, ich hätte an ihnen riechen sollen, ich hätte sie küssen sollen, anstatt über Okraschoten nachzudenken."
„Nachts ist es leise in Teheran“ ist ein Familienroman über eine iranischstämmige Familie, die in den 80ern aufgrund der vorherrschenden Unterdrückung und Gewalt nach Deutschland flieht. Das Buch hat vier Kapitel plus einen Epilog, jedes Kapitel ist aus der Perspektive eines anderen Familienmitglieds geschrieben.
Es zeigt die vielen Facetten auf, die eine Flucht vor Terror nicht nur auf die Geflüchteten, sondern auch auf deren gesamtes Umfeld inklusive der nächsten Generation hat. Jedes Familienmitglied geht anders mit dieser traumatischen Erfahrung um, mit der iranischen Herkunft und deutschen Identität.
Das Buch ist, wie auch schon “Drei Kameradinnen” von Shida Bazyar, ein absolutes Highlight für mich gewesen. Bazyar schafft es, jedem der fünf Familienmitglieder eine eigene Stimme zu geben, die sich klar voneinander unterscheiden. Es sind die ganz großen Gefühle, die hier stattfinden, die Hoffnung auf eine richtige Revolution, die Schuld der Überlebenden, Heimweh, Sehnsucht, Zerrissenheit, Wut, Scham, Liebe. Vieles davon zeigt sich in kleinen Alltagsmomenten, im Schweigen oder in feinen Beobachtungen.
Shida Bazyar hat das Buch vor fast 10 Jahren geschrieben. Mit den Entwicklungen in Iran, die es seitdem gegeben hat, hat es traurigerweise nicht viel an Aktualität eingebüßt. Umso betroffener macht das Ende (das ist nicht spoilern werde).
Wenn ihr es noch nicht getan habt, lest unbedingt dieses Buch. Und dann alles, was Shida Bazyar noch schreiben wird - ich hoffe, es wird noch einiges sein.
CN: Ras$ismus, F0lter, M0rd, Alkoh0l, Dr0gen, B0dyshaming, Tierquäl3rei, F3hlgeburt
Das Buch begleitet eine iranische Familie von 1979 bis 2009, teils in Teheran, teils im deutschen Exil - ein fordernder Text, der stilistisch Zeit benötigt und Themen wie Flucht, Identität, Zugehörigkeit und Rassismus behandelt. Nicht ganz mein Roman, aber hochaktuell.
14. März 2026
3,0
Das Buch begleitet eine iranische Familie von 1979 bis 2009, teils in Teheran, teils im deutschen Exil - ein fordernder Text, der stilistisch Zeit benötigt und Themen wie Flucht, Identität, Zugehörigkeit und Rassismus behandelt. Nicht ganz mein Roman, aber hochaktuell.
„ja klar, ihr seid wahnsinnig nett und habt mich lieb, aber eigentlich führt ihr hier gar nicht das richtige Leben, das richtige Leben ist in Deutschland.“
Dieser und der folgende Satz machen einiges mit mir. Das ist wahrscheinlich ziemlich entlarvend.